{"id":67655,"date":"2017-09-14T18:34:03","date_gmt":"2017-09-14T16:34:03","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67655"},"modified":"2017-09-14T18:34:03","modified_gmt":"2017-09-14T16:34:03","slug":"iii-r-33-15-aufhebung-der-kindergeldfestsetzung-in-doppelzahlungsfaellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-33-15-aufhebung-der-kindergeldfestsetzung-in-doppelzahlungsfaellen\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;33\/15 &#8211; Aufhebung der Kindergeldfestsetzung in Doppelzahlungsf&auml;llen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 6.4.2017, III R 33\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.060417.IIIR33.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Aufhebung der Kindergeldfestsetzung in Doppelzahlungsf&auml;llen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Hat ein Kindergeldberechtigter Kindergeld von einer Familienkasse der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit bezogen und nimmt aufgrund seines Arbeitsverh&auml;ltnisses im &ouml;ffentlichen Dienst die Familienkasse des Dienstherrn die Zahlung von Kindergeld auf, kann die nun sachlich unzust&auml;ndige Familienkasse die Kindergeldfestsetzung nach &sect; 70 Abs. 2 EStG aufheben.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die f&uuml;nfj&auml;hrige Festsetzungsfrist aufgrund leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung endet nicht, bevor die Verfolgung der Steuerordnungswidrigkeit verj&auml;hrt; die Verfolgungsverj&auml;hrung beginnt jedoch erst mit der letztmals zu Unrecht erlangten Kindergeldzahlung (Best&auml;tigung des Senatsurteils vom 26. Juni 2014 III R 21\/13, BFHE 247, 102, BStBl II 2015, 886).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 17. Juni 2015&nbsp;&nbsp;1 K 213\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist seit Mai 1995 als Lehrkraft beim Land Schleswig-Holstein besch&auml;ftigt. Er war zun&auml;chst zeitlich befristet im Angestelltenverh&auml;ltnis t&auml;tig und wurde mit Wirkung zum 1.&nbsp;November 1999 verbeamtet. Er ist verheiratet und Vater der im Februar 1996 ehelich geborenen Tochter A. Die beklagte und revisionsbeklagte Familienkasse des Arbeitsamtes (Familienkasse) bewilligte Kindergeld, das der Kl&auml;ger im Februar 1996 mit Zustimmung seiner Ehefrau beantragt hatte. Dabei ging die Familienkasse aufgrund einer telefonischen Mitteilung der Gattin des Kl&auml;gers davon aus, dass der Zeitvertrag des Kl&auml;gers mit dem Land Schleswig-Holstein zum 31.&nbsp;M&auml;rz 1996 auslaufen w&uuml;rde. Tats&auml;chlich wurde das Arbeitsverh&auml;ltnis des Kl&auml;gers jedoch verl&auml;ngert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an seine Verbeamtung erhielt der Kl&auml;ger Kindergeld f&uuml;r A auch vom Dienstherrn. Diese Zahlungen wurden in den jeweiligen Gehaltsbescheinigungen aufgef&uuml;hrt und erfolgten nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) ohne Antrag des Kl&auml;gers und ohne formelle Kindergeldfestsetzung. Eine vom Kl&auml;ger im November 2000 beim Dienstherrn eingereichte Erkl&auml;rung zum Familienzuschlag enthielt unter der Rubrik &quot;Kinder&quot; Angaben zum Namen und zum Geburtsdatum der Tochter, zum Kindschaftsverh&auml;ltnis und zur Zahlung des Kindergeldes an den Kl&auml;ger.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Verbeamtung des Kl&auml;gers blieb der Familienkasse unbekannt. Sie zahlte weiterhin Kindergeld f&uuml;r A, so dass der Kl&auml;ger dieses ab November 1999 zweifach vereinnahmte. Die Doppelzahlungen wurden erst im August 2008 durch einen vom Bundesrechnungshof initiierten Datenabgleich aufgedeckt und sowohl dem Dienstherrn als auch der Familienkasse zur Kenntnis gebracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse stellte ihre Zahlungen ab September 2008 ein. Sie hob mit Bescheid vom 12.&nbsp;November 2009 die Festsetzung des Kindergeldes gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) f&uuml;r den Zeitraum von November 1999 bis August 2008 auf und forderte die R&uuml;ckerstattung &uuml;berzahlten Kindergeldes in H&ouml;he von 15.888,84&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger zahlte auf den geltend gemachten Erstattungsanspruch f&uuml;r den Zeitraum Januar 2005 bis August 2008 insgesamt 6.776&nbsp;EUR. Wegen der Kindergeldaufhebung und R&uuml;ckforderung f&uuml;r den Zeitraum November 1999 bis Dezember 2004 legte er Einspruch ein, den er u.a. mit Verj&auml;hrung begr&uuml;ndete.