{"id":67935,"date":"2017-11-09T10:32:26","date_gmt":"2017-11-09T08:32:26","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67935"},"modified":"2017-11-09T10:32:26","modified_gmt":"2017-11-09T08:32:26","slug":"v-r-4-17-zur-steuerfreiheit-von-liegerechten-in-begraebniswaeldern-zu-wuerdigung-und-feststellungen-des-fg-fortfall-der-bindungswirkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-4-17-zur-steuerfreiheit-von-liegerechten-in-begraebniswaeldern-zu-wuerdigung-und-feststellungen-des-fg-fortfall-der-bindungswirkung\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;4\/17 &#8211; Zur Steuerfreiheit von Liegerechten in Begr&auml;bnisw&auml;ldern &#8211; Zu W&uuml;rdigung und Feststellungen des FG&nbsp;&nbsp;&#8211; Fortfall der Bindungswirkung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.6.2017, V R 4\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.210617.VR4.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zur Steuerfreiheit von Liegerechten in Begr&auml;bnisw&auml;ldern &#8211; Zu W&uuml;rdigung und Feststellungen des FG&nbsp;&nbsp;&#8211; Fortfall der Bindungswirkung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Die Einr&auml;umung von Liegerechten zur Einbringung von Urnen ist keine nach &sect; 4 Nr. 12 Buchst. a UStG steuerfreie Grundst&uuml;cksvermietung, wenn dabei nicht r&auml;umlich abgrenzbare, individualisierte Parzellen zur Nutzung unter Ausschluss Dritter &uuml;berlassen werden.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 21. November 2016&nbsp;&nbsp;4 K 58\/15 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Schleswig-Holsteinische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beteiligten streiten &uuml;ber die Steuerbarkeit und Steuerpflicht der Einr&auml;umung von Nutzungsrechten an Baumgrabst&auml;tten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) ist Eigent&uuml;mer eines Waldgebiets in der Gemeinde&nbsp;A (Gemeinde). Er vermietete mit Vertrag vom 1.&nbsp;Mai 2006 der R-GmbH, deren Alleingesellschafter und alleiniger Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Kl&auml;ger ist, bis zum 31.&nbsp;Dezember 2015 ein Nutzungsrecht an den B&auml;umen, die durch die R-GmbH an Interessenten in Form von Urnenpl&auml;tzen oder sog. Familienb&auml;umen weitervermietet werden sollten. Der Kl&auml;ger sollte nach dem Vertrag die Ruhehainb&auml;ume ausw&auml;hlen, einmessen, einen Lageplan erstellen und den Wald nach forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten pflegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 10.&nbsp;Oktober 2006 erlie&szlig; die Gemeinde eine Geb&uuml;hrensatzung und eine Satzung &uuml;ber die &quot;Benutzung des Ruhehains Gemeinde&nbsp;A&quot; (Satzung). Danach obliegt der Gemeinde als Betreiberin die Verwaltung des Ruhehains. Das Nutzungsrecht wird f&uuml;r einen Zeitraum bis zu 99&nbsp;Jahren verliehen; die Ruhezeit betr&auml;gt vorbehaltlich anderer gesetzlicher Regelungen 25&nbsp;Jahre.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Vertr&auml;gen jeweils vom 20.&nbsp;November 2006 zwischen dem Kl&auml;ger und der Gemeinde sowie zwischen der R-GmbH und der Gemeinde wurde vereinbart, dass der Kl&auml;ger der R-GmbH die in der Satzung bezeichneten Waldfl&auml;chen zur Errichtung des Ruhehains zur Verf&uuml;gung stellt, die Verwaltung des Ruhehains von der Gemeinde besorgt wird und die R-GmbH die Nutzungsvertr&auml;ge mit den Interessenten abschlie&szlig;t und die Nutzungsentgelte festlegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Nutzungsberechtigte erhielt bei Erwerb eines Nutzungsrechts f&uuml;r einen Ruhehainbaum eine von der R-GmbH ausgestellte Baumurkunde &uuml;ber den Erwerb des Rechts, im Wurzelbereich eines Ruhehainbaums eine biologisch abbaubare Urne beizusetzen. Zudem erteilte die R-GmbH eine Rechnung, in der sie u.a. &uuml;ber die Nutzung einer Urnenst&auml;tte, die Eintragung des Baums und des Nutzungsrechts in das Baumregister der Gemeinde, die Ausstellung der Baumurkunde und die &Uuml;berlassung eines Lageplans abrechnete.