{"id":67009,"date":"2017-03-23T13:31:19","date_gmt":"2017-03-23T11:31:19","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67009"},"modified":"2017-03-23T13:31:19","modified_gmt":"2017-03-23T11:31:19","slug":"ix-r-9-16-vererblichkeit-des-verlustabzugs-nach-par-10d-estg-alte-rechtslage-zur-auslegung-des-kriteriums-der-wirtschaftlichen-belastung-des-erben-entbehrlichkeit-eines-feststellungsverfahrens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-9-16-vererblichkeit-des-verlustabzugs-nach-par-10d-estg-alte-rechtslage-zur-auslegung-des-kriteriums-der-wirtschaftlichen-belastung-des-erben-entbehrlichkeit-eines-feststellungsverfahrens\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;9\/16 &#8211; Vererblichkeit des Verlustabzugs nach &sect; 10d EStG &#8211; Alte Rechtslage &#8211; Zur Auslegung des Kriteriums der wirtschaftlichen Belastung des Erben &#8211; Entbehrlichkeit eines Feststellungsverfahrens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 4.10.2016, IX R 9\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2016:U.041016.IXR9.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Vererblichkeit des Verlustabzugs nach &sect; 10d EStG &#8211; Alte Rechtslage &#8211; Zur Auslegung des Kriteriums der wirtschaftlichen Belastung des Erben &#8211; Entbehrlichkeit eines Feststellungsverfahrens<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 27. Januar 2016 4 K 253\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) wird zusammen mit seiner Ehefrau zur Einkommensteuer veranlagt. Er ist gemeinsam mit seiner Mutter M, zu je 1\/2 Erbe nach seinem im Streitjahr 2006 verstorbenen Vater E.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr machte der Kl&auml;ger einen beim Erblasser entstandenen und nicht ausgenutzten Verlust geltend. Er f&uuml;gte der Erkl&auml;rung den Bescheid des verstorbenen Vaters &uuml;ber die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustabzuges auf den 31.&nbsp;Dezember 2005 &uuml;ber 326.159&nbsp;EUR bei und beantragte, die H&auml;lfte (=&nbsp;163.079,50&nbsp;EUR) bei seiner Einkommensteuerveranlagung zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr und im Bescheid &uuml;ber die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags zur Einkommensteuer auf den 31.&nbsp;Dezember 2006, jeweils vom 24.&nbsp;M&auml;rz 2009, folgte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) diesem Antrag nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Einspruchsverfahren, in deren Verlauf der Kl&auml;ger den zu ber&uuml;cksichtigenden Verlust mit 159.686,50&nbsp;EUR neu berechnete, blieben erfolglos. Das FA hat w&auml;hrend des Klageverfahrens den Einkommensteuerbescheid sowie den Bescheid &uuml;ber die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags auf den 31.&nbsp;Dezember 2006, jeweils mit Datum vom 27.&nbsp;November 2012, aus nicht streitgegenst&auml;ndlichen Gr&uuml;nden ge&auml;ndert. Der Gesamtbetrag der Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers und seiner Ehefrau betr&auml;gt hiernach 56.493&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2016, 719 ver&ouml;ffentlichten Urteil ab. Es f&uuml;hrt im Wesentlichen aus, der Kl&auml;ger habe die Verluste des Erblassers wirtschaftlich nicht getragen. Ein vorgeschaltetes Feststellungsverfahren &uuml;ber die Frage, ob der beim Erblasser festgestellte Verlust auf die Erben, den Kl&auml;ger und seine Mutter, &uuml;bergegangen und ihnen jeweils zu 1\/2 zuzurechnen gewesen sei, sei nicht erforderlich gewesen, da es sich um einen Fall von geringer Bedeutung gehandelt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision r&uuml;gt der Kl&auml;ger die Verletzung von Bundesrecht (&sect;&nbsp;180 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211; und &sect;&nbsp;10d des Einkommensteuergesetzes in der ma&szlig;gebenden Fassung des Streitjahres &#8211;EStG&#8211;). Das FA h&auml;tte ein dem Steuerfestsetzungsverfahren vorgeschaltetes Feststellungsverfahren durchf&uuml;hren m&uuml;ssen, in