{"id":68030,"date":"2017-12-01T10:09:27","date_gmt":"2017-12-01T08:09:27","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=68030"},"modified":"2017-12-01T10:09:27","modified_gmt":"2017-12-01T08:09:27","slug":"ix-r-3-17-einordnung-des-handels-mit-vorratsgesellschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-3-17-einordnung-des-handels-mit-vorratsgesellschaften\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;3\/17 &#8211; Einordnung des Handels mit Vorratsgesellschaften"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.6.2017, IX R 3\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.270617.IXR3.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Einordnung des Handels mit Vorratsgesellschaften<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Die wiederholte Gr&uuml;ndung und Ver&auml;u&szlig;erung von sog. Vorratsgesellschaften &#8211;hier: Gr&uuml;ndung und Ver&auml;u&szlig;erung von insgesamt 40 GmbHs&#8211; &uuml;berschreitet die Grenzen der privaten Verm&ouml;gensverwaltung.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 6. Dezember 2016&nbsp;&nbsp;8 K 123\/16 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beteiligten streiten dar&uuml;ber, ob Gewinne aus der Gr&uuml;ndung und Ver&auml;u&szlig;erung von sog. Vorratsgesellschaften als private Beteiligungseink&uuml;nfte nach &sect;&nbsp;17 des Einkommensteuergesetzes (EStG) steuerbar sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) erzielte im Streitjahr 2014 als Steuerberaterin Eink&uuml;nfte aus selbst&auml;ndiger Arbeit. Von 2005 bis 2014 gr&uuml;ndete die Kl&auml;gerin jeweils als Alleingesellschafterin GmbHs. Die GmbHs verf&uuml;gten &uuml;ber keinen Gesch&auml;ftsbetrieb und bis auf das von der Kl&auml;gerin eingezahlte Stammkapital &uuml;ber kein Betriebsverm&ouml;gen. Die Kl&auml;gerin ver&auml;u&szlig;erte die von ihr gegr&uuml;ndeten GmbHs &uuml;ber die Firma Z als gegen Zahlung einer Provision eingeschaltete Vermittlerin weiter. In den Jahren 2005 bis 2014 ver&auml;u&szlig;erte die Kl&auml;gerin insgesamt 40&nbsp;GmbHs. Im Streitjahr 2014 gr&uuml;ndete sie 5&nbsp;GmbHs und ver&auml;u&szlig;erte diese weiter. Daraus erzielte sie einen Gewinn in H&ouml;he von 2.692&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Jahr 2014 erkl&auml;rte die Kl&auml;gerin den Gewinn aus der Ver&auml;u&szlig;erung der Vorratsgesellschaften im Rahmen der Eink&uuml;nfte aus &sect;&nbsp;15&nbsp;EStG. Die Veranlagung erfolgte mit Einkommensteuerbescheid 2014 vom 28.&nbsp;Dezember 2015 erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig;. Im Einspruchsverfahren machte die Kl&auml;gerin geltend, die Eink&uuml;nfte aus der Gr&uuml;ndung und Ver&auml;u&szlig;erung der Gesellschaften im Rahmen der privaten Verm&ouml;gensverwaltung erzielt zu haben und begehrte den Ansatz des Gewinns im Rahmen der Eink&uuml;nfte aus &sect;&nbsp;17 EStG und die Anwendung des Freibetrags nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;3 EStG. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) wies den Einspruch mit Einspruchsentscheidung vom 19.&nbsp;April 2016 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies mit Urteil vom 6.