{"id":67933,"date":"2017-11-09T10:32:03","date_gmt":"2017-11-09T08:32:03","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67933"},"modified":"2017-11-09T10:32:03","modified_gmt":"2017-11-09T08:32:03","slug":"i-r-38-15-aussetzungszinsen-bei-uebereinstimmender-erledigungserklaerung-unbeachtlichkeit-einer-nachtraeglichen-aenderung-des-angefochtenen-bescheids","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-38-15-aussetzungszinsen-bei-uebereinstimmender-erledigungserklaerung-unbeachtlichkeit-einer-nachtraeglichen-aenderung-des-angefochtenen-bescheids\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;38\/15 &#8211; Aussetzungszinsen bei &uuml;bereinstimmender Erledigungserkl&auml;rung &#8211; Unbeachtlichkeit einer nachtr&auml;glichen &Auml;nderung des angefochtenen Bescheids"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 14.6.2017, I R 38\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.140617.IR38.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Aussetzungszinsen bei &uuml;bereinstimmender Erledigungserkl&auml;rung &#8211; Unbeachtlichkeit einer nachtr&auml;glichen &Auml;nderung des angefochtenen Bescheids<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Eine Anfechtungsklage ist im Falle der &uuml;bereinstimmenden Erledigungserkl&auml;rung auch dann mit Eingang der zweiten Erledigungserkl&auml;rung oder mit Eintritt der Fiktion des &sect; 138 Abs. 3 FGO endg&uuml;ltig i.S. des &sect; 239 Abs. 1 Satz 2 Nr. 5 AO erfolglos, wenn der angefochtene Bescheid sp&auml;ter auf Grundlage einer tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung ge&auml;ndert wird.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;gerin werden das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 28. November 2014&nbsp;&nbsp;7 K 168\/13 und die Einspruchsentscheidung des Beklagten vom 4. November 2013 sowie der Bescheid des Beklagten &uuml;ber die Festsetzung von Aussetzungszinsen vom 15. Juli 2013 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH &#038; Co. KG, ist Rechtsnachfolgerin der &#8230; GmbH (GmbH).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an eine Steuerfahndungs- und Au&szlig;enpr&uuml;fung erlie&szlig; der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) gegen&uuml;ber der GmbH ge&auml;nderte Steuerbescheide f&uuml;r die Jahre 1988 bis 2000. Dagegen legte die GmbH Einspruch ein und beantragte gleichzeitig die Aussetzung der Vollziehung (AdV). Mit Bescheid vom 17.&nbsp;Januar 2007 setzte das FA die Vollziehung der sich aus den Bescheiden ergebenden Steuern und Nebenleistungen unter der Bedingung der Sicherheitsleistung durch die GmbH bis zur Entscheidung &uuml;ber die Einspr&uuml;che aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 27.&nbsp;Dezember 2007 wies das FA die Einspr&uuml;che gegen die ge&auml;nderten Steuerbescheide als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. W&auml;hrend des Klageverfahrens setzte das FA mit Bescheid vom 18.&nbsp;Februar 2008 die Vollziehung der ge&auml;nderten Steuerbescheide l&auml;ngstens bis zur Entscheidung &uuml;ber die Klage aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 15.&nbsp;Dezember 2009 kamen die GmbH und das FA im Rahmen einer tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung &uuml;ber die H&ouml;he und Behandlung nicht verbuchter, dem Gesellschafter-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer zugeflossener Betriebseinnahmen als Lohn und als verdeckte Gewinnaussch&uuml;ttung sowie die H&ouml;he einer T&auml;tigkeitsverg&uuml;tung &uuml;berein. In der Folge gaben die GmbH und das FA unter dem 21.&nbsp;Dezember bzw. dem 22.&nbsp;Dezember 2009 gegen&uuml;ber dem Finanzgericht (FG) Erledigungserkl&auml;rungen ab. Mit Beschluss vom 28.