{"id":67021,"date":"2017-03-23T13:32:17","date_gmt":"2017-03-23T11:32:17","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67021"},"modified":"2017-03-23T13:32:17","modified_gmt":"2017-03-23T11:32:17","slug":"v-s-37-16-pkh-gewaehrung-von-pkh-fuer-eine-juristische-person","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-s-37-16-pkh-gewaehrung-von-pkh-fuer-eine-juristische-person\/","title":{"rendered":"V&nbsp;S&nbsp;37\/16&nbsp;(PKH) &#8211; Gew&auml;hrung von PKH f&uuml;r eine juristische Person"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.1.2017, V S 37\/16 (PKH)<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:B.180117.VS37.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Gew&auml;hrung von PKH f&uuml;r eine juristische Person<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Der Antrag wird abgelehnt.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Entscheidung ergeht gerichtsgeb&uuml;hrenfrei.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin, Beschwerdef&uuml;hrerin und Antragstellerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH in Liquidation (i.L.), begehrt die Bewilligung von Prozesskostenhilfe (PKH) f&uuml;r das unter dem Aktenzeichen V&nbsp;B&nbsp;112\/16 anh&auml;ngige Beschwerdeverfahren wegen Nichtzulassung der Revision, da weder sie noch ihr Alleingesellschafter &uuml;ber die erforderlichen finanziellen Mittel verf&uuml;gten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Unterlassung der Rechtsverfolgung laufe auch allgemeinen Interessen zuwider. Denn der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) habe in einer &quot;Nacht-und-Nebel-Aktion&quot; s&auml;mtliches Bargeld beschlagnahmt, sodass sie, die Kl&auml;gerin, abrupt zur Unt&auml;tigkeit verurteilt und die Gesch&auml;ftst&auml;tigkeit zum Erliegen gekommen sei. Als sie daraufhin die Miete nicht mehr zahlen konnte, habe der Vermieter das Mietverh&auml;ltnis gek&uuml;ndigt. Zur Vermeidung einer Insolvenz sei vorsorglich die Liquidation beurkundet worden. Der Status der Liquidation und Verm&ouml;genslosigkeit sei nicht durch Misswirtschaft der Kl&auml;gerin verursacht, sondern vom FA verschuldet. Es k&ouml;nne nicht im Sinne des Gesetzgebers sein, ein funktionierendes Unternehmen vors&auml;tzlich zu ruinieren und ihm auch noch die M&ouml;glichkeit zu nehmen, die ihm zustehenden Rechte zu erstreiten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem werde auf das Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) DEB vom 22.&nbsp;Dezember 2010 C-279\/09 (EU:C:2010:811) verwiesen. Danach sei der in Art.&nbsp;47 der Charta der Grundrechte der Europ&auml;ischen Union (Charta) verankerte Grundsatz des effektiven Rechtsschutzes dahin auszulegen, dass seine Geltendmachung durch juristische Personen nicht ausgeschlossen werde und dass er u.a. die Befreiung von der Zahlung des Gerichtskostenvorschusses und\/oder der Geb&uuml;hren f&uuml;r den Beistand eines Rechtsanwalts umfassen k&ouml;nne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Der Antrag hat keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;142 der Finanzgerichtsordnung (FGO) i.V.m. &sect;&nbsp;116 Satz 1 Nr.&nbsp;2 der Zivilprozessordnung (ZPO) erh&auml;lt eine inl&auml;ndische juristische Person oder parteif&auml;hige Vereinigung nur dann PKH, wenn die Kosten des Rechtsstreits weder von ihr noch von den am Gegenstand des Rechtsstreits wirtschaftlich Beteiligten aufgebracht werden k&ouml;nnen und wenn die Unterlassung der Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung allgemeinen Interessen zuwiderlaufen w&uuml;rde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Kl&auml;gerin geh&ouml;rt als GmbH i.L. zu den juristischen Personen i.S. des &sect;&nbsp;116 Satz 1 Nr.&nbsp;2 ZPO. Sie hat auch vorgetragen und hierzu Formulare und Belege vorgelegt, wonach weder sie noch ihr Alleingesellschafter (Herr S) &uuml;ber die finanziellen Mittel zur F&uuml;hrung des Rechtsstreits verf&uuml;gten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach der zu dieser Vorschrift ergangenen Rechtsprechung l&auml;uft die Unterlassung der Rechtsverfolgung der Kl&auml;gerin im vorliegenden Fall allgemeinen Interessen jedoch nicht zuwider.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Diese zus&auml;tzliche Voraussetzung f&uuml;r die PKH einer juristischen Person wird dann bejaht, wenn ein gro&szlig;er Personenkreis in Mitleidenschaft gezogen oder eine Vereinigung an der Erf&uuml;llung ihrer der Allgemeinheit dienenden Aufgaben behindert w&uuml;rde (Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29.