dem die von dem Erblasser nicht ausgenutzten Verluste verbindlich f&uuml;r die Erben gesondert und einheitlich h&auml;tten festgestellt werden m&uuml;ssen. Die &Uuml;bernahme der Verluste des Erblassers durch den Kl&auml;ger scheitere auch nicht an der fehlenden wirtschaftlichen Belastung des Kl&auml;gers. Denknotwendig k&ouml;nne eine wirtschaftliche Belastung bei dem Kl&auml;ger durch die von dem Erblasser erzielten und nicht ausgenutzten steuerlichen Verluste gar nicht eintreten. Denn die steuerrechtliche Anerkennung der Verluste bei dem Erblasser setze nach dem Prinzip der Besteuerung nach der Leistungsf&auml;higkeit voraus, dass schon der Erblasser mit diesen Verlusten wirtschaftlich belastet gewesen sei. War aber der Erblasser wirtschaftlich belastet, dann komme &#8211;schon nach den Prinzipien der Logik&#8211; eine erneute und damit weitere wirtschaftliche Belastung bei den Erben nicht infrage. Eine Regelung, die ersichtlich leerlaufe, und f&uuml;r die es auch nicht einen denkbaren Anwendungsfall gebe, k&ouml;nne nicht wirksam sein. Die wirtschaftliche Belastung ergebe sich im Streitfall daraus, dass der Kl&auml;ger bereits in den Genuss eines durch die Verluste verringerten Verm&ouml;gens des Erblassers gelangt sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus ordne &sect;&nbsp;45 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO an, dass bei Gesamtrechtsnachfolge die Forderungen und Schulden aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis auf den Rechtsnachfolger &uuml;bergehen. Analog gehe auch ein von dem Erblasser nicht vollst&auml;ndig ausgenutzter Verlustvortrag auf die Erben &uuml;ber.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2006 sowie den Bescheid &uuml;ber die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags zur Einkommensteuer auf den 31.&nbsp;Dezember 2006, jeweils vom 27.&nbsp;November 2012, mit der Ma&szlig;gabe zu &auml;ndern, dass die Einkommensteuer auf 0&nbsp;EUR festgesetzt und der verbleibende Verlustvortrag zur Einkommensteuer auf den 31.&nbsp;Dezember 2006 in H&ouml;he von 103.193,50&nbsp;EUR zus&auml;tzlich zu dem bereits festgestellten Verlustvortrag aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften in H&ouml;he von 18.553&nbsp;EUR festgestellt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat im Ergebnis zutreffend erkannt, dass &uuml;ber die Ber&uuml;cksichtigung der Verluste des Erblassers im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung des Kl&auml;gers zu entscheiden ist (unter 1.) und zu Recht dessen wirtschaftliche Belastung durch die Verluste des Erblassers und daher die M&ouml;glichkeit des Kl&auml;gers zum Verlustabzug nach &sect;&nbsp;10d EStG verneint (unter 2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat im Ergebnis zu Recht erkannt, dass &uuml;ber die Frage, ob der bei dem Erblasser festgestellte Verlust auf die zwei Erben &uuml;bergegangen und dem Kl&auml;ger in H&ouml;he der H&auml;lfte zuzurechnen ist, nicht in einem f&uuml;r die Beteiligten der Erbengemeinschaft durchzuf&uuml;hrenden Feststellungsverfahren, sondern im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung des Kl&auml;gers zu entscheiden ist. Der Vorrang des Feststellungsverfahrens sowie die Bindungswirkung eines Feststellungsbescheids (&sect;&nbsp;179 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;182 Abs.&nbsp;1 AO) unterliegen dem Gesetzesvorbehalt (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 11.