{"id":67267,"date":"2017-06-01T08:47:39","date_gmt":"2017-06-01T06:47:39","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67267"},"modified":"2017-06-01T08:47:39","modified_gmt":"2017-06-01T06:47:39","slug":"v-r-70-14-die-foerderung-von-turnierbridge-ist-fuer-gemeinnuetzig-zu-erklaeren-verfahren-nach-par-52-abs-2-saetze-2-und-3-ao","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-70-14-die-foerderung-von-turnierbridge-ist-fuer-gemeinnuetzig-zu-erklaeren-verfahren-nach-par-52-abs-2-saetze-2-und-3-ao\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;70\/14 &#8211; Die F&ouml;rderung von Turnierbridge ist f&uuml;r gemeinn&uuml;tzig zu erkl&auml;ren &#8211; Verfahren nach &sect; 52 Abs. 2 S&auml;tze 2 und 3 AO"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.2.2017, V R 70\/14<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.090217.VR70.14.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Die F&ouml;rderung von Turnierbridge ist f&uuml;r gemeinn&uuml;tzig zu erkl&auml;ren &#8211; Verfahren nach &sect; 52 Abs. 2 S&auml;tze 2 und 3 AO<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Aus der Generalklausel des &sect; 52 Abs. 1 AO und einem Vergleich mit dem in &sect; 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 21 AO genannten Katalogzweck &quot;Schach&quot; ergibt sich, dass auch die F&ouml;rderung von Turnierbridge f&uuml;r gemeinn&uuml;tzig zu erkl&auml;ren ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Eine &quot;entsprechende&quot; F&ouml;rderung i.S. des &sect; 52 Abs. 2 Satz 2 AO verlangt, dass der Zweck die Allgemeinheit in vergleichbarer Weise f&ouml;rdert wie die in &sect; 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 bis 25 AO genannten Zwecke.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. Erf&uuml;llt der von einer K&ouml;rperschaft verfolgte Zweck die Voraussetzungen des &sect; 52 Abs. 2 Satz 2 AO, ist er f&uuml;r gemeinn&uuml;tzig zu erkl&auml;ren; ein Ermessen der Verwaltung besteht nicht.<\/p>\n<\/p>\n<p>4. Bei dem Verfahren nach &sect; 52 Abs. 2 S&auml;tze 2 und 3 AO handelt es sich um ein eigenst&auml;ndiges Verfahren mit Verwaltungsaktqualit&auml;t.<\/p>\n<\/p>\n<p>5. Kommt ein Landes-Finanzministerium seiner Verpflichtung zur Bestimmung einer Beh&ouml;rde nach &sect; 52 Abs. 2 Satz 3 AO nicht nach, ist das jeweilige Finanzministerium als oberste Finanzbeh&ouml;rde des Landes zust&auml;ndig.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 17. Oktober 2013&nbsp;&nbsp;13 K 3949\/09 wird zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beteiligten streiten &uuml;ber die Frage, ob der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) nach der &Ouml;ffnungsklausel des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 S&auml;tze&nbsp;2 und 3 der Abgabenordnung (AO) als gemeinn&uuml;tzig anzuerkennen ist oder ob er jedenfalls einen Anspruch auf erneute Bescheidung seines diesbez&uuml;glichen Antrags hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger ist ein seit 1949 bestehender, im Vereinsregister eingetragener Verein. Er ist ein Dachverband von Bridge-Vereinen, die den Bridgesport in den L&auml;ndern der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) pflegen und f&ouml;rdern. Unter ihm befinden sich 14&nbsp;Regionalverb&auml;nde und ca. 500&nbsp;Bridgevereine. Hierzu geh&ouml;ren ausweislich der Satzung insbesondere alle bridgesportlichen Aktivit&auml;ten, die der V&ouml;lkerverst&auml;ndigung in Deutschland und im Ausland, dem kulturellen, sozialen und karitativen Austausch mit Menschen verschiedener Nationalit&auml;t, Herkunft und Generation, der F&ouml;rderung