{"id":66434,"date":"2017-01-18T13:05:45","date_gmt":"2017-01-18T11:05:45","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66434"},"modified":"2017-01-18T13:05:45","modified_gmt":"2017-01-18T11:05:45","slug":"vii-b-186-14-tarifierung-einer-kniegelenkbandage-fehlende-klaerungsbeduerftigkeit-keine-divergenz-bei-unterschiedlicher-beweiswuerdigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-186-14-tarifierung-einer-kniegelenkbandage-fehlende-klaerungsbeduerftigkeit-keine-divergenz-bei-unterschiedlicher-beweiswuerdigung\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;186\/14 &#8211; Tarifierung einer Kniegelenkbandage &#8211; Fehlende Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit &#8211; Keine Divergenz bei unterschiedlicher Beweisw&uuml;rdigung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 3.9.2015, VII B 186\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Tarifierung einer Kniegelenkbandage &#8211; Fehlende Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit &#8211; Keine Divergenz bei unterschiedlicher Beweisw&uuml;rdigung<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 13. November 2014&nbsp;&nbsp;4 K 97\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) f&uuml;hrte insgesamt 3&nbsp;520&nbsp;Kartons einer Ware aus China ein, die sie mit zwei Einzelzollanmeldungen vom 28.&nbsp;Juni 2010 als &quot;Vorrichtungen zum Tragen am K&ouml;rper, zum Beheben von Funktionssch&auml;den oder Gebrechen, anderweit weder genannt noch inbegriffen; hier: Kniegelenkbandagen&quot; der Unterpos.&nbsp;9021&nbsp;90&nbsp;90&nbsp;00&nbsp;1 der Kombinierten Nomenklatur (KN) zur &Uuml;berf&uuml;hrung in den freien Verkehr anmeldete. F&uuml;r die Einfuhren wurde zun&auml;chst nicht abschlie&szlig;end lediglich Einfuhrumsatzsteuer festgesetzt. Aufgrund eines Einreihungsgutachtens des Bildungs- und Wissenschaftszentrums der Bundesfinanzverwaltung reihte der Beklagte und Beschwerdegegner (das Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) die Waren in die Unterpos.&nbsp;6307&nbsp;90&nbsp;10&nbsp;00&nbsp;0&nbsp;KN ein und setzte mit Einfuhrabgabenbescheid vom 13.&nbsp;September 2011 die Einfuhrabgaben abschlie&szlig;end fest, wobei zus&auml;tzlich Zoll in H&ouml;he von 16.344,41&nbsp;EUR nacherhoben wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage hatte keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) urteilte, die objektiven Merkmale und Eigenschaften der Ware spr&auml;chen f&uuml;r die vom HZA angenommene Einreihung. Welche Anforderungen an Kniebandagen des Kap.&nbsp;90 bzw. der Pos.&nbsp;9021&nbsp;KN zu stellen seien, ergebe sich zum einen aus der ausweisenden Anm.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b zu Kap.&nbsp;90&nbsp;KN und zum anderen aus der Erl&auml;uterung zum Harmonisierten System (ErlHS) zur Pos.&nbsp;9021 Rz&nbsp;1. Nach der Anm.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b zu Kap.&nbsp;90&nbsp;KN geh&ouml;rten in dieses Kapitel nicht St&uuml;tzg&uuml;rtel oder andere St&uuml;tzvorrichtungen aus Spinnstoffen, deren Wirkung auf den K&ouml;rperteil, der gest&uuml;tzt oder gehalten werden solle, sich ausschlie&szlig;lich aus ihrer Elastizit&auml;t herleite. Ausdr&uuml;cklich erw&auml;hnt seien in dieser Anmerkung Gelenkbandagen. Die ErlHS zur Pos.&nbsp;9021 Rz&nbsp;1 verweise auf die Anm.&nbsp;6 zu Kap.&nbsp;90&nbsp;KN, wonach zur Pos.&nbsp;9021&nbsp;KN Apparate und Vorrichtungen zum Verh&uuml;ten oder Korrigieren k&ouml;rperlicher Fehlbildungen oder zum St&uuml;tzen oder Halten von K&ouml;rperteilen oder Organen nach einer Krankheit, Operation oder Verletzung geh&ouml;rten. Weiter listeten die ErlHS zur Pos.