{"id":67166,"date":"2017-04-27T09:59:34","date_gmt":"2017-04-27T07:59:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67166"},"modified":"2017-04-27T09:59:34","modified_gmt":"2017-04-27T07:59:34","slug":"x-r-36-15-zweistufige-pruefung-bei-haftungsbescheiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-36-15-zweistufige-pruefung-bei-haftungsbescheiden\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;36\/15 &#8211; Zweistufige Pr&uuml;fung bei Haftungsbescheiden"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.9.2016, X R 36\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2016:U.200916.XR36.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zweistufige Pr&uuml;fung bei Haftungsbescheiden<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen, Au&szlig;ensenate Augsburg, vom 24. Februar 2015&nbsp;&nbsp;6 K 299\/14 aufgehoben, soweit die Klage gegen den Haftungsbescheid 1998 vom 27. Dezember 2002 und den Haftungsbescheid 1999 vom 28. November 2003 abgewiesen worden ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>Insoweit wird die Sache an das Finanzgericht M&uuml;nchen, Au&szlig;ensenate Augsburg, zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist der Landesverband X der Partei Y. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erlie&szlig; am 27.&nbsp;Dezember 2002 (f&uuml;r das Jahr 1998) und am 28.&nbsp;November 2003 (f&uuml;r das Jahr 1999) gegen den Kl&auml;ger Haftungsbescheide &uuml;ber 739.600&nbsp;DM bzw. 250.400&nbsp;DM. Das FA st&uuml;tzte sie auf &sect;&nbsp;10b Abs.&nbsp;4 S&auml;tze 2 und 3 des Einkommensteuergesetzes in der in den Streitjahren geltenden Fassung (EStG a.F.), weil der Kl&auml;ger unzutreffende Best&auml;tigungen &uuml;ber Aufwandsspenden und damit unrichtige Zuwendungsbest&auml;tigungen ausgestellt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des dagegen gerichteten Einspruchsverfahrens veranlasste das FA auch in Bezug auf die Streitjahre eine erneute Pr&uuml;fung unter Ber&uuml;cksichtigung der vom Bundesfinanzhof (BFH) in einem Parallelverfahren aufgestellten Anforderungen an die Spendenhaftung (vgl. dazu BFH-Urteil vom 9.&nbsp;Mai 2007&nbsp;&nbsp;XI&nbsp;R&nbsp;23\/06, BFH\/NV 2007, 2251). Zu diesem Zweck verlangte die Pr&uuml;ferin vom Kl&auml;ger die Vorlage sowohl der Spendenbelege 1998 und 1999 als auch der den Aufwandsspenden zugrunde liegenden Beauftragungen. Der Kl&auml;ger brachte die angeforderten Unterlagen nicht bei. In seiner Einspruchsentscheidung vom 10.&nbsp;Januar 2014 setzte das FA die Haftungsbetr&auml;ge unter R&uuml;ckgriff auf die von ihm f&uuml;r die Vorjahre getroffenen Feststellungen im Wege einer Sch&auml;tzung der Haftungsgrundlagen f&uuml;r 1998 auf 443.800&nbsp;DM und f&uuml;r 1999 auf 150.360&nbsp;DM herab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Klageverfahren behauptete der Kl&auml;ger in einer &quot;Erkl&auml;rung an Eidesstatt&quot; seines Vorstandes (V), die von der Pr&uuml;ferin erbetenen Unterlagen seien anl&auml;sslich eines Umzugs seiner Gesch&auml;ftsstelle im September 2013 durch Zufall wieder aufgefunden worden. Davon habe V das FA am 10. und 11.&nbsp;September 2013 telefonisch unterrichtet. Dieses habe ihm jedoch mitgeteilt, die Pr&uuml;fung sei bereits abgeschlossen und die Kartons k&ouml;nnten nicht mehr &uuml;bergeben werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Er &uuml;bergab in Befolgung einer gerichtlichen Aufkl&auml;rungsanordnung (&sect;&nbsp;79b Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) betreffend die Vorlage &quot;s&auml;mtlicher Spendenquittungen, Belege und aller sonstigen entscheidungserheblichen Unterlagen zu den streitigen Spenden 1998 und 1999&quot; dem Finanzgericht (FG) 59 Ordner mit Fotokopien von Spendenbescheinigungen und weiteren Unterlagen. In einer weiteren Aufkl&auml;rungsanordnung forderte das FG den Kl&auml;ger u.a. auf, die ladungsf&auml;hige Anschrift des in der eidesstattlichen Versicherung genannten Umzugshelfers sowie den genauen Tag und Ort anzugeben, an dem die Belege wieder aufgefunden worden seien; ferner