{"id":6750,"date":"2012-11-30T21:50:28","date_gmt":"2012-11-30T19:50:28","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6750"},"modified":"2012-11-30T21:50:28","modified_gmt":"2012-11-30T19:50:28","slug":"i-r-104-10-verbindlichkeiten-aus-unechtem-provisions-factoring-als-gewerbesteuerliche-dauerschulden-abgrenzung-zwischen-dauerschuld-und-finanzierung-laufender-geschaeftsvorfaelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-104-10-verbindlichkeiten-aus-unechtem-provisions-factoring-als-gewerbesteuerliche-dauerschulden-abgrenzung-zwischen-dauerschuld-und-finanzierung-laufender-geschaeftsvorfaelle\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;104\/10 &#8211; Verbindlichkeiten aus unechtem Provisions-Factoring als gewerbesteuerliche Dauerschulden &#8211; Abgrenzung zwischen Dauerschuld und Finanzierung laufender Gesch&auml;ftsvorf&auml;lle"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.5.2011, I R 104\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Verbindlichkeiten aus unechtem Provisions-Factoring als gewerbesteuerliche Dauerschulden &#8211; Abgrenzung zwischen Dauerschuld und Finanzierung laufender Gesch&auml;ftsvorf&auml;lle<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob Kreditmittel aus Provisions-Factoringvertr&auml;gen als sog. Dauerschulden zu behandeln sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine Aktiengesellschaft, betrieb im Streitjahr 1997 die Vermittlung von Versicherungen aller Art. Dabei arbeitete sie auf der Grundlage einer Rahmenvereinbarung mit einer Beratungs-GmbH (X) und einer Provisions-Factoring-GmbH (Y) zusammen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin bot als Vertriebsgesellschaft &uuml;ber ihre Vermittler ihren Kunden Versicherungsprodukte der X an. F&uuml;r die erfolgreiche Vermittlung stand ihr eine Verg&uuml;tung zu, die in der Regel auf die Beitragsraten der ersten drei Versicherungsjahre in 36 Monatsraten von X zu zahlen war. Diese Verg&uuml;tungen gab die Kl&auml;gerin zum Teil als Provisionen an die Vermittler weiter.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Vorfinanzierung ihrer Verg&uuml;tung verkaufte die Kl&auml;gerin ihre Provisionsforderungen an Y. Diese Vorfinanzierung umfasste die gesamten Provisionen (einschlie&szlig;lich der den Vermittlern zustehenden Teilbetr&auml;ge). Deshalb schlossen auch diese Vermittler Provisions-Factoring-Rahmenvertr&auml;ge mit Y ab. Auf dieser Basis kam es zum Abschluss sog. Einzelkaufvertr&auml;ge zwischen Y und der Kl&auml;gerin &uuml;ber konkrete Verg&uuml;tungsanspr&uuml;che, die nach bestimmten Kriterien (z.B. Vertragsbeginn, Versicherungsprodukt, Land) zusammengefasst waren, sowie sog. Sammelkaufvertr&auml;ge zwischen den Vermittlern und Y, die mehrere Vermittler mit s&auml;mtlichen Provisionsanspr&uuml;chen betrafen. Dabei wurde f&uuml;r jeden Verg&uuml;tungsanspruch das zugrunde liegende Vermittlungsgesch&auml;ft mit dem Kunden dokumentiert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den Kaufpreis berechnete Y nach einem sog. Aussch&uuml;ttungstableau (Sicherheitsabschlag im Streitjahr: 24,5 %). Die Kl&auml;gerin trat im Rahmen der Vereinbarung alle k&uuml;nftigen Provisionsanspr&uuml;che aus den dem Factoringvertrag zugrunde liegenden Vermittlungsgesch&auml;ften an Y ab. Ebenso &uuml;bertrugen die Vermittler ihre Provisionsanspr&uuml;che gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin auf Y. Vertragsgem&auml;&szlig; trug die Kl&auml;gerin das Bonit&auml;tsrisiko. Die Kl&auml;gerin haftete zus&auml;tzlich f&uuml;r den rechtlichen Bestand der Provisionsforderungen und f&uuml;r den fristgerechten Zahlungseingang der Provisionen bei Y. Y erstellte bis zur vollst&auml;ndigen Tilgung der Darlehen monatliche Factoringabrechnungen, die auch die zugrunde liegenden Grundgesch&auml;fte erkennen lie&szlig;en. In der Bilanz zum 31. Dezember 1996 erfasste die Kl&auml;gerin aufgrund der Factoringvertr&auml;ge (eigene Provisionsanspr&uuml;che) eine Verbindlichkeit in H&ouml;he von 400.914 DM.