&nbsp;9021 zahlreiche Beispiele f&uuml;r orthop&auml;dische Apparate und Vorrichtungen auf. Der Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union (EuGH) habe diese Kriterien in seiner Rechtsprechung ausgelegt und pr&auml;zisiert (vgl. EuGH-Urteil Lohmann und Medi Bayreuth vom 7.&nbsp;November 2002 C-260\/00 bis C-263\/00, EU:C:2002:637).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ausgehend von diesen Grunds&auml;tzen komme eine Einreihung in die Pos.&nbsp;9021&nbsp;KN nicht in Betracht. Insbesondere k&ouml;nne die Bandage nicht mit Hilfe besonderer Mechanismen, die die Ware hierf&uuml;r vorsehe, an die Bed&uuml;rfnisse des Patienten angepasst werden, um sie von gew&ouml;hnlichen Waren zu unterscheiden. Die beiden &uuml;berwiegend nicht elastischen Klettverschlussb&auml;nder und die drei elastischen Klettverschlussb&auml;nder dienten der Fixierung und Stabilisierung der Bandage. Daneben h&auml;tten die Klettverschl&uuml;sse nicht nur Bedeutung f&uuml;r die Anpassung des Kompressionsgrades, sondern auch f&uuml;r den Komfort, und erm&ouml;glichten den Einsatz unabh&auml;ngig von der Beindicke. In den Klettverschl&uuml;ssen k&ouml;nne jedoch kein besonderer Mechanismus gesehen werden, der eine Anpassung an die spezifischen Funktionssch&auml;den eines Patienten erm&ouml;gliche (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 3.&nbsp;August 2010 VII&nbsp;B&nbsp;71\/10, BFH\/NV 2011, 321). Es sehe sich in seiner Auffassung auch durch die Verordnung (EG) Nr.&nbsp;834\/95 der Kommission vom 12.&nbsp;April 1995 &uuml;ber die Einreihung von bestimmten Waren in die Kombinierte Nomenklatur (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Gemeinschaften Nr.&nbsp;L&nbsp;84\/1) i.d.F. der Verordnung (EG) Nr.&nbsp;1966\/2003 der Kommission vom 7.&nbsp;November 2003 zur &Auml;nderung der Verordnung (EG) Nr.&nbsp;834\/95 &uuml;ber die Einreihung von bestimmten Waren in die Kombinierte Nomenklatur (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union Nr.&nbsp;L&nbsp;290\/35) und die nationalen Entscheidungen und Hinweise zu den Pos.&nbsp;6307 bzw. 9021&nbsp;KN best&auml;tigt. Den Urteilen des Hessischen FG vom 18.&nbsp;September 2003&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;4003\/02 (nicht ver&ouml;ffentlicht &#8211;n.v.&#8211;) und des Nieders&auml;chsischen FG vom 10.&nbsp;September 2009 16&nbsp;K&nbsp;180\/07 (n.v.) habe ein anderer Sachverhalt zugrunde gelegen. Sofern das FG Rheinland-Pfalz mit Urteil vom 9.&nbsp;Februar 2009&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;1699\/07&nbsp;Z (n.v.) eine Sprunggelenkbandage in die Pos.&nbsp;9021&nbsp;KN eingereiht habe, sei dem nicht zu folgen, weil Klettverschl&uuml;sse nicht als besonderer Mechanismus im hier ma&szlig;geblichen Sinne angesehen werden k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Beschwerde begehrt die Kl&auml;gerin die Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) und Divergenz (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 FGO). Von grunds&auml;tzlicher Bedeutung sei die Frage, ob das Einordnungskriterium &quot;besonderer Mechanismus&quot; nur auf solche Mechanismen beschr&auml;nkt sei, die ausschlie&szlig;lich der Anpassung einer Bandage an die Funktionssch&auml;den des Patienten dienten. Insofern sei das FG von der Rechtsprechung des EuGH abgewichen. Dar&uuml;ber hinaus habe das FG seiner Entscheidung eine vom Urteil des Nieders&auml;chsischen FG vom 10.&nbsp;September 2009 16&nbsp;K&nbsp;180\/07 (n.v.) und des FG Rheinland-Pfalz vom 9.&nbsp;Februar 2009&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;1699\/07&nbsp;Z (n.v.) abweichende Rechtsauffassung zugrunde gelegt. Entgegen der Auffassung des FG habe das Nieders&auml;chsische FG den vom EuGH geforderten besonderen Mechanismus bejaht, obwohl sowohl das Material als auch die Zuggurte zus&auml;tzliche Aufgaben, n&auml;mlich die Fixierung der Bandage am jeweiligen K&ouml;rperteil, gehabt h&auml;tten. Entsprechendes gelte auch f&uuml;r die Entscheidung des FG Rheinland-Pfalz.