{"id":67555,"date":"2017-08-23T08:28:54","date_gmt":"2017-08-23T06:28:54","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67555"},"modified":"2017-08-23T08:28:54","modified_gmt":"2017-08-23T06:28:54","slug":"viii-r-11-15-ausbildung-und-verkauf-von-blindenfuehrhunden-fuehrt-zu-gewerblichen-einkuenften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-11-15-ausbildung-und-verkauf-von-blindenfuehrhunden-fuehrt-zu-gewerblichen-einkuenften\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;R&nbsp;11\/15 &#8211; Ausbildung und Verkauf von Blindenf&uuml;hrhunden f&uuml;hrt zu gewerblichen Eink&uuml;nften"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.5.2017, VIII R 11\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.090517.VIIIR11.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Ausbildung und Verkauf von Blindenf&uuml;hrhunden f&uuml;hrt zu gewerblichen Eink&uuml;nften<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die Betreiberin einer Blindenf&uuml;hrhundeschule erzielt Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Eine &quot;unterrichtende oder erzieherische T&auml;tigkeit&quot; i.S. des &sect; 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG erfordert ein T&auml;tigwerden gegen&uuml;ber Menschen.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. Aus Art. 20a GG folgt keine &uuml;ber den Wortlaut hinausgehende Anwendung des &sect; 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG bei der Ausbildung von Blindenf&uuml;hrhunden.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 12. September 2014&nbsp;&nbsp;4 K 69\/14 G wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist, ob der Betrieb einer Blindenf&uuml;hrhundeschule dem Grunde nach einen Gewerbebetrieb i.S. von &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) darstellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) betreibt seit dem Jahr 1996 eine Blindenf&uuml;hrhundeschule. Sie bildet j&auml;hrlich drei bis f&uuml;nf Hunde zu Blindenf&uuml;hrhunden aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&Uuml;blicherweise ist es vom Ablauf so, dass sehbehinderte Menschen zun&auml;chst Kontakt zur Kl&auml;gerin aufnehmen, um abzustimmen, welche Hunderasse den eigenen Charaktereigenschaften sowie den &ouml;rtlichen Begebenheiten am ehesten entspricht. Dabei werden auch die sonstigen Eigenschaften und Hintergrundinformationen des sehbehinderten Menschen wie z.B. Wohnort ber&uuml;cksichtigt. In der Regel erfolgt eine verbindliche Bestellung nach Erstellung eines Kostenvoranschlags. Danach erwirbt die Kl&auml;gerin &#8211;im eigenen Namen und auf eigene Rechnung&#8211; einen Welpen, den sie selbst aufzieht oder in eine Patenfamilie gibt. Zu sp&auml;terer Zeit beginnt die Ausbildung mit der Eingew&ouml;hnung des Hundes in das bestehende Rudel. Hieran schlie&szlig;t das Training im F&uuml;hrgeschirr an, gefolgt vom Gehorsams- und Hindernistraining. Bereits w&auml;hrend der Ausbildung kommt es zu ersten Kontakten zwischen dem auszubildenden Hund und dem zuk&uuml;nftigen Besitzer. Am Ende der Ausbildung steht die &Uuml;bergabephase des Hundes an den Sehbehinderten, die bis zu einem Monat andauern kann und in der die Kl&auml;gerin einf&uuml;hrend und prozessbegleitend zur Seite steht. Die &Uuml;bergabephase schlie&szlig;t mit einer Pr&uuml;fung am Wohnort des Sehbehinderten ab. Diese Pr&uuml;fung wird von einem &#8211;regelm&auml;&szlig;ig von den Krankenkassen bestellten&#8211; sog. Gespannpr&uuml;fer abgenommen. Nach der Ausbildung und Pr&uuml;fung ver&auml;u&szlig;ert