{"id":67087,"date":"2017-04-27T10:03:27","date_gmt":"2017-04-27T08:03:27","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67087"},"modified":"2017-04-27T10:03:27","modified_gmt":"2017-04-27T08:03:27","slug":"ii-r-19-15-einheitlicher-erwerbsgegenstand-im-grunderwerbsteuerrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-19-15-einheitlicher-erwerbsgegenstand-im-grunderwerbsteuerrecht\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;19\/15 &#8211; Einheitlicher Erwerbsgegenstand im Grunderwerbsteuerrecht"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 25.1.2017, II R 19\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.250117.IIR19.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Einheitlicher Erwerbsgegenstand im Grunderwerbsteuerrecht<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Ist der Erwerber eines Grundst&uuml;cks beim Abschluss des Grundst&uuml;ckskaufvertrags hinsichtlich des &quot;Ob&quot; und &quot;Wie&quot; der Bebauung gebunden, wird das erworbene Grundst&uuml;ck erst dann im bebauten Zustand Gegenstand des Erwerbsvorgangs, wenn der Bauerrichtungsvertrag geschlossen wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Der Abschluss des Bauerrichtungsvertrags ist ein nachtr&auml;gliches Ereignis, welches die Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer auf den Zeitpunkt des Grundst&uuml;ckserwerbs dahingehend ver&auml;ndert, dass zu den Kosten des Grundst&uuml;ckserwerbs nunmehr auch die Baukosten hinzutreten.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 13. Oktober 2014&nbsp;&nbsp;7 K 158\/14 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) erwarben mit notariell beurkundetem Kaufvertrag vom 30.&nbsp;Juli 2012 von der Stadt ein Grundst&uuml;ck, welches als eines von sieben Reihenhausgrundst&uuml;cken von der Stadt auf der Grundlage eines entsprechenden Bebauungsplans erschlossen wurde. Der Kaufvertrag wurde &#8211;unter Gestattung eines Insichgesch&auml;fts&#8211; von den Kl&auml;gern als Grundst&uuml;cksk&auml;ufer und gleichzeitig als Vertreter ohne Vertretungsmacht f&uuml;r die Stadt als Grundst&uuml;cksverk&auml;uferin sowie die X-GmbH als Bauunternehmerin der zu errichtenden Reihenh&auml;user geschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Vorbemerkung des Kaufvertrags war ausgef&uuml;hrt, der Rat der Stadt habe die Vergabe der Reihenhausgrundst&uuml;cke an den Architekten A auf der Basis der vorgelegten Bauskizzen beschlossen. Die Vermarktung und Bauausf&uuml;hrung f&uuml;hre f&uuml;r ihn die X-GmbH aus. Sie errichte nach den Pl&auml;nen des Architekten A die Reihenhauszeile und trete in den Kaufvertr&auml;gen als Beteiligte auf, damit gew&auml;hrleistet sei, dass f&uuml;r den Fall, dass ein Kaufvertrag r&uuml;ckabgewickelt werde, das Bauprojekt insgesamt nicht verz&ouml;gert werde. In einem solchen Fall sei vorgesehen, dass die X-GmbH entweder kurzfristig einen neuen Erwerber benenne oder selber als Erwerber auftrete. In dem Kaufvertrag war au&szlig;erdem geregelt, dass der Kaufpreis f&uuml;r das Grundst&uuml;ck 36.936&nbsp;EUR betrage und die Erwerber zur Bebauung mit einem Reihenhaus auf der Grundlage der dem Vertrag als Anlage beigef&uuml;gten Bauzeichnungen des Architekten A innerhalb von zwei Jahren nach Vorliegen der Baureife verpflichtet seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 10.&nbsp;August 2012 teilte der Notar dem Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) mit, dass der Kaufvertrag am 1.