{"id":67540,"date":"2017-08-23T08:30:10","date_gmt":"2017-08-23T06:30:10","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67540"},"modified":"2017-08-23T08:30:10","modified_gmt":"2017-08-23T06:30:10","slug":"vii-r-5-16-unzulaessigkeit-der-ruhendstellung-einer-kontenpfaendung-gegen-den-willen-des-drittschuldners","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-5-16-unzulaessigkeit-der-ruhendstellung-einer-kontenpfaendung-gegen-den-willen-des-drittschuldners\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;5\/16 &#8211; Unzul&auml;ssigkeit der &quot;Ruhendstellung&quot; einer Kontenpf&auml;ndung gegen den Willen des Drittschuldners"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.5.2017, VII R 5\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.160517.VIIR5.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Unzul&auml;ssigkeit der &quot;Ruhendstellung&quot; einer Kontenpf&auml;ndung gegen den Willen des Drittschuldners<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Eine nach &sect; 309 Abs. 1 AO erlassene und aufrechterhaltene Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gung kann nicht dahingehend eingeschr&auml;nkt werden, dass dem Drittschuldner unter Rangwahrung gestattet wird, bis auf Widerruf an den Vollstreckungsschuldner zu zahlen und keine Betr&auml;ge mehr einzubehalten.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Aufgrund des untrennbaren Zusammenhangs zwischen Beschlagnahme und Pfandrecht ist ein einstweiliger Verzicht auf die Wirkungen des Pfandrechts ohne Aufhebung der mit der Pf&auml;ndung bewirkten Verstrickung ausgeschlossen. F&uuml;r eine solche Ruhendstellung der Pf&auml;ndungsverf&uuml;gung besteht in &sect; 309 Abs. 1 AO keine Rechtsgrundlage.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Hauptzollamts gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 26. Januar 2016&nbsp;&nbsp;11 K 2973\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat das Hauptzollamt zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist ein Kreditinstitut, das j&auml;hrlich in mehreren tausend F&auml;llen Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gungen erh&auml;lt, mit denen Finanzbeh&ouml;rden in gegen die Kl&auml;gerin gerichtete Forderungen ihrer Kunden wegen deren Abgabenschulden vollstrecken. Aufgrund eines Vollstreckungsauftrags einer Krankenkasse wegen r&uuml;ckst&auml;ndiger Sozialversicherungsbeitr&auml;ge des Vollstreckungsschuldners R pf&auml;ndete der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) mit Verf&uuml;gung vom 17.&nbsp;April 2014 n&auml;her bezeichnete Anspr&uuml;che des Vollstreckungsschuldners gegen die Kl&auml;gerin und ordnete die Einziehung der gepf&auml;ndeten Anspr&uuml;che bis zur H&ouml;he des von R geschuldeten Gesamtbetrags an. Mit Drittschuldnererkl&auml;rung vom selben Tag erkannte die Kl&auml;gerin die Pf&auml;ndung und Einziehung an. In der Folgezeit gew&auml;hrte das HZA einen Vollstreckungsaufschub gegen Teilzahlungen. Zugleich schr&auml;nkte es mit Schreiben vom 30.&nbsp;Juni 2014 die Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gung in der Weise ein, dass es die Kl&auml;gerin bat, bis auf Widerruf keine Betr&auml;ge aufgrund der Pf&auml;ndung einzubehalten. Dabei wies es darauf hin, dass die Pf&auml;ndungsverf&uuml;gung aufrecht erhalten werde und in jedem Fall gegen&uuml;ber sp&auml;ter zugestellten Pf&auml;ndungen bzw. Abtretungen vorrangig bleibe. Als Rechtsgrundlage f&uuml;r die Einschr&auml;nkung der Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gung berief sich das HZA auf &sect;&nbsp;258 der Abgabenordnung (AO) und auf das Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) D&uuml;sseldorf vom 15.&nbsp;Juni 1998&nbsp;&nbsp;1&nbsp;U&nbsp;183\/97 (OLGR D&uuml;sseldorf 1998, 451).