{"id":68903,"date":"2018-01-14T13:06:42","date_gmt":"2018-01-14T11:06:42","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=68903"},"modified":"2018-01-14T13:06:42","modified_gmt":"2018-01-14T11:06:42","slug":"ix-r-41-15-bekanntgabe-eines-verwaltungsakts-im-ausland-uebermittlung-mittels-einfachen-briefs-zugangsvermutung-gegenstand-des-klageverfahrens-nichtigkeit-von-schaetzungsbescheiden-auslegung-von-verfa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-41-15-bekanntgabe-eines-verwaltungsakts-im-ausland-uebermittlung-mittels-einfachen-briefs-zugangsvermutung-gegenstand-des-klageverfahrens-nichtigkeit-von-schaetzungsbescheiden-auslegung-von-verfa\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;41\/15 &#8211; Bekanntgabe eines Verwaltungsakts im Ausland &#8211; &Uuml;bermittlung mittels einfachen Briefs &#8211; Zugangsvermutung &#8211; Gegenstand des Klageverfahrens &#8211; Nichtigkeit von Sch&auml;tzungsbescheiden &#8211; Auslegung von Verfahrenshandlungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.7.2017, IX R 41\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.110717.IXR41.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Bekanntgabe eines Verwaltungsakts im Ausland &#8211; &Uuml;bermittlung mittels einfachen Briefs &#8211; Zugangsvermutung &#8211; Gegenstand des Klageverfahrens &#8211; Nichtigkeit von Sch&auml;tzungsbescheiden &#8211; Auslegung von Verfahrenshandlungen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Bestreitet der Steuerpflichtige den Zugang des Bescheids innerhalb des gesetzlich vermuteten Zeitraums, muss er substantiiert Tatsachen vortragen, die schl&uuml;ssig auf einen sp&auml;teren Zugang hindeuten und deshalb Zweifel am Zugang zum gesetzlich vermuteten Zeitpunkt begr&uuml;nden. Dies gilt auch im Falle der &Uuml;bermittlung eines Steuerbescheids im Ausland.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Im Gesch&auml;ftsleben stehende Steuerpflichtige m&uuml;ssen auch bei l&auml;ngerem Auslandsaufenthalt grunds&auml;tzlich daf&uuml;r Sorge tragen, dass ihnen fristausl&ouml;sende Schriftst&uuml;cke unter Ausschluss Dritter rechtzeitig zugehen k&ouml;nnen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 9. September 2014 12 K 121\/14 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Nieders&auml;chsische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) war in den Streitjahren 2009 bis 2011 mit seinen inl&auml;ndischen Eink&uuml;nften in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) beschr&auml;nkt steuerpflichtig. Er erzielte in den Streitjahren gewerbliche Eink&uuml;nfte aus zwei inl&auml;ndischen Schiffsbeteiligungen sowie Eink&uuml;nfte aus der Vermietung einer in Deutschland belegenen Wohnung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem der Kl&auml;ger f&uuml;r das Streitjahr 2009 keine Steuererkl&auml;rung abgegeben hatte, setzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) zun&auml;chst mit Bescheiden vom 14.&nbsp;Juli 2011 die Einkommensteuer f&uuml;r dieses Jahr aufgrund einer Sch&auml;tzung der Besteuerungsgrundlagen auf 0&nbsp;EUR fest und stellte den verbleibenden Verlustvortrag zur Einkommensteuer zum 31.&nbsp;Dezember 2009 in H&ouml;he von 38.078&nbsp;EUR fest. Wegen ge&auml;nderter Feststellungen hinsichtlich der Beteiligungseink&uuml;nfte erlie&szlig; das FA am 21.