{"id":67537,"date":"2017-08-23T08:28:18","date_gmt":"2017-08-23T06:28:18","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67537"},"modified":"2017-08-23T08:28:18","modified_gmt":"2017-08-23T06:28:18","slug":"iv-r-25-15-notwendige-beiladung-des-mitunternehmers-bei-streit-um-hoehe-seines-sonderbetriebsgewinns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iv-r-25-15-notwendige-beiladung-des-mitunternehmers-bei-streit-um-hoehe-seines-sonderbetriebsgewinns\/","title":{"rendered":"IV&nbsp;R&nbsp;25\/15 &#8211; Notwendige Beiladung des Mitunternehmers bei Streit um H&ouml;he seines Sonderbetriebsgewinns"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.4.2017, IV R 25\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.130417.IVR25.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Notwendige Beiladung des Mitunternehmers bei Streit um H&ouml;he seines Sonderbetriebsgewinns<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;gerin wird das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 24. M&auml;rz 2015 1 K 2217\/12 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht K&ouml;ln zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine GbR, wurde nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) im Jahr 2006 mit dem Ziel des gewerblichen Grundst&uuml;ckshandels gegr&uuml;ndet. Gesellschafter zu gleichen Teilen sind J, eine Steuerberaterin, und A. Da die Bank f&uuml;r die Finanzierung von Objekten weitere Sicherheiten verlangte, stellte J ihr Wertpapierdepot als zus&auml;tzliche Sicherheit zur Verf&uuml;gung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihren Bilanzen zum 31.&nbsp;Dezember 2007 und 31.&nbsp;Dezember 2008, deren Aufstellungsdatum den Aktenausfertigungen nicht zu entnehmen ist, bilanzierte die Kl&auml;gerin das Wertpapierdepot im Sonderbetriebsverm&ouml;gen der J und ermittelte hierf&uuml;r f&uuml;r das Streitjahr 2007 einen Gewinn und f&uuml;r das Streitjahr 2008 einen Verlust. Im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung ber&uuml;cksichtigte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die Sonderbetriebseinnahmen bzw. Sonderbetriebsausgaben in den ge&auml;nderten Feststellungsbescheiden 2007 und 2008 vom 9.&nbsp;M&auml;rz 2011 nicht mehr, da die Kl&auml;gerin nicht nachgewiesen habe, dass die Wertpapiere schon vor der Erzielung von Verlusten in das Sonderbetriebsverm&ouml;gen der J eingelegt wurden. Der hiergegen gerichtete Einspruch blieb ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG wies die Klage der Kl&auml;gerin mit Urteil vom 24.&nbsp;M&auml;rz 2015&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K 2217\/12 ab. Die Wertpapiere seien kein gewillk&uuml;rtes Sonderbetriebsverm&ouml;gen geworden, denn es fehle an der Klarheit und Eindeutigkeit des Widmungsakts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision macht die Kl&auml;gerin geltend, das FG habe die allgemeinen Regeln des Beweisrechts und die von der Rechtsprechung aufgestellten Anforderungen an die Einlage von Wertpapieren in das Sonderbetriebsverm&ouml;gen eines Gesellschafters nicht beachtet. Sie, die Kl&auml;gerin, habe den Nachweis der Einlage der Wertpapiere in das Sonderbetriebsverm&ouml;gen auf mehrere Arten erbracht. So habe sie die Primanota und Ausdrucke nicht festgeschriebener Buchungen zum M&auml;rz 2008 vorgelegt, der Bank die Einlage angezeigt, und zudem seien die Wertpapiere notwendiger Teil eines Finanzierungskonzepts der Bank gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angegriffene FG-Urteil und die Einspruchsentscheidung vom 14.&nbsp;Juni 2012 aufzuheben und die ge&auml;nderten Feststellungsbescheide f&uuml;r 2007 und 2008, jeweils vom 9.&nbsp;M&auml;rz 2011, dahin zu &auml;ndern, dass darin der Sonderbetriebsgewinn von J f&uuml;r 2007 auf 5.863&nbsp;EUR und f&uuml;r 2008 auf .