{"id":67282,"date":"2017-06-01T08:38:55","date_gmt":"2017-06-01T06:38:55","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67282"},"modified":"2017-06-01T08:38:55","modified_gmt":"2017-06-01T06:38:55","slug":"ii-r-31-15-festsetzung-der-schenkungsteuer-gegen-den-schenker-umfang-der-wirkung-eines-schenkungsteuerbescheids-berichtigung-des-tenors-des-fg-urteils","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-31-15-festsetzung-der-schenkungsteuer-gegen-den-schenker-umfang-der-wirkung-eines-schenkungsteuerbescheids-berichtigung-des-tenors-des-fg-urteils\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;31\/15 &#8211; Festsetzung der Schenkungsteuer gegen den Schenker &#8211; Umfang der Wirkung eines Schenkungsteuerbescheids &#8211; Berichtigung des Tenors des FG-Urteils"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 8.3.2017, II R 31\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.080317.IIR31.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Festsetzung der Schenkungsteuer gegen den Schenker &#8211; Umfang der Wirkung eines Schenkungsteuerbescheids &#8211; Berichtigung des Tenors des FG-Urteils<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Hat der Schenker im Verh&auml;ltnis zum Beschenkten die Entrichtung der Schenkungsteuer vertraglich &uuml;bernommen, ist es nicht ermessensfehlerhaft, wenn die Finanzbeh&ouml;rde nach einer zu niedrigen Festsetzung der Steuer gegen den Beschenkten f&uuml;r die Differenz zu der rechtm&auml;&szlig;ig festzusetzenden Steuer den Schenker in Anspruch nimmt.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Eine Berichtigung des Tenors des finanzgerichtlichen Urteils wegen einer offenbaren Unrichtigkeit ist im Revisionsverfahren m&ouml;glich.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 26. Februar 2015&nbsp;&nbsp;3 K 823\/13 Erb wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Das Revisionsverfahren des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 26. Februar 2015&nbsp;&nbsp;3 K 823\/13 Erb wird nach R&uuml;cknahme eingestellt.<\/p>\n<\/p>\n<p>Von den Kosten des Revisionsverfahrens bis zum 8. Juni 2015 tragen die Kl&auml;gerin 1\/4 und der Beklagte 3\/4, ab diesem Zeitpunkt tr&auml;gt die Kl&auml;gerin die Kosten des Revisionsverfahrens.<\/p>\n<\/p>\n<p>Der Tenor des Urteils des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 26. Februar 2015&nbsp;&nbsp;3 K 823\/13 Erb wird dahingehend berichtigt, dass als Datum des Schenkungsteuerbescheids der 27. Juli 2012 bezeichnet wird.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit am 31.&nbsp;Juli 2010 unterzeichnetem Vertrag schenkte die Kl&auml;gerin, Revisionskl&auml;gerin und vormalige Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) einem entfernteren Verwandten (V) verschiedene Verm&ouml;genswerte. In dem Vertrag verpflichtete sie sich, die anfallende Schenkungsteuer zu tragen. In der Schenkungsteuererkl&auml;rung wies sie auf die &Uuml;bernahme der Entrichtung der Schenkungsteuer hin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte, Revisionsbeklagte und vormalige Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte mit Bescheid vom 10.&nbsp;November 2010 Schenkungsteuer gegen V in H&ouml;he von 83.490&nbsp;EUR fest, ohne die von der Kl&auml;gerin &uuml;bernommene Schenkungsteuer zu ber&uuml;cksichtigen. Die festgesetzte Steuer wurde von der Kl&auml;gerin bezahlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach einem vorhergehenden Hinweis setzte das FA mit Bescheid vom 27.&nbsp;Juli 2012 gegen die Kl&auml;gerin Schenkungsteuer in H&ouml;he von 108.540&nbsp;EUR fest. Es ber&uuml;cksichtigte bei der Steuerberechnung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;2 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) die &Uuml;bernahme der Entrichtung der Schenkungsteuer durch die Kl&auml;gerin. In dem mit &quot;Abrechnung und Zahlungsaufforderung&quot; &uuml;berschriebenen Teil des Schenkungsteuerbescheids wurde die Zahlungsaufforderung auf den Unterschiedsbetrag zwischen der gegen V festgesetzten und der nunmehr festgesetzten Steuer in H&ouml;he von 25.050&nbsp;EUR beschr&auml;nkt. Der Einspruch hatte keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf die Klage setzte das Finanzgericht (FG) die Schenkungsteuer auf 25.050&nbsp;EUR herab. Im Tenor des Urteils gab das FG als Datum des zu &auml;ndernden Schenkungsteuerbescheids den 27.