&nbsp;Mai 2013 ge&auml;nderte Einkommensteuer- und Feststellungsbescheide f&uuml;r 2009, in denen es die Einkommensteuer weiterhin auf 0&nbsp;EUR festsetzte, jedoch den verbleibenden Verlustvortrag zum 31.&nbsp;Dezember 2009 auf 33.505&nbsp;EUR minderte. Ebenfalls mit Bescheiden vom 21.&nbsp;Mai 2013 setzte das FA im Wege der Sch&auml;tzung die Einkommensteuer f&uuml;r 2010 auf 6.794&nbsp;EUR und f&uuml;r 2011 auf 2.172&nbsp;EUR fest und stellte den verbleibenden Verlustvortrag zum 31.&nbsp;Dezember 2010 auf 0&nbsp;EUR fest. Zugleich setzte das FA einen Versp&auml;tungszuschlag f&uuml;r 2010 in H&ouml;he von 330&nbsp;EUR und f&uuml;r 2011 in H&ouml;he von 85&nbsp;EUR fest. S&auml;mtliche Bescheide waren an den Kl&auml;ger unter seiner Meldeadresse in der Tschechischen Republik adressiert und wurden am 21.&nbsp;Mai 2013 mittels einfachen Briefs zur Post gegeben. Am 13.&nbsp;August 2013 legte der Kl&auml;ger per E-Mail beim FA gegen die &quot;Steuerbescheide f&uuml;r die Jahre 2009, 2010 und 2011&quot; Einspruch ein. Zur Begr&uuml;ndung trug er vor, dass er aufgrund eines langfristigen Auslandsaufenthalts in Russland in den Jahren 2009 bis 2013 die Erkl&auml;rungen nicht fristgerecht habe abgeben k&ouml;nnen und ihn die Schreiben des FA erst jetzt erreicht h&auml;tten. Zugleich bat er um eine Fristverl&auml;ngerung zur Nachreichung der Steuererkl&auml;rungen. In den Streitjahren habe er in beiden Einkunftsarten lediglich Verluste erzielt. Auf den Hinweis des FA, dass die Einspruchsfrist vers&auml;umt worden sei und wegen Verschuldens seitens des Kl&auml;gers eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nicht in Betracht komme, reagierte der Kl&auml;ger nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Einspruchsentscheidung vom 3.&nbsp;Februar&nbsp;2014 verwarf das FA die Einspr&uuml;che gegen die Einkommensteuerbescheide 2009 bis 2011 mangels Wahrung der Einspruchsfrist als unzul&auml;ssig. Den Einspruchsbescheid &uuml;bermittelte das FA am selben Tag mittels einfachen Briefs an die tschechische Anschrift des Kl&auml;gers.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der hiergegen am 3.&nbsp;April 2014 erhobenen Klage vertrat der Kl&auml;ger die Auffassung, der Einspruch sei fristgerecht eingelegt worden. Sein Einspruch habe sich gegen s&auml;mtliche die Streitjahre betreffenden Steuerbescheide des FA gerichtet. Das FA habe es insoweit vers&auml;umt, sein Einspruchsschreiben entsprechend auszulegen. Zur Begr&uuml;ndung seines Antrags in der Sache legte der Kl&auml;ger f&uuml;r die Streitjahre Einkommensteuererkl&auml;rungen sowie Erkl&auml;rungen zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags f&uuml;r beschr&auml;nkt Steuerpflichtige vor. Die Sch&auml;tzungsbescheide seien nichtig, da das FA sich nicht an den Vorjahren orientiert, sondern willk&uuml;rlich und bewusst zu seinem Nachteil gesch&auml;tzt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Laufe des Klageverfahrens trug der Kl&auml;ger weiter vor, er habe im Jahr 2008 in Russland eine Firma gegr&uuml;ndet und dort eine Wohnung angemietet, die fortan sein neuer Wohnsitz und Lebensmittelpunkt gewesen sei. Sein Haus in der Tschechischen Republik habe er weitgehend ger&auml;umt sowie Klingel- und Briefkastenschilder entfernt. Anfang August 2013 sei er in die Tschechische Republik zur&uuml;ckgekehrt. Am 10.