{"id":67564,"date":"2017-08-23T08:28:43","date_gmt":"2017-08-23T06:28:43","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67564"},"modified":"2017-08-23T08:28:43","modified_gmt":"2017-08-23T06:28:43","slug":"x-b-150-16-fehlende-uebermittlung-eines-schriftsatzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-150-16-fehlende-uebermittlung-eines-schriftsatzes\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;150\/16 &#8211; Fehlende &Uuml;bermittlung eines Schriftsatzes"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 8.5.2017, X B 150\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:B.080517.XB150.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Fehlende &Uuml;bermittlung eines Schriftsatzes<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde des Beklagten wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 14. Oktober 2016 2 K 11251\/15 aufgehoben, soweit es den Antrag auf &Auml;nderung der Einkommensteuer 2009 betrifft.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird insoweit an das Nieders&auml;chsische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdegegner (Kl&auml;ger) erzielte Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb im Rahmen einer Betriebsaufspaltung. &Uuml;ber das Verm&ouml;gen der Betriebsgesellschaft wurde im Jahre 2004 das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet. F&uuml;r Darlehensverbindlichkeiten, die er in diesem Zusammenhang &uuml;bernommen hatte, entrichtete der Kl&auml;ger Schuldzinsen. Er beantragte teils (hinsichtlich der vormaligen Streitjahre 2008 und 2009) im Wege eines &Auml;nderungsantrages nach &sect;&nbsp;172 der Abgabenordnung (AO), teils (hinsichtlich des vormaligen Streitjahres 2013) im Wege des Einspruchs die Ber&uuml;cksichtigung von Zinsen als nachtr&auml;gliche Betriebsausgaben bei den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb. Der Beklagte und Beschwerdef&uuml;hrer (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte dies im Wesentlichen ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem Finanzgericht (FG) am 3.&nbsp;August 2016 beantragte der Kl&auml;ger,<br \/>&#8211; im Jahre 2008 Schuldzinsen in H&ouml;he von 3.423&nbsp;EUR bei den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb statt bei den Eink&uuml;nften aus Kapitalverm&ouml;gen,<br \/>&#8211; im Jahre 2009 Schuldzinsen in H&ouml;he von 1.863&nbsp;EUR als zus&auml;tzliche nachtr&auml;gliche Betriebsausgaben bei den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb,<br \/>&#8211; im Jahre 2013 Schuldzinsen in H&ouml;he von 1.227&nbsp;EUR als zus&auml;tzliche nachtr&auml;gliche Betriebsausgaben bei den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb<br \/>zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen der m&uuml;ndlichen Verhandlung setzte das FG dem Kl&auml;ger eine Frist zur Vorlage weiterer Dokumente nach &sect;&nbsp;79b der Finanzgerichtsordnung (FGO) bis zum 10.&nbsp;September 2016. Die Beteiligten erkl&auml;rten ihr Einverst&auml;ndnis mit einer darauf folgenden Entscheidung durch den Berichterstatter und ohne m&uuml;ndliche Verhandlung. Das FG vertagte den Termin. Am 26.&nbsp;September 2016 verl&auml;ngerte der Berichterstatter wegen einer versp&auml;teten &Uuml;bermittlung des Protokolls die Frist bis zum 10.&nbsp;Oktober 2016.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 10.&nbsp;Oktober 2016 ging per Fax ein Schriftsatz des Kl&auml;gers mit einem Konvolut Unterlagen ein. Darin hie&szlig; es u.a.: &quot;Die gleichen Unterlagen haben wir mit heutiger Post auch bei der Beklagten eingereicht.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 11.