&nbsp;August 2012 durch die X-GmbH und am 9.&nbsp;August 2012 durch die Stadt genehmigt worden war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheiden vom 23.&nbsp;August 2012 setzte das FA gegen die Kl&auml;ger Grunderwerbsteuer f&uuml;r den Erwerb des Grundst&uuml;cks in H&ouml;he von jeweils 831&nbsp;EUR fest. Als Bemessungsgrundlage wurde jeweils die H&auml;lfte des Kaufpreises zu Grunde gelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 29.&nbsp;September 2012 schlossen die Kl&auml;ger mit der X-GmbH als Generalunternehmerin einen Bauvertrag &uuml;ber die Errichtung eines Reihenhauses (Bauerrichtungsvertrag) gem&auml;&szlig; der Leistungsbeschreibung und den Bauzeichnungen des Architekten A vom 15.&nbsp;August 2012 und einem Angebot der X-GmbH ebenfalls vom 15.&nbsp;August 2012 zu einem Festpreis von 211.635&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem das FA Kenntnis von dem Abschluss des Bauvertrags erhalten hatte, erlie&szlig; es nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) ge&auml;nderte Bescheide vom 28.&nbsp;Februar 2013, in denen es die Baukosten f&uuml;r das Reihenhaus in die Bemessungsgrundlage einbezog und die Grunderwerbsteuer entsprechend erh&ouml;hte. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte das FA aus, es bestehe ein derart enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang zwischen dem am 9.&nbsp;August 2012 rechtswirksam gewordenen Grundst&uuml;ckskaufvertrag und dem Abschluss des Bauvertrags am 29.&nbsp;September 2012, dass Erwerbsgegenstand das bebaute Grundst&uuml;ck gewesen sei. Der Abschluss des Bauvertrags sei ein r&uuml;ckwirkendes Ereignis.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen gerichteten Einspr&uuml;che waren erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage mit der Begr&uuml;ndung statt, die bestandskr&auml;ftigen Bescheide vom 23.&nbsp;August 2012 seien nicht mehr &auml;nderbar gewesen. Es l&auml;gen weder die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;2 AO noch des &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO vor. Bereits bei Abschluss des Kaufvertrags seien die Voraussetzungen des einheitlichen Vertragswerks gegeben und damit eine Einbeziehung der Baukosten in gesch&auml;tzter H&ouml;he in die Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer veranlasst gewesen. Das Urteil des FG ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2015, 1741 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision r&uuml;gt das FA eine Verletzung von &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 und &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung -FGO-). Entgegen der Auffassung des FG durfte das FA die urspr&uuml;nglichen Grunderwerbsteuerbescheide &auml;ndern und die Bauerrichtungskosten in die Bemessungsgrundlage f&uuml;r die Grunderwerbsteuer einbeziehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Gegenstand des Erwerbsvorgangs, nach dem sich gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) die als Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer anzusetzende Gegenleistung richtet, wird zun&auml;chst durch das den Steuertatbestand des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG erf&uuml;llende zivilrechtliche Verpflichtungsgesch&auml;ft bestimmt. Ergibt sich jedoch aus weiteren Vereinbarungen, die mit diesem Rechtsgesch&auml;ft in einem rechtlichen oder zumindest objektiv sachlichen Zusammenhang stehen, dass der Erwerber das beim Abschluss des Kaufvertrags unbebaute Grundst&uuml;ck in bebautem Zustand erh&auml;lt, bezieht sich der grunderwerbsteuerrechtliche Erwerbsvorgang auf diesen einheitlichen Erwerbsgegenstand (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 6.