{"id":66405,"date":"2017-01-18T12:55:45","date_gmt":"2017-01-18T10:55:45","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66405"},"modified":"2017-01-18T12:55:45","modified_gmt":"2017-01-18T10:55:45","slug":"vi-r-38-14-zivilprozesskosten-als-aussergewoehnliche-belastungen-keine-abziehbarkeit-bei-auf-selbst-vereinbarter-vertragsgestaltung-beruhender-zwangslage-keine-zwangslaeufigkeit-bei-verpflichtung-zur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-38-14-zivilprozesskosten-als-aussergewoehnliche-belastungen-keine-abziehbarkeit-bei-auf-selbst-vereinbarter-vertragsgestaltung-beruhender-zwangslage-keine-zwangslaeufigkeit-bei-verpflichtung-zur\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;38\/14 &#8211; Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen &#8211; Keine Abziehbarkeit bei auf selbst vereinbarter Vertragsgestaltung beruhender Zwangslage &#8211; Keine Zwangsl&auml;ufigkeit bei Verpflichtung zur Kostentragung wegen Verm&ouml;genslosigkeit der Gegenpartei &#8211; Baum&auml;ngel"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.11.2015, VI R 38\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen &#8211; Keine Abziehbarkeit bei auf selbst vereinbarter Vertragsgestaltung beruhender Zwangslage &#8211; Keine Zwangsl&auml;ufigkeit bei Verpflichtung zur Kostentragung wegen Verm&ouml;genslosigkeit der Gegenpartei &#8211; Baum&auml;ngel<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 13. Februar 2014&nbsp;&nbsp;12 K 3227\/12 E aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob Zivilprozesskosten, die die obsiegende Partei als haftender Zweitschuldner zu tragen hat, als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;33 des Einkommensteuergesetzes (EStG) zu ber&uuml;cksichtigen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) erwarben mit Vertrag vom &#8230;&nbsp;Oktober 2005 eine von dem Verk&auml;ufer, einer Bautr&auml;gergesellschaft, noch zu errichtende Doppelhaush&auml;lfte in Y. Im Jahr 2007 kam es im Zusammenhang mit der Fertigstellung und &Uuml;bergabe des Geb&auml;udes zum Streit, der zu einem im Namen der Kl&auml;gerin gef&uuml;hrten Rechtsstreit vor dem Landgericht Y f&uuml;hrte. Die Kl&auml;gerin obsiegte in diesem Klageverfahren zum ganz &uuml;berwiegenden Teil. Die beklagte Bautr&auml;gergesellschaft wurde jedoch im Jahr 2009 insolvent, so dass nach Abschluss des gerichtlichen Verfahrens die Kl&auml;gerin als haftende Zweitschuldnerin f&uuml;r die von der unterlegenen Partei zu tragenden Verfahrenskosten (88&nbsp;% = 8.726,25&nbsp;EUR) in Anspruch genommen wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr (2010) machten die Kl&auml;ger die Verfahrenskosten des Zivilrechtsstreits als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung geltend und bezogen sich dabei auf das Senatsurteil vom 12. Mai 2011 VI&nbsp;R&nbsp;42\/10 (BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber&uuml;cksichtigte diese Kosten bei der Einkommensteuerfestsetzung nicht. Der nach erfolglosem Vorverfahren erhobenen Klage gab das Finanzgericht (FG) statt (Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2015, 923). Die Klage sei begr&uuml;ndet. Die geltend gemachten Verfahrenskosten f&uuml;r den Zivilprozess vor dem Landgericht seien der Kl&auml;gerin sowohl unter Ber&uuml;cksichtigung des Urteils des Bundesfinanzhofs (BFH) in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 als auch unter Zugrundelegung der fr&uuml;heren Rechtsprechungsgrunds&auml;tze zwangsl&auml;ufig entstanden und damit als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen i.S. des &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 EStG zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es beantragt,<br \/>das Urteil des FG D&uuml;sseldorf vom 13.