{"id":67088,"date":"2017-04-27T10:03:04","date_gmt":"2017-04-27T08:03:04","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67088"},"modified":"2017-04-27T10:03:04","modified_gmt":"2017-04-27T08:03:04","slug":"iii-r-31-15-zustaendigkeit-der-familienkassen-fuer-auslandsfaelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-31-15-zustaendigkeit-der-familienkassen-fuer-auslandsfaelle\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;31\/15 &#8211; Zust&auml;ndigkeit der Familienkassen f&uuml;r Auslandsf&auml;lle"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.1.2017, III R 31\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.190117.IIIR31.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zust&auml;ndigkeit der Familienkassen f&uuml;r Auslandsf&auml;lle<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die Familienkassen der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit sind &#8211;au&szlig;er in den F&auml;llen des &sect; 72 EStG&#8211; f&uuml;r den Familienleistungsausgleich sachlich zust&auml;ndig. Die Familienkasse Sachsen ist &ouml;rtlich zust&auml;ndig, wenn ein &quot;Anspruchsberechtigter oder anderer Elternteil bzw. ein anspruchsbegr&uuml;ndendes Kind &#8230; ihren Wohnsitz &#8230; in Polen&quot; haben.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Hat eine &ouml;rtlich unzust&auml;ndige Familienkasse den Antrag auf Kindergeld abgelehnt, kann sie auf den Einspruch hin entweder ihren Ablehnungsbescheid aufheben und den Antrag an die &ouml;rtlich zust&auml;ndige Familienkasse weiterleiten oder die Entscheidung &uuml;ber den Einspruch der zust&auml;ndigen Familienkasse &uuml;berlassen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 23. April 2015&nbsp;&nbsp;3 K 3006\/15 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) wohnt ausschlie&szlig;lich in Berlin und ist dort seit Oktober 2013 versicherungspflichtig besch&auml;ftigt; ihren fr&uuml;heren Wohnsitz in Polen hat sie aufgegeben. Von ihrem Ehemann, der in Polen wohnt, wurde sie mit Urteil eines polnischen Bezirksgerichts vom 16.&nbsp;Januar 2013 rechtskr&auml;ftig geschieden. Die im Jahr 1991 geborene gemeinsame Tochter lebt bei dem geschiedenen Ehemann und studierte im Studienjahr 2013\/2014 an der Universit&auml;t Y (Polen). Die Kl&auml;gerin bezieht in Polen keine Familienleistungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der von der Kl&auml;gerin am 9.&nbsp;Januar 2014 bei der Familienkasse Berlin-Brandenburg gestellte &quot;Antrag auf deutsches Kindergeld &#8211; Ausland&quot; f&uuml;r ihre Tochter wurde von dieser durch Bescheid vom 1.&nbsp;Juli 2014 mit Wirkung ab Oktober 2013 abgelehnt, weil das Kindergeld dem Vater zustehe; der Kindesvater k&ouml;nne Kindergeld bei der Beklagten und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse Sachsen) beantragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ihren Einspruch begr&uuml;ndete die Kl&auml;gerin u.a. mit Bedenken gegen die Zust&auml;ndigkeit der Familienkasse Berlin-Brandenburg. Die beklagte Familienkasse Sachsen zog den Kindesvater zum Verfahren hinzu und wies den Einspruch gegen den Ablehnungsbescheid sodann als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Bearbeitung des Einspruchs durch die Familienkasse Sachsen beruhte darauf, dass eine Mitarbeiterin der Rechtsbehelfsstelle der Familienkasse Berlin-Brandenburg von August 2014 bis Dezember 2014 zus&auml;tzlich f&uuml;r die Familienkasse Sachsen t&auml;tig war. Nach damaliger Weisungslage hatten die &quot;urspr&uuml;nglichen&quot; Familienkassen den Sachverhalt im Rechtsbehelfsverfahren aufzukl&auml;ren und die Rechtsbehelfsverfahren danach mit einem Entscheidungsvorschlag an die Familienkasse Sachsen abzugeben. Die Familienkasse Berlin-Brandenburg stellte dementsprechend fest, dass dem Einspruch nicht abgeholfen werden k&ouml;nne und die dazu erforderliche Einspruchsentscheidung durch die Familienkasse Sachsen zu erfolgen habe. Am 17.&nbsp;September 2014 wurde das Verfahren unter der Zust&auml;ndigkeit der Familienkasse Sachsen neu erfasst und f&uuml;r die Familienkasse Sachsen weiter bearbeitet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 5.