&nbsp;April 2005 GrS&nbsp;2\/02, BFHE 209, 399, BStBl II 2005, 679). Demgem&auml;&szlig; ist eine Eink&uuml;nftefeststellung nach &sect;&nbsp;180 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO nur f&uuml;r den Steuerpflichtigen durchzuf&uuml;hren, der bezogen auf den jeweiligen Feststellungszeitraum zusammen mit anderen Personen an den (einheitlich und gesondert festzustellenden) Eink&uuml;nften beteiligt ist, d.h. zusammen mit diesen die in Frage stehenden Eink&uuml;nfte gemeinschaftlich erzielt (BFH-Urteil vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2013 I&nbsp;R&nbsp;14\/12, BFH\/NV 2013, 1768, Rz&nbsp;20, m.w.N.). Hieran fehlt es aber, wenn die Eink&uuml;nfte wie im Streitfall durch den Erblasser und nicht durch die Erbengemeinschaft, an der der Kl&auml;ger beteiligt ist, erzielt worden sind. Folge der bereits in der Person des Erblassers eingetretenen Eink&uuml;nfteerzielung ist, dass diese &#8211;positiven oder negativen&#8211; Eink&uuml;nfte nicht mehr Gegenstand eines Feststellungsverfahrens nach &sect;&nbsp;180 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO bei den nach dem Erbfall in die Gesamtrechtsnachfolge eintretenden Miterben sein k&ouml;nnen. Anders als das FG meint, kommt es aus diesem Grunde nicht mehr darauf an, ob ein Fall von geringer Bedeutung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;180 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO gegeben ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. &sect;&nbsp;10d EStG erm&ouml;glicht unter den dort bezeichneten Voraussetzungen eine interperiodische Verrechnung von Verlusten, die im Veranlagungszeitraum ihrer Entstehung nicht ausgeglichen werden konnten und gew&auml;hrt dem Steuerpflichtigen eine subjektiv-&ouml;ffentliche Berechtigung zum Verlustabzug, d.h. zur Verrechnung der im Veranlagungszeitraum ihrer Entstehung nicht ausgeglichenen negativen Eink&uuml;nfte mit den positiven Eink&uuml;nften vorangegangener (Verlustr&uuml;cktrag) oder nachfolgender Veranlagungszeitr&auml;ume (Verlustvortrag).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Gro&szlig;e Senat des BFH hat entschieden, dass der Erbe einen vom Erblasser nicht ausgenutzten Verlustabzug nach &sect;&nbsp;10d EStG nicht bei seiner eigenen Veranlagung zur Einkommensteuer geltend machen kann, jedoch die bisherige gegenteilige Rechtsprechung des BFH aus Gr&uuml;nden des Vertrauensschutzes in allen Erbf&auml;llen anzuwenden ist, die &#8211;wie im Streitfall&#8211; bis zum Ablauf des Tages der Ver&ouml;ffentlichung dieses Beschlusses eingetreten sind (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 17.&nbsp;Dezember 2007 GrS&nbsp;2\/04, BFHE 220, 129, BStBl II 2008, 608, unter D.IV. und V.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach dieser bisherigen Rechtsprechung des BFH konnte der Erbe vom Erblasser nicht verbrauchte Verluste somit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;10d EStG geltend machen, weil er als dessen Gesamtrechtsnachfolger auch steuerlich gleichsam die Person des Erblassers fortsetzte (z.B. BFH-Urteile vom 22.&nbsp;Juni 1962 VI&nbsp;49\/61&nbsp;S, BFHE 75, 328, BStBl III 1962, 386; vom 17.&nbsp;Mai 1972 I&nbsp;R&nbsp;126\/70, BFHE 105, 483, BStBl II 1972, 621; vom 5.&nbsp;Mai 1999 XI&nbsp;R&nbsp;1\/97, BFHE 189, 57, BStBl II 1999, 653). Es kam nicht darauf an, ob der Erbe den Betrieb des Erblassers, in dem der Verlust entstanden war, fortf&uuml;hrte (BFH-Urteil in BFHE 75, 328, BStBl III 1962, 386). Voraussetzung f&uuml;r den Verlustabzug war jedoch, dass der oder die Erben den Verlust auch tats&auml;chlich getragen haben (BFH-Urteile in BFHE 75, 328, BStBl III 1962, 386; in BFHE 189, 57, BStBl II 1999, 653, und vom 14.&nbsp;Juni 2016 IX&nbsp;R&nbsp;30\/15, juris; BFH-Beschl&uuml;sse vom 14.&nbsp;Mai 2009 IX&nbsp;B&nbsp;216\/08, juris; vom 22.&nbsp;Mai 2013 IX&nbsp;B&nbsp;185\/12, BFH\/NV 2013, 1233). Eine wirtschaftliche Belastung fehlte jedenfalls, wenn der Erbe f&uuml;r Nachlassverbindlichkeiten gar nicht oder nur beschr&auml;nkt haftete (BFH-Beschluss vom 29.&nbsp;M&auml;rz 2000 I&nbsp;R&nbsp;76\/99, BFHE 191, 353, BStBl II 2000, 622, unter II.