{"id":67523,"date":"2017-08-23T08:27:01","date_gmt":"2017-08-23T06:27:01","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67523"},"modified":"2017-08-23T08:27:01","modified_gmt":"2017-08-23T06:27:01","slug":"iii-r-32-15-kindergeldberechtigung-von-unionsbuergern-feststellung-der-fehlenden-freizuegigkeit-nur-durch-die-auslaenderbehoerden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-32-15-kindergeldberechtigung-von-unionsbuergern-feststellung-der-fehlenden-freizuegigkeit-nur-durch-die-auslaenderbehoerden\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;32\/15 &#8211; Kindergeldberechtigung von Unionsb&uuml;rgern &#8211; Feststellung der fehlenden Freiz&uuml;gigkeit nur durch die Ausl&auml;nderbeh&ouml;rden"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.3.2017, III R 32\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.150317.IIIR32.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeldberechtigung von Unionsb&uuml;rgern &#8211; Feststellung der fehlenden Freiz&uuml;gigkeit nur durch die Ausl&auml;nderbeh&ouml;rden<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Die Feststellung der fehlenden Freiz&uuml;gigkeit obliegt &#8211;auch hinsichtlich der Kindergeldfestsetzung&#8211; allein den Ausl&auml;nderbeh&ouml;rden und den Verwaltungsgerichten, nicht jedoch den Familienkassen. Erst nach einer Feststellung des Nichtbestehens oder des Verlustes des Rechts nach &sect; 2 Abs. 1 Freiz&uuml;gG\/EU ben&ouml;tigt der Unionsb&uuml;rger gem&auml;&szlig; &sect; 11 Abs. 2 Freiz&uuml;gG\/EU einen Aufenthaltstitel nach dem Aufenthaltsgesetz, will er sich weiterhin legal in Deutschland aufhalten und Kindergeld beanspruchen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers werden das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 22. April 2015&nbsp;&nbsp;12 K 12140\/13 und die Einspruchsentscheidungen der Beklagten vom 7. Juni 2013 sowie ihre Ablehnungsbescheide vom 1. Februar 2013 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Beklagte wird verpflichtet, Kindergeld f&uuml;r die Tochter des Kl&auml;gers f&uuml;r den Zeitraum M&auml;rz 2010 bis April 2012 und den Sohn des Kl&auml;gers f&uuml;r Januar 2011 bis April 2012 festzusetzen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat die Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist bulgarischer Staatsb&uuml;rger und wohnt seit dem 18.&nbsp;M&auml;rz 2010 mit seiner im Januar 2004 geborenen Tochter (T) in D, f&uuml;r die er im November 2010 bei der Beklagten und Revisionsbeklagten (Familienkasse) die Gew&auml;hrung von Kindergeld beantragte. Im Antragsformular teilte er mit, er sei weder unselbst&auml;ndig noch selbst&auml;ndig erwerbst&auml;tig und auch nicht in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) sozialversichert. Die Familienkasse erbat daraufhin vom Kl&auml;ger ohne Erfolg die Vorlage weiterer Unterlagen sowie die Auskunft, wovon er seit seiner Einreise seinen Lebensunterhalt bestreite.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Januar 2011 wurde der Sohn (S) des Kl&auml;gers geboren, f&uuml;r den er im Februar 2011 ebenfalls Kindergeld beantragte. Auf eine erneute Nachfrage der Familienkasse teilte die Ehefrau des Kl&auml;gers im M&auml;rz 2011 mit, dass ihre Schwiegermutter f&uuml;r den Unterhalt der Familie sorge. Die Schwiegermutter betreibe ein Gewerbe als Raumpflegerin. Der Kl&auml;ger, sie &#8211;seine Ehefrau&#8211;, die beiden Kinder sowie die Mutter des Kl&auml;gers wohnten zu f&uuml;nft in einer Einzimmerwohnung mit ca. 37&nbsp;qm Wohnfl&auml;che, deren Hauptmieterin die Mutter des Kl&auml;gers sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 22.&nbsp;Mai 2012 erhielt der Kl&auml;ger eine Freiz&uuml;gigkeitsbescheinigung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;5 des Gesetzes &uuml;ber die allgemeine Freiz&uuml;gigkeit von Unionsb&uuml;rgern a.F. (Freiz&uuml;gG\/EU). Die Familienkasse setzte daraufhin f&uuml;r beide Kinder Kindergeld ab Mai 2012 fest und lehnte zugleich den Antrag f&uuml;r die Tochter f&uuml;r den Zeitraum M&auml;rz 2010 bis April 2012 und f&uuml;r den Sohn von Januar 2011 bis April 2012 unter Hinweis auf die seinerzeit noch fehlende Freiz&uuml;gigkeitsbescheinigung ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) entschied, ein etwaiges Recht auf Freiz&uuml;gigkeit bestehe unabh&auml;ngig von der Erteilung einer entsprechenden Bescheinigung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Freiz&uuml;gG\/EU (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2015, 1457). Die Bescheinigung wirke lediglich deklaratorisch, da sich das Freiz&uuml;gigkeitsrecht unmittelbar aus Gemeinschaftsrecht ergebe. &sect;&nbsp;13 Freiz&uuml;gG\/EU i.V.m. den besonderen Bedingungen in der &Uuml;bergangsphase bis zum 31.