{"id":6740,"date":"2012-11-30T21:50:27","date_gmt":"2012-11-30T19:50:27","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6740"},"modified":"2012-11-30T21:50:27","modified_gmt":"2012-11-30T19:50:27","slug":"viii-r-3-09-fehlende-einkuenfteerzielungsabsicht-bei-verzugszinsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-3-09-fehlende-einkuenfteerzielungsabsicht-bei-verzugszinsen\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;R&nbsp;3\/09 &#8211; Fehlende Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht bei Verzugszinsen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.5.2011, VIII R 3\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Fehlende Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht bei Verzugszinsen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Zivilrechtliche Verzugs- oder Prozesszinsen sind bei steuerlicher Betrachtung Entgelte f&uuml;r die unfreiwillige Vorenthaltung von Kapital und damit Kapitalertr&auml;ge i.S. von &sect; 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG.<\/p>\n<p>Fordert ein Schuldner den in Erf&uuml;llung einer vermeintlichen privaten Schuld geleisteten Geldbetrag erfolgreich zur&uuml;ck, so sind die vom Gl&auml;ubiger neben der R&uuml;ckzahlung geleisteten Verzugszinsen nicht der Besteuerung beim Empf&auml;nger zu Grunde zu legen, wenn ihnen Zinsen in &uuml;bersteigender H&ouml;he gegen&uuml;berstehen, die durch die Refinanzierung der urspr&uuml;nglichen Zahlung auf die vermeintliche Schuld veranlasst waren.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Eheleute, die zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist, ob der Kl&auml;ger, nachdem er als zu Unrecht in Anspruch genommener B&uuml;rge den B&uuml;rgschaftsgl&auml;ubiger erfolgreich auf R&uuml;ckzahlung verklagt hat, die von diesem gezahlten Verzugszinsen versteuern muss, obwohl er f&uuml;r seine ungerechtfertigte Inanspruchnahme aus der B&uuml;rgschaft Darlehen aufgenommen und Schuldzinsen in &uuml;bersteigender H&ouml;he entrichtet hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger ging im Jahr 1992 f&uuml;r die X-GmbH, an der er selbst nicht beteiligt war, gegen&uuml;ber Y zwei B&uuml;rgschaften auf erste Anforderung ein. 1993 wurde der Kl&auml;ger in H&ouml;he der Gesamtsumme aus den B&uuml;rgschaften in Anspruch genommen. Um diese Zahlung leisten zu k&ouml;nnen, nahm er zwei Darlehen auf, f&uuml;r die er von 1993 bis 1998 insgesamt 526.072,08 DM an Zinsen und Geb&uuml;hren aufwandte, entsprechend 268.976,38 EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Noch im selben Jahr erhob der Kl&auml;ger Klage gegen Y, weil er seine Inanspruchnahme aus der B&uuml;rgschaft f&uuml;r unberechtigt hielt. Durch Urteil des Landgerichts &#8230; (LG) vom 10. April 2002 wurde Y verurteilt, wegen ungerechtfertigter Bereicherung an den Kl&auml;ger aus der B&uuml;rgschaftssumme &#8230; EUR nebst Zinsen gem&auml;&szlig; &sect; 288 Abs. 1 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) von 4 % (256.355,74 EUR) f&uuml;r die Zeit ab dem 16. Juli 1993 zu zahlen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erfasste die Zinseinnahmen zun&auml;chst erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig; als sonstige Eink&uuml;nfte, sp&auml;ter nach &Auml;nderungen gem&auml;&szlig; &sect; 164 Abs. 2 der Abgabenordnung als Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen. Die dem Kl&auml;ger entstandenen Darlehenszinsen lie&szlig; das FA wegen fehlenden Zusammenhangs mit den vereinnahmten Verzugszinsen unber&uuml;cksichtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die hiergegen nach erfolglosem Einspruch erhobene Klage mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 1101 ver&ouml;ffentlichten