&nbsp;Dezember 2016 8&nbsp;K&nbsp;123\/16 (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2017, 462) die Klage als unbegr&uuml;ndet ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die Verletzung von Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Der Verkauf von GmbH-Anteilen k&ouml;nne nicht mit einem Produktionsbetrieb gleichgesetzt werden. Sie habe keinen Gesch&auml;ftsbetrieb eingerichtet, unterhalte kein B&uuml;ro und setze kein Fremdkapital ein. Sie ben&ouml;tige f&uuml;r Gr&uuml;ndung und Verkauf einer GmbH lediglich Telefon und Internetanschluss. Die Umschichtung der GmbH-Anteile finde in ihrem Privatverm&ouml;gen statt. Mangels aktuell am Kapitalmarkt erzielbarer Zinsen habe sie sich nach besseren Anlagem&ouml;glichkeiten und neuen M&ouml;glichkeiten der Fruchtziehung umgesehen. Sie reichere die GmbH-Anteile nicht mit werterh&ouml;henden Dienstleistungen oder Merkmalen an. Ihr Arbeitsaufwand sei nicht gr&ouml;&szlig;er als beim An- und Verkauf b&ouml;rsennotierter Wertpapiere &uuml;ber eine Bank. Ihre T&auml;tigkeit &uuml;berschreite auch nicht die Grenze zu einem gewerblichen Wertpapierhandel, wie z.B. bei einem Day-Trader. Sie werde nicht als Wertpapierh&auml;ndlerin wahrgenommen und verhalte sich auch nicht als solche.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des FG vom 6.&nbsp;Dezember 2016&nbsp;&nbsp;8&nbsp;K&nbsp;123\/16 und die Einspruchsentscheidung vom 19.&nbsp;April 2016 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 2014 vom 28.&nbsp;Dezember 2015 dahingehend abzu&auml;ndern, dass die Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb mit 0&nbsp;EUR angesetzt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA betragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat zu Recht angenommen, dass die Kl&auml;gerin die Anteile an den Vorratsgesellschaften in ihrem Betriebsverm&ouml;gen und nicht in ihrem Privatverm&ouml;gen gehalten hat, so dass die Anwendung des &sect;&nbsp;17 EStG und damit auch des Freibetrags nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;3 EStG ausscheidet (1.). Mangels steuerlicher Auswirkung kann offenbleiben, ob die Anteile zu einem gewerblichen Betriebsverm&ouml;gen der Kl&auml;gerin oder zu ihrem freiberuflichen Betriebsverm&ouml;gen als Steuerberaterin geh&ouml;rt haben (2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Entgegen der Ansicht der Kl&auml;gerin hat das FG ohne Rechtsfehler angenommen, dass die T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin nach dem Gesamtbild der Verh&auml;ltnisse und der Verkehrsanschauung die Grenzen der privaten Verm&ouml;gensverwaltung (&sect;&nbsp;14 Satz&nbsp;3 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;) &uuml;berschreitet, so dass die Anteile an den Vorratsgesellschaften dem Betriebsverm&ouml;gen der Kl&auml;gerin zuzuordnen und die daraus folgenden Eink&uuml;nfte nicht nach &sect;&nbsp;17 EStG steuerbar sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Grenze der privaten Verm&ouml;gensverwaltung zum Gewerbebetrieb wird &uuml;berschritten, wenn nach dem Gesamtbild der Bet&auml;tigung und unter Ber&uuml;cksichtigung der Verkehrsauffassung die Ausnutzung substantieller Verm&ouml;genswerte durch Umschichtung gegen&uuml;ber der Nutzung der Verm&ouml;genswerte i.S. einer Fruchtziehung aus zu erhaltenden Substanzwerten entscheidend in den Vordergrund tritt (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. Beschluss des Gro&szlig;en Senats des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10.&nbsp;Dezember 2001 GrS&nbsp;1\/98, BFHE 197, 240, BStBl II 2002, 291, unter C.III.1., sowie BFH-Urteil vom 14.&nbsp;Juli 2016 IV&nbsp;R&nbsp;34\/13, BFHE 255, 12, BStBl II 2017, 175, unter II.3.a&nbsp;bb (1), jeweils m.w.N.). Der Kernbereich der Verm&ouml;gensverwaltung wird in &sect;&nbsp;14 Satz&nbsp;3 AO durch Bezugnahme auf Regelbeispiele (verzinsliche Anlage von Kapitalverm&ouml;gen und die Vermietung oder Verpachtung von unbeweglichem Verm&ouml;gen) abgegrenzt. Dadurch wird die Verm&ouml;gensverwaltung gleichwohl nicht abschlie&szlig;end definiert. Sie wird in der Rechtsprechung des BFH letztlich negativ danach bestimmt, &quot;ob die T&auml;tigkeit dem Bild entspricht, das nach der Verkehrsauffassung einen Gewerbebetrieb ausmacht&quot; (BFH-Urteile vom 25.