{"id":67084,"date":"2017-04-27T10:02:36","date_gmt":"2017-04-27T08:02:36","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67084"},"modified":"2017-04-27T10:02:36","modified_gmt":"2017-04-27T08:02:36","slug":"viii-r-52-14-heilung-eines-nicht-ausreichend-begruendeten-ermessensverwaltungsakts-nach-erledigung-und-vor-einlegung-des-einspruchs-aufforderung-zur-termingebundenen-abgabe-der-steuererklaerung-festse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-52-14-heilung-eines-nicht-ausreichend-begruendeten-ermessensverwaltungsakts-nach-erledigung-und-vor-einlegung-des-einspruchs-aufforderung-zur-termingebundenen-abgabe-der-steuererklaerung-festse\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;R&nbsp;52\/14 &#8211; Heilung eines nicht ausreichend begr&uuml;ndeten Ermessensverwaltungsakts nach Erledigung und vor Einlegung des Einspruchs &#8211; Aufforderung zur termingebundenen Abgabe der Steuererkl&auml;rung &#8211; Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.1.2017, VIII R 52\/14<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.170117.VIIIR52.14.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Heilung eines nicht ausreichend begr&uuml;ndeten Ermessensverwaltungsakts nach Erledigung und vor Einlegung des Einspruchs &#8211; Aufforderung zur termingebundenen Abgabe der Steuererkl&auml;rung &#8211; Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Hat sich der Verwaltungsakt vor der Einlegung des Einspruchs durch Zeitablauf oder in sonstiger Weise gem&auml;&szlig; &sect; 124 Abs. 2 AO erledigt, ist eine Heilung nach &sect; 126 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 AO nicht mehr m&ouml;glich.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die Anwendung des &sect; 102 Satz 2 FGO ist bei einer nach Erledigung des Verwaltungsakts nur noch in Betracht kommenden Fortsetzungsfeststellungsklage ausgeschlossen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>1. Auf die Revision der Kl&auml;ger wird festgestellt, dass der Bescheid &uuml;ber die Aufforderung zur termingebundenen Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung 2010 vom 18. Februar 2011 rechtswidrig war.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 20. Februar 2014&nbsp;&nbsp;1 K 181\/12 und die Festsetzung des Versp&auml;tungszuschlags zur Einkommensteuer 2010 in H&ouml;he von 880 EUR in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 1. Juni 2012 werden aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) werden zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Mit Schreiben vom 18.&nbsp;Februar 2011 forderte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) diese gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;149 der Abgabenordnung (AO) i.V.m. &sect;&nbsp;25 Abs.&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes und &sect;&sect;&nbsp;56 und 60 der Einkommensteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung auf, die Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2010 bis zum 31.&nbsp;August 2011 vorzeitig einzureichen. Das FA sei im Interesse einer ordnungsgem&auml;&szlig;en Durchf&uuml;hrung des Besteuerungsverfahrens gehalten, auf einen fr&uuml;hen Eingang der Steuererkl&auml;rung hinzuwirken. Dies gelte auch dann, wenn die Steuererkl&auml;rung von einem Angeh&ouml;rigen der steuerberatenden Berufe gefertigt werde. Bei Nichtabgabe der Erkl&auml;rung m&uuml;sse mit der Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags gerechnet werden. Das Schreiben enthielt keine Rechtsbehelfsbelehrung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die vom Steuerberater der Kl&auml;ger angefertigte Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2010 wurde am 7.&nbsp;Dezember 2011 beim FA eingereicht. Am 23.