{"id":67553,"date":"2017-08-23T08:30:06","date_gmt":"2017-08-23T06:30:06","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67553"},"modified":"2017-08-23T08:30:06","modified_gmt":"2017-08-23T06:30:06","slug":"v-r-7-16-organisatorische-eingliederung-durch-beherrschungsvertrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-7-16-organisatorische-eingliederung-durch-beherrschungsvertrag\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;7\/16 &#8211; Organisatorische Eingliederung durch Beherrschungsvertrag"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.5.2017, V R 7\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.100517.VR7.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Organisatorische Eingliederung durch Beherrschungsvertrag<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Unterstellt eine juristische Person gem&auml;&szlig; oder entsprechend &sect; 291 AktG die Leitung ihrer Gesellschaft einem anderen Unternehmen, so f&uuml;hren die auf diesem Beherrschungsvertrag beruhenden umfassenden Weisungsrechte anders als die sich aus der Stellung als Mehrheitsgesellschafter gem&auml;&szlig; &sect; 46 Nr. 6 GmbHG ergebenden Weisungsrechte zur organisatorischen Eingliederung.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;gerin wird das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 23. Juli 2015&nbsp;&nbsp;6 K 1352\/14 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Rheinland-Pfalz zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig sind die Voraussetzungen der organisatorischen Eingliederung bei einer umsatzsteuerrechtlichen Organschaft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist eine GmbH, deren Unternehmensgegenstand u.a. die &Uuml;bernahme, die Fortf&uuml;hrung und der Verkauf von Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen ist. Die Kl&auml;gerin ist zu 100&nbsp;% an der C-GmbH beteiligt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit notariellem Vertrag vom 29.&nbsp;Oktober 2007 schloss die Kl&auml;gerin als herrschendes Unternehmen mit der C-GmbH in Gr&uuml;ndung (i.Gr.) einen Beherrschungs- und Ergebnisabf&uuml;hrungsvertrag, der am 4.&nbsp;Dezember 2007 im Handelsregister eingetragen wurde. Danach unterstellte die C-GmbH i.Gr. die Leitung ihrer Gesellschaft der Kl&auml;gerin. Nach &sect;&sect;&nbsp;1 und 2 des Vertrages ist die Kl&auml;gerin berechtigt, der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung der C-GmbH i.Gr. sowohl hinsichtlich der Leitung der Gesellschaft als auch allgemein oder auf Einzelf&auml;lle bezogene Weisungen zu erteilen. Die C-GmbH i.Gr. verpflichtete sich, den Weisungen zu folgen. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;2 des Vertrages sollte der Vertrag hinsichtlich des Weisungsrechts mit Eintragung im Handelsregister wirksam werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Alleiniger Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Kl&auml;gerin war S, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der C-GmbH waren T und K.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen sowohl bei der Kl&auml;gerin als auch bei der C-GmbH durchgef&uuml;hrter Au&szlig;enpr&uuml;fungen ging der Pr&uuml;fer davon aus, dass zwischen der Kl&auml;gerin und der C-GmbH seit dem Streitjahr (2007) eine umsatzsteuerrechtliche Organschaft bestehe. Die C-GmbH habe umsatzsteuerpflichtige Erl&ouml;se auf ein nicht mit Umsatzsteuer belastetes Ertragskonto umgebucht (19.950&nbsp;EUR), im Jahr 2007 ausgestellte Ausgangsrechnungen in H&ouml;he von insgesamt 123.831,39&nbsp;EUR nicht verbucht (Umsatzsteuer 23.527,96&nbsp;EUR) und Anzahlungen in H&ouml;he von 15.541,70&nbsp;EUR (Umsatzsteuer 2.952,92&nbsp;EUR) nicht erfasst. Der Pr&uuml;fer ber&uuml;cksichtigte dabei zumindest einen zeitlich vor der Eintragung des Beherrschungsvertrages im Handelsregister liegenden Gesch&auml;ftsvorfall, n&auml;mlich die Inrechnungstellung an S vom 8.