sei anzugeben, ob der Umzugshelfer den Vortrag in der eidesstattlichen Versicherung als Zeuge best&auml;tigen k&ouml;nne. Der Kl&auml;ger teilte daraufhin die Ladungsanschrift des Zeugen mit und gab an, dieser k&ouml;nne die in der eidesstattlichen Versicherung enthaltenen Ausf&uuml;hrungen best&auml;tigen; zum genauen Tag und Ort des Auffindens machte er keine erg&auml;nzenden Angaben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA trat dem Vorbringen des Kl&auml;gers zum Komplex des Auffindens der Unterlagen im Klageverfahren nicht entgegen. Auch das FG unterstellte diesen Vortrag ohne weitergehende Sachaufkl&auml;rung als wahr. Dennoch wies es die Klage mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2016, 1233 ver&ouml;ffentlichten Urteil ab. Dabei war das FG der Auffassung, seine Pr&uuml;fungskompetenz sei gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;102 FGO auf die Ermessensaus&uuml;bung des FA im Zeitpunkt der letzten Verwaltungsentscheidung beschr&auml;nkt. Infolgedessen sei der Inhalt der erstmals im Klageverfahren vorgelegten 59 Ordner f&uuml;r die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Haftungsbescheide nicht erheblich und daher von ihm nicht zu pr&uuml;fen gewesen. Die Ermessensaus&uuml;bung des FA selbst sah das FG als rechtsfehlerfrei an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision r&uuml;gt der Kl&auml;ger, das FG habe die von ihm im Klageverfahren vorgelegten Unterlagen unter Verkennung des Umfangs der gerichtlichen &Uuml;berpr&uuml;fungspflicht von Haftungsbescheiden als zweistufige Entscheidungen zu Unrecht nicht ber&uuml;cksichtigt. Insbesondere habe es selbst keine Tatsachen festgestellt, aus denen sich ergebe, dass der Kl&auml;ger den in &sect;&nbsp;10b Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG a.F. normierten Haftungstatbestand erf&uuml;llt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angefochtene Urteil in Bezug auf die Haftungsbescheide 1998 und 1999 vom 27.&nbsp;Dezember 2002 und vom 28.&nbsp;November 2003 aufzuheben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es handele sich bei einem Haftungsbescheid um einen einheitlichen Verwaltungsakt, dessen Tenor nur eine Regelung umfasse. W&uuml;rde die Zweistufigkeit der Haftungspr&uuml;fung auch auf den ma&szlig;geblichen Zeitpunkt f&uuml;r die Beurteilung der Rechtm&auml;&szlig;igkeit ausstrahlen, k&auml;me es bez&uuml;glich des Haftungstatbestands auf den Schluss der m&uuml;ndlichen Verhandlung und bez&uuml;glich der anschlie&szlig;enden Ermessensentscheidung auf den Zeitpunkt der Einspruchsentscheidung des FA an. Zur Vermeidung von Inkonsistenzen sei es erforderlich, bei der Beurteilung der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Haftungsbescheids insgesamt auf den Zeitpunkt der Einspruchsentscheidung abzustellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat bei der zweigliedrigen &Uuml;berpr&uuml;fung von Haftungsbescheiden die Voraussetzungen des Haftungstatbestands des &sect;&nbsp;10b Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 EStG a.F. (&quot;erste Stufe&quot;) bejaht, ohne die vom Kl&auml;ger vorgelegten weiteren Beweismittel zu ber&uuml;cksichtigen. Daran hat es sich zu Unrecht aufgrund eines zu weiten Verst&auml;ndnisses des ausschlie&szlig;lich die Ermessensaus&uuml;bung (&quot;zweite Stufe&quot;) betreffenden &sect;&nbsp;102 Satz&nbsp;1 FGO gehindert gesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der Rechtsprechung des BFH ist die Entscheidung &uuml;ber die Inanspruchnahme eines Haftungsschuldners zweigliedrig aufgebaut. Danach hat das FA zun&auml;chst zu pr&uuml;fen, ob in der Person, die es zur Haftung heranziehen will, die tatbestandlichen Voraussetzungen der jeweiligen Haftungsnorm erf&uuml;llt sind. Insoweit ist die Entscheidung keine Ermessensentscheidung i.S. von &sect;&nbsp;5 der Abgabenordnung (AO), &sect;&nbsp;102 FGO, sondern eine vom FG in vollem Umfang zu &uuml;berpr&uuml;fende rechtlich gebundene Entscheidung (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. grundlegend BFH-Urteil vom 13.