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse wies den Einspruch mit Einspruchsentscheidung vom 30.&nbsp;August 2010 zur&uuml;ck. Sie st&uuml;tzte die Kindergeldaufhebung verfahrensrechtlich auf &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;2 i.V.m. &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) und ging von einer vors&auml;tzlichen Steuerhinterziehung durch den Kl&auml;ger aus, so dass die 10-j&auml;hrige Verj&auml;hrungsfrist einschl&auml;gig sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage blieb ohne Erfolg. Nachdem das Verfahren bis zum Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 11.&nbsp;Dezember 2013 XI&nbsp;R&nbsp;42\/11 (BFHE 244, 302, BStBl II 2014, 840) geruht hatte, entschied das FG, der 1996 ergangene Festsetzungsbescheid sei durch Wegfall der sachlichen Zust&auml;ndigkeit der Familienkasse rechtswidrig geworden (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2015, 1818). Die Familienkasse habe den Bescheid nach &sect;&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 EStG &auml;ndern k&ouml;nnen. Deshalb k&ouml;nne dahinstehen, ob einer Aufhebung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO entgegenstehe, dass sich keine doppelte Kindergeldfestsetzung und kein Kindergeldantrag des Kl&auml;gers gegen&uuml;ber der Familienkasse des Dienstherrn feststellen lasse. Festsetzungsverj&auml;hrung sei auch dann nicht eingetreten, wenn dem Kl&auml;ger keine Steuerhinterziehung (&sect;&nbsp;370 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO), sondern nur eine leichtfertige Steuerverk&uuml;rzung zur Last gelegt w&uuml;rde, da diese erst f&uuml;nf Jahre nach der letzten Auszahlung im August 2008 verj&auml;hre (&sect;&nbsp;384 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung seiner Revision tr&auml;gt der Kl&auml;ger vor, die Zust&auml;ndigkeiten der Familienkassen h&auml;tten i.S. des &sect;&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 EStG keinen Einfluss auf den Anspruch des Kindergeldberechtigten; die Verbeamtung habe seinen Kindergeldanspruch nicht entfallen lassen. Das FG sei auch zu Unrecht von einer verl&auml;ngerten Festsetzungsfrist ausgegangen, denn gegen ihn sei kein Straf- oder Bu&szlig;geldverfahren eingeleitet worden. Da die Verbeamtung die Anspruchsvoraussetzungen f&uuml;r den Kindergeldanspruch (&sect;&sect;&nbsp;62 bis 65 EStG) unber&uuml;hrt lasse, habe auch keine Offenbarungspflicht i.S. des &sect;&nbsp;370 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO bestanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>den Aufhebungsbescheid vom 12.&nbsp;November 2009, soweit er den Zeitraum November 1999 bis Dezember 2004 betrifft, die Einspruchsentscheidung und das FG-Urteil aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet. Das FG hat zu Recht entschieden, dass die Familienkasse die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r den streitigen Zeitraum aufheben konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Familienkasse durfte die Festsetzung des Kindergeldes nach &sect;&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 EStG aufheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Familienleistungsausgleich nach Ma&szlig;gabe der &sect;&sect;&nbsp;31, 62 bis 78 EStG obliegt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;16 AO i.V.m. &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;11 des Finanzverwaltungsgesetzes (FVG) dem Bundeszentralamt f&uuml;r Steuern (vormals Bundesamt f&uuml;r Finanzen) und wird durch die Dienststellen der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit (Bundesagentur, vormals Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit) als Familienkassen durchgef&uuml;hrt. Diese Dienststellen sind indessen sachlich nicht zust&auml;ndig, wenn gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;72 EStG eine K&ouml;rperschaft, Anstalt oder Stiftung des &ouml;ffentlichen Rechts oder die Deutsche Post AG, Deutsche Postbank AG oder Deutsche Telekom AG als Familienkasse das Kindergeld an Angeh&ouml;rige des &ouml;ffentlichen Dienstes festzusetzen und zu zahlen haben (Senatsurteil vom 19.&nbsp;Januar 2017 III&nbsp;R&nbsp;31\/15, BFHE 256, 502, BStBl II 2017, 642; Senatsbeschluss vom 28.