&nbsp;November 2007 &uuml;ber 16.000&nbsp;EUR zzgl. 3.040&nbsp;EUR Umsatzsteuer. Am 1.&nbsp;Januar 2011 wurde &uuml;ber das Verm&ouml;gen der C-GmbH das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde L bestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Infolgedessen hob der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) den Umsatzsteuerbescheid 2007 gegen&uuml;ber der C-GmbH auf und &auml;nderte den Umsatzsteuerbescheid 2007 gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin, in dem es die Ums&auml;tze der C-GmbH nach den Feststellungen der Betriebspr&uuml;fung bei der Kl&auml;gerin erfasste.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage der Kl&auml;gerin hatten keinen Erfolg. Das Urteil des Finanzgerichts (FG) ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2016, 844 ver&ouml;ffentlicht. Die streitgegenst&auml;ndlichen Ums&auml;tze seien zu Recht 2007 bei der Kl&auml;gerin erfasst worden, weil sie umsatzsteuerrechtlich Organtr&auml;ger der C-GmbH gewesen sei. Die organisatorische Eingliederung der C-GmbH ergebe sich aus dem Beherrschungs- und Ergebnisabf&uuml;hrungsvertrag, aufgrund dessen die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung der Kl&auml;gerin befugt gewesen sei, der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung der C-GmbH Weisungen zu erteilen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision macht die Kl&auml;gerin Verletzung materiellen Rechts sowie Verfahrensm&auml;ngel geltend. Das FG habe zu Unrecht eine organisatorische Eingliederung bejaht. Es fehle an der erforderlichen Personenidentit&auml;t in den Gesch&auml;ftsf&uuml;hrungsorganen. Der Beherrschungs- und Ergebnisabf&uuml;hrungsvertrag k&ouml;nne diese nicht ersetzen. Im &Uuml;brigen habe sie, die Kl&auml;gerin, der C-GmbH tats&auml;chlich auch keine Weisungen erteilt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin r&uuml;gt dar&uuml;ber hinaus Verfahrensfehler.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>das Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 23.&nbsp;Juli 2015 aufzuheben, da keine umsatzsteuerrechtliche Organschaft vorliegt und die streitgegenst&auml;ndlichen Ums&auml;tze des Jahres 2007 ihr nicht zuzurechnen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die C-GmbH sei in die Kl&auml;gerin durch den Beherrschungs- und Ergebnisabf&uuml;hrungsvertrag auch organisatorisch eingegliedert gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des FG-Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung an das FG (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zwar zu Recht aus dem Beherrschungsvertrag auf die organisatorische Eingliederung der C-GmbH geschlossen, es hat aber zu Unrecht Umsatzsteuer aus Rechnungen der C-GmbH, die diese vor Wirksamwerden des Beherrschungsvertrages am 4.&nbsp;Dezember 2007 begeben hat, bei der Kl&auml;gerin erfasst. Die Feststellungen des FG reichen nicht aus, um beurteilen zu k&ouml;nnen, welche Gesch&auml;ftsvorf&auml;lle im Einzelnen von der umsatzsteuerrechtlichen Organschaft umfasst werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die gewerbliche oder berufliche T&auml;tigkeit wird nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) nicht selbst&auml;ndig ausge&uuml;bt, wenn eine juristische Person nach dem Gesamtbild der tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnisse finanziell, wirtschaftlich und &#8211;hier allein streitig&#8211; organisatorisch in das Unternehmen des Organtr&auml;gers eingegliedert ist (Organschaft). Unionsrechtliche Grundlage dieser Vorschrift ist Art.