\/.&nbsp;83.318&nbsp;EUR festgestellt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;gerin ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angegriffenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Denn das FG hat es verfahrensfehlerhaft unterlassen, J zum Verfahren notwendig beizuladen. Eine unterbliebene notwendige Beiladung stellt einen vom Revisionsgericht von Amts wegen zu pr&uuml;fenden Versto&szlig; gegen die Grundordnung des Verfahrens dar (z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 12.&nbsp;Mai 2016 IV&nbsp;R&nbsp;27\/13, Rz&nbsp;17, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 FGO sind Dritte (notwendig) beizuladen, wenn sie an dem streitigen Rechtsverh&auml;ltnis derart beteiligt sind, dass die Entscheidung auch ihnen gegen&uuml;ber nur einheitlich ergehen kann. Dies gilt nicht f&uuml;r Mitberechtigte, die nach &sect;&nbsp;48 FGO nicht klagebefugt sind. Klagen nicht alle von mehreren nach &sect;&nbsp;48 FGO Klagebefugten, m&uuml;ssen deshalb die &uuml;brigen Klagebefugten mit Ausnahme solcher, die unter keinem denkbaren Gesichtspunkt von dem Ausgang des Rechtsstreits betroffen sind, zum Verfahren beigeladen werden (z.B. BFH-Urteil vom 4.&nbsp;November 2003 VIII&nbsp;R&nbsp;38\/01, BFH\/NV 2004, 1372, unter II.A.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Geht es, wie im Streitfall, darum, ob und ggf. in welcher H&ouml;he ein Sonderbetriebsgewinn eines Mitunternehmers festzustellen ist, ist dieser Mitunternehmer nach &sect;&nbsp;48 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 FGO klagebefugt und f&uuml;r den Fall, dass er nicht selbst Klage erhebt, nach &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 FGO notwendig beizuladen. Danach ist J zu dem Verfahren notwendig beizuladen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. &sect;&nbsp;123 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO er&ouml;ffnet dem BFH die M&ouml;glichkeit, eine notwendige Beiladung im Revisionsverfahren nachzuholen (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteil vom 4.&nbsp;September 2014 IV&nbsp;R&nbsp;44\/13, Rz&nbsp;14, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat &uuml;bt dieses Ermessen dahingehend aus, die unterbliebene Beiladung nicht nachzuholen und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen. Dies ist im Streitfall zweckm&auml;&szlig;ig und ermessensgerecht. J hatte bisher weder im Einspruchs- noch im Klageverfahren die M&ouml;glichkeit, sich zu dem angegriffenen Feststellungsbescheid als Verfahrensbeteiligte in tats&auml;chlicher und rechtlicher Hinsicht zu &auml;u&szlig;ern, obwohl es im Streitfall allein um ihr Sonderbetriebsergebnis geht und dar&uuml;ber hinaus sie diejenige ist, die als Steuerberaterin der Kl&auml;gerin die streitigen Buchungen vorgenommen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Bei seiner erneuten Entscheidung muss das FG auch pr&uuml;fen, ob die Klage, soweit sie sich gegen die Feststellung des Sonderbetriebsergebnisses der J im Jahr 2007 richtet, &uuml;berhaupt zul&auml;ssig ist. Bedenken bestehen insoweit, als in dem angegriffenen &Auml;nderungsbescheid der Sonderbetriebsgewinn der J f&uuml;r dieses Jahr mit 0&nbsp;EUR festgestellt ist, so dass eine Beschwer durch diese Feststellung fraglich ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.4.2017, IV R 25\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.130417.IVR25.15.0 Notwendige Beiladung des Mitunternehmers bei Streit um H&ouml;he seines Sonderbetriebsgewinns Tenor Auf die Revision der Kl&auml;gerin wird das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 24. M&auml;rz 2015 1 K 2217\/12 aufgehoben. Die Sache wird an das Finanzgericht K&ouml;ln zur&uuml;ckverwiesen. 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