&nbsp;August 2013 habe er einen Stapel Post auf der Treppe vor der Haust&uuml;re gefunden, darunter auch die drei Briefe des FA mit den Sch&auml;tzungsbescheiden 2009 bis 2011 vom 21.&nbsp;Mai 2013. Es sei ihm nicht bekannt, wer die Post entgegen genommen, aufbewahrt und auf die Treppe gelegt habe, da er in der Tschechischen Republik ohne pers&ouml;nliche Bez&uuml;ge gelebt habe, beim Brieftr&auml;ger aber pers&ouml;nlich bekannt sei. Den Einkommensteuerbescheid vom 14.&nbsp;Juli 2011 habe er nicht erhalten. Er habe das FA aber bereits lange vor Erlass der Sch&auml;tzungsbescheide mehrfach dar&uuml;ber informiert, dass er inzwischen in Russland lebe. Jedenfalls habe das FA ihm zu Unrecht eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand verwehrt. Er habe keine Vorkehrungen treffen k&ouml;nnen, dass ihn die Bescheide innerhalb der Einspruchsfrist in Russland erreichen. Dort habe er lange Zeit ohne Postzustellungsm&ouml;glichkeit gelebt und sei beruflich unterwegs gewesen. In der Tschechischen Republik seien Postnachsendeauftr&auml;ge nach Russland nicht m&ouml;glich; der &uuml;bliche Postlauf betrage zudem sechs Wochen. Er habe in der Tschechischen Republik auch niemanden beauftragen k&ouml;nnen, seine Post in Empfang zu nehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit w&auml;hrend des Klageverfahrens ergangenem &Auml;nderungsbescheid vom 11.&nbsp;Juli 2014 setzte das FA die Einkommensteuer 2011 wegen eines ge&auml;nderten Verlustr&uuml;cktrags aus 2012 auf 970&nbsp;EUR herab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage durch Urteil vom 9.&nbsp;September 2014 als unbegr&uuml;ndet ab. Soweit sich die Klage gegen die Festsetzung der Versp&auml;tungszuschl&auml;ge zur Einkommensteuer 2010 und 2011 gerichtet hat, erachtete sie das FG bereits als unzul&auml;ssig. Im &Uuml;brigen sei die Klage aber unbegr&uuml;ndet. Nach der Zugangsvermutung des &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) g&auml;lten die Bescheide zur Festsetzung der Einkommensteuer 2009 bis 2011 sowie zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags zum 31.&nbsp;Dezember 2009 und 2010 vom 21.&nbsp;Mai 2013 am 21.&nbsp;Juni 2013 als bekannt gegeben. Der Kl&auml;ger k&ouml;nne sich nicht darauf berufen, dass ihm die Bescheide erst nach Ablauf des Monatszeitraums zugegangen seien. F&uuml;r den Zugang reiche es aus, dass die Schriftst&uuml;cke so in den Machtbereich des Empf&auml;ngers gelangt seien, dass normalerweise deren Kenntnisnahme m&ouml;glich ist und nach den Gepflogenheiten des Verkehrs erwartet werden k&ouml;nne. Diese Voraussetzungen l&auml;gen hier vor. Der Kl&auml;ger habe nicht nachgewiesen, dass er von 2008 bis Anfang August 2013 an seiner Anschrift in der Tschechischen Republik keinen Wohnsitz gehabt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach &sect;&nbsp;110 AO sei ihm wegen schuldhafter Fristvers&auml;umung nicht zu gew&auml;hren. Der Kl&auml;ger h&auml;tte Vorkehrungen treffen m&uuml;ssen, dass er trotz seines Aufenthalts in Russland von fristausl&ouml;senden Zustellungen des FA rechtzeitig Kenntnis erh&auml;lt. Der Einkommensteuer&auml;nderungsbescheid f&uuml;r 2011 vom 11.&nbsp;Juli 2014 sei nicht Gegenstand des Klageverfahrens geworden. Wegen der eingetretenen Bestandskraft sei eine inhaltliche &Uuml;berpr&uuml;fung der Sch&auml;tzungsbescheide ausgeschlossen, auch soweit der Kl&auml;ger die Nichtigkeit der Bescheide geltend mache.