&nbsp;Dezember 2011 erging der Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2010. Das FA setzte in diesem einen Versp&auml;tungszuschlag in H&ouml;he von 880&nbsp;EUR fest. Nachfolgend ergingen aus nicht streitgegenst&auml;ndlichen Gr&uuml;nden, zuletzt am 26.&nbsp;Februar 2015, Einkommensteuer&auml;nderungsbescheide, in denen der Versp&auml;tungszuschlag aufrechterhalten wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger erhoben am 9.&nbsp;Januar 2012 Einspruch gegen den Versp&auml;tungszuschlag und machten u.a. geltend, dass die Aufforderung zur vorzeitigen Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung als Ermessensentscheidung nicht ausreichend begr&uuml;ndet worden und daher rechtswidrig sei. Somit sei die Einkommensteuererkl&auml;rung nicht versp&auml;tet beim FA eingegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA teilte den Kl&auml;gern mit Schreiben vom 19.&nbsp;Januar 2012 mit, dass Anlass und Grund f&uuml;r die vorzeitige Anforderung der Einkommensteuererkl&auml;rung die versp&auml;tete Erkl&auml;rungsabgabe in den Vorjahren gewesen sei. Zudem habe es die Arbeitslage des FA erfordert, die Erkl&auml;rung vorzeitig anzufordern. Zwar enthalte das Schreiben vom 18.&nbsp;Februar 2011 nicht die erforderliche Begr&uuml;ndung der Ermessenserw&auml;gungen. Ein Einspruch gegen die vorzeitige Anforderung sei jedoch nicht eingelegt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daraufhin legten die Kl&auml;ger mit Schreiben vom 27.&nbsp;Januar 2012 Einspruch gegen die vorzeitige Anforderung der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2010 ein. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrten sie aus, dass diese nicht ausreichend begr&uuml;ndet worden sei. Die erst im Schreiben vom 19.&nbsp;Januar 2012 nachgeholten Ermessenserw&auml;gungen &auml;nderten nichts an der Rechtswidrigkeit der vorzeitigen Anforderung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Einspruchsentscheidung vom 1.&nbsp;Juni 2012 verwarf das FA den Einspruch gegen die vorzeitige Anforderung der Einkommensteuererkl&auml;rung als unzul&auml;ssig. Das f&uuml;r den Einspruch erforderliche Rechtschutzbed&uuml;rfnis sei mit der Abgabe der Steuererkl&auml;rung entfallen. Der Einspruch gegen die Festsetzung des Versp&auml;tungszuschlags wurde als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen erhobene Fortsetzungsfeststellungsklage und Klage gegen die Festsetzung des Versp&auml;tungszuschlags wies das Finanzgericht (FG) mit seinem in Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2016, 429 ver&ouml;ffentlichten Urteil vom 20.&nbsp;Februar 2014&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;181\/12 ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung ihrer Revision machen die Kl&auml;ger geltend, die vorzeitige Anforderung der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2010 sei als Ermessensentscheidung nicht ausreichend begr&uuml;ndet gewesen. Der Begr&uuml;ndungsmangel habe nach der Erledigung der Aufforderung durch die Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung nicht mehr geheilt werden k&ouml;nnen. Aus der Rechtswidrigkeit der vorzeitigen Anforderung folge die Rechtswidrigkeit des Versp&auml;tungszuschlags.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<br \/>das angefochtene Urteil der Vorinstanz aufzuheben und festzustellen, dass der Bescheid &uuml;ber die Aufforderung zur termingebundenen Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung 2010 vom 18.&nbsp;Februar 2011 rechtswidrig war und den Bescheid &uuml;ber die Festsetzung des Versp&auml;tungszuschlags zur Einkommensteuer 2010 in H&ouml;he von 880&nbsp;EUR in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 1.