{"id":6639,"date":"2012-11-30T21:53:10","date_gmt":"2012-11-30T19:53:10","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6639"},"modified":"2012-11-30T21:53:10","modified_gmt":"2012-11-30T19:53:10","slug":"iii-b-96-09-beschlussberichtigung-bei-eindeutig-unzutreffender-parteibezeichnung-nicht-aber-bei-fehlerhafter-rechtsanwendung-auslegung-als-berichtigungsantrag-keine-verfahrensunterbrechung-durch-geset","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-96-09-beschlussberichtigung-bei-eindeutig-unzutreffender-parteibezeichnung-nicht-aber-bei-fehlerhafter-rechtsanwendung-auslegung-als-berichtigungsantrag-keine-verfahrensunterbrechung-durch-geset\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;96\/09 &#8211; Beschlussberichtigung bei eindeutig unzutreffender Parteibezeichnung, nicht aber bei fehlerhafter Rechtsanwendung &#8211; Auslegung als Berichtigungsantrag &#8211; Keine Verfahrensunterbrechung durch gesetzlichen Beteiligtenwechsel"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.11.2011, III B 96\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Beschlussberichtigung bei eindeutig unzutreffender Parteibezeichnung, nicht aber bei fehlerhafter Rechtsanwendung &#8211; Auslegung als Berichtigungsantrag &#8211; Keine Verfahrensunterbrechung durch gesetzlichen Beteiligtenwechsel<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) legte gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 31. M&auml;rz 2009&nbsp;&nbsp;1 K 233\/08 Kg Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision ein. Die Beschwerde wurde mit Beschluss vom 14. Januar 2011 III B 96\/09 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Der Beschluss tr&auml;gt f&auml;lschlicherweise das Datum vom 14. Januar 2010.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 22. Februar 2011 beantragte der Kl&auml;ger die Berichtigung des genannten Beschlusses, weil der Senat in seiner Begr&uuml;ndung nicht darauf eingegangen sei, dass er, der Kl&auml;ger, erstmals neue gewichtige Gesichtspunkte f&uuml;r eine erneute &Uuml;berpr&uuml;fung des h&ouml;chstrichterlich gekl&auml;rten Begriffs der Haushaltsaufnahme i.S. des &sect; 32 Abs. 1 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes angef&uuml;hrt habe, obwohl ein solcher Vortrag nach den eigenen Ausf&uuml;hrungen des Senats Voraussetzung f&uuml;r eine erneute &Uuml;berpr&uuml;fung sei. Dies lasse nur den Schluss auf ein &quot;offenkundiges Versehen&quot; des Senats zu, das nach den sinngem&auml;&szlig; anwendbaren &sect;&sect; 107 bis 109 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zu berichtigen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die in dem Beschluss als Beklagte und Beschwerdegegnerin aufgef&uuml;hrte X teilte daraufhin u.a. mit, dass sich die Y und die X bereits vor Ergehen des Beschlusses zur XY vereinigt haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. 1. Der Senat legt das Schreiben des Kl&auml;gers vom 22. Februar 2011 unter sinngem&auml;&szlig;er Anwendung der &sect;&sect; 133, 157 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs als einen Berichtigungsantrag nach &sect; 107 FGO, nicht (auch) als einen solchen nach &sect; 108 FGO aus. Hierf&uuml;r spricht bereits deutlich, dass der Kl&auml;ger in seinem Schreiben u.a. die Begriffe &quot;Beschlussberichtigungsantrag&quot; und &quot;offenkundiges Versehen&quot; verwendet und damit auf den Norminhalt des &sect; 107 FGO Bezug nimmt. Zudem ist der Grundsatz der rechtsschutzgew&auml;hrenden Auslegung zu beachten, nach dem dasjenige gewollt ist, das nach den Ma&szlig;st&auml;ben der Rechtsordnung vern&uuml;nftig ist und der recht verstandenen Interessenlage des Kl&auml;gers entspricht (z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 9. Dezember 2009 II R 52\/07, BFH\/NV 2010, 824). Ein Antrag auf Berichtigung des &quot;Tatbestandes&quot; des Senatsbeschlusses vom 14. Januar 2011 nach &sect; 108 FGO w&auml;re aber bereits wegen fehlenden Rechtsschutzinteresses unzul&auml;ssig (BFH-Beschluss vom 20. Dezember 2006 II B 152\/05, nicht amtlich ver&ouml;ffentlicht &#8211;juris&#8211;). Vern&uuml;nftigerweise ist daher allein von einem Antrag nach &sect; 107 FGO auszugehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Beschluss vom 14. Januar 2011 III B 96\/09 ist von Amts wegen nach &sect; 107 FGO wegen unzutreffender Bezeichnung der beklagten Partei und falscher Datumsangabe zu berichtigen. Die vom Kl&auml;ger beantragte Berichtigung ist hingegen abzulehnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect; 107 Abs. 1 FGO sind Schreibfehler, Rechenfehler und &auml;hnliche