{"id":67543,"date":"2017-08-23T08:29:55","date_gmt":"2017-08-23T06:29:55","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67543"},"modified":"2017-08-23T08:29:55","modified_gmt":"2017-08-23T06:29:55","slug":"ii-r-25-15-besteuerung-der-abfindung-fuer-den-verzicht-auf-einen-kuenftigen-pflichtteilsanspruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-25-15-besteuerung-der-abfindung-fuer-den-verzicht-auf-einen-kuenftigen-pflichtteilsanspruch\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;25\/15 &#8211; Besteuerung der Abfindung f&uuml;r den Verzicht auf einen k&uuml;nftigen Pflichtteilsanspruch"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.5.2017, II R 25\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.100517.IIR25.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Besteuerung der Abfindung f&uuml;r den Verzicht auf einen k&uuml;nftigen Pflichtteilsanspruch<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Die Besteuerung der Abfindung, die ein k&uuml;nftiger gesetzlicher Erbe an einen anderen Erben f&uuml;r den Verzicht auf einen k&uuml;nftigen Pflichtteilsanspruch zahlt, richtet sich nach der zwischen den Erben ma&szlig;gebenden Steuerklasse (Abweichung von der bisherigen Rechtsprechung). Vorerwerbe vom k&uuml;nftigen Erblasser sind nicht zu ber&uuml;cksichtigen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 26. Februar 2015&nbsp;&nbsp;3 K 3065\/14 Erb aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Der Schenkungsteuerbescheid vom 19. Februar 2014 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 28. August 2014 wird dahingehend abge&auml;ndert, dass die Schenkungsteuer auf 23.647 EUR festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Von den Kosten des gesamten Verfahrens tragen der Kl&auml;ger 73 % und der Beklagte 27 %.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) verzichtete durch notariell beurkundeten Erbschaftsvertrag vom 14.&nbsp;Februar 2006 gegen&uuml;ber seinen drei Br&uuml;dern f&uuml;r den Fall, dass er durch letztwillige Verf&uuml;gung von der Erbfolge seiner Mutter (M) ausgeschlossen sein sollte, auf die Geltendmachung seines Pflichtteilsanspruchs einschlie&szlig;lich etwaiger Pflichtteilserg&auml;nzungsanspr&uuml;che gegen eine von den Br&uuml;dern jeweils zu zahlende Abfindung in H&ouml;he von 150.000&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem der Bundesfinanzhof (BFH) mit Urteil vom 16.&nbsp;Mai 2013 II&nbsp;R&nbsp;21\/11 (BFHE 241, 390, BStBl II 2013, 922) entschieden hatte, dass die Zahlung der Abfindungen an den Kl&auml;ger nicht als Schenkung der M an diesen, sondern als drei freigebige Zuwendungen der Br&uuml;der an den Kl&auml;ger getrennt zu besteuern sind, setzte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) f&uuml;r die Zuwendung eines Bruders (K) mit Bescheid vom 19.&nbsp;Februar 2014 gegen den Kl&auml;ger Schenkungsteuer in H&ouml;he von 28.405&nbsp;EUR fest. Dabei ber&uuml;cksichtigte das FA die Abfindung abz&uuml;glich anteiliger Kosten der Schenkung in H&ouml;he von 520&nbsp;EUR. Dem Erwerb rechnete es Vorerwerbe (Schenkungen) von M aus dem Jahr 2002 in H&ouml;he von 1.056.232&nbsp;EUR hinzu. Hinsichtlich des Freibetrags (205.000&nbsp;EUR gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes in der im Jahr 2006 geltenden Fassung &#8211;ErbStG&#8211;) und des Steuersatzes (19&nbsp;% nach &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 ErbStG) ging das FA von der im Verh&auml;ltnis des Kl&auml;gers zu M geltenden Steuerklasse&nbsp;I Nr.&nbsp;2 (&sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 ErbStG) aus. F&uuml;r die Vorschenkungen zog es einen Steuerbetrag von 161.728&nbsp;EUR ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Einspruch hatte keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) setzte die Schenkungsteuer auf 10.810&nbsp;EUR herab. Vorerwerbe nach M rechnete es nicht hinzu. Entsprechend dem Antrag des Kl&auml;gers ber&uuml;cksichtigte es einen Freibetrag i.S. des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 ErbStG in H&ouml;he von 51.200&nbsp;EUR. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2015, 1108 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision r&uuml;gt das FA eine Verletzung der &sect;&sect;&nbsp;14, 15 und 16 ErbStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur &Auml;nderung des Schenkungsteuerbescheids vom 19.&nbsp;Februar 2014 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 28.&nbsp;August 2014 dahingehend, dass die Schenkungsteuer auf 23.647&nbsp;EUR festgesetzt wird (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zwar zutreffend angenommen, dass die Vorerwerbe von M bei der Berechnung der Steuer nicht zu ber&uuml;cksichtigen sind. Entgegen der Auffassung des FG ist aber die im Verh&auml;ltnis des Kl&auml;gers zu K gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 ErbStG geltende Steuerklasse&nbsp;II ma&szlig;gebend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;7 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG gilt als Schenkung unter Lebenden jede freigebige Zuwendung unter Lebenden, soweit der Bedachte durch sie auf Kosten des Zuwendenden bereichert wird. Eine freigebige Zuwendung setzt in objektiver Hinsicht voraus, dass die Leistung zu einer Bereicherung des Bedachten auf Kosten des Zuwendenden f&uuml;hrt und die Zuwendung objektiv unentgeltlich ist, und in subjektiver Hinsicht den Willen des Zuwendenden zur Freigebigkeit (BFH-Urteil vom 29.&nbsp;Juni 2016 II&nbsp;R&nbsp;41\/14, BFHE 254, 64, BStBl II 2016, 865, Rz&nbsp;9).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Schlie&szlig;en k&uuml;nftige gesetzliche Erben einen Vertrag gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;311b Abs.&nbsp;5 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211; (fr&uuml;her &sect;&nbsp;312 Abs.&nbsp;2 BGB), wonach der eine auf seine k&uuml;nftigen Pflichtteils(erg&auml;nzungs)anspr&uuml;che gegen Zahlung eines Geldbetrags verzichtet, stellt die Zahlung eine freigebige Zuwendung des Zahlenden i.S. des &sect;&nbsp;7 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG dar. Da die Abfindung in einem solchen Fall aus dem Verm&ouml;gen des k&uuml;nftigen gesetzlichen Erben geleistet wird, liegt eine freigebige Zuwendung von diesem und nicht eine freigebige Zuwendung des k&uuml;nftigen Erblassers an den Empf&auml;nger der Abfindung vor (vgl. BFH-Urteil in BFHE 241, 390, BStBl II 2013, 922, Rz&nbsp;10&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Hinblick auf die anzuwendende Steuerklasse f&uuml;hrte der BFH in seiner bisherigen Rechtsprechung aus, diese richte sich nicht nach dem Verh&auml;ltnis des Zuwendungsempf&auml;ngers (Verzich-tenden) zum Zahlenden, sondern zum k&uuml;nftigen Erblasser (BFH-Urteile vom 25.&nbsp;Mai 1977 II&nbsp;R&nbsp;136\/73, BFHE 122, 543, BStBl II&nbsp;1977, 733; vom 25.&nbsp;Januar 2001 II&nbsp;R&nbsp;22\/98, BFHE 194,&nbsp;440, BStBl&nbsp;II 2001, 456, und in BFHE 241, 390, BStBl II&nbsp;2013, 922). Der Verzicht auf Pflichtteils(erg&auml;nzungs)anspr&uuml;che gegen&uuml;ber einem anderen gesetzlichen Erben sollte hinsichtlich der Steuerklasse vor Eintritt des Erbfalls nicht anders behandelt werden als nach Eintritt des Erbfalls, bei dem der Verzicht auf die noch nicht geltend gemachten Pflichtteilsanspr&uuml;che gegen Abfindung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 ErbStG nach der Steuerklasse zu bestimmen ist, die im Verh&auml;ltnis zum Erblasser gilt (vgl. BFH-Urteil in BFHE 194, 440, BStBl II 2001, 456, unter II.2.d). Zudem sollte es f&uuml;r die anwendbare Steuerklasse keinen Unterschied machen, ob der Verzicht mit dem k&uuml;nftigen Erblasser oder dem anderen gesetzlichen Erben vereinbart wird. Es sollte stets das Verh&auml;ltnis des Verzichtenden zum k&uuml;nftigen Erblasser zu Grunde gelegt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach nochmaliger &Uuml;berpr&uuml;fung h&auml;lt der BFH an dieser Rechtsprechung zur Bestimmung der Steuerklasse nicht mehr fest. Der Streitfall zeigt, dass eine steuerrechtliche Gleichbehandlung des vor und nach dem Erbfall erkl&auml;rten Verzichts auf Pflichtteils(erg&auml;nzungs)anspr&uuml;che gegen&uuml;ber anderen gesetzlichen Er-ben nicht m&ouml;glich ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die vom FA verwendete Berechnungsmethode, die bei mehreren Zahlungsverpflichteten den im Verh&auml;ltnis zum Erblasser