&nbsp;Juli 2016 II&nbsp;R&nbsp;5\/15, BFHE 254, 77, BStBl II 2016, 895, Rz&nbsp;12, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Von einem solchen Zusammenhang zwischen dem Grundst&uuml;ckskaufvertrag und den Vertr&auml;gen, die der Bebauung des Grundst&uuml;cks dienen, ist auszugehen, wenn der Erwerber beim Abschluss des Grundst&uuml;ckskaufvertrags gegen&uuml;ber der Ver&auml;u&szlig;ererseite in seiner Entscheidung &uuml;ber das &quot;Ob&quot; und &quot;Wie&quot; der Bauma&szlig;nahme nicht mehr frei war und deshalb feststand, dass er das Grundst&uuml;ck nur in einem bestimmten (bebauten) Zustand erhalten werde (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteile vom 28.&nbsp;M&auml;rz 2012 II&nbsp;R&nbsp;57\/10, BFHE 237, 460, BStBl II 2012, 920, Rz&nbsp;12; vom 19.&nbsp;Juni 2013 II&nbsp;R&nbsp;3\/12, BFHE 242, 173, BStBl II 2013, 965, Rz&nbsp;11, und vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2015 II&nbsp;R&nbsp;22\/14, BFH\/NV 2015, 1270, Rz&nbsp;14, jeweils m.w.N.). Eine derartige Einschr&auml;nkung der sonst f&uuml;r einen Grundst&uuml;ckserwerber bestehenden Entscheidungsfreiheit kann sich aus vorherigen Absprachen oder aus faktischen Zw&auml;ngen ergeben (BFH-Urteile vom 6.&nbsp;M&auml;rz 1991 II&nbsp;R&nbsp;133\/87, BFHE 164, 117, BStBl II 1991, 532, und vom 13.&nbsp;August 2003 II&nbsp;R&nbsp;52\/01, BFH\/NV 2004, 663).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der objektiv sachliche Zusammenhang wird ebenfalls indiziert, wenn der Ver&auml;u&szlig;erer dem Erwerber vor Abschluss des Kaufvertrags &uuml;ber das Grundst&uuml;ck aufgrund einer in bautechnischer und finanzieller Hinsicht konkreten und bis (ann&auml;hernd) zur Baureife gediehenen Vorplanung ein bestimmtes Geb&auml;ude zusammen mit dem Grundst&uuml;ck zu einem im Wesentlichen feststehenden Preis angeboten hatte und der Erwerber dieses Angebot sp&auml;ter unver&auml;ndert oder mit geringen Abweichungen, die den Charakter der Bauma&szlig;nahmen nicht ver&auml;ndert haben, angenommen hat (BFH-Urteile vom 27.&nbsp;September 2012 II&nbsp;R&nbsp;7\/12, BFHE 239, 154, BStBl II 2013, 86, Rz&nbsp;10; in BFHE 242, 173, BStBl II 2013, 965, Rz&nbsp;11, und vom 26.&nbsp;Februar 2014 II&nbsp;R&nbsp;54\/12, BFH\/NV 2014, 1403, Rz&nbsp;10, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Dabei k&ouml;nnen auf der Ver&auml;u&szlig;ererseite mehrere Personen als Vertragspartner auftreten, so dass sich die Anspr&uuml;che des Erwerbers auf &Uuml;bereignung des Grundst&uuml;cks und auf Errichtung des Geb&auml;udes zivilrechtlich gegen verschiedene Personen richten (vgl. BFH-Urteil in BFHE 254, 77, BStBl II 2016, 895, Rz&nbsp;13, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Ob ein objektiv sachlicher Zusammenhang zwischen dem Grundst&uuml;ckskaufvertrag und weiteren Vereinbarungen besteht, ist nach den Umst&auml;nden des Einzelfalls zu ermitteln (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 2015, 1270, Rz&nbsp;14, m.w.N.). Dabei ist grunds&auml;tzlich auf den Zeitpunkt des Abschlusses des Grundst&uuml;ckskaufvertrags abzustellen. Wird der Grundst&uuml;ckskaufvertrag durch einen Vertreter ohne Vertretungsmacht abgeschlossen, ist f&uuml;r die Beurteilung, ob ein sachlicher Zusammenhang zwischen dem Grundst&uuml;ckskaufvertrag und dem Bauerrichtungsvertrag besteht, der Zeitpunkt der Genehmigung ma&szlig;gebend (vgl. BFH-Urteil vom 29.