{"id":67487,"date":"2017-07-09T10:48:52","date_gmt":"2017-07-09T08:48:52","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67487"},"modified":"2017-07-09T10:48:52","modified_gmt":"2017-07-09T08:48:52","slug":"ix-r-1-16-beruecksichtigung-eines-verlusts-aus-der-veraeusserung-von-unentgeltlich-erworbenen-kapitalgesellschaftsanteilen-zuwendung-des-kapitalgesellschaftsanteils-an-einen-freund-gestaltungsmissbrau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-1-16-beruecksichtigung-eines-verlusts-aus-der-veraeusserung-von-unentgeltlich-erworbenen-kapitalgesellschaftsanteilen-zuwendung-des-kapitalgesellschaftsanteils-an-einen-freund-gestaltungsmissbrau\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;1\/16 &#8211; Ber&uuml;cksichtigung eines Verlusts aus der Ver&auml;u&szlig;erung von unentgeltlich erworbenen Kapitalgesellschaftsanteilen &#8211; Zuwendung des Kapitalgesellschaftsanteils an einen Freund &#8211; Gestaltungsmissbrauch"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.5.2017, IX R 1\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.090517.IXR1.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Ber&uuml;cksichtigung eines Verlusts aus der Ver&auml;u&szlig;erung von unentgeltlich erworbenen Kapitalgesellschaftsanteilen &#8211; Zuwendung des Kapitalgesellschaftsanteils an einen Freund &#8211; Gestaltungsmissbrauch<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 25. November 2015 2 K 258\/14 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Hamburg zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) war im Streitjahr 2010 f&uuml;r einen kurzen Zeitraum Gesellschafter der A&nbsp;Holding GmbH (A-GmbH). Gegenstand der Gesellschaft ist die Verwaltung und langfristige Anlage eigenen Verm&ouml;gens, insbesondere das Halten und die Verwaltung von Beteiligungen an anderen Gesellschaften. Sie hielt im Streitjahr einen Anteil von 66,6&nbsp;% an der B-GmbH, die wiederum zu 100&nbsp;% beherrschende Gesellschafterin der C-AG war. Die A-GmbH war im Jahr 2001 als Finanzholding durch Herrn D als Alleingesellschafter gegr&uuml;ndet worden. D hielt zu Beginn des Streitjahres 2010&nbsp;&nbsp;75,8&nbsp;% der Gesellschaftsanteile (379.000&nbsp;EUR des Stammkapitals von 500.000&nbsp;EUR) an der A-GmbH.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger ist seit Mai 2010 Vorsitzender des Aufsichtsrates der C-AG. &Uuml;ber seine T&auml;tigkeit f&uuml;r das Jahr 2010 rechnete er am 30.&nbsp;November 2011 in H&ouml;he von 2.860,77&nbsp;EUR ab. Der Kl&auml;ger war bis Mitte 2010 in leitender Funktion im E-Konzern t&auml;tig und schied dort gegen eine Abfindung in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR aus dem Arbeitsverh&auml;ltnis aus. Die Familie D und die Familie des Kl&auml;gers verbindet ein langj&auml;hriges, aus der Nachbarschaft gewachsenes freundschaftliches Verh&auml;ltnis. Der Kl&auml;ger kennt D seit dessen Kindestagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit notariellem Vertrag &uuml;ber die Schenkung und &Uuml;bertragung eines Gesch&auml;ftsanteils vom 23.&nbsp;Dezember 2010 &uuml;bertrug D einen Gesch&auml;ftsanteil an der A-GmbH im Nennwert von 4.000&nbsp;EUR (0,8&nbsp;% des Stammkapitals von 500.000 EUR) auf den Kl&auml;ger. Die nach einer Au&szlig;enpr&uuml;fung ermittelten Anschaffungskosten des D f&uuml;r diesen Gesch&auml;ftsanteil betrugen 1.461.295,01&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit notariellem Vertrag vom 29.&nbsp;Dezember 2010 ver&auml;u&szlig;erte der Kl&auml;ger den Gesch&auml;ftsanteil an der A-GmbH zu einem Kaufpreis von 400&nbsp;EUR an die gesch&auml;ftlich aktive F-GmbH, die er am 16.