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin ber&uuml;cksichtigte die Kreditmittel aus den Factoringvertr&auml;gen in ihrer Gewerbesteuererkl&auml;rung zun&auml;chst teilweise als sog. Dauerschulden (Dauerschulden: 400.914 DM; Dauerschuldzinsen [Factoringgeb&uuml;hren]: 362.253 DM). Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erlie&szlig; auf dieser Grundlage den Gewerbesteuermessbescheid 1997. Im Bescheid auf den 1. Januar 1997 &uuml;ber den Einheitswert des Betriebsverm&ouml;gens setzte er u.a. den Betrag von 400.914 DM als Schuldposten an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem sp&auml;ter erhobenen Begehren der Kl&auml;gerin, die Verbindlichkeiten aus den Factoringgesch&auml;ften mit Y sowie die Factoringzinsen nicht mehr hinzuzurechnen, da es sich um Verbindlichkeiten des laufenden Gesch&auml;ftsverkehrs handele, folgte das FA nicht. Nach einem Verb&ouml;serungshinweis erh&ouml;hte das FA in seiner Einspruchsentscheidung den einheitlichen Gewerbesteuermessbetrag 1997. Dabei setzte es neben der Hinzurechnung der Verbindlichkeiten gegen&uuml;ber Y weitere Verbindlichkeiten (sog. Stornor&uuml;ckbehalte gegen&uuml;ber den Vermittlern) als Dauerschulden an. Der Gewerbeertrag (unter Hinzurechnung von Entgelten f&uuml;r Dauerschulden in H&ouml;he von 50 % von 362.253 DM = 181.126 DM) betrug .\/. 903.292 DM; der Steuermessbetrag nach dem Gewerbeertrag lautete auf 0 DM. Der einheitliche Messbetrag ermittelte sich damit allein auf der Grundlage eines Messbetrags nach dem Gewerbekapital. Die Klage gegen den Gewerbesteuermessbescheid (ein Bescheid zur Feststellung des vortragsf&auml;higen Fehlbetrags war nicht Gegenstand des Verfahrens) blieb erfolglos (Finanzgericht &#8211;FG&#8211; M&uuml;nchen, Au&szlig;ensenate Augsburg, Urteil vom 9. November 2010&nbsp;&nbsp;6 K 2523\/08, Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 825).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin macht mit der Revision die Verletzung materiellen Rechts geltend und beantragt sinngem&auml;&szlig;, den Gewerbesteuermessbetrag unter Aufhebung des angefochtenen Urteils und der Einspruchsentscheidung in der Weise festzusetzen, dass die bisher als Dauerschulden ber&uuml;cksichtigten Kreditverbindlichkeiten aus dem Provisions-Factoring in H&ouml;he von 400.914 DM und die damit zusammenh&auml;ngenden Dauerschuldentgelte in H&ouml;he von 362.253 DM au&szlig;er Ansatz bleiben, und die Zuziehung von Bevollm&auml;chtigten f&uuml;r das Vorverfahren f&uuml;r notwendig zu erkl&auml;ren sowie &quot;das Urteil hinsichtlich der Kosten f&uuml;r vollstreckbar zu erkl&auml;ren&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat die Mittel aus den Provisions-Factoringvertr&auml;gen ohne Rechtsfehler als sog. Dauerschulden ber&uuml;cksichtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das Begehren der Kl&auml;gerin, im hier anh&auml;ngigen Rechtsstreit um die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Festsetzung des Gewerbesteuermessbetrages 1997 eine Hinzurechnung von Dauerschuldentgelten in H&ouml;he von 50 % von 362.253 DM, d.h. von 181.126 DM bei der Ermittlung des Gewerbeertrages au&szlig;er Ansatz zu lassen, bleibt ohne Erfolg. Denn der Steuermessbetrag nach dem Gewerbeertrag betr&auml;gt 0 DM; der Gewerbeertrag ist negativ. Die Feststellung des vortragsf&auml;higen Gewerbeverlusts auf den 31. Dezember 1997 ist nicht Gegenstand des angefochtenen Urteils.