ma&szlig;gebenden Freibetrag bei jeder Abfindung des Verzichtenden ber&uuml;cksichtigt, kann wegen der Vervielfachung des Freibetrags zu einer erheblichen schenkungsteuerrechtlichen Besserstellung des vor dem Erbfall vereinbarten Pflichtteilsverzichts f&uuml;hren. So w&auml;ren im Streitfall &#8211;bei der vom Kl&auml;ger begehrten Nichtber&uuml;cksichtigung der Vorerwerbe von der k&uuml;nftigen Erblasserin M&#8211; die von seinen Br&uuml;dern gezahlten Abfindungen von jeweils 150.000&nbsp;EUR geringer als der Freibetrag nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 ErbStG von jeweils 205.000&nbsp;EUR. Schenkungsteuer w&uuml;rde nicht anfallen. Demgegen&uuml;ber w&uuml;rden die Abfindungen bei einem nach Eintritt des Erbfalls vereinbarten Pflichtteilsverzicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 Alternative&nbsp;1 ErbStG als von M zugewendet gelten mit der Folge, dass der Freibetrag von 205.000&nbsp;EUR nur einmal anzusetzen w&auml;re; f&uuml;r die Abfindungen w&auml;re, soweit sie zusammen 205.000&nbsp;EUR &uuml;bersteigen, Erbschaftsteuer festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Eine Aufteilung des im Verh&auml;ltnis zum Erblasser ma&szlig;gebenden Freibetrags nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 ErbStG auf die jeweiligen freigebigen Zuwendungen der zur Abfindungszahlung verpflichteten gesetzlichen Erben kann ebenfalls nicht gew&auml;hrleisten, dass beim Erwerber eine unabh&auml;ngig vom Zeitpunkt des Pflichtteilsverzichts gleichm&auml;&szlig;ige Steuerbelastung eintritt. Denn auch hier sind die Abfindungen, die andere gesetzliche Erben leisten, bei einem Pflichtteilsverzicht vor dem Erbfall als freigebige Zuwendungen der anderen gesetzlichen Erben nach &sect;&nbsp;7 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG zu besteuern, w&auml;hrend bei einem Pflichtteilsverzicht nach dem Erbfall insoweit ein Erwerb von Todes wegen vom Erblasser nach &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 ErbStG vorliegt. Wegen der progressiven Steuers&auml;tze k&ouml;nnte diese Berechnungsmethode eine im Ergebnis gleiche Steuerbelastung allenfalls zuf&auml;llig erreichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Vorerwerbe des Verzichtenden vom k&uuml;nftigen Erblasser k&ouml;nnen dar&uuml;ber hinaus nur ber&uuml;cksichtigt werden, wenn ein Erwerb vom Erblasser zu besteuern ist, also bei einem nach dessen Tod mit den anderen gesetzlichen Erben vereinbarten Pflichtteilsverzicht gegen Abfindung. &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG betrifft lediglich innerhalb von zehn Jahren von derselben Person anfallende Verm&ouml;gensvorteile. Vom k&uuml;nftigen Erblasser angefallene Verm&ouml;gensvorteile k&ouml;nnen daher bei der Besteuerung der Abfindung, die von k&uuml;nftigen gesetzlichen Erben f&uuml;r den vor dem Ableben des Erblassers vereinbarten Pflichtteilsverzicht gezahlt wird, nicht als Vorerwerb ber&uuml;cksichtigt werden. Aus der nach der bisherigen Rechtsprechung gegebenen Anwendbarkeit der Steuerklasse&nbsp;I l&auml;sst sich kein vom klaren Wortlaut des &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 ErbStG abweichendes Ergebnis ableiten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) F&uuml;r die Besteuerung des Erwerbs eines gesetzlichen Erben von einem anderen gesetzlichen Erben aufgrund Verzichts auf k&uuml;nftige Pflichtteils(erg&auml;nzungs)anspr&uuml;che gegen Zahlung eines Geldbetrags ist nach den allgemeinen Regeln das Verh&auml;ltnis des Verzichtenden zu dem anderen gesetzlichen Erben ma&szlig;gebend. Die Steuerklasse (&sect;&nbsp;15 ErbStG) und somit der Freibetrag (&sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 ErbStG) sowie der Steuersatz (&sect;&nbsp;19 ErbStG) richten sich nach diesem Verh&auml;ltnis (Abweichung von BFH-Urteilen in BFHE 122, 543, BStBl II 1977, 733; in BFHE 194, 440, BStBl II 2001, 456, und in BFHE 241, 390, BStBl II 2013, 922). Vorerwerbe von dem k&uuml;nftigen Erblasser sind nicht nach &sect;&nbsp;14 ErbStG f&uuml;r die Besteuerung dem Erwerb hinzuzurechnen, weil der Verzichtende die Abfindung nicht vom k&uuml;nftigen Erblasser, sondern von dem anderen gesetzlichen Erben erh&auml;lt. Es fehlt