&nbsp;Dezember 2006 III&nbsp;B&nbsp;91\/05, BFH\/NV 2007, 864). Davon geht auch die Dienstanweisung zum Kindergeld nach dem Einkommensteuergesetz (DA-KG) 2014 aus (unter V.1.1). Durch den Eintritt oder das Ausscheiden des Kindergeldberechtigten aus dem &ouml;ffentlichen Dienst &auml;ndert sich mithin die sachliche Zust&auml;ndigkeit f&uuml;r die Kindergeldfestsetzung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wenn die sachlich zust&auml;ndige Familienkasse danach durch Eintritt des Kindergeldberechtigten in den &ouml;ffentlichen Dienst wechselt, kann die bisherige Kindergeldfestsetzung aufgehoben und das Kindergeld von der zust&auml;ndig gewordenen Familienkasse neu festgesetzt werden. Stattdessen kann sich die zust&auml;ndig gewordene Beh&ouml;rde aber auch die bisherige Festsetzung zu Eigen machen und die Kindergeldzahlung auf Grundlage des Bescheids der zuvor zust&auml;ndigen Familienkasse fortf&uuml;hren (Senatsurteil vom 25.&nbsp;September 2014 III&nbsp;R&nbsp;25\/13, BFHE 247, 233, BStBl II 2015, 847).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Wechsel der sachlichen Zust&auml;ndigkeit der f&uuml;r die Kindergeldgew&auml;hrung zust&auml;ndigen Beh&ouml;rde, d.h. der &Uuml;bergang der Verpflichtung von einem auf einen anderen Rechtstr&auml;ger, ist eine i.S. des &sect;&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 EStG f&uuml;r den Anspruch auf Kindergeld erhebliche &Auml;nderung. Die Familienkasse konnte deshalb die Kindergeldfestsetzung mit Wirkung ab November 1999 aufheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem steht nicht entgegen, dass beim Wechsel der sachlichen Zust&auml;ndigkeit nicht zwingend ein neuer Bescheid ergehen muss, sondern &#8211;was im Streitfall allerdings nicht geschehen ist&#8211; die zust&auml;ndig gewordene Familienkasse aus Vereinfachungsgr&uuml;nden aufgrund des bisherigen Bescheids leisten kann, wenn sie den Kindergeldberechtigten schriftlich darauf hinweist, dass sie als nunmehr zust&auml;ndige Familienkasse das Kindergeld in der bisher festgesetzten H&ouml;he unver&auml;ndert auszahlt und die urspr&uuml;nglich zust&auml;ndige Familienkasse sachlich unzust&auml;ndig geworden ist und deshalb die Kindergeldzahlungen einstellt (vgl. DA-KG 2016 unter V.3.2 Abs.&nbsp;2).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Im Hinblick auf die hier streitige Aufhebung nach &sect;&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 EStG ab November 1999 kann dahinstehen, ob die Familienkasse des Dienstherrn erst mit der Verbeamtung des Kl&auml;gers zust&auml;ndig wurde oder bereits zu einem fr&uuml;heren Zeitpunkt, weil sie auch f&uuml;r Angestellte im &ouml;ffentlichen Dienst, die l&auml;nger als voraussichtlich sechs Monate besch&auml;ftigt sind, zust&auml;ndig war (vgl. &sect;&nbsp;72 Abs.&nbsp;4 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Aufhebung nach &sect;&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 EStG ist zwar &quot;mit Wirkung vom Zeitpunkt der &Auml;nderung der Verh&auml;ltnisse&quot; vorzunehmen, d.h. auch r&uuml;ckwirkend. Daraus ergibt sich indessen nicht, dass eine Aufhebung zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt als dem der &quot;&Auml;nderung der Verh&auml;ltnisse&quot; ausgeschlossen ist. Denn die Befugnis der Familienkasse zur Aufhebung der Kindergeldfestsetzung verbraucht sich nicht, wenn sie &#8211;z.B. wegen Festsetzungsverj&auml;hrung, wegen eines nicht zweifelsfrei aufkl&auml;rbaren Sachverhalts oder einer unklaren Rechtslage&#8211; erst zu einem sp&auml;teren Monat neu bescheidet. Daher h&auml;tte eine Zust&auml;ndigkeits&auml;nderung zu einem fr&uuml;heren Zeitpunkt jedenfalls auch zur Aufhebung der Kindergeldfestsetzung durch die beklagte Familienkasse f&uuml;r den hier streitigen Zeitraum ab November 1999 gef&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Da die Festsetzung nach &sect;&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 EStG aufgehoben werden konnte, kann dahinstehen, ob oder von welchem Zeitpunkt an die Aufhebung auch auf &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;2 AO gest&uuml;tzt werden konnte, weil Erkl&auml;rungen des Kl&auml;gers zum Familienzuschlag auch i.S. von &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO als &quot;Antrag oder &#8230; Erkl&auml;rung&quot; zur Kindergeldfestsetzung zu werten w&auml;ren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das FG hat auch zu Recht entschieden, dass die Aufhebung der Kindergeldfestsetzung nicht durch Festsetzungsverj&auml;hrung (&sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO) ausgeschlossen war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG hat zutreffend festgestellt, dass der Kl&auml;ger nach &sect;&nbsp;68 Abs.