die Kl&auml;gerin den Blindenf&uuml;hrhund an die jeweilige Krankenkasse des sehbehinderten Menschen, die den Hund als medizinisches Hilfsmittel i.S. von &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des F&uuml;nften Buchs Sozialgesetzbuch anerkennt. Die Krankenkasse &uuml;bertr&auml;gt die Haltereigenschaft des Blindenf&uuml;hrhundes sodann auf den sehbehinderten Menschen. Weitere Nachschulungen erfolgen, wenn nach der Einarbeitungsphase und nach der Gespannpr&uuml;fung noch weiterer Betreuungs- und Nachschulungsbedarf besteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der wesentliche Teil des Preises entf&auml;llt auf die Ausbildung des Hundes. Vereinzelt kommt es vor, dass bereits w&auml;hrend der Einschulung oder nachtr&auml;glich festgestellt wird, dass das Gespann Mensch\/Tier nicht hinreichend funktioniert und die Kl&auml;gerin den Lehrgang abbricht oder einen ver&auml;u&szlig;erten Hund wieder zur&uuml;cknimmt. Die bis dahin entstandenen Kosten gehen dennoch zulasten des Auftraggebers.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin erkl&auml;rte den Gewinn des Streitjahres (2011) als einen solchen aus Gewerbebetrieb. Auf Grundlage der eingereichten Gewerbesteuererkl&auml;rung setzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) einen Gewerbesteuermessbetrag f&uuml;r das Jahr 2011 fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage gegen den Gewerbesteuermessbetragsbescheid hatten keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) wies die Klage mit Urteil vom 12.&nbsp;September 2014&nbsp;&nbsp;4&nbsp;K&nbsp;69\/14&nbsp;G ab. Die Entscheidung ist ver&ouml;ffentlicht in den Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2014, 2063.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin meint, das FG habe den Begriff des Unterrichts und der Erziehung fehlerhaft einschr&auml;nkend ausgelegt. Tiere gen&ouml;ssen einen besonderen Wesens- und Schutzrang im Recht (vgl. Art.&nbsp;20a des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;, &sect;&nbsp;90a des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs, &sect;&nbsp;1 des Tierschutzgesetzes). Die Grenze, bei der kein Unterricht mehr m&ouml;glich sei, verlaufe daher nicht bei der Abgrenzung Mensch\/Tier, sondern an der Grenze der Aufnahme- und Lernf&auml;higkeit, die bei Hunden gegeben sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>das angefochtene Urteil der Vorinstanz und den Gewerbesteuermessbetragsbescheid f&uuml;r das Jahr 2011 vom 17.&nbsp;Mai 2013 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 5.&nbsp;Dezember 2013 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG ist im Ergebnis zu Recht davon ausgegangen, dass die von der Kl&auml;gerin erzielten Eink&uuml;nfte als Ausbilderin von Blindenf&uuml;hrhunden gewerbliche Eink&uuml;nfte i.S. des &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 GewStG i.V.m. &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) und nicht freiberufliche Eink&uuml;nfte i.S. des &sect;&nbsp;18 EStG sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG geh&ouml;ren zur freiberuflichen T&auml;tigkeit die selbst&auml;ndig ausge&uuml;bte wissenschaftliche, k&uuml;nstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische T&auml;tigkeit, sowie die selbst&auml;ndige T&auml;tigkeit in einem der dort aufgez&auml;hlten Berufe oder in einem diesen &auml;hnlichen Beruf. Die Kl&auml;gerin &uuml;bte im Streitjahr keinen freien Beruf in diesem Sinne aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Sie war bei der Ausbildung der Blindenf&uuml;hrhunde weder erzieherisch noch unterrichtend t&auml;tig. Steuerrechtlich wird der Begriff des Unterrichts und der Erziehung von Menschen von der Dressur von Tieren unterschieden. Dies folgt &#8211;entgegen der Auffassung des FG&#8211; nicht aus einer einschr&auml;nkenden Auslegung des Gesetzeswortlauts im Sinne einer teleologischen Reduktion der Vorschrift, sondern aus einer typisierenden Betrachtungsweise (s. hierzu Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 15.