{"id":67519,"date":"2017-08-23T08:26:42","date_gmt":"2017-08-23T06:26:42","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67519"},"modified":"2017-08-23T08:26:42","modified_gmt":"2017-08-23T06:26:42","slug":"ii-r-10-15-nachweis-des-niedrigeren-grundbesitzwerts-durch-gutachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-10-15-nachweis-des-niedrigeren-grundbesitzwerts-durch-gutachten\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;10\/15 &#8211; Nachweis des niedrigeren Grundbesitzwerts durch Gutachten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.3.2017, II R 10\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.150317.IIR10.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Nachweis des niedrigeren Grundbesitzwerts durch Gutachten<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;gerin wird das Urteil des Finanzgerichts Mecklenburg-Vorpommern vom 10. Dezember 2014 1 K 332\/11 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des finanzgerichtlichen Verfahrens tragen die Kl&auml;gerin zu 18 % und der Beklagte zu 82 %.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine KG, war Eigent&uuml;merin eines Grundst&uuml;cks. Im Jahr 2006 lie&szlig; sie auf dem Grundst&uuml;ck eine Freizeitanlage errichten. Sie &uuml;berlie&szlig; die Anlage zun&auml;chst der A-KG zur Nutzung. Die A-KG konnte ihre vertraglichen Zahlungspflichten gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin nicht erf&uuml;llen. Am 21.&nbsp;September 2007 &uuml;bte die &#8230;&nbsp;GmbH eine ihr zustehende Option auf Abtretung aller Kommanditanteile an der Kl&auml;gerin aus. Nachdem am 1.&nbsp;September 2008 das Insolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen der A-KG er&ouml;ffnet worden war, schloss die Kl&auml;gerin am 14.&nbsp;Oktober 2008 mit einer Gesellschaft der &#8230;&nbsp;Gruppe (V-GmbH) einen Mietvertrag sowie einen aufschiebend bedingten Kaufvertrag mit einem Kaufpreis von 12.050.000&nbsp;EUR &uuml;ber die Anlage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Folgezeit traten an der Anlage M&auml;ngel auf. Die Kl&auml;gerin und die V-GmbH trafen unter dem 7.&nbsp;Dezember 2010 eine &Auml;nderungsvereinbarung, wonach sich der Kaufpreis auf 6.000.000&nbsp;EUR reduzierte. In der Pr&auml;ambel zu dieser &Auml;nderungsvereinbarung hie&szlig; es, es habe sich im Nachhinein herausgestellt, dass die Anlage mit gravierenden M&auml;ngeln, insbesondere hinsichtlich der Statik und des Brandschutzes, behaftet sei. Die V-GmbH f&uuml;hre im Gegenzug die erforderlichen Sanierungsarbeiten auf eigene Kosten durch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 21.&nbsp;Juli 2010 stellte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) den Grundbesitzwert f&uuml;r die wirtschaftliche Einheit der Anlage auf den 21.&nbsp;September 2007 nach &sect;&nbsp;147 des Bewertungsgesetzes in der f&uuml;r 2007 geltenden Fassung (BewG) mit 43.131.500&nbsp;EUR gesondert fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Einspruchsverfahren erkl&auml;rte die Kl&auml;gerin, sie k&ouml;nne gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;4 BewG nachweisen, dass der gemeine Wert der wirtschaftlichen Einheit niedriger sei als der festgestellte Wert. Zum einen k&ouml;nne der Nachweis mit dem letztlich erzielten Kaufpreis gef&uuml;hrt werden. Zum anderen legte die Kl&auml;gerin ein Gutachten eines &ouml;ffentlich bestellten und vereidigten Sachverst&auml;ndigen vom 8.&nbsp;Dezember 2010 vor. Danach betrug der Wert f&uuml;r das Grundst&uuml;ck und den Geb&auml;udekomplex als &quot;Ertragswert vor Sanierung&quot; 12.007.377,28&nbsp;EUR. Unter Abzug eines gesch&auml;tzten Sanierungsaufwands in H&ouml;he von 6.200.000&nbsp;EUR und einer Rundung ermittelte der Gutachter einen Marktwert in H&ouml;he von 5.807.000&nbsp;EUR zum Bewertungsstichtag 21.&nbsp;September 2007; diesen Wert korrigierte er noch auf 5.691.000&nbsp;EUR. Der Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass sich die zum Sanierungsaufwand f&uuml;hrenden Baum&auml;ngel erst im Jahr 2009 gezeigt h&auml;tten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Einspruch blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage teilweise statt. