{"id":67296,"date":"2017-06-01T08:34:46","date_gmt":"2017-06-01T06:34:46","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67296"},"modified":"2017-06-01T08:34:46","modified_gmt":"2017-06-01T06:34:46","slug":"i-b-57-16-reichweite-und-gerichtliche-ueberpruefung-einer-teil-einspruchsentscheidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-57-16-reichweite-und-gerichtliche-ueberpruefung-einer-teil-einspruchsentscheidung\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;57\/16 &#8211; Reichweite und gerichtliche &Uuml;berpr&uuml;fung einer Teil-Einspruchsentscheidung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.12.2016, I B 57\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2016:B.211216.IB57.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Reichweite und gerichtliche &Uuml;berpr&uuml;fung einer Teil-Einspruchsentscheidung<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 12. April 2016 6 K 1787\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Das gesamte Stammkapital der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), einer GmbH, in H&ouml;he von 375.000 EUR wurde zun&auml;chst von W gehalten. Mit notariellem Vertrag vom 9.&nbsp;April 2008 ver&auml;u&szlig;erte W Gesch&auml;ftsanteile an der Kl&auml;gerin in H&ouml;he von nominal 350.000&nbsp;EUR an eine GmbH, an der W ebenfalls beteiligt war. Die Anteile sollten mit Wirkung zum 1.&nbsp;Januar 2008 auf die GmbH &uuml;bergehen. Unter dem 17.&nbsp;M&auml;rz 2009 kamen W und die GmbH in einer notariellen Urkunde dar&uuml;ber &uuml;berein, dass der Vertrag vom 9.&nbsp;April 2008 von beiden Seiten nicht erf&uuml;llt worden sei. Zus&auml;tzlich trat die GmbH &quot;rein vorsorglich&quot; die Anteile mit Wirkung zum 1.&nbsp;Januar 2008 wieder an W ab, der diese Abtretung annahm.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an eine Betriebspr&uuml;fung ging der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) davon aus, dass aufgrund eines sch&auml;dlichen Beteiligungserwerbs i.S. des &sect;&nbsp;8c Abs.&nbsp;1 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes (KStG) die zum 31.&nbsp;Dezember 2007 festgestellten Verluste nicht mehr abziehbar seien, und erlie&szlig; entsprechend ge&auml;nderte Bescheide &uuml;ber K&ouml;rperschaftsteuer und den Gewerbesteuermessbetrag f&uuml;r das Streitjahr 2008 sowie &uuml;ber die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags zur K&ouml;rperschaftsteuer und die gesonderte Feststellung des vortragsf&auml;higen Gewerbeverlustes, jeweils zum oder auf den 31.&nbsp;Dezember 2008.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf die hiergegen gerichteten Einspr&uuml;che verrechnete das FA mit Teil-Einspruchsentscheidungen vom 24.&nbsp;April 2014 die bis zum Beteiligungserwerb am 9.&nbsp;April 2008 entstandenen Gewinne mit den zum 31.&nbsp;Dezember 2007 festgestellten Verlusten und wies die Einspr&uuml;che im &Uuml;brigen als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Das FA hat hierbei darauf hingewiesen, dass es &uuml;ber die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der Regelung des &sect;&nbsp;8c KStG nicht entscheide und insoweit keine Bestandskraft eintrete.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dagegen gerichtete Klage hat das Finanzgericht (FG) Baden-W&uuml;rttemberg mit Urteil vom 12.&nbsp;April&nbsp;2016&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;1787\/14 als unbegr&uuml;ndet abgewiesen und die Revision nicht zugelassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt mit ihrer Beschwerde, die Revision gegen das FG-Urteil zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Revision ist weder wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO) noch zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 FGO) zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die von der Kl&auml;gerin aufgeworfenen Fragen, ob die Regelung des &sect;&nbsp;8c Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 KStG verfassungsrechtlichen Anforderungen gen&uuml;gt oder in F&auml;llen, in denen der Ver&auml;u&szlig;erer nach der &Uuml;bertragung &#8211;nun mittelbar&#8211; an der K&ouml;rperschaft in demselben Umfang wie vor der Ver&auml;u&szlig;erung beteiligt ist, verfassungskonform auszulegen ist, sind im Streitfall in einem sich anschlie&szlig;enden Revisionsverfahren nicht kl&auml;rungsf&auml;hig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) kann die Finanzbeh&ouml;rde vorab &uuml;ber Teile des Einspruchs entscheiden, wenn dies sachdienlich ist. Nach &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;2 AO hat sie in dieser Entscheidung zu bestimmen, hinsichtlich welcher Teile Bestandskraft nicht eintreten soll. Die von der Finanzbeh&ouml;rde ausgeklammerten Besteuerungsgrundlagen sind im Falle der Klage gegen eine Teil-Einspruchsentscheidung nicht Gegenstand der gerichtlichen &Uuml;berpr&uuml;fung; insoweit bleibt der Einspruch anh&auml;ngig (vgl. Senatsurteil vom 2.