{"id":66944,"date":"2017-02-26T12:47:14","date_gmt":"2017-02-26T10:47:14","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66944"},"modified":"2017-02-26T12:47:14","modified_gmt":"2017-02-26T10:47:14","slug":"x-r-57-13-erlass-eines-inhaltsgleichen-aenderungsbescheids-nach-einvernehmlicher-beendigung-des-finanzrechtsstreits-in-der-muendlichen-verhandlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-57-13-erlass-eines-inhaltsgleichen-aenderungsbescheids-nach-einvernehmlicher-beendigung-des-finanzrechtsstreits-in-der-muendlichen-verhandlung\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;57\/13 &#8211; Erlass eines inhaltsgleichen &Auml;nderungsbescheids nach einvernehmlicher Beendigung des Finanzrechtsstreits in der m&uuml;ndlichen Verhandlung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 6.7.2016, X R 57\/13<br \/>ECLI:DE:BFH:2016:U.060716.XR57.13.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Erlass eines inhaltsgleichen &Auml;nderungsbescheids nach einvernehmlicher Beendigung des Finanzrechtsstreits in der m&uuml;ndlichen Verhandlung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Hebt das FA aufgrund einer mit dem Steuerpflichtigen getroffenen Verst&auml;ndigung &uuml;ber die einvernehmliche Beendigung des Finanzrechtsstreits einen Steuerbescheid in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG auf und erkl&auml;rt den Rechtsstreit in der Hauptsache f&uuml;r erledigt, ist es nach dem Grundsatz von Treu und Glauben (Verbot des &quot;venire contra factum proprium&quot;) daran gehindert, erneut einen inhaltsgleichen Steuerbescheid zu erlassen, wenn der Steuerpflichtige in Einhaltung dieser Absprache &uuml;ber einen verfahrensrechtlichen Besitzstand disponiert hat. Letzteres ist der Fall, wenn er seinen Einspruch zur&uuml;ckgenommen und ebenfalls die Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt hat (Fortentwicklung der Senatsrechtsprechung, s. Urteil vom 29. Oktober 1987 X R 1\/80, BFHE 151, 118, BStBl II 1988, 121).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 4. M&auml;rz 2013 12 K 279\/12 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) erzielte im Streitjahr 2006 gewerbliche Eink&uuml;nfte aus dem Betrieb einer Gastst&auml;tte (&sect;&nbsp;15 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;). Den Gewinn ermittelte sie durch Einnahmen-&Uuml;berschuss-Rechnung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;3 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 19.&nbsp;Juni 2006 schloss die Kl&auml;gerin mit der Brauerei (B) einen &quot;Bierbezugsvertrag&quot;. Bestandteil dieses Vertrags war &#8211;neben den Konditionen des Bezugs und Ausschanks von durch B vertriebener Getr&auml;nke&#8211; u.a. die Gew&auml;hrung eines &quot;Abschreibungsdarlehens&quot; &uuml;ber 31.000&nbsp;EUR zzgl. 16&nbsp;% Umsatzsteuer, das im Jahr 2006 an die Kl&auml;gerin ausgezahlt und von dieser zur Renovierung der Gastst&auml;tte eingesetzt wurde. Die diesbez&uuml;gliche Tilgungsvereinbarung sah von der k&uuml;nftigen Bierbezugsmenge abh&auml;ngige Gutschriften zugunsten des &quot;Abschreibungsdarlehenskontos&quot; der Kl&auml;gerin vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aufgrund eines Hinweises der B beantragte die Kl&auml;gerin am 24.&nbsp;Oktober 2006 bei dem Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) unter Vorlage des &quot;Bierbezugsvertrags&quot; eine verbindliche Auskunft &uuml;ber die umsatzsteuerrechtliche Behandlung des &quot;Abschreibungsdarlehens&quot;. Eine solche lehnte das FA ab, teilte aber gleichwohl seine Rechtsauffassung mit, wonach es sich bei dem &quot;Abschreibungsdarlehen&quot; um eine &quot;vorgezogene Umsatzr&uuml;ckverg&uuml;tung&quot; handele, die &quot;bereits im Zeitpunkt der Zahlung der Umsatzsteuer unterliege&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da die Kl&auml;gerin trotz Aufforderung keine Gewinnfeststellungserkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr abgegeben hatte, sch&auml;tzte das FA die Besteuerungsgrundlagen und stellte am 10.&nbsp;Dezember 2007 einen Gewinn aus dem Betrieb der Gastst&auml;tte im Jahr 2006 in H&ouml;he von 10.000&nbsp;EUR gesondert fest. Dieser Bescheid stand nicht unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Zuge des Einspruchsverfahrens reichte die Kl&auml;gerin eine Feststellungserkl&auml;rung f&uuml;r 2006 nach, in der sie einen Verlust in H&ouml;he von 1.469,71&nbsp;EUR angab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 9.