{"id":66827,"date":"2017-02-02T13:14:24","date_gmt":"2017-02-02T11:14:24","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66827"},"modified":"2017-02-02T13:14:24","modified_gmt":"2017-02-02T11:14:24","slug":"iv-b-39-16-beweiskraft-einer-nachtraeglich-berichtigten-zustellungsurkunde-ersatzzustellung-bei-vorhandenem-briefkasten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iv-b-39-16-beweiskraft-einer-nachtraeglich-berichtigten-zustellungsurkunde-ersatzzustellung-bei-vorhandenem-briefkasten\/","title":{"rendered":"IV&nbsp;B&nbsp;39\/16 &#8211; Beweiskraft einer nachtr&auml;glich berichtigten Zustellungsurkunde &#8211; Ersatzzustellung bei vorhandenem Briefkasten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 23.11.2016, IV B 39\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2016:B.231116.IVB39.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Beweiskraft einer nachtr&auml;glich berichtigten Zustellungsurkunde &#8211; Ersatzzustellung bei vorhandenem Briefkasten<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 14. April 2016&nbsp;&nbsp;6 K 531\/13 G,F aufgehoben.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht M&uuml;nster zur&uuml;ckverwiesen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH &#038; Co. KG, betreibt ein Transportunternehmen sowie Baustoffhandel. Kommanditisten waren zun&auml;chst die Eheleute P, ab dem Streitjahr 2005 auch deren Sohn. Dieser f&uuml;hrte daneben einen eigenen Transportbetrieb. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erkannte eine von der Kl&auml;gerin vorgenommene Forderungsabschreibung mit der Begr&uuml;ndung nicht an, dass der der Forderung zugrunde liegende Vertrag mit dem Betrieb des Sohnes einem Fremdvergleich nicht standhalte. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach insoweit erfolglosem Einspruch erhob die Kl&auml;gerin Klage. In der m&uuml;ndlichen Verhandlung am 21.&nbsp;Januar 2016 vertagte das Finanzgericht (FG) die Sache. Anschlie&szlig;end gab es der Kl&auml;gerin auf, n&auml;her bezeichnete Unterlagen vorzulegen. Nach fruchtlosem Ablauf der hierf&uuml;r gesetzten Frist erneuerte es seine Aufforderung und setzte eine Frist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;79b Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) bis zum 23.&nbsp;M&auml;rz 2016. Das entsprechende Schreiben vom 2.&nbsp;M&auml;rz 2016 war an die damalige Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin &#8211;eine Steuerberatungsgesellschaft&#8211; gerichtet. Ebenfalls am 2.&nbsp;M&auml;rz 2016 beraumte das FG eine m&uuml;ndliche Verhandlung auf den 14.&nbsp;April 2016 an. Die Ladung an die Prozessbevollm&auml;chtigte enthielt den Hinweis, dass beim Ausbleiben eines Beteiligten auch ohne diesen verhandelt und entschieden werden k&ouml;nne. Mit der Zustellung der Ladung und des weiteren Schreibens vom 2.&nbsp;M&auml;rz 2016 durch Zustellungsurkunde &#8211;zusammen in einem Briefumschlag&#8211; wurde die Deutsche Post beauftragt. Die Kl&auml;gerin wurde nicht gesondert geladen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 21.&nbsp;M&auml;rz 2016 ging dem FG die von einer Postbediensteten am 4.&nbsp;M&auml;rz 2016 unterzeichnete Zustellungsurkunde zu. Danach hatte die Zustellerin den Umschlag zu &uuml;bergeben versucht. Urspr&uuml;nglich hatte sie weiter beurkundet, dass sie das Schriftst&uuml;ck, weil eine &Uuml;bergabe nicht m&ouml;glich gewesen sei, in den zum Gesch&auml;ftsraum geh&ouml;renden Briefkasten oder eine &auml;hnliche Vorrichtung eingelegt habe. Das Kreuz in dem entsprechenden Feld 10.2 wurde jedoch durchgestrichen. Daneben findet sich der von der Zustellerin unterzeichnete Vermerk &quot;berichtigt am 17.03.