{"id":66847,"date":"2017-02-02T13:14:50","date_gmt":"2017-02-02T11:14:50","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66847"},"modified":"2017-02-02T13:14:50","modified_gmt":"2017-02-02T11:14:50","slug":"v-r-10-15-kindergeld-persoenliche-anspruchsberechtigung-bei-grenzueberschreitenden-sachverhalten-im-wesentlichen-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-23082016-v-r-19-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-10-15-kindergeld-persoenliche-anspruchsberechtigung-bei-grenzueberschreitenden-sachverhalten-im-wesentlichen-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-23082016-v-r-19-15\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;10\/15 &#8211; Kindergeld: Pers&ouml;nliche Anspruchsberechtigung bei grenz&uuml;berschreitenden Sachverhalten &#8211; Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 23.08.2016 V R 19\/15"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 23.8.2016, V R 10\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2016:U.230816.VR10.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeld: Pers&ouml;nliche Anspruchsberechtigung bei grenz&uuml;berschreitenden Sachverhalten &#8211; Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 23.08.2016 V R 19\/15<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 2. Februar 2015 14 K 1165\/13 Kg aufgehoben.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist polnische Staatsb&uuml;rgerin, die in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) lebt und als Gewerbetreibende selbst&auml;ndig ist. Sie ist Mutter der Kinder E (geboren 1994) und P (geboren 1996), die im Streitzeitraum in Polen im Haushalt des von der Kl&auml;gerin geschiedenen Kindsvaters lebten und dort eine Schule oder Hochschule besuchten. Familienleistungen nach polnischem Recht wurden nicht gew&auml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Rechtsvorg&auml;ngerin der Beklagten und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse) lehnte einen Antrag der Kl&auml;gerin auf Kindergeld f&uuml;r ihre beiden Kinder ab Juli 2012 ab, da der Kindsvater vorrangig kindergeldberechtigt sei. Den dagegen eingelegten Einspruch wies sie im M&auml;rz 2013 zur&uuml;ck. Die daraufhin erhobene Klage hatte Erfolg. Das Finanzgericht (FG) verpflichtete die Familienkasse mit Urteil vom 2.&nbsp;Februar 2015&nbsp;&nbsp;14&nbsp;K&nbsp;1165\/13&nbsp;Kg, Kindergeld f&uuml;r E und P festzusetzen. Dagegen wendet sich die Familienkasse mit der Revision.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat hat das Verfahren mit Beschluss vom 21.&nbsp;April 2015 bis zur Entscheidung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) in der Rechtssache Trapkowski C-378\/14 ausgesetzt. Nach Ver&ouml;ffentlichung des EuGH-Urteils Trapkowski vom 22.&nbsp;Oktober 2015 C-378\/14 (EU:C:2015:720, Deutsches Steuerrecht\/ Entscheidungsdienst &#8211;DStRE&#8211; 2015, 1501) hat der Senat das Verfahren wieder aufgenommen und den Beteiligten Gelegenheit gegeben, sich zu dem EuGH-Urteil zu &auml;u&szlig;ern. Die Familienkasse ist der Auffassung, der EuGH habe ihren Rechtsstandpunkt best&auml;tigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt,<br \/>das FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;gerin ist durch ihren Ehemann, der nicht zu den in &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;4 der Finanzgerichtsordnung (FGO) genannten Personen geh&ouml;rt, der Rechtsauffassung der Familienkasse entgegengetreten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt zur Aufhebung des FG-Urteils und Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO). Das FG-Urteil verletzt &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (EStG). Danach hat die Kl&auml;gerin keinen Anspruch auf Zahlung des Kindergeldes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kl&auml;gerin ist zwar kindergeldberechtigt, weil sie in Deutschland lebt und Mutter einer Tochter ist, die ihren Wohnsitz in Polen hat (&sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und Satz&nbsp;3 EStG) und f&uuml;r die ein Anspruch auf Kindergeld besteht (&sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG), sowie eines Sohnes, der seinen Wohnsitz gleichfalls in Polen hatte und f&uuml;r den auch ein Anspruch auf Kindergeld besteht (&sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;3 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin hat aber keinen Anspruch auf Zahlung des Kindergeldes; denn mit Blick auf das Unionsrecht ist nach &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG der Kindsvater vorrangig anspruchsberechtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG wird bei mehreren Berechtigten das Kindergeld demjenigen gezahlt, der das Kind in seinen Haushalt aufgenommen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Person hat nach Art.&nbsp;67 Satz&nbsp;1 der Verordnung (EG) Nr.&nbsp;883\/2004 des Europ&auml;ischen Parlaments und des Rates vom 29.&nbsp;April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (VO Nr.&nbsp;883\/2004) &#8211;wie hier die Kl&auml;gerin nach Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 VO Nr.&nbsp;883\/2004&#8211; Anspruch auf Familienleistungen (wie hier Kindergeld nach Art.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;z, Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;j VO Nr.&nbsp;883\/2004) nach den Rechtsvorschriften des zust&auml;ndigen Mitgliedstaats (hier: Deutschland gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;11 Abs.&nbsp;3 Buchst.&nbsp;a VO Nr.&nbsp;883\/2004) auch f&uuml;r Familienangeh&ouml;rige, die zwar in einem anderen Mitgliedstaat wohnen, die aber so behandelt werden, als wohnten sie im zust&auml;ndigen Mitgliedstaat. Denn bei der Anwendung von Art.&nbsp;67 und 68 VO Nr.&nbsp;883\/2004 ist nach Art.&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 der Verordnung (EG) Nr.&nbsp;987\/2009 des Europ&auml;ischen Parlaments und des Rates vom 16.&nbsp;September 2009 zur Festlegung der Modalit&auml;ten f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung der Verordnung (EG) Nr.&nbsp;883\/2004 &uuml;ber die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit die Situation der gesamten Familie in einer Weise zu ber&uuml;cksichtigen, als w&uuml;rden alle Beteiligten &#8211;insbesondere was das Recht zur Erhebung eines Leistungsanspruchs anbelangt&#8211; unter die Rechtsvorschriften des betreffenden Mitgliedstaats (hier: Deutschland) fallen und dort wohnen (dazu eingehend EuGH-Urteil Trapkowski, EU:C:2015:720, DStRE 2015, 1501).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Fiktion f&uuml;hrt dazu, dass der Anspruch auf Kindergeld nicht dem in Deutschland, sondern dem im EU-Ausland lebenden Elternteil zusteht, wenn dieser das Kind in seinen Haushalt aufgenommen hat (vgl. dazu im Einzelnen BFH-Urteil vom 4.&nbsp;Februar 2016 III&nbsp;R&nbsp;17\/13, BFHE 253, 136, BStBl II 2016, 612).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) So verh&auml;lt es sich im Streitfall: E und P leben im Haushalt des ebenfalls kindergeldberechtigten Kindsvaters, so dass die Kl&auml;gerin gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG keinen Anspruch auf Auszahlung des Kindergeldes hat. Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass der Kindsvater ein nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder ist (vgl. &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 EStG), bestehen nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 23.8.2016, V R 10\/15ECLI:DE:BFH:2016:U.230816.VR10.15.0 Kindergeld: Pers&ouml;nliche Anspruchsberechtigung bei grenz&uuml;berschreitenden Sachverhalten &#8211; Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 23.08.2016 V R 19\/15 Tenor Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 2. 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