&nbsp;Januar 2015 erhob die Kl&auml;gerin Klage gegen die Familienkasse Sachsen, zun&auml;chst mit dem Antrag, diese zu verpflichten, Kindergeld f&uuml;r die Tochter ab Oktober 2013 zu gew&auml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach einem rechtlichen Hinweis des Berichterstatters des Finanzgerichts (FG) beantragte die Kl&auml;gerin stattdessen die Aufhebung der Einspruchsentscheidung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG gab der Klage statt (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2015, 1412). Es entschied, die Kl&auml;gerin habe ein Rechtsschutzinteresse an der isolierten Aufhebung der Einspruchsentscheidung. Der Ablehnungsbescheid der Familienkasse Berlin-Brandenburg regele lediglich, dass die Kl&auml;gerin gegen diese keinen Anspruch auf Kindergeld habe; &uuml;ber Anspr&uuml;che gegen andere Kindergeldkassen treffe der Bescheid keine Aussage. Die Einspruchsentscheidung best&auml;tige lediglich diese Ausgangsentscheidung. Die Kl&auml;gerin m&uuml;sse daher bei der Familienkasse Sachsen einen neuen Kindergeldantrag stellen. Insoweit gehe aber von der Einspruchsentscheidung der Rechtsschein aus, dass kein Kindergeldanspruch gegen die Familienkasse Sachsen bestehe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Einspruchsentscheidung sei wegen sachlicher &#8211;nicht &ouml;rtlicher&#8211; Unzust&auml;ndigkeit der Familienkasse Sachsen rechtswidrig, da diese den Ausgangsbescheid nicht erlassen habe (&sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;). Nach dem Erlass des Ausgangsbescheides sei auch kein Zust&auml;ndigkeitswechsel eingetreten (&sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO). Die Zust&auml;ndigkeit der Familienkasse Sachsen ergebe sich auch nicht daraus, dass sie f&uuml;r die Ausgangsentscheidung zust&auml;ndig gewesen w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse Sachsen r&uuml;gt die Verletzung materiellen Rechts. Sie beantragt,<br \/>das FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des FG-Urteils und zur Abweisung der auf Aufhebung der Einspruchsentscheidung gerichteten Klage. Die beklagte Familienkasse Sachsen war f&uuml;r die Entscheidung &uuml;ber den Einspruch der Kl&auml;gerin zust&auml;ndig und hat auch zu Recht entschieden, dass das Kindergeld f&uuml;r die Tochter nicht der Kl&auml;gerin, sondern vorrangig dem Vater zusteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Familienkasse Sachsen war f&uuml;r die Entscheidung &uuml;ber den Kindergeldanspruch der Kl&auml;gerin sachlich und &ouml;rtlich zust&auml;ndig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die sachliche Zust&auml;ndigkeit der Finanzbeh&ouml;rden richtet sich, soweit nichts anderes bestimmt ist, gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;16 AO nach dem Gesetz &uuml;ber die Finanzverwaltung (FVG). Nach &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;11 FVG hat das Bundeszentralamt f&uuml;r Steuern die Aufgabe, den Familienleistungsausgleich nach Ma&szlig;gabe der &sect;&sect;&nbsp;31, 62 bis 78 des Einkommensteuergesetzes (EStG) durchzuf&uuml;hren. Dazu stellt die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit (Bundesagentur) ihre Dienststellen als Familienkasse zur Verf&uuml;gung. Diese Dienststellen sind somit sachlich zust&auml;ndig, soweit nicht ausnahmsweise gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;72 EStG eine K&ouml;rperschaft, Anstalt oder Stiftung des &ouml;ffentlichen Rechts oder die Deutsche Post AG, Deutsche Postbank AG oder Deutsche Telekom AG als Familienkasse das Kindergeld an Angeh&ouml;rige des &ouml;ffentlichen Dienstes festzusetzen und zu zahlen haben (vgl. Senatsbeschluss vom 28.&nbsp;Dezember 2006 III&nbsp;B&nbsp;91\/05, BFH\/NV&nbsp;2007, 864). Davon geht auch die Dienstanweisung zum Kindergeld nach dem Einkommensteuergesetz (DA-KG) 2014 aus (unter V&nbsp;1.1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Vorstand der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit kann aufgrund der Konzentrationserm&auml;chtigung des &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;11 Satz&nbsp;4 FVG (dazu Schmieszek in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;5 FVG Rz&nbsp;122) &quot;innerhalb seines Zust&auml;ndigkeitsbereichs abweichend von den Vorschriften der Abgabenordnung &uuml;ber die &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit von Finanzbeh&ouml;rden die Entscheidung &uuml;ber den Anspruch auf Kindergeld f&uuml;r bestimmte &#8230; Gruppen von Berechtigten einer anderen Familienkasse &uuml;bertragen&quot;. Daraus ergibt sich, dass es sich bei der Zust&auml;ndigkeit der Familienkasse Sachsen f&uuml;r F&auml;lle, in denen ein &quot;Anspruchsberechtigter oder anderer Elternteil bzw. ein anspruchsbegr&uuml;ndendes Kind &#8230; ihren Wohnsitz &#8230; in Polen&quot; haben (Beschluss des Vorstands der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit Nr.