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf den Einspruch der Kl&auml;gerin hob das HZA mit Verf&uuml;gung vom 20.&nbsp;August 2014 die Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gung vom&nbsp;&nbsp;17.&nbsp;April 2014 auf und wies darauf hin, dass damit die Verf&uuml;gung vom 30.&nbsp;Juni 2014 hinf&auml;llig geworden und dem dagegen eingelegten Einspruch abgeholfen worden sei. Die von der Kl&auml;gerin begehrte Erstattung der zur Rechtsverfolgung notwendigen Kosten lehnte es ab. Die daraufhin erhobene Fortsetzungsfeststellungsklage hatte Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) stellte fest, dass die auf die Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gung vom 17.&nbsp;April 2014 bezogene Verf&uuml;gung des HZA vom 30.&nbsp;Juni 2014 rechtswidrig gewesen sei. Das FG-Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2016, 438 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision r&uuml;gt das HZA eine rechtsfehlerhafte Auslegung und Anwendung des &sect;&nbsp;258 AO. Entgegen der Ansicht des FG seien die Zwangsvollstreckung nach dem Achten Buch der Zivilprozessordnung (ZPO) und die Vollstreckung nach dem Sechsten Teil der AO nicht inhaltlich deckungsgleich, sondern eigenst&auml;ndig. Bei der Vollstreckung nach der AO gehe es nicht um die Durchsetzung dispositiv getroffener vertraglicher Verpflichtungen, sondern um die Durchsetzung gesetzlich normierter Zahlungsverpflichtungen. Die Hauptzoll&auml;mter seien im Rahmen der Vollstreckung kraft Gesetzes Vollstreckungsbeh&ouml;rde. Auf die Auslegung des &sect;&nbsp;258 AO seien richterliche Beurteilungen hinsichtlich der in &sect;&nbsp;765a ZPO getroffenen Regelung nicht zwingend zu &uuml;bertragen. Die Ausf&uuml;hrungen der dem Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 2.&nbsp;Dezember 2015 VII&nbsp;ZB&nbsp;42\/14 (Wertpapiermitteilungen &#8211;WM&#8211; 2016, 133) vorhergehenden Instanzen lie&szlig;en begr&uuml;ndete Zweifel aufkommen, ob in der Streitsache die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;765a ZPO vorgelegen h&auml;tten. Die auslegungsbed&uuml;rftige Vorschrift des &sect;&nbsp;258 AO, die durch die Einf&uuml;hrung des Pf&auml;ndungsschutzkontos nicht obsolet sei und schuldnersch&uuml;tzenden Charakter aufweise, benenne nicht die zu ergreifende Einzelma&szlig;nahme, sondern stelle die jeweils gebotene Ma&szlig;nahme in das Ermessen der Vollstreckungsbeh&ouml;rde. Innerhalb der Bandbreite der ausdr&uuml;cklich erw&auml;hnten Ma&szlig;nahmen k&ouml;nnten die Vollstreckungsbeh&ouml;rden zur Herstellung der Einzelfallgerechtigkeit auch nicht genannte Ma&szlig;nahmen treffen, die gegen&uuml;ber den genannten Ma&szlig;nahmen ein &quot;Weniger&quot; seien. Die Pf&auml;ndung von Forderungen sei aufgrund des Nominalwertprinzips grunds&auml;tzlich eine schonende Vollstreckungsart. Seien jedoch keine Forderungen vorhanden, f&uuml;hre die Kontenpf&auml;ndung zur Blockade des Kontos und damit zu einem Ausschluss des Vollstreckungsschuldners von der Teilhabe am bargeldlosen Zahlungsverkehr. Bei Abschluss einer Ratenzahlungsvereinbarung m&uuml;sse ihm in der Regel eine solche Teilhabe wieder erm&ouml;glicht werden. Rechtssystematische Gesichtspunkte und der Charakter der Norm als Schuldnerschutzvorschrift rechtfertigten es jedoch nicht, den Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;258 AO auf die Aufhebung der Forderungspf&auml;ndung mit der Wirkung zu beschr&auml;nken, dass der Gl&auml;ubiger sein Pfandrecht verliere und es ggf. wieder neu begr&uuml;nden m&uuml;sse. Als ein Weniger gegen&uuml;ber der Aufhebung m&uuml;sse auch eine Ruhendstellung m&ouml;glich sein. Entgegen der Auffassung des FG werde ein Drittschuldner durch