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im Hinblick auf die Hinzurechnung der Kreditverbindlichkeiten bei der Ermittlung des Gewerbekapitals hat das FG die Klage zu Recht als unbegr&uuml;ndet abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect; 8 Nr. 1 des Gewerbesteuergesetzes 1991 in der f&uuml;r den streitigen Erhebungszeitraum geltenden Fassung (GewStG 1991) wird zur Ermittlung des Gewerbeertrages dem Gewinn aus Gewerbebetrieb die H&auml;lfte der bei seiner Ermittlung abgezogenen Entgelte f&uuml;r Schulden hinzugerechnet, die (u.a.) der nicht nur vor&uuml;bergehenden Verst&auml;rkung des Betriebskapitals dienen. Zur Ermittlung des Gewerbekapitals werden dem Einheitswert des Gewerbebetriebs u.a. die Verbindlichkeiten, die den Entgelten i.S. des &sect; 8 Nr. 1 GewStG 1991 entsprechen, in H&ouml;he der H&auml;lfte des 50.000 DM &uuml;bersteigenden Betrags hinzugerechnet, soweit sie bei der Feststellung des Einheitswerts abgezogen worden sind (&sect; 12 Abs. 2 Nr. 1 GewStG 1991).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Schuld dient nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) grunds&auml;tzlich der nicht nur vor&uuml;bergehenden Verst&auml;rkung des Betriebskapitals, wenn ihr Gegenwert das Betriebskapital l&auml;nger als ein Jahr verst&auml;rkt (z.B. Senatsurteile vom 31. Mai 2005 I R 73\/03, BFHE 211, 43, BStBl II 2006, 134; vom 29. April 2009 I R 93\/08, BFH\/NV 2009, 2002; BFH-Urteile vom 16. Dezember 2009 IV R 48\/07, BFHE 228, 408, BStBl II 2010, 799; vom 16. Dezember 2009 IV R 49\/07, BFH\/NV 2010, 945). Nicht der dauernden Verst&auml;rkung des Betriebskapitals dienen allerdings trotz einer Laufzeit von mehr als einem Jahr Schulden, die in wirtschaftlichem Zusammenhang mit laufenden Gesch&auml;ftsvorf&auml;llen stehen und in der nach Art des jeweiligen Gesch&auml;ftsvorfalls &uuml;blichen Frist getilgt werden. Dabei handelt es sich insbesondere um Kredite, die ein Unternehmen zur Finanzierung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines bestimmten Wirtschaftsguts des Umlaufverm&ouml;gens aufnimmt und die aus dem bei der Ver&auml;u&szlig;erung dieses Wirtschaftsguts erzielten Erl&ouml;s zu tilgen sind (z.B. BFH-Urteile in BFHE 228, 408, BStBl II 2010, 799; vom 21. Juli 2010 IV R 2\/08, BFH\/NV 2011, 44). Ihnen gleichgestellt werden Verbindlichkeiten zur Finanzierung von Gegenst&auml;nden, die einen Grenzfall zwischen Anlage- und Umlaufverm&ouml;gen darstellen und deren Anschaffung bzw. Herstellung zu den immer wiederkehrenden, den Gegenstand des Unternehmens ausmachenden &uuml;blichen Gesch&auml;ftsvorf&auml;llen geh&ouml;rt (z.B. BFH-Urteile vom 13. Dezember 2006 VIII R 51\/04, BFHE 215, 276, BStBl II 2008, 137; vom 15. Mai 2008 IV R 77\/05, BFHE 221, 248, BStBl II 2008, 767). Insoweit kann aus einer &uuml;ber ein Jahr hinausgehenden Laufzeit allein noch nicht auf den Charakter als Dauerschuld geschlossen werden (BFH-Urteil vom 19. August 1998 XI R 9\/97, BFHE 186, 447, BStBl II 1999, 33). Ob im Einzelfall nach Ma&szlig;gabe vorstehender Auslegungsgrunds&auml;tze die Finanzierung laufender Gesch&auml;ftsvorf&auml;lle oder eine Dauerschuld vorliegt, obliegt der von der Tatsacheninstanz vorzunehmenden W&uuml;rdigung der tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnisse (BFH-Urteil vom 11. Dezember 1986 IV R 185\/83, BFHE 149, 248, BStBl II 1987, 443).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Das FG hat die Voraussetzungen f&uuml;r die Annahme von sog. Dauerschulden ohne Rechtsfehler als erf&uuml;llt angesehen. Die Verbindlichkeiten der Kl&auml;gerin gegen&uuml;ber Y aus den sog. Factoringaussch&uuml;ttungen &#8211;denen nach &uuml;bereinstimmender Ansicht der Beteiligten wegen des bei der Kl&auml;gerin verbliebenen Bonit&auml;tsrisikos eine sog. unechte Factoringvereinbarung als Darlehensvertrag mit &uuml;ber einj&auml;hriger Laufzeit zur vorschussweisen Verg&uuml;tung der Provisionsanspr&uuml;che zugrunde liegt (s. allgemein z.B. BFH-Urteil vom 4. September 2003 V R 34\/99, BFHE 203, 209, BStBl II 2004, 667; Bundesgerichtshof, Urteil vom 14. Oktober 1981 VIII ZR 149\/80, BGHZ 82, 50, 61)&#8211; sind sog. Dauerschulden und nicht Verbindlichkeiten des laufenden Gesch&auml;ftsverkehrs.