&nbsp;Februar 2014&nbsp;&nbsp;12&nbsp;K&nbsp;3227\/12&nbsp;E aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des FG-Urteils und zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die geltend gemachten Prozesskosten sind nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung i.S. des &sect;&nbsp;33 EStG zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Erwachsen einem Steuerpflichtigen zwangsl&auml;ufig gr&ouml;&szlig;ere Aufwendungen als der &uuml;berwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverh&auml;ltnisse, gleicher Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse und gleichen Familienstandes (au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung), so wird auf Antrag die Einkommensteuer in bestimmtem Umfang erm&auml;&szlig;igt (&sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nachdem der Senat unter Aufgabe seiner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 vertretenen Ansicht zu der fr&uuml;heren Rechtsprechung des BFH zur Abziehbarkeit der Kosten eines Zivilprozesses als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung zur&uuml;ckgekehrt ist (Senatsurteil vom 18.&nbsp;Juni 2015 VI&nbsp;R&nbsp;17\/14, BFHE 250, 153, BStBl II 2015, 800), sind derartige Aufwendungen grunds&auml;tzlich nur dann als zwangsl&auml;ufig anzusehen, wenn auch das die Prozessf&uuml;hrung ad&auml;quat verursachende Ereignis f&uuml;r den Steuerpflichtigen zwangsl&auml;ufig ist (Senatsurteile vom 3.&nbsp;Juni 1982 VI&nbsp;R&nbsp;41\/79, BFHE 136, 370, BStBl II 1982, 749; vom 2.&nbsp;Oktober 1981 VI&nbsp;R&nbsp;38\/78, BFHE 134, 286, BStBl II 1982, 116; BFH-Urteile vom 18.&nbsp;Juli 1986 III&nbsp;R&nbsp;178\/80, BFHE 147, 171, BStBl II 1986, 745; vom 19.&nbsp;Dezember 1995 III&nbsp;R&nbsp;177\/94, BFHE 179, 383, BStBl II 1996, 197). Daran fehlt es im Allgemeinen bei einem Zivilprozess.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Indes ist der Grundsatz, dass Kosten eines Zivilprozesses keine au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Belastungen sind, keine starre Regel. Vielmehr erfordert die Vielfalt der prozessualen Gestaltungen eine Ber&uuml;cksichtigung des jeweiligen Streitgegenstandes und der Ursachen des Streits (vgl. u.a. BFH-Urteile in BFHE 147, 171, BStBl II 1986, 745; vom 9.&nbsp;Mai 1996 III&nbsp;R&nbsp;224\/94, BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ber&uuml;hrt ein Rechtsstreit einen f&uuml;r den Steuerpflichtigen existenziell wichtigen Bereich oder den Kernbereich menschlichen Lebens, kann jener unter Umst&auml;nden in eine Zwangslage geraten, in der f&uuml;r ihn die Verfolgung seiner rechtlichen Interessen trotz unsicherer Erfolgsaussichten existenziell erforderlich ist (vgl. BFH-Urteil in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596), und sich folglich die Frage stellen, ob die &Uuml;bernahme eines Prozesskostenrisikos nicht insoweit als i.S. des &sect;&nbsp;33 EStG zwangsl&auml;ufig anzusehen ist. Ein solcher Ausnahmefall kann insbesondere dann in Betracht gezogen werden, wenn der Steuerpflichtige, ohne sich auf den Rechtsstreit einzulassen, Gefahr liefe, seine Existenzgrundlage zu verlieren oder seine lebensnotwendigen Bed&uuml;rfnisse in dem &uuml;blichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu k&ouml;nnen (BFH-Urteil in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) F&uuml;r einen Rechtsstreit wegen Anspr&uuml;chen aus einem Vertrag, welchen der Steuerpflichtige selbst abgeschlossen hat, ist auch zu beachten, ob der Steuerpflichtige