&nbsp;Mai 2009 V&nbsp;S&nbsp;15\/09 (PKH), BFH\/NV 2009, 1453; vom 17.&nbsp;September 1998 III&nbsp;S&nbsp;9\/98, BFH\/NV 1999, 339).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Insoweit ist weder vorgetragen noch f&uuml;r den Senat ersichtlich, dass es allgemeinen Interessen zuwiderliefe, wenn die Kl&auml;gerin ihre Rechte nicht durch eine Nichtzulassungsbeschwerde verfolgen w&uuml;rde. Der Vortrag im PKH-Verfahren ersch&ouml;pft sich in der Behauptung, dass das FA ihr Gesch&auml;ft ruiniert habe, enth&auml;lt aber keinerlei Ausf&uuml;hrungen dazu, welcher gr&ouml;&szlig;ere Personenkreis durch die Unterlassung der Rechtsverfolgung beeintr&auml;chtigt w&uuml;rde oder welche der Allgemeinheit dienenden Aufgaben die Kl&auml;gerin ohne Durchf&uuml;hrung des Rechtsstreits nicht mehr erf&uuml;llen k&ouml;nnte. Allein das wirtschaftliche Interesse des Alleingesellschafters an der Durchsetzung des geltend gemachten Vorsteuerabzugs im Zusammenhang mit Gutschriften f&uuml;r die Lieferung von Edelmetall stellt kein allgemeines Interesse i.S. des &sect;&nbsp;116 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 ZPO dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Berufung auf das EuGH-Urteil DEB (EU:C:2010:811) f&uuml;hrt zu keinem anderen Ergebnis. Darin hat der EuGH lediglich festgestellt, dass es nicht ausgeschlossen sei, dass der in Art.&nbsp;47 der Charta verankerte Grundsatz des effektiven gerichtlichen Rechtschutzes auch durch juristische Personen geltend gemacht werden kann (Leitsatz 2 des EuGH-Urteils). Das Urteil enth&auml;lt hingegen keinerlei Ausf&uuml;hrungen dahingehend, dass das innerstaatliche Recht einer juristischen Person zwingend die Befreiung von der Zahlung des Gerichtskostenvorschusses und der Geb&uuml;hren f&uuml;r den Beistand eines Rechtsanwalts verschaffen muss. Die &#8211;nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 26.&nbsp;Januar 1983 1&nbsp;BvR&nbsp;1036\/82 (H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1983, 227)&#8211; verfassungsgem&auml;&szlig;e Einschr&auml;nkung des &sect;&nbsp;116 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 ZPO verst&ouml;&szlig;t auch nicht gegen den in Art.&nbsp;47 der Charta verankerten Grundsatz des effektiven Rechtsschutzes (Beschluss des Kammergerichts Berlin vom 15.&nbsp;Februar 2011&nbsp;&nbsp;9&nbsp;W&nbsp;50\/08, Zeitschrift f&uuml;r Wirtschaftsrecht 2011, 542; Seiler in Thomas\/Putzo, Zivilprozessordnung, 37.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;116 Rz&nbsp;4).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Eine Kostenentscheidung ist nicht zu treffen. Gerichtsgeb&uuml;hren entstehen nicht (&sect;&nbsp;142 Abs.&nbsp;1 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 ZPO; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2, &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 des Gerichtskostengesetzes i.V.m. dem Kostenverzeichnis).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.1.2017, V S 37\/16 (PKH)ECLI:DE:BFH:2017:B.180117.VS37.16.0 Gew&auml;hrung von PKH f&uuml;r eine juristische Person Tenor Der Antrag wird abgelehnt. Die Entscheidung ergeht gerichtsgeb&uuml;hrenfrei. Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin, Beschwerdef&uuml;hrerin und Antragstellerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH in Liquidation (i.L.), begehrt die Bewilligung von Prozesskostenhilfe (PKH) f&uuml;r das unter dem Aktenzeichen V&nbsp;B&nbsp;112\/16 anh&auml;ngige Beschwerdeverfahren wegen Nichtzulassung der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-s-37-16-pkh-gewaehrung-von-pkh-fuer-eine-juristische-person\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;S&nbsp;37\/16&nbsp;(PKH) &#8211; Gew&auml;hrung von PKH f&uuml;r eine juristische Person<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67021","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67021","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67021"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67021\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67021"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67021"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67021"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}