der Jugend und der Wahrung der besonderen Belange der &auml;lteren Generation dienen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger nimmt als nationaler Verband alle Aufgaben wahr, die &uuml;ber die Aufgaben seiner Mitgliedsvereine und Regionalverb&auml;nde (Mitglieder) hinausgehen. Er ist insbesondere zust&auml;ndig f&uuml;r die Vertretung der Interessen des deutschen Sports auf nationaler und internationaler Ebene, die Organisation und Reglementierung des nationalen und internationalen Sportbetriebs, die Veranstaltung nationaler und internationaler Wettbewerbe, die Organisation der &Ouml;ffentlichkeitsarbeit, das Unterrichts- und Turnierwesen und die Verwaltung von Mitgliederdaten. Nach &sect;&nbsp;3 seiner Satzung ist er Gr&uuml;ndungsmitglied der &quot;European Bridge League&quot; und Mitglied der &quot;World Bridge Federation&quot; (WBF). Er strebt eine Mitgliedschaft im Deutschen Olympischen Sportbund (Zusammenschluss des Deutschen Sportbundes und des Nationalen Olympischen Komitees f&uuml;r Deutschland) an. Die WBF ist als &quot;Recognized International Federation&quot; und &quot;Recognized Member&quot; Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Au&szlig;erdem ist er Vollmitglied der &quot;General Association of International Sports Federations&quot; (jetzt: &quot;SportAccord&quot;), einem weltweiten Zusammenschluss von Sportverb&auml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Mitglieder des Kl&auml;gers praktizieren Turnierbridge gem&auml;&szlig; den Regeln des WBF in einem deutschen Ligasystem sowie weiteren nationalen und internationalen Wettbewerben. Wettbewerbe werden nach einer Turnierordnung des Kl&auml;gers ausgerichtet. Der Kl&auml;ger organisiert den Spielbetrieb f&uuml;r seine Mitglieder in einem deutschen Ligasystem, das &auml;hnlich aufgebaut ist wie Ligasysteme anderer Sportarten (Kreisliga, Regionalliga, Bundesliga). International werden Europa- und Weltmeisterschaften unter Federf&uuml;hrung der European Bridge League oder des WBF organisiert, an denen Mitglieder des Kl&auml;gers teilnehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter dem 16.&nbsp;September 2008 (K&ouml;rperschaftsteuer 2007) und dem 23.&nbsp;Juni 2009 (K&ouml;rperschaftsteuer 2008) erlie&szlig; das Finanzamt (FA) K&ouml;rperschaftsteuerbescheide, in denen es positive K&ouml;rperschaftsteuerbetr&auml;ge festsetzte. Die hiergegen gerichtete Klage wies das Finanzgericht (FG) mit Zwischenurteil als unbegr&uuml;ndet ab; die Revision (V&nbsp;R&nbsp;69\/14) hat der erkennende Senat mit Urteil vom 9.&nbsp;Februar 2017 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 31.&nbsp;M&auml;rz 2009 beantragte der Kl&auml;ger beim FA, den Bridgesport nach der sog. &Ouml;ffnungsklausel des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO f&uuml;r gemeinn&uuml;tzig zu erkl&auml;ren. Diesen Antrag lehnte das FA mit Bescheid vom 29.&nbsp;November 2010 ab und wies den Einspruch mit Einspruchsentscheidung vom 14.&nbsp;November 2012 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daneben teilte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzministerium des Landes Nordrhein-Westfalen &#8211;Finanzministerium&#8211;) dem Kl&auml;ger mit Schreiben vom 9.