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es im Wesentlichen aus, der Grundbesitzwert auf den 21.&nbsp;September 2007 sei mit 12.269.500&nbsp;EUR festzustellen, weil die Kl&auml;gerin den Nachweis eines entsprechenden niedrigeren gemeinen Werts i.S. des &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;4 BewG erbracht habe. Der zwischen der Kl&auml;gerin und der V-GmbH geschlossene Kaufvertrag eigne sich zwar wegen der wirtschaftlich schwierigen Lage der Kl&auml;gerin nicht f&uuml;r einen Individualnachweis. Der durch den Gutachter ermittelte Wert sei aber &#8211;nach Korrektur eines Fehlers bei der Berechnung der Restnutzungsdauer der Anlage&#8211; grunds&auml;tzlich anzuerkennen. Dieser Wert sei nicht um einen Sanierungsaufwand f&uuml;r Baum&auml;ngel zu mindern. Die Baum&auml;ngel, die dem zugrunde liegen sollten, seien zum Besteuerungszeitpunkt noch nicht bekannt gewesen, sondern h&auml;tten sich erst im Jahr 2009 herausgestellt. Davon abgesehen ergebe sich aus dem vorgelegten Gutachten nicht mit hinreichender Klarheit, welche Baum&auml;ngel dem vom Gutachter auch der H&ouml;he nach nicht n&auml;her begr&uuml;ndeten Sanierungsaufwand zugrunde gelegen h&auml;tten. Die Erw&auml;hnung der M&auml;ngel im Zusammenhang mit der am 7.&nbsp;Dezember 2010 erfolgten &Auml;nderung des Kaufvertrages mit der V-GmbH lasse allenfalls erahnen, dass es sich hierbei um die erst nach Abschluss des Vertrages vom 14.&nbsp;Oktober 2008 erkannten M&auml;ngel hinsichtlich der Statik und des Brandschutzes handele. Vor diesem Hintergrund erschlie&szlig;e sich nicht, wie der Gutachter den von ihm ber&uuml;cksichtigten Sanierungsaufwand ermittelt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin eine Verletzung von &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;4 BewG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Durch &Auml;nderungsbescheid vom 18.&nbsp;Februar 2015 hat das FA zur Umsetzung der Entscheidung der Vorinstanz den Grundbesitzwert der Anlage mit 12.269.500&nbsp;EUR festgestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Vorentscheidung aufzuheben und den Bescheid &uuml;ber die gesonderte Feststellung des Grundbesitzwerts f&uuml;r Zwecke der Grunderwerbsteuer vom 18.&nbsp;Februar 2015 dergestalt abzu&auml;ndern, dass der Grundbesitzwert f&uuml;r die wirtschaftliche Einheit, mit 5.691.000&nbsp;EUR festgestellt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Das Urteil des FG war schon aus verfahrensrechtlichen Gr&uuml;nden aufzuheben, weil sich w&auml;hrend des Revisionsverfahrens der Verfahrensgegenstand, &uuml;ber dessen Rechtm&auml;&szlig;igkeit das FG zu entscheiden hatte, ge&auml;ndert hat (&sect;&nbsp;127 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). An die Stelle des Feststellungsbescheids vom 21.&nbsp;Juli 2010, &uuml;ber den das FG entschieden hat, ist w&auml;hrend des Revisionsverfahrens der Bescheid vom 18.&nbsp;Februar 2015 getreten und nach &sect;&nbsp;121 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;68 Satz&nbsp;1 FGO Gegenstand des Verfahrens geworden. Das angefochtene Urteil ist daher gegenstandslos und aufzuheben (Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 2.&nbsp;M&auml;rz 2011 II&nbsp;R&nbsp;5\/09, BFH\/NV 2011, 1147; vom 3.&nbsp;Juni 2014 II&nbsp;R&nbsp;45\/12, BFHE 245, 374, BStBl II 2014, 806, und vom 22.&nbsp;Juli 2015 II&nbsp;R&nbsp;15\/14, BFH\/NV 2015, 1584, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einer Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG nach &sect;&nbsp;127 FGO bedarf es jedoch nicht, da sich aufgrund des &Auml;nderungsbescheids an den zwischen den Beteiligten streitigen Punkten nichts ge&auml;ndert hat (BFH-Urteile vom 12.&nbsp;Januar 2011 II&nbsp;R&nbsp;30\/09, BFH\/NV 2011, 755; in BFHE 245, 374, BStBl II 2014, 806, und in BFH\/NV 2015, 1584). Die vom FG getroffenen tats&auml;chlichen Feststellungen bilden nach wie vor die Grundlage f&uuml;r die Entscheidung des BFH; sie fallen durch die Aufhebung des finanzgerichtlichen Urteils nicht weg, da das finanzgerichtliche Urteil nicht an einem Verfahrensmangel leidet (BFH-Urteile in BFHE 245, 374, BStBl II 2014, 806, m.w.N., und in BFH\/NV 2015, 1584).