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt der Kl&auml;ger die Verletzung formellen (&sect;&nbsp;68 Satz&nbsp;1, &sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2, &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2, &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;, Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;) und materiellen Rechts (&sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;2, &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 AO). Das FG habe in Bezug auf die Einkommensteuerfestsetzung f&uuml;r 2011 nicht &uuml;ber den gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;68 Satz&nbsp;1 FGO zum Gegenstand des Klageverfahrens gewordenen Bescheid vom 11.&nbsp;Juli 2014, sondern &uuml;ber den rechtlich nicht mehr existenten Bescheid vom 21.&nbsp;Mai 2013 entschieden. Hierin liege ein wesentlicher Verfahrensfehler. Dar&uuml;ber hinaus habe das FG den Vortrag des Kl&auml;gers zu dem tats&auml;chlichen (sp&auml;teren) Zugang der Steuerbescheide zu Unrecht als unsubstantiiert zur&uuml;ckgewiesen. Das FG habe insoweit sowohl gegen seine Pflicht zur Sachaufkl&auml;rung als auch gegen gesetzliche Regelungen zur Verteilung der Beweislast versto&szlig;en. Angesichts seines Vorbringens h&auml;tte das FG die Umst&auml;nde des Zugangs aufkl&auml;ren und sich inhaltlich mit seinem Vortrag auseinander setzen m&uuml;ssen. &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 AO sei auf rein verfahrensrechtliche Umst&auml;nde wie die wirksame Bekanntgabe eines Verwaltungsakts nicht anwendbar. Nach der klaren Beweislastregel des &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 AO habe das FA den Zugang des Verwaltungsakts und den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen. Zudem sei das Beweisverlangen des FG auch deshalb fehlerhaft, weil es von ihm einen objektiv unm&ouml;glichen Negativbeweis des Nichtvorliegens eines Wohnsitzes in der Tschechischen Republik gefordert habe. Selbst wenn ein rechtzeitiger Zugang der Bescheide unterstellt w&uuml;rde, h&auml;tte ihm jedenfalls Wiedereinsetzung in die Einspruchsfrist gew&auml;hrt werden m&uuml;ssen. Ebenfalls rechtsfehlerhaft habe das FG schlie&szlig;lich angenommen, dass wegen eingetretener Bestandskraft auch eine Pr&uuml;fung der Sch&auml;tzungsbescheide im Hinblick auf ihre Nichtigkeit ausscheide. Ein solches Nichtigkeitsfeststellungsbegehren habe sich eindeutig aus der Klagebegr&uuml;ndung ergeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angefochtene Urteil und die Einspruchsentscheidung vom 3.&nbsp;Februar 2014 aufzuheben sowie die Einkommensteuer f&uuml;r 2009, 2010 und 2011 jeweils entsprechend den eingereichten Einkommensteuererkl&auml;rungen neu festzusetzen und den verbleibenden Verlustvortrag zur Einkommensteuer zum 31.&nbsp;Dezember 2009 und zum 31.&nbsp;Dezember 2010 unter Ber&uuml;cksichtigung der erkl&auml;rten Verluste aus Vermietung und Verpachtung neu festzustellen sowie die Versp&auml;tungszuschl&auml;ge zur Einkommensteuer 2010 und 2011 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO). Die Vorentscheidung ist hinsichtlich der Einkommensteuerfestsetzung f&uuml;r das Streitjahr 2011 bereits aus verfahrensrechtlichen Gr&uuml;nden aufzuheben (dazu unter&nbsp;1.). Das FG ist zwar f&uuml;r alle Streitjahre in revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise davon ausgegangen, dass der Einspruch des Kl&auml;gers gegen die angefochtenen Steuerbescheide vom 21.