{"id":67814,"date":"2017-10-07T15:52:01","date_gmt":"2017-10-07T13:52:01","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67814"},"modified":"2017-10-07T15:52:01","modified_gmt":"2017-10-07T13:52:01","slug":"i-r-77-15-erlass-von-nachzahlungszinsen-nach-par-233a-ao","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-77-15-erlass-von-nachzahlungszinsen-nach-par-233a-ao\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;77\/15 &#8211; Erlass von Nachzahlungszinsen nach &sect; 233a AO"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 31.5.2017, I R 77\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:B.310517.IR77.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Erlass von Nachzahlungszinsen nach &sect; 233a AO<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Th&uuml;ringer Finanzgerichts vom 22. April 2015&nbsp;&nbsp;3 K 889\/13 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist der Erlass von Nachzahlungszinsen nach &sect;&nbsp;233a der Abgabenordnung (AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, unterh&auml;lt einen Gastronomiebetrieb. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) nahm im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung eine Hinzusch&auml;tzung der Ums&auml;tze vor und &auml;nderte dementsprechend unter dem 17.&nbsp;November 2011 die Bescheide f&uuml;r die Jahre 2004 bis 2006 &uuml;ber K&ouml;rperschaftsteuer sowie Umsatzsteuer. Zudem setzte er jeweils Nachzahlungszinsen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;233a AO fest. Im finanzgerichtlichen Verfahren gegen die &Auml;nderungsbescheide verminderte das FA die erfolgten Hinzusch&auml;tzungen und erlie&szlig; am 19.&nbsp;Juni 2013 neben ge&auml;nderten Bescheiden &uuml;ber K&ouml;rperschaftsteuer und Umsatzsteuer die streitgegenst&auml;ndlichen und gleichfalls (ge&auml;nderten) Bescheide &uuml;ber die Festsetzung von Nachzahlungszinsen in H&ouml;he von 10.709&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 25.&nbsp;Juni 2013 beantragte die Kl&auml;gerin den Erlass der festgesetzten Nachzahlungszinsen. Dies wurde vom FA mit Schreiben vom 3.&nbsp;Juli 2013 abgelehnt. Mit der nach erfolglosem Einspruch erhobenen Klage machte die Kl&auml;gerin geltend, dass sie kein Verschulden daran trage, dass sich im Verfahren ein derart langer Zinslauf ergeben habe. Die besonderen Umst&auml;nde des Verfahrens rechtfertigten ausnahmsweise einen Erlass aus Billigkeitsgr&uuml;nden wegen Verfahrensverschleppung. Dar&uuml;ber hinaus folge die offensichtliche und eindeutige Unrichtigkeit der Steuerfestsetzung aus dem festgesetzten Zinssatz von monatlich 0,5&nbsp;v.H.; es best&uuml;nden gewichtige Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit bzw. Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit dieses Zinssatzes. Mit Urteil vom 22.&nbsp;April 2015&nbsp;&nbsp;3&nbsp;K&nbsp;889\/13 (ver&ouml;ffentlicht in Entscheidungen der Finanzgerichte 2016, 354) hat das Th&uuml;ringer Finanzgericht (FG) die Klage als unbegr&uuml;ndet abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ihre Revision st&uuml;tzt die Kl&auml;gerin auf eine Verletzung materiellen Rechts. Sie beantragt sinngem&auml;&szlig;, das Urteil des Th&uuml;ringer FG vom 22.&nbsp;April 2015&nbsp;&nbsp;3&nbsp;K&nbsp;889\/13 aufzuheben und das FA unter Aufhebung des Ablehnungsbescheides vom 3.&nbsp;Juli 2013 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 30.