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>III. Die Sache ist spruchreif. Der gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;121 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;68 Satz&nbsp;1 FGO zum Gegenstand des Revisionsverfahrens gewordene Bescheid vom 18.&nbsp;Februar 2015 ist rechtm&auml;&szlig;ig und verletzt die Kl&auml;gerin nicht in ihren Rechten. Der Grundbesitzwert in H&ouml;he von 12.269.500&nbsp;EUR f&uuml;r die wirtschaftliche Einheit auf den 21.&nbsp;September 2007 ist zutreffend auf der Grundlage des Einzelnachweises gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;4 BewG in Gestalt eines Sachverst&auml;ndigengutachtens ermittelt worden. Ein Abzug von Sanierungsaufwand kommt nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Weist der Steuerpflichtige nach, dass der gemeine Wert der wirtschaftlichen Einheit im Besteuerungszeitpunkt niedriger ist als der nach den &sect;&sect;&nbsp;145 bis 149 BewG ermittelte Wert, ist der gemeine Wert als Grundbesitzwert festzustellen (&sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;4 BewG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Steuerpflichtige tr&auml;gt f&uuml;r den niedrigeren gemeinen Wert die Nachweislast und nicht nur eine Darlegungs- und Feststellungslast (vgl. BFH-Urteil vom 11.&nbsp;September 2013 II&nbsp;R&nbsp;61\/11, BFHE 243, 376, BStBl II 2014, 363). Er kann einen Nachweis durch Sachverst&auml;ndigengutachten regelm&auml;&szlig;ig nur durch ein Gutachten des &ouml;rtlich zust&auml;ndigen Gutachterausschusses oder eines Sachverst&auml;ndigen f&uuml;r die Bewertung von Grundst&uuml;cken f&uuml;hren (zu &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;7 BewG a.F. BFH-Urteil vom 10.&nbsp;November 2004 II&nbsp;R&nbsp;69\/01, BFHE 207, 352, BStBl II 2005, 259).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ob das Gutachten den geforderten Nachweis erbringt, unterliegt der freien Beweisw&uuml;rdigung des FG. Der Nachweis ist erbracht, wenn dem Gutachten ohne Einschaltung bzw. Bestellung weiterer Sachverst&auml;ndiger gefolgt werden kann. Entspricht das Gutachten nicht in jeder Hinsicht den zu stellenden Anforderungen, berechtigt dies nicht ohne weiteres dazu, das Gutachten insgesamt unber&uuml;cksichtigt zu lassen. Etwaige L&uuml;cken im Gutachten k&ouml;nnen vom FG selbst geschlossen werden, wenn und soweit dies ohne Sachverst&auml;ndige im &uuml;blichen Rahmen einer Beweisw&uuml;rdigung m&ouml;glich ist (BFH-Urteil vom 5.&nbsp;Mai 2010 II&nbsp;R&nbsp;25\/09, BFHE 230, 72, BStBl II 2011, 203, Rz&nbsp;18).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im Streitfall betr&auml;gt der durch den Gutachter ermittelte Wert nach Berichtigung des Fehlers bei der Berechnung der Restnutzungsdauer wie vom FG entschieden 12.269.500&nbsp;EUR. Das FG ist mit nachvollziehbaren Gr&uuml;nden insoweit dem Gutachten des Sachverst&auml;ndigen gefolgt. Diese Tatsachenfeststellung durch das FG ist m&ouml;glich und damit f&uuml;r den Senat bindend (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO; vgl. BFH-Urteile vom 25.&nbsp;November 1997 IX&nbsp;R&nbsp;8\/95, BFH\/NV 1998, 832, und vom 12.&nbsp;Juli 2016 VII&nbsp;R&nbsp;14\/15, BFH\/NV 2017, 58, Rz&nbsp;16).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Abzug von Sanierungsaufwand wie im Gutachten des Sachverst&auml;ndigen vom 8.&nbsp;Dezember 2010 vorgenommen scheidet aus. Wie das FG anhand des Sachverst&auml;ndigengutachtens bindend festgestellt hat, ergibt sich daraus nicht mit hinreichender Klarheit, welche Baum&auml;ngel dem vom Gutachter auch der H&ouml;he nach nicht n&auml;her begr&uuml;ndeten Sanierungsaufwand zugrunde gelegen haben. Das Gutachten entspricht insoweit nicht den zu stellenden Anforderungen. Vom Sachverst&auml;ndigen zur Ermittlung des gemeinen Werts (&sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 BewG) vorgenommene Abschl&auml;ge m&uuml;ssen objektivierbar und grundst&uuml;cksbezogen begr&uuml;ndet sein, und zwar nicht nur dem Grunde nach, sondern auch hinsichtlich der H&ouml;he (BFH-Urteil in BFHE 230, 72, BStBl II 2011, 203, Rz&nbsp;18, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die insoweit im Gutachten vom 8.