&nbsp;Februar 2012 (anstatt 27.&nbsp;Juli 2012) an. In der Urteilsbegr&uuml;ndung f&uuml;hrte es im Wesentlichen aus, die Kl&auml;gerin sei, da sie sich zur &Uuml;bernahme der Schenkungsteuer verpflichtet habe, rechtm&auml;&szlig;ig als Steuerschuldnerin in Anspruch genommen worden. Die Schenkungsteuer d&uuml;rfe aber nur festgesetzt werden, soweit der Steueranspruch noch nicht durch Zahlung erloschen sei. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2015, 1287 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Seine am 12.&nbsp;Mai 2015 eingelegte Revision hat das FA am 8.&nbsp;Juni 2015 zur&uuml;ckgenommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision macht die Kl&auml;gerin eine Verletzung von &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG geltend. Zudem sei der Tenor der Vorentscheidung unrichtig, da als Datum des ge&auml;nderten Schenkungsteuerbescheids gegen die Kl&auml;gerin der 27.&nbsp;Februar 2012 &#8211;anstelle des 27.&nbsp;Juli 2012&#8211; angef&uuml;hrt werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Vorentscheidung, den Schenkungsteuerbescheid vom 27.&nbsp;Juli 2012 und die Einspruchsentscheidung vom 15.&nbsp;Februar 2013 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Tenor der Vorentscheidung ist wegen einer offenbaren Unrichtigkeit nach &sect;&nbsp;107 der Finanzgerichtsordnung (FGO) dahingehend zu korrigieren, dass als Datum des gegen die Kl&auml;gerin erlassenen Schenkungsteuerbescheids der 27.&nbsp;Juli 2012 bezeichnet wird. Das FG gab im Tenor des angefochtenen Urteils als Datum dieses Bescheids unzutreffend den 27.&nbsp;Februar 2012 an, wohingegen es im Tatbestand der Vorentscheidung zutreffend den 27.&nbsp;Juli 2012 bezeichnete. Eine offenbare Unrichtigkeit i.S. des &sect;&nbsp;107 FGO liegt demnach vor. Eine Berichtigung im Revisionsverfahren ist m&ouml;glich (vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 21.&nbsp;September 2016 I&nbsp;R&nbsp;63\/15, BFHE 256, 11, Rz&nbsp;13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:90\"pt width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">III.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die durch die Kl&auml;gerin eingelegte Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO). Das FG hat zu Recht entschieden, dass die Festsetzung der Schenkungsteuer gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin durch Bescheid vom 27.&nbsp;Juli 2012 dem Grunde nach rechtm&auml;&szlig;ig war. Das FA durfte die Kl&auml;gerin der H&ouml;he nach f&uuml;r die Differenz der entstandenen zu der gegen V festgesetzten und durch die Kl&auml;gerin entrichteten Schenkungsteuer in Anspruch nehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG schulden sowohl Schenker als auch Beschenkter die Schenkungsteuer und sind daher Gesamtschuldner nach &sect;&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO). Jeder der Gesamtschuldner schuldet die gesamte Leistung (&sect;&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO). Die Entscheidung, gegen welchen der Gesamtschuldner die Schenkungsteuer festgesetzt wird, hat das Finanzamt nach pflichtgem&auml;&szlig;em Ermessen zu treffen (&sect;&nbsp;5 AO). Die Ermessensentscheidung bedarf nach Ma&szlig;gabe des &sect;&nbsp;121 Abs.&nbsp;1 AO einer Begr&uuml;ndung, soweit diese zum Verst&auml;ndnis des Steuerbescheids erforderlich und die Begr&uuml;ndung nicht nach &sect;&nbsp;121 Abs.&nbsp;2 AO entbehrlich ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Setzt das Finanzamt die Schenkungsteuer gegen den Beschenkten fest, braucht es dies im Regelfall nicht zu begr&uuml;nden, weil eine Begr&uuml;ndung zum Verst&auml;ndnis des Steuerbescheids nicht erforderlich ist. Dem Wesen der Schenkungsteuer als Bereicherungssteuer entsprechend ist das Finanzamt n&auml;mlich grunds&auml;tzlich gehalten, sich bei der Anforderung der Steuer an den Beschenkten zu halten. Anders verh&auml;lt es sich, wenn der Schenker im Verh&auml;ltnis zum Beschenkten die Entrichtung der geschuldeten Steuer selbst &uuml;bernommen hat und dies dem Finanzamt bei Erlass des Steuerbescheids bekannt ist. Dies &auml;ndert zwar nichts daran, dass auch der Beschenkte Steuerschuldner ist; denn die an einer Schenkung Beteiligten k&ouml;nnen nicht durch privatrechtliche Vereinbarung &uuml;ber die gesetzlich geregelte Steuerschuldnerschaft disponieren. Die Festsetzung der Schenkungsteuer gegen den Beschenkten bedarf in einem solchen Fall aber regelm&auml;&szlig;ig einer Begr&uuml;ndung, aus der die f&uuml;r das Finanzamt ma&szlig;geblichen Ermessenserw&auml;gungen hervorgehen (vgl. BFH-Urteil vom 1.