&nbsp;September 2013 zu verpflichten, die Zinsen zur K&ouml;rperschaftsteuer und Umsatzsteuer 2004 bis 2006 in H&ouml;he von 10.709&nbsp;EUR zu erlassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Entscheidung ergeht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126a der Finanzgerichtsordnung (FGO). Der Senat h&auml;lt einstimmig die Revision f&uuml;r unbegr&uuml;ndet und eine m&uuml;ndliche Verhandlung nicht f&uuml;r erforderlich. Die Beteiligten sind davon unterrichtet worden und hatten Gelegenheit zur Stellungnahme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;4 FGO zur&uuml;ckzuweisen. Das FG hat im Ergebnis zu Recht entschieden, dass die Kl&auml;gerin keinen Anspruch auf Erlass der Nachzahlungszinsen zur K&ouml;rperschaftsteuer und Umsatzsteuer 2004 bis 2006 in H&ouml;he von 10.709&nbsp;EUR hat und die Ablehnung des Erlassantrags nicht ermessensfehlerhaft war. Die Erhebung der Zinsen ist nicht unbillig i.S. des &sect;&nbsp;227 AO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Finanzbeh&ouml;rden k&ouml;nnen nach &sect;&nbsp;227 AO Anspr&uuml;che aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis ganz oder zum Teil erlassen, wenn deren Einziehung nach Lage des einzelnen Falles unbillig w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zu den Anspr&uuml;chen aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis geh&ouml;ren nach &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;1 AO auch Anspr&uuml;che auf steuerliche Nebenleistungen, zu denen wiederum nach &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;4 AO auch Zinsen (&sect;&sect;&nbsp;233 bis 237 AO) z&auml;hlen. Dem Erlass von Nachforderungszinsen nach &sect;&nbsp;233a AO steht nicht entgegen, dass &sect;&nbsp;233a AO im Gegensatz zu &sect;&nbsp;234 Abs.&nbsp;2 AO f&uuml;r Stundungszinsen und &sect;&nbsp;237 Abs.&nbsp;4 AO f&uuml;r Aussetzungszinsen keine ausdr&uuml;ckliche Erm&auml;chtigung zu Billigkeitsma&szlig;nahmen enth&auml;lt (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 1.&nbsp;Juni 2016 X&nbsp;R&nbsp;66\/14, BFH\/NV 2016, 1668, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Unbilligkeit der Einziehung einer Steuer, an die &sect;&nbsp;227 AO die M&ouml;glichkeit eines Erlasses kn&uuml;pft, kann sich aus sachlichen oder aus pers&ouml;nlichen Gr&uuml;nden ergeben, wobei die Beteiligten des Streitfalles zu Recht nur um die erste Variante streiten. Eine Unbilligkeit aus sachlichen Gr&uuml;nden ist nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH dann anzunehmen, wenn ein Anspruch aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis zwar nach dem gesetzlichen Tatbestand besteht, seine Geltendmachung aber mit dem Zweck des Gesetzes nicht (mehr) zu rechtfertigen ist und dessen Wertungen zuwiderl&auml;uft (z.B. BFH-Urteile vom 11.&nbsp;Juli 1996 V&nbsp;R&nbsp;18\/95, BFHE 180, 524, BStBl II 1997, 259; vom 26.&nbsp;August 2010 III&nbsp;R&nbsp;80\/07, BFH\/NV 2011, 401; vom 8.&nbsp;Oktober 2013 X&nbsp;R&nbsp;3\/10, BFH\/NV 2014, 5, jeweils m.w.N.). Das setzt voraus, dass der Gesetzgeber eine andere Regelung getroffen h&auml;tte, wenn er die zu beurteilende Frage als regelungsbed&uuml;rftig erkannt h&auml;tte (z.B. Senatsurteil vom 21.&nbsp;Oktober 2009 I&nbsp;R&nbsp;112\/08, BFH\/NV 2010, 606). Umst&auml;nde, die der Gesetzgeber bei der Ausgestaltung des gesetzlichen Tatbestands bewusst in Kauf genommen hat, k&ouml;nnen dagegen keinen Billigkeitserlass rechtfertigen (BFH-Urteile vom 7.&nbsp;Oktober 2010 V&nbsp;R&nbsp;17\/09, BFH\/NV 2011, 865, und vom 4.&nbsp;Februar 2010 II&nbsp;R&nbsp;25\/08, BFHE 228, 130, BStBl II 2010, 663, jeweils m.w.N.). Die Billigkeitspr&uuml;fung darf die generelle Geltungsanordnung des den Steueranspruch begr&uuml;ndenden Gesetzes nicht unterlaufen (BFH-Urteil in BFH\/NV 2011, 401), sich andererseits auch nicht in &Uuml;berlegungen zur richtigen Rechtsanwendung ersch&ouml;pfen, da dann ein auf sachliche Billigkeitsgr&uuml;nde gest&uuml;tzter Erlass nach &sect;&nbsp;227 AO niemals m&ouml;glich w&auml;re (vgl. BFH-Urteil in BFHE 180, 524, BStBl II 1997, 259). Diese Grunds&auml;tze gelten auch f&uuml;r den Erlass nach &sect;&nbsp;233a AO festgesetzter Zinsen (BFH-Urteile in BFH\/NV 2014, 5; vom 3.