&nbsp;April 1978 V&nbsp;R&nbsp;109\/75, BFHE 125, 126, BStBl II 1978, 508, unter 1., das noch zu dem fr&uuml;heren &#8211;sinngem&auml;&szlig; gleichen&#8211; Regelungsgehalt der &sect;&sect;&nbsp;109, 118 der Reichsabgabenordnung ergangen ist, sowie dieses best&auml;tigend BFH-Urteil vom 18.&nbsp;Mai 1983 I&nbsp;R&nbsp;193\/79, BFHE 138, 335, BStBl II 1983, 544, m.w.N.). Erst danach, auf der zweiten Stufe, entscheidet die Finanzbeh&ouml;rde nach ihrem Ermessen (s. z.B. Loose in Tipke\/ Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;191 AO Rz&nbsp;11).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;hrt das Klageverfahren im Rahmen der ersten Pr&uuml;fungsstufe aufgrund neu hinzugekommener tats&auml;chlicher Feststellungen oder aufgrund einer von der Rechtsauffassung des FA abweichenden Beurteilung der Voraussetzungen der jeweiligen Haftungsnorm zu anderen Grundlagen der Ermessensentscheidung und erm&ouml;glichen diese tats&auml;chlichen oder rechtlichen Erkenntnisse eine dem Kl&auml;ger g&uuml;nstigere Ermessensentscheidung, so ist dem angefochtenen Verwaltungsakt der Boden entzogen (so ausdr&uuml;cklich BFH-Urteil in BFHE 125, 126, BStBl II 1978, 508, unter 1.). Dies muss erst recht gelten, wenn die Pr&uuml;fung auf der ersten Stufe ergibt, dass die tatbestandlichen Voraussetzungen der Haftungsnorm gar nicht erf&uuml;llt waren bzw. sind. Auch in diesem Fall ist f&uuml;r eine weitergehende Ermessensaus&uuml;bung kein Raum und der entsprechende Haftungsbescheid als rechtswidrig aufzuheben. Dies gilt selbst dann, wenn der in Anspruch Genommene seinen Mitwirkungspflichten zur Aufkl&auml;rung des Sachverhalts nicht nachgekommen ist (BFH-Urteil in BFHE 125, 126, BStBl II 1978, 508, unter 1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung hat f&uuml;r die gerichtliche &Uuml;berpr&uuml;fung von Haftungsbescheiden zur Folge, dass hinsichtlich der sog. ersten Stufe &#8211;abgesehen vom Eingreifen einer etwaigen Pr&auml;klusion (z.B. nach &sect;&nbsp;79b Abs.&nbsp;3 FGO)&#8211; derjenige Sach- und Streitstand zugrunde zu legen ist, wie er sich am Schluss der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem Tatsachengericht darstellt. Demgegen&uuml;ber kommt es bei der &Uuml;berpr&uuml;fung der Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Ermessensaus&uuml;bung auf der sog. zweiten Stufe auf die tats&auml;chliche und rechtliche Situation im Zeitpunkt der letzten Verwaltungsentscheidung &#8211;dies ist in der Regel der Zeitpunkt der Einspruchsentscheidung&#8211; an (ebenfalls st&auml;ndige BFH-Rechtsprechung, vgl. aus j&uuml;ngerer Zeit z.B. BFH-Urteil vom 26.&nbsp;Juni 2014 IV&nbsp;R&nbsp;17\/14, BFH\/NV 2014, 1507, Rz&nbsp;26).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Grunds&auml;tze erweist sich die &Uuml;berpr&uuml;fung der Haftungsbescheide 1998 und 1999 durch das FG als rechtlich unzureichend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat zu Unrecht nicht die tatbestandlichen Voraussetzungen der vom FA angenommenen Ausstellerhaftung des Kl&auml;gers nach &sect;&nbsp;10b Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 EStG a.F. gepr&uuml;ft. Nach dieser Vorschrift haftet derjenige, der vors&auml;tzlich oder grob fahrl&auml;ssig eine unrichtige Best&auml;tigung &uuml;ber Zuwendungen &#8211;u.a. an eine politische Partei i.S. von &sect;&nbsp;2 des Parteiengesetzes&#8211; ausstellt, f&uuml;r die aufgrund des vom Zuwendenden geltend gemachten Sonderausgabenabzugs entgangenen Steuern. Der Umfang dieser Haftung betrug f&uuml;r die Streitjahre 40&nbsp;v.H. des jeweils zugewendeten Betrags (&sect;&nbsp;10b Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 EStG a.F).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;10b Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 EStG a.F. setzt damit voraus, dass von dem als Haftenden in Anspruch genommenen Zuwendungsempf&auml;nger unrichtige Best&auml;tigungen ausgestellt worden sind. Dabei bezieht sich die Unrichtigkeit der Zuwendungsbest&auml;tigung auf die Angaben, die f&uuml;r den Abzug als Sonderausgaben wesentlich sind, insbesondere also auf die H&ouml;he des zugewendeten Betrags, den beabsichtigten Verwendungszweck und den steuerbeg&uuml;nstigten Status der spendenempfangenden K&ouml;rperschaft (BFH-Urteil vom 12.