&nbsp;August 2010 erlie&szlig; das FA w&auml;hrend des nach wie vor andauernden Einspruchsverfahrens einen auf &quot;&sect;&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO&quot; gest&uuml;tzten, ge&auml;nderten Gewinnfeststellungsbescheid f&uuml;r 2006, in dem es den Gewinn nach Ansatz des &quot;Abschreibungsdarlehens&quot; sowie weiteren nicht streitbefangenen Korrekturen auf 26.143&nbsp;EUR erh&ouml;hte. Den auch dagegen gerichteten Einspruch der Kl&auml;gerin (&sect;&nbsp;365 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;) wies es am 22.&nbsp;Dezember 2010 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Dagegen erhob die Kl&auml;gerin Klage. In der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem Finanzgericht (FG) fand im Anschluss an die Er&ouml;rterung der Streitsache eine Zwischenberatung des Gerichts statt, zu der es in der Sitzungsniederschrift nachstehende Feststellungen traf:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&quot;Der Vorsitzende erl&auml;uterte den Beteiligten das Ergebnis der Zwischenberatung, wonach mindestens zweifelhaft sei, ob im Streitfall die Voraussetzungen einer &Auml;nderung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO mit der Folge vorgelegen h&auml;tten, dass es eines Verb&ouml;serungshinweises bedurft h&auml;tte. In diesem Zusammenhang wies der Vorsitzende darauf hin, dass in den dem Gericht vorliegenden Akten des beklagten Finanzamts eine Heftung &#8218;Abschreibungsdarlehen&#8216; enthalten sei, in der auch der Bierbezugsvertrag enthalten gewesen sei, und zwar auch bereits zu einem Zeitpunkt, als die erstmalige Sch&auml;tzung durch den Bescheid vom 10.&nbsp;Dezember 2007 erfolgte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Vor diesem Hintergrund wurde dem Vertreter des beklagten Finanzamts empfohlen, die Kl&auml;gerin dadurch klaglos zu stellen, dass der Einspruchsbescheid und der w&auml;hrend des Einspruchsverfahrens ge&auml;nderte Feststellungsbescheid aufgehoben werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin sollte sich f&uuml;r den Fall einer entsprechenden Aufhebung &uuml;berlegen, ob er bereits heute zu Protokoll die R&uuml;cknahme seines Einspruchs erkl&auml;rte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Die Beteiligten erkl&auml;rten sich mit dieser Vorgehensweise einverstanden.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daraufhin hob das FA den &Auml;nderungsbescheid vom 9.&nbsp;August 2010 sowie die Einspruchsentscheidung vom 22.&nbsp;Dezember 2010 im Einvernehmen mit dem Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin noch w&auml;hrend der m&uuml;ndlichen Verhandlung auf und erkl&auml;rte den Rechtsstreit &quot;bereits jetzt&quot; in der Hauptsache f&uuml;r erledigt. &quot;Im Hinblick auf die Aufhebung der Bescheide&quot; (so das Protokoll weiter) nahm der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin deren Einspruch zur&uuml;ck und gab seinerseits &quot;bereits jetzt&quot; die Erkl&auml;rung ab, der Rechtsstreit sei in der Hauptsache erledigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sechs Wochen sp&auml;ter erlie&szlig; das FA am 20.&nbsp;Juni 2012 einen inhaltlich identischen &Auml;nderungsbescheid, den es nunmehr ausdr&uuml;cklich auf &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO st&uuml;tzte und in einer Anlage n&auml;her begr&uuml;ndete.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Einspruch und Klage hob das FG den &Auml;nderungsbescheid vom 20.&nbsp;Juni 2012 sowie die Einspruchsentscheidung vom 24.&nbsp;August 2012 auf. Es erkannte unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Anwendung von &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO nach einer vorangegangenen Gewinnsch&auml;tzung (u.a. BFH-Urteile vom 28.&nbsp;M&auml;rz 1985 IV&nbsp;R&nbsp;159\/82, BFHE 144, 521, BStBl II 1986, 120; vom 30.