{"id":66395,"date":"2017-01-18T12:53:43","date_gmt":"2017-01-18T10:53:43","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66395"},"modified":"2017-01-18T12:53:43","modified_gmt":"2017-01-18T10:53:43","slug":"vi-r-7-14-zivilprozesskosten-als-aussergewoehnliche-belastungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-7-14-zivilprozesskosten-als-aussergewoehnliche-belastungen\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;7\/14 &#8211; Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.12.2015, VI R 7\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Kosten im Zusammenhang mit einem Zivilprozess sind nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung abziehbar, soweit der Prozess die Geltendmachung von Schmerzensgeldanspr&uuml;chen betrifft.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Sind die Kosten f&uuml;r einen Zivilprozess nur zum Teil als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung abziehbar, ist der abziehbare Teil der Kosten mit Hilfe der Streitwerte der einzelnen Klageantr&auml;ge zu ermitteln (Anschluss an BFH-Urteil vom 27. August 2008 III R 50\/06, BFH\/NV 2009, 553).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 23. September 2013 7 K 1549\/13 E aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) wurde f&uuml;r das Streitjahr (2011) einzeln zur Einkommensteuer veranlagt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die 1976 geborene Ehefrau (E) des Kl&auml;gers erkrankte an Krebs. Der Kl&auml;ger hatte mit E zwei gemeinsame Kinder, die 1999 geborene Tochter J und die 2002 geborene Tochter F. E verstarb im August 2006 an den Folgen ihres Krebsleidens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger, J, F und die Erbengemeinschaft nach E, bestehend aus dem Kl&auml;ger sowie J und F, nahmen den Frauenarzt der E, Dr.&nbsp;A, mit Klageschrift vom 28.&nbsp;Januar 2011 auf Schadensersatz wegen eines von ihnen geltend gemachten Behandlungsfehlers in Anspruch. Sie begehrten Schmerzensgeld sowie die Feststellung, dass ihnen s&auml;mtliche materiellen und immateriellen Sch&auml;den zu erstatten seien, die ihnen aus Anlass der bei E in der Zeit ab August 2001 durchgef&uuml;hrten Behandlung entstanden seien oder entstehen w&uuml;rden, soweit die Anspr&uuml;che nicht auf Dritte &uuml;bergegangen seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger machte in seiner Einkommensteuererkl&auml;rung von ihm im Streitjahr gezahlte Kosten des Zivilprozesses gegen Dr.&nbsp;A in H&ouml;he von insgesamt 12.137,50&nbsp;EUR geltend, die sich wie folgt zusammensetzten: Gerichtskosten (4.068&nbsp;EUR und 2.550&nbsp;EUR), Rechtsanwaltskosten (1.519,50&nbsp;EUR) und Sachverst&auml;ndigenkosten (4.000&nbsp;EUR).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erkannte die Aufwendungen auch im Einspruchsverfahren nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt. Kosten eines Zivilprozesses k&ouml;nnten unabh&auml;ngig vom Gegenstand des Rechtsstreits aus rechtlichen Gr&uuml;nden zwangsl&auml;ufig entstehen. Voraussetzung f&uuml;r den Abzug der Prozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung sei, dass sich der Steuerpflichtige nicht mutwillig oder leichtfertig auf den Prozess eingelassen habe. Im Streitfall sei die Rechtsverfolgung durch den Kl&auml;ger nicht von vornherein aussichtslos und auch nicht mutwillig gewesen. Nach den vom Kl&auml;ger eingereichten Unterlagen und unter Ber&uuml;cksichtigung der Tatsache, dass das Landgericht (LG) ein Sachverst&auml;ndigengutachten in Auftrag gegeben habe, sei der Erfolg des Rechtsstreits mindestens ebenso wahrscheinlich wie der Misserfolg. Die geltend gemachten Aufwendungen seien auch der H&ouml;he nach notwendig und angemessen gewesen. Sie seien daher als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung im Veranlagungszeitraum der Verausgabung steuermindernd zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es beantragt,<br \/>das Urteil des FG D&uuml;sseldorf vom 23.