&nbsp;November 2012 mit, dass eine Anerkennung als gemeinn&uuml;tzige K&ouml;rperschaft gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO nicht in Betracht komme. Das Schreiben enthielt keine Rechtsbehelfsbelehrung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger erhob gegen die Ablehnung seines Antrags auf Anerkennung nach der &Ouml;ffnungsklausel (Anfechtungs-)Klage gegen das FA und hinsichtlich des ablehnenden Schreibens des Finanzministeriums (Verpflichtungs-)Klage gegen das Finanzministerium. Das FG gab den Klagen mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2014, 484 ver&ouml;ffentlichten Urteil statt:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Ablehnungsbescheid des FA in Gestalt der Einspruchsentscheidung sei schon deshalb rechtswidrig, weil das FA f&uuml;r Entscheidungen nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO nicht zust&auml;ndig sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch die gegen das Finanzministerium gerichtete Verpflichtungsklage sei zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet. Die Regelung des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 S&auml;tze&nbsp;2 und 3 AO stelle ein vom Veranlagungsverfahren getrenntes eigenst&auml;ndiges Verfahren dar, das dem Kl&auml;ger einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch auf eine rechtsfehlerfreie Entscheidung &uuml;ber die Aufnahme eines neuen steuerbeg&uuml;nstigten Zwecks gew&auml;hre. Bei dem Schreiben vom 9.&nbsp;November 2012 handele es sich um einen ablehnenden Verwaltungsakt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzministerium sei der richtige Beklagte, weil das Land keine Zentralbeh&ouml;rde bestimmt habe und es deshalb bei einer Zust&auml;ndigkeit des Beklagten bleibe. Der Verpflichtungsantrag sei auch begr&uuml;ndet, weil der Kl&auml;ger einen Anspruch auf Anerkennung von Turnierbridge als gemeinn&uuml;tzigem Zweck habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzministerium wendet sich mit der Revision gegen die vom FG ausgesprochene Verpflichtung, Turnierbridge im Wege der sog. &Ouml;ffnungsklausel des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO als gemeinn&uuml;tzig anzuerkennen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung tr&auml;gt das Finanzministerium vor, das Anerkennungsverfahren sei kein eigenst&auml;ndiges Verfahren. Vielmehr sei &uuml;ber die Anerkennung im Rahmen des Veranlagungsverfahrens bzw. im Rahmen des Verfahrens nach &sect;&nbsp;60a AO zu entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Entscheidung &uuml;ber die Gemeinn&uuml;tzigkeit zus&auml;tzlicher Zwecke stelle mangels Au&szlig;enwirkung gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger keinen Verwaltungsakt dar. Sie entfalte blo&szlig; Innenwirkung gegen&uuml;ber dem jeweiligen Veranlagungs-FA und sei nicht selbst&auml;ndig anfechtbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG habe Turnierbridge im Rahmen der &Ouml;ffnungsklausel zu Unrecht als zus&auml;tzlichen gemeinn&uuml;tzigen Zweck anerkannt, denn nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO k&ouml;nnten nur im Zeitpunkt der Einf&uuml;hrung dieser Norm noch nicht bekannte Zwecke anerkannt werden. Mit der &Ouml;ffnungsklausel habe den Finanzbeh&ouml;rden die M&ouml;glichkeit er&ouml;ffnet werden sollen, auf sich &auml;ndernde gesellschaftliche Verh&auml;ltnisse zu reagieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Anerkennung des Turnierbridge als zus&auml;tzlicher gemeinn&uuml;tziger Zweck sei auch unter dem Gesichtspunkt des Gewaltenteilungsgrundsatzes fragw&uuml;rdig. Denn es sei davon auszugehen, dass der Gesetzgeber sich gegen eine Anerkennung von Turnierbridge entschieden habe, weil er Turnierbridge nicht in den Katalog des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO aufgenommen habe. Eine etwaige Anerkennung durch die Finanzverwaltung stehe in einem Widerspruch zu dem erkennbaren gesetzgeberischen Willen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Anerkennung