{"id":67135,"date":"2017-04-27T10:02:11","date_gmt":"2017-04-27T08:02:11","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67135"},"modified":"2017-04-27T10:02:11","modified_gmt":"2017-04-27T08:02:11","slug":"vii-r-1-15-kein-aufrechnungsverbot-nach-beendigung-des-insolvenzverfahrens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-1-15-kein-aufrechnungsverbot-nach-beendigung-des-insolvenzverfahrens\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;1\/15 &#8211; Kein Aufrechnungsverbot nach Beendigung des Insolvenzverfahrens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.12.2016, VII R 1\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2016:U.131216.VIIR1.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein Aufrechnungsverbot nach Beendigung des Insolvenzverfahrens<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Das Aufrechnungsverbot des &sect; 96 Abs. 1 Nr. 1 InsO besteht nach Einstellung des Insolvenzverfahrens nicht mehr. Das FA kann gegen eine abgetretene Forderung der Insolvenzmasse unter den Voraussetzungen des &sect; 406 BGB auch gegen&uuml;ber dem neuen Gl&auml;ubiger die Aufrechnung erkl&auml;ren.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Finanzamts wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 2. Dezember 2014&nbsp;&nbsp;6 K 6119\/12 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Beschluss vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2006 wurde &uuml;ber das Verm&ouml;gen der GmbH das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet und ein Insolvenzverwalter bestellt. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) meldete &#8211;nach zwischenzeitlicher &Auml;nderung der Anmeldung&#8211; zuletzt unter dem 16.&nbsp;August 2008 Umsatzsteuerforderungen in H&ouml;he von 4.892,50&nbsp;EUR f&uuml;r M&auml;rz 2006 zur Insolvenztabelle an. Zugunsten der GmbH setzte das FA mit Bescheid vom 26.&nbsp;September 2008 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;5 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes (KStG) ein K&ouml;rperschaftsteuerguthaben in H&ouml;he von 5.061&nbsp;EUR fest. Das Guthaben sollte in zehn Raten zu je 506,10&nbsp;EUR jeweils zum 30.&nbsp;September bis zum Jahr 2017 ausgezahlt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur F&auml;lligkeit des Guthabens f&uuml;r das Kalenderjahr 2008 am 30.&nbsp;September 2008 zahlte das FA aus dem Guthaben den anteiligen Betrag von 506,10&nbsp;EUR dem Insolvenzverwalter der GmbH. Das restliche K&ouml;rperschaftsteuerguthaben trat der Insolvenzverwalter der Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagten (Kl&auml;gerin) ab. Diese &uuml;bermittelte dem FA am 31.&nbsp;August 2009 eine Abtretungsanzeige auf amtlichem Vordruck. Das Guthaben f&uuml;r 2009 in H&ouml;he von 506,10&nbsp;EUR wurde der Kl&auml;gerin &uuml;berwiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Beschluss vom 19.&nbsp;Februar 2010 wurde das Insolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen der GmbH nach Anzeige der Masseunzul&auml;nglichkeit eingestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 11.&nbsp;Juli 2011 und 11.&nbsp;Oktober 2011 teilte das FA der Kl&auml;gerin mit, es habe gegen das anteilige K&ouml;rperschaftsteuerguthaben f&uuml;r 2010 und 2011 mit seiner Forderung aus Umsatzsteuer 2006 gegen die GmbH aufgerechnet. Im Abrechnungsbescheid vom 8.&nbsp;November 2011 best&auml;tigte das FA die Aufrechnung. Den Einspruch wies das FA zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) urteilte, die Auszahlungsbetr&auml;ge zur K&ouml;rperschaftsteuer 2010 und 2011 seien wegen des insolvenzrechtlichen Aufrechnungsverbots des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Insolvenzordnung (InsO) nicht durch Aufrechnung erloschen. Die insolvenzrechtlichen Aufrechnungsregeln modifizierten die allgemeinen Vorschriften der &sect;&sect;&nbsp;387&nbsp;ff. des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) und insbesondere &sect;&nbsp;406 BGB mit der Folge eines Ausschlusses der Aufrechnung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 InsO, wenn der Insolvenzgl&auml;ubiger erst nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens etwas zur Insolvenzmasse schuldig geworden sei. Unter Hinweis auf eine Entscheidung des Reichsgerichts (RG) vom 18.&nbsp;Februar 1933 V&nbsp;380\/32 (RGZ 140, 43) und Stimmen in der Literatur urteilte das FG, dies gelte auch nach Beendigung des Insolvenzverfahrens, wenn der Insolvenzverwalter eine Forderung des Insolvenzschuldners durch Abtretung verwertet habe. Anderenfalls sei eine &#8211;nach &sect;&nbsp;159 InsO gebotene&#8211; Verwertung von Forderungen faktisch ausgeschlossen und eine nicht hinnehmbare Verfahrensverl&auml;ngerung die Folge.