&nbsp;Oktober 2016 ging per Fax ein weiterer Schriftsatz des Kl&auml;gers ein, in dem es auszugsweise hie&szlig;: &quot;&#8230; reichen aufgrund Ihrer heutigen fernm&uuml;ndlichen R&uuml;ckfrage die Darlehensausz&uuml;ge &#8230; nach.<br \/>F&uuml;r 2008 sind nur noch die Zinsen der Sparkasse [A] in H&ouml;he von 2.461,15&nbsp;EUR zu ber&uuml;cksichtigen. &#8230;<br \/>F&uuml;r 2009 ist uns bei der Ermittlung der Schuldzinsen ein Fehler unterlaufen, weil die Ausz&uuml;ge der Sparkasse [A] geteilt waren. Die Schuldzinsen der Sparkasse [A] betragen 775,28&nbsp;EUR und 1.473,12&nbsp;EUR = gesamt 2.248,40&nbsp;EUR. Der Anteil der Schuldzinsen der Volksbank [B] betr&auml;gt &frac12; von 1.153,98&nbsp;EUR = 576,99&nbsp;EUR. Somit m&uuml;ssten insgesamt 2.825,39&nbsp;EUR als nachtr&auml;gliche Betriebsausgaben ber&uuml;cksichtigt werden. Beantragt hatten wir in der Steuererkl&auml;rung 1.863,00&nbsp;EUR. Soweit es m&ouml;glich ist, beantragen wir die Schuldzinsen f&uuml;r beide Darlehen in H&ouml;he von 2.825,39&nbsp;EUR als nachtr&auml;gliche Betriebsausgaben zu ber&uuml;cksichtigen.<br \/>F&uuml;r 2013 ist nur noch das Darlehen der Sparkasse [A] vorhanden. Die Schuldzinsen betragen 1.226,24&nbsp;EUR.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine dem vorangegangenen Schriftsatz &auml;hnliche Bemerkung &uuml;ber die unmittelbare &Uuml;bersendung des Schriftsatzes an das FA ist nicht vorhanden. Nach Aktenlage hat das FG den Schriftsatz sowohl vom 10. als auch vom 11.&nbsp;Oktober 2016 dem FA zun&auml;chst nicht &uuml;bermittelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Urteil vom 14.&nbsp;Oktober 2016 ohne m&uuml;ndliche Verhandlung hat der Berichterstatter das FA verpflichtet,<br \/>&#8211; im Jahre 2008 Schuldzinsen in H&ouml;he von 2.461,15&nbsp;EUR bei den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb statt bei den Eink&uuml;nften aus Kapitalverm&ouml;gen,<br \/>&#8211; im Jahre 2009 Schuldzinsen in H&ouml;he von 2.820,39&nbsp;EUR als zus&auml;tzliche nachtr&auml;gliche Betriebsausgaben bei den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb,<br \/>&#8211; im Jahre 2013 Schuldzinsen in H&ouml;he von 1.226,24&nbsp;EUR als zus&auml;tzliche nachtr&auml;gliche Betriebsausgaben bei den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb<br \/>zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Urteil wurde dem FA am 20.&nbsp;Oktober 2016 zugestellt. Am 9.&nbsp;November 2016 verf&uuml;gte der Berichterstatter, eine Durchschrift der Schrifts&auml;tze vom 10. und 11.&nbsp;Oktober 2016 nebst Anlagen dem FA zur Kenntnis zu &uuml;bermitteln. Der Absendevermerk datiert vom 10.&nbsp;November 2016.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision f&uuml;r das Streitjahr 2009 r&uuml;gt das FA die Verletzung rechtlichen Geh&ouml;rs nach &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;3 FGO. Ihm sei erst nach Zustellung des Urteils aufgrund einer telefonischen Nachfrage beim FG bekannt geworden, dass der Kl&auml;ger mit Schriftsatz vom 11.&nbsp;Oktober 2016 seinen Klageantrag f&uuml;r den Veranlagungszeitraum 2009 erweitert habe. Eine Ablichtung dieses Antrags sei erst am 10.&nbsp;Oktober 2016 per Fax im FA eingegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Durch die Versagung rechtlichen Geh&ouml;rs und die sofortige Entscheidung habe das FA zu dem Antrag nicht Stellung nehmen k&ouml;nnen. Da Klagegegenstand f&uuml;r den Veranlagungszeitraum 2009 die Ablehnung eines Antrags auf &Auml;nderung nach &sect;&nbsp;172 AO gewesen sei, habe eine &Auml;nderung nur im Umfang des innerhalb der Antragsfrist gestellten &Auml;nderungsantrags (1.863&nbsp;EUR) und nicht in H&ouml;he der Erweiterung auf 2.825,39&nbsp;EUR stattfinden d&uuml;rfen. Wegen der fehlenden &Uuml;bermittlung des erweiterten Klageantrags habe das FA hierauf nicht hinweisen