&nbsp;Oktober 1986 III&nbsp;R&nbsp;163\/82, BFHE 148, 208, BStBl II 1987, 161, und III&nbsp;R&nbsp;164\/82, BFH\/NV 1987, 353), die Tatbestandsvoraussetzungen der &Auml;nderungsvorschrift seien nicht erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA begr&uuml;ndet seine Revision mit der Verletzung materiellen Rechts und sieht die tatbestandlichen Voraussetzungen des &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO weiter als gegeben an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des FA hat keinen Erfolg. Das FG hat im Ergebnis zu Recht der Klage stattgegeben und den Feststellungsbescheid 2006 vom 20.&nbsp;Juni 2012 sowie die Einspruchsentscheidung vom 24.&nbsp;August 2012 aufgehoben. Die Revision ist daher gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;4 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der erkennende Senat kann dahinstehen lassen, ob das FG die bei der Anwendung von &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO nach einer vorangegangenen Gewinnsch&auml;tzung zu beachtenden Rechtsgrunds&auml;tze zutreffend auf den Streitfall &uuml;bertragen hat. Das FA war n&auml;mlich bereits aufgrund seiner Erkl&auml;rungen in der m&uuml;ndlichen Verhandlung am 8.&nbsp;Mai 2012 nach dem Grundsatz von Treu und Glauben daran gehindert, die streitgegenst&auml;ndliche &Auml;nderung erneut vorzunehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Grundsatz von Treu und Glauben ist im Steuerrecht als allgemeiner Rechtsgrundsatz uneingeschr&auml;nkt anerkannt. Er gebietet, dass im Steuerrechtsverh&auml;ltnis jeder Beteiligte auf die berechtigten Belange des anderen Teils angemessen R&uuml;cksicht nimmt und sich zu seinem eigenen fr&uuml;heren Verhalten nicht in Widerspruch setzt. Er bringt keine Steueranspr&uuml;che und -schulden zum Entstehen oder Erl&ouml;schen, sondern kann allenfalls ein bestehendes konkretes Steuerrechtsverh&auml;ltnis dahingehend modifizieren, dass eine Forderung nicht mehr geltend gemacht bzw. ein Recht nicht mehr ausge&uuml;bt werden kann (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. zuletzt BFH-Urteil vom 1.&nbsp;Dezember 2015 VII&nbsp;R&nbsp;44\/14, BFH\/NV 2016, 881, unter&nbsp;II.3., m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dabei kann die Verdr&auml;ngung gesetzten Rechts durch den Grundsatz von Treu und Glauben nur in besonders gelagerten F&auml;llen in Betracht kommen, in denen das Vertrauen des Steuerpflichtigen in ein bestimmtes Verhalten der Verwaltung nach dem allgemeinen Rechtsgef&uuml;hl in einem so hohen Ma&szlig;e schutzw&uuml;rdig ist, dass demgegen&uuml;ber die Grunds&auml;tze der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung zur&uuml;cktreten m&uuml;ssen. Hierzu verlangt der Grundsatz von Treu und Glauben einen Vertrauenstatbestand, aufgrund dessen der Steuerpflichtige disponiert hat. Erforderlich ist eine bestimmte Position oder ein bestimmtes Verhalten des einen Teils, aufgrund dessen der andere Teil bei objektiver Beurteilung annehmen konnte, jener werde an seiner Position oder seinem Verhalten konsequent und auf Dauer festhalten. Ein sch&uuml;tzenswertes nachhaltiges Vertrauen in den Fortbestand der fr&uuml;heren Auffassung ist demzufolge nur dann und solange gegeben, als der Steuerpflichtige nicht mit ihrer &Auml;nderung rechnen musste oder ihm zumindest Zweifel h&auml;tten kommen m&uuml;ssen (ebenfalls st&auml;ndige BFH-Rechtsprechung, vgl. z.B. Senatsurteil vom 25.&nbsp;Juni 2014 X&nbsp;R&nbsp;16\/13, BFHE 246, 172, BStBl II 2014, 889, unter&nbsp;II.1.d&nbsp;aa, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Von diesen allgemeinen Ma&szlig;st&auml;ben ausgehend, stand der vorliegend allein streitgegenst&auml;ndlichen erneuten &Auml;nderung des Sch&auml;tzungsbescheids vom 10.&nbsp;Dezember 2007 durch den Feststellungsbescheid vom 20.&nbsp;Juni 2012 entgegen, dass das FA den ersten &Auml;nderungsbescheid in der m&uuml;ndlichen Verhandlung am 8.&nbsp;Mai 2012 mit Zustimmung der Kl&auml;gerin aufgehoben und den Rechtsstreit ohne jede Einschr&auml;nkung oder Bedingung in der Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Durch dieses Verhalten ist auf Seiten der Kl&auml;gerin ein Vertrauenstatbestand geschaffen worden, der sich dahingehend auswirkte, dass sie ihren Einspruch entsprechend der mit dem FA getroffenen Verfahrensverst&auml;ndigung im unmittelbaren Anschluss zur&uuml;ckgenommen und den Rechtsstreit &#8211;aus prozessualen Gr&uuml;nden unwiderruflich (vgl. zuletzt BFH-Beschluss vom 1.