&nbsp;Juni 2012 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entgegen der Auffassung der Kl&auml;ger habe der Begr&uuml;ndungsmangel auch noch nach der Erledigung der Aufforderung zur termingebundenen Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung geheilt werden k&ouml;nnen. Die Regelung des &sect;&nbsp;126 AO enthalte keine zeitliche Grenze f&uuml;r die Nachholung der Begr&uuml;ndung. Die Heilung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126 AO verfolge das Ziel, die Aufhebung von Verwaltungsakten zu vermeiden, die zwar unter Versto&szlig; gegen Verfahrens- und Formvorschriften zustande gekommen seien, aber keine inhaltlichen M&auml;ngel aufwiesen. Zudem m&uuml;sse zwischen der inneren und &auml;u&szlig;eren Wirksamkeit eines Verwaltungsaktes unterschieden werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Stattgabe der Klage gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Fortsetzungsfeststellungsklage ist zul&auml;ssig. Die Kl&auml;ger haben ein berechtigtes Interesse an der Feststellung, dass die vorzeitige Anforderung der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2010 mit Schreiben des FA vom 18.&nbsp;Februar 2011 rechtswidrig war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 FGO kann, wenn ein mit der Klage angefochtener Verwaltungsakt sich im Verlauf des Klageverfahrens erledigt hat, das Gericht unter bestimmten Voraussetzungen auf Antrag die Rechtswidrigkeit des Verwaltungsakts feststellen. Diese Regelung ist nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) entsprechend anzuwenden, wenn ein Verwaltungsakt sich schon vor der Klageerhebung erledigt hat (BFH-Urteil vom 26.&nbsp;September 2007 I&nbsp;R&nbsp;43\/06, BFHE 219, 13, BStBl&nbsp;II 2008, 134, m.w.N.). Dies ist vorliegend der Fall, da sich die bevorzugte Anforderung der Einkommensteuererkl&auml;rung 2010 sp&auml;testens mit der Einreichung der Steuererkl&auml;rung am 7.&nbsp;Dezember 2011, also vor der Einlegung des Einspruchs der Kl&auml;ger am 27.&nbsp;Januar 2012 und der Klageerhebung am 1.&nbsp;Juli 2012, erledigt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das f&uuml;r die Fortsetzungsfeststellungsklage erforderliche &quot;berechtigte Interesse&quot; der Kl&auml;ger an der Feststellung, dass die Aufforderung zur vorzeitigen Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung rechtswidrig gewesen sei, ist aufgrund der Festsetzung des Versp&auml;tungszuschlags gegeben (vgl. BFH-Urteil vom 29.&nbsp;Januar 2003 XI&nbsp;R&nbsp;82\/00, BFHE 201, 399, BStBl II 2003, 550).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Fortsetzungsfeststellungsklage ist auch begr&uuml;ndet. Es ist festzustellen, dass die Aufforderung des FA zur termingebundenen Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2010 vom 18.&nbsp;Februar 2011 mangels ausreichender Begr&uuml;ndung der Ermessensentscheidung des FA rechtswidrig war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Bei der Aufforderung des FA zur termingebundenen Abgabe der Steuererkl&auml;rung handelt es sich um eine Ermessensentscheidung. Nach den gleich lautenden Erlassen der obersten Finanzbeh&ouml;rden der L&auml;nder vom 4.&nbsp;November 2011 &uuml;ber Steuererkl&auml;rungsfristen (BStBl&nbsp;I 2011, 1088) verl&auml;ngerte sich die Frist zur Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2010 allgemein nach &sect;&nbsp;109 AO bis zum 31.&nbsp;Dezember 2011, wenn die Steuererkl&auml;rung &#8211;wie im vorliegenden Fall&#8211; durch eine Person i.S. der &sect;&sect;&nbsp;3 und 4 des Steuerberatungsgesetzes angefertigt wird. Allerdings bleibt es nach dem Erlass den Finanz&auml;mtern vorbehalten, Erkl&auml;rungen auch f&uuml;r diesen Personenkreis mit einer angemessenen Frist f&uuml;r einen Zeitpunkt vor Ablauf der allgemein verl&auml;ngerten Frist anzufordern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FA hat von dieser M&ouml;glichkeit mit seinem Schreiben vom 18.