&nbsp;Dezember 2009 hob das FG die Kosten des Verfahrens gegeneinander auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter dem 23.&nbsp;Dezember 2010 erlie&szlig; das FA &#8211;neben weiteren Bescheiden&#8211; ge&auml;nderte Bescheide &uuml;ber K&ouml;rperschaftsteuer und Solidarit&auml;tszuschlag f&uuml;r 1994 bis 1997. Die dagegen gerichteten Einspr&uuml;che der GmbH wurden mit Einspruchsentscheidung vom 16.&nbsp;April 2013 als unzul&auml;ssig verworfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 15.&nbsp;Juli 2013 setzte das FA Aussetzungszinsen zur K&ouml;rperschaftsteuer und zum Solidarit&auml;tszuschlag 1994 bis 1997 f&uuml;r die Zeit vom 21.&nbsp;Dezember 2006 bis zum 21.&nbsp;Dezember 2009 in H&ouml;he von insgesamt &#8230;&nbsp;EUR fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dagegen erhobene Klage blieb ohne Erfolg; das Nieders&auml;chsische FG wies sie mit Urteil vom 28.&nbsp;November 2014&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;168\/13 als unbegr&uuml;ndet ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die auf die Verletzung materiellen Rechts gest&uuml;tzte &#8211;vom FG zugelassene&#8211; Revision der Kl&auml;gerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;, das angefochtene Urteil, die Einspruchsentscheidung vom 4.&nbsp;November 2013 sowie den Bescheid &uuml;ber die Festsetzung von Aussetzungszinsen zur K&ouml;rperschaftsteuer und zum Solidarit&auml;tszuschlag 1994 bis 1997 vom 15.&nbsp;Juli 2013 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt sinngem&auml;&szlig;, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung, der Einspruchsentscheidung vom 4.&nbsp;November 2013 sowie der Festsetzung von Aussetzungszinsen zur K&ouml;rperschaftsteuer und zum Solidarit&auml;tszuschlag 1994 bis 1997 durch Bescheid vom 15.&nbsp;Juli 2013 (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG ist rechtsfehlerhaft davon ausgegangen, dass f&uuml;r den Beginn der Festsetzungsfrist i.S. des &sect;&nbsp;239 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;5 der Abgabenordnung (AO) nicht der Eingang der zweiten Erledigungserkl&auml;rung ma&szlig;geblich war und damit die Festsetzung von Aussetzungszinsen nicht nach &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO i.V.m. &sect;&nbsp;239 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO unzul&auml;ssig war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;237 Abs.&nbsp;1 Satz 1 AO ist, soweit ein Einspruch oder eine Anfechtungsklage gegen einen Steuerbescheid, eine Steueranmeldung oder einen Verwaltungsakt, der einen Steuerverg&uuml;tungsbescheid aufhebt oder &auml;ndert, oder gegen eine Einspruchsentscheidung &uuml;ber einen dieser Verwaltungsakte endg&uuml;ltig keinen Erfolg gehabt hat, der geschuldete Betrag, hinsichtlich dessen die Vollziehung des angefochtenen Verwaltungsakts ausgesetzt wurde, zu verzinsen. F&uuml;r den Zinslauf bestimmt &sect;&nbsp;237 Abs.&nbsp;2 AO, dass Zinsen vom Tag des Eingangs des au&szlig;ergerichtlichen Rechtsbehelfs bei der Beh&ouml;rde, deren Verwaltungsakt angefochten wird, oder vom Tag der Rechtsh&auml;ngigkeit beim Gericht an bis zum Tag, an dem die AdV endet, erhoben werden. Ist die Vollziehung erst nach dem Eingang des au&szlig;ergerichtlichen Rechtsbehelfs oder erst nach der Rechtsh&auml;ngigkeit ausgesetzt worden, so beginnt die Verzinsung mit dem Tag, an dem die Wirkung der AdV beginnt. Die Zinsen betragen f&uuml;r jeden Monat einhalb Prozent (&sect;&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO). Sie sind von dem Tag an, an dem der Zinslauf beginnt, nur f&uuml;r volle Monate zu zahlen; angefangene Monate bleiben au&szlig;er Ansatz (&sect;&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;239 Abs.