&nbsp;11 der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem &#8211;MwStSystRL&#8211; (dazu eingehend Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 2.&nbsp;Dezember 2015 V&nbsp;R&nbsp;15\/14, BFHE 252, 158, BStBl II 2017, 553, und vom 2.&nbsp;Dezember 2015 V&nbsp;R&nbsp;25\/13, BFHE 251, 534, BStBl II 2017, 547).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Eine juristische Person ist organisatorisch in das Unternehmen des Organtr&auml;gers eingegliedert, wenn der Organtr&auml;ger die mit der finanziellen Eingliederung verbundene M&ouml;glichkeit der Beherrschung der Tochtergesellschaft in der laufenden Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung wahrnimmt, wobei er die Organgesellschaft durch die Art und Weise der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung beherrschen muss (BFH-Urteile in BFHE 252, 158, BStBl II 2017, 553, Rz&nbsp;42; vom 8.&nbsp;August 2013 V&nbsp;R&nbsp;18\/13, BFHE 242, 433, BStBl II 2017, 543, Rz&nbsp;25; vom 7.&nbsp;Juli 2011 V&nbsp;R&nbsp;53\/10, BFHE 234, 548, BStBl II 2013, 218, Rz&nbsp;20; BFH-Vorlagebeschl&uuml;sse vom 11.&nbsp;Dezember 2013 XI&nbsp;R&nbsp;17\/11, BFHE 244, 79, BStBl II 2014, 417, Rz&nbsp;62, und XI&nbsp;R&nbsp;38\/12, BFHE 244, 94, BStBl II 2014, 428, Rz&nbsp;67).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Da sich die mit der Organschaft verbundene Verlagerung der Steuerschuld auf den Organtr&auml;ger finanziell belastend auswirken kann, m&uuml;ssen die Voraussetzungen der Organschaft rechtssicher bestimmbar sein (BFH-Urteile in BFHE 252, 158, BStBl II 2017, 543, Rz&nbsp;19; vom 22.&nbsp;April 2010 V&nbsp;R&nbsp;9\/09, BFHE 229, 433, BStBl II 2011, 597, Rz&nbsp;24). Deshalb erfordert die organisatorische Eingliederung im Regelfall eine personelle Verflechtung &uuml;ber die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung der juristischen Person als Organgesellschaft (BFH-Urteile in BFHE 252, 158, BStBl II 2017, 543, Rz&nbsp;43; vom 3.&nbsp;April 2008 V&nbsp;R&nbsp;76\/05, BFHE 221, 443, BStBl II 2008, 905, Rz&nbsp;39).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Unterstellt aber die juristische Person gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;291 des Aktiengesetzes (AktG) in direkter (bei Aktiengesellschaften) oder analoger Anwendung im GmbH-Recht (vgl. Beschluss des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 24.&nbsp;Oktober 1988 II&nbsp;ZB&nbsp;7\/88, BGHZ 105, 324, Rz&nbsp;19; Scholz\/Emmerich, GmbHG, 11.&nbsp;Aufl., Anh. &sect;&nbsp;13 Rz&nbsp;170; Liebscher in M&uuml;nchener Kommentar zum GmbHG, 2.&nbsp;Aufl. 2015, Anh. &sect;&nbsp;13 Rz&nbsp;648; Altmeppen in Roth\/Altmeppen, GmbHG, 8.&nbsp;Aufl. 2015, Anh. &sect;&nbsp;13 Rz&nbsp;17) die Leitung ihrer Gesellschaft einem anderen Unternehmen als dem Organtr&auml;ger, begr&uuml;ndet der Beherrschungsvertrag die organisatorische Eingliederung (einhellige Auffassung im Schrifttum und in der Finanzverwaltung; vgl. Birkenfeld in Birkenfeld\/W&auml;ger, &sect;&nbsp;44 Rz&nbsp;423; Grube, Zeitschrift f&uuml;r das gesamte Mehrwertsteuerrecht 2015, 202, 205; Heuermann, Der Betrieb 2016, 608, 612&nbsp;f.; Korn in Bunjes, UStG, 15.