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das FG hat ausgehend von den o.a. Rechtsgrunds&auml;tzen die Factoringaussch&uuml;ttung dahingehend gew&uuml;rdigt, dass die Kl&auml;gerin &uuml;ber die erlangten Mittel frei verf&uuml;gen konnte, da eine enge wirtschaftliche oder rechtliche Verkn&uuml;pfung zwischen den Krediten und den einzelnen Gesch&auml;ften (Versicherungsvermittlungen) gefehlt habe. Wegen fehlender konkreter Zuordnung zu den einzelnen Versicherungsvertr&auml;gen k&ouml;nne auch nicht von einer Verwendung f&uuml;r bereits angefallene vertriebsbezogene Kosten (einschlie&szlig;lich der Provisionsvorsch&uuml;sse an die Vermittler) ausgegangen werden. Die Abtretung der Provisionsanspr&uuml;che ber&uuml;hre als Ma&szlig;nahme der Kreditsicherung den Schuldcharakter nicht. Vielmehr folge auch aus der Rahmenvereinbarung zum Provisionsfactoring, dass der Kl&auml;gerin durch die dauernde Gesch&auml;ftsbeziehung und das immer wiederkehrende Factoringverfahren st&auml;ndig Mittel (als allgemeiner Gesch&auml;ftskredit) zur Verf&uuml;gung stehen sollten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Diese W&uuml;rdigung ist m&ouml;glich, sie verletzt Denkgesetze und allgemeine Erfahrungss&auml;tze nicht. Sie beruht auch nicht auf einer rechtlichen Verkennung der von der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung erarbeiteten Auslegungsgrunds&auml;tze zur Abgrenzung der Dauerschulden gegen Schulden aus laufendem Gesch&auml;ftsbetrieb. Die Besonderheiten der Dienstleistungsbranche, in der die Kl&auml;gerin t&auml;tig ist, f&uuml;hren nicht zu einer Modifizierung der Abgrenzungskriterien im Sinne der Revision.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dass generell bei Versicherungsgesellschaften und deren Vermittlern wegen der Vielzahl, der Vielfalt und der Vielschichtigkeit der Aufwendungen, die bis zum Abschluss des Versicherungsvertrages anfallen, keine rechtliche, sondern allenfalls eine wirtschaftliche Verkn&uuml;pfung zwischen dem jeweiligen (Vermittlungs-)Erl&ouml;s und dem damit zusammenh&auml;ngenden (Vertriebs-)Aufwand bestehen k&ouml;nne, war vom FG nicht notwendigerweise im Sinne einer ausreichend engen Verkn&uuml;pfung von Kreditmittelverwendung und Kredittilgung zu w&uuml;rdigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Indem das FG darauf abgestellt hat, dass die Factoringaussch&uuml;ttungen der Kl&auml;gerin allgemein und uneingeschr&auml;nkt zur Verf&uuml;gung gestellt und im Betrieb verwendet wurden, hat es auf den eigentlichen Rechtsgrund zur&uuml;ckgegriffen, der die Annahme von Dauerschulden rechtfertigt: Zweck des &sect; 8 Nr. 1 GewStG 1991 ist es, unter dem Gesichtspunkt einer &quot;objektiven Ertragskraft&quot; des Unternehmens eine Gleichstellung von Ertr&auml;gen aus eigen- und fremdfinanziertem Kapital herbeizuf&uuml;hren (z.B. Senatsurteil in BFHE 211, 43, BStBl II 2006, 134). Dazu sind Verbindlichkeiten als Dauerschulden zu qualifizieren, wenn die Kreditmittel als Teil des betrieblichen Dauerkapitals anzusehen sind, das der Betrieb nach seiner Eigenart st&auml;ndig zur Verf&uuml;gung haben muss. Auch wenn damit die Dauerschuld von einer sog. laufenden Verbindlichkeit abzugrenzen ist, die im gew&ouml;hnlichen Gesch&auml;ftsgang eines Unternehmens entsteht, geht es nicht darum, ganz allgemein Finanzierungssysteme, die einen wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem branchentypischen Kerngesch&auml;ft ausweisen, aus dem Dauerschuldbegriff auszuklammern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies trifft auch die Situation der Kl&auml;gerin: Mit einer Zuordnung der Factoringaussch&uuml;ttungen zu den vertriebsbezogenen