&nbsp;Juli 2001 X&nbsp;R&nbsp;55\/97, BFHE 195, 402, BStBl II 2001, 809, unter II.2.d, und vom 11.&nbsp;Oktober 2012 IV&nbsp;R&nbsp;32\/10, BFHE 239, 248, BStBl II 2013, 538, unter B.II.2.c&nbsp;cc (1) (a), jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei der Abgrenzung zwischen Gewerbebetrieb und Verm&ouml;gensverwaltung ist somit auf das Gesamtbild der Verh&auml;ltnisse und die Verkehrsanschauung abzustellen. In Zweifelsf&auml;llen ist die gerichtsbekannte und nicht beweisbed&uuml;rftige Auffassung dar&uuml;ber ma&szlig;gebend, ob die T&auml;tigkeit, soll sie in den gewerblichen Bereich fallen, dem Bild entspricht, das nach der Verkehrsanschauung einen Gewerbebetrieb ausmacht und einer privaten Verm&ouml;gensverwaltung fremd ist (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH in BFHE 197, 240, BStBl II 2002, 291, unter C.II., und BFH-Urteile in BFHE 239, 248, BStBl II 2013, 538, unter B.II.2.c&nbsp;cc&nbsp;(1)&nbsp;(b), und in BFHE 255, 12, BStBl II 2017, 175, unter II.3.a&nbsp;bb&nbsp;(1)). Es entspricht langj&auml;hriger und gefestigter Rechtsprechungstradition, das &quot;Bild des Gewerbebetriebs&quot; durch Orientierung an unmittelbar der Lebenswirklichkeit entlehnten Berufsbildern zu konturieren. Zu diesen geh&ouml;ren die &#8211;selbst&auml;ndig und nachhaltig ausge&uuml;bten&#8211; T&auml;tigkeiten der Produzenten, der Dienstleister und der H&auml;ndler (vgl. zuletzt BFH-Urteile vom 19.&nbsp;Januar 2017 IV&nbsp;R&nbsp;50\/14, BFHE 257, 35, BStBl II 2017, 456, unter B.I.1.b&nbsp;bb, und in BFHE 239, 248, BStBl II 2013, 538, unter B.II.2.c&nbsp;cc (1)&nbsp;(b), jeweils m.w.N.). Ob Ver&auml;u&szlig;erungen noch der Verm&ouml;gensverwaltung zuzuordnen sind, l&auml;sst sich nicht f&uuml;r alle Wirtschaftsg&uuml;ter nach einheitlichen Ma&szlig;st&auml;ben beurteilen. Vielmehr sind die jeweiligen artspezifischen Besonderheiten zu beachten. Gegenstand des h&auml;ndlertypischen Umschlags von Waren k&ouml;nnen grunds&auml;tzlich alle handelbaren Wirtschaftsg&uuml;ter oder Sachgesamtheiten sein. Hierzu geh&ouml;ren auch Unternehmen sowie Beteiligungen an Unternehmen (vgl. BFH-Urteile in BFHE 195, 402, BStBl II 2001, 809, unter II.2.f, und in BFHE 239, 248, BStBl II 2013, 538, unter B.II.2.c&nbsp;cc&nbsp;(1)&nbsp;(b)).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach Ma&szlig;gabe der nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO bindenden Feststellungen des FG und unter Ber&uuml;cksichtigung der in der o.g. Rechtsprechung entwickelten Rechtsgrunds&auml;tze zur Abgrenzung einer gewerblichen von einer verm&ouml;gensverwaltenden T&auml;tigkeit ist die W&uuml;rdigung des FG, wonach eine private Verm&ouml;gensverwaltung nicht vorliegt, nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin ist bereits nach der Art der betroffenen Wirtschaftsg&uuml;ter nicht den klassischen Bereichen der privaten Verm&ouml;gensverwaltung wie &#8211;u.a. den in &sect;&nbsp;14 Satz&nbsp;3 AO erw&auml;hnten Formen&#8211; der Anlage von Kapitalverm&ouml;gen oder Vermietung von unbeweglichem Verm&ouml;gen zuzuordnen (vgl. Schmidt\/ Wacker, EStG, 36.