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision macht das FA geltend, ein Aufrechnungsverbot bestehe vorliegend nicht, weil das Insolvenzverfahren zwischenzeitlich eingestellt worden sei. Eine Nachtragsverteilung sei nicht angeordnet worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Senat konnte in der Sache entscheiden, obwohl f&uuml;r die Kl&auml;gerin niemand zur m&uuml;ndlichen Verhandlung erschienen ist. Der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin ist ordnungsgem&auml;&szlig; geladen und darauf hingewiesen worden, bei seinem Ausbleiben in der m&uuml;ndlichen Verhandlung k&ouml;nne auch ohne ihn verhandelt und entschieden werden (&sect;&nbsp;91 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO). Das Urteil verletzt Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 FGO). Das FG hat den Abrechnungsbescheid zu Unrecht ge&auml;ndert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Einstellung des Insolvenzverfahrens hat das FA wirksam gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin mit seiner Umsatzsteuerforderung aus 2006 gegen die GmbH aufgerechnet. Dadurch sind die der Kl&auml;gerin abgetretenen Forderungen aus K&ouml;rperschaftsteuerguthaben 2010 und 2011 erloschen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das Aufrechnungsverbot des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 InsO gilt nur w&auml;hrend des Insolvenzverfahrens; nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens k&ouml;nnen Insolvenzgl&auml;ubiger gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;201 Abs.&nbsp;1 InsO ihre Forderungen gegen den Schuldner unbeschr&auml;nkt geltend machen (Senatsbeschluss vom 4.&nbsp;September 2008 VII&nbsp;B&nbsp;239\/07, BFH\/NV 2009, 6). Hiernach kann ein Gl&auml;ubiger nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens die Aufrechnung gegen Forderungen des Schuldners erkl&auml;ren, die zwar w&auml;hrend des Insolvenzverfahrens begr&uuml;ndet, jedoch nicht ermittelt bzw. nicht beigetrieben wurden und &uuml;ber die der Schuldner nunmehr wieder frei verf&uuml;gen kann, da sie nicht mehr der Insolvenzbeschlagnahme (&sect;&nbsp;80 Abs.&nbsp;1 InsO) unterliegen. Gleiches gilt nach Einstellung des Insolvenzverfahrens nach Anzeige der Masseunzul&auml;nglichkeit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;215 InsO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Anspruch auf Erstattung des K&ouml;rperschaftsteuerguthabens ist mit der &Auml;nderung des KStG durch das Gesetz &uuml;ber steuerliche Begleitma&szlig;nahmen zur Einf&uuml;hrung der Europ&auml;ischen Gesellschaft und zur &Auml;nderung weiterer steuerrechtlicher Vorschriften vom 7.&nbsp;Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2782) gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 KStG mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2006 und damit nach Insolvenzer&ouml;ffnung durch Beschluss vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2006 entstanden. Im Verh&auml;ltnis des FA zur GmbH galt zun&auml;chst w&auml;hrend des Insolvenzverfahrens das Aufrechnungsverbot des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 InsO f&uuml;r die in diesem Zeitraum f&auml;llig werdenden Auszahlungsbetr&auml;ge des K&ouml;rperschaftsteuererstattungsanspruchs gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;5 KStG. Diese Beschr&auml;nkung besteht nach Einstellung des Insolvenzverfahrens nicht mehr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Insolvenzverwalter hat die zuk&uuml;nftigen K&ouml;rperschaftsteuererstattungsanspr&uuml;che der Kl&auml;gerin abgetreten, die infolgedessen Gl&auml;ubigerin der K&ouml;rperschaftsteuererstattungsanspr&uuml;che geworden ist. Eine Aufrechnung gegen diese Anspr&uuml;che ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;406 BGB zul&auml;ssig, der &uuml;ber &sect;&nbsp;226 der Abgabenordnung auch im Abgabenrecht gilt (Senatsurteil vom 8.&nbsp;Juli 2004 VII&nbsp;R&nbsp;55\/03, BFHE 206, 309, BStBl II 2005, 7). Bei &sect;&nbsp;406 BGB handelt es sich um eine Schutzvorschrift zugunsten des Schuldners, die sein Vertrauen in eine gegen&uuml;ber dem bisherigen Gl&auml;ubiger bestehende Aufrechnungslage sowie die Aussicht auf eine k&uuml;nftig m&ouml;glicherweise entstehende Aufrechnungslage sch&uuml;tzt; die Rechtsstellung des Schuldners darf sich durch die Abtretung nicht verschlechtern (Senatsurteil in BFHE 206, 309, BStBl II 2005, 7). Die Rechtsstellung des Schuldners (hier des FA) verschlechterte sich aber, wenn aus einem ohne die Abtretung bestehenden zeitlich (auf die Dauer des Insolvenzerfahrens) begrenzten Aufrechnungsverbot ein im Fall der Abtretung unbefristetes Aufrechnungsverbot w&uuml;rde. Eine Ausnahme gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;406 Halbsatz&nbsp;2 BGB liegt im Streitfall nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Ein zeitlich unbeschr&auml;nktes Aufrechnungsverbot im Fall einer Abtretung l&auml;sst sich weder mit den anzuwendenden Vorschriften noch mit dem Sinn und Zweck des Insolvenzverfahrens rechtfertigen. Will der Insolvenzverwalter das Verfahren beenden, aber gleichwohl k&uuml;nftig entstehende Forderungen zur Masse ziehen, kann er gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;203 InsO bzw. &sect;&nbsp;211 Abs.