&nbsp;M&auml;rz 1995 II&nbsp;R&nbsp;13\/94, BFHE 177, 217, BStBl II 1995, 542). Zu dem jeweils ma&szlig;gebenden Zeitpunkt muss der Erwerber entweder an das &quot;Ob&quot; und &quot;Wie&quot; der Bebauung gebunden sein oder die Ver&auml;u&szlig;ererseite dem Erwerber ein bestimmtes Geb&auml;ude auf einem bestimmten Grundst&uuml;ck zu einem im Wesentlichen feststehenden Preis angeboten haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Das erworbene Grundst&uuml;ck wird jedoch erst dann im bebauten Zustand Gegenstand des Erwerbsvorgangs, wenn die auf der Ver&auml;u&szlig;ererseite handelnden Personen auch zur Ver&auml;nderung des k&ouml;rperlichen Zustands des Grundst&uuml;cks verpflichtet sind (vgl. BFH-Urteile vom 27.&nbsp;November 2013 II&nbsp;R&nbsp;56\/12, BFHE 243, 415, BStBl II 2014, 534, Rz&nbsp;12, und in BFHE 254, 77, BStBl II 2016, 895, Rz&nbsp;15, m.w.N.). Dies setzt den Abschluss eines entsprechenden Bauerrichtungsvertrags voraus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei einem Angebot der Ver&auml;u&szlig;ererseite, ein bestimmtes Geb&auml;ude auf dem erworbenen Grundst&uuml;ck zu errichten, ist der sachliche Zusammenhang von Grundst&uuml;ckskaufvertrag und Bauerrichtungsvertrag nur gegeben, wenn der Erwerber das Angebot annimmt, also den Bauerrichtungsvertrag abschlie&szlig;t. Ist der Grundst&uuml;ckserwerber aufgrund von Absprachen oder aus faktischen Zw&auml;ngen an das &quot;Ob&quot; und &quot;Wie&quot; der Bebauung gebunden, ist das Grundst&uuml;ck ebenfalls erst mit dem Abschluss des Bauerrichtungsvertrags in bebautem Zustand Erwerbsgegenstand. Wird nach dem Kauf eines unbebauten, zur Bebauung vorgesehenen Grundst&uuml;cks ein Bauerrichtungsvertrag nicht oder noch nicht geschlossen, ist Erwerbsgegenstand nur das unbebaute Grundst&uuml;ck, selbst wenn beim Abschluss des Grundst&uuml;ckskaufvertrags eine Bindung des Erwerbers an das &quot;Ob&quot; und &quot;Wie&quot; der Bebauung vorgelegen haben sollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) Mit Abschluss des Bauerrichtungsvertrags steht fest, dass das Grundst&uuml;ck in bebautem Zustand Erwerbsgegenstand ist und damit die Baukosten in die Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer einzubeziehen sind. Vor Abschluss des Bauerrichtungsvertrags kommt eine Erh&ouml;hung der Bemessungsgrundlage f&uuml;r den Kauf des Grundst&uuml;cks um die Baukosten nicht in Betracht. Bis dahin ist das Grundst&uuml;ck in seinem tats&auml;chlichen, unbebauten Zustand Gegenstand des Erwerbsvorgangs. Erst mit Abschluss des Bauerrichtungsvertrags ver&auml;ndert sich der Gegenstand des Erwerbsvorgangs nachtr&auml;glich, und zwar i.S. des &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO r&uuml;ckwirkend auf den Zeitpunkt des Erwerbs (BFH-Urteil in BFHE 237, 460, BStBl II 2012, 920, Rz&nbsp;22).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Da das FG von einer anderen Ansicht ausgegangen ist, war die Vorentscheidung aufzuheben. Die Sache ist spruchreif.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Grundst&uuml;ck war sowohl beim Wirksamwerden des Kaufvertrags durch Erteilung der erforderlichen Genehmigungen als auch beim Erlass der Bescheide vom 23.