Urteil vom 24. Oktober 2007&nbsp;&nbsp;9 K 3619\/05 ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dem Kl&auml;ger im Zivilurteil zugesprochenen Zinsen seien Entgelte f&uuml;r die unfreiwillige Vorenthaltung des ihm zustehenden R&uuml;ckforderungsanspruchs und deshalb als Einnahmen aus Kapitalverm&ouml;gen gem&auml;&szlig; &sect; 20 Abs. 1 Nr. 7 des Einkommensteuergesetzes (EStG) anzusetzen. Es komme nicht darauf an, ob der Kl&auml;ger von vornherein mit Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht gehandelt habe. Selbst wenn man die Klageerhebung als Entstehungszeitpunkt f&uuml;r die Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht annehme, entfalle diese nicht deswegen, weil kein Total&uuml;berschuss erzielbar gewesen sei. Der von 1993 bis 1998 geleistete Refinanzierungsaufwand k&ouml;nne bei der anzustellenden &Uuml;berschussprognose nicht herangezogen werden, da die Schuldzinsen im Zusammenhang mit der Erf&uuml;llung von B&uuml;rgschaftsverpflichtungen geleistet worden seien und keine Werbungskosten bei den Eink&uuml;nften aus Kapitalverm&ouml;gen darstellten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie beantragen, das FG-Urteil und die Einspruchsentscheidung vom 22. August 2005 aufzuheben und unter Ab&auml;nderung des Bescheides vom 28. M&auml;rz 2007 die Einkommensteuer 2002 auf &#8230; EUR festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen. Es folgt im Wesentlichen der Argumentation der Vorentscheidung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des finanzgerichtlichen Urteils und zur Stattgabe der Klage. Der Steuerfestsetzung ist ein um die streitbefangenen Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen gemindertes Einkommen zugrunde zu legen (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die vom Kl&auml;ger im Streitjahr vereinnahmten Verzugszinsen sind der Besteuerung nicht zugrunde zu legen, da ihnen (in fr&uuml;heren Zeitr&auml;umen angefallene, aber nicht als vorweggenommene Werbungskosten geltend gemachte) Darlehenszinsen als Aufwendungen in &uuml;bersteigender H&ouml;he gegen&uuml;berstehen mit der Folge, dass bei objektiver perioden&uuml;bergreifender Betrachtung ein &Uuml;berschuss der Einnahmen &uuml;ber die Ausgaben nicht erzielt werden konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Verzugszinsen nach &sect; 286 Abs. 1 i.V.m. &sect; 288 Abs. 1 BGB wie auch Prozesszinsen (&sect; 291 BGB) sind Kapitalertr&auml;ge i.S. von &sect; 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29. September 1981 VIII R 39\/79, BFHE 134, 281, BStBl II 1982, 113; vom 25. Oktober 1994 VIII R 79\/91, BFHE 175, 439, BStBl II 1995, 121, m.w.N.). Diese Einordnung erf&auml;hrt eine &#8211;im Streitfall jedoch nicht einschl&auml;gige&#8211; Einschr&auml;nkung, wenn die verzinsliche Forderung den Tatbestand der Eink&uuml;nfteerzielung nach einer anderen Einkunftsart des EStG erf&uuml;llt, gegen&uuml;ber der die Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen subsidi&auml;r sind (vgl. &sect; 20 Abs. 3 EStG in der f&uuml;r das Streitjahr ma&szlig;geblichen Fassung &#8211;EStG a.F.&#8211;, jetzt Abs. 8). Da das Konkurrenzverh&auml;ltnis zwischen den Eink&uuml;nften aus Kapitalverm&ouml;gen (&sect; 2 Abs. 1 Nr. 5, &sect; 20 EStG) und den sonstigen Eink&uuml;nften i.S. von &sect; 22 Nr. 3 EStG indes im Sinne einer Subsidiarit&auml;t der sonstigen Eink&uuml;nfte geregelt ist (&sect; 22 Nr. 3 Satz 1 EStG; Umkehrschluss aus &sect; 20 Abs. 3 EStG a.F.), sind &#8211;entgegen der Auffassung der Kl&auml;ger&#8211; die streitbefangenen Zinsen nicht als sonstige Eink&uuml;nfte zu qualifizieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Steuerbarkeit der Verzugs- und Prozesszinsen ist darin