&nbsp;21\/2013 vom 18.&nbsp;April 2013 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;11 FVG, Amtliche Nachrichten der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit, Ausgabe Mai 2013, S.&nbsp;6&nbsp;ff., Nr.&nbsp;2.2 der Anlage&nbsp;2; dazu Senatsurteil vom 16.&nbsp;Mai 2013 III&nbsp;R&nbsp;8\/11, BFHE 241, 511, BStBl II 2013, 1040), um eine &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit handelt (ebenso DA-KG 2014, unter V&nbsp;2 &Ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sachlich zust&auml;ndig waren somit die Familienkassen der Bundesagentur, d.h. sowohl die Familienkasse Berlin-Brandenburg als auch die Familienkasse Sachsen, &ouml;rtlich zust&auml;ndig indessen nur die Familienkasse Sachsen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Einspruchsentscheidung der Familienkasse Sachsen ist nicht allein deshalb aufzuheben, weil der Ablehnungsbescheid von der &ouml;rtlich unzust&auml;ndigen Familienkasse Berlin-Brandenburg erlassen worden war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Dem Einspruch musste nicht wegen der &ouml;rtlichen Unzust&auml;ndigkeit der Familienkasse Berlin-Brandenburg stattgegeben werden. Denn die Entscheidung &uuml;ber die Kindergeldfestsetzung (&sect;&nbsp;70 EStG) ist ein gebundener Verwaltungsakt und unterliegt daher der Vorschrift des &sect;&nbsp;127 AO (Senatsurteil vom 19.&nbsp;April 2012 III&nbsp;R&nbsp;85\/11, BFH\/NV 2012, 1411, Rz&nbsp;11). Die Aufhebung des Bescheides des Ablehnungsbescheides konnte daher nicht wegen der Verletzung der sich aus dem Beschluss des Vorstands der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit Nr.&nbsp;21\/2013 vom 18.&nbsp;April 2013 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;11 FVG ergebenden Regelung &uuml;ber die &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit beansprucht werden, wenn keine anderen Rechtsfehler vorlagen (vgl. Senatsurteil vom 25.&nbsp;November 1988 III&nbsp;R&nbsp;264\/83, BFH\/NV 1989, 690, Rz&nbsp;18; Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;127 AO Rz&nbsp;10; Rozek in HHSp, &sect;&nbsp;127 AO Rz&nbsp;30).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Ablehnungsbescheid war schlie&szlig;lich auch nicht allein dadurch nichtig, dass er durch die &ouml;rtlich unzust&auml;ndige Familienkasse Berlin-Brandenburg erlassen wurde (&sect;&nbsp;125 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Einspruchsentscheidung ist auch nicht deshalb aufzuheben, weil sie nicht von der Ausgangsbeh&ouml;rde getroffen wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) &Uuml;ber den Einspruch hat die Finanzbeh&ouml;rde zu entscheiden, die ihn erlassen hat, soweit nicht nachtr&auml;glich eine andere Beh&ouml;rde zust&auml;ndig geworden ist (&sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;1 AO). Da die Familienkasse Sachsen von Anfang an &ouml;rtlich zust&auml;ndig war und die Zust&auml;ndigkeit somit nicht nachtr&auml;glich gewechselt hat (vgl. Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect;&nbsp;367 AO Rz&nbsp;4), h&auml;tte nach dem Wortlaut des &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO die Familienkasse Berlin-Brandenburg den Einspruch bescheiden m&uuml;ssen. Im Einspruchsverfahren ist die Sache indessen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;2 Satz 1 AO nochmals vollen Umfangs zu pr&uuml;fen (Senatsurteil in BFH\/NV 1989, 690, Rz&nbsp;17). Diese Pr&uuml;fung bezieht sich auch auf die sachliche und &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit (Birkenfeld in HHSp, &sect;&nbsp;367 AO Rz&nbsp;60). Im Rahmen dieser umfassenden &Uuml;berpr&uuml;fung h&auml;tte die Familienkasse Berlin-Brandenburg angesichts ihrer fehlerhaften Beurteilung der &ouml;rtlichen Zust&auml;ndigkeit dem Einspruch abhelfen, den Ablehnungsbescheid aufheben und den Antrag der Kl&auml;gerin zur Entscheidung an die Familienkasse Sachsen weiterleiten k&ouml;nnen. Denn der Ablehnungsbescheid blieb rechtswidrig, da &sect;&nbsp;127 AO keine Heilungsvorschrift