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;15 Rz&nbsp;89; Hartrott, Finanz-Rundschau 2008, 1095, 1096). Denn Vorratsgesellschaften sind mangels mit ihnen verbundener Ertrags- und Wertsteigerungsaussichten als blo&szlig;e (&quot;leere&quot;) H&uuml;llen allein kein taugliches Mittel einer privaten Verm&ouml;genverwaltung. Ihre Gr&uuml;ndung ist daher mit der Anschaffung anderer Wirtschaftsg&uuml;ter der Verm&ouml;gensverwaltung, mit denen auf eine Wertsteigerung spekuliert wird (wie z.B. Gold, unbebaute Grundst&uuml;cke) oder auf Ertr&auml;ge abgestellt wird (z.B. Aktien, bebaute Grundst&uuml;cke) nicht vergleichbar. Privatpersonen bedienen sich auch &uuml;blicherweise &#8211;selbst in Niedrigzinsphasen&#8211; nicht der Gr&uuml;ndung und Weiterver&auml;u&szlig;erung von Vorratsgesellschaften als Mittel zur Kapitalanlage. Vielmehr werden diese regelm&auml;&szlig;ig von gewerblichen Anbietern oder Angeh&ouml;rigen der steuer- und rechtsberatenden Berufe &#8211;wie der Kl&auml;gerin&#8211; am Markt angeboten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin &uuml;berschreitet auch nach dem Gesamtbild und der Verkehrsanschauung die Grenzen der privaten Verm&ouml;gensverwaltung. Die Kl&auml;gerin hat mit der Gr&uuml;ndung der GmbHs ein zun&auml;chst nicht vorhandenes Wirtschaftsgut &quot;GmbH-Beteiligung&quot; hergestellt und zeitnah ver&auml;u&szlig;ert. Die Kl&auml;gerin hat damit nicht ein bereits vorhandenes Wirtschaftsgut zur Kapitalanlage angeschafft, sondern sich mit der Schaffung eines neuen Wirtschaftsguts wie ein Produzent oder Dienstleister verhalten, mit dem Unterschied, keine k&ouml;rperlichen Waren hergestellt, sondern mit der Gr&uuml;ndung der Beteiligung ein marktg&auml;ngiges und verkehrsf&auml;higes Wirtschaftsgut geschaffen zu haben. Das Verhalten der Kl&auml;gerin war auch nicht auf dauerhafte Fruchtziehung ausgerichtet, da sich mangels Aussch&uuml;ttungseignung der Beteiligungen nur durch eine schnelle Weiterver&auml;u&szlig;erung und nicht durch ein langfristiges Halten und damit verbundenes Erzielen von Dividendeneink&uuml;nften ein Gewinn erzielen lie&szlig;. Die Kl&auml;gerin hat mit dem Erl&ouml;s aus der Weiterver&auml;u&szlig;erung der Vorratsgesellschaften nach den Feststellungen des FG auch keine Wertsteigerung des jeweiligen Anteils realisiert. Vielmehr wurden mit dem Aufschlag bei der Weiterver&auml;u&szlig;erung allein der Zeit- und Arbeitseinsatz der Kl&auml;gerin, mithin die von der Kl&auml;gerin erbrachte Dienstleistung, und die damit verbundene Ersparnis des Gr&uuml;ndungsaufwands bei den Erwerbern abgegolten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Nach den Feststellungen des FG hat die Kl&auml;gerin auch zu keinem Zeitpunkt die Absicht gehabt, die neu gegr&uuml;ndeten Gesellschaften dauerhaft zu halten, sondern hat diese &#8211;was die vom FG festgestellte kurze Haltedauer jeweils zeigt&#8211; schnellstm&ouml;glichst als Vorratsgesellschaften vermarktet. Private Verm&ouml;gensverwaltung ist aber grunds&auml;tzlich langfristig ausgerichtet. Sie dient dazu, Privatverm&ouml;gen nutzbringend anzulegen und mittels der Wertsteigerungen und Ertr&auml;ge ein finanzielles Polster zu schaffen. Die Anschaffung oder Herstellung von Wirtschaftsg&uuml;tern in der Absicht alsbaldiger Ver&auml;u&szlig;erung &uuml;berschreitet jedoch die Grenzen der privaten Verm&ouml;gensverwaltung (vgl. dazu auch Buge in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;15 EStG Rz&nbsp;1110; Rei&szlig; in Kirchhof, EStG, 16.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;15 Rz&nbsp;131a&nbsp;f., jeweils m.w.N.; Bitz in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect;&nbsp;15 Rz&nbsp;130, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Die T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin ist auch nicht mit dem (der Verm&ouml;gensverwaltung zuzuordnenden) Bereich des An- und Verkaufs von b&ouml;rsengehandelten Wertpapieren vergleichbar. Zwar kann der h&auml;ufige An- und Verkauf von Wertpapieren &quot;typische&quot; Verm&ouml;gensverwaltung sein. Dies gilt auch dann, wenn die Gr&ouml;&szlig;e des Verm&ouml;gens beachtlich ist und dessen Verwaltung h&auml;ufige und st&auml;ndige Umschichtungen erfordert (vgl. BFH-Urteil vom 30.