des Turnierbridge komme im &Uuml;brigen nicht in Betracht, weil Freizeitaktivit&auml;ten nur im Rahmen des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;23 AO anzuerkennen seien. Die Freizeitaktivit&auml;t m&uuml;sse entweder in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;23 AO ausdr&uuml;cklich genannt oder aber hinsichtlich der Merkmale, die die steuerrechtliche F&ouml;rderung rechtfertigen, mit den im Katalog genannten Freizeitaktivit&auml;ten identisch sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das beigetretene Bundesministerium der Finanzen (BMF) macht geltend, eine Anerkennung nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO komme nur in Betracht, wenn der verfolgte Zweck in gleicher Weise und mindestens in gleichem Umfang wie die F&ouml;rderung der in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO genannten gemeinn&uuml;tzigen Zwecke geeignet sei, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet zu f&ouml;rdern. Das sei bei Turnierbridge nicht der Fall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzministerium beantragt,<br \/>das Urteil der Vorinstanz aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das beigetretene BMF hat keinen Antrag gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen die Aufhebung des Ablehnungsbescheides vom 29.&nbsp;November 2010 und der hierzu ergangenen Einspruchsentscheidung vom 14.&nbsp;November 2012 hatte auch das FA Revision eingelegt, nahm diese aber mit Schriftsatz vom 28.&nbsp;Februar 2014 wieder zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des Finanzministeriums ist unbegr&uuml;ndet und wird deshalb zur&uuml;ckgewiesen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat zu Recht entschieden, dass der Kl&auml;ger einen Anspruch gegen das Finanzministerium auf Anerkennung der F&ouml;rderung von Turnierbridge als gemeinn&uuml;tzig nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO, &sect;&nbsp;101 Satz&nbsp;1 FGO hat, weil Turnierbridge zwar nicht unter &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO f&auml;llt, die Allgemeinheit aber auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet entsprechend selbstlos f&ouml;rdert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der vom Kl&auml;ger verfolgte Zweck ist die F&ouml;rderung von Turnierbridge. Dieser Zweck f&auml;llt nicht unter &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO, f&ouml;rdert aber die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet entsprechend. &quot;<em>Entsprechend<\/em>&quot; bedeutet, dass der gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO zu pr&uuml;fende Zweck die Allgemeinheit in vergleichbarer Weise f&ouml;rdert wie die in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 bis 25 AO genannten Zwecke. Das Gesetz verlangt keine Zweckidentit&auml;t, sondern eine Gleichartigkeit (Vergleichbarkeit) der Zwecke. Die Entscheidung &uuml;ber die Gemeinn&uuml;tzigkeit dieses Zwecks ist damit auf der Grundlage der Wertungen des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO zu treffen. Dabei muss sich die Entscheidung an Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) messen lassen. Der von der K&ouml;rperschaft verfolgte Zweck muss sich folgerichtig in das F&ouml;rderprogramm des Gesetzes einpassen, wie es in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO zum Ausdruck kommt. Er muss sich aber nicht erst aufgrund einer neuen gesellschaftlichen Entwicklung herausgebildet haben. Zwar hat das Gesetz zur St&auml;rkung des b&uuml;rgerschaftlichen Engagements (BGBl I 2007, 2332) &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 S&auml;tze&nbsp;2 und 3 AO eingef&uuml;hrt, um den Finanzbeh&ouml;rden die Gelegenheit zu geben, auf sich &auml;ndernde gesellschaftliche Verh&auml;ltnisse zu reagieren (vgl. den Bericht des Finanzausschusses, BTDrucks 16\/5985, S.