eine Ruhendstellung nicht ohne gesetzliche Grundlage belastet. Dieser habe bei Vorliegen mehrerer Pf&auml;ndungen den Priorit&auml;tsgrundsatz zu beachten, wobei ihn das Zahlungsverbot in seiner unternehmerischen T&auml;tigkeit beschr&auml;nke. Der auferlegte Arbeitsaufwand bei &quot;Wiedergestattung des Bankgesch&auml;fts durch Aussetzen des Arrestatoriums&quot; umfasse den vergleichbaren Arbeits-, Organisations- und &Uuml;berwachungsaufwand wie bei der Aufhebung einer Pf&auml;ndung. Das Haftungsrisiko entspreche dem &quot;normalen&quot; Risiko eines Drittschuldners. Mit einem Vertrag zu Lasten Dritter sei die Situation nicht vergleichbar. Im Streitfall seien der Kl&auml;gerin durch die Ruhendstellung unstreitig keine weiteren &Uuml;berwachungspflichten aufgeb&uuml;rdet worden. Eine Aufhebung der Pf&auml;ndung und die Durchf&uuml;hrung eines erneuten Pf&auml;ndungsverfahrens verursachten zus&auml;tzlichen Arbeitsaufwand. Der Aufwand einer Ruhendstellung, f&uuml;r die ein Entgelt nur schwer durchsetzbar sei, sei als Folge des bestehenden Rechts hinzunehmen. Schlie&szlig;lich m&uuml;ssten Kreditinstitute auch bei F&uuml;hrung eines Pf&auml;ndungsschutzkontos nach &sect;&nbsp;850l ZPO eine zeitlich befristete Ruhendstellung f&uuml;r maximal zw&ouml;lf Monate bei Aufrechterhaltung des Pf&auml;ndungsrangs banktechnisch erm&ouml;glichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin ist der Ansicht, dass die Entscheidung des BGH in WM 2016, 133 auf den Streitfall &uuml;bertragbar sei. Ihre &ouml;ffentlich-rechtliche Organisationsform sei f&uuml;r die Auslegung des &sect;&nbsp;258 AO unbeachtlich. Aus dem Schweigen des Gesetzgebers k&ouml;nne die Zul&auml;ssigkeit einer Ruhendstellung nicht hergeleitet werden. Im &Uuml;brigen schlie&szlig;t sich die Kl&auml;gerin den Ausf&uuml;hrungen des FG an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des HZA ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das Urteil entspricht dem Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 FGO). Das FG hat zu Recht entschieden, dass die Verf&uuml;gung vom 30.&nbsp;Juni 2014, mit der die am 17.&nbsp;April 2014 erlassene Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gung dahin eingeschr&auml;nkt worden ist, dass die Kl&auml;gerin zur Vermeidung von Schadensersatzanspr&uuml;chen trotz Aufrechterhaltung dieser Verf&uuml;gung bis auf Widerruf gebeten wurde, keine Betr&auml;ge aufgrund der Pf&auml;ndung einzubehalten, rechtswidrig war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die nach Aufhebung der Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gung erhobene Fortsetzungsfeststellungsklage ist nach &sect;&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 FGO zul&auml;ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zutreffend hat das FG darauf hingewiesen, dass die angefochtene Verf&uuml;gung, mit der das HZA die Ruhendstellung der Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gung angeordnet hat, ein f&uuml;r die Kl&auml;gerin belastender Verwaltungsakt ist. Durch die angeordnete Ruhendstellung entsteht f&uuml;r die Kl&auml;gerin ein zus&auml;tzlicher &Uuml;berwachungsaufwand, zudem wird sie zus&auml;tzlichen Haftungsrisiken ausgesetzt. Nach den Feststellungen des FG hat das HZA gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin in der Zeit zwischen Oktober 2014 und Dezember 2015 in mindestens 13&nbsp;F&auml;llen weitere Ruhendstellungen verf&uuml;gt, so dass an einer Wiederholungsgefahr kein Zweifel bestehen kann. Ihr besonderes berechtigtes Interesse an der Feststellung der Rechtswidrigkeit der angefochtenen Verf&uuml;gung hat die Kl&auml;gerin hinreichend dargelegt, so dass ihre Klage in Form einer Fortsetzungsfeststellungsklage zul&auml;ssig ist. Zur Vermeidung von Wiederholungen verweist der erkennende Senat auf die ausf&uuml;hrliche Begr&uuml;ndung des FG, der er sich anschlie&szlig;t. Im &Uuml;brigen hat das HZA keine Einwendungen gegen die Zul&auml;ssigkeit der Klage erhoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die einseitige Modifikation einer Pf&auml;ndungsverf&uuml;gung durch Einschr&auml;nkung des Arrestatoriums mit dem Ziel einer Ruhendstellung der Vollstreckungsma&szlig;nahme ist nicht m&ouml;glich. Hierzu bietet &sect;&nbsp;309 Abs.