es verabs&auml;umt hat, die sp&auml;ter zu einem Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang f&uuml;hrenden Unklarheiten &uuml;ber das Bestehen und die Reichweite auf Vertrag beruhender Anspr&uuml;che durch eine entsprechende Gestaltung seiner zivilrechtlichen Beziehungen von vorneherein auszuschlie&szlig;en. Hat er dies vers&auml;umt, hat er die entscheidende Ursache f&uuml;r die ihm sp&auml;ter entstandenen Aufwendungen selbst gesetzt und kann sich nicht darauf berufen, er habe sich in einer Zwangslage befunden (vgl. BFH-Urteile in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596, und vom 23.&nbsp;Mai 2001 III&nbsp;R&nbsp;33\/99, BFH\/NV 2001, 1391).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Grunds&auml;tzen kann die angefochtene Entscheidung keinen Bestand haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zwar hatten die Kl&auml;ger im Zeitpunkt der Klageerhebung f&uuml;r die Doppelhaush&auml;lfte bereits rund 221.000 EUR an den Bautr&auml;ger gezahlt und waren mit entsprechenden Zinsverpflichtungen &#8211;bei gleichzeitigem Weiterbestehen der bisherigen Wohnaufwendungen&#8211; belastet. Auch war im Streitfall mit dem Wohnen ein &#8211;im Grundsatz&#8211; existentiell notwendiger Bereich der Kl&auml;ger ber&uuml;hrt (ebenso BFH-Urteil in BFH\/NV 2001, 1391). Gleichwohl ist im Streitfall der Abzug von Prozesskosten nicht gerechtfertigt. Denn es ist nicht ersichtlich, dass die Kl&auml;ger im Fall eines Verzichts auf die angestrengten Verfahren in Gefahr geraten w&auml;ren, ihre elementaren Wohnbed&uuml;rfnisse nicht mehr befriedigen zu k&ouml;nnen (vgl. BFH-Urteile vom 6.&nbsp;Mai 1994 III&nbsp;R&nbsp;27\/92, BFHE 175, 332, BStBl II 1995, 104, und in BFH\/NV 2001, 1391).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ferner haben die Kl&auml;ger im Streitfall durch eigenes Verschulden an der Entstehung der Prozesskosten mitgewirkt. Auch dies steht der Zwangsl&auml;ufigkeit von Zivilprozesskosten i.S. des &sect;&nbsp;33 EStG entgegen (BFH-Urteil in BFH\/NV 2001, 1391).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Wesentliche Ursache f&uuml;r die den Kl&auml;gern entstandenen Aufwendungen war vorliegend der Abschluss des Kaufvertrags mit der Bautr&auml;gergesellschaft &uuml;ber den Erwerb der noch zu errichtenden Doppelhaush&auml;lfte. Es kann dahinstehen, ob in F&auml;llen, in denen Gegenstand des Rechtsstreits Anspr&uuml;che aus einem durch den Steuerpflichtigen abgeschlossenen Vertrag sind, dieser stets als die wesentliche Ursache der entstandenen Aufwendungen anzusehen ist. Dies gilt aber jedenfalls dann, wenn sich der Steuerpflichtige auf eine Vertragsgestaltung eingelassen hat, die konkret mit Unsicherheiten behaftet ist, so dass anschlie&szlig;ende zivilrechtliche Auseinandersetzungen naheliegend erscheinen (BFH-Urteil in BFH\/NV 2001, 1391). So verh&auml;lt es sich hier.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Kl&auml;ger nahmen die Bautr&auml;gergesellschaft nach den tats&auml;chlichen und bindenden Feststellungen des FG in dem Zivilprozess auf &Uuml;bertragung des Besitzes der von ihnen gekauften Doppelhaush&auml;lfte und auf Zustimmung zur Auflassung in Anspruch, die die Bautr&auml;gergesellschaft von der Zahlung des Restkaufpreises abh&auml;ngig gemacht hatte. Die nicht vollst&auml;ndige Zahlung des Kaufpreises seitens der Kl&auml;ger beruhte darauf, dass die Kl&auml;ger Baum&auml;ngel geltend gemacht hatten. Ferner verlangten die Kl&auml;ger von der Bautr&auml;gergesellschaft in dem Zivilprozess Schadensersatz wegen der Baum&auml;ngel und wegen Verzugs mit der