begr&uuml;ndet, dass zu den Eink&uuml;nften aus Kapitalverm&ouml;gen grunds&auml;tzlich alle Verm&ouml;gensmehrungen geh&ouml;ren, die bei wirtschaftlicher Betrachtung Entgelt f&uuml;r eine Kapitalnutzung sind. Unerheblich ist es, ob der &Uuml;berlassung von Kapital ein Darlehensvertrag oder ein anderer Rechtsgrund zugrunde liegt (s. etwa BFH-Urteil in BFHE 134, 281, BStBl II 1982, 113, m.w.N.). Auch eine vom Schuldner erzwungene Kapital&uuml;berlassung kann zu Einnahmen aus Kapitalverm&ouml;gen f&uuml;hren (BFH-Urteil vom 13. November 2007 VIII R 36\/05, BFHE 220, 35, BStBl II 2008, 292, m.w.N.; BFH-Beschluss vom 30. Juni 2009 VIII B 8\/09, BFH\/NV 2009, 1977). Verzugszinsen stellen danach aus ertragsteuerlicher Sicht keinen Schadensersatz f&uuml;r die Verletzung privater G&uuml;ter dar, sondern sind Entgelt f&uuml;r die unfreiwillige Vorenthaltung des dem Steuerpflichtigen zustehenden Kapitals (BFH-Urteil in BFHE 175, 439, BStBl II 1995, 121, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die dem Kl&auml;ger zugesprochenen Zinsen sind jedoch nicht als Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen zu erfassen, da ihnen hohe Zinsaufwendungen gegen&uuml;berstanden, so dass der Kl&auml;ger insoweit keinen &Uuml;berschuss der Einnahmen &uuml;ber die Ausgaben erzielen konnte. Im Ergebnis hat sich seine wirtschaftliche Leistungsf&auml;higkeit nicht erh&ouml;ht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Schuldzinsen sind bei der Eink&uuml;nfteermittlung als Werbungskosten abzuziehen, soweit sie mit der betreffenden Einkunftsart in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen (&sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 EStG). Im Streitfall bestand ein solcher wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen den Kapitalertr&auml;gen in Gestalt von Verzugszinsen und den vom Kl&auml;ger geleisteten Schuldzinsen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Geldleistungen des Kl&auml;gers an Y dienten zwar zun&auml;chst der Erf&uuml;llung seiner Pflichten aus den B&uuml;rgschafts&uuml;bernahmen. Auch die Aufnahme der Refinanzierungsdarlehen diente damit zun&auml;chst diesem Erf&uuml;llungszweck. Infolgedessen waren die auf die Darlehen entfallenden Schuldzinsen anf&auml;nglich durch die B&uuml;rgschaftsinanspruchnahme veranlasst. Dieser urspr&uuml;ngliche Veranlassungszusammenhang zwischen der Inanspruchnahme aus den B&uuml;rgschaften und dem Refinanzierungsaufwand ist jedoch durch einen sodann neu begr&uuml;ndeten anderen Veranlassungszusammenhang &uuml;berlagert worden. Da der Kl&auml;ger &quot;auf erstes Anfordern&quot; zu zahlen hatte, war er hinsichtlich etwaiger Einwendungen auf eine R&uuml;ckforderungsklage verwiesen (vgl. dazu M&uuml;nchKomm BGB, Habersack, 5. Aufl., &sect; 765 Rz 98 ff.). Ob der Kl&auml;ger bei Zahlung an Y &quot;auf erstes Anfordern&quot; von vornherein die R&uuml;ckforderung beabsichtigte und keinen endg&uuml;ltigen Geldtransfer wollte, kann dahingestellt bleiben. Soweit n&auml;mlich aufgrund des Urteils des LG rechtskr&auml;ftig feststand, dass die Inanspruchnahme aus den B&uuml;rgschaften materiell-rechtlich nicht gerechtfertigt war, bestand kein objektiver wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen den aufgenommenen Darlehen und den damit verbundenen Schuldzinsen einerseits und &#8211;nicht existenten&#8211; B&uuml;rgschaftsschulden andererseits. Im Umfange der ungerechtfertigten Bereicherung von Y dienten die vom Kl&auml;ger aufgenommenen Darlehen objektiv nicht mehr der Tilgung einer Schuld gegen&uuml;ber Y, sondern der Finanzierung eines Bereicherungsanspruchs des Kl&auml;gers aus &sect;&sect; 812 ff. BGB.