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit den Umsatzsteuererkl&auml;rungen f&uuml;r die Streitjahre (2007 bis 2010) behandelte der Kl&auml;ger die Ums&auml;tze aus der Einr&auml;umung von Nutzungsrechten an Baumgrabst&auml;tten als nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a des Umsatzsteuergesetzes (UStG) steuerfreie Ums&auml;tze.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) stimmte den Steueranmeldungen zu. Im Anschluss an beim Kl&auml;ger und bei der R-GmbH durchgef&uuml;hrte Au&szlig;enpr&uuml;fungen behandelte das FA die Einr&auml;umung von Nutzungsrechten an Baumgrabst&auml;tten als einheitliche steuerpflichtige Leistung. Das FA rechnete die Ums&auml;tze dem Kl&auml;ger im Wege einer umsatzsteuerlichen Organschaft zu und &auml;nderte die Umsatzsteuerbescheide f&uuml;r die Streitjahre entsprechend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage in seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2017, 512 ver&ouml;ffentlichten Urteil hinsichtlich der im Revisionsverfahren nur noch streitigen Einr&auml;umung von Nutzungsrechten an Baumgrabst&auml;tten statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit der Revision, mit der es Verletzung materiellen Rechts (&sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a UStG) geltend macht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG habe den wirtschaftlichen Gehalt der Vergabe von Nutzungsrechten an einer Baumgrabst&auml;tte unzutreffend beurteilt. Das wesentliche Merkmal einer Grundst&uuml;cksvermietung bestehe in der Nutzungs&uuml;berlassung einer bestimmbaren Grundst&uuml;cksfl&auml;che. Das sei zwar bei einem konventionellen Grab zu bejahen. Baumgrabst&auml;tten seien demgegen&uuml;ber naturbelassen und nicht durch Grabsteine oder Bepflanzungen gekennzeichnet. Bei einer Baumgrabst&auml;tte gehe es nicht darum, ein bestimmtes Areal zu nutzen, sondern die Asche verstorbener Personen in den Wurzelbereich des Baums einzubringen, damit sie dort Teil des Waldbodens werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA weist zur Begr&uuml;ndung seiner Revision ferner auf Erlasse der Finanzministerien der L&auml;nder Schleswig-Holstein vom 4.&nbsp;April 2011 (VI&nbsp;358-S&nbsp;7168-110) und Sachsen-Anhalt vom 8.&nbsp;Oktober 2015 (42-S&nbsp;7168-37) sowie der Oberfinanzdirektionen Niedersachsen vom 30.&nbsp;Juli 2012 (S&nbsp;7168-113-St&nbsp;173) und Frankfurt\/Main vom 21.&nbsp;Januar 2013 (S&nbsp;7168&nbsp;A-48-St&nbsp;112) hin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das FG-Urteil aufzuheben, soweit die Ums&auml;tze aus der Einr&auml;umung von Nutzungsrechten an Baumgrabst&auml;tten als steuerfrei nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a UStG beurteilt wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach der Nutzungsvereinbarung werde dem Nutzungsberechtigten ein Nutzungsrecht f&uuml;r die Beisetzung einer Urne einger&auml;umt, dessen Umfang in einer sog. Baumurkunde dokumentiert werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Nutzungsberechtigte sichere sich gegen ein Entgelt das Recht, einen eindeutig definierten Grundst&uuml;cksteil f&uuml;r seine Zwecke, n&auml;mlich f&uuml;r die Beisetzung einer Urne, zu nutzen und die Begr&auml;bnisst&auml;tte so in Besitz zu nehmen, als ob er deren Eigent&uuml;mer w&auml;re und jede andere Person von der Nutzung ausschlie&szlig;en zu k&ouml;nnen. Das entspreche dem unionsrechtlichen Vermietungsbegriff.