M&auml;ngelbeseitigung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Soweit die von den Kl&auml;gern aufgewendeten Gerichtskosten (auch) dazu dienten, Schadensersatz wegen Baum&auml;ngeln an der Doppelhaush&auml;lfte und wegen Verzugs der Bautr&auml;gergesellschaft mit der M&auml;ngelbeseitigung zu erlangen, scheidet ihre Ber&uuml;cksichtigung nach &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 EStG aus. Baum&auml;ngel sind nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH keineswegs un&uuml;blich und nicht mit ungew&ouml;hnlichen Schadensereignissen vergleichbar (Senatsbeschluss vom 11.&nbsp;Februar 2009 VI&nbsp;B&nbsp;140\/08, BFH\/NV 2009, 762, m.w.N.). Selbst Aufwendungen zur Behebung gesundheitsgef&auml;hrdender Baum&auml;ngel erlauben deshalb grunds&auml;tzlich keine Erm&auml;&szlig;igung der Einkommensteuer nach &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 EStG (BFH-Beschluss vom 19.&nbsp;Juni 2006 III&nbsp;B&nbsp;37\/05, BFH\/NV 2006, 2057). Daher k&ouml;nnen auch entsprechende Prozesskosten im Zusammenhang mit Baum&auml;ngeln grunds&auml;tzlich nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen geltend gemacht werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Soweit der Zivilprozess auf die &Uuml;bertragung des Besitzes der Doppelhaush&auml;lfte und auf Zustimmung zur Auflassung gerichtet war, hat sich ein Risiko verwirklicht, das bereits in der konkreten Ausgestaltung des Kaufvertrags angelegt war. Die Kl&auml;ger waren nach dem von ihnen abgeschlossenen Kaufvertrag verpflichtet, Abschlagszahlungen nach Baufortschritt zu leisten. Ziff. &#8230; des Kaufvertrags sah vor, dass die Bautr&auml;gergesellschaft die vereinbarten Raten entsprechend dem tats&auml;chlichen Bauablauf nach ihrem Ermessen anfordern durfte. Gem&auml;&szlig; Ziff. &#8230; des Kaufvertrags galt der Baufortschritt auch dann als erreicht, wenn noch M&auml;ngel zu beheben waren. Damit war das Risiko des sp&auml;teren Zivilprozesses bereits in der konkreten Ausgestaltung des Kaufvertrags angelegt, weil die Kl&auml;ger sich auf eine Vertragsgestaltung eingelassen hatten, die jedenfalls nach ihrem Wortlaut den Kl&auml;gern trotz vorhandener Baum&auml;ngel eine Zahlungspflicht auferlegte, so dass sich zu Lasten der Kl&auml;ger in gewissem Ma&szlig;e eine Vorleistungspflicht ergab. Dies hat letztlich dazu gef&uuml;hrt, dass die Kl&auml;ger bereits rund 221.000&nbsp;EUR des Kaufpreises von 266.927&nbsp;EUR an den Bautr&auml;ger trotz vorhandener Baum&auml;ngel gezahlt hatten, ohne dass ihnen der Besitz der Doppelhaush&auml;lfte &uuml;bertragen und die Zustimmung zur Auflassung erteilt worden war. Die Zwangslage, in die die Kl&auml;ger aufgrund der von ihnen erbrachten erheblichen Zahlungen geraten waren, beruhte mithin wesentlich auf der von ihnen vereinbarten Vertragsgestaltung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es kommt hinzu, dass die Kl&auml;ger in dem Vertrag mit der Bautr&auml;gergesellschaft auch keine Vereinbarungen zur Sicherung der geleisteten Zahlungen vereinbart hatten. So war der Bautr&auml;ger nach dem Vertrag z.B. nicht verpflichtet, eine Vertragserf&uuml;llungs- oder eine Gew&auml;hrleistungsb&uuml;rgschaft zu stellen. Der Schaden, der den Kl&auml;gern ohne Durchf&uuml;hrung des Zivilprozesses m&ouml;glicherweise gedroht h&auml;tte, beruhte folglich ebenfalls zu einem wesentlichen Anteil auf der f&uuml;r die Kl&auml;ger ung&uuml;nstigen Gestaltung des Bautr&auml;gervertrags. Die Kl&auml;ger haben auch keine hinreichende Vorsorge getroffen, um eventuelle verm&ouml;gensrechtliche R&uuml;ckabwicklungsanspr&uuml;che gegen die Bautr&auml;gergesellschaft hinreichend vertraglich