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;2 Rz&nbsp;133; Langer\/Hammerl, Deutsches Steuerrecht 2013, 896; Meyer in Offerhaus\/S&ouml;hn\/Lange, &sect;&nbsp;2 UStG Rz&nbsp;83; S.&nbsp;M&uuml;ller in Weym&uuml;ller, &sect;&nbsp;2 Rz&nbsp;310.11; Plikat, UStB 2012, 253, 256; Rei&szlig; in Rei&szlig;\/Kraeusel\/Langer, UStG &sect;&nbsp;2 Rz&nbsp;112.2; Scharpenberg in Hartmann\/Metzenmacher, Umsatzsteuergesetz, &sect;&nbsp;2 Rz&nbsp;450; Stadie, UStG, 3.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;2 Rz&nbsp;298; ders. in Rau\/D&uuml;rrw&auml;chter, Umsatzsteuergesetz, &sect;&nbsp;2 Rz&nbsp;893; Treiber in S&ouml;lch\/Ringleb, Umsatzsteuer, &sect;&nbsp;2 Rz&nbsp;230&nbsp;f.; W&auml;ger in Festschrift f&uuml;r Schaumburg S.&nbsp;1206&nbsp;f.; Umsatzsteuer-Anwendungserlass 2.8 Abs.&nbsp;10 Satz&nbsp;4).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Zwar berechtigt auch die mit der finanziellen Eingliederung einhergehende Stellung als Mehrheitsgesellschafter gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;46 Nr.&nbsp;6 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften mit beschr&auml;nkter Haftung (GmbHG) zur Pr&uuml;fung und &Uuml;berwachung der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung des beherrschten Unternehmens und in Vollzug dieses Rechts zur Erteilung von Weisungen zwecks Ausf&uuml;hrung der Beschl&uuml;sse der Gesellschafterversammlung (z.B. Liebscher in M&uuml;nchener Kommentar zum GmbHG, a.a.O., Anh.&nbsp;&sect;&nbsp;13 Rz&nbsp;198). Dieses Weisungsrecht erf&uuml;llt aber nach st&auml;ndiger Rechtsprechung nicht das selbst&auml;ndige Tatbestandsmerkmal der organisatorischen Eingliederung (vgl. zuletzt BFH-Urteil in BFHE 252, 158, BStBl II 2017, 543, Rz&nbsp;43, m.w.N.; a.A. Englisch, Umsatzsteuer-Rundschau 2016, 822, 839; zu einem Sonderfall vgl. auch BFH-Urteil vom 12.&nbsp;Oktober 2016 XI&nbsp;R&nbsp;30\/14, BFHE 255, 467, BStBl II 2017, 597).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Etwas anderes gilt demgegen&uuml;ber f&uuml;r die weitergehenden Rechte aus einem Beherrschungsvertrag; sie f&uuml;hren zur organisatorischen Eingliederung, weil sich das Weisungsrecht nach &sect;&nbsp;308 AktG nicht nur auf die &Uuml;berwachung beschr&auml;nkt, sondern dar&uuml;ber hinaus auf die Leitung der Gesellschaft (vgl. &sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 AktG) bezieht. Im Gegensatz zum Weisungsrecht des Mehrheitsgesellschafters, das nur die M&ouml;glichkeit er&ouml;ffnet, einzelne laufende Angelegenheiten an sich zu ziehen, umfasst das Weisungsrecht aus &sect;&nbsp;308 AktG die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung, die organschaftliche Vertretung sowie Ma&szlig;nahmen im Innenverh&auml;ltnis der Gesellschaft unter Einschluss der Rechnungslegung (vgl. Langenbucher in Karsten Schmidt\/Lutter, AktG, 3.&nbsp;Aufl. 2015, &sect;&nbsp;308 Rz&nbsp;21; Altmeppen in M&uuml;nchener Kommentar zum AktG, 4.&nbsp;Aufl. 2015, &sect;&nbsp;308 Rz&nbsp;87; H&uuml;ffer\/Koch, AktG, 12.&nbsp;Aufl. 2016, &sect;&nbsp;308 Rz&nbsp;12). Dem Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der abh&auml;ngigen GmbH k&ouml;nnen damit direkt Weisungen erteilt werden, ohne dass der Weg &uuml;ber die Gesellschafterversammlung beschritten werden m&uuml;sste. Der Beherrschungsvertrag gew&auml;hrleistet folglich von Rechts wegen den Vorrang des Organtr&auml;gers vor dem Interesse der Organgesellschaft und rechtfertigt die Eingliederung (vgl. zum Gesellschaftsrecht Lutter\/Hommelhoff in: Lutter\/Hommelhoff, GmbH-Gesetz Kommentar, 19.&nbsp;Aufl. 2016, Anh. zu &sect;&nbsp;13, Rz&nbsp;46, m.w.N., und zum Umsatzsteuerrecht W&auml;ger in der Festschrift f&uuml;r Schaumburg, K&ouml;ln 2009, S.