&nbsp;11). Ver&auml;nderte gesellschaftliche Voraussetzungen geh&ouml;ren aber nicht zu den tatbestandlichen Voraussetzungen f&uuml;r die Anerkennung (so auch Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;52 AO Rz&nbsp;70). Vielmehr darf der von der K&ouml;rperschaft verfolgte Zweck nicht unter &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO fallen, muss die Allgemeinheit aber auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet entsprechend selbstlos f&ouml;rdern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben muss die F&ouml;rderung von Turnierbridge f&uuml;r gemeinn&uuml;tzig erkl&auml;rt werden. Dies ergibt sich sowohl aus einem Vergleich von Turnierbridge mit dem in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;21 AO genannten Katalogzweck &quot;Schach&quot; als auch aus der Generalklausel des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;1 AO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;21 AO sind als F&ouml;rderung der Allgemeinheit anzuerkennen: &quot;die F&ouml;rderung des Sports (Schach gilt als Sport)&quot;. Turnierbridge weist erhebliche &Auml;hnlichkeiten zum Schach auf. Auch das vom Kl&auml;ger organisierte Turnierbridge ist aufgrund der Spielmodalit&auml;ten weitestgehend von Zufallselementen befreit. Zudem erfordert Turnierbridge, ebenso wie Schach, erhebliche intellektuelle Anstrengungen sowie hohe Merk-, Konzentrations- und Kombinationsf&auml;higkeiten. Die Aufnahme von Schach in den Gemeinn&uuml;tzigkeitskatalog (vgl. BTDrucks 8\/3142, S.&nbsp;3) ist gerade damit begr&uuml;ndet worden, dass die intellektuelle und willensm&auml;&szlig;ige Anspannung beim Schach zu folgerichtigem Denken erzieht, Kombinations- und Konzentrationsf&auml;higkeit &uuml;bt und Entschlusskraft und kritische Selbsteinsch&auml;tzung f&ouml;rdert. Diese Kriterien treffen ebenso auf Turnierbridge zu. Es ist deshalb aus gleichheitsrechtlichen Erw&auml;gungen kein Differenzierungsgrund erkennbar, der es rechtfertigen k&ouml;nnte, Schach als gemeinn&uuml;tzig zu f&ouml;rdern, Turnierbridge dagegen nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Turnierbridge weist &uuml;berdies Elemente zahlreicher anderer Katalogzwecke auf, ohne unmittelbar unter einen subsumiert werden zu k&ouml;nnen. So &auml;hnelt Turnierbridge insoweit dem Sport (&sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;21 AO), als Turnierbridge ebenso wie verschiedene Sportarten in einem deutschen Ligasystem sowie weiteren nationalen und internationalen Wettbewerben betrieben wird. Das System ist in Anlehnung zu anderen Sportarten organisiert, international wird Bridge vielfach als Sportart angesehen, wie u.a. die Aufnahme als &quot;Recognized Member&quot; in das IOC zeigt. Der Kl&auml;ger organisiert Turnierbridge dabei in einer Art und Weise, die der F&ouml;rderung des Breitensports durch Sportvereine nahe kommt und &auml;hnlich positive Wirkungen f&uuml;r die Allgemeinheit hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Damit f&ouml;rdert der vom Kl&auml;ger verfolgte Zweck die Allgemeinheit insbesondere auf geistigem Gebiet (entsprechend dem Katalogzweck Schach), aber auch auf sittlichem Gebiet entsprechend den vom Gesetz in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO herausgestellten gemeinn&uuml;tzigen Zwecken und ist deshalb als gemeinn&uuml;tzig zu erkl&auml;ren. Obschon die Norm