&nbsp;Juli 2014 VIII&nbsp;B&nbsp;21\/14, BFH\/NV 2014, 1900, unter&nbsp;II.1.)&#8211; in der Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt hat. Ein solches Verhalten stellt nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats eine wirtschaftliche Disposition in Gestalt der Aufgabe eines verfahrensrechtlichen Besitzstandes dar (vgl. insoweit grundlegend Senatsurteil vom 29.&nbsp;Oktober 1987 X&nbsp;R&nbsp;1\/80, BFHE 151, 118, BStBl II 1988, 121, unter&nbsp;3.; dem ausdr&uuml;cklich folgend BFH-Urteil vom 22.&nbsp;August 1990 III&nbsp;R&nbsp;27\/88, BFH\/NV 1991, 572, unter&nbsp;2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch darin kann nach den Umst&auml;nden des Einzelfalls ein tauglicher Ankn&uuml;pfungspunkt f&uuml;r die Gew&auml;hrung von Vertrauensschutz liegen (z.B. BFH-Urteile in BFH\/NV 1991, 572, unter&nbsp;2.; vom 16.&nbsp;November 2000 XI&nbsp;R&nbsp;28\/99, BFHE 193, 494, BStBl II 2001, 303, unter&nbsp;II.3.a, und vom 10.&nbsp;M&auml;rz 1989 III&nbsp;R&nbsp;190\/85, BFH\/NV 1990, 358, unter&nbsp;II.1.e; s. ferner Senatsurteil vom 8.&nbsp;April 1987 X&nbsp;R&nbsp;14\/81, BFH\/NV 1988, 214, unter&nbsp;2.b, zu &sect;&nbsp;227 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall durfte die Kl&auml;gerin aufgrund des zielstrebigen und vorbehaltslosen Hinwirkens des FA auf eine umgehende Beendigung des Finanzgerichtsprozesses &quot;ohne Urteil&quot; uneingeschr&auml;nkt darauf vertrauen, dieses werde sich dazu auch k&uuml;nftig nicht mehr in Widerspruch setzen (Verbot des &quot;venire contra factum proprium&quot;). Anhaltspunkte, die Anlass gegeben h&auml;tten, hieran zu zweifeln (z.B. wenn das FA durch das Gericht auf offensichtlich unlautere Weise zur &quot;einvernehmlichen&quot; Verfahrensbeendigung gedr&auml;ngt worden w&auml;re), sind weder vorgetragen noch sonst ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dass die Kl&auml;gerin das f&uuml;r sie nach den Ergebnissen der Zwischenberatung des Tatsachengerichts nach damaligem Sach- und Streitstand augenscheinlich aussichtsreiche finanzgerichtliche Verfahren nicht zu Ende gef&uuml;hrt, sondern den von ihrer Zustimmung abh&auml;ngigen Wegfall des ersten &Auml;nderungsbescheids zugelassen und auch ihrerseits die Hauptsacheerledigung erkl&auml;rt hat, beruhte allein auf der Verabredung einer einvernehmlichen Streitbeilegung mit dem FA in der konkreten Verfahrenssituation. Aufgrund dieser Disposition verzichtete die Kl&auml;gerin auf ein in Rechtskraft erwachsendes Sachurteil des FG, dessen Bindungswirkung den k&uuml;nftigen Korrekturrahmen nach Ma&szlig;gabe der &Auml;nderungssperre des &sect;&nbsp;110 Abs.&nbsp;2 FGO eingeschr&auml;nkt h&auml;tte (s. dazu z.B. BFH-Urteil vom 9.&nbsp;Juni 2005 IX&nbsp;R&nbsp;75\/03, BFH\/NV 2005, 1765, unter&nbsp;3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 6.7.2016, X R 57\/13ECLI:DE:BFH:2016:U.060716.XR57.13.0 Erlass eines inhaltsgleichen &Auml;nderungsbescheids nach einvernehmlicher Beendigung des Finanzrechtsstreits in der m&uuml;ndlichen Verhandlung Leits&auml;tze Hebt das FA aufgrund einer mit dem Steuerpflichtigen getroffenen Verst&auml;ndigung &uuml;ber die einvernehmliche Beendigung des Finanzrechtsstreits einen Steuerbescheid in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG auf und erkl&auml;rt den Rechtsstreit in der Hauptsache f&uuml;r &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-57-13-erlass-eines-inhaltsgleichen-aenderungsbescheids-nach-einvernehmlicher-beendigung-des-finanzrechtsstreits-in-der-muendlichen-verhandlung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;R&nbsp;57\/13 &#8211; Erlass eines inhaltsgleichen &Auml;nderungsbescheids nach einvernehmlicher Beendigung des Finanzrechtsstreits in der m&uuml;ndlichen Verhandlung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-66944","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66944","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66944"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66944\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66944"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66944"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66944"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}