&quot;. Weiter ist in der Urkunde angegeben, dass der Umschlag, weil auch die Einlegung in einen Briefkasten oder eine &auml;hnliche Vorrichtung nicht m&ouml;glich gewesen sei, bei der hierf&uuml;r bestimmten Stelle &#8211;der &quot;Shop in Shop Filiale im A-Markt, X-Stra&szlig;e&nbsp;12&quot;&#8211; niedergelegt worden sei. Die schriftliche Mitteilung &uuml;ber die Niederlegung habe die Zustellerin in der bei gew&ouml;hnlichen Briefen &uuml;blichen Weise abgegeben, n&auml;mlich in den Gesch&auml;ftsbriefkasten eingeworfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der m&uuml;ndlichen Verhandlung am 14.&nbsp;April 2016 erschien f&uuml;r die Kl&auml;gerin niemand. Das FG stellte die ordnungsgem&auml;&szlig;e Ladung der Prozessbevollm&auml;chtigten fest und wies die Klage ab. Die Revision lie&szlig; es nicht zu. Am 7.&nbsp;Juni 2016 erhielt es den in Rede stehenden Umschlag mit den Vermerken &quot;Zugestellt am 04.03.2016&quot; &#8211;unterzeichnet von der Zustellerin&#8211; und &quot;Lagerfrist abgelaufen&quot; zur&uuml;ck. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Nichtzulassungsbeschwerde r&uuml;gt die Kl&auml;gerin eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r. Ihre Prozessbevollm&auml;chtigte habe weder die Ladung noch das weitere Schreiben vom 2.&nbsp;M&auml;rz 2016 erhalten. Auch eine Benachrichtigung &uuml;ber die Niederlegung sei ihr nicht zugegangen. Von der m&uuml;ndlichen Verhandlung habe sie erst durch die Zustellung des Urteils am 28.&nbsp;April 2016 erfahren. Zur Glaubhaftmachung hat die Kl&auml;gerin eine eidesstattliche Versicherung des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers der Prozessbevollm&auml;chtigten &uuml;bersandt. Weiter tr&auml;gt sie vor, dass die Zustellungsurkunde nicht geeignet sei, den Beweis &uuml;ber die Zustellung zu erbringen. Ihr Inhalt sei widerspr&uuml;chlich und falsch. Die Angaben der Zustellerin lie&szlig;en nicht erkennen, was mit dem Umschlag wann geschehen sei. Zudem existiere die angegebene Niederlegungsstelle bereits seit April 2014 nicht mehr. Die Niederlegungsstelle der Post befinde sich seitdem im &quot;B-Shop&quot; in der X-Stra&szlig;e&nbsp;6. Zum Nachweis hat die Kl&auml;gerin einen undatierten Ausdruck der Internetseite der Post &uuml;bersandt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision gegen das Urteil des FG M&uuml;nster vom 14.&nbsp;April 2016&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;531\/13 G,F zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA hat keinen Antrag gestellt und r&auml;umt ein, dass es das Vorgehen der Zustellerin nicht nachvollziehen k&ouml;nne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das Urteil des FG beruht auf einem Verfahrensfehler i.S. von &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO; es verletzt den Anspruch der Kl&auml;gerin auf rechtliches Geh&ouml;r (Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes, &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2, &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Pflicht des Gerichts zur Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs erfordert es u.a., den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit zu geben, sich zu entscheidungserheblichen Tatsachen und Beweisergebnissen zu &auml;u&szlig;ern und ihre f&uuml;r wesentlich gehaltenen Rechtsansichten vorzutragen (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 6.&nbsp;November 2007 IX&nbsp;B&nbsp;64\/07, BFH\/NV 2008, 242). Hieran fehlt es, wenn ein Beteiligter zu der vom FG angesetzten m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht ordnungsgem&auml;&szlig; geladen worden ist (BFH-Beschluss vom 18.&nbsp;Januar 2011 IV&nbsp;B&nbsp;53\/09). Auf diesem Mangel kann das Urteil beruhen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Kl&auml;gerin ist nicht wirksam zur m&uuml;ndlichen Verhandlung am 14.