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das HZA ist der Beschwerde entgegengetreten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet. Weder ist die Rechtssache von grunds&auml;tzlicher Bedeutung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO) noch liegt eine Divergenz i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Alternative FGO vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Einer Rechtsfrage kommt grunds&auml;tzliche Bedeutung zu, wenn sie kl&auml;rungsbed&uuml;rftig ist (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 21.&nbsp;April 1999 I&nbsp;B&nbsp;99\/98, BFHE 188, 372, BStBl II 2000, 254, m.w.N.; vom 16.&nbsp;Juli 1999 IX&nbsp;B&nbsp;81\/99, BFHE 189, 401, BStBl II 1999, 760, und vom 8.&nbsp;Juli 2014 VII&nbsp;B&nbsp;129\/13, BFH\/NV 2014, 1776). Das ist sie, wenn ihre Beantwortung zu Zweifeln Anlass gibt, so dass mehrere L&ouml;sungen vertretbar sind (Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;115 Rz&nbsp;28). An der zu fordernden Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit fehlt es jedoch, wenn sich die Beantwortung der Rechtsfrage ohne Weiteres aus dem klaren Wortlaut und Sinngehalt des Gesetzes ergibt oder die Rechtsfrage offensichtlich so zu beantworten ist, wie es das FG in seiner Entscheidung getan hat, wenn die Rechtslage also eindeutig ist (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 21.&nbsp;Februar 2014 X&nbsp;B&nbsp;142\/13, BFH\/NV 2014, 899, und in BFH\/NV 2014, 1776). Dar&uuml;ber hinaus ist eine Rechtsfrage auch dann nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, wenn sie durch die Rechtsprechung hinreichend gekl&auml;rt ist und keine neuen Gesichtspunkte erkennbar oder vorgetragen sind, die eine erneute Pr&uuml;fung und Entscheidung dieser Frage geboten erscheinen lassen (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2014, 1776).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Grunds&auml;tze ist die von der Kl&auml;gerin aufgeworfene Rechtsfrage bereits durch die Rechtsprechung des EuGH gekl&auml;rt. In seinem Urteil Lohmann und Medi Bayreuth (EU:C:2002:637) hat der EuGH ausgef&uuml;hrt, dass zur Pos.&nbsp;9021&nbsp;KN Waren wie Handgelenkbandagen, R&uuml;ckenst&uuml;tzgurte, Ellbogenspangen und Kniebandagen geh&ouml;ren, wenn diese Waren Kennzeichen aufweisen, die sie von gew&ouml;hnlichen und allgemein gebr&auml;uchlichen G&uuml;rteln und Bandagen unterscheiden, insbesondere aufgrund der verwendeten Materialien, ihrer Funktionsweise oder ihrer Eignung zur Anpassung an die spezifischen Funktionssch&auml;den der Patienten, wobei die Anpassung im Stadium der Herstellung der Ware oder auch, bei vorgefertigten Waren, sp&auml;ter, insbesondere bei ihrem Einsatz mit Hilfe besonderer Mechanismen, die die Ware hierf&uuml;r vorsieht, durch einen Arzt oder den Patienten selbst erfolgen kann. Entscheidend ist demnach, dass die zu tarifierenden Bandagen besondere Merkmale aufweisen, die sie mit hinreichender Pr&auml;gnanz von herk&ouml;mmlichen Bandagen unterscheiden (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2011, 321).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen l&auml;sst sich der Entscheidung des EuGH nicht entnehmen, dass ein &quot;besonderer Mechanismus&quot; nur dann vorliegt, wenn er ausschlie&szlig;lich der Anpassung einer Bandage an die Funktionssch&auml;den des Patienten dient und nicht zugleich auch andere Funktionen erf&uuml;llt. Dies ergibt sich daraus, dass die Anpassung an Funktionssch&auml;den auch (erst) beim Einsatz der Ware mit Hilfe besonderer Mechanismen erfolgen kann (Rz&nbsp;41). Infolgedessen ist nicht ausgeschlossen, dass der besondere Mechanismus auch