&nbsp;Februar 2011 Gebrauch gemacht, ohne seine Entscheidung ausreichend zu begr&uuml;nden. Wegen der eingeschr&auml;nkten gerichtlichen &Uuml;berpr&uuml;fung beh&ouml;rdlicher Ermessensentscheidungen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;102 FGO, die dem Gericht keinen Raum f&uuml;r eigene Ermessenserw&auml;gungen l&auml;sst, muss die Ermessensentscheidung der Verwaltung im Verwaltungsakt begr&uuml;ndet werden (&sect;&nbsp;121 Abs.&nbsp;1 AO). Dabei m&uuml;ssen die bei der Aus&uuml;bung des Verwaltungsermessens angestellten Erw&auml;gungen aus der Entscheidung erkennbar sein, andernfalls ist sie rechtswidrig (vgl. BFH-Urteil vom 11.&nbsp;M&auml;rz 2004 VII&nbsp;R&nbsp;52\/02, BFHE 205, 14, BStBl II 2004, 579). Diesen Begr&uuml;ndungsanforderungen gen&uuml;gt das Schreiben vom 18.&nbsp;Februar 2011 nicht. Aus der formelhaften Begr&uuml;ndung, das FA handle &quot;im Interesse einer ordnungsgem&auml;&szlig;en Durchf&uuml;hrung des Besteuerungsverfahrens&quot; war f&uuml;r die Kl&auml;ger nicht erkennbar, aus welchem Grund die Abgabefrist verk&uuml;rzt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Dieser Begr&uuml;ndungsmangel konnte im vorliegenden Fall nicht nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2, Abs.&nbsp;2 AO geheilt werden. Die Regelung des &sect;&nbsp;126 AO dient der Verfahrens&ouml;konomie. Sie soll verhindern, dass ein Verwaltungsakt allein wegen eines Verfahrensmangels aufgehoben wird und die Beh&ouml;rde danach einen Verwaltungsakt gleichen Inhalts erlassen muss. Hat sich der Verwaltungsakt vor der Einlegung des Einspruchs durch Zeitablauf oder in sonstiger Weise gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;124 Abs.&nbsp;2 AO erledigt, ist eine Heilung nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2, Abs.&nbsp;2 FGO nicht mehr m&ouml;glich, da die Heilung einen wirksamen Verwaltungsakt voraussetzt (Klein\/Ratschow, AO, 13.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;126 Rz&nbsp;12; Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;126 AO Rz&nbsp;6; von Wedelst&auml;dt in Beermann\/Gosch, AO &sect;&nbsp;126 Rz&nbsp;8; a.A. Frotscher in Schwarz\/Pahlke, AO\/FGO, &sect;&nbsp;126 AO Rz&nbsp;3).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Danach konnte der Begr&uuml;ndungsmangel durch die Erl&auml;uterungen der Ermessenserw&auml;gungen im Schreiben des FA vom 19.&nbsp;Januar 2012 nicht mehr geheilt werden. Die nachtr&auml;gliche Begr&uuml;ndung erfolgte nach Erledigung der Aufforderung zur termingebundenen Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung, die sp&auml;testens mit der Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung eingetreten ist, und vor der Einlegung des Einspruchs. Die Frage, ob &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2, Abs.&nbsp;2 AO bei einer Ermessensentscheidung aufgrund der Spezialvorschrift des &sect;&nbsp;102 Satz&nbsp;2 FGO &uuml;berhaupt Anwendung findet, kann danach offenbleiben (s. hierzu Klein\/Ratschow, a.a.O., &sect;&nbsp;126 Rz&nbsp;11; Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect;&nbsp;126 AO Rz&nbsp;6, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Auch eine Erg&auml;nzung der Ermessenserw&auml;gungen nach &sect;&nbsp;102 Satz&nbsp;2 FGO kommt nicht in Betracht. Die Anwendung des &sect;&nbsp;102 Satz&nbsp;2 FGO scheidet schon deshalb aus, weil die Erg&auml;nzung einer Ermessensentscheidung begrifflich das Vorliegen eines noch wirksamen Verwaltungsakts voraussetzt. Die Anwendung des &sect;&nbsp;102 Satz&nbsp;2 FGO ist bei einer nach Erledigung des Verwaltungsakts nur noch in Betracht kommenden Fortsetzungsfeststellungsklage folglich ausgeschlossen (Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;102 FGO Rz&nbsp;75).