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Den Verlust &quot;wirklich tragen&quot; bzw. durch ihn &quot;wirtschaftlich belastet&quot; zu sein, bedeutete aber nicht, dass es allein darauf ankommt, ob der Erbe rechtlich f&uuml;r Schulden des Erblassers in Anspruch genommen werden kann. Es besagt vielmehr, dass der Erbe aufgrund der Verluste des Erblassers wirtschaftlich in seiner Einkommens- oder Verm&ouml;genssph&auml;re belastet ist. Haftet der Erbe zwar kraft Gesetzes f&uuml;r Verbindlichkeiten, die mit den Verlusten des Erblassers in Zusammenhang stehen, ist aber auszuschlie&szlig;en, dass er sie tats&auml;chlich begleichen muss, so ist er durch die Verluste wirtschaftlich nicht belastet (BFH-Urteil in BFHE 189, 57, BStBl II 1999, 653; ebenso BFH-Urteil vom 14.&nbsp;Juni 2016 IX&nbsp;R&nbsp;30\/15, juris).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) F&uuml;r diese Beurteilung ist ma&szlig;gebend, dass den Tatbestand der Erzielung von Eink&uuml;nften in Form von Verlusten ausschlie&szlig;lich der Erblasser erf&uuml;llt. Die Ber&uuml;cksichtigung eines von ihm nicht ausgesch&ouml;pften Verlustabzugs beim Erben durchbricht die das Einkommensteuerrecht beherrschenden Grunds&auml;tze der Individualbesteuerung und der Besteuerung nach der pers&ouml;nlichen Leistungsf&auml;higkeit. Diese Durchbrechung l&auml;sst sich nur rechtfertigen, wenn auch der Erbe durch die &quot;ererbten&quot; Verluste in seiner Leistungsf&auml;higkeit beeintr&auml;chtigt ist. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Beeintr&auml;chtigung der Leistungsf&auml;higkeit des Erblassers &uuml;ber die Gesamtrechtsnachfolge beim Erben fortwirkt. Die Einkommensteuer ist eine Personensteuer; Erbe und Erblasser sind verschiedene Rechtssubjekte, die jeder f&uuml;r sich zur Einkommensteuer veranlagt werden (so bereits BFH-Urteil in BFHE 189, 57, BStBl II 1999, 653). Ob die Verluste des Erblassers die Leistungsf&auml;higkeit des Erben beeintr&auml;chtigen, richtet sich nach den Verh&auml;ltnissen bei dem Erben nach Eintritt des Erbfalls (BFH-Urteil vom 14.&nbsp;Juni 2016 IX&nbsp;R&nbsp;30\/15, juris).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Bei Anwendung dieser Grunds&auml;tze hat das FG in revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise entschieden, dass der Kl&auml;ger im Streitfall durch die Verluste des Erblassers wirtschaftlich nicht belastet war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Feststellungslast f&uuml;r die objektiven Umst&auml;nde, aus denen auf die wirtschaftliche Belastung des Erben geschlossen werden kann, tr&auml;gt der Steuerpflichtige. Kann sich das FG unter Ber&uuml;cksichtigung s&auml;mtlicher Umst&auml;nde des Einzelfalls nicht mit der daf&uuml;r erforderlichen Sicherheit davon &uuml;berzeugen, dass der Erbe durch die Verluste des Erblassers wirtschaftlich belastet ist, geht dies zu Lasten des Steuerpflichtigen, der sich hierauf beruft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Das FG konnte keinerlei Anhaltspunkte daf&uuml;r feststellen, dass mit den f&uuml;r den Erblasser festgestellten verbleibenden Verlustvortr&auml;gen tats&auml;chlich Verbindlichkeiten verbunden waren, f&uuml;r die der Kl&auml;ger als Miterbe einzustehen hatte. Es ist daher revisionsrechtlich nicht zu beanstanden, dass das FG zu dem Ergebnis gelangt ist, dass eine wirtschaftliche Belastung des Kl&auml;gers in seiner Einkommens- oder Verm&ouml;genssph&auml;re nicht bestand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Anders als der Kl&auml;ger meint, folgt eine wirtschaftliche Belastung nicht aus dem Umstand, dass dem Erben aufgrund eines Verlusts des Erblassers lediglich ein geringeres Verm&ouml;gen zuf&auml;llt (so bereits ausdr&uuml;cklich BFH-Urteil in BFHE 189, 57, BStBl II 1999, 653; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2013, 1233).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 4.10.2016, IX R 9\/16ECLI:DE:BFH:2016:U.041016.IXR9.16.0 Vererblichkeit des Verlustabzugs nach &sect; 10d EStG &#8211; Alte Rechtslage &#8211; Zur Auslegung des Kriteriums der wirtschaftlichen Belastung des Erben &#8211; Entbehrlichkeit eines Feststellungsverfahrens Tenor Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 27. Januar 2016 4 K 253\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. 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