&nbsp;1 Satz 1 AO betr&auml;gt die Frist zur Festsetzung von Zinsen ein Jahr. Sie beginnt in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;237 AO mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem ein Einspruch oder eine Anfechtungsklage endg&uuml;ltig erfolglos geblieben ist (&sect;&nbsp;239 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;5 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Dabei kann offen bleiben, ob jede Art der Erledigung eines Rechtsbehelfs &#8211;etwa auch im Fall einer w&auml;hrend der laufenden Einspruchsfrist erfolgten Einspruchsr&uuml;cknahme (s. dazu FG Baden-W&uuml;rttemberg, Urteil vom 18.&nbsp;Oktober 1995&nbsp;&nbsp;12&nbsp;K&nbsp;90\/95, Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 1996, 350; FG Berlin, Urteil vom 16.&nbsp;Dezember 1997&nbsp;&nbsp;2353\/97, EFG 1998, 860)&#8211; zu dessen endg&uuml;ltiger Erfolglosigkeit f&uuml;hrt (so Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 22.&nbsp;Januar 1988 III&nbsp;B&nbsp;134\/86, BFHE 152, 212, BStBl II 1988, 484; BFH-Urteile vom 18.&nbsp;Juli 1994 X&nbsp;R&nbsp;33\/91, BFHE 175, 294, BStBl II 1995, 4; vom 11.&nbsp;Dezember 1996 X&nbsp;R&nbsp;123\/95, BFH\/NV 1997, 275). In jedem Fall ist eine Anfechtungsklage nicht nur dann endg&uuml;ltig erfolglos, wenn sie durch unanfechtbare gerichtliche Entscheidung abgewiesen worden ist, sondern auch in F&auml;llen, in denen die Beteiligten den Rechtsstreit in der Hauptsache &uuml;bereinstimmend f&uuml;r erledigt erkl&auml;ren (BFH-Urteile in BFH\/NV 1997, 275; vom 9.&nbsp;Dezember 1998 XI&nbsp;R&nbsp;24\/98, BFHE 187, 400, BStBl II 1999, 201; BFH-Beschl&uuml;sse in BFHE 152, 212, BStBl II 1988, 484; vom 27.&nbsp;Oktober 2003 X&nbsp;B&nbsp;36\/03, BFH\/NV 2004, 158).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Anders als vom FG angenommen, gilt dies auch, sofern der angefochtene Bescheid im Anschluss an eine &uuml;bereinstimmende Erledigungserkl&auml;rung auf Grundlage einer tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung ge&auml;ndert wird; eine endg&uuml;ltige Erfolglosigkeit i.S. des &sect;&nbsp;239 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;5 AO liegt nicht erst dann vor, wenn die ge&auml;nderte Steuerfestsetzung bestandskr&auml;ftig geworden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) &sect;&nbsp;239 Abs.&nbsp;1 Satz 2 Nr.&nbsp;5 AO setzt &#8211;ebenso wie &sect;&nbsp;237 Abs.&nbsp;1 Satz 1 AO&#8211; seinem Wortlaut nach die Erfolglosigkeit des Einspruchs oder der Anfechtungsklage voraus. Gegenstand dieser Rechtsbehelfe ist jedoch allein der angefochtene Bescheid (vgl. BFH-Urteil in BFHE 187, 400, BStBl II 1999, 201; Klein\/R&uuml;sken, AO, 13.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;239 Rz&nbsp;8; vgl. f&uuml;r die Unbeachtlichkeit des Folgebescheids bei Rechtsbehelfen gegen Grundlagenbescheide BFH-Urteil vom 31.&nbsp;August 2011 X&nbsp;R&nbsp;49\/09, BFHE 235, 107, BStBl II 2012, 219; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2004, 158), der mit der &uuml;bereinstimmenden Erledigungserkl&auml;rung in Bestandskraft erw&auml;chst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit dem Eingang der Erledigungserkl&auml;rungen der Beteiligten bei Gericht findet das Klageverfahren in der Hauptsache sein Ende. Die Erledigungserkl&auml;rungen sind konstitutiv, d.h. sie f&uuml;hren unmittelbar zur Beendigung des Rechtsstreits; ein gerichtlicher Ausspruch hier&uuml;ber ist nicht erforderlich. Das Gericht darf nicht pr&uuml;fen, ob die Hauptsache tats&auml;chlich erledigt ist (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteil vom 29.