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Danach ist auch der Bescheid &uuml;ber die Festsetzung des Versp&auml;tungszuschlags in H&ouml;he von 880&nbsp;EUR wegen versp&auml;teter Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2010 rechtswidrig und aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;152 Abs.&nbsp;1 S&auml;tze&nbsp;1 und 2 AO kann das FA gegen denjenigen, der seiner Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererkl&auml;rung nicht fristgerecht nachkommt, einen Versp&auml;tungszuschlag festsetzen. Von der Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags ist abzusehen, wenn das Vers&auml;umnis entschuldbar ist. Ob diese tatbestandlichen Voraussetzungen f&uuml;r die Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags erf&uuml;llt sind, ist eine von den Gerichten voll &uuml;berpr&uuml;fbare Rechtsentscheidung (BFH-Urteil vom 11.&nbsp;Juni 1997 X&nbsp;R&nbsp;14\/95, BFHE 183, 21, BStBl II 1997, 642).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Danach ist die Festsetzung des Versp&auml;tungszuschlags in H&ouml;he von 880&nbsp;EUR rechtswidrig, da die Voraussetzungen hierf&uuml;r dem Grunde nach nicht vorlagen. Wie unter II.2. des Urteils ausgef&uuml;hrt, war die Aufforderung des FA vom 18.&nbsp;Februar 2011 zur termingebundenen Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2010 bis zum 31.&nbsp;August 2011 mangels ausreichender Begr&uuml;ndung rechtswidrig. Die Kl&auml;ger haben die Steuererkl&auml;rung am 7.&nbsp;Dezember 2011, also noch innerhalb der nach den gleich lautenden Erlassen der obersten Finanzbeh&ouml;rden der L&auml;nder in BStBl&nbsp;I 2011, 1088 f&uuml;r beratene Steuerpflichtige auf den 31.&nbsp;Dezember 2011 verl&auml;ngerten Frist abgegeben. Die rechtswidrige Verk&uuml;rzung dieser Frist auf den 31.&nbsp;August 2011 rechtfertigt keine Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags, da das Vers&auml;umnis der Kl&auml;ger aufgrund der fehlenden Begr&uuml;ndung der Vorabanforderung zumindest auch entschuldbar war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.1.2017, VIII R 52\/14ECLI:DE:BFH:2017:U.170117.VIIIR52.14.0 Heilung eines nicht ausreichend begr&uuml;ndeten Ermessensverwaltungsakts nach Erledigung und vor Einlegung des Einspruchs &#8211; Aufforderung zur termingebundenen Abgabe der Steuererkl&auml;rung &#8211; Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags Leits&auml;tze 1. Hat sich der Verwaltungsakt vor der Einlegung des Einspruchs durch Zeitablauf oder in sonstiger Weise gem&auml;&szlig; &sect; 124 Abs. 2 AO erledigt, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-52-14-heilung-eines-nicht-ausreichend-begruendeten-ermessensverwaltungsakts-nach-erledigung-und-vor-einlegung-des-einspruchs-aufforderung-zur-termingebundenen-abgabe-der-steuererklaerung-festse\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VIII&nbsp;R&nbsp;52\/14 &#8211; Heilung eines nicht ausreichend begr&uuml;ndeten Ermessensverwaltungsakts nach Erledigung und vor Einlegung des Einspruchs &#8211; Aufforderung zur termingebundenen Abgabe der Steuererkl&auml;rung &#8211; Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67084","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67084","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67084"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67084\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67084"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67084"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67084"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}