k&ouml;nnen. Einer Klageerweiterung habe das FA nicht zugestimmt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hat sich zu der Beschwerde nicht ge&auml;u&szlig;ert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der ordnungsgem&auml;&szlig; geltend gemachte Verfahrensmangel nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;3 FGO liegt vor; die Entscheidung kann darauf beruhen. Das FG hat das Recht des FA auf rechtliches Geh&ouml;r aus Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes, &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO verletzt, indem es sein Urteil gef&auml;llt hat, ohne zuvor den Schriftsatz des Kl&auml;gers vom 11.&nbsp;Oktober 2016 dem FA zu &uuml;bermitteln und diesem Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO darf das Urteil nur auf Tatsachen und Beweisergebnisse gest&uuml;tzt werden, zu denen die Beteiligten sich &auml;u&szlig;ern konnten. Korrespondierend umfasst der Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r das Recht der Verfahrensbeteiligten, sich vor Erlass einer Entscheidung zu den entscheidungserheblichen Tatsachen und ggf. Beweisergebnissen zu &auml;u&szlig;ern, sowie in rechtlicher Hinsicht alles vorzutragen, was sie f&uuml;r wesentlich halten (vgl. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 26.&nbsp;Juli 2012 IX&nbsp;B&nbsp;164\/11, BFH\/NV 2012, 1643; vom 23.&nbsp;Februar 2017 IX&nbsp;B&nbsp;2\/17, BFH\/NV 2017, 746, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem Recht auf &Auml;u&szlig;erung ist das Recht auf Information vorgelagert (vgl. Werth in Beermann\/Gosch, FGO &sect;&nbsp;119 Rz&nbsp;127, 128). Es besteht ein umfassender Anspruch, &uuml;ber den gesamten Prozessstoff kommentarlos und ohne Einschr&auml;nkungen unterrichtet zu werden (vgl. Nichtannahmebeschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 15.&nbsp;August 2014&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;969\/14, Neue Juristische Wochenschrift 2014, 3085, unter IV.4.a). Daher ist das FG verpflichtet, entscheidungserhebliche Fakten und Unterlagen nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern diese auch nach &sect;&nbsp;77 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 FGO dem jeweils anderen Beteiligten von Amts wegen zur Kenntnis zu geben. Die unterlassene &Uuml;bersendung oder ggf. &Uuml;bergabe eines entsprechenden Schriftsatzes in der m&uuml;ndlichen Verhandlung verletzt daher grunds&auml;tzlich das rechtliche Geh&ouml;r, jedenfalls dann, wenn dieser f&uuml;r die Entscheidung des FG erheblich gewesen sein kann (vgl. BFH-Beschluss vom 19.&nbsp;November 2003 I&nbsp;R&nbsp;41\/02, BFH\/NV 2004, 604, mit Einschr&auml;nkungen wegen der Frage der Entscheidungserheblichkeit f&uuml;r wiederholende Schrifts&auml;tze, unter II.2.; BFH-Beschluss vom 24.&nbsp;Februar 2005 IX&nbsp;B&nbsp;179\/03, BFH\/NV 2005, 1128).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG hat es sowohl nach Lage der Akten als auch nach dem Vortrag des FA zun&auml;chst unterlassen, den Schriftsatz vom 11.&nbsp;Oktober 2016 dem FA zur Kenntnis zu bringen, und so das Urteil erlassen, ohne dem FA eine Stellungnahme zu erm&ouml;glichen. Der Schriftsatz wurde erst am 10.&nbsp;November 2016 dem FA &uuml;bermittelt. Das FA hat zwar in seiner Beschwerdebegr&uuml;ndung formuliert, es habe ihn am 10.&nbsp;Oktober 2016 per Fax erhalten. Da der Schriftsatz allerdings auf den 11.&nbsp;Oktober 2016 datiert, w&auml;re eine &Uuml;bermittlung aufgrund des beschriebenen Geschehensablaufs am 10.&nbsp;Oktober 2016 schlechthin unm&ouml;glich. Das FA hat sich offenkundig hinsichtlich des Monats verschrieben. Die &Uuml;bermittlung am 10.