auf ihrer Rechtsfolgenseite mit dem Wort &quot;<em>kann<\/em>&quot; auf ein Ermessen der Finanzbeh&ouml;rde hindeutet, hat die Beh&ouml;rde bei ihrer Entscheidung nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO kein Ermessen im eigentlichen Sinne. Vielmehr dr&uuml;ckt die Norm damit ihre tatbestandliche &Ouml;ffnung f&uuml;r weitere, im Gesetz nicht explizit genannte Zwecke aus. Erf&uuml;llt der von der K&ouml;rperschaft verfolgte Zweck die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO, ist er gemeinn&uuml;tzig und muss als solcher erkl&auml;rt werden (so auch die h.M. im Schrifttum, vgl. z.B. Geibel in Winheller\/Geibel\/Jachmann-Michel, Gesamtes Gemeinn&uuml;tzigkeitsrecht, 2017, &sect;&nbsp;52 AO Rz&nbsp;255, m.w.N.; Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect;&nbsp;52 AO Rz&nbsp;72; vgl. auch unter 3.d).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das Finanzministerium ist &#8211;wie das FG zutreffend entschieden hat&#8211; verpflichtet, Turnerbridge gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO anzuerkennen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Verpflichtungsklage ist statthaft. Der Kl&auml;ger begehrt die Verurteilung des Finanzministeriums zum Erlass eines abgelehnten Verwaltungsakts. Bei dem Verfahren nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 S&auml;tze&nbsp;2 und 3 AO handelt es sich um ein eigenst&auml;ndiges Verfahren mit Verwaltungsaktqualit&auml;t (zutreffend Seer in Tipke\/ Kruse, a.a.O., &sect;&nbsp;52 AO Rz&nbsp;72; H&uuml;ttemann, Gemeinn&uuml;tzigkeits- und Spendenrecht, 3.&nbsp;Aufl., K&ouml;ln 2015, Rz&nbsp;3.151, 3.153; derselbe, Der Betrieb &#8211;DB&#8211; 2007, 2053, 2055; Droege, Gemeinn&uuml;tzigkeit im offenen Steuerstaat, T&uuml;bingen 2010, S.&nbsp;164; Schauhoff\/Kirchhain, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2007, 1985, 1990; Musil in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;52 AO Rz&nbsp;258; wohl auch Klein\/Gersch, AO, 13.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;52 Rz&nbsp;50; Koenig, Abgabenordnung, 3.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;52 Rz&nbsp;67). Die Entscheidung der Beh&ouml;rde &uuml;ber die Gemeinn&uuml;tzigkeit hat nicht nur Innenwirkung gegen&uuml;ber dem FA und bildet keinen nicht selbst&auml;ndig anfechtbaren Teil der Begr&uuml;ndung des K&ouml;rperschaftsteuerbescheids des FA (a.A. Jachmann in Beermann\/Gosch, AO &sect;&nbsp;52 Rz&nbsp;125, die von einer Ermessensentscheidung der Beh&ouml;rde ausgeht; Muth, Steuern und Bilanzen 2008, 94, 95; Nacke, Deutsche Steuer-Zeitung 2008, 445, 453; Schauhoff\/Kirchhain, DStR 2007, 1985, 1990).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn das verfassungsrechtlich verankerte Gebot effektiven Rechtsschutzes (Art.&nbsp;19 Abs.&nbsp;4 GG) gebietet es, dem Steuerpflichtigen die M&ouml;glichkeit zu er&ouml;ffnen, die Anerkennung unmittelbar gegen&uuml;ber der zust&auml;ndigen Beh&ouml;rde durchzusetzen. Das Grundrecht des Art.&nbsp;19 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 GG garantiert jedem den Rechtsweg, der geltend macht, durch die &ouml;ffentliche Gewalt in eigenen Rechten verletzt zu sein. Damit wird sowohl der Zugang zu den Gerichten als auch die Wirksamkeit des Rechtsschutzes gew&auml;hrleistet. Der B&uuml;rger hat einen Anspruch auf eine m&ouml;glichst wirksame gerichtliche Kontrolle in allen ihm von der Prozessordnung zur Verf&uuml;gung gestellten Instanzen, wobei es keinen Unterschied macht, ob es sich um Eingriffe in gesch&uuml;tzte Rechtspositionen oder die Versagung gesetzlich einger&auml;umter Leistungsanspr&uuml;che handelt (Beschl&uuml;sse des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 31.