&nbsp;1 Alternative&nbsp;1 EStG verpflichtet war, der Familienkasse Ver&auml;nderungen in den f&uuml;r die Leistung erheblichen Verh&auml;ltnissen unverz&uuml;glich mitzuteilen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hatte in seinem im Februar 1996 an die Familienkasse gerichteten Antrag die Frage nach anderweitig erhaltenem Kindergeld verneint. Deshalb war er nach der Aufnahme der Kindergeldzahlungen durch den Dienstherrn verpflichtet, diese Ver&auml;nderung anzuzeigen, weil er dar&uuml;ber eine Erkl&auml;rung abgegeben hatte (&sect;&nbsp;68 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Kl&auml;ger hat durch den zweifachen Bezug von Kindergeld, das als Steuerverg&uuml;tung gew&auml;hrt wird (&sect;&nbsp;31 Satz&nbsp;3 EStG), nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt. Denn er hatte die Familienkasse &uuml;ber seine Verbeamtung im November 1999 pflichtwidrig in Unkenntnis gelassen (&sect;&nbsp;370 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO). Er handelte nach den Feststellungen des FG auch leichtfertig, so dass der Tatbestand der leichtfertigen Steuerverk&uuml;rzung nach &sect;&nbsp;378 AO erf&uuml;llt ist. Insoweit ist unerheblich, dass gegen ihn kein Straf- oder Bu&szlig;geldverfahren eingeleitet wurde. Denn die Frage, ob Steuerbetr&auml;ge leichtfertig verk&uuml;rzt wurden, ist von den Finanzbeh&ouml;rden und Finanzgerichten in eigener Zust&auml;ndigkeit zu entscheiden (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 5.&nbsp;M&auml;rz 1979 GrS&nbsp;5\/77, BFHE 127, 140, BStBl II 1979, 570; Bannizza in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;169 AO Rz&nbsp;67, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Verfolgung von Steuerordnungswidrigkeiten verj&auml;hrt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;384 AO in f&uuml;nf Jahren. Dabei beginnt die Verfolgungsverj&auml;hrung erst mit der letztmals zu Unrecht erlangten Kindergeldzahlung. Denn der Erfolg der pflichtwidrigen Unterlassung trat erst mit der letzten Auszahlung ein, d.h. der Auszahlung des Kindergeldes f&uuml;r August 2008. Aus dem das Kindergeldrecht beherrschenden Monatsprinzip (&sect;&nbsp;66 Abs.&nbsp;2 EStG) ist nicht herzuleiten, dass jede monatliche Auszahlung eine beendete Ordnungswidrigkeit darstellt, was zur Folge h&auml;tte, dass mit jeder Auszahlung f&uuml;r den jeweiligen Monat auch die Verfolgungsverj&auml;hrung beg&auml;nne (Senatsurteile vom 26.&nbsp;Juni 2014 III&nbsp;R&nbsp;21\/13, BFHE 247, 102, BStBl II 2015, 886; vom 18.&nbsp;Dezember 2014 III&nbsp;R&nbsp;13\/14, BFH\/NV 2015, 948, Leitsatz, und Rz&nbsp;22, 23).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung anzuwendende f&uuml;nfj&auml;hrige Festsetzungsfrist (&sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO) endete gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;7 AO nicht, bevor die Verfolgung der Steuerordnungswidrigkeit verj&auml;hrte, d.h. nicht vor Juli 2013. Sie war somit bei Erlass des Aufhebungsbescheids vom 12.&nbsp;November 2009 noch nicht abgelaufen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 6.4.2017, III R 33\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.060417.IIIR33.15.0 Aufhebung der Kindergeldfestsetzung in Doppelzahlungsf&auml;llen Leits&auml;tze 1. Hat ein Kindergeldberechtigter Kindergeld von einer Familienkasse der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit bezogen und nimmt aufgrund seines Arbeitsverh&auml;ltnisses im &ouml;ffentlichen Dienst die Familienkasse des Dienstherrn die Zahlung von Kindergeld auf, kann die nun sachlich unzust&auml;ndige Familienkasse die Kindergeldfestsetzung nach &sect; 70 Abs. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-33-15-aufhebung-der-kindergeldfestsetzung-in-doppelzahlungsfaellen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;33\/15 &#8211; Aufhebung der Kindergeldfestsetzung in Doppelzahlungsf&auml;llen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67655","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67655","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67655"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67655\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67655"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67655"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67655"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}