ist, sondern dem Adressaten lediglich den Anspruch auf Aufhebung des Verwaltungsaktes nimmt (Rozek in HHSp, &sect;&nbsp;127 AO Rz&nbsp;6, m.w.N.). Sie konnte stattdessen aber auch &#8211;wie geschehen&#8211; die Entscheidung &uuml;ber den Einspruch der tats&auml;chlich zust&auml;ndigen Familienkasse Sachsen &uuml;berlassen (vgl. Birkenfeld in HHSp, &sect;&nbsp;367 AO Rz&nbsp;61&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Auffassung des FG, die Familienkasse Berlin-Brandenburg habe nur einen gegen sie bestehenden Anspruch auf Kindergeld abgelehnt, trifft nicht zu. Die Ablehnung der Festsetzung von Kindergeld zu Gunsten der Kl&auml;gerin regelt den Anspruch der Kl&auml;gerin auf (deutsches) Kindergeld f&uuml;r ihre Tochter und st&uuml;nde im Rahmen der sachlichen Zust&auml;ndigkeit der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit der Festsetzung von Kindergeld durch eine andere Familienkasse (f&uuml;r den ma&szlig;geblichen Zeitraum) entgegen. Eine nur das Einspruchsverfahren gegen den von ihr erlassenen Ablehnungsbescheid betreffende Zust&auml;ndigkeit der Familienkasse Berlin-Brandenburg &#8211;anstelle der f&uuml;r den Kindergeldanspruch zust&auml;ndigen Familienkasse Sachsen&#8211; kommt daher nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Einspruchsentscheidung ist auch nicht wegen materieller Rechtswidrigkeit aufzuheben. Die Kl&auml;gerin kann kein Kindergeld f&uuml;r ihre beim geschiedenen Ehemann lebende Tochter beanspruchen, weil der geschiedene Ehemann vorrangig berechtigt ist. Zur Begr&uuml;ndung verweist der Senat auf seine Urteile vom 4.&nbsp;Februar 2016 III&nbsp;R&nbsp;17\/13 (BFHE 253, 134, BStBl II 2016, 612) und vom 10.&nbsp;M&auml;rz 2016 III&nbsp;R&nbsp;8\/13 (BFH\/NV 2016, 1164).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall gibt es keine Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass der geschiedene Ehemann nicht polnischer Staatsangeh&ouml;riger, sondern nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder ist und daher f&uuml;r eine vorrangige Anspruchsberechtigung die Voraussetzungen i.S. des &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 EStG erf&uuml;llen m&uuml;sste (Senatsurteil vom 7.&nbsp;Juli 2016 III&nbsp;R&nbsp;11\/13, BFHE 254, 558, Rz&nbsp;23). Nach den Feststellungen des FG besteht auch weder in Deutschland &#8211;wo die Kl&auml;gerin wohnt&#8211; noch in Polen, wo ihr geschiedener Ehemann mit der Tochter zusammen lebt, ein gemeinsamer Haushalt der beiden Elternteile, in den das gemeinsame Kind aufgenommen ist. Die vorrangige Anspruchsberechtigung der Kl&auml;gerin kann sich daher auch nicht nach &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 S&auml;tze&nbsp;2 bis 4 EStG richten (vgl. Senatsurteil vom 4.&nbsp;August 2016 III&nbsp;R&nbsp;10\/13, BFHE 255, 46, BStBl II 2017, 126, Rz&nbsp;24). Unerheblich ist, ob der Kindesvater selbst einen Antrag auf (deutsches) Kindergeld gestellt hat (z.B. Senatsurteil vom 13.&nbsp;April 2016 III&nbsp;R&nbsp;14\/13, BFH\/NV 2016, 1464).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.1.2017, III R 31\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.190117.IIIR31.15.0 Zust&auml;ndigkeit der Familienkassen f&uuml;r Auslandsf&auml;lle Leits&auml;tze 1. Die Familienkassen der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit sind &#8211;au&szlig;er in den F&auml;llen des &sect; 72 EStG&#8211; f&uuml;r den Familienleistungsausgleich sachlich zust&auml;ndig. Die Familienkasse Sachsen ist &ouml;rtlich zust&auml;ndig, wenn ein &quot;Anspruchsberechtigter oder anderer Elternteil bzw. ein anspruchsbegr&uuml;ndendes Kind &#8230; ihren Wohnsitz &#8230; in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-31-15-zustaendigkeit-der-familienkassen-fuer-auslandsfaelle\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;31\/15 &#8211; Zust&auml;ndigkeit der Familienkassen f&uuml;r Auslandsf&auml;lle<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67088","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67088","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67088"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67088\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67088"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67088"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67088"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}