{"id":67418,"date":"2017-07-01T08:27:49","date_gmt":"2017-07-01T06:27:49","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67418"},"modified":"2017-07-01T08:27:49","modified_gmt":"2017-07-01T06:27:49","slug":"iii-b-122-16-selbstentscheidung-des-abgelehnten-richters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-122-16-selbstentscheidung-des-abgelehnten-richters\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;122\/16 &#8211; Selbstentscheidung des abgelehnten Richters"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 5.4.2017, III B 122\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:B.050417.IIIB122.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Selbstentscheidung des abgelehnten Richters<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 16. Juni 2016&nbsp;&nbsp;13 K 13224\/15 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Berlin-Brandenburg zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten dar&uuml;ber, in welchem Haushalt das im Jahr 2000 geborene gemeinsame Kind der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) und des Beigeladenen in den Monaten September und Oktober 2013 aufgenommen war. Mit Bescheid vom 27.&nbsp;November 2013 hob die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r die Monate September und Oktober 2013 gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin auf und forderte den &uuml;berzahlten Betrag von 368&nbsp;EUR zur&uuml;ck. Zur Begr&uuml;ndung berief sie sich darauf, dass der Beigeladene das Kind in seinen Haushalt aufgenommen habe. Der Einspruch blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In dem sich anschlie&szlig;enden Klageverfahren &uuml;bersandte der vom Finanzgericht (FG) bestimmte Einzelrichter nach der Ladung zur m&uuml;ndlichen Verhandlung am 16.&nbsp;Juni 2016 am 2.&nbsp;Juni 2016 ein Schreiben des Beigeladenen vom 30.&nbsp;Mai 2016 dem Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin zur Kenntnis. Daraufhin beantragte der Prozessbevollm&auml;chtigte am 14.&nbsp;Juni 2016 die Aufhebung des Termins zur m&uuml;ndlichen Verhandlung. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte er aus, dass erst am 6.&nbsp;Juni 2016 das 14-seitige Schreiben des Beigeladenen unmittelbar vor seinem Urlaubsbeginn eingegangen sei. Aufgrund der urlaubsbedingten Abwesenheit habe er das Schreiben erst am 14.&nbsp;Juni 2016 zur Kenntnis nehmen k&ouml;nnen. Da er am 15.&nbsp;Juni 2016 einen ganzt&auml;gigen Termin in X wahrnehmen m&uuml;sse, k&ouml;nne er den Schriftsatz des Beigeladenen vor dem Verhandlungstermin am 16. Juni 2016 weder mit der Kl&auml;gerin er&ouml;rtern noch eine Stellungnahme dazu abgeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG lehnte eine Terminverlegung mit der Begr&uuml;ndung ab, erhebliche Gr&uuml;nde hierf&uuml;r seien weder vorgetragen noch glaubhaft gemacht. In einem weiteren Schreiben vom 14.&nbsp;Juni 2016 vertrat der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin die Auffassung, dass man von einer Stattgabe der Klage ausginge, weil keine Akteneinsicht gew&auml;hrt worden sei. Diese habe man am 8.&nbsp;Januar 2016 beantragt, sofern das Gericht weitere Ausf&uuml;hrungen f&uuml;r erforderlich halte. Das FG teilte daraufhin dem Prozessbevollm&auml;chtigten mit, dass Einsch&auml;tzungen zu den Erfolgsaussichten der Klage vor Durchf&uuml;hrung der m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht gemacht werden k&ouml;nnten und die Kindergeldakte im Gericht eingesehen werden k&ouml;nne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am Tag der m&uuml;ndlichen Verhandlung ging um 9:56 Uhr ein Schreiben beim FG ein, mit dem der Prozessbevollm&auml;chtigte den Einzelrichter wegen Besorgnis der Befangenheit ablehnte. Zur Begr&uuml;ndung trug er vor, der Einzelrichter habe mit seinem Verhalten Hinweispflichten, das Recht auf rechtliches Geh&ouml;r, das Recht auf ein faires Verfahren und das Akteneinsichtsrecht verletzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG wies die Klage ab. In den Gr&uuml;nden des durch den Einzelrichter erlassenen Urteils wurde ausgef&uuml;hrt, dass der Rechtsstreit aufgrund der m&uuml;ndlichen Verhandlung ohne Gew&auml;hrung einer weiteren schriftlichen Stellungnahmem&ouml;glichkeit f&uuml;r die Kl&auml;gerin, ohne