&nbsp;Dezember 2010 gegr&uuml;ndet hatte und deren alleiniger Gesellschafter-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer er ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der gemeine Wert des Gesch&auml;ftsanteils an der A-GmbH betrug zum Zeitpunkt der &Uuml;bertragung auf die F-GmbH 400&nbsp;EUR. Schenkungsteuerlich ist der Anteil mit 1.050&nbsp;EUR angesetzt worden. Dieser Wert wurde auf der Basis der Bilanz der A-GmbH zum 31.&nbsp;Dezember 2009 ermittelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr machte der Kl&auml;ger aus der Ver&auml;u&szlig;erung des Anteils einen Verlust in H&ouml;he von 885.215&nbsp;EUR geltend. Der Kl&auml;ger trug vor, dass die Schenkung ausschlie&szlig;lich aus einer pers&ouml;nlichen freundschaftlichen Beziehung zwischen D und dem Kl&auml;ger resultiere. Dabei habe des Kl&auml;gers wirtschaftliche Kompetenz auch eine Rolle gespielt. D habe ein Interesse daran gehabt, ihn als Gesellschafter der A-GmbH zu gewinnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Datum 4.&nbsp;August 2014 erlie&szlig; der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2010, in dem es statt des geltend gemachten Verlusts um 400&nbsp;EUR erh&ouml;hte Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen ansetzte. Der Kl&auml;ger wurde zusammen mit seiner Ehefrau zur Einkommensteuer veranlagt. Die Steuer wurde auf &#8230;&nbsp;EUR festgesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Sprungklage, mit der der Kl&auml;ger die Ber&uuml;cksichtigung eines Verlusts aus der Anteilsver&auml;u&szlig;erung in H&ouml;he von 876.537&nbsp;EUR begehrte, hatte Erfolg. Das Finanzgericht (FG) gab der Klage mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2016, 483 ver&ouml;ffentlichten Urteil statt und setzte die Einkommensteuer auf 0&nbsp;EUR fest. Die Zuwendung des Anteils an der A-GmbH durch D an den Kl&auml;ger stelle sich als unentgeltlich dar. Der aus der Ver&auml;u&szlig;erung der Anteile resultierende Verlust aus Gewerbebetrieb sei in der geltend gemachten H&ouml;he zu ber&uuml;cksichtigen. Aufgrund des unentgeltlichen Erwerbs sei nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;5 des Einkommensteuergesetzes in der Fassung des Streitjahres (EStG) auf die Anschaffungskosten des Rechtsvorg&auml;ngers abzustellen. Der Ber&uuml;cksichtigung des Ver&auml;u&szlig;erungsverlustes stehe &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;6 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 EStG nicht entgegen. Danach sei ein Ver&auml;u&szlig;erungsverlust nicht zu ber&uuml;cksichtigen, soweit er auf Anteile entfalle, die der Steuerpflichtige innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre unentgeltlich erworben habe. Diese Regelung finde jedoch nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;6 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG keine Anwendung, weil D als Rechtsvorg&auml;nger anstelle des Kl&auml;gers den Ver&auml;u&szlig;erungsverlust h&auml;tte geltend machen k&ouml;nnen. Eine unentgeltliche &Uuml;bertragung von Anteilen i.S. von &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 EStG, um dem Erwerber eine Ver&auml;u&szlig;erung zu dem Zweck zu erm&ouml;glichen, den durch die Zurechnung der Anschaffungskosten des Rechtsvorg&auml;ngers entstehenden Ver&auml;u&szlig;erungsverlust zum Verlustausgleich im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung zu nutzen, stelle keinen Gestaltungsmissbrauch i.S. von &sect;&nbsp;42 der Abgabenordnung (AO) dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts (&sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;6 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 EStG, &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG: &quot;Absicht, Gewinn zu erzielen&quot;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Er tr&auml;gt vor, das FG habe &#8211;f&uuml;r die Revisionsinstanz bindend&#8211; alle M&ouml;glichkeiten f&uuml;r das Vorliegen einer Gegenleistung untersucht und verneint.