&nbsp;Juli 2003 X&nbsp;R&nbsp;7\/99, BFHE 204, 419, BStBl II 2004, 408, unter II.2.c; Schmidt\/Wacker, a.a.O., &sect;&nbsp;15 Rz&nbsp;91; Bitz in Littmann\/Bitz\/Pust, a.a.O., &sect;&nbsp;15 Rz&nbsp;135; Desens\/Blischke, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;15 Rz&nbsp;B&nbsp;79; Fischer, Deutsches Steuerrecht 2009, 398, 399). Dagegen stellen sich die Gr&uuml;ndung und der Verkauf von Vorratsgesellschaften anders dar (vgl. f&uuml;r den Handel mit Vorratsgesellschaften Rei&szlig; in Kirchhof, a.a.O., &sect;&nbsp;16 Rz&nbsp;131b; Bitz in Littmann\/Bitz\/Pust, a.a.O., &sect;&nbsp;15 Rz&nbsp;135a). Es geht nicht um die Anschaffung und Ver&auml;u&szlig;erung von in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht durch Wertpapiere verbrieften und an der B&ouml;rse handelbaren Beteiligungen an Kapitalgesellschaften. Denn diese werden regelm&auml;&szlig;ig unter Nutzung eines Markts (B&ouml;rse) und im Regelfall &uuml;ber Banken (anonym) erworben und ver&auml;u&szlig;ert. Auch geht es nicht darum, Zinsen und Dividenden oder Wertsteigerungen durch eine g&uuml;nstige Kursentwicklung zu erzielen. Stattdessen wurden von der Kl&auml;gerin individuell Kapitalgesellschaften gegr&uuml;ndet und an Interessenten ver&auml;u&szlig;ert (vgl. BFH-Urteil in BFHE 195, 402, BStBl II 2001, 809, unter II.2.f). Es geht der Kl&auml;gerin auf der Grundlage der Feststellungen des FG daher nicht in ihrem eigenen Interesse um das blo&szlig;e Umschichten von Anteilen oder das Ausnutzen von Wertsteigerungen in der Folge von Kurs&auml;nderungen, sondern allein darum, funktionslose Mantelgesellschaften f&uuml;r interessierte Erwerber zu gr&uuml;nden und zu ver&auml;u&szlig;ern (so auch Hennigfeld, EFG 2017, 464).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Mangels steuerlicher Auswirkung braucht sich der Senat nicht mit der Frage zu besch&auml;ftigen, ob die streitigen Anteile an den Vorratsgesellschaften einem gewerblichen Betriebsverm&ouml;gen der Kl&auml;gerin (&sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG) oder ihrem freiberuflichen Betriebsverm&ouml;gen aus selbst&auml;ndiger Arbeit (&sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG) zuzurechnen sind. Da die Kl&auml;gerin Einzelunternehmerin ist, stellt sich auch nicht die Frage der Anwendung der Abf&auml;rberegelung des &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.6.2017, IX R 3\/17ECLI:DE:BFH:2017:U.270617.IXR3.17.0 Einordnung des Handels mit Vorratsgesellschaften Leits&auml;tze NV: Die wiederholte Gr&uuml;ndung und Ver&auml;u&szlig;erung von sog. Vorratsgesellschaften &#8211;hier: Gr&uuml;ndung und Ver&auml;u&szlig;erung von insgesamt 40 GmbHs&#8211; &uuml;berschreitet die Grenzen der privaten Verm&ouml;gensverwaltung. Tenor Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 6. Dezember 2016&nbsp;&nbsp;8 K 123\/16 wird als &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-3-17-einordnung-des-handels-mit-vorratsgesellschaften\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;3\/17 &#8211; Einordnung des Handels mit Vorratsgesellschaften<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-68030","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68030","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68030"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68030\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}