deren Teilnahme an der Verhandlung und trotz des Befangenheitsantrags gegen den Einzelrichter entschieden werden k&ouml;nne. Die Voraussetzungen f&uuml;r eine Verlegung des m&uuml;ndlichen Verhandlungstermins seien nicht gegeben, eines richterlichen Hinweises auf &quot;weitere Ausf&uuml;hrungen&quot; h&auml;tte es nicht bedurft, das Recht auf Akteneinsicht sei nicht verletzt worden und der Befangenheitsantrag sei missbr&auml;uchlich gewesen, so dass das Gericht im Urteil dar&uuml;ber h&auml;tte mitentscheiden k&ouml;nnen. Es habe offenbar der Prozessverschleppung gedient. Die zur Antragsbegr&uuml;ndung behauptete Verletzung von Prozessgrundrechten sei zudem haltlos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen dieses Urteil wendet sich die Kl&auml;gerin mit ihrer Nichtzulassungsbeschwerde, die sie auf verschiedene Verfahrensfehler (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) st&uuml;tzt. Im Wesentlichen r&uuml;gt sie einen Versto&szlig; gegen den gesetzlichen Richter (&sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;1 FGO). Der abgelehnte Richter habe sich zum Richter in eigener Sache gemacht, indem er sein Verhalten, n&auml;mlich die von der Kl&auml;gerin ger&uuml;gten Verletzungen der Grunds&auml;tze eines fairen Verfahrens, der richterlichen Hinweispflichten, der Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs, einer Pr&uuml;fung unterzog und als &quot;haltlos&quot; bewertet habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG beruht auf der von der Kl&auml;gerin dargelegten Verletzung des grundrechtsgleichen Rechts auf den gesetzlichen Richter und damit auf dem absoluten Revisionsgrund des &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;1 FGO. Das FG war bei Erlass des Urteils nicht ordnungsgem&auml;&szlig; besetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Wird &uuml;ber ein Ablehnungsgesuch zu Unrecht im Urteil und nicht in einem selbst&auml;ndigen Zwischenverfahren entschieden, kann die Zur&uuml;ckweisung eines Ablehnungsgesuchs das Verfahrensgrundrecht auf den gesetzlichen Richter (Art.&nbsp;101 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;) verletzen und damit einen Verfahrensmangel gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3, &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;1 FGO darstellen, der im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren geltend gemacht werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;51 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;42 Abs.&nbsp;2 der Zivilprozessordnung (ZPO) findet die Ablehnung eines Richters wegen Besorgnis der Befangenheit statt, wenn ein Grund vorliegt, der geeignet ist, Misstrauen gegen dessen Unparteilichkeit zu rechtfertigen. Dabei kommt es darauf an, ob der betroffene Beteiligte von seinem Standpunkt aus bei vern&uuml;nftiger objektiver Betrachtung Anlass hat, die Voreingenommenheit des abgelehnten Richters zu bef&uuml;rchten (vgl. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 1.&nbsp;April 2003 VII&nbsp;S&nbsp;7\/03, BFH\/NV 2003, 1331, und vom 10.&nbsp;M&auml;rz 2015 V&nbsp;B&nbsp;108\/14, BFH\/NV 2015, 849). Grunds&auml;tzlich ist &uuml;ber das Ablehnungsgesuch nach vorheriger dienstlicher &Auml;u&szlig;erung des abgelehnten Richters ohne dessen Mitwirkung (&sect;&nbsp;51 Abs.&nbsp;1 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;44 Abs.&nbsp;3 ZPO) zu entscheiden. Ist in Ausnahmef&auml;llen das Ablehnungsgesuch wegen Rechtsmissbrauchs oder aus anderen Gr&uuml;nden offensichtlich unzul&auml;ssig, so kann der Ablehnungsantrag in den Gr&uuml;nden der Hauptsacheentscheidung unter Mitwirkung des abgelehnten Richters zur&uuml;ckgewiesen werden (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 4.&nbsp;M&auml;rz 2014 VII&nbsp;B&nbsp;131\/13, BFH\/NV 2014, 1055; vom 3.&nbsp;Juli 2014 V&nbsp;S&nbsp;15\/14, BFH\/NV 2014, 1574). Hierzu z&auml;hlen u.a. die Ablehnung eines ganzen Gerichts als solches sowie das offenbar grundlose, nur der Verschleppung dienende und damit rechtsmissbr&auml;uchliche Gesuch und die Ablehnung als taktisches Mittel f&uuml;r verfahrensfremde Zwecke (Kammerbeschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 15.&nbsp;Juni 2015&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;1288\/14, nicht ver&ouml;ffentlicht &#8211;n.v.