&nbsp;Juli 2008 II&nbsp;R&nbsp;2\/07, BFHE 222, 68, BStBl II 2008, 897, unter II.1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Hat die Finanzbeh&ouml;rde trotz der Selbstverpflichtung des Schenkers einen Steuerbescheid gegen den Beschenkten erlassen, muss der Schenker mit dem Erlass eines Bescheids an ihn selbst rechnen, falls die Steuer dem Beschenkten gegen&uuml;ber zu niedrig festgesetzt worden ist (vgl. &sect;&nbsp;44 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 AO i.V.m. &sect;&nbsp;425 Abs.&nbsp;2 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuches &#8211;BGB&#8211;). Ein bestandskr&auml;ftiger Steuerbescheid entspricht einem rechtskr&auml;ftigen Urteil, welches nur f&uuml;r oder gegen denjenigen Gesamtschuldner wirkt, der es erstritten hat (&sect;&nbsp;425 Abs.&nbsp;2 BGB). Der auch im Steuerrecht geltende &sect;&nbsp;421 BGB setzt nicht voraus, dass die Finanzbeh&ouml;rde gegen&uuml;ber den Steuerschuldnern ihre Forderung stets in voller H&ouml;he und nicht &quot;scheibchenweise&quot; geltend macht. Nach dem Wortlaut des &sect;&nbsp;421 BGB kann der Gl&auml;ubiger die Leistung nach seinem Belieben von jedem der Schuldner ganz oder &quot;zu einem Teile&quot; fordern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Schenkungsteueranspruch entsteht mit der Verwirklichung des Tatbestandes (&sect;&nbsp;38 AO) und ist in seiner H&ouml;he nicht von den Festsetzungen in einem Steuerbescheid gegen den Beschenkten abh&auml;ngig. Auch wenn die in dem Steuerbescheid gegen den Beschenkten (zu niedrig) festgesetzte Steuer bezahlt worden ist, erlischt der Anspruch aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis nicht. Die Wirkung eines Schenkungsteuerbescheids beschr&auml;nkt sich auf den im Bescheid genannten Adressaten, dem der Bescheid bekanntgegeben wird. Der gegen den Beschenkten ergangene Bescheid hat keinerlei Wirkung gegen den Schenker als den anderen Gesamtschuldner. Diesem werden durch den gegen den Beschenkten ergangenen Bescheid &#8211;selbst wenn er bestandskr&auml;ftig wurde&#8211; keine Einwendungen gegen Grund und H&ouml;he des geltend gemachten Steueranspruchs abgeschnitten. Dieser f&uuml;r die Steuerschuldner g&uuml;nstigen Wirkung der Unabh&auml;ngigkeit der Steuerfestsetzungen voneinander entspricht die negative Folge, dass das Finanzamt seinerseits durch die Steuerfestsetzung gegen den Beschenkten verfahrensrechtlich nicht in der Steuerfestsetzung gegen den Schenker eingeschr&auml;nkt wird (vgl. BFH-Urteil vom 13.&nbsp;Mai 1987 II&nbsp;R&nbsp;189\/83, BFHE 149, 514, BStBl II 1988, 188, unter II.1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Auch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) f&uuml;hrt in seinem Nichtannahmebeschluss vom 18.&nbsp;Dezember 2012&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;1509\/10 (Kammerentscheidungen des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfGK&#8211; 20, 171, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2013, 258) aus, dass eine Inanspruchnahme des Schenkers nach &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 ErbStG bei Vorliegen sachlicher Gr&uuml;nde nicht gegen Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) verst&ouml;&szlig;t. Eine steuerliche (sekund&auml;re) Haftung des Schenkers f&uuml;r die Steuerschuld des Beschenkten bedarf wegen des darin enthaltenen hoheitlichen, belastenden Eingriffs neben dem Anspruch des Staates auf eine effiziente Durchsetzung des Steueranspruchs allerdings einer sachlichen Legitimation nach Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG. Ein hinreichender Sachgrund kann z.B. darin liegen, dass der Schenker im Verh&auml;ltnis zum Beschenkten die Entrichtung der geschuldeten Steuer selbst vertraglich &uuml;bernommen hat. Unter dieser Voraussetzung ist die Festsetzung der Schenkungsteuer gegen den Schenker verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden (vgl. BVerfG-Beschluss in BVerfGK 20, 171, unter II.1.a&nbsp;bb&nbsp;(2)&nbsp;(b)).