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Unrecht das Verh&auml;ltnis zwischen Freunden typisierend mit demjenigen von Verwandten gleichgesetzt und deshalb die Vermutung f&uuml;r das Vorliegen einer entgeltlichen &Uuml;bertragung des Gesellschaftsanteils als widerlegt angesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG (Urteil, dort II.1.a&nbsp;bb&nbsp;ccc und dddd) hat seine Entscheidung, wonach eine unentgeltliche &Uuml;bertragung nicht nur vereinbart gewesen sei, sondern auch wirtschaftlich vorgelegen habe, ma&szlig;geblich auf den Umstand gest&uuml;tzt, dass den Kl&auml;ger und D eine langj&auml;hrige, aus der Nachbarschaft erwachsene Freundschaft verbinde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Diese Ausf&uuml;hrungen halten der revisionsrechtlichen Nachpr&uuml;fung nicht stand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ver&auml;u&szlig;erung i.S. des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG ist die &Uuml;bertragung von Anteilen gegen Entgelt (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 8.&nbsp;April 2014 IX&nbsp;R&nbsp;4\/13, BFH\/NV 2014, 1201, m.w.N.). Entgeltlich ist die &Uuml;bertragung von Gesellschaftsanteilen, wenn ihr eine gleichwertige Gegenleistung gegen&uuml;bersteht (BFH-Urteile vom 5.&nbsp;M&auml;rz 1991 VIII&nbsp;R&nbsp;163\/86, BFHE 164, 50, BStBl II 1991, 630; vom 1.&nbsp;August 1996 VIII&nbsp;R&nbsp;4\/92, BFH\/NV 1997, 215). Das Gegenst&uuml;ck zur entgeltlichen Ver&auml;u&szlig;erung ist die unentgeltliche &Uuml;bertragung von Anteilen (s. &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4, Abs.&nbsp;2 S&auml;tze&nbsp;5 und 6 Buchst.&nbsp;a EStG), die dadurch gekennzeichnet ist, dass der &Uuml;bertragende dem Empf&auml;nger eine freigiebige Zuwendung machen will. Letzteres ist bei Vertr&auml;gen unter fremden Dritten im Allgemeinen nicht anzunehmen, sofern nicht Anhaltspunkte f&uuml;r eine Schenkungsabsicht des &uuml;bertragenden Vertragspartners bestehen. Deshalb spricht insoweit eine (widerlegbare) Vermutung f&uuml;r das Vorliegen eines entgeltlichen Gesch&auml;fts (BFH-Urteile vom 7.&nbsp;M&auml;rz 1995 VIII&nbsp;R&nbsp;29\/93, BFHE 178, 116, BStBl II 1995, 693; vom 21.&nbsp;Oktober 1999&nbsp;I&nbsp;R&nbsp;43, 44\/98, BFHE 190, 377, BStBl II 2000, 424; FG M&uuml;nchen, Urteil vom 11.&nbsp;April 2016&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;2432\/14, juris, rechtskr&auml;ftig). Bei einander nahestehenden Personen wird demgegen&uuml;ber der Nachweis der Unentgeltlichkeit erleichtert; denn bei ihnen kann nicht unterstellt werden, dass sie Leistung und Gegenleistung im Regelfall nach kaufm&auml;nnischen Gesichtspunkten ausgehandelt haben (BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 1201). Was unter &quot;einander nahestehenden Personen&quot; zu verstehen ist, ist gesetzlich nicht definiert. Ma&szlig;gebend ist, ob unter Ber&uuml;cksichtigung der Gesamtheit der objektiven Gegebenheiten ein den Gleichklang wirtschaftlicher Interessen indizierendes, den Einzelfall bestimmendes N&auml;heverh&auml;ltnis angenommen werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ob im Einzelfall unter Anwendung dieser Grunds&auml;tze eine entgeltliche oder unentgeltliche &Uuml;bertragung vorliegt, ist grunds&auml;tzlich Tatfrage und als solche vom FG zu beurteilen. Die revisionsrechtliche Pr&uuml;fung beschr&auml;nkt sich darauf, ob das FG im Rahmen der Gesamtw&uuml;rdigung von zutreffenden Kriterien ausgegangen ist, alle ma&szlig;geblichen Beweisanzeichen in seine Beurteilung einbezogen und dabei nicht gegen Denkgesetze oder Erfahrungss&auml;tze versto&szlig;en hat. Fehlt es an einer tragf&auml;higen Tatsachengrundlage f&uuml;r die Folgerungen in der tatrichterlichen Entscheidung oder fehlt die nachvollziehbare Ableitung dieser Folgerungen aus den festgestellten Tatsachen und Umst&auml;nden, so liegt ein Versto&szlig; gegen die Denkgesetze vor, der als Fehler der Rechtsanwendung ohne besondere R&uuml;ge vom Revisionsgericht beanstandet werden kann (ausf&uuml;hrlich z.B. BFH-Urteile vom 2.