&#8211;, Rz&nbsp;15, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Selbstentscheidung des abgelehnten Richters ist vor dem Hintergrund der Garantie des gesetzlichen Richters in Art.&nbsp;101 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GG aber nur dann und insoweit gerechtfertigt, wie die durch den gestellten Ablehnungsantrag erforderliche Entscheidung keine Beurteilung des eigenen Verhaltens des abgelehnten Richters und damit keine Entscheidung in eigener Sache voraussetzt. Denn &uuml;ber eine blo&szlig; formale Pr&uuml;fung hinaus darf sich der abgelehnte Richter nicht durch Mitwirkung an einer n&auml;heren inhaltlichen Pr&uuml;fung der Ablehnungsgr&uuml;nde zum Richter in eigener Sache machen (BFH-Beschluss vom 29.&nbsp;Dezember 2015 IV&nbsp;B&nbsp;68\/14, BFH\/NV 2016, 575, Rz&nbsp;4; vgl. BVerfG-Beschl&uuml;sse vom 2.&nbsp;Juni 2005&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;625\/01, 2&nbsp;BvR&nbsp;638\/01, BVerfGK 5, 269, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 2005, 3410, unter IV.2.a, und vom 15.&nbsp;Juni 2015&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;1288\/14, n.v., Rz&nbsp;17). Grunds&auml;tzlich wird eine Verwerfung des Ablehnungsgesuchs als unzul&auml;ssig nur dann in Betracht kommen, wenn das Ablehnungsgesuch f&uuml;r sich allein &#8211;ohne jede weitere Aktenkenntnis&#8211; offenkundig die Ablehnung nicht zu begr&uuml;nden vermag; ist hingegen ein &#8211;wenn auch nur geringf&uuml;giges&#8211; Eingehen auf den Verfahrensgegenstand erforderlich, scheidet die Ablehnung als unzul&auml;ssig aus (BVerfG-Beschluss vom 11.&nbsp;M&auml;rz 2013&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;2853\/11, NJW 2013, 1665, Rz&nbsp;30). Eine gleichwohl erfolgte Ablehnung durch den abgelehnten Richter selbst ist nach der Rechtsprechung des BVerfG dann willk&uuml;rlich. Denn &uuml;ber eine blo&szlig; formale Pr&uuml;fung hinaus darf sich der abgelehnte Richter nicht durch Mitwirkung an einer n&auml;heren inhaltlichen Pr&uuml;fung der Ablehnungsgr&uuml;nde zum Richter in eigener Sache machen. &Uuml;berschreitet das Gericht bei Anwendung dieses Pr&uuml;fungsma&szlig;stabs die ihm gezogenen Grenzen, kann dies seinerseits die Besorgnis der Befangenheit begr&uuml;nden (BVerfG-Beschl&uuml;sse in st&auml;ndiger Rechtsprechung seit 20.&nbsp;Juli 2007&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;3084\/06, BVerfGK 11, 434, Rz&nbsp;19&nbsp;f.; vgl. auch vom 18.&nbsp;Dezember 2007&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;1273\/07, BVerfGK 13, 72, Rz&nbsp;21; vom 15.&nbsp;Juni 2015&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;1288\/14, Rz&nbsp;16&nbsp;ff.; Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom 17.&nbsp;M&auml;rz 2016&nbsp;&nbsp;6&nbsp;AZN&nbsp;1087\/15, Neue Zeitschrift f&uuml;r Arbeits- und Sozialrecht 2016, 1100, Rz&nbsp;11).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bei Anlegung dieser verfassungsrechtlichen Grunds&auml;tze verletzt die Verwerfung des Befangenheitsgesuchs durch den abgelehnten Einzelrichter im Urteil die Kl&auml;gerin in ihrem Recht auf den gesetzlichen Richter (Art.&nbsp;101 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GG). Denn die Ablehnung des Befangenheitsgesuchs war keine blo&szlig;e Formalentscheidung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar ist das FG in dem angefochtenen Urteil zun&auml;chst zu Recht davon ausgegangen, dass die blo&szlig;e Ablehnung eines Terminsverlegungsantrags in aller Regel f&uuml;r einen erfolgreichen Befangenheitsantrag nicht ausreicht, jedoch hat das Gericht zu Unrecht daraus hergeleitet, der kurz vor Verhandlungsbeginn ebenfalls gestellte Befangenheitsantrag diene im vorliegenden Fall offenbar der Prozessverschleppung und sei daher unzul&auml;ssig. Damit hat es das Vorbringen der Kl&auml;gerin in ihrem Befangenheitsgesuch nur verk&uuml;rzt zur Kenntnis genommen, obwohl bei der Pr&uuml;fung, ob ein Ablehnungsgesuch als unzul&auml;ssig verworfen werden kann, das Gericht in besonderem Ma&szlig;e verpflichtet ist, das Ablehnungsgesuch seinem Inhalt nach vollst&auml;ndig zu erfassen (BVerfG-Beschluss vom 11.&nbsp;M&auml;rz 2013&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;2853\/11, NJW 2013, 1665, Rz&nbsp;35).