&nbsp;Juli 2014 I&nbsp;R&nbsp;46\/12, BFHE 246, 339, BStBl II 2014, 979).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus dem Zusammenspiel des &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;2a AO mit der &#8211;ebenfalls durch das Jahressteuergesetz 2007 vom 13.&nbsp;Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2878, BStBl I 2007, 28) eingef&uuml;gten&#8211; Regelung des &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;2b&nbsp;AO zur Zur&uuml;ckweisung von Einspr&uuml;chen durch Allgemeinverf&uuml;gung ergibt sich, dass die Teil-Einspruchsentscheidung als Instrument zur Bew&auml;ltigung von Masseneinspr&uuml;chen im Hinblick auf Musterverfahren geschaffen wurde. Betreffen die Einspr&uuml;che (auch) Rechtsfragen, die Gegenstand eines Verfahrens beim Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union, beim Bundesverfassungsgericht oder beim Bundesfinanzhof (BFH) sind, sollen die Finanzbeh&ouml;rden &uuml;ber die Sach- und Rechtsfragen vorab entscheiden k&ouml;nnen, die von den anh&auml;ngigen h&ouml;chstrichterlichen Verfahren nicht betroffen sind (vgl. BTDrucks 16\/3036, S.&nbsp;16&nbsp;f.). Vor diesem Hintergrund erm&ouml;glicht es &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;2a AO den Finanzbeh&ouml;rden auch, die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit einer Norm von der Entscheidung auszunehmen und im &Uuml;brigen &uuml;ber den Einspruch zu entscheiden (ebenso FG M&uuml;nster, Urteil vom 4.&nbsp;November 2015&nbsp;&nbsp;9&nbsp;K&nbsp;3478\/13&nbsp;F, Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2016, 412).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist im Streitfall weder &uuml;ber die Vereinbarkeit des &sect;&nbsp;8c Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 KStG mit Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes noch &#8211;als Folge eines m&ouml;glichen Versto&szlig;es&#8211; &uuml;ber dessen verfassungskonforme Auslegung zu entscheiden. Das FA hat sich ausweislich des Tenors der Teil-Einspruchsentscheidung einer Entscheidung &uuml;ber die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit unter Verweis auf das ebenfalls die Regelung des &sect;&nbsp;8c Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 KStG betreffende Verfahren I&nbsp;R&nbsp;31\/11 (s. Senatsbeschluss vom 28.&nbsp;Oktober 2011 I&nbsp;R&nbsp;31\/11, BFH\/NV 2012, 605) ausdr&uuml;cklich enthalten und bestimmt, dass insoweit keine Bestandskraft eintritt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob die Entscheidung nach &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;2a AO im Streitfall sachdienlich war, ist f&uuml;r die Kl&auml;rungsf&auml;higkeit unerheblich. Die Verneinung des &#8211;gerichtlich voll &uuml;berpr&uuml;fbaren (BFH-Urteile vom 14.&nbsp;M&auml;rz 2012 X&nbsp;R&nbsp;50\/09, BFHE 237, 14, BStBl II 2012, 536; vom 30.&nbsp;September 2010 III&nbsp;R&nbsp;39\/08, BFHE 231, 7, BStBl II 2011, 11)&#8211; Tatbestandsmerkmals der Sachdienlichkeit f&uuml;hrt nicht zu einer Entscheidung &uuml;ber die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des angewendeten materiellen Rechts, sondern allenfalls zu einer isolierten Aufhebung der Teil-Einspruchsentscheidung (ebenso FG Hamburg, Urteil vom 16.&nbsp;Juni 2016&nbsp;&nbsp;6 K 215\/14, EFG&nbsp;2016, 1456).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Von einer weiter gehenden Begr&uuml;ndung wird gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz 2 FGO abgesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.12.2016, I B 57\/16ECLI:DE:BFH:2016:B.211216.IB57.16.0 Reichweite und gerichtliche &Uuml;berpr&uuml;fung einer Teil-Einspruchsentscheidung Tenor Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 12. April 2016 6 K 1787\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen. Tatbestand 1&nbsp; I. 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