Aufwendungen (nach der Darlegung der Kl&auml;gerin: Personalkosten f&uuml;r die Vorst&auml;nde, Geh&auml;lter f&uuml;r die Mitarbeiter der Marketingabteilung, Schulung der Au&szlig;endienstmitarbeiter, Provisionsvorsch&uuml;sse der Mitarbeiter, die kein Factoring erhalten oder zur Vorfinanzierung des Factoring) hat die Kl&auml;gerin zwar einen weitl&auml;ufigen wirtschaftlichen Zusammenhang hergestellt. Dies wiegt aber den Umstand der freien Verf&uuml;gbarkeit im Gesamtbereich der betrieblichen (auch der verwaltungsbezogenen) Aufwendungen nicht auf. Die Factoringaussch&uuml;ttungen haben den Finanzierungsbedarf des gesamten Unternehmensbereichs der Kl&auml;gerin abgedeckt und wurden auch in dieser Breite verwendet. Dabei ist es ohne rechtliche Bedeutung, dass die Interessenlage der Y, wie die Kl&auml;gerin vorgetragen hat, keinesfalls dahin gegangen sei, den allgemeinen Gesch&auml;ftsbetrieb der Kl&auml;gerin zu finanzieren. Der Rechtsbegriff der Dauerschuld ist von der Motivationslage des Gl&auml;ubigers unabh&auml;ngig. Nicht zuletzt kann auch die Abtretung der Provisionsanspr&uuml;che an Y keine andere Beurteilung rechtfertigen. Die Abtretung diente der Berechnung der Kredith&ouml;he sowie der Sicherung der Kredite. Die Sicherung eines Kredites ist aber f&uuml;r die Frage, ob ihm der Charakter einer Dauerschuld zukommt, unerheblich (BFH-Urteil in BFHE 149, 248, BStBl II 1987, 443).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Antrag, die Zuziehung des Bevollm&auml;chtigten f&uuml;r das Vorverfahren f&uuml;r notwendig zu erkl&auml;ren, geht angesichts der Belastung der Kl&auml;gerin mit s&auml;mtlichen Kosten des Rechtsstreits ins Leere; im &Uuml;brigen ist ein solcher Antrag im Revisionsverfahren unzul&auml;ssig. Die Entscheidung nach &sect; 139 Abs. 3 Satz 3 FGO geh&ouml;rt sachlich zum Kostenfestsetzungsverfahren, was die Zust&auml;ndigkeit des FG als Gericht des ersten Rechtszuges begr&uuml;ndet (vgl. u.a. BFH-Urteile vom 28. M&auml;rz 2000 VIII R 68\/96, BFHE 191, 505; vom 14. Mai 2009 IV R 47\/07, BFHE 225, 116, BStBl II 2009, 900).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Der Antrag, &quot;das Urteil hinsichtlich der Kosten f&uuml;r vollstreckbar zu erkl&auml;ren&quot;, geht ebenfalls angesichts der Belastung der Kl&auml;gerin mit s&auml;mtlichen Kosten des Rechtsstreits ins Leere.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.5.2011, I R 104\/10 Verbindlichkeiten aus unechtem Provisions-Factoring als gewerbesteuerliche Dauerschulden &#8211; Abgrenzung zwischen Dauerschuld und Finanzierung laufender Gesch&auml;ftsvorf&auml;lle Tatbestand 1&nbsp; I. Streitig ist, ob Kreditmittel aus Provisions-Factoringvertr&auml;gen als sog. Dauerschulden zu behandeln sind. 2&nbsp; Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine Aktiengesellschaft, betrieb im Streitjahr 1997 die Vermittlung von Versicherungen aller Art. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-104-10-verbindlichkeiten-aus-unechtem-provisions-factoring-als-gewerbesteuerliche-dauerschulden-abgrenzung-zwischen-dauerschuld-und-finanzierung-laufender-geschaeftsvorfaelle\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;R&nbsp;104\/10 &#8211; Verbindlichkeiten aus unechtem Provisions-Factoring als gewerbesteuerliche Dauerschulden &#8211; Abgrenzung zwischen Dauerschuld und Finanzierung laufender Gesch&auml;ftsvorf&auml;lle<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-6750","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6750","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6750"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6750\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6750"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6750"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6750"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}