&nbsp;Mai 2013 versp&auml;tet (dazu unter&nbsp;2. und 3.) und ihm aufgrund schuldhafter Vers&auml;umung der Einspruchsfrist Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nicht zu gew&auml;hren war (dazu unter&nbsp;4.). Das FG hat aber zu Unrecht nicht gepr&uuml;ft, ob die Sch&auml;tzungsbescheide nichtig sind (dazu unter&nbsp;5.). Dar&uuml;ber hinaus hat das FG nicht erkannt, dass sich der Einspruch des Kl&auml;gers auch gegen die festgesetzten Versp&auml;tungszuschl&auml;ge zur Einkommensteuer 2010 und 2011 richtete (dazu unter&nbsp;6.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Vorentscheidung ist hinsichtlich der Einkommensteuerfestsetzung f&uuml;r das Streitjahr 2011 bereits aus verfahrensrechtlichen Gr&uuml;nden aufzuheben. Das FG hat insoweit &uuml;ber den nicht mehr wirksamen Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 2011 vom 21.&nbsp;Mai 2013 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 3.&nbsp;Februar 2014 entschieden und nicht &uuml;ber den erst w&auml;hrend des Klageverfahrens ergangenen und &#8211;entgegen der Auffassung des FG&#8211; gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;68 Satz&nbsp;1 FGO zum Gegenstand des Verfahrens gewordenen &Auml;nderungsbescheid vom 11.&nbsp;Juli 2014.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wird der angefochtene Verwaltungsakt nach Bekanntgabe der Einspruchsentscheidung ge&auml;ndert oder ersetzt, wird der neue Verwaltungsakt nur dann nicht nach &sect;&nbsp;68 Satz&nbsp;1 FGO Gegenstand des finanzgerichtlichen Verfahrens, wenn der urspr&uuml;ngliche Bescheid nicht mit dem au&szlig;ergerichtlichen Rechtsbehelf angefochten worden ist und daher die Klage mangels Vorliegens aller notwendigen Sachentscheidungsvoraussetzungen als unzul&auml;ssig zu verwerfen ist (vgl. &sect;&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 FGO). Erfolglos geblieben i.S. des &sect;&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 FGO ist ein au&szlig;ergerichtlicher Rechtsbehelf aber auch, wenn er wegen Vers&auml;umung der Einspruchsfrist als unzul&auml;ssig verworfen wurde (grundlegend Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 24.&nbsp;Juli 1984 VII&nbsp;R&nbsp;122\/80, BFHE 141, 470, BStBl II 1984, 791). Die fristgerechte Einlegung des Einspruchs ist zwar bei der Sachentscheidung des FG als materiell-rechtliche Vorfrage zu pr&uuml;fen, weil die gegen einen bestandskr&auml;ftigen Verwaltungsakt erhobene Klage &#8211;ohne weitere Sachpr&uuml;fung&#8211; unbegr&uuml;ndet ist (BFH-Urteil in BFHE 141, 470, BStBl II 1984, 791; vgl. auch Gr&auml;ber\/Levedag, Finanzgerichtsordnung, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;44 Rz&nbsp;22, 30). Dies schlie&szlig;t es aber nicht aus, dass der nach Bekanntgabe der Einspruchsentscheidung ergangene &Auml;nderungsbescheid Gegenstand des finanzgerichtlichen Verfahrens wird (BFH-Urteil in BFHE 141, 470, BStBl II 1984, 791).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Entscheidung des FG &uuml;ber den nicht mehr wirksamen Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2011 vom 21.