&nbsp;April 2016 geladen worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;53 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;176 der Zivilprozessordnung (ZPO) kann die Ladung zur m&uuml;ndlichen Verhandlung durch die Post mit Zustellungsurkunde bewirkt werden. Ist die &Uuml;bergabe der Ladung nach &sect;&nbsp;177 oder &sect;&nbsp;178 Abs.&nbsp;1 Nrn.&nbsp;1 oder 2 ZPO nicht m&ouml;glich, kann sie in einen Briefkasten oder eine &auml;hnliche Vorrichtung, die der Adressat f&uuml;r den Postempfang eingerichtet hat und die in der allgemein &uuml;blichen Art f&uuml;r eine sichere Aufbewahrung geeignet ist, eingelegt werden (&sect;&nbsp;180 Satz&nbsp;1 ZPO). Ist auch das nicht ausf&uuml;hrbar, hat der Zusteller die Ladung bei einer von der Post bestimmten Stelle niederzulegen (&sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 S&auml;tze&nbsp;1 und 2 ZPO). &Uuml;ber die Niederlegung ist eine schriftliche Mitteilung in der bei gew&ouml;hnlichen Briefen &uuml;blichen Weise abzugeben oder, wenn das nicht m&ouml;glich ist, an der T&uuml;r anzuheften (&sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 ZPO). Eine fehlerhafte Annahme der Zustellungsvoraussetzungen f&uuml;hrt zur Unwirksamkeit der Zustellung (vgl. Beschluss des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 12.&nbsp;M&auml;rz 1968 X&nbsp;ZB&nbsp;12\/67; BFH-Urteil vom 11.&nbsp;April 1986 VI&nbsp;R&nbsp;22\/85, BFH\/NV 1986, 545).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nach &sect;&nbsp;182 Abs.&nbsp;1 Satz 2 i.V.m. &sect;&nbsp;418 Abs.&nbsp;1 ZPO, der auch im finanzgerichtlichen Verfahren gilt (BFH-Beschluss vom 18.&nbsp;Januar 2011 IV&nbsp;B&nbsp;53\/09), begr&uuml;ndet die Zustellungsurkunde vollen Beweis des darin bezeugten Zustellungsvorgangs. Inwiefern Durchstreichungen die Beweiskraft der Urkunde ganz oder teilweise aufheben oder mindern, entscheidet das Gericht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;419 ZPO nach freier &Uuml;berzeugung. Eine nachtr&auml;gliche Berichtigung, etwa durch einen von dem Zusteller unterzeichneten Vermerk auf der Urkunde, ist m&ouml;glich (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 26.&nbsp;Juni 1984&nbsp;&nbsp;9&nbsp;CB&nbsp;1092\/81; Z&ouml;ller\/St&ouml;ber, ZPO, 31.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;182 Rz&nbsp;20) und ebenfalls nach &sect;&nbsp;419 ZPO zu w&uuml;rdigen (BGH-Urteil vom 19.&nbsp;Juli 2007 I&nbsp;ZR&nbsp;136\/05). Die Beweiskraft einer Zustellungsurkunde kann nicht durch die blo&szlig;e Behauptung, das Schriftst&uuml;ck nicht erhalten zu haben, beseitigt werden (BFH-Beschluss vom 21.&nbsp;August 2002 VIII&nbsp;B&nbsp;58\/02, BFH\/NV 2003, 176). Ein Gegenbeweis erfordert vielmehr den Beweis der Unrichtigkeit der in der Zustellungsurkunde bezeugten Tatsachen (BFH-Urteil vom 20.&nbsp;Februar 1992 V&nbsp;R&nbsp;39\/88, BFH\/NV 1992, 580, m.w.N.; BFH-Beschluss vom 18.&nbsp;Januar 2011 IV&nbsp;B&nbsp;53\/09). Das Gericht hat die Beweiskraft der Zustellungsurkunde und die Beweiskraft etwaiger Gegenbeweismittel gegeneinander abzuw&auml;gen (BFH-Urteil vom 28.&nbsp;Juli 2015 VIII&nbsp;R&nbsp;50\/13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist die Kl&auml;gerin nicht wirksam zur m&uuml;ndlichen Verhandlung am 14.&nbsp;April 2016 geladen worden. Denn die Postbedienstete hat die Zustellung durch Niederlegung bewirkt, obwohl die Voraussetzungen hierf&uuml;r nicht vorlagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Dass die Zustellerin von der M&ouml;glichkeit der Niederlegung Gebrauch gemacht hat, folgt bereits aus dem Umstand, dass das FG den die Ladung enthaltenden Briefumschlag mit den Vermerken &quot;Zugestellt am 04.03.2016&quot; und &quot;Lagerfrist abgelaufen&quot; zur&uuml;ck erhalten hat. Auch die Zustellungsurkunde l&auml;sst keinen anderen Schluss zu. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Eine Ersatzzustellung durch Niederlegung bei der Post setzt voraus, dass die Zustellung nicht nach &sect;&nbsp;180 ZPO durch Einlegen der Ladung in einen Briefkasten oder eine &auml;hnliche Vorrichtung ausf&uuml;hrbar ist (&sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz 1 ZPO). Die Unm&ouml;glichkeit der Einlegung in den Briefkasten o.&Auml;. ist Wirksamkeitsvoraussetzung der Ersatzzustellung durch Niederlegung (Beschluss des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg vom 21.&nbsp;Oktober 2002 II-66\/02, 1&nbsp;Ss&nbsp;131\/02). Das ergibt sich nicht nur aus dem Wortlaut des &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ZPO, sondern auch aus dem mit der Regelung verfolgten Zweck, die f&uuml;r den Adressaten oft umst&auml;ndliche Zustellung durch Niederlegung soweit wie vertretbar zu vermeiden (Begr&uuml;ndung des Regierungsentwurfs des Zustellungsreformgesetzes in BTDrucks 14\/4554, S.&nbsp;13). Vor diesem Hintergrund darf die Benachrichtigung &uuml;ber eine Niederlegung nicht in den Briefkasten eingeworfen werden. Denn wenn der Adressat &uuml;ber einen solchen verf&uuml;gt, scheidet die Ersatzzustellung nach &sect;&nbsp;181 ZPO von vornherein aus (Gr&auml;ber\/ Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;53 Rz&nbsp;102; Neumann in Beermann\/Gosch, FGO &sect;&nbsp;53 Rz&nbsp;39; Z&ouml;ller\/St&ouml;ber, a.a.O., &sect;&nbsp;181 Rz&nbsp;4; Stein\/Jonas\/Roth, ZPO, 23.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;181 Rz&nbsp;7).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Das hat die Zustellerin im Streitfall verkannt. Ausweislich der Zustellungsurkunde hat sie die Mitteilung &uuml;ber die Niederlegung in den Gesch&auml;ftsbriefkasten der Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin eingeworfen. Es ist nichts daf&uuml;r ersichtlich, dass in diesen nicht die Ladung selbst h&auml;tte eingelegt werden k&ouml;nnen. Zwar mag es Ausnahmef&auml;lle geben, in denen ein Briefkasten nicht den Anforderungen des &sect;&nbsp;180 ZPO gen&uuml;gt, aber &#8211;wie von &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 ZPO verlangt&#8211; zur Entgegennahme von gew&ouml;hnlichen Briefen regelm&auml;&szlig;ig verwendet wird (M&uuml;nchKommZPO\/H&auml;ublein, 5.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;181 Rz&nbsp;7, nennt den unverschlossenen Briefkasten). Daf&uuml;r, dass es sich bei dem Gesch&auml;ftsbriefkasten der Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin &#8211;einer Steuerberatungsgesellschaft&#8211; um einen solchen Fall handelt, bestehen jedoch keine Anhaltspunkte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Senat macht von der M&ouml;glichkeit Gebrauch, das angefochtene Urteil durch Beschluss aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO). Von einer weiteren Darstellung des Sachverhalts und einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 23.11.2016, IV B 39\/16ECLI:DE:BFH:2016:B.231116.IVB39.16.0 Beweiskraft einer nachtr&auml;glich berichtigten Zustellungsurkunde &#8211; Ersatzzustellung bei vorhandenem Briefkasten Tenor Auf die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 14. April 2016&nbsp;&nbsp;6 K 531\/13 G,F aufgehoben.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Sache wird an das Finanzgericht M&uuml;nster zur&uuml;ckverwiesen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iv-b-39-16-beweiskraft-einer-nachtraeglich-berichtigten-zustellungsurkunde-ersatzzustellung-bei-vorhandenem-briefkasten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IV&nbsp;B&nbsp;39\/16 &#8211; Beweiskraft einer nachtr&auml;glich berichtigten Zustellungsurkunde &#8211; Ersatzzustellung bei vorhandenem Briefkasten<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-66827","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66827","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66827"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66827\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}