&nbsp;Mai 2011&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;857\/07, BVerfGE 129, 1, 20, Rz&nbsp;68; vom 23.&nbsp;Mai 2006&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;2530\/04, BVerfGE 116, 1, 11; vom 25.&nbsp;Oktober 1988&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;745\/88, BVerfGE 79, 69, 74; vom 20.&nbsp;April 1982&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvL&nbsp;26\/81, BVerfGE 60, 253, 297; vom 19.&nbsp;Oktober 1977&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;42\/76, BVerfGE 46, 166, 177&nbsp;ff.; vom 29.&nbsp;Oktober 1975&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR 630\/73, BVerfGE 40, 272, 275; vom 27.&nbsp;April 1971&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;708\/65, 31, 33 &lt;39&nbsp;f.&gt;; BVerfG-Urteil vom 18.&nbsp;Juli 2005&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;2236\/04, BVerfGE&nbsp;113, 273, 310; vgl. auch Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 22.&nbsp;Oktober 2014 X&nbsp;R&nbsp;18\/14, BFHE 247, 312, BStBl II 2015, 371, Rz&nbsp;44; BFH-Beschluss vom 6.&nbsp;Februar 2013 XI&nbsp;B&nbsp;125\/12, BFHE 239, 390, BStBl II 2013, 983, Rz&nbsp;24).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Eine nur Inzidenter-Pr&uuml;fung im Rahmen der Anfechtungsklage gegen den K&ouml;rperschaftsteuerbescheid erf&uuml;llt diese Anforderungen nicht, weil der K&ouml;rperschaft damit die M&ouml;glichkeit genommen w&uuml;rde, sich unmittelbar gegen die eigentlich ablehnende Entscheidung zu wehren. Sie k&ouml;nnte sich nur mittelbar &uuml;ber den K&ouml;rperschaftsteuerbescheid gegen eine Beh&ouml;rde (das FA) wenden, die die ablehnende Entscheidung gar nicht getroffen hat. Zudem ist auch ungekl&auml;rt, wie eine K&ouml;rperschaft im Rahmen der Anfechtungsklage gegen den K&ouml;rperschaftsteuerbescheid ihren Anspruch auf Anerkennung nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO durchsetzen k&ouml;nnen soll. Denn die Finanzgerichte k&ouml;nnen weder die K&ouml;rperschaftsteuer selbst auf Null herabsetzen, weil sie nicht selbst die Anerkennung aussprechen k&ouml;nnen, noch k&ouml;nnen sie die Finanz&auml;mter als nicht zust&auml;ndige Beh&ouml;rden zu einer anerkennenden Entscheidung im Festsetzungsverfahren verpflichten. Das FG hat daher zutreffend entschieden, dass diese verfahrensrechtlichen Fiktionen nicht vom Gesetzgeber beabsichtigt sein k&ouml;nnen und sich von anderen F&auml;llen, in denen blo&szlig;e verwaltungsinterne Zustimmungserfordernisse bestehen, unterscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Im Streitfall kommt hinzu, dass das Finanzministerium gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger mit Schreiben vom 9.&nbsp;November 2012 tats&auml;chlich einen ablehnenden Verwaltungsakt erlassen hat. Die Frage, ob eine Ma&szlig;nahme Verwaltungsaktqualit&auml;t hat, ist der Auslegung zug&auml;nglich (vgl. Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect;&nbsp;118 AO Rz&nbsp;51&nbsp;f.). Ma&szlig;geblich ist, wie der Bekanntgabeadressat den Ausspruch nach den ihm bekannten Umst&auml;nden unter Ber&uuml;cksichtigung von Treu und Glauben verstehen durfte und musste (Seer, a.a.O., &sect;&nbsp;118 AO Rz&nbsp;52, m.w.N. aus der Rechtsprechung). Unklarheiten gehen zu Lasten der Beh&ouml;rde. Die Rechtsbehelfsbelehrung ist zwar kein Bestandteil des Verwaltungsakts, dem Vorhandensein oder Fehlen einer Rechtsbehelfsbelehrung kommt aber eine gewisse Indizwirkung zu (BFH-Urteil vom 19.