&nbsp;Oktober 1987 X&nbsp;R&nbsp;1\/80, BFHE 151, 118, BStBl II 1988, 121, m.w.N.). Es hat nur noch durch Beschluss &uuml;ber die Kosten des Verfahrens zu entscheiden. Daraus folgt, dass die angefochtene Steuerfestsetzung &#8211;ebenso wie bei einer Entscheidung durch Urteil&#8211; im Zeitpunkt der Abgabe der zweiten Erledigungserkl&auml;rung oder dem Eintritt der Fiktion des &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;3 FGO unanfechtbar wird (BFH-Urteile vom 22.&nbsp;Mai 1984 VIII&nbsp;R&nbsp;60\/79, BFHE 141, 211, BStBl II 1984, 697; vom 24.&nbsp;Januar 2002 III&nbsp;R&nbsp;49\/00, BFHE 198, 12, BStBl II 2002, 408; vom 14.&nbsp;Mai 2003 XI&nbsp;R&nbsp;21\/02, BFHE 202, 228, BStBl II 2003, 888).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Ein Bed&uuml;rfnis f&uuml;r einen abweichenden Beginn der Frist zur Festsetzung der Zinsen ergibt sich &#8211;auch unter dem vom FG herangezogenen Gesichtspunkt der Prozess&ouml;konomie&#8211; nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Fall der &uuml;bereinstimmenden Erledigungserkl&auml;rungen ist im Rahmen der Zinsfestsetzung zu pr&uuml;fen, in welchem Umfang der durch die Erkl&auml;rungen beendete Rechtsstreit tats&auml;chlich ohne Erfolg geblieben ist (BFH-Beschl&uuml;sse in BFH\/NV 2004, 158; in BFHE 152, 212, BStBl II 1988, 484). Aussetzungszinsen sind nicht zu erheben, soweit der angefochtene Verwaltungsakt antragsgem&auml;&szlig; ge&auml;ndert wird und der Rechtsstreit in der Folge &uuml;bereinstimmend f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt wird (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2004, 158; vgl. auch Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, Urteile vom 1.&nbsp;Februar 1988&nbsp;&nbsp;6&nbsp;B&nbsp;87.02003, Neue Zeitschrift f&uuml;r Verwaltungsrecht Rechtsprechungs-Report 1989, 100; vom 21.&nbsp;Februar 2006&nbsp;&nbsp;6&nbsp;B&nbsp;01.2541, juris). Wird jedoch der Rechtsstreit ohne vorherige &Auml;nderung des angefochtenen Bescheids &uuml;bereinstimmend f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt, steht mit Abgabe der Erledigungserkl&auml;rungen der geschuldete &#8211;und damit nach &sect;&nbsp;237 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO zu verzinsende&#8211; Betrag, hinsichtlich dessen die Vollziehung des angefochtenen Verwaltungsakts ausgesetzt wurde, bestandskr&auml;ftig fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine nachfolgende &Auml;nderung des angefochtenen Bescheids &#8211;sei sie auch im Rahmen einer tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung vereinbart&#8211; ist dabei unbeachtlich. Eine verst&auml;ndigungswidrige Nichtbeachtung f&uuml;hrt lediglich zu einem rechtswidrigen Steuerbescheid (vgl. Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, Vor &sect;&nbsp;118 AO Rz&nbsp;28). Da im Verfahren gegen den Zinsbescheid grunds&auml;tzlich aber keine Umst&auml;nde ber&uuml;cksichtigt werden k&ouml;nnen, die gegen die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der zugrunde liegenden Steuerfestsetzung sprechen (vgl. BFH-Urteil vom 27.&nbsp;November 1991 X&nbsp;R&nbsp;103\/89, BFHE 166, 311, BStBl II 1992, 319), &auml;ndert selbst eine tats&auml;chliche Verst&auml;ndigung nichts daran, dass durch eine beidseitige Erledigungserkl&auml;rung der angefochtene Bescheid formell bestandskr&auml;ftig geworden ist und die Klage erfolglos war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Aufhebung, &Auml;nderung oder Berichtigung der Steuerfestsetzung nach Beendigung des Klageverfahrens muss aufgrund der eindeutigen gesetzlichen Anordnung in &sect;&nbsp;237 Abs.&nbsp;5 AO unber&uuml;cksichtigt bleiben (BFH-Beschluss vom 9.