&nbsp;August 2012 in seinem tats&auml;chlichen, unbebauten Zustand Gegenstand des Erwerbsvorgangs. Die Kl&auml;ger waren zwar nach den vom FG getroffenen Feststellungen (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) beim Wirksamwerden des Kaufvertrags gegen&uuml;ber der Ver&auml;u&szlig;ererseite an das &quot;Ob&quot; und &quot;Wie&quot; der Bebauung gebunden. Dies gen&uuml;gte aber nicht f&uuml;r die Annahme, das Grundst&uuml;ck sei bereits in bebautem Zustand Gegenstand des Erwerbsvorgangs gewesen. Die auf der Ver&auml;u&szlig;ererseite handelnden Personen waren n&auml;mlich noch nicht zur Ver&auml;nderung des k&ouml;rperlichen Zustands des Grundst&uuml;cks verpflichtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vielmehr haben sich die Vertragsparteien in dem Grundst&uuml;ckskaufvertrag lediglich verpflichtet, einen entsprechenden Bauerrichtungsvertrag zu schlie&szlig;en, und Schadenersatz-, R&uuml;cktritts- und Eintrittsrechte\/-pflichten vereinbart, falls es nicht zum Abschluss dieses Vertrags kommen w&uuml;rde. Die endg&uuml;ltige zivilrechtliche Verpflichtung der X-GmbH zur Bebauung des Grundst&uuml;cks und damit zur k&ouml;rperlichen Ver&auml;nderung des unbebauten Grundst&uuml;cks trat erst durch den Abschluss des Bauerrichtungsvertrags am 29.&nbsp;September 2012 ein. Erst in diesem Vertrag wurde vereinbart, dass die X-GmbH das Grundst&uuml;ck mit der Reihenhauszeile zu dem von den Kl&auml;gern zu entrichtenden Festpreis von 211.635&nbsp;EUR bebauen werde. Mit Abschluss dieses Vertrags ver&auml;nderte sich der Gegenstand des Erwerbsvorgangs dahingehend, dass das Grundst&uuml;ck nunmehr in bebautem Zustand Gegenstand des Erwerbsvorgangs war, und zwar r&uuml;ckwirkend auf den Zeitpunkt der Steuerentstehung (&sect;&nbsp;14 Nr.&nbsp;2 GrEStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage war somit abzuweisen. Die angefochtenen &Auml;nderungsbescheide vom 28.&nbsp;Februar 2013 sind sowohl in materiell-rechtlicher als auch in verfahrensrechtlicher Hinsicht rechtm&auml;&szlig;ig. Das FA hat in den Bescheiden die Baukosten zu Recht in die Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer einbezogen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3<strong>. <\/strong>Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 25.1.2017, II R 19\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.250117.IIR19.15.0 Einheitlicher Erwerbsgegenstand im Grunderwerbsteuerrecht Leits&auml;tze 1. Ist der Erwerber eines Grundst&uuml;cks beim Abschluss des Grundst&uuml;ckskaufvertrags hinsichtlich des &quot;Ob&quot; und &quot;Wie&quot; der Bebauung gebunden, wird das erworbene Grundst&uuml;ck erst dann im bebauten Zustand Gegenstand des Erwerbsvorgangs, wenn der Bauerrichtungsvertrag geschlossen wird. 2. Der Abschluss des Bauerrichtungsvertrags ist ein nachtr&auml;gliches &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-19-15-einheitlicher-erwerbsgegenstand-im-grunderwerbsteuerrecht\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;19\/15 &#8211; Einheitlicher Erwerbsgegenstand im Grunderwerbsteuerrecht<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67087","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67087","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67087"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67087\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67087"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67087"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67087"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}