offenbare Unrichtigkeiten im Urteil jederzeit vom Gericht zu berichtigen. Die Vorschrift ist auch auf die Berichtigung von Beschl&uuml;ssen anzuwenden. Als Berichtigungsgegenstand erfasst &sect; 107 FGO alle Bestandteile des Urteils bzw. des Beschlusses (vgl. BFH-Beschluss vom 22. Juli 2005 V B 84\/02, BFH\/NV 2005, 2218, m.w.N.). Eine einem Schreib- oder Rechenfehler &auml;hnliche offenbare Unrichtigkeit liegt nur vor, wenn es sich um ein Versehen handelt, durch das es, wie bei einem Schreib- oder Rechenfehler, dazu kommt, dass das wirklich Gewollte nicht zum Ausdruck gelangt. Ziel der Berichtigung kann somit nur sein, den erkl&auml;rten mit dem gewollten Inhalt des Urteils in Einklang zu bringen; wie bei der vergleichbaren Vorschrift des &sect; 129 der Abgabenordnung schlie&szlig;t die ernstliche M&ouml;glichkeit eines Fehlers in der Sachverhaltsermittlung, Tatsachenw&uuml;rdigung oder Rechtsanwendung die Berichtigung nach &sect; 107 FGO aus (z.B. BFH-Beschluss vom 19. November 2003 I B 47\/03, BFH\/NV 2004, 515).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bei der falschen Bezeichnung des Datums im Rubrum des Beschlusses handelt es sich ersichtlich um einen Schreibfehler.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine &auml;hnliche offenbare Unrichtigkeit i.S. von &sect; 107 FGO ist auch eine eindeutig unzutreffende Parteibezeichnung. Diese liegt u.a. vor, wenn der Beschluss als Kl&auml;gerin eine nicht mehr existente Person benennt, deren Parteistellung inzwischen auf eine andere Person bzw. mehrere andere Personen &uuml;bergegangen ist (vgl. BFH-Urteil vom 6. Juni 2007 II R 20\/06, BFH\/NV 2008, 4, m.w.N.). Gleiches muss dann gelten, wenn &#8211;wie im Streitfall&#8211; infolge der Vereinigung von zwei Krankenkassen an die Stelle der bisherigen Beklagten, der Familienkasse der X, nunmehr im Wege der Gesamtrechtsnachfolge (vgl. dazu &sect; 144 Abs. 4, &sect; 146 Abs. 3 des F&uuml;nften Buchs Sozialgesetzbuch) die Familienkasse der XY getreten ist. Eine Verfahrensunterbrechung nach &sect; 239 Abs. 1 der Zivilprozessordnung i.V.m. &sect; 155 FGO ist durch den gesetzlichen Beteiligtenwechsel auf Seiten der Beklagten nicht eingetreten (vgl. Bergkemper in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect; 122 FGO Rz 13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die vom Kl&auml;ger beantragte Berichtigung des Beschlusses ist abzulehnen, weil er mit dem Vortrag, der Senat sei nicht auf die von ihm erstmals angef&uuml;hrten gewichtigen Gr&uuml;nde zur &Uuml;berpr&uuml;fung des Begriffs der Haushaltsaufnahme eingegangen, nicht das Vorliegen einer &auml;hnlichen offenbaren Unrichtigkeit i.S. des &sect; 107 FGO, sondern im Kern eine fehlerhafte Rechtsanwendung r&uuml;gt. Abgesehen davon hat sich der Senat in dem Beschluss vom 14. Januar 2011 III B 96\/09 durchaus mit den vom Kl&auml;ger vorgetragenen Gesichtspunkten besch&auml;ftigt, welche seiner Einsch&auml;tzung nach eine erneute &Uuml;berpr&uuml;fung des Begriffs der Haushaltsaufnahme erforderlich gemacht h&auml;tten. So leitete der Kl&auml;ger die grunds&auml;tzliche Bedeutung der Rechtsfrage, ob eine Haushaltsaufnahme auch durch Einrichtung einer Au&szlig;enstelle erfolgen k&ouml;nne, gerade aus dem Verfassungsrecht ab. Nach Auffassung des Senats erfolgte jedoch &#8211;wie der Seite 6 des Beschlusses (unter II.1.b) entnommen werden kann&#8211; keine hinreichend substantiierte inhaltliche Auseinandersetzung mit den genannten Verfassungsnormen (Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1, Art. 3 Abs. 3, Art. 6 Abs. 2, Art. 20 Abs. 1 des Grundgesetzes).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das Rubrum ist danach wie folgt zu &auml;ndern:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Als Beklagte und Beschwerdegegnerin wird die XY &#8211;Familienkasse&#8211;, vertreten durch &#8230;, aufgef&uuml;hrt. Als Beschlussdatum wird statt des &quot;14. Januar 2010&quot; der &quot;14. Januar 2011&quot; genannt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Entscheidung ergeht kostenfrei (Senatsbeschluss vom 10. M&auml;rz 2008 III R 37\/03, BFH\/NV 2008, 1333, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.11.2011, III B 96\/09 Beschlussberichtigung bei eindeutig unzutreffender Parteibezeichnung, nicht aber bei fehlerhafter Rechtsanwendung &#8211; Auslegung als Berichtigungsantrag &#8211; Keine Verfahrensunterbrechung durch gesetzlichen Beteiligtenwechsel Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) legte gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 31. 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