&nbsp;Dezember 2004 III&nbsp;R&nbsp;49\/03, BFHE 208, 531, BStBl II 2005, 483; vom 20.&nbsp;Juni 2012&nbsp;X&nbsp;R&nbsp;20\/11, BFH\/NV 2012, 1778).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben war das angefochtene Urteil aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Indem das FG das Verh&auml;ltnis zwischen Freunden ohne weitere Feststellungen mit demjenigen von Verwandten gleichgesetzt und daraus abgeleitet hat, dass die Vermutung f&uuml;r das Vorliegen einer entgeltlichen &Uuml;bertragung nicht anwendbar sei, hat es die Reichweite dieses Erfahrungssatzes verkannt. Ein den Gleichklang wirtschaftlicher Interessen indizierendes, den Einzelfall bestimmendes N&auml;heverh&auml;ltnis kann zwar ausnahmsweise im Einzelfall auch bei nicht verwandtschaftlich verbundenen Personen gegeben sein. In einem solchen Fall bedarf es aber weiterer besonderer, objektiver Anhaltspunkte, aus denen auf die Entkr&auml;ftung der Vermutung einer entgeltlichen &Uuml;bertragung geschlossen werden kann. Solche Umst&auml;nde hat das FG indes nicht festgestellt. Da dem Urteil des FG ein allgemeiner Erfahrungssatz zugrunde liegt, der so nicht besteht, ist der BFH an die tats&auml;chliche W&uuml;rdigung nicht gebunden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die vorgenannte Annahme des FG l&auml;sst sich insbesondere nicht auf das Urteil des erkennenden Senats in BFH\/NV 2014, 1201, Rz&nbsp;11 st&uuml;tzen. In jenem Urteil stellt der Senat zwar klar, bei einander nahestehenden Personen k&ouml;nne nicht unterstellt werden, dass sie Leistung und Gegenleistung im Regelfall nach kaufm&auml;nnischen Gesichtspunkten ausgehandelt haben. Diesen Ausf&uuml;hrungen liegen jedoch die &Uuml;bertragungen von GmbH-Gesellschaftsanteilen des Vaters auf die Kinder zugrunde. Ein solches Verwandtschaftsverh&auml;ltnis ist in dem hier zugrunde liegenden Sachverhalt gerade nicht gegeben. Vielmehr tragen im Streitfall die bisherigen Feststellungen des FG nicht sein Ergebnis, dass es sich bei dem Zuwendenden und dem Kl&auml;ger um einander nahestehende Personen handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Anders als das FG annimmt, ist aufgrund der vorliegenden atypischen Umst&auml;nde der f&uuml;r Zwecke der Besteuerung &#8211;anders als im Zivilrecht&#8211; insoweit allein ma&szlig;gebende wirtschaftliche Gehalt des tats&auml;chlich verwirklichten Sachverhalts ohne Bindung an eine Richtigkeits- und Vollst&auml;ndigkeitsvermutung des notariell beurkundeten &quot;Vertrags &uuml;ber die Schenkung und &Uuml;bertragung&quot; zu pr&uuml;fen (gleicher Ansicht FG M&uuml;nchen, Urteil vom 11.&nbsp;April 2016&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;2432\/14, juris, rechtskr&auml;ftig). Denn diese rein formale Vermutung ist im Streitfall aufgrund der behaupteten au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Sachverhaltsgestaltung widerlegt. Dass den Zuwendenden und den Kl&auml;ger eine langj&auml;hrige, aus der Nachbarschaft erwachsene Freundschaft verbindet, stellt alleine keinen nachvollziehbaren Grund daf&uuml;r dar, dass D einen Anteil (0,8&nbsp;%) an der A-GmbH, f&uuml;r den er erhebliche Anschaffungskosten in H&ouml;he von 1.461.295,01&nbsp;EUR getragen hatte, im Jahr 2010 unentgeltlich auf den Kl&auml;ger &uuml;bertragen haben soll.