{"id":67960,"date":"2017-11-09T10:34:55","date_gmt":"2017-11-09T08:34:55","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=67960"},"modified":"2017-12-30T19:21:23","modified_gmt":"2017-12-30T17:21:23","slug":"v-b-64-17-keine-rueckwirkende-verlaengerung-der-frist-zur-begruendung-der-nichtzulassungsbeschwerde-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-64-17-keine-rueckwirkende-verlaengerung-der-frist-zur-begruendung-der-nichtzulassungsbeschwerde-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;64\/17 &#8211; Keine r&uuml;ckwirkende Verl&auml;ngerung der Frist zur Begr&uuml;ndung der Nichtzulassungsbeschwerde &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 13.9.2017, V B 64\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:B.130917.VB64.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine r&uuml;ckwirkende Verl&auml;ngerung der Frist zur Begr&uuml;ndung der Nichtzulassungsbeschwerde &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 31. Mai 2017&nbsp;&nbsp;10 K 240\/16 U wird als unzul&auml;ssig verworfen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Mit Urteil vom 31.&nbsp;Mai 2017 hat das Finanzgericht (FG) die Klage der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), mit der sie sich gegen die Umsatzsteuerfestsetzung 2008 bis 2010 wandte, als unbegr&uuml;ndet abgewiesen, soweit sie nicht bereits unzul&auml;ssig war. Das Urteil wurde der Kl&auml;gerin am 1.&nbsp;Juni 2017 zugestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 29.&nbsp;Juni 2017 ging beim Bundesfinanzhof (BFH) ein Telefax des Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin ein, mit dem dieser Nichtzulassungsbeschwerde einlegte und ank&uuml;ndigte, die Begr&uuml;ndung erfolge &quot;innerhalb der zul&auml;ssigen Begr&uuml;ndungsfrist&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben der Gesch&auml;ftsstelle vom 22.&nbsp;August 2017 wurde dem Prozessbevollm&auml;chtigten mitgeteilt, dass die Begr&uuml;ndungsfrist abgelaufen sei und auf &sect;&nbsp;56 der Finanzgerichtsordnung (FGO) hingewiesen. Hierauf teilte dieser am 25.&nbsp;August 2017 mit, er sei davon ausgegangen, dass zur Begr&uuml;ndung eine Frist von zwei Monaten gegeben sei. Diese beziehe sich aber auf das urspr&uuml;ngliche Urteil, es handele sich eindeutig um ein Versehen. Es werde daher r&uuml;ckwirkend zum 30.&nbsp;Juli 2017 eine Fristverl&auml;ngerung von einem Monat zur Einreichung der Begr&uuml;ndung beantragt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist als unzul&auml;ssig zu verwerfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz 1 und Satz 2 FGO ist die Beschwerde innerhalb von zwei Monaten nach der Zustellung des vollst&auml;ndigen Urteils zu begr&uuml;nden und die Begr&uuml;ndung beim BFH einzureichen. Die Begr&uuml;ndungsfrist kann gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 FGO von dem Vorsitzenden auf einen vor ihrem Ablauf gestellten Antrag um einen weiteren Monat verl&auml;ngert werden. Eine dar&uuml;ber hinausgehende Verl&auml;ngerung ist nicht m&ouml;glich (vgl. BFH-Beschluss vom 16.&nbsp;M&auml;rz 2016 XI&nbsp;B&nbsp;1\/15, BFH\/NV 2015, 860, Rz&nbsp;8).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das Urteil des FG wurde dem Prozessbevollm&auml;chtigten am 1.&nbsp;Juni 2017 zugestellt, sodass die regul&auml;re Begr&uuml;ndungsfrist am 1.&nbsp;August 2017 ablief. Eine Begr&uuml;ndung ist bis zu diesem Zeitpunkt nicht eingegangen, sondern erst mit Schriftsatz vom 31.&nbsp;August 2017 und damit versp&auml;tet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Antrag der Prozessbevollm&auml;chtigten vom 25.