&nbsp;Mai 2013 liegt ein Versto&szlig; gegen die Grundordnung des Verfahrens (BFH-Urteile vom 19.&nbsp;Mai 2010 I&nbsp;R&nbsp;62\/09, BFHE 230, 18, und vom 23.&nbsp;Oktober 2013 I&nbsp;R&nbsp;21\/11, juris). Das FG-Urteil kann danach keinen Bestand haben, soweit es die Steuerfestsetzung f&uuml;r 2011 betrifft, und ist daher aufzuheben. Eine Richtigstellung in der Rechtsmittelentscheidung scheidet vorliegend deshalb aus, weil das FG bewusst &uuml;ber den fr&uuml;heren Bescheid entschieden hat (im Umkehrschluss zu BFH-Beschluss vom 7.&nbsp;August 2008 I&nbsp;B&nbsp;161\/07, BFH\/NV 2008, 2053, sowie zu BFH-Urteilen in BFHE 230, 18; vom 16.&nbsp;Mai 2013 IV&nbsp;R&nbsp;15\/10, BFHE 241, 323, BStBl II 2013, 858, und vom 23.&nbsp;Oktober 2013 I&nbsp;R&nbsp;21\/11, juris).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG ist in revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise davon ausgegangen, dass der Einspruch des Kl&auml;gers vom 13.&nbsp;August 2013 gegen die angefochtenen Einkommensteuer- und Feststellungsbescheide vom 21.&nbsp;Mai 2013 versp&auml;tet war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;355 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO ist Einspruch gegen einen Steuerbescheid innerhalb eines Monats nach dessen Bekanntgabe einzulegen. Geschieht dies nicht, ist der Einspruch unzul&auml;ssig. Der Bekanntgabezeitpunkt bestimmt sich bei der &Uuml;bermittlung eines Verwaltungsakts im Ausland nach &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 AO. Danach gilt ein schriftlicher Verwaltungsakt, der mittels einfachen Briefs durch die Post &uuml;bermittelt wird, bei einer &Uuml;bermittlung im Ausland einen Monat nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben, au&szlig;er wenn er nicht oder zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt zugegangen ist; im Zweifel hat die Beh&ouml;rde den Zugang des Verwaltungsakts und den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bestreitet der Steuerpflichtige im Falle der &Uuml;bermittlung eines Verwaltungsakts im Inland nicht den Zugang &uuml;berhaupt, sondern den Erhalt des Bescheids innerhalb des insoweit ma&szlig;geblichen Zeitraums des &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 AO, hat er substantiiert Tatsachen vorzutragen, die schl&uuml;ssig auf einen sp&auml;teren Zugang hindeuten und deshalb Zweifel an der Zugangsvermutung begr&uuml;nden (BFH-Urteil vom 9.&nbsp;Dezember 1999 III&nbsp;R&nbsp;37\/97, BFHE 190, 292, BStBl II 2000, 175; BFH-Beschluss vom 18.&nbsp;April 2013 X&nbsp;B&nbsp;47\/12, BFH\/NV 2013, 1218). Das Erfordernis eines substantiierten Tatsachenvortrags darf allerdings nicht dazu f&uuml;hren, dass die Regelung &uuml;ber die objektive Beweislast, die nach dem Gesetz die Finanzverwaltungsbeh&ouml;rde trifft, zu Lasten des Steuerpflichtigen umgekehrt wird (BFH-Urteil vom 3.&nbsp;Mai 2001 III&nbsp;R&nbsp;56\/98, BFH\/NV 2001, 1365; BFH-Beschluss vom 20.&nbsp;Oktober 2011 V&nbsp;B&nbsp;17\/11, BFH\/NV 2012, 165).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hat der Steuerpflichtige seinen Vortrag im Rahmen des ihm M&ouml;glichen substantiiert, hat das FG den Sachverhalt unter Ber&uuml;cksichtigung dieses Vorbringens aufzukl&auml;ren und die festgestellten oder unstreitigen Umst&auml;nde im Wege freier Beweisw&uuml;rdigung nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 FGO gegeneinander abzuw&auml;gen (BFH-Beschluss vom 20.