&nbsp;November 2016 ist zudem durch den Absendevermerk belegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach &sect;&nbsp;119 FGO wird bei einer Verletzung rechtlichen Geh&ouml;rs grunds&auml;tzlich vermutet, dass das Urteil i.S. von &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO auf dem Verfahrensmangel beruht. Jedoch schr&auml;nkt der BFH die Kausalit&auml;tsvermutung auf diejenigen F&auml;lle ein, in denen sich die Verletzung rechtlichen Geh&ouml;rs auf das Gesamtergebnis des Verfahrens bezieht. Betrifft sie nur einzelne Feststellungen oder rechtliche Gesichtspunkte, hat der Beschwerdef&uuml;hrer darzulegen, was er im Falle der Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs noch vorgetragen h&auml;tte und inwiefern bei Ber&uuml;cksichtigung dieses Vorbringens eine andere Entscheidung m&ouml;glich gewesen w&auml;re (vgl. zum hergebrachten Streitstand grundlegend Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 3.&nbsp;September 2001 GrS&nbsp;3\/98, BFHE 196, 39, BStBl II 2001, 802, unter C.III.1.a, m.w.N.; zur aktuellen Rechtsprechung etwa BFH-Beschl&uuml;sse vom 30.&nbsp;Juli 2013 IV&nbsp;B&nbsp;107\/12, BFH\/NV 2013, 1928, unter II.2.a; vom 14.&nbsp;April 2015 IV&nbsp;B&nbsp;115\/13, BFH\/NV 2015, 1256, unter 1.d; Senatsbeschluss vom 28.&nbsp;Januar 2016 X&nbsp;B&nbsp;128\/15, BFH\/NV 2016, 771, unter III.2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall bezieht sich die ger&uuml;gte Verletzung rechtlichen Geh&ouml;rs zwar nicht auf das gesamte Verfahren, jedoch auf einen selbst&auml;ndigen Streitgegenstand (die &Auml;nderung der Einkommensteuer f&uuml;r das Streitjahr 2009), der seinerseits von der in dem nicht &uuml;bermittelten Schriftsatz enthaltenen Antrags&auml;nderung insgesamt betroffen ist. Ungeachtet der Frage, ob ihm dies &uuml;berhaupt oblag, hat das FA aber auch in der Beschwerdebegr&uuml;ndung geltend gemacht, dass es zu der Zul&auml;ssigkeit des Antrags des Kl&auml;gers, im Streitjahr 2009 weitere Betriebsausgaben zu ber&uuml;cksichtigen, vorgetragen h&auml;tte, wenn es hierzu die Gelegenheit gehabt h&auml;tte. Das FG h&auml;tte sich sodann mit dem Einwand, dass f&uuml;r das den Betrag von 1.863&nbsp;EUR &uuml;bersteigende Begehren verfahrensrechtlich keine &Auml;nderungsvorschrift zur Verf&uuml;gung gestanden habe, auseinandersetzen m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Zur Straffung des Verfahrens verweist der Senat den Rechtsstreit nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO bereits im Beschwerdeverfahren zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Entscheidung &uuml;ber die &Uuml;bertragung der Kosten folgt aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 8.5.2017, X B 150\/16ECLI:DE:BFH:2017:B.080517.XB150.16.0 Fehlende &Uuml;bermittlung eines Schriftsatzes Tenor Auf die Beschwerde des Beklagten wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 14. Oktober 2016 2 K 11251\/15 aufgehoben, soweit es den Antrag auf &Auml;nderung der Einkommensteuer 2009 betrifft. Die Sache wird insoweit an das Nieders&auml;chsische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen. Diesem &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-150-16-fehlende-uebermittlung-eines-schriftsatzes\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;B&nbsp;150\/16 &#8211; Fehlende &Uuml;bermittlung eines Schriftsatzes<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67564","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67564","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67564"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67564\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67564"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67564"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67564"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}