&nbsp;Juli 2014 III&nbsp;R&nbsp;53\/12, BFHE 246, 203, BStBl II 2017, 3, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Erlass von festgesetzten Zinsen ist eine Ma&szlig;nahme der finanzbeh&ouml;rdlichen Billigkeit im Steuerschuldverh&auml;ltnis, &uuml;ber die in einem vom Steuerfestsetzungsverfahren gesonderten Verfahren durch eigenst&auml;ndigen Verwaltungsakt zu entscheiden ist. Dieser Verwaltungsakt unterliegt, wenn die begehrte Billigkeitsma&szlig;nahme abgelehnt wurde, nur einer eingeschr&auml;nkten gerichtlichen &Uuml;berpr&uuml;fung (&sect;&nbsp;102 FGO); diese beschr&auml;nkt sich darauf, ob die gesetzlichen Grenzen des Ermessens nicht beachtet wurden oder Ermessen fehlerhaft ausge&uuml;bt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Unter Beachtung dieser Grunds&auml;tze ist die vom FA getroffene Entscheidung, die Nachzahlungszinsen nicht zu erlassen, nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Verzinsungsregelung in &sect;&nbsp;233a AO bezweckt einen typisierten Ausgleich f&uuml;r die Liquidit&auml;tsverschiebungen, die aus dem individuell sehr unterschiedlichen Verlauf des Besteuerungsverfahrens entstehen k&ouml;nnen. Es soll ein Ausgleich daf&uuml;r geschaffen werden, dass die Steuern bei den einzelnen Steuerpflichtigen, aus welchen Gr&uuml;nden auch immer, zu unterschiedlichen Zeitpunkten festgesetzt und f&auml;llig werden (vgl. BTDrucks 11\/2157, S.&nbsp;194). Insoweit beruht die Vorschrift auf der zul&auml;ssig typisierenden Annahme, dass derjenige, dessen Steuer ganz oder zum Teil zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt festgesetzt wird, gegen&uuml;ber demjenigen, dessen Steuer bereits fr&uuml;hzeitig festgesetzt wird, einen Liquidit&auml;ts- und damit auch einen potentiellen Zinsvorteil hat. Dieser Vorteil ist umso gr&ouml;&szlig;er, je h&ouml;her der nachzuzahlende Betrag ist und je sp&auml;ter die Steuer festgesetzt wird. Durch die Verzinsung sollen der Liquidit&auml;tsvorteil des Steuerpflichtigen und seine damit verbundene erh&ouml;hte wirtschaftliche Leistungsf&auml;higkeit abgesch&ouml;pft werden. Gleichzeitig soll der vorhandene Zinsnachteil des Fiskus, der den nicht gezahlten Steuerbetrag nicht anderweitig nutzen kann, ausgeglichen werden (Nichtannahmebeschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 3.&nbsp;September 2009&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;2539\/07, BFH\/NV 2009, 2115, unter III.1.a&nbsp;bb&nbsp;(2)&nbsp;(a)). Aus welchem Grund es zu einem Unterschiedsbetrag gekommen ist und ob die m&ouml;glichen Zins- und Liquidit&auml;tsvorteile tats&auml;chlich bestanden und genutzt wurden, ist demzufolge grunds&auml;tzlich unbeachtlich (vgl. BVerfG-Beschluss in BFH\/NV 2009, 2115, unter III.1.a bb (2) (b) und III.1.a cc; BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 5, m.w.N.). Der Hinweis auf eine verz&ouml;gerte Bearbeitung des Steuerfalles ist damit grunds&auml;tzlich nicht geeignet, eine abweichende Zinsfestsetzung aus Billigkeitsgr&uuml;nden zu begr&uuml;nden (vgl. BFH-Beschluss vom 26.