&nbsp;1 AO keine Rechtsgrundlage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ob das HZA gegen&uuml;ber dem Schuldner R die beschr&auml;nkenden Ma&szlig;nahmen nach den &sect;&sect;&nbsp;257 und 258 AO h&auml;tte treffen k&ouml;nnen, kann offen bleiben, da es im Streitfall lediglich um die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin als Drittschuldnerin erlassenen Pf&auml;ndungsverf&uuml;gung geht, die sich aus den nachstehenden Gr&uuml;nden als rechtswidrig erweist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Geldforderung wird nach &sect;&nbsp;309 Abs.&nbsp;1 AO gepf&auml;ndet, indem dem Drittschuldner eine Pf&auml;ndungsverf&uuml;gung zugestellt wird, in der die Vollstreckungsbeh&ouml;rde ihm schriftlich verbietet, an den Vollstreckungsschuldner zu zahlen (Arrestatorium). Bei der Pf&auml;ndung des Guthabens eines Kontos des Vollstreckungsschuldners bei einem Kreditinstitut bestimmt sich der Umfang der Pf&auml;ndung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;309 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 AO nach &sect;&nbsp;833a ZPO, wobei eine umfassende Pf&auml;ndung faktisch zu einer Kontosperrung f&uuml;hrt, so dass das Girokonto seine Zahlungsfunktion im bargeldlosen Zahlungsverkehr verliert. Dieser besonderen Situation hat der Gesetzgeber durch die Schaffung eines Pf&auml;ndungsschutzkontos Rechnung getragen, das auf Antrag des Schuldners nach &sect;&nbsp;850l ZPO eingerichtet werden kann, der neben &sect;&nbsp;765a ZPO anwendbar ist (Z&ouml;ller\/St&ouml;ber, ZPO, 31.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;850l Rz&nbsp;11).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Pf&auml;ndung des Guthabens eines Kontos bewirkt, dass das Kreditinstitut nicht mehr mit befreiender Wirkung an den Vollstreckungsschuldner zahlen kann. Besondere Verbindlichkeiten gegen&uuml;ber den Finanzbeh&ouml;rden werden durch die Pf&auml;ndung jedoch nicht begr&uuml;ndet (Urteil des FG N&uuml;rnberg vom 10.&nbsp;Mai 2011&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;1787\/2009). Sollen diese Rechtswirkungen einer Pf&auml;ndung wieder beseitigt und das Pf&auml;ndungspfandrecht aufgegeben werden, kann dies durch Aufhebung der Pf&auml;ndungsverf&uuml;gung und damit des Arrestatoriums erreicht werden. Eine einseitige Modifikation der Pf&auml;ndungsverf&uuml;gung unter Aufhebung des Arrestatoriums, wie sie das HZA mit der angefochtenen Verf&uuml;gung erreichen wollte, kommt nach &sect;&nbsp;309 Abs.&nbsp;1 AO nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) F&uuml;r die in der ZPO vorgesehenen M&ouml;glichkeiten der Aufhebung oder Einstellung der Zwangsvollstreckung durch das Vollstreckungsgericht oder ein anderes Vollstreckungsorgan hat der BGH entschieden, dass diese M&ouml;glichkeiten im Hinblick auf das streng formalisierte Verfahren als abschlie&szlig;end anzusehen sind (BGH-Beschluss in WM 2016, 133). Deshalb hat er den Pfandgl&auml;ubiger &#8211;auch unter Beachtung der in &sect;&nbsp;843 ZPO vorgesehenen Verzichtsm&ouml;glichkeit, die nach &sect;&nbsp;316 Abs.