&nbsp;Januar 2008&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvL&nbsp;2\/04, BVerfGE 120, 1, BFH\/NV 2008, Beilage 3, 247). Der Gesetzgeber wollte durch die Verwendung der Begriffe &quot;unterrichten&quot; und &quot;erziehen&quot; die freiberufliche T&auml;tigkeit gegen&uuml;ber Menschen von der T&auml;tigkeit gegen&uuml;ber Tieren, bei denen von &quot;dressieren&quot;, &quot;abrichten&quot; und &quot;trainieren&quot; gesprochen wird, abgrenzen (Urteil des Reichsfinanzhofs vom 13.&nbsp;August 1941 VI&nbsp;259\/41, RStBl 1941, 678).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Von diesem Begriffsverst&auml;ndnis geht auch die st&auml;ndige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) und die herrschende Meinung in der Literatur aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Erziehung bedeutet danach die planm&auml;&szlig;ige T&auml;tigkeit zur k&ouml;rperlichen, geistigen und sittlichen Formung junger Menschen zu t&uuml;chtigen und m&uuml;ndigen Menschen (vgl. BFH-Urteile vom 11.&nbsp;Juni 1997 XI&nbsp;R&nbsp;2\/95, BFHE 183, 450, BStBl II 1997, 687; vom 17.&nbsp;Mai 1990 IV&nbsp;R&nbsp;14\/87, BFHE 161, 361, BStBl II 1990, 1018, und vom 21.&nbsp;November 1974 II&nbsp;R&nbsp;107\/68, BFHE 115, 64, BStBl II 1975, 389). Die Ausbildung von Tieren wird von dem Tatbestandsmerkmal, das auf die Schulung des Charakters und der Bildung der Pers&ouml;nlichkeit junger Menschen gerichtet ist, nicht erfasst (so auch explizit Brandt in Herrmann\/Heuer\/ Raupach &#8211;HHR&#8211;, &sect;&nbsp;18 EStG Rz&nbsp;130; s.a. Schmidt\/Wacker, EStG, 36.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;18 Rz&nbsp;84; Bl&uuml;mich\/Hutter, &sect;&nbsp;18 EStG Rz&nbsp;108; Stuhrmann, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;18 Rz&nbsp;B&nbsp;80&nbsp;f.; Pfirrmann in Kirchhof, EStG, 16.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;18 Rz&nbsp;53).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Unterricht ist die Vermittlung von Wissen, F&auml;higkeiten, Fertigkeiten, Handlungsweisen und Einstellungen durch Lehrer an &#8211;menschliche&#8211; Sch&uuml;ler in organisierter und institutionalisierter Form (BFH-Urteile vom 2.&nbsp;Februar 2000 XI&nbsp;R&nbsp;38\/98, BFH\/NV 2000, 839; vom 18.&nbsp;April 1996 IV&nbsp;R&nbsp;35\/95, BFHE 180, 568, BStBl II 1996, 573; vom 13.&nbsp;Januar 1994 IV&nbsp;R&nbsp;79\/92, BFHE 173, 331, BStBl II 1994, 362; in BFHE 183, 450, BStBl II 1997, 687; so auch HHR\/Brandt, &sect;&nbsp;18 EStG Rz&nbsp;121; Schmidt\/Wacker, a.a.O., &sect;&nbsp;18 Rz&nbsp;83; Pfirrmann in Kirchhof, a.a.O., &sect;&nbsp;18 Rz&nbsp;49).