anderen Zwecken wie z.B. der Befestigung am K&ouml;rper dient. Die Entscheidung des EuGH ist f&uuml;r die nationalen Gerichte bindend, weshalb es einer erneuten Kl&auml;rung dieser Rechtsfragen in einem Revisionsverfahren nicht bedarf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die ordnungsgem&auml;&szlig;e Erhebung einer Divergenzr&uuml;ge setzt voraus, dass der Beschwerdef&uuml;hrer tragende und abstrakte Rechtss&auml;tze aus dem angefochtenen Urteil des FG einerseits und aus den behaupteten Divergenzentscheidungen andererseits herausarbeitet und gegen&uuml;berstellt, um so eine Abweichung zu verdeutlichen (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 12.&nbsp;Juli 2002 II&nbsp;B&nbsp;33\/01, BFH\/NV 2002, 1482, und vom 11.&nbsp;September 2003 X&nbsp;B&nbsp;103\/02, BFH\/NV 2004, 180).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Entgegen der Rechtsauffassung der Beschwerde hat das FG in seinem Urteil keinen von der EuGH-Entscheidung Lohmann und Medi Bayreuth (EU:C:2002:637) abweichenden Rechtssatz aufgestellt. Vielmehr hat es die vom EuGH entwickelten Einreihungskriterien auf den Seiten&nbsp;10 und 11 seiner Entscheidung zusammengefasst und sich damit die Rechtsansicht des EuGH zu eigen gemacht. In diesem Zusammenhang hat das FG nicht festgestellt, dass ein besonderer Mechanismus, der eine Anpassung des Produkts an die spezifischen Funktionssch&auml;den des Patienten erm&ouml;glicht, nur dann vorliegt, wenn mit diesem Mechanismus nicht auch andere Zwecke erf&uuml;llt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vielmehr hat das FG ausgehend von den Grunds&auml;tzen der genannten EuGH-Entscheidung die festgestellten Merkmale der Kniegelenkbandage beurteilt und ist zu der tatrichterlichen &Uuml;berzeugung gelangt, dass ein besonderer Mechanismus im oben genannten Sinne nicht vorliege, weil die Klettverschl&uuml;sse &uuml;berwiegend anderen Zwecken als der Anpassung an die spezifischen Funktionssch&auml;den des Patienten dienten, n&auml;mlich der Fixierung und Stabilisierung der Bandage. Dar&uuml;ber hinaus erm&ouml;glichten die Klettverschl&uuml;sse, den Druck, den die Bandage auf das Gelenk aus&uuml;be, zu justieren. Ferner machten diese die Bandage f&uuml;r Beine unterschiedlicher Dicke geeignet und erleichterten das Anlegen. Diese Eigenschaften hat das FG gew&uuml;rdigt und im Ergebnis nicht als ausreichend angesehen, um das Vorliegen eines besonderen Mechanismus im Sinne der oben genannten EuGH-Rechtsprechung zu bejahen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>An diese tats&auml;chlichen Feststellungen des FG w&auml;re der Senat in einem Revisionsverfahren gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO gebunden. Sofern die Beschwerde dahin verstanden werden k&ouml;nnte, dass sie sich gegen die materiell-rechtliche Richtigkeit der angefochtenen Entscheidung richtet, k&ouml;nnte eine derartige Einwendung im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde nicht zum Erfolg f&uuml;hren. Fehler in der Anwendung des materiellen Rechts im konkreten Einzelfall &#8211;so sie denn vorliegen&#8211; rechtfertigen f&uuml;r sich genommen nicht die Zulassung der Revision (vgl. BFH-Beschluss vom 4.&nbsp;August 2010 X&nbsp;B&nbsp;198\/09, BFH\/NV 2010, 2102), und zwar auch dann nicht, wenn sich die vom FG vermeintlich falsch beantwortete Rechtsfrage in einer gr&ouml;&szlig;eren Anzahl vergleichbarer F&auml;lle ebenfalls stellen kann. Denn Rechtsanwendung ist Subsumtion des Sachverhalts unter die Rechtsnorm, die dem Tatrichter &uuml;bertragene W&uuml;rdigung der von ihm festgestellten Umst&auml;nde des Einzelfalls (&sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO; vgl. BFH-Beschluss vom 13.&nbsp;Mai 2013 VII&nbsp;B&nbsp;146\/12, BFH\/NV 2013, 1429).