&nbsp;Januar 1999 IV&nbsp;B&nbsp;28\/98, BFH\/NV 1999, 905; BFH-Urteil vom 27.&nbsp;November 2002 X&nbsp;R&nbsp;17\/01, BFH\/NV 2003, 586). Der Zugang bleibt mithin Gegenstand der Sachaufkl&auml;rungspflicht des FG. Lediglich f&uuml;r den Fall, dass trotz Sachaufkl&auml;rung keine &Uuml;berzeugungsbildung m&ouml;glich ist (&quot;im Zweifel&quot;), muss auf die Beweislastregel des &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Halbsatz AO zur&uuml;ck gegriffen werden (BFH-Urteile in BFH\/NV 2001, 1365, und in BFH\/NV 2003, 586).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH setzt der Zugang eines Verwaltungsakts nicht voraus, dass der Empf&auml;nger den Verwaltungsakt tats&auml;chlich zur Kenntnis nimmt (z.B. BFH-Urteil vom 9.&nbsp;November 2005 I&nbsp;R&nbsp;111\/04, BFHE 211, 392, BStBl II 2006, 219). Es gen&uuml;gt, dass das Schriftst&uuml;ck derart in den Machtbereich des Empf&auml;ngers (Inhaltsadressaten) gelangt ist, dass dieser unter Ausschluss unbefugter Dritter von dem Schriftst&uuml;ck Kenntnis nehmen und diese Kenntnisnahme nach den allgemeinen Gepflogenheiten von ihm erwartet werden kann (BFH-Beschluss vom 27.&nbsp;Februar 1998 IX&nbsp;B&nbsp;29\/96, BFH\/NV 1998, 1064; BFH-Urteil in BFHE 190, 292, BStBl II 2000, 175, m.w.N.). Diese Voraussetzungen sind regelm&auml;&szlig;ig erf&uuml;llt, wenn die Sendung entsprechend den postalischen Vorschriften zugestellt wurde (BFH-Urteile vom 14.&nbsp;August 1975 IV&nbsp;R&nbsp;150\/71, BFHE 119, 201, BStBl II 1976, 764; in BFHE 190, 292, BStBl II 2000, 175, m.w.N., und in BFHE 211, 392, BStBl II 2006, 219). Daf&uuml;r reicht ein Einwurf in einen f&uuml;r den Adressaten bestimmten Briefkasten aus, auch wenn der Empf&auml;nger im Zeitpunkt des Einwurfs ortsabwesend ist (BFH-Urteile vom 6.&nbsp;M&auml;rz 1990 VIII&nbsp;R&nbsp;141\/85, BFH\/NV 1991, 71; vom 22.&nbsp;August 2006 I&nbsp;R&nbsp;24\/05, BFH\/NV 2007, 63). Eine wirksame Bekanntgabe erfordert nicht, dass der Empf&auml;nger am Ort der Bekanntgabe den r&auml;umlichen Mittelpunkt seiner Lebensverh&auml;ltnisse hat (BFH-Urteil in BFH\/NV 1991, 71). Im Gesch&auml;ftsleben t&auml;tige Empf&auml;nger m&uuml;ssen grunds&auml;tzlich auch bei l&auml;ngerem Auslandsaufenthalt daf&uuml;r Sorge tragen, dass ihnen Erkl&auml;rungen w&auml;hrend der Gesch&auml;ftszeiten jederzeit zugehen k&ouml;nnen. Sie k&ouml;nnen sich daher nicht auf einen versp&auml;teten Zugang berufen, wenn die ihn verursachenden Umst&auml;nde ihrer Verantwortungs- bzw. Risikosph&auml;re zuzurechnen sind (vgl. auch BFH-Urteile vom 4.&nbsp;M&auml;rz 1977 VI&nbsp;R&nbsp;242\/74, BFHE 121, 389, BStBl II 1977, 523, und in BFHE 190, 292, BStBl II 2000, 175).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die vorstehenden Grunds&auml;tze gelten &#8211;mit Ausnahme der f&uuml;r die Zugangsvermutung ma&szlig;geblichen Monatsfrist&#8211; gleicherma&szlig;en f&uuml;r die &Uuml;bermittlung eines Verwaltungsakts im Ausland nach &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 AO (ebenso Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;122 AO Rz&nbsp;62a; M&uuml;ller-Franken in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;122 AO Rz&nbsp;409; Koenig\/ Fritsch, Abgabenordnung, 3.