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Abrichtung und Dressur von Tieren f&auml;llt auch dann nicht unter den Unterrichtsbegriff, wenn sie in einer &quot;Hundeschule&quot; erfolgt. Denn f&uuml;r Zwecke der Gesetzesauslegung gilt nur das allgemeine Sprachverst&auml;ndnis. Euphemismen, die insbesondere im Rahmen der Werbung und des Marketing Verwendung finden, &auml;ndern nichts an diesem allgemeinen Sprachverst&auml;ndnis, so dass der Betrieb der Kl&auml;gerin &#8211;f&uuml;r die hier vorliegende Rechtsfrage&#8211; weder eine Schule, noch ihre T&auml;tigkeit ein Unterricht i.S. des &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG ist. Zudem kann allein die Bezeichnung des Unternehmens der Kl&auml;gerin nicht als entscheidendes Kriterium daf&uuml;r angesehen werden, ob es sich um eine gewerbliche oder eine freiberufliche T&auml;tigkeit handelt (vgl. BFH-Urteil in BFHE 173, 331, BStBl II 1994, 362).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Revisionsrechtlich nicht zu beanstanden ist die W&uuml;rdigung des FG, dass der gesamte Betrieb der Kl&auml;gerin als einheitlicher angesehen werden muss. Beschr&auml;nkt sich die T&auml;tigkeit eines Steuerpflichtigen nicht auf das Vermitteln von Fertigkeiten, sondern werden im Zusammenhang mit der Unterrichtst&auml;tigkeit auch noch andere Leistungen angeboten, so kann je nach Art und Umfang dieser anderen Leistungen insgesamt eine gewerbliche Bet&auml;tigung vorliegen (vgl. BFH-Urteile in BFHE 173, 331, BStBl II 1994, 362; vom 16.&nbsp;November 1978 IV&nbsp;R&nbsp;191\/74, BFHE 126, 220, BStBl II 1979, 246; so auch HHR\/ Brandt, &sect;&nbsp;18 EStG Rz&nbsp;122; Schmidt\/Wacker, a.a.O., &sect;&nbsp;18 Rz&nbsp;83; Bl&uuml;mich\/Hutter, &sect;&nbsp;18 EStG Rz&nbsp;106; Pfirrmann in Kirchhof, a.a.O., &sect;&nbsp;18 Rz&nbsp;50).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies ist vorliegend der Fall. Die Betreuung des sehbehinderten Menschen bei und nach der &Uuml;bergabe des Hundes setzt voraus, dass der Hund zuvor als Blindenf&uuml;hrhund ausgebildet wurde. Erst dadurch wird m&ouml;glich, dass der Hund dem sehbehinderten Halter &uuml;bergeben werden kann und diesen im Alltag unterst&uuml;tzt. Die vorherige Ausbildung des Hundes ist insofern das &quot;pr&auml;gende&quot; Element der T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin auch ab dem Zeitpunkt der &Uuml;bergabe des Hundes an den sehbehinderten Menschen. Es handelt sich danach unabh&auml;ngig davon, ob die Einweisungszeit &uuml;berhaupt die Kriterien einer &quot;institutionalisierten&quot; Unterrichtst&auml;tigkeit erf&uuml;llt, um eine der Ausbildung des Tiers untergeordnete T&auml;tigkeit. Etwas anderes folgt auch nicht daraus, dass die Entgelte f&uuml;r die Ausbildung der Blindenf&uuml;hrhunde und die Einarbeitung bei dem zuk&uuml;nftigen Halter in den Rechnungen und in der Buchf&uuml;hrung der Kl&auml;gerin getrennt aufgef&uuml;hrt wurden, da die T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin insgesamt als gewerblich zu beurteilen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Auch aus Art.&nbsp;20a GG folgt keine &uuml;ber den Wortlaut hinausgehende Anwendung des &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG bei der Ausbildung von Blindenf&uuml;hrhunden. Der Staat ist aufgrund des Art.&nbsp;20a GG verpflichtet, Tiere nicht selbst zu beeintr&auml;chtigen und ferner geeignete Ma&szlig;nahmen zum Schutz der Tiere vor Beeintr&auml;chtigungen durch Private zu treffen sowie Vorschriften mit dem Ziel des Tierschutzes zu erlassen (BVerfG-Beschl&uuml;sse vom 12.&nbsp;Oktober 2010&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvF&nbsp;1\/07, BVerfGE 127, 293; vom 3.&nbsp;Juli 2007&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;2186\/06, BVerfGE 119, 59). Hingegen ist Art.&nbsp;20a GG bei solchen staatlichen Ma&szlig;nahmen irrelevant, die den Schutz der Tiere gar nicht beeintr&auml;chtigen k&ouml;nnen (vgl. BVerfG-Urteil vom 16.