&nbsp;September 2013&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;1549\/13 E aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Unrecht die vom Kl&auml;ger aufgewandten Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen steuermindernd ber&uuml;cksichtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Erwachsen einem Steuerpflichtigen zwangsl&auml;ufig gr&ouml;&szlig;ere Aufwendungen als der &uuml;berwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverh&auml;ltnisse, gleicher Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse und gleichen Familienstandes (au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung), so wird auf Antrag die Einkommensteuer in bestimmtem Umfang erm&auml;&szlig;igt (&sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;). Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG erwachsen dem Steuerpflichtigen Aufwendungen zwangsl&auml;ufig, wenn er sich ihnen aus rechtlichen, tats&auml;chlichen oder sittlichen Gr&uuml;nden nicht entziehen kann und soweit die Aufwendungen den Umst&auml;nden nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht &uuml;bersteigen. Ziel des &sect;&nbsp;33 EStG ist es, zwangsl&auml;ufige Mehraufwendungen f&uuml;r den existenznotwendigen Grundbedarf zu ber&uuml;cksichtigen, die sich wegen ihrer Au&szlig;ergew&ouml;hnlichkeit einer pauschalen Erfassung in allgemeinen Freibetr&auml;gen entziehen. Aus dem Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;33 EStG ausgeschlossen sind dagegen die &uuml;blichen Aufwendungen der Lebensf&uuml;hrung, die in H&ouml;he des Existenzminimums durch den Grundfreibetrag abgegolten sind (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29.&nbsp;September 1989 III&nbsp;R&nbsp;129\/86, BFHE 158, 380, BStBl II 1990, 418, und vom 26.&nbsp;Juni 2014 VI&nbsp;R&nbsp;51\/13, BFHE 246, 326, BStBl II 2015, 9).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Bei den Kosten eines Zivilprozesses sprach nach der langj&auml;hrigen Rechtsprechung des BFH eine Vermutung gegen die Zwangsl&auml;ufigkeit (Senatsurteil vom 22.&nbsp;August 1958 VI&nbsp;148\/57&nbsp;U, BFHE 67, 379, BStBl III 1958, 419; BFH-Urteile vom 18.&nbsp;Juli 1986 III&nbsp;R&nbsp;178\/80, BFHE 147, 171, BStBl II 1986, 745; vom 9.&nbsp;Mai 1996 III&nbsp;R&nbsp;224\/94, BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596; vom 4.&nbsp;Dezember 2001 III&nbsp;R&nbsp;31\/00, BFHE 198, 94, BStBl II 2002, 382; vom 18.&nbsp;M&auml;rz 2004 III&nbsp;R&nbsp;24\/03, BFHE 206, 16, BStBl II 2004, 726, und vom 27.&nbsp;August 2008 III&nbsp;R&nbsp;50\/06, BFH\/NV 2009, 553). Solche Kosten wurden nur als zwangsl&auml;ufig erachtet, wenn auch das die Zahlungsverpflichtung oder den Zahlungsanspruch ad&auml;quat verursachende Ereignis zwangsl&auml;ufig war (BFH-Urteil in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596). Daran fehlte es nach der Rechtsprechung des BFH im Allgemeinen bei einem Zivilprozess (BFH-Urteile in BFHE 206, 16, BStBl II 2004, 726, und in BFH\/NV 2009, 553). Als zwangsl&auml;ufige Aufwendungen erkannte die Rechtsprechung Zivilprozesskosten nur an, wenn der Prozess existenziell wichtige Bereiche oder den Kernbereich menschlichen Lebens ber&uuml;hrte. Liefe der Steuerpflichtige ohne den Rechtsstreit Gefahr, seine Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bed&uuml;rfnisse in dem &uuml;blichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu k&ouml;nnen, k&ouml;nne er trotz unsicherer Erfolgsaussichten gezwungen sein, einen Zivilprozess zu f&uuml;hren (BFH-Urteile in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596, und in BFH\/NV 2009, 553).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Demgegen&uuml;ber nahm der Senat in seinem Urteil vom 12.