abzusichern. Die Kl&auml;ger hatten sich danach f&uuml;r eine zu ihren Lasten mit einem Risiko behaftete Ausgestaltung ihrer zivilrechtlichen Vereinbarungen entschieden, so dass bereits der Abschluss dieses Kaufvertrags &uuml;ber die Doppelhaush&auml;lfte als wesentliche Ursache der sp&auml;ter angefallenen Prozesskosten angesehen werden muss. Da die Kl&auml;ger weder gezwungen waren, &uuml;berhaupt eine Doppelhaush&auml;lfte zu erwerben, noch die Notwendigkeit bestand, die konkreten Vertr&auml;ge abzuschlie&szlig;en, war das die streitigen Aufwendungen ausl&ouml;sende Ereignis f&uuml;r die Kl&auml;ger mithin nicht zwangsl&auml;ufig i.S. des &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;2 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Eine andere Beurteilung ergibt sich auch nicht daraus, dass die Kl&auml;ger die angefallenen Gerichtskosten wegen der Verm&ouml;genslosigkeit der Gegenpartei zu tragen hatten. Verliert eine Partei einen Prozess, ergibt sich die rechtliche Verpflichtung zur Kostentragung aus dem Unterliegen im Rechtsstreit, weil Voraussetzung der die Kostentragung normierenden Regelung das Unterliegen ist. Verbleibt die Kostenlast bei der obsiegenden Partei, weil der im Prozess Unterlegene verm&ouml;genslos ist, &auml;ndert sich lediglich die Rechtsgrundlage, aus der die &#8211;als solche zwangsl&auml;ufige&#8211; Pflicht zur Kostentragung folgt, da Rechtsgrund f&uuml;r die Kostentragung durch die obsiegende Partei die Verm&ouml;genslosigkeit des Gegners ist. Zwangsl&auml;ufigkeit im steuerrechtlichen Sinne liegt jedoch wie im Falle des Unterliegens nur dann vor, wenn das die Kostentragungspflicht letztlich ausl&ouml;sende Ereignis &#8211;hier der Abschluss des Kaufvertrags&#8211; zwangsl&auml;ufig war (BFH-Urteil in BFH\/NV 2001, 1391). Daran fehlt es im Streitfall. An der gegenteiligen Auffassung im Senatsurteil vom 5.&nbsp;Juli 1963 VI&nbsp;272\/61&nbsp;S (BFHE 77, 487, BStBl III 1963, 499) h&auml;lt der erkennende Senat nicht l&auml;nger fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.11.2015, VI R 38\/14 Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen &#8211; Keine Abziehbarkeit bei auf selbst vereinbarter Vertragsgestaltung beruhender Zwangslage &#8211; Keine Zwangsl&auml;ufigkeit bei Verpflichtung zur Kostentragung wegen Verm&ouml;genslosigkeit der Gegenpartei &#8211; Baum&auml;ngel Tenor Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 13. Februar 2014&nbsp;&nbsp;12 K 3227\/12 E aufgehoben. Die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-38-14-zivilprozesskosten-als-aussergewoehnliche-belastungen-keine-abziehbarkeit-bei-auf-selbst-vereinbarter-vertragsgestaltung-beruhender-zwangslage-keine-zwangslaeufigkeit-bei-verpflichtung-zur\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;38\/14 &#8211; Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen &#8211; Keine Abziehbarkeit bei auf selbst vereinbarter Vertragsgestaltung beruhender Zwangslage &#8211; Keine Zwangsl&auml;ufigkeit bei Verpflichtung zur Kostentragung wegen Verm&ouml;genslosigkeit der Gegenpartei &#8211; Baum&auml;ngel<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-66405","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuer"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66405","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66405"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66405\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66405"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66405"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66405"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}