{"id":67549,"date":"2017-08-23T08:30:19","date_gmt":"2017-08-23T06:30:19","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67549"},"modified":"2017-08-23T08:30:19","modified_gmt":"2017-08-23T06:30:19","slug":"iii-b-92-16-beibehaltung-eines-inlaendischen-wohnsitzes-durch-ein-im-ausland-studierendes-kind-zulassung-der-revision","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-92-16-beibehaltung-eines-inlaendischen-wohnsitzes-durch-ein-im-ausland-studierendes-kind-zulassung-der-revision\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;92\/16 &#8211; Beibehaltung eines inl&auml;ndischen Wohnsitzes durch ein im Ausland studierendes Kind &#8211; Zulassung der Revision"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.5.2017, III B 92\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:B.170517.IIIB92.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Beibehaltung eines inl&auml;ndischen Wohnsitzes durch ein im Ausland studierendes Kind &#8211; Zulassung der Revision<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts N&uuml;rnberg vom 10. Mai 2016 6 K 662\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Das Finanzgericht (FG) wies die auf Gew&auml;hrung von Kindergeld in voller H&ouml;he f&uuml;r den Zeitraum April 2012 bis April 2014 gerichtete Klage ab, weil die Tochter des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger), die im Juni 2012 in der T&uuml;rkei ihr Abitur bestanden hatte und seit September 2012 in der T&uuml;rkei studierte, im Inland keinen Wohnsitz gehabt habe (&sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211; a.F., jetzt &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;6 EStG). Die Tochter habe sich im Jahr 2010 f&uuml;r ein Studium in der T&uuml;rkei und damit f&uuml;r einen f&uuml;nf- bis sechsj&auml;hrigen Auslandsaufenthalt entschieden. Sie habe von 210 schulfreien Tagen nur 72 Tage im Inland verbracht und sei w&auml;hrend der Schulzeit in die Familie ihrer t&uuml;rkischen Verwandten integriert gewesen. Durch gemeinsame Urlaube mit ihren in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) lebenden Familienangeh&ouml;rigen (u.a. dem Kl&auml;ger) in der T&uuml;rkei habe sie keinen Inlandswohnsitz begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung seiner Nichtzulassungsbeschwerde tr&auml;gt der Kl&auml;ger vor, das FG-Urteil widerspreche den Senatsurteilen vom 23.&nbsp;Juni 2015 III&nbsp;R&nbsp;38\/14 (BFHE 250, 381, BStBl II 2016, 102) und vom 25.&nbsp;September 2014 III&nbsp;R&nbsp;10\/14 (BFHE 247, 239, BStBl II 2015, 655); die Rechtssache sei zudem grunds&auml;tzlich bedeutsam. Von den 210 schulfreien Tagen im Zeitraum von September 2010 bis September 2012 habe sich seine Tochter nicht nur 72 Tage in Deutschland aufgehalten, sondern zusammen mit ihrem Vater &#8211;dem Kl&auml;ger&#8211; sowie ihrer Mutter und Schwester 70 Tage zu Urlaubszwecken in der T&uuml;rkei verbracht. Diese in famili&auml;rer Lebensgemeinschaft verbrachten Urlaubstage seien im Hinblick auf die Beibehaltung des inl&auml;ndischen Wohnsitzes ebenfalls zu ber&uuml;cksichtigen, weil der Wohnsitz durch eine kurzfristige Abwesenheit zu Erholungszwecken nicht aufgegeben werde. Die Tochter habe somit an 142 von 210 schulfreien Tagen einen Inlandswohnsitz innegehabt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die vom Kl&auml;ger geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde liegen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Revision ist nicht wegen Divergenz zuzulassen (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Alternative FGO), denn die ger&uuml;gte Abweichung von den Senatsurteilen in BFHE 250, 381, BStBl II 2016, 102 und in BFHE 247, 239, BStBl II 2015, 655 liegt nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wie der Kl&auml;ger zutreffend ausf&uuml;hrt lautet der erste Leitsatz des Urteils des Bundesfinanzhofs (BFH) in BFHE 250, 381, BStBl II 2016, 102 &quot;W&auml;hrend eines mehrj&auml;hrigen Auslandsaufenthalts zum Zwecke einer Berufsausbildung beh&auml;lt ein Kind seinen Wohnsitz in der Wohnung der Eltern im Inland im Regelfall nur dann bei, wenn es diese Wohnung zumindest &uuml;berwiegend in den ausbildungsfreien Zeiten nutzt &#8230; . Nicht erforderlich ist hingegen, dass das Kind den weit &uuml;berwiegenden Teil der ausbildungsfreien Zeit im Inland verbringt.