&nbsp;Mai 2011 VI&nbsp;R&nbsp;42\/10 (BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015) die Unausweichlichkeit von Zivilprozesskosten unter der Voraussetzung an, dass die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg biete und nicht mutwillig erscheine. Diese Auffassung hat auch das FG dem angefochtenen Urteil zugrunde gelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat h&auml;lt an seiner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 vertretenen Auffassung allerdings nicht mehr fest. Wie er in seinem Urteil vom 18.&nbsp;Juni 2015 VI&nbsp;R&nbsp;17\/14 (BFHE 250, 153, BStBl II 2015, 800) entschieden hat, kehrt er unter Aufgabe seiner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 vertretenen Ansicht zu der fr&uuml;heren Rechtsprechung des BFH zur Abziehbarkeit der Kosten eines Zivilprozesses als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung zur&uuml;ck. Wegen der Einzelheiten wird auf das Senatsurteil in BFHE 250, 153, BStBl II 2015, 800 Bezug genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist auch im Streitfall zu pr&uuml;fen, ob die geltend gemachten Kosten f&uuml;r die zivilprozessuale Auseinandersetzung als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen zu ber&uuml;cksichtigen sind. Zivilprozesskosten sind demnach nur insoweit abziehbar, als der Prozess existenziell wichtige Bereiche oder den Kernbereich menschlichen Lebens ber&uuml;hrt. Liefe der Steuerpflichtige ohne den Rechtsstreit Gefahr, seine Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bed&uuml;rfnisse in dem &uuml;blichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu k&ouml;nnen, kann der Steuerpflichtige auch bei unsicheren Erfolgsaussichten aus rechtlichen oder tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden gezwungen sein, einen Zivilprozess zu f&uuml;hren, sodass die Prozesskosten zwangsl&auml;ufig i.S. von &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG erwachsen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG ist von anderen Rechtsgrunds&auml;tzen ausgegangen. Seine Entscheidung hat daher keinen Bestand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Senat kann aufgrund der vom FG getroffenen tats&auml;chlichen Feststellungen in der Sache selbst entscheiden. Die vom Kl&auml;ger getragenen Prozesskosten sind im Ergebnis nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen steuermindernd zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger des Zivilprozesses begehrten in dem Verfahren vor dem LG nach dem vom FG festgestellten Inhalt der Klageschrift Schmerzensgeld und die Feststellung, dass Dr.&nbsp;A verpflichtet sei, ihnen s&auml;mtliche materiellen und immateriellen Sch&auml;den zu erstatten, die ihnen aus Anlass der bei E in der Zeit ab August 2001 durchgef&uuml;hrten Behandlung entstanden seien bzw. entstehen w&uuml;rden, soweit die Anspr&uuml;che nicht auf Dritte &uuml;bergegangen seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die geltend gemachten Anspr&uuml;che wegen immaterieller Sch&auml;den betrafen weder hinsichtlich der Zahlungs- noch der Feststellungsklage existenziell wichtige Bereiche oder den Kernbereich menschlichen Lebens. Der Kl&auml;ger lief ohne die Geltendmachung dieser Anspr&uuml;che nicht Gefahr, die Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bed&uuml;rfnisse und die seiner Kinder in dem &uuml;blichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu k&ouml;nnen. Schmerzensgeldanspr&uuml;che sollen den dem Gesch&auml;digten entstandenen immateriellen Schaden ausgleichen. Schmerzensgeld kann nur f&uuml;r Nichtverm&ouml;genssch&auml;den verlangt werden. Der Verletzte soll einen Ausgleich f&uuml;r erlittene Schmerzen und Leiden erhalten (Palandt\/Gr&uuml;neberg, B&uuml;rgerliches Gesetzbuch, 75.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;253 Rz&nbsp;4, m.w.N.). F&uuml;r die Bemessung des Schmerzensgeldes ist in erster Linie die H&ouml;he und das Ma&szlig; der Lebensbeeintr&auml;chtigung zu ber&uuml;cksichtigen (Beschluss des Gro&szlig;en Senats f&uuml;r Zivilsachen des Bundesgerichtshofs vom 6.&nbsp;Juli 1955 GSZ&nbsp;1\/55, BGHZ 18, 149, 157).