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung an das FG (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG verletzt &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a UStG; denn seine Feststellungen zum Inhalt der &uuml;bertragenen Nutzungsrechte sind widerspr&uuml;chlich und erm&ouml;glichen es dem Senat nicht, &uuml;ber das Vorliegen der Voraussetzungen des &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a UStG zu entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Steuerfrei ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a UStG die Vermietung und Verpachtung von Grundst&uuml;cken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) und des Bundesfinanzhofs (BFH) liegt eine steuerfreie Grundst&uuml;cksvermietung nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a UStG vor, wenn dem Vertragspartner gegen Zahlung eines Mietzinses f&uuml;r eine vereinbarte Dauer das Recht einger&auml;umt wird, ein Grundst&uuml;ck in Besitz zu nehmen und andere von ihm auszuschlie&szlig;en (EuGH-Urteile Varenne vom 22.&nbsp;Januar 2015 C-55\/14, EU:C:2015:29, Rz&nbsp;22; Medicom und Maison Patrice Alard vom 18. Juli 2013 C-210\/11, C-211\/11, EU:C:2013:479, Rz&nbsp;26; BFH-Beschluss vom 7.&nbsp;Februar 2017 V&nbsp;B&nbsp;48\/16, BFH\/NV 2017, 629; BFH-Urteile vom 24.&nbsp;September 2015 V&nbsp;R&nbsp;30\/14, BFHE 251, 456, BStBl II 2017, 132; vom 13.&nbsp;Februar 2014 V&nbsp;R&nbsp;5\/13, BFHE 245, 92 mit Nachweisen aus der Rechtsprechung des EuGH).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Beurteilung, ob eine bestimmte Vereinbarung dieser Definition entspricht, sind alle Merkmale des Vorgangs sowie die Umst&auml;nde zu ber&uuml;cksichtigen, unter denen diese erfolgt. Ma&szlig;gebend ist insoweit der objektive Inhalt des Vorgangs, unabh&auml;ngig von der Bezeichnung, die die Parteien ihm gegeben haben (EuGH-Urteile MacDonalds Ressort vom 16.&nbsp;Dezember 2010 C-270\/09, EU:C:2010:780; Varenne, EU:C:2015:29; BFH-Urteil vom 21.&nbsp;Februar 2013 V&nbsp;R&nbsp;10\/12, BFH\/NV 2013, 1635). Entscheidend ist, ob eine Leistung vorliegt, bei der das Vermietungselement pr&auml;gend ist (z.B. BFH-Urteil in BFHE 245, 92).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bei Zugrundelegung dieser Grunds&auml;tze kann die Nutzungs&uuml;berlassung an geographisch eingemessenen, r&auml;umlich abgrenzbaren und individualisierten Parzellen zur Einbringung von Urnen eine steuerfreie Vermietung i.S. des &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a UStG sein (BFH-Urteil vom 21.&nbsp;Juni 2017 V&nbsp;R&nbsp;3\/17).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das FG hat den Sachverhalt zwar dahingehend gew&uuml;rdigt, dass der pr&auml;gende Charakter der von der R-GmbH ausgef&uuml;hrten Leistungen eine derartige Nutzungs&uuml;berlassung sei. Es ist auch eine im Wesentlichen vom FG als Tatsacheninstanz zu entscheidende Frage, ob nach dem objektiven Inhalt der Vereinbarungen dem Vertragspartner gegen Zahlung eines Mietzinses f&uuml;r eine vereinbarte Dauer das Recht einger&auml;umt wird, ein Grundst&uuml;ck in Besitz zu nehmen und andere von ihm auszuschlie&szlig;en.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Es stellt aber einen zum Fortfall der Bindungswirkung des &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO f&uuml;hrenden materiell-rechtlichen Fehler dar, wenn die Sachverhaltsdarstellungen im angefochtenen Urteil unzureichend oder widerspr&uuml;chlich sind (BFH-Urteile vom 17.&nbsp;November 2015 VIII&nbsp;R&nbsp;67\/13, BFHE 252, 207, BStBl II 2016, 569; vom 25.&nbsp;Juni 2003 X&nbsp;R&nbsp;72\/98, BFHE 202, 514, BStBl II 2004, 403) oder die Tatsacheninstanz die ma&szlig;geblichen Umst&auml;nde nicht vollst&auml;ndig oder ihrer Bedeutung entsprechend in ihre &Uuml;berzeugungsbildung einbezieht (BFH-Urteile vom 18.