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) So war Anlass der Ablehnung wegen Besorgnis der Befangenheit nach Auffassung der Kl&auml;gerin nicht allein die Ablehnung des Verlegungsantrags, sondern auch die Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs und des Rechts auf Akteneinsicht durch das Gericht. Die Kl&auml;gerin hatte dabei darauf hingewiesen, dass der Prozessbevollm&auml;chtigte urlaubsbedingt das Schreiben des Beigeladenen erst am 14.&nbsp;Juni 2016 habe zur Kenntnis nehmen k&ouml;nnen, dass eine R&uuml;cksprache mit der Kl&auml;gerin vor der m&uuml;ndlichen Verhandlung angesichts eines ganzt&auml;gigen anderen Termins am 15.&nbsp;Juni 2016 nicht m&ouml;glich gewesen sei und somit auch nicht die Angelegenheit mit der Kl&auml;gerin habe er&ouml;rtert werden und eine Stellungnahme dazu habe erfolgen k&ouml;nnen. Die Kl&auml;gerin hatte weiter darauf abgehoben, dass den Hinweis des Gerichts vom 15.&nbsp;Juni 2016, die Akten k&ouml;nnten im Gericht eingesehen werden, der Prozessbevollm&auml;chtigte wegen seiner Abwesenheit am 15.&nbsp;Juni 2016 nicht zur Kenntnis h&auml;tte nehmen k&ouml;nnen und dies dem Gericht auch bewusst und bekannt gewesen sei. Weiter sei dem Gericht auch bekannt gewesen, dass der in Y ans&auml;ssige Prozessbevollm&auml;chtigte aufgrund der Entfernung zum Gericht zwar am Tag der Verhandlung die Akte h&auml;tte einsehen k&ouml;nnen, aber nicht mehr in der Lage gewesen w&auml;re, den Inhalt zu verwerten, mit der Kl&auml;gerin zu er&ouml;rtern und eine entsprechende Stellungnahme zu verfassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Das Vorbringen der Kl&auml;gerin zu den Ablehnungsgr&uuml;nden zielte damit auch auf das Verhalten des abgelehnten Richters ab und war nicht von vornherein v&ouml;llig ungeeignet, ein Ablehnungsgesuch zu begr&uuml;nden. Die Pr&uuml;fung des Inhalts des Ablehnungsgesuchs erforderte vielmehr eine Bewertung des Verhaltens des abgelehnten Richters unter Ber&uuml;cksichtigung des von der Prozessordnung gesteckten Rahmens. Vor diesem Hintergrund konnte der Vorwurf einer rechtsmissbr&auml;uchlichen Umgehung des &sect;&nbsp;155 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;227 ZPO nicht allein mit dem kurzfristig vor Terminsbeginn gestellten Befangenheitsantrag begr&uuml;ndet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Dies hat das FG auch erkannt, indem es sich zur weiteren Begr&uuml;ndung der Rechtsmissbr&auml;uchlichkeit darauf berief, dass die behaupteten Verletzungen von Prozessgrundrechten durch das Gericht &#8211;wie ausgef&uuml;hrt&#8211; &quot;haltlos&quot; seien. Das Gericht setzte sich damit mit dem Prozessverlauf und dem Akteninhalt sachlich auseinander, um die von ihm angenommene Verschleppungsabsicht und somit die Unzul&auml;ssigkeit des Befangenheitsgesuchs weiter zu untermauern. In Anbetracht dieser Erw&auml;gungen und des Inhalts des Ablehnungsgesuchs lag die Rechtsmissbr&auml;uchlichkeit des Befangenheitsantrags ohne n&auml;here inhaltliche Pr&uuml;fung der Ablehnungsgr&uuml;nde jedenfalls nicht auf der Hand. Die aus Sicht des Gerichts geltend gemachte &quot;haltlose&quot; Verletzung von Prozessgrundrechten l&auml;sst allenfalls auf die offensichtliche Unbegr&uuml;ndetheit des Ablehnungsgesuchs schlie&szlig;en, macht diese Entscheidung aber nicht zu einer reinen Formalentscheidung, die ein vereinfachtes Ablehnungsverfahren mit Selbstentscheidung rechtfertigen k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Senat h&auml;lt es f&uuml;r angezeigt, nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO zu verfahren, das angefochtene Urteil aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen. Angesichts dessen bed&uuml;rfen auch die weiteren Verfahrensr&uuml;gen der Kl&auml;gerin keiner Entscheidung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 5.4.2017, III B 122\/16ECLI:DE:BFH:2017:B.050417.IIIB122.16.0 Selbstentscheidung des abgelehnten Richters Tenor Auf die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 16. Juni 2016&nbsp;&nbsp;13 K 13224\/15 aufgehoben. Die Sache wird an das Finanzgericht Berlin-Brandenburg zur&uuml;ckverwiesen. Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen. 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