&nbsp;Dezember 2013 f&uuml;r Staatsb&uuml;rger der beitretenden Staaten Bulgarien und Rum&auml;nien beschr&auml;nke das Freiz&uuml;gigkeitsrecht nur f&uuml;r Arbeitnehmer (&sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 Freiz&uuml;gG\/EU). Ein Freiz&uuml;gigkeitsrecht k&ouml;nne deshalb auch in der &Uuml;bergangsphase auf einen der in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Nrn.&nbsp;2 bis 7 Freiz&uuml;gG\/EU genannten Tatbest&auml;nde gest&uuml;tzt werden. Dazu habe der Kl&auml;ger aber nichts vorgetragen und damit seine Mitwirkungspflicht verletzt. Als nicht erwerbst&auml;tiger Unionsb&uuml;rger w&auml;re er gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Freiz&uuml;gG\/EU nur unter der weiteren Voraussetzung ausreichenden Krankenversicherungsschutzes und ausreichender Existenzmittel freiz&uuml;gigkeitsberechtigt gewesen. Das Freiz&uuml;gigkeitsrecht eines Unionsb&uuml;rgers k&ouml;nne im Rahmen der Pr&uuml;fung der Voraussetzungen f&uuml;r den Kindergeldanspruch auch nicht ohne weiteres unterstellt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung seiner Revision tr&auml;gt der Kl&auml;ger vor, das FG-Urteil widerspreche dem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) vom 30.&nbsp;Januar 2013 B&nbsp;4&nbsp;AS&nbsp;54\/12&nbsp;R (BSGE 113, 60), wonach sich bulgarische Unionsb&uuml;rger in der &Uuml;bergangszeit bis zum 31.&nbsp;Dezember 2013 auf eine europarechtliche Freiz&uuml;gigkeitsvermutung st&uuml;tzen k&ouml;nnten, die fortbestehe, bis der Aufnahmestaat durch nationalen Rechtsakt festgestellt habe, dass Bedingungen i.S. von &sect;&nbsp;21 des Vertrages &uuml;ber die Arbeitsweise der Europ&auml;ischen Union (AEUV) nicht erf&uuml;llt seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das FG-Urteil sowie die Ablehnungsbescheide vom 1.&nbsp;Februar 2013 und die Einspruchsentscheidungen vom 7.&nbsp;Juni 2013 aufzuheben und die Familienkasse zu verpflichten, Kindergeld f&uuml;r seine Tochter T f&uuml;r den Zeitraum M&auml;rz 2010 bis April 2012 und f&uuml;r seinen Sohn S f&uuml;r Januar 2011 bis April 2012 festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie tr&auml;gt vor, bei Staatsangeh&ouml;rigen der Staaten der Europ&auml;ischen Union (EU) sei grunds&auml;tzlich von der Freiz&uuml;gigkeitsberechtigung auszugehen. Bei Zweifeln am Vorliegen der Voraussetzungen der Freiz&uuml;gigkeitsberechtigung seien diese jedoch unabh&auml;ngig davon zu pr&uuml;fen, ob die Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde die Freiz&uuml;gigkeit nach &sect;&nbsp;6 Freiz&uuml;gG\/EU aberkannt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des FG-Urteils und zur Stattgabe der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Unrecht entschieden, dass der Kl&auml;ger vor Erteilung der Freiz&uuml;gigkeitsbescheinigung als nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigt zu behandeln war und daher wegen &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) kein Kindergeld beanspruchen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Kl&auml;ger erf&uuml;llt &#8211;abgesehen von der Freiz&uuml;gigkeitsberechtigung&#8211; unstreitig die Voraussetzungen f&uuml;r die Festsetzung von Kindergeld f&uuml;r seine beiden Kinder: Er hat mit seinen beiden Kindern einen gemeinsamen Wohnsitz im Inland (&sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 EStG) und er ist aufgrund der Zustimmung seiner Ehefrau der berechtigte Elternteil (&sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Kl&auml;ger ist &#8211;entgegen der Auffassung des FG&#8211; auch freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder und unterliegt deshalb nicht den Einschr&auml;nkungen des &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG ist zutreffend davon ausgegangen, dass der Kl&auml;ger als bulgarischer Staatsb&uuml;rger im Streitzeitraum innerhalb der EU freiz&uuml;gigkeitsberechtigt war. Es hat weiter zutreffend erkannt, dass die Bundesregierung in &Uuml;bereinstimmung mit Art.&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 des Vertrages zwischen den Mitgliedstaaten der Europ&auml;ischen Union und der Republik Bulgarien und Rum&auml;nien (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union vom 21.