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Ausnahme hiervon kommt nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO nur dann in Betracht, wenn das angefochtene Urteil derart schwerwiegende Fehler bei der Auslegung des revisiblen Rechts aufweist, dass die Entscheidung des FG &quot;objektiv willk&uuml;rlich&quot; erscheint oder auf sachfremden Erw&auml;gungen beruht und unter keinem denkbaren Gesichtspunkt rechtlich vertretbar ist. Das ist im Streitfall nicht erkennbar und wird von der Kl&auml;gerin nicht behauptet. Eine dar&uuml;ber hinausgehende Ausweitung der Zulassungsgr&uuml;nde ist der BFH-Rechtsprechung nicht zu entnehmen (z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 14.&nbsp;Dezember 2011 X&nbsp;B&nbsp;85\/11, BFH\/NV 2012, 749; in BFH\/NV 2013, 1429).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG ist in seinem Urteil auch nicht von Entscheidungen anderer FG abgewichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Nieders&auml;chsische FG hat in seinem Urteil vom 10.&nbsp;September 2009&nbsp;&nbsp;16&nbsp;K&nbsp;180\/07 (n.v.; vgl. auch BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;Februar 2010 VII&nbsp;B&nbsp;234\/09, BFH\/NV 2010, 1139) einen besonderen Mechanismus, der eine Anpassung an die spezifischen Funktionssch&auml;den des Patienten erm&ouml;glicht, nicht, wovon die Kl&auml;gerin auszugehen scheint, allein in dem komprimierenden Material bzw. in dessen Elastizit&auml;t gesehen. Vielmehr hat es festgestellt, dass sich die Wirkung der dort zu beurteilenden Kniegelenkbandage nicht ausschlie&szlig;lich aus ihrer Elastizit&auml;t herleite, sondern die Kompression durch eine kniescheibenumgreifende Silikonpelotte verst&auml;rkt werde. Soweit das Nieders&auml;chsische FG in der genannten Entscheidung eine Einreihung in die Pos.&nbsp;9021&nbsp;KN bejaht, handelt es sich dabei um eine &#8211;nicht zuletzt den unterschiedlichen Beschaffenheitsmerkmalen der Waren geschuldete&#8211; abweichende Beweisw&uuml;rdigung, die nicht zur behaupteten Divergenz f&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus demselben Grund liegt auch keine Divergenz zum Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 9.&nbsp;Februar 2009&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;1699\/07&nbsp;Z vor, in dem die unelastischen Teile einer Sprunggelenkbandage und nicht ausschlie&szlig;lich die Elastizit&auml;t der Ware als f&uuml;r deren St&uuml;tzwirkung ma&szlig;geblich angesehen worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 3.9.2015, VII B 186\/14 Tarifierung einer Kniegelenkbandage &#8211; Fehlende Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit &#8211; Keine Divergenz bei unterschiedlicher Beweisw&uuml;rdigung Tenor Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 13. November 2014&nbsp;&nbsp;4 K 97\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen. Tatbestand 1&nbsp; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-186-14-tarifierung-einer-kniegelenkbandage-fehlende-klaerungsbeduerftigkeit-keine-divergenz-bei-unterschiedlicher-beweiswuerdigung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;B&nbsp;186\/14 &#8211; Tarifierung einer Kniegelenkbandage &#8211; Fehlende Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit &#8211; Keine Divergenz bei unterschiedlicher Beweisw&uuml;rdigung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-66434","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66434","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66434"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66434\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66434"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66434"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66434"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}