&nbsp;August 2017, die Beschwerdebegr&uuml;ndungsfrist (r&uuml;ckwirkend) zum 30.&nbsp;Juli 2017 um einen Monat zu verl&auml;ngern, ist schon deshalb unzul&auml;ssig, weil er erst nach Ablauf der zweimonatigen Beschwerdebegr&uuml;ndungsfrist gestellt wurde (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 10.&nbsp;Oktober 2007 X&nbsp;B&nbsp;145\/07, und vom 28.&nbsp;Januar 2003 X&nbsp;B&nbsp;126\/02, BFH\/NV 2003, 505).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Kl&auml;gerin kann im Streitfall keine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO) gew&auml;hrt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Kl&auml;gerin hat trotz Hinweises der Gesch&auml;ftsstelle keinen Wiedereinsetzungsantrag gestellt. Eine gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 FGO grunds&auml;tzlich auch von Amts wegen m&ouml;gliche Wiedereinsetzung in den vorigen Stand kommt ebenfalls nicht in Betracht, weil dies voraussetzt, dass die pr&auml;senten und gerichtsbekannten Tatsachen eine Wiedereinsetzung rechtfertigen (BFH-Beschluss vom 15.&nbsp;Juli 2008 X&nbsp;B&nbsp;80\/08, Leitsatz). Der Prozessbevollm&auml;chtigte hat insoweit lediglich vorgetragen, er habe versehentlich nicht ber&uuml;cksichtigt, dass die Zweimonatsfrist mit der Zustellung des Urteils beginne und ein entsprechender Hinweis in der Eingangsbest&auml;tigung der Gesch&auml;ftsstelle nicht enthalten gewesen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand setzt voraus, dass die Begr&uuml;ndungsfrist i.S. des &sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO &quot;ohne Verschulden&quot; vers&auml;umt worden ist. &quot;Ohne Verschulden&quot; verhindert, eine gesetzliche Frist einzuhalten, ist jemand dann, wenn er die f&uuml;r einen gewissenhaft und sachgem&auml;&szlig; handelnden Verfahrensbeteiligten gebotene und ihm nach den Umst&auml;nden zumutbare Sorgfalt beachtet hat (vgl. BFH-Urteile vom 9.&nbsp;August 2000 I&nbsp;R&nbsp;33\/99, BFH\/NV 2001, 410; vom 4.&nbsp;M&auml;rz 1998 XI&nbsp;R&nbsp;44\/97, BFH\/NV 1998, 1056; vom 11.&nbsp;August 1993 II&nbsp;R&nbsp;6\/91, BFH\/NV 1994, 440).<br \/>Wer sich nicht informiert, obwohl dies m&ouml;glich und zumutbar w&auml;re, und deshalb eine Frist vers&auml;umt, ist nicht ohne Verschulden an einem rechtzeitigen Handeln gehindert. Deshalb entschuldigen nur solche Tatsachenirrt&uuml;mer eine Fristvers&auml;umnis, die selbst bei Wahrung der m&ouml;glichen und zumutbaren Sorgfalt nicht zu vermeiden waren (BFH-Beschluss vom 12.&nbsp;Juni 2007 VI&nbsp;B&nbsp;14\/07, BFH\/NV&nbsp;2007, 1626, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Grunds&auml;tze handelte der Prozessbevollm&auml;chtigte nicht ohne Verschulden. Aus der Rechtsmittelbelehrung des FG-Urteils ergibt sich eindeutig und unmissverst&auml;ndlich, dass die Beschwerde &quot;innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung des vollst&auml;ndigen Urteils zu begr&uuml;nden&quot; ist. Einem Bevollm&auml;chtigten, der die Nichtzulassung der Revision durch Beschwerde anficht, ist es m&ouml;glich und zumutbar, die daf&uuml;r geltenden Voraussetzungen sorgf&auml;ltig zu lesen und zu beachten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 13.9.2017, V B 64\/17ECLI:DE:BFH:2017:B.130917.VB64.17.0 Keine r&uuml;ckwirkende Verl&auml;ngerung der Frist zur Begr&uuml;ndung der Nichtzulassungsbeschwerde &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand Tenor Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 31. Mai 2017&nbsp;&nbsp;10 K 240\/16 U wird als unzul&auml;ssig verworfen. 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