&nbsp;Juni 2005, Nr.&nbsp;L&nbsp;157, S.&nbsp;11) und abweichend von den Art.&nbsp;1 bis 6 der Verordnung (EWG) Nr.&nbsp;1612\/68 des Rates vom 15.&nbsp;Oktober 1968 &uuml;ber die Freiz&uuml;gigkeit der Arbeitnehmer innerhalb der Gemeinschaft f&uuml;r den Zeitraum bis zum 31.&nbsp;Dezember 2013 eine Besch&auml;ftigung von bulgarischen und rum&auml;nischen Staatsangeh&ouml;rigen nach &sect;&nbsp;284 des Dritten Buchs Sozialgesetzbuch (SGB&nbsp;III) von einer Genehmigung der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit abh&auml;ngig gemacht hat. Dem tr&auml;gt &sect;&nbsp;13 Freiz&uuml;gG\/EU Rechnung, wonach das Freiz&uuml;gG\/EU f&uuml;r diesen Zeitraum Anwendung finden soll, wenn die Besch&auml;ftigung durch die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;284 Abs.&nbsp;1 SGB III&nbsp;genehmigt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Diese Einschr&auml;nkung bewirkt aber nicht, dass ein Unionsb&uuml;rger bei fehlender arbeitsrechtlicher Genehmigung als nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder zu behandeln ist. Denn jeder Unionsb&uuml;rger hat das Recht, sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten vorbehaltlich der in den Vertr&auml;gen und in den Durchf&uuml;hrungsvorschriften vorgesehenen Beschr&auml;nkungen und Bedingungen frei zu bewegen und aufzuhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r Angeh&ouml;rige eines Mitgliedsstaates gilt gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;21 Abs.&nbsp;1 AEUV ein von der Arbeitnehmer-Freiz&uuml;gigkeit unabh&auml;ngiges Freiz&uuml;gigkeitsrecht, das allein aus der Unionsb&uuml;rgerschaft folgt und aus dem sich ein Aufenthaltsrecht ergibt. Dieses unmittelbar anwendbare subjektiv-&ouml;ffentliche Recht steht den Unionsb&uuml;rgern, und zwar auch den Angeh&ouml;rigen der Beitrittsstaaten, die hinsichtlich des Zuganges zum Arbeitsmarkt Beschr&auml;nkungen unterlagen, unabh&auml;ngig vom Zweck seiner Inanspruchnahme zu (Senatsbeschluss vom 27.&nbsp;April 2015 III&nbsp;B&nbsp;127\/14, BFHE 249, 519, BStBl II 2015, 901). Das Aufenthaltsrecht entf&auml;llt auch bei Angeh&ouml;rigen der zum 1.&nbsp;Januar 2007 beigetretenen Mitgliedstaaten Bulgarien und Rum&auml;nien allein durch einen Verwaltungsakt nach &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;5, &sect;&nbsp;6 und &sect;&nbsp;7 Freiz&uuml;gG\/EU (BSG-Urteil in BSGE 113, 60, Rz&nbsp;20, betreffend Sozialhilfe f&uuml;r Schwangere; Siegers, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2015, 953; Hartmann, Der Ertrag-Steuer-Berater 2015, 358).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die gemeinschaftsrechtliche Freiz&uuml;gigkeit besteht zudem auch nach deutschem Recht nicht nur f&uuml;r Arbeitnehmer, die einer Genehmigung bed&uuml;rfen (&sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1, &sect;&nbsp;13 Freiz&uuml;gG\/EU i.V.m. &sect;&nbsp;284 SGB&nbsp;III), sondern nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;ff. Freiz&uuml;gG\/EU auch f&uuml;r niedergelassene selbst&auml;ndige Erwerbst&auml;tige, Empf&auml;nger von Dienstleistungen, Familienangeh&ouml;rige usw. Die f&ouml;rmliche Feststellung der fehlenden Freiz&uuml;gigkeit obliegt dabei allein den Ausl&auml;nderbeh&ouml;rden und den Verwaltungsgerichten, nicht jedoch den Familienkassen. Erst nach einer Feststellung des Nichtbestehens oder des Verlustes des Rechts nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Freiz&uuml;gG\/EU f&auml;nde gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Freiz&uuml;gG\/EU das Aufenthaltsgesetz Anwendung, so dass der Unionsb&uuml;rger einen Aufenthaltstitel nach dem Aufenthaltsgesetz ben&ouml;tigt, will er sich weiterhin legal in Deutschland aufhalten und Kindergeld beanspruchen (&sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 EStG). An einer derartigen Entscheidung der Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde fehlte es hier.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.3.2017, III R 32\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.150317.IIIR32.15.0 Kindergeldberechtigung von Unionsb&uuml;rgern &#8211; Feststellung der fehlenden Freiz&uuml;gigkeit nur durch die Ausl&auml;nderbeh&ouml;rden Leits&auml;tze Die Feststellung der fehlenden Freiz&uuml;gigkeit obliegt &#8211;auch hinsichtlich der Kindergeldfestsetzung&#8211; allein den Ausl&auml;nderbeh&ouml;rden und den Verwaltungsgerichten, nicht jedoch den Familienkassen. 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