&nbsp;1207).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die organisatorische Eingliederung mittels eines Beherrschungsvertrages setzt dessen Wirksamkeit voraus. Da ein Beherrschungsvertrag den rechtlichen Status der beherrschten Gesellschaft &auml;ndert (BGH-Beschluss vom 24.&nbsp;Oktober 1988 II&nbsp;ZB&nbsp;7\/88, BGHZ 105, 324), wird ein zwischen zwei GmbHs abgeschlossener Beherrschungsvertrag erst mit der Eintragung im Handelsregister wirksam; der Eintragung kommt konstitutive Wirkung zu (BFH-Urteil vom 22.&nbsp;Oktober 2008 I&nbsp;R&nbsp;66\/07, BFHE 223, 162, BStBl II 2009, 972, Rz&nbsp;12; Altmeppen in Roth\/ Altmeppen, a.a.O., Anh. &sect;&nbsp;13 Rz&nbsp;32; Liebscher in M&uuml;nchener Kommentar zum GmbHG, a.a.O., Anh. &sect;&nbsp;13 Rz&nbsp;666; Scholz\/ Emmerich, a.a.O., Anh. &sect;&nbsp;13 Rz&nbsp;140, 152).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall war die Kl&auml;gerin aufgrund des Vertrages vom 29.&nbsp;Oktober 2007 Organtr&auml;gerin der C-GmbH. Da dieser Vertrag erst mit der Eintragung in das Handelsregister am 4.&nbsp;Dezember 2007 wirksam wurde, ist die C-GmbH ab diesem Zeitpunkt organisatorisch in die Kl&auml;gerin eingegliedert. Dem entspricht der notarielle Beherrschungsvertrag, denn nach &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;2 dieses Vertrages wurde der Beherrschungsvertrag hinsichtlich des Weisungsrechts mit Eintragung im Handelsregister wirksam.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist das FG zutreffend von einer Organschaft zwischen der Kl&auml;gerin und der C-GmbH aufgrund des Beherrschungsvertrages ausgegangen. Es hat aber nicht ber&uuml;cksichtigt, dass die Organschaft erst mit Wirksamwerden dieses Vertrages am 4.&nbsp;Dezember 2007 begann und damit die zuvor verwirklichten Besteuerungsgrundlagen nicht umfasst. Deshalb ist die Vorentscheidung aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Sache ist aber nicht spruchreif. Der Senat kann mangels ausreichender Feststellungen des FG nicht beurteilen, welche Besteuerungsgrundlagen nach dem Wirksamwerden des Beherrschungsvertrages mit dem 4.&nbsp;Dezember 2007 verwirklicht werden. Deshalb geht die Sache an die Vorinstanz zur&uuml;ck, um ihr Gelegenheit zu geben, die entsprechenden Feststellungen in einer neuen Verhandlung und Entscheidung nachzuholen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf die geltend gemachten Verfahrensfehler kommt es deshalb nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.5.2017, V R 7\/16ECLI:DE:BFH:2017:U.100517.VR7.16.0 Organisatorische Eingliederung durch Beherrschungsvertrag Leits&auml;tze Unterstellt eine juristische Person gem&auml;&szlig; oder entsprechend &sect; 291 AktG die Leitung ihrer Gesellschaft einem anderen Unternehmen, so f&uuml;hren die auf diesem Beherrschungsvertrag beruhenden umfassenden Weisungsrechte anders als die sich aus der Stellung als Mehrheitsgesellschafter gem&auml;&szlig; &sect; 46 Nr. 6 GmbHG ergebenden Weisungsrechte &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-7-16-organisatorische-eingliederung-durch-beherrschungsvertrag\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;7\/16 &#8211; Organisatorische Eingliederung durch Beherrschungsvertrag<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67553","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67553","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67553"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67553\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}