&quot; und der erste Leitsatz des Urteils in BFHE 247, 239, BStBl II 2015, 655 &quot;W&auml;hrend eines mehrj&auml;hrigen Auslandsaufenthalts zum Zwecke einer Berufsausbildung beh&auml;lt ein Kind seinen Wohnsitz in der Wohnung der Eltern im Inland im Regelfall nur dann bei, wenn es diese Wohnung zumindest &uuml;berwiegend in den ausbildungsfreien Zeiten nutzt&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem widerspricht das angefochtene Urteil nicht. Den vorgenannten Senatsurteilen ist nicht, wie der Kl&auml;ger meint, zu entnehmen, dass ein im Ausland studierendes Kind seinen inl&auml;ndischen Wohnsitz dadurch beibeh&auml;lt, dass es mit seinen Eltern einen Erholungsurlaub im Ausland verbringt. Denn es kommt gerade nicht auf die pers&ouml;nliche Beziehung zu den Eltern, sondern auf die Beziehung zur elterlichen Wohnung an (BFH-Urteil in BFHE 247, 239, BStBl II 2015, 655, Rz&nbsp;18).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beantwortung der Frage, ob ein Kind, das sich zu Ausbildungszwecken im Ausland aufh&auml;lt, seinen inl&auml;ndischen Wohnsitz bei den Eltern beibeh&auml;lt, liegt weitgehend auf tats&auml;chlichem Gebiet unter Ber&uuml;cksichtigung der objektiven Umst&auml;nde des jeweiligen Falles, so dass sich generelle Regeln nicht ohne Weiteres aufstellen lassen. Die Umst&auml;nde m&uuml;ssen aber nach der Lebenserfahrung den Schluss zulassen, dass das Kind die Wohnung innehat, um sie als solche zu nutzen. Anhaltspunkte daf&uuml;r sind nach der Rechtsprechung des Senats neben der voraussichtlichen Dauer der ausw&auml;rtigen Unterbringung, der Art der Unterbringung am Ausbildungsort auf der einen und im Elternhaus auf der anderen Seite, dem Zweck des Auslandsaufenthalts und den pers&ouml;nlichen Beziehungen des Kindes am Wohnort der Eltern einerseits und am Ausbildungsort andererseits vornehmlich Dauer und H&auml;ufigkeit der Inlandsaufenthalte (z.B. Senatsurteil in BFHE 247, 239, BStBl II 2015, 655, Rz&nbsp;19&nbsp;f.). Die Innehabung und Beibehaltung einer inl&auml;ndischen Wohnung l&auml;sst sich danach nicht daraus herleiten, dass ein Kind, dass im Herkunftsland seiner Familie ausgebildet wird, dort mit seinen Eltern Urlaube verbringt; Aufenthalte der Eltern mit den Kindern au&szlig;erhalb Deutschlands haben regelm&auml;&szlig;ig keine ausschlaggebende Bedeutung f&uuml;r die Beibehaltung des inl&auml;ndischen Wohnsitzes (Senatsurteil in BFHE 247, 239, BStBl II 2015, 655, Rz&nbsp;25).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Grunds&auml;tzliche Bedeutung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO) kommt einer Rechtssache nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH zu, wenn die f&uuml;r die Beurteilung des Streitfalls ma&szlig;gebliche Rechtsfrage das (abstrakte) Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber&uuml;hrt. Au&szlig;erdem muss die Rechtsfrage kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und in einem k&uuml;nftigen Revisionsverfahren kl&auml;rungsf&auml;hig sein (z.B. BFH-Beschluss vom 19.&nbsp;Januar 2011 X&nbsp;B&nbsp;43\/10, BFH\/NV 2011, 636, Rz&nbsp;5).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daran fehlt es vorliegend, denn die Grunds&auml;tze, nach denen zu beurteilen ist, ob ein Kind, das sich zu einer mehrj&auml;hrigen Ausbildung im Ausland aufh&auml;lt, seinen Wohnsitz in der inl&auml;ndischen elterlichen Wohnung beibeh&auml;lt, sind durch die Rechtsprechung bereits hinreichend gekl&auml;rt. Ma&szlig;geblich sind jeweils die Umst&auml;nde des Einzelfalls und insbesondere die Dauer der zwischenzeitlichen Inlandsaufenthalte (BFH-Beschl&uuml;sse vom 11.&nbsp;Dezember 2012 III&nbsp;B&nbsp;108\/12, BFH\/NV 2013, 538, Rz&nbsp;5; vom 12.&nbsp;Februar 2014 V&nbsp;B&nbsp;39\/13, BFH\/NV 2014, 715).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.5.2017, III B 92\/16ECLI:DE:BFH:2017:B.170517.IIIB92.16.0 Beibehaltung eines inl&auml;ndischen Wohnsitzes durch ein im Ausland studierendes Kind &#8211; Zulassung der Revision Tenor Die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts N&uuml;rnberg vom 10. Mai 2016 6 K 662\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. 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