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Anspr&uuml;che wegen immaterieller Sch&auml;den betreffen aber nicht den existenziellen Bereich i.S. des &sect;&nbsp;33 EStG, auch wenn sie auf den Ausgleich von Nichtverm&ouml;genssch&auml;den durch eine Beeintr&auml;chtigung der k&ouml;rperlichen Gesundheit gerichtet sind (ebenso FG M&uuml;nster, Urteil vom 30.&nbsp;M&auml;rz 2006&nbsp;&nbsp;3&nbsp;K&nbsp;5739\/03&nbsp;E, Entscheidungen der Finanzgerichte 2006, 1907). Sie m&ouml;gen zwar von erheblicher wirtschaftlicher, nicht aber von existenzieller Bedeutung sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Soweit die Klage vor dem LG auf Feststellung der Schadensersatzpflicht f&uuml;r materielle Sch&auml;den gerichtet war, kann der Senat dahin stehen lassen, ob die Prozesskosten dem Grunde nach als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen zu beurteilen sind. Selbst wenn dies der Fall w&auml;re, kommt eine steuermindernde Ber&uuml;cksichtigung dieser Aufwendungen als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung im Ergebnis nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn der Anteilsatz der als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen zu ber&uuml;cksichtigenden Aufwendungen ermittelt sich bei Prozesskosten dadurch, dass der Streitwert der Klageantr&auml;ge, soweit sie einen existenziell wichtigen Bereich betreffen, zur Summe der Streitwerte aller Klageantr&auml;ge ins Verh&auml;ltnis gesetzt wird (BFH-Urteil in BFH\/NV 2009, 553).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Selbst wenn der Senat revisionsrechtlich mangels gegenteiliger Feststellungen der Vorinstanz zugunsten des Kl&auml;gers ann&auml;hme, dass der Streitwert der Feststellungsantr&auml;ge vollst&auml;ndig dem materiellen Schadensersatz zuzurechnen w&auml;re und einen existenziell wichtigen Bereich ber&uuml;hren w&uuml;rde, erg&auml;be sich nach den eigenen Angaben des Kl&auml;gers in der Klageschrift zu den Streitwerten im Zivilprozess ein Anteil der Feststellungsantr&auml;ge zu allen Klageantr&auml;gen von 22.000&nbsp;EUR zu 184.000&nbsp;EUR, also von 11,96&nbsp;%.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiernach w&auml;re von den insgesamt geltend gemachten Zivilprozesskosten in H&ouml;he von 12.137,50&nbsp;EUR lediglich ein Anteil von 1.451,65&nbsp;EUR (11,96&nbsp;% x 12.137,50&nbsp;EUR) als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung anzusetzen. Nach Abzug der zumutbaren Belastung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;3 EStG in H&ouml;he von 4&nbsp;% des Gesamtbetrages der Eink&uuml;nfte (4&nbsp;% x 190.316&nbsp;EUR = 7.612&nbsp;EUR) und der bei der Einkommensteuerfestsetzung bereits anerkannten au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Belastungen von 65&nbsp;EUR sind dementsprechend keine au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Belastungen steuermindernd zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.12.2015, VI R 7\/14 Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen Leits&auml;tze 1. Kosten im Zusammenhang mit einem Zivilprozess sind nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung abziehbar, soweit der Prozess die Geltendmachung von Schmerzensgeldanspr&uuml;chen betrifft. 2. Sind die Kosten f&uuml;r einen Zivilprozess nur zum Teil als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung abziehbar, ist der abziehbare Teil der Kosten mit Hilfe &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-7-14-zivilprozesskosten-als-aussergewoehnliche-belastungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;7\/14 &#8211; Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-66395","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66395","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66395"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66395\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66395"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66395"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66395"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}