an der von &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG vorausgesetzten Personengleichheit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Grunds&auml;tzen ist dem Erwerb des Kl&auml;gers nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 ErbStG die Steuerklasse&nbsp;II nach seinem Verh&auml;ltnis zu seinem Bruder K zu Grunde zu legen. Nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 ErbStG bleibt der Erwerb in H&ouml;he von 10.300&nbsp;EUR steuerfrei. Vorerwerbe von M sind dem Erwerb nicht hinzuzurechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">3. Die Steuer berechnet sich daher wie folgt:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Steuerklasse II, Steuersatz 17&nbsp;% Schenkungsteuer<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;23.647 EUR<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Der Kl&auml;ger kann sich nicht darauf berufen, dass die Aufrechterhaltung der bisherigen Rechtsprechung zur Anwendung der Steuerklasse&nbsp;I unter den Aspekten des Vertrauensschutzes oder der Rechtssicherheit geboten war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf der Grundlage der bisherigen Rechtsprechung konnte er nicht davon ausgehen, dass f&uuml;r die Besteuerung die f&uuml;r ihn g&uuml;nstige Steuerklasse&nbsp;I mit dem entsprechenden Freibetrag (&sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 ErbStG) und dem ma&szlig;gebenden Steuersatz (&sect;&nbsp;19 ErbStG) zur Anwendung komme, Vorerwerbe von M dem Erwerb aber nicht hinzuzurechnen seien. Intention der bisherigen Rechtsprechung des BFH war, den Verzicht vor und nach dem Erbfall steuerrechtlich gleich zu behandeln (vgl. oben unter II.1.b); wie die Besteuerung im Einzelnen zu erfolgen habe, wurde offen gelassen (vgl. BFH-Urteil in BFHE 241, 390, BStBl II 2013, 922, Rz&nbsp;13). H&auml;tte man im Streitfall nach dem Verh&auml;ltnis des Kl&auml;gers zu M die Steuerklasse&nbsp;I, den entsprechenden Freibetrag von 205.000&nbsp;EUR und einen Steuersatz von 19&nbsp;% angewendet sowie dem Erwerb die Vorerwerbe von M hinzugerechnet, h&auml;tte sich eine Steuerfestsetzung in H&ouml;he von 28.405&nbsp;EUR ergeben (vgl. Bescheid des FA vom 19.&nbsp;Februar 2014). Diese liegt &uuml;ber der durch die Revisionsentscheidung festgesetzten Steuer in H&ouml;he von 23.647&nbsp;EUR und w&auml;re somit f&uuml;r den Kl&auml;ger nachteilig. Aus diesem Grund ist die Entscheidung im Streitfall nicht an den Grunds&auml;tzen zum Vertrauensschutz zu messen, die der BFH f&uuml;r eine Abweichung von der bisherigen Rechtsprechung aufgestellt hat (vgl. zum Vertrauensschutz des Steuerpflichtigen bei Abkehr von der bisherigen Rechtsprechung Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 17.&nbsp;Dezember 2007 GrS&nbsp;2\/04, BFHE 220, 129, BStBl II 2008, 608, unter D.IV.2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;136 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.5.2017, II R 25\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.100517.IIR25.15.0 Besteuerung der Abfindung f&uuml;r den Verzicht auf einen k&uuml;nftigen Pflichtteilsanspruch Leits&auml;tze Die Besteuerung der Abfindung, die ein k&uuml;nftiger gesetzlicher Erbe an einen anderen Erben f&uuml;r den Verzicht auf einen k&uuml;nftigen Pflichtteilsanspruch zahlt, richtet sich nach der zwischen den Erben ma&szlig;gebenden Steuerklasse (Abweichung von der bisherigen Rechtsprechung). Vorerwerbe vom &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-25-15-besteuerung-der-abfindung-fuer-den-verzicht-auf-einen-kuenftigen-pflichtteilsanspruch\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;25\/15 &#8211; Besteuerung der Abfindung f&uuml;r den Verzicht auf einen k&uuml;nftigen Pflichtteilsanspruch<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67543","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67543","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67543"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67543\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67543"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67543"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67543"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}