&nbsp;Mai 2004 III&nbsp;R&nbsp;18\/02, BFHE 206, 201, BStBl II 2004, 980). Vorliegend ist dem Schreiben vom 9.&nbsp;November 2012 zwar keine Rechtsbehelfsbelehrung beigef&uuml;gt gewesen. Da der Kl&auml;ger aber beim FA mit Schreiben vom 31.&nbsp;M&auml;rz 2009 einen anerkennenden Verwaltungsakt beantragt hat, hat er die ablehnende Antwort des Finanzministeriums nur als ablehnenden Verwaltungsakt verstehen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das Finanzministerium ist auch der richtige Beklagte. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 AO haben die obersten Finanzbeh&ouml;rden der L&auml;nder jeweils eine Finanzbeh&ouml;rde im Sinne des Finanzverwaltungsgesetzes (FVG) zu bestimmen, die f&uuml;r Entscheidungen nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO zust&auml;ndig ist. Da das Land NRW seiner in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 AO geregelten rechtlichen Verpflichtung eine Zentralbeh&ouml;rde zu bestimmen, nicht nachgekommen ist, hat das FG zutreffend entschieden, dass es mangels ausge&uuml;bter Delegation bei der Zust&auml;ndigkeit des Finanzministeriums als oberste Finanzbeh&ouml;rde bleibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ein Vorverfahren ist vorliegend entbehrlich, weil gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;348 Nr.&nbsp;3&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Alternative AO ein Einspruch gegen Verwaltungsakte der obersten Finanzbeh&ouml;rden des Bundes und der L&auml;nder nicht statthaft ist, au&szlig;er wenn ein Gesetz das Einspruchsverfahren vorschreibt. Nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FVG i.V.m. &sect;&nbsp;3 des Landesorganisationsgesetzes NRW (LOG&nbsp;NRW) ist das Finanzministerium die f&uuml;r die Landesfinanzverwaltung NRW zust&auml;ndige oberste Landesbeh&ouml;rde. Ein Einspruchsverfahren ist f&uuml;r F&auml;lle des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO nicht gesetzlich vorgeschrieben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Der gerichtliche Pr&uuml;fungsumfang ist nicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;102 FGO eingeschr&auml;nkt, denn die Regelung des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO ist keine Ermessensvorschrift i.S. des &sect;&nbsp;5 AO (s. oben zu 2.b; vgl. ferner H&uuml;ttemann, a.a.O., Rz&nbsp;3.151, Rz&nbsp;3.153; derselbe, DB 2007, 2053, 2055; Droege, a.a.O., S.&nbsp;164; Schauhoff\/ Kirchhain, DStR 2007, 1985, 1990; Musil in HHSp, &sect;&nbsp;52 AO Rz&nbsp;257; Klein\/Gersch, a.a.O., &sect;&nbsp;52 Rz&nbsp;50; Koenig, a.a.O., &sect;&nbsp;52 Rz&nbsp;67; a.A. Jachmann in Beermann\/Gosch, &sect;&nbsp;52 AO Rz&nbsp;125).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Die in Tz.&nbsp;2.6 des Anwendungserlasses zur Abgabenordnung zu &sect;&nbsp;52 AO vorgesehene bundeseinheitliche Abstimmung hindert den Senat nicht daran durchzuentscheiden. Es handelt sich dabei um eine norminterpretierende Verwaltungsanweisung, die lediglich Ausdruck der Rechtsmeinung der Verwaltungsbeh&ouml;rde ist und keine Bindungswirkung f&uuml;r die Gerichte entfaltet (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteile vom 24.&nbsp;August 2016 X&nbsp;R&nbsp;11\/15, BFH\/NV 2017, 300, Rz&nbsp;26; vom 5.&nbsp;September 2013 XI&nbsp;R&nbsp;7\/12, BFHE 242, 399, BStBl II&nbsp;2014, 37, Rz&nbsp;20).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.2.2017, V R 70\/14ECLI:DE:BFH:2017:U.090217.VR70.14.0 Die F&ouml;rderung von Turnierbridge ist f&uuml;r gemeinn&uuml;tzig zu erkl&auml;ren &#8211; Verfahren nach &sect; 52 Abs. 2 S&auml;tze 2 und 3 AO Leits&auml;tze 1. 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