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei einer erzwungenen Kapital&uuml;berlassung reicht es zur Begr&uuml;ndung des erforderlichen wirtschaftlichen Zusammenhangs zwischen der Kreditaufnahme und sp&auml;teren Zinseinnahmen aus, wenn das Darlehen zu dem Zweck aufgenommen und verwendet worden ist, um die (letztlich nicht gerechtfertigte) Forderung zu erf&uuml;llen (vgl. auch BFH-Beschluss vom 30. Juni 2009 VIII B 8\/09, BFH\/NV 2009, 1977). In derartigen F&auml;llen &#8211;wie auch im Streitfall&#8211; erfordert die Abzugsf&auml;higkeit keine besondere subjektive Bestimmung der Schuldzinsen f&uuml;r Zwecke der Erzielung von Verzugszinsen. Da es bei einer erzwungenen Kapital&uuml;berlassung hinsichtlich der deswegen an den &Uuml;berlassenden gezahlten Zinsen nur auf den objektiven Tatbestand einer Steigerung der Leistungsf&auml;higkeit ankommt und eine diesbez&uuml;gliche Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht des Steuerpflichtigen nicht erforderlich ist (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2009, 1977; BFH-Urteil vom 8. November 2005 VIII R 105\/03, BFH\/NV 2006, 527), sind auch die mit dieser Eink&uuml;nfteerzielung zusammenh&auml;ngenden Aufwendungen anhand des objektiven Tatbestands zu ermitteln. Subjektiv wird insoweit nur das Bewusstsein vorausgesetzt, dass eine Zahlung geleistet werden muss und dass daf&uuml;r Fremdmittel eingesetzt werden sollen (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2009, 1977). Es ist folglich nicht r&uuml;ckschauend zu pr&uuml;fen, ob der Kl&auml;ger subjektiv einen Zusammenhang zwischen den Schuldzinsen und m&ouml;glicherweise k&uuml;nftig anfallenden (h&ouml;heren oder niedrigeren) Zinseinnahmen hergestellt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nicht gefolgt werden kann deshalb der Auffassung des FG, der Kl&auml;ger h&auml;tte die Darlehensmittel umwidmen, ihre durch die erstmalige tats&auml;chliche Verwendung herbeigef&uuml;hrte Zuordnung zur privaten Verm&ouml;genssph&auml;re beenden und dazu durch eine neue Anlageentscheidung das Objekt des Kreditbedarfs auswechseln m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Rechtsprechung, nach der ein einmal entstandener wirtschaftlicher Zusammenhang nicht durch blo&szlig;e Willensentscheidung des Steuerpflichtigen ge&auml;ndert werden kann (vgl. hierzu BFH-Urteil vom 17. April 1997 VIII R 48\/95, BFH\/NV 1998, 20, m.w.N.), ist nicht auf den Streitfall &uuml;bertragbar. Dieser ist dadurch gekennzeichnet, dass kein willk&uuml;rlicher Wechsel von Finanzierungszweck und -objekt stattgefunden hat; vielmehr ergibt sich der wirtschaftliche Zusammenhang der Finanzierung mit dem Bereicherungsanspruch und den dazu akzessorischen Zinsen aus den objektiven Umst&auml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger konnte seinen R&uuml;ckforderungsanspruch nicht vor Ergehen des landgerichtlichen Urteils durchsetzen. Ungeachtet der materiellen Rechtslage bestand deshalb der Finanzierungsbedarf grunds&auml;tzlich unver&auml;ndert fort. Dass der Kl&auml;ger als vermeintlicher Schuldner die Berechtigung der vom Gl&auml;ubiger geltend gemachten Anspr&uuml;che, zu deren Bedienung er die Fremdmittel aufgenommen hatte, infrage gestellt hat, erforderte keine neue Entscheidung &uuml;ber die Anlage und keine anderweitige Verwendung des geliehenen Geldes &#8211;oder gar eine Umschuldung&#8211; und auch keine nach au&szlig;en dokumentierte &quot;Umwidmung&quot;. Vielmehr wurden die Kreditmittel nur einmal im Rahmen eines tats&auml;chlichen Lebenssachverhalts verwendet. Die erfolgreiche R&uuml;ckforderung (eines Teils) des Geldes und der damit verbundene Zufluss von Verzugszinsen betrafen nur eine andere Seite desselben Sachverhalts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben hat der Kl&auml;ger aufgrund der Verzugszinsen keinen Einnahmen&uuml;berschuss erzielt. Im Verfahren vor dem FG sind die Beteiligten davon ausgegangen, dass der Kl&auml;ger &#8211;auch bei anteiliger Berechnung nach Ma&szlig;gabe des nur partiellen Klageerfolgs im Zivilprozess&#8211; keinen &Uuml;berschuss der Einnahmen erzielt hat, wenn die Fremdfinanzierungszinsen als Werbungskosten abziehbar sind. Das FG hat keine tats&auml;chlichen Feststellungen getroffen, die dem entgegenst&uuml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Dieser Beurteilung steht nicht entgegen, dass die Schuldzinsen f&uuml;r die Fremdfinanzierung au&szlig;erhalb des Streitjahrs beim Kl&auml;ger abgeflossen sind. Ob aus einer T&auml;tigkeit &uuml;berhaupt Eink&uuml;nfte gem&auml;&szlig; &sect; 2 EStG zu erzielen sind, ist grunds&auml;tzlich f&uuml;r die gesamte Dauer der betreffenden T&auml;tigkeit zu pr&uuml;fen, d.h. es ist der Totalgewinn zu ermitteln oder &#8211;wie hier bei &Uuml;berschusseink&uuml;nften&#8211; zu pr&uuml;fen, ob auf Dauer nachhaltige &Uuml;bersch&uuml;sse erzielt werden k&ouml;nnen (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 25. Juni 1984 GrS 4\/82, BFHE 141, 405, BStBl II 1984, 751, unter C.IV.3.c aa (2)).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da &#8211;wie dargelegt&#8211; Eink&uuml;nfte aus einer erzwungenen Kapital&uuml;berlassung gem&auml;&szlig; &sect; 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG keine subjektive Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht des Steuerpflichtigen voraussetzen, sondern allein die objektive Steigerung seiner wirtschaftlichen Leistungsf&auml;higkeit, sind f&uuml;r die Pr&uuml;fung, ob eine erzwungene Kapital&uuml;berlassung &uuml;berhaupt zu nachhaltigen Eink&uuml;nften f&uuml;hren kann, die miteinander wirtschaftlich zusammenh&auml;ngenden Einnahmen (hier: Verzugszinsen) und Ausgaben (hier: Schuldzinsen) ohne R&uuml;cksicht auf das Zufluss- und Abflussprinzip (&sect;&sect; 8, 11 EStG) gegen&uuml;berzustellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Rechtfertigung einer solchen Beurteilung ergibt sich im Streitfall &uuml;berdies aus Folgendem: Ob derjenige, der einen Zivilprozess wegen eines Anspruchs im Privatverm&ouml;gen f&uuml;hrt, Verzugs- oder Prozesszinsen zugesprochen bekommt und diese ihm auch tats&auml;chlich zuflie&szlig;en, stellt sich naturgem&auml;&szlig; erst am Ende des Prozesses heraus. Vorher l&auml;sst sich folglich nicht beurteilen, ob insoweit eine Einnahme erzielt und daran ankn&uuml;pfend der Tatbestand der Eink&uuml;nfteerzielung objektiv verwirklicht wird. Die Frage, ob ein objektiver Zusammenhang zwischen Zinseinnahmen und einem diesbez&uuml;glichen Finanzierungsaufwand des Steuerpflichtigen besteht und ob sich insgesamt ein Einnahmen&uuml;berschuss ergibt, kann erst dann beantwortet werden, wenn die Zinseinnahmen zugeflossen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Die Vorentscheidung beruht auf anderen Rechtsauffassungen, sie ist deshalb aufzuheben. Die Sache ist spruchreif und f&uuml;hrt nach den vorstehend gemachten Ausf&uuml;hrungen zur anderweitigen Festsetzung der Steuer. Die Berechnung der Steuer wird gem&auml;&szlig; &sect; 100 Abs. 2 Satz 2 FGO dem FA &uuml;bertragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.5.2011, VIII R 3\/09 Fehlende Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht bei Verzugszinsen Leits&auml;tze Zivilrechtliche Verzugs- oder Prozesszinsen sind bei steuerlicher Betrachtung Entgelte f&uuml;r die unfreiwillige Vorenthaltung von Kapital und damit Kapitalertr&auml;ge i.S. von &sect; 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG. 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