&nbsp;Dezember 2010 enthaltenen L&uuml;cken konnte das FG nicht im &uuml;blichen Rahmen einer Beweisw&uuml;rdigung ohne Sachverst&auml;ndige schlie&szlig;en. Eine hinreichende Substantiierung ergibt sich nach den revisionsrechtlich nicht zu beanstandenden Feststellungen des FG weder aus der &Auml;nderungsvereinbarung vom 7.&nbsp;Dezember 2010 noch aus den sonstigen von der Kl&auml;gerin vorgelegten Unterlagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob die Baum&auml;ngel bereits zum Bewertungszeitpunkt 21.&nbsp;September 2007 vorhanden waren und ob sie ggf. bei der Bewertung zu ber&uuml;cksichtigen w&auml;ren, obwohl sie seinerzeit noch nicht bekannt waren, kann danach auf sich beruhen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Ein niedrigerer Grundbesitzwert als 12.269.500&nbsp;EUR wird auch nicht durch den Kaufvertrag vom 14.&nbsp;Oktober 2008 und die &Auml;nderungsvereinbarung vom 7.&nbsp;Dezember 2010 nachgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ein niedrigerer gemeiner Wert kann auch durch einen im gew&ouml;hnlichen Gesch&auml;ftsverkehr zeitnah zum ma&szlig;geblichen Besteuerungsstichtag erzielten Kaufpreis f&uuml;r das zu bewertende Grundst&uuml;ck nachgewiesen werden (BFH-Urteil vom 8.&nbsp;Oktober 2003 II&nbsp;R&nbsp;27\/02, BFHE 204, 306, BStBl II 2004, 179). Ein zeitnah erzielter Kaufpreis ist regelm&auml;&szlig;ig ein solcher, der innerhalb eines Jahres vor oder nach dem Besteuerungszeitpunkt zustande gekommen ist. Grundst&uuml;cksverk&auml;ufe, die eine wesentlich l&auml;ngere Zeit als ein Jahr entfernt liegen, bieten im Allgemeinen keine geeignete Grundlage zur unmittelbaren Ableitung des gemeinen Werts (BFH-Urteil vom 2.&nbsp;Juli 2004 II&nbsp;R&nbsp;55\/01, BFHE 205, 492, BStBl II 2004, 703). Als gew&ouml;hnlicher Gesch&auml;ftsverkehr ist der Handel nach den wirtschaftlichen Grunds&auml;tzen von Angebot und Nachfrage zu verstehen, bei dem die Vertragspartner ohne Zwang und nicht aus Not, sondern in Wahrung ihrer eigenen Interessen handeln (BFH-Urteil vom 26.&nbsp;April 2006 II&nbsp;R&nbsp;58\/04, BFHE 213, 207, BStBl II 2006, 793, unter III.1.a, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die in den Vertr&auml;gen vom 14.&nbsp;Oktober 2008 und 7.&nbsp;Dezember 2010 vereinbarten Kaufpreise sind danach nicht zum Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts geeignet. Die Vertr&auml;ge sind nicht im gew&ouml;hnlichen Gesch&auml;ftsverkehr zustande gekommen. Vielmehr befand sich die Kl&auml;gerin nach den vom FG getroffenen Feststellungen aufgrund der Nichterf&uuml;llung der vertraglichen Zahlungspflichten der A-KG ihr gegen&uuml;ber und der Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens &uuml;ber das Verm&ouml;gen der A-KG am 1.&nbsp;September 2008 in einer Notlage. Ihr Betriebsmodell war zusammengebrochen. Die &Auml;nderungsvereinbarung vom 7.&nbsp;Dezember 2010 wurde zudem erst mehr als drei Jahre nach dem Bewertungsstichtag (21.&nbsp;September 2007) getroffen und kann schon deshalb nicht zum Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts herangezogen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung folgt f&uuml;r das finanzgerichtliche Verfahren aus &sect;&nbsp;136 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO und f&uuml;r das Revisionsverfahren aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.3.2017, II R 10\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.150317.IIR10.15.0 Nachweis des niedrigeren Grundbesitzwerts durch Gutachten Tenor Auf die Revision der Kl&auml;gerin wird das Urteil des Finanzgerichts Mecklenburg-Vorpommern vom 10. Dezember 2014 1 K 332\/11 aufgehoben. Die Klage wird abgewiesen. Die Kosten des finanzgerichtlichen Verfahrens tragen die Kl&auml;gerin zu 18 % und der Beklagte zu 82 %. Die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-10-15-nachweis-des-niedrigeren-grundbesitzwerts-durch-gutachten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;10\/15 &#8211; Nachweis des niedrigeren Grundbesitzwerts durch Gutachten<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67519","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67519","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67519"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67519\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}