&nbsp;Juni 2015 VI&nbsp;R&nbsp;77\/12, BFHE 250, 132, BStBl II 2015, 903; vom 28.&nbsp;M&auml;rz 2012 VI&nbsp;R&nbsp;87\/10, BFHE 236, 553, BStBl II 2012, 800; vom 20.&nbsp;Mai 2010 VI&nbsp;R&nbsp;12\/08, BFHE 230, 136, BStBl II 2010, 1069).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Der Inhalt der Nutzungsvereinbarungen, der Baumurkunden und der Friedhofssatzung geh&ouml;rt zu den festgestellten Tatsachen, weil das FG auf diese Urkunden Bezug genommen hat (vgl. hierzu allgemein BFH-Urteil vom 19.&nbsp;M&auml;rz 1985 VII&nbsp;R&nbsp;83\/82, BFH\/NV 1985, 59). Ausweislich der Nutzungsvereinbarung wird den Kunden ein Nutzungsrecht gem&auml;&szlig; der Baumurkunde im Rahmen der geltenden Friedhofssatzung der Gemeinde einger&auml;umt. In &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a bis c der Friedhofssatzung wird zwischen Familienb&auml;umen, Freundschaftsb&auml;umen und gemeinsamen B&auml;umen unterschieden. Dabei erfolgt die Beisetzung der Urne im Wurzelbereich der als Ruhehainb&auml;ume registrierten B&auml;ume. Ausweislich der Baumurkunde wird bei Gemeinschaftsb&auml;umen das Recht &uuml;bertragen, im Wurzelbereich eine biologisch abbaubare Urne beizusetzen und die Ruhest&auml;tte als Gedenkst&auml;tte im Rahmen der Friedhofssatzung zu nutzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Diese Sachverhaltsfeststellungen lassen nicht erkennen, wie das FG zu der W&uuml;rdigung gelangt ist, nach dem objektiven Inhalt der Nutzungsvereinbarungen werde den Kunden das Recht einger&auml;umt, eine &quot;konkret vermessene Baumgrabst&auml;tte&quot; f&uuml;r eine vertraglich festgelegte Zeit in Besitz zu nehmen und damit wie ein Eigent&uuml;mer zu verfahren. Im Hinblick auf die Gemeinschaftsb&auml;ume steht diese W&uuml;rdigung sogar in klarem Widerspruch zum festgestellten Sachverhalt. Das FG wird daher im zweiten Rechtsgang unter Beachtung der vorgenannten Rechtsgrunds&auml;tze entsprechende weitere Feststellungen zu treffen und auf dieser Grundlage erneut zu w&uuml;rdigen haben, ob den Kunden r&auml;umlich abgegrenzte Teile der Erdoberfl&auml;che (vgl. hierzu BFH-Urteil vom 8.&nbsp;Oktober 1991 V&nbsp;R&nbsp;46\/88, BFHE 167, 200, BStBl II 1992, 368) zur Nutzung &uuml;berlassen worden sind oder ob sie lediglich das Recht zur Beisetzung einer Urne im Wurzelbereich eines bestimmten Baums erlangt haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.6.2017, V R 4\/17ECLI:DE:BFH:2017:U.210617.VR4.17.0 Zur Steuerfreiheit von Liegerechten in Begr&auml;bnisw&auml;ldern &#8211; Zu W&uuml;rdigung und Feststellungen des FG&nbsp;&nbsp;&#8211; Fortfall der Bindungswirkung Leits&auml;tze Die Einr&auml;umung von Liegerechten zur Einbringung von Urnen ist keine nach &sect; 4 Nr. 12 Buchst. a UStG steuerfreie Grundst&uuml;cksvermietung, wenn dabei nicht r&auml;umlich abgrenzbare, individualisierte Parzellen zur Nutzung unter Ausschluss &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-4-17-zur-steuerfreiheit-von-liegerechten-in-begraebniswaeldern-zu-wuerdigung-und-feststellungen-des-fg-fortfall-der-bindungswirkung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;4\/17 &#8211; Zur Steuerfreiheit von Liegerechten in Begr&auml;bnisw&auml;ldern &#8211; Zu W&uuml;rdigung und Feststellungen des FG&nbsp;&nbsp;&#8211; Fortfall der Bindungswirkung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-67935","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67935","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67935"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67935\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67935"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67935"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67935"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}