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Inanspruchnahme des Schenkers, der die Entrichtung der Schenkungsteuer vertraglich &uuml;bernommen hat, f&uuml;r die noch nicht gegen den Beschenkten festgesetzte Schenkungsteuer steht auch nicht im Widerspruch zu dem BFH-Urteil vom 9.&nbsp;Oktober 1992 VI&nbsp;R&nbsp;47\/91 (BFHE 169, 208, BStBl II 1993, 169).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In dieser Entscheidung hat der BFH zu &sect;&nbsp;42d des Einkommensteuergesetzes (EStG) ausgef&uuml;hrt, dass die Inanspruchnahme des Arbeitgebers als Haftungsschuldner f&uuml;r die Lohnsteuer in der Regel ermessensfehlerhaft ist, wenn die Steuer beim Arbeitnehmer deshalb nicht nachgefordert werden kann, weil seine Veranlagung zur Einkommensteuer bestandskr&auml;ftig ist und die f&uuml;r eine &Auml;nderung des Steuerbescheids nach &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO erforderlichen Voraussetzungen nicht vorliegen. Diese Entscheidung ist zum Lohnsteuerabzugsverfahren als Vorauszahlungsverfahren ergangen. &sect;&nbsp;42d EStG unterscheidet sich von &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 ErbStG darin, dass nach &sect;&nbsp;42d EStG der Arbeitgeber nur Haftungsschuldner der Lohnsteuer ist. Seine Inanspruchnahme anstelle des Arbeitnehmers als (prim&auml;ren) Steuerschuldner bedarf einer ordnungsgem&auml;&szlig;en Begr&uuml;ndung der Ermessensentscheidung durch die Finanzbeh&ouml;rde. Bei &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG ist hingegen in den F&auml;llen, in denen der Schenker sich zur &Uuml;bernahme der Schenkungsteuer verpflichtet hat, ein sachlicher Grund f&uuml;r die Inanspruchnahme des Schenkers gegeben und eine Inanspruchnahme daher grunds&auml;tzlich ermessensgerecht. In einem solchen Fall ist die Ermessensaus&uuml;bung der Finanzbeh&ouml;rde durch die vertragliche Vereinbarung zwischen Schenker und Beschenktem vorgepr&auml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Das FG hat danach zutreffend entschieden, dass das FA Schenkungsteuer gegen die Kl&auml;gerin festsetzen durfte und der angefochtene Steuerbescheid vom 27.&nbsp;Juli 2012 daher rechtm&auml;&szlig;ig ist. Die Festsetzung der Steuer ist nicht ermessensfehlerhaft; denn die Kl&auml;gerin hat sich gegen&uuml;ber V vertraglich zur &Uuml;bernahme der Schenkungsteuer verpflichtet. Der Steuerfestsetzung gegen die Kl&auml;gerin steht nicht entgegen, dass die zu niedrige Steuerfestsetzung gegen&uuml;ber V nicht mehr ge&auml;ndert werden konnte. Es handelt sich nicht um eine nicht mehr zul&auml;ssige Korrektur der gegen V festgesetzten Steuer, sondern um eine eigenst&auml;ndige Steuerfestsetzung gegen die Kl&auml;gerin gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob das FG die gegen die Kl&auml;gerin festgesetzte Schenkungsteuer zu Recht auf die Differenz zwischen der entstandenen und der gegen V festgesetzten und durch die Kl&auml;gerin entrichteten Steuer herabgesetzt hat oder ob die Entrichtung einer festgesetzten Steuer lediglich im Erhebungsverfahren zu ber&uuml;cksichtigen ist, kann danach auf sich beruhen (Boeker in H&uuml;bschmann\/ Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;47 AO Rz&nbsp;9).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2, &sect;&nbsp;136 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 FGO. Mit Schriftsatz vom 8.&nbsp;Juni 2015 hat das FA seine Revision zur&uuml;ckgenommen, insoweit wird ab diesem Zeitpunkt von einem geminderten Streitwert ausgegangen (vgl. BFH-Urteil vom 26.&nbsp;Januar 2016 VII&nbsp;R&nbsp;3\/15, BFH\/NV 2016, 893, Rz&nbsp;20).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 8.3.2017, II R 31\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.080317.IIR31.15.0 Festsetzung der Schenkungsteuer gegen den Schenker &#8211; Umfang der Wirkung eines Schenkungsteuerbescheids &#8211; Berichtigung des Tenors des FG-Urteils Leits&auml;tze 1. 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