&nbsp;3 AO auch f&uuml;r das Vollstreckungsverfahren nach der AO besteht&#8211; nicht als befugt angesehen, die Rechtswirkungen der nach dem Gesetz vorgesehenen Zwangsvollstreckungsma&szlig;nahmen durch eine einseitige Anordnung dahin zu modifizieren, dass unter Aufrechterhaltung der Verstrickung die sich aus dem Pfandrecht ergebenden Rechtswirkungen entfallen. F&uuml;r eine vorl&auml;ufige Aussetzung der Wirkung der Pf&auml;ndung mit dem Ziel, dass diese im Fall eines vom Vollstreckungsgl&auml;ubiger erkl&auml;rten Widerrufs oder einer anderweitigen Pf&auml;ndung der Forderung durch einen nachrangigen Gl&auml;ubiger wieder auflebe, hat der BGH in &sect;&nbsp;765a ZPO &#8211;entgegen der Auffassung des OLG D&uuml;sseldorf in OLGR D&uuml;sseldorf 1998, 451&#8211; und in den Vorschriften &uuml;ber die Pf&auml;ndung von Geldforderungen des Schuldners keine Rechtsgrundlage zu erkennen vermocht. Dar&uuml;ber hinaus hat er darauf hingewiesen, dass ein einstweiliger Verzicht auf die Wirkungen des Pfandrechts ohne Aufhebung der mit der Pf&auml;ndung bewirkten Verstrickung wegen des Zusammenhangs von Beschlagnahme und Pfandrecht ausgeschlossen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Rechtsgrunds&auml;tze lassen sich auf &sect;&nbsp;309 Abs.&nbsp;1 AO, der die Pf&auml;ndung von Geldforderungen f&uuml;r den Anwendungsbereich der AO regelt, &uuml;bertragen. Auch wenn &sect;&nbsp;258 AO &#8211;anders als &sect;&nbsp;765a ZPO&#8211; neben der einstweiligen Einstellung der Vollstreckung auch ihre einstweilige Beschr&auml;nkung vorsieht, die zum Teil lediglich als eine Beschr&auml;nkung auf einzelne Forderungen oder bestimmte Vollstreckungsgegenst&auml;nde verstanden wird (vgl. Jatzke in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;258 AO Rz&nbsp;21, 23), bietet jedenfalls &sect;&nbsp;309 Abs.&nbsp;1 AO bei Pf&auml;ndung einer Geldforderung keine rechtliche Grundlage f&uuml;r eine Modifizierung der Pf&auml;ndungsverf&uuml;gung, die unter Rangwahrung lediglich das Arrestatorium f&uuml;r eine bestimmte oder unbestimmte Zeit suspendiert. Nach der in &sect;&nbsp;309 Abs.&nbsp;1 AO enthaltenen Legaldefinition der Pf&auml;ndungsverf&uuml;gung ist das Arrestatorium neben dem an den Vollstreckungsschuldner gerichteten Gebot, sich jeder Verf&uuml;gung &uuml;ber die Forderung zu enthalten (Inhibitorium), unverzichtbarer Bestandteil der Pf&auml;ndung einer Geldforderung. Mit der Aufhebung des Arrestatoriums durch die Vollstreckungsbeh&ouml;rde wird daher die Pf&auml;ndung aufgehoben und nicht lediglich beschr&auml;nkt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.5.2017, VII R 5\/16ECLI:DE:BFH:2017:U.160517.VIIR5.16.0 Unzul&auml;ssigkeit der &quot;Ruhendstellung&quot; einer Kontenpf&auml;ndung gegen den Willen des Drittschuldners Leits&auml;tze 1. Eine nach &sect; 309 Abs. 1 AO erlassene und aufrechterhaltene Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gung kann nicht dahingehend eingeschr&auml;nkt werden, dass dem Drittschuldner unter Rangwahrung gestattet wird, bis auf Widerruf an den Vollstreckungsschuldner zu zahlen und keine Betr&auml;ge &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-5-16-unzulaessigkeit-der-ruhendstellung-einer-kontenpfaendung-gegen-den-willen-des-drittschuldners\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;5\/16 &#8211; Unzul&auml;ssigkeit der &quot;Ruhendstellung&quot; einer Kontenpf&auml;ndung gegen den Willen des Drittschuldners<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67540","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67540","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67540"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67540\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67540"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67540"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67540"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}