&nbsp;3 InsO die Anordnung der Nachtragsverteilung beantragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Macht er von dieser M&ouml;glichkeit keinen Gebrauch, sondern zieht er die Verwertung der k&uuml;nftigen Forderungen durch Abtretung vor, sind die dahinter stehenden praktischen Erw&auml;gungen bzw. Schwierigkeiten bei der Masseverwertung nicht geeignet, die Schuldnerschutzvorschrift des &sect;&nbsp;406 BGB zu suspendieren. Der Zessionar tr&auml;gt nach &sect;&nbsp;406 BGB das Risiko einer &quot;Belastung&quot; der ihm abgetretenen Forderung insoweit, als gegen sie auch mit gegen&uuml;ber dem Zedenten bestehenden Anspr&uuml;chen aufgerechnet werden kann. Mit dem Grundgedanken dieser Schuldnerschutzvorschrift ist es nicht vereinbar, ein Aufrechnungsverbot in der Insolvenz &uuml;ber die Insolvenzbeschlagnahme hinaus im Fall einer Abtretung zur vereinfachten Forderungsverwertung anzuerkennen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) Etwas anderes folgt auch nicht aus &sect;&nbsp;159 InsO. Die Verpflichtung des Insolvenzverwalters zur Verwertung der Masse f&uuml;hrt nicht zur Privilegierung eines Zessionars gegen&uuml;ber dem Zedenten bei der Forderungsverwertung, wenn dadurch eine grundlegende schuldnersch&uuml;tzende Vorschrift weiter eingeschr&auml;nkt wird, als es das Gesetz in &sect;&nbsp;96 InsO vorsieht. Abgesehen davon kann die Verwertung des zur Insolvenzmasse geh&ouml;renden Verm&ouml;gens auch nach Anordnung einer Nachtragsverteilung erfolgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>g) Die zur Begr&uuml;ndung der gegenteiligen Ansicht von Teilen der Literatur (Windel in Jaeger, Insolvenzordnung 2007, &sect;&nbsp;96 Rz&nbsp;10; Brandes\/Lohmann in M&uuml;nchener Kommentar zur Insolvenzordnung, 3.&nbsp;Aufl. 2013, &sect;&nbsp;96 Rz&nbsp;2c; Gottwald\/Adolphsen, Insolvenzrechtshandbuch, 5.&nbsp;Aufl. 2015, &sect;&nbsp;45 Rz&nbsp;80f; Grashoff\/ Kleinmanns, Vorsicht Falle: Die Abtretung von K&ouml;rperschaftsteuerguthaben in der Insolvenz, Zeitschrift f&uuml;r das gesamte Insolvenzrecht 2008, 609, 612; von Craushaar\/Holdt, Verwertung des K&ouml;rperschaftsteuerguthabens im Insolvenzverfahren, Neue Zeitschrift f&uuml;r Insolvenzrecht 2011, 350, 353) herangezogene Entscheidung des RG in RGZ 140, 43 f&uuml;hrt zu keinem anderen Ergebnis. Das RG hatte Anlass zu pr&uuml;fen, wie zu entscheiden w&auml;re, wenn die Forderung der Insolvenzmasse dem Gemeinschuldner (= Insolvenzschuldner) zur Einziehung &uuml;berlassen worden w&auml;re, und hat insoweit zutreffend ausgef&uuml;hrt, das Aufrechnungsverbot g&auml;lte dann nicht. Der Fall der &Uuml;bertragung der Verf&uuml;gungsbefugnis &uuml;ber die Forderung auf den Insolvenzschuldner unterscheidet sich aber nicht von dem Fall, in dem der Insolvenzschuldner durch Aufhebung bzw. Einstellung des Insolvenzverfahrens die Verf&uuml;gungsbefugnis &uuml;ber sein Verm&ouml;gen zur&uuml;ckerh&auml;lt (&sect;&nbsp;201 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;215 Abs.&nbsp;2 InsO), weil in beiden F&auml;llen der Insolvenzbeschlag endet und die Aufrechnung somit zul&auml;ssig ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.12.2016, VII R 1\/15ECLI:DE:BFH:2016:U.131216.VIIR1.15.0 Kein Aufrechnungsverbot nach Beendigung des Insolvenzverfahrens Leits&auml;tze Das Aufrechnungsverbot des &sect; 96 Abs. 1 Nr. 1 InsO besteht nach Einstellung des Insolvenzverfahrens nicht mehr. Das FA kann gegen eine abgetretene Forderung der Insolvenzmasse unter den Voraussetzungen des &sect; 406 BGB auch gegen&uuml;ber dem neuen Gl&auml;ubiger die Aufrechnung erkl&auml;ren. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-1-15-kein-aufrechnungsverbot-nach-beendigung-des-insolvenzverfahrens\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;1\/15 &#8211; Kein Aufrechnungsverbot nach Beendigung des Insolvenzverfahrens<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67135","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67135"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67135\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}