&nbsp;Juli 2006 VI&nbsp;B&nbsp;134\/05, BFH\/NV 2006, 2029; Senatsurteil in BFH\/NV 2010, 606, m.w.N.). Ob in einem bestimmten Einzelfall davon Ausnahmen zu machen sind, h&auml;ngt von den konkreten Einzelfallumst&auml;nden ab (vgl. BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;M&auml;rz 2014 X&nbsp;B&nbsp;45\/13, BFH\/NV 2014, 826). Im Revisionsverfahren ist dies alles allerdings nicht mehr streitig. Der Senat sieht daher von weiteren Ausf&uuml;hrungen hierzu ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Soweit die Kl&auml;gerin im Revisionsverfahren die Frage aufwirft, ob nicht durch &sect;&nbsp;233a AO typisierend ein wirtschaftlicher Erfolg in Gestalt eines erzielbaren Zinsvorteils fingiert werde, den es angesichts der andauernden Niedrigzinsphase gar nicht gebe, wendet sie sich gegen die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der gesetzlichen Zinsh&ouml;he. Derartige Einwendungen betreffen die einfach-rechtlichen Grundlagen und damit die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Zinsfestsetzung und sind vorrangig im Rechtsbehelfsverfahren gegen die Zinsfestsetzung und nicht im Erlassverfahren geltend zu machen (vgl. BFH-Beschluss vom 19.&nbsp;Mai 2011 X&nbsp;B&nbsp;184\/10, BFH\/NV 2011, 1659; Senatsbeschluss vom 30.&nbsp;September 2015 I&nbsp;B&nbsp;62\/14, BFH\/NV 2016, 369; Senatsurteil vom 28.&nbsp;Januar 2015 I&nbsp;R&nbsp;70\/13, BFHE 249, 118, BStBl II 2017, 101, Rz&nbsp;17).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ausweislich der Gr&uuml;nde des angegriffenen Urteils ist die Zinsfestsetzung im Streitfall in Bestandskraft erwachsen. Es entspricht der st&auml;ndigen Rechtsprechung des BFH, dass eine rechtlich unzutreffende, aber bestandskr&auml;ftige Festsetzung von Steuern oder steuerlichen Nebenleistungen grunds&auml;tzlich nicht durch einen Billigkeitserweis aus sachlichen Gr&uuml;nden nachtr&auml;glich korrigiert werden kann (z.B. BFH-Urteile vom 11.&nbsp;August 1987 VII&nbsp;R&nbsp;121\/84, BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512; vom 13.&nbsp;Januar 2005 V&nbsp;R&nbsp;35\/03, BFHE 208, 398, BStBl II 2005, 460; Klein\/R&uuml;sken, AO, 13.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;163 Rz&nbsp;45, zu verfassungsrechtlichen Einwendungen auch Rz&nbsp;35). Der Auffassung der Vorinstanz, wonach die M&ouml;glichkeit, sich im Rechtsbehelfsverfahren gegen die Zinsbescheide und die H&ouml;he des gesetzlichen Zinssatzes zu wenden, es nicht ausschlie&szlig;e, diese Einw&auml;nde grunds&auml;tzlich auch im Erlassverfahren als sachliche Billigkeitsgr&uuml;nde vorzubringen, war von daher nicht zu folgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dass vorliegend der Ausnahmefall einer offensichtlich und eindeutig unrichtigen Steuer- bzw. Zinsfestsetzung vorliegt und Rechtsbehelfe nicht oder nicht in zumutbarer Weise eingelegt werden konnten (dazu BFH-Urteile in BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512, und in BFHE 208, 398, BStBl II 2005, 460), ist weder vorgetragen noch sonst ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 31.5.2017, I R 77\/15ECLI:DE:BFH:2017:B.310517.IR77.15.0 Erlass von Nachzahlungszinsen nach &sect; 233a AO Tenor Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Th&uuml;ringer Finanzgerichts vom 22. April 2015&nbsp;&nbsp;3 K 889\/13 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen. Tatbestand 1&nbsp; I. Streitig ist der Erlass von Nachzahlungszinsen nach &sect;&nbsp;233a &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-77-15-erlass-von-nachzahlungszinsen-nach-par-233a-ao\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;R&nbsp;77\/15 &#8211; Erlass von Nachzahlungszinsen nach &sect; 233a AO<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67814","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67814","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67814"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67814\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67814"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67814"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}