&nbsp;August 1999 XI&nbsp;R&nbsp;65\/98, BFHE 190, 144, BStBl II 2000, 65, unter II.1.a). Im Falle der hier streitgegenst&auml;ndlichen Aufwandsspenden darf eine Spendenbest&auml;tigung nur ausgestellt werden, wenn bei dem jeweiligen Spender eine tats&auml;chliche Verm&ouml;genseinbu&szlig;e eingetreten ist (vgl. hierzu im Einzelnen BFH-Urteil in BFH\/NV 2007, 2251, unter II.2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hierzu enth&auml;lt das angefochtene Urteil keine Ausf&uuml;hrungen, die den Sach- und Streitstand zum Schluss der m&uuml;ndlichen Verhandlung zugrunde legen. Das FG hat nicht beachtet, dass der Kl&auml;ger auf seine Anordnung hin 59 Ordner und weitere Unterlagen vorgelegt hatte, bei denen es sich laut &Uuml;bergabeprotokoll um Unterlagen zu Barspenden und Beauftragungen aus den Jahren 1998 und 1999 handelte. Diese Beweismittel h&auml;tte es auswerten und bei der &Uuml;berpr&uuml;fung der Haftungsbescheide auf der sog. ersten Stufe ber&uuml;cksichtigen m&uuml;ssen. Das FG wird diese notwendige Pr&uuml;fung im zweiten Rechtsgang nachzuholen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der erkennende Senat sieht keine Gefahr, dass es zu den vom FA bef&uuml;rchteten Inkonsistenzen in Bezug auf den Erlass eines einheitlichen Haftungsbescheids kommen wird. Der Gefahr eines &quot;Nachschiebens von Beweismitteln&quot; kann mit der M&ouml;glichkeit, Fristen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;364b AO bzw. &sect;&nbsp;79b FGO zu setzen, sowie mit der Kostenfolge des &sect;&nbsp;137 FGO hinreichend begegnet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Dass das FG den Inhalt der &uuml;berlassenen Ordner und Unterlagen unter Berufung auf &sect;&nbsp;102 FGO nicht ber&uuml;cksichtigt hat, erweist sich als materiell-rechtlicher Fehler. &sect;&nbsp;102 FGO beschr&auml;nkt die allgemein bestehende Pr&uuml;fungskompetenz des Tatsachengerichts hinsichtlich des angefochtenen Verwaltungsakts bei Ermessensentscheidungen auf die Frage, ob die gesetzlichen Grenzen des Ermessens beachtet sind oder bestehendes Ermessen nicht oder fehlerhaft ausge&uuml;bt worden ist (z.B. BFH-Beschluss vom 22.&nbsp;Juli 2002 VII&nbsp;B&nbsp;296\/01, BFH\/NV 2002, 1485, unter II.1.a). Beachtet das FG nicht, dass es sich bei der angefochtenen Entscheidung um eine Ermessensentscheidung handelt, und pr&uuml;ft es nicht, ob das Ermessen ausge&uuml;bt und gegebenenfalls, ob von ihm innerhalb der bestehenden Grenzen Gebrauch gemacht wurde, wird dies als materieller Fehler und nicht als Verfahrensfehler angesehen (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2002, 1485, unter II.1.a). Nichts anderes kann f&uuml;r den hier vorliegenden, gleichsam umgekehrten Fall gelten, dass das FG den Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;102 FGO zu weit zieht und den Umfang seiner Pr&uuml;fungskompetenz auch im Hinblick auf Fragen des Tatbestands einer Ermessensvorschrift als eingeschr&auml;nkt ansieht. Auch solches Fehlverst&auml;ndnis bedingt eine materiell-rechtliche Fehlerhaftigkeit des Urteils, stellt aber keinen Verfahrensversto&szlig; dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Da die Vorentscheidung bereits aufgrund dieses materiell-rechtlichen Mangels aufzuheben ist, kommt es auf die vom Kl&auml;ger erhobenen Verfahrensr&uuml;gen nicht mehr an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.9.2016, X R 36\/15ECLI:DE:BFH:2016:U.200916.XR36.15.0 Zweistufige Pr&uuml;fung bei Haftungsbescheiden Tenor Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen, Au&szlig;ensenate Augsburg, vom 24. Februar 2015&nbsp;&nbsp;6 K 299\/14 aufgehoben, soweit die Klage gegen den Haftungsbescheid 1998 vom 27. Dezember 2002 und den Haftungsbescheid 1999 vom 28. November 2003 abgewiesen worden ist. 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