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG hat &#8211;von seinem Standpunkt aus zu Recht&#8211; keine (ausreichenden) Feststellungen getroffen, aus denen auf die Entkr&auml;ftung der Vermutung einer entgeltlichen &Uuml;bertragung geschlossen werden kann. Dies hat es im zweiten Rechtsgang nachzuholen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die tats&auml;chliche Vermutung, dass fremde Personen einander im Gesch&auml;ftsleben nichts zu schenken pflegen, kann von dem die objektive Beweislast (Feststellungslast) tragenden Steuerpflichtigen (Kl&auml;ger) durch unmittelbaren Beweis oder mit Hilfe eines Indizienbeweises widerlegt werden. Das FG hat dabei aber zu ber&uuml;cksichtigen, dass die genannte Vermutung umso st&auml;rker ausf&auml;llt, je wirtschaftlich werthaltiger der &uuml;bertragene Gesellschaftsanteil f&uuml;r den &Uuml;bertragenden und den Empf&auml;nger ist. K&ouml;nnte sich das FG unter Ber&uuml;cksichtigung s&auml;mtlicher Umst&auml;nde des Einzelfalls nicht mit der daf&uuml;r erforderlichen Sicherheit davon &uuml;berzeugen, dass die &Uuml;bertragung unentgeltlich war, w&uuml;rde dies zu Lasten des Kl&auml;gers gehen, der sich auf die Unentgeltlichkeit beruft. K&auml;me das FG bei der Beweisw&uuml;rdigung nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 FGO demgegen&uuml;ber zu dem Ergebnis, dass die Unentgeltlichkeit der &Uuml;bertragung an den Kl&auml;ger als nachgewiesen anzusehen w&auml;re, m&uuml;sste es im Zusammenhang mit der m&ouml;glichen Anwendbarkeit des &sect;&nbsp;42 AO (Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsm&ouml;glichkeiten) insbesondere den Fragen nachgehen, warum der erst am 23.&nbsp;Dezember 2010 an den Kl&auml;ger zugewendete Gesch&auml;ftsanteil bereits am 29.&nbsp;Dezember 2010 an die kurz zuvor gegr&uuml;ndete F-GmbH ver&auml;u&szlig;ert worden ist, und ob dieser Sachverhalt bei einer Gesamtschau eine unangemessene rechtliche Gestaltung darstellt. Der Senat weist schlie&szlig;lich darauf hin, dass das FG bislang keine substantiierten Feststellungen zur H&ouml;he der Anschaffungskosten des D f&uuml;r seinen Anteil an der A-GmbH getroffen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.5.2017, IX R 1\/16ECLI:DE:BFH:2017:U.090517.IXR1.16.0 Ber&uuml;cksichtigung eines Verlusts aus der Ver&auml;u&szlig;erung von unentgeltlich erworbenen Kapitalgesellschaftsanteilen &#8211; Zuwendung des Kapitalgesellschaftsanteils an einen Freund &#8211; Gestaltungsmissbrauch Tenor Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 25. November 2015 2 K 258\/14 aufgehoben. Die Sache wird an das Finanzgericht Hamburg zur&uuml;ckverwiesen. Diesem &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-1-16-beruecksichtigung-eines-verlusts-aus-der-veraeusserung-von-unentgeltlich-erworbenen-kapitalgesellschaftsanteilen-zuwendung-des-kapitalgesellschaftsanteils-an-einen-freund-gestaltungsmissbrau\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;1\/16 &#8211; Ber&uuml;cksichtigung eines Verlusts aus der Ver&auml;u&szlig;erung von unentgeltlich erworbenen Kapitalgesellschaftsanteilen &#8211; Zuwendung des Kapitalgesellschaftsanteils an einen Freund &#8211; Gestaltungsmissbrauch<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67487","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67487","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67487"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67487\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67487"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67487"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67487"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}