&nbsp;M&auml;rz 2004&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;1778\/01, BVerfGE 110, 141). Dies ist bei der Besteuerung der Kl&auml;gerin der Fall, so dass aus Art.&nbsp;20a GG nicht der Schluss gezogen werden kann, dass die Ausbildung von Blindenf&uuml;hrhunden dem Unterricht und der Erziehung von Menschen i.S. des &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG gleichzustellen ist, um die Kl&auml;gerin vor steuerlichen Nachteilen zu bewahren (vgl. BFH-Beschluss vom 29.&nbsp;Juni 2009 II&nbsp;B&nbsp;149\/08, BFH\/NV 2009, 1655, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die Frage, ob der Annahme einer unterrichtenden oder erzieherischen T&auml;tigkeit i.S. des &sect;&nbsp;18 EStG bereits entgegensteht, dass die Kl&auml;gerin die von ihr ausgebildeten Blindenf&uuml;hrhunde an die Krankenkasse ver&auml;u&szlig;ert und keinen Dienstvertrag &uuml;ber deren Ausbildung geschlossen hat, kann offenbleiben. Die T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin ist bereits dem Grunde nach als gewerblich anzusehen. Etwas anderes folgt auch nicht daraus, dass die Lieferung von ausgebildeten Blindenf&uuml;hrhunden gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 i.V.m. Anlage 2 lfd. Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;k des Umsatzsteuergesetzes dem erm&auml;&szlig;igten Umsatzsteuersatz von 7&nbsp;% unterliegt. Soweit mit dieser Regelung eine Entlastung der Sozialversicherungstr&auml;ger von der Umsatzsteuer bezweckt ist, ist dieser Gesichtspunkt f&uuml;r die ertragsteuerliche Einordnung der T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin ohne Belang. Eine Entlastung der Sozialversicherungstr&auml;ger wird durch die Abgrenzung der freiberuflichen von den gewerblichen Eink&uuml;nften nicht verfolgt (BFH-Urteil vom 19.&nbsp;September 2002 IV&nbsp;R&nbsp;45\/00, BFHE 200, 317, BStBl II 2003, 21).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Es wurde weder geltend gemacht, noch ist erkennbar, dass bei der T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin die Voraussetzungen eines Katalogberufs i.S. des &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG oder eines einem solchen &auml;hnlichen Berufs vorlagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.5.2017, VIII R 11\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.090517.VIIIR11.15.0 Ausbildung und Verkauf von Blindenf&uuml;hrhunden f&uuml;hrt zu gewerblichen Eink&uuml;nften Leits&auml;tze 1. Die Betreiberin einer Blindenf&uuml;hrhundeschule erzielt Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb. 2. Eine &quot;unterrichtende oder erzieherische T&auml;tigkeit&quot; i.S. des &sect; 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG erfordert ein T&auml;tigwerden gegen&uuml;ber Menschen. 3. Aus Art. 20a GG folgt keine &uuml;ber den &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-11-15-ausbildung-und-verkauf-von-blindenfuehrhunden-fuehrt-zu-gewerblichen-einkuenften\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VIII&nbsp;R&nbsp;11\/15 &#8211; Ausbildung und Verkauf von Blindenf&uuml;hrhunden f&uuml;hrt zu gewerblichen Eink&uuml;nften<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67555","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67555","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67555"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67555\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67555"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67555"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}