&nbsp;Juni 2015 III&nbsp;R&nbsp;64\/13, BFH\/NV 2015, 1338). Danach ist ein Zinsbescheid nicht aufzuheben oder zu &auml;ndern, wenn der Steuerbescheid nach Abschluss des Rechtsbehelfsverfahrens aufgehoben, ge&auml;ndert oder nach &sect;&nbsp;129 AO berichtigt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies entspricht zum einen der Begr&uuml;ndung des Entwurfs des Gesetzes zur Bek&auml;mpfung des Mi&szlig;brauchs und zur Bereinigung des Steuerrechts (Mi&szlig;brauchsbek&auml;mpfungs- und Steuerbereinigungsgesetz), nach der &sect;&nbsp;237 Abs.&nbsp;5 AO verdeutlichen soll, dass die Aussetzungszinsen ausschlie&szlig;lich nach dem Ergebnis des Rechtsbehelfsverfahrens zu bemessen sind und eine Aufhebung, &Auml;nderung oder Berichtigung nach &sect;&nbsp;129 AO unber&uuml;cksichtigt bleiben soll (BTDrucks 12\/5630, S.&nbsp;103). Zum anderen tr&auml;gt dies auch dem Zweck der Norm Rechnung, den w&auml;hrend einer gew&auml;hrten AdV beim Steuerpflichtigen, dessen Rechtsbehelfe ohne gesonderte Aussetzungsentscheidung nach &sect;&nbsp;361 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO und &sect;&nbsp;69 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO hinsichtlich der zu zahlenden Abgaben keine aufschiebende Wirkung entfalten, entstehenden Liquidit&auml;tsvorteil abzusch&ouml;pfen und zu verhindern, dass Rechtsbehelfs- und Klageverfahren lediglich gef&uuml;hrt werden, um eine Entrichtung der Steuerschuld zinslos hinauszuschieben (BFH-Urteil vom 21.&nbsp;Februar 1991 V&nbsp;R&nbsp;105\/84, BFHE 163, 313, BStBl II 1991, 498). Ma&szlig;gebend f&uuml;r die Festsetzung von Aussetzungszinsen ist damit allein der nach den Verh&auml;ltnissen bei Beendigung des Rechtsbehelfsverfahrens bestimmte Steueranspruch (vgl. zur Steuerstundung Klein\/R&uuml;sken, a.a.O., &sect;&nbsp;234 Rz&nbsp;8).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Danach begann im Streitfall die Festsetzungsfrist aufgrund der im Dezember 2009 abgegebenen Erledigungserkl&auml;rungen mit Ablauf des Jahres 2009 zu laufen und endete mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2010. Im Zeitpunkt der Festsetzung der Aussetzungszinsen durch das FA (15.&nbsp;Juli 2013) war die Festsetzungsfrist bereits abgelaufen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Das FG ist von anderen Grunds&auml;tzen ausgegangen. Sein Urteil und die streitgegenst&auml;ndlichen Bescheide sind daher aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 14.6.2017, I R 38\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.140617.IR38.15.0 Aussetzungszinsen bei &uuml;bereinstimmender Erledigungserkl&auml;rung &#8211; Unbeachtlichkeit einer nachtr&auml;glichen &Auml;nderung des angefochtenen Bescheids Leits&auml;tze Eine Anfechtungsklage ist im Falle der &uuml;bereinstimmenden Erledigungserkl&auml;rung auch dann mit Eingang der zweiten Erledigungserkl&auml;rung oder mit Eintritt der Fiktion des &sect; 138 Abs. 3 FGO endg&uuml;ltig i.S. des &sect; 239 Abs. 1 Satz 2 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-38-15-aussetzungszinsen-bei-uebereinstimmender-erledigungserklaerung-unbeachtlichkeit-einer-nachtraeglichen-aenderung-des-angefochtenen-bescheids\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;R&nbsp;38\/15 &#8211; Aussetzungszinsen bei &uuml;bereinstimmender Erledigungserkl&auml;rung &#8211; Unbeachtlichkeit einer nachtr&auml;glichen &Auml;nderung des angefochtenen Bescheids<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67933","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67933","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67933"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67933\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67933"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67933"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67933"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}