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;122 Rz&nbsp;79; Frotscher, M. in Schwarz\/Pahlke, AO\/FGO, &sect;&nbsp;122 AO Rz&nbsp;134).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Ausgehend von diesen Grunds&auml;tzen ist die Entscheidung des FG, der Kl&auml;ger habe mit seinem Vorbringen Zweifel am gesetzlich vermuteten Zugang der angefochtenen Bescheide innerhalb des Monatszeitraums nicht begr&uuml;nden k&ouml;nnen, revisionsrechtlich nicht zu beanstanden. Diese W&uuml;rdigung ist m&ouml;glich und damit f&uuml;r den Senat bindend (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO). Sie verst&ouml;&szlig;t insbesondere nicht gegen Denkgesetze oder allgemeine Erfahrungss&auml;tze.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG hat seine W&uuml;rdigung, wonach der Kl&auml;ger im Zeitpunkt der Bekanntgabe der angefochtenen Einkommensteuer- und Feststellungsbescheide trotz seiner T&auml;tigkeit in Russland weiterhin eine Wohnung an der tschechischen Adresse unterhielt und ihm deshalb die Bescheide dort bekannt gegeben werden konnten, auf verschiedene Indizien gest&uuml;tzt. Hierzu z&auml;hlte insbesondere der vom Kl&auml;ger unter seiner tschechischen Anschrift gef&uuml;hrte Schriftverkehr. Zutreffend hat das FG in seine W&uuml;rdigung nicht nur einbezogen, dass nach den im Klageverfahren vorgelegten Belegen zahlreiche Rechnungen und Bescheinigungen, die seine Eink&uuml;nfte aus der Vermietung seiner im Inland belegenen Wohnung betreffen, an seine tschechische Anschrift adressiert waren, sondern auch, dass ihm unter dieser Adresse ein Grundsteuerbescheid aus dem Jahr 2010 wirksam bekannt gegeben werden konnte. Bei seiner Beweisw&uuml;rdigung durfte das FG ferner ber&uuml;cksichtigen, dass der Kl&auml;ger im Rahmen seines Schriftverkehrs selbst die tschechische Anschrift angegeben hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Soweit das FG aus diesen Beweisanzeichen im Zuge seiner Gesamtw&uuml;rdigung den Schluss gezogen hat, dass der Kl&auml;ger entgegen seinem Vorbringen seine Wohnung in der Tschechischen Republik nicht aufgegeben hatte und ihm unter der dortigen Adresse grunds&auml;tzlich weiterhin Postsendungen &uuml;bermittelt werden konnten, h&auml;lt dies einer revisionsrechtlichen &Uuml;berpr&uuml;fung stand. Es ist nicht zu beanstanden, dass das FG im Rahmen seiner Gesamtw&uuml;rdigung das Vorbringen des Kl&auml;gers zur angeblichen Aufgabe seines Wohnsitzes in der tschechischen Republik f&uuml;r nicht hinreichend schl&uuml;ssig gehalten hat, um die Zugangsvermutung des &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 AO zu ersch&uuml;ttern. Das Gleiche gilt im Hinblick auf sein Vorbringen &uuml;ber die Art und den Zeitpunkt des Zugangs der Bescheide. Der Vortrag des Kl&auml;gers, er habe erst am 10.&nbsp;August 2013 die Bescheide mit einem Stapel weiterer Post auf der Treppe vor seiner Haust&uuml;re gefunden, gen&uuml;gt allein noch nicht, um den Zugang zum gesetzlich vermuteten Zeitpunkt substantiiert zu bestreiten. Angesichts seiner Vermietungst&auml;tigkeit in Deutschland und seiner selbst&auml;ndigen Gesch&auml;ftst&auml;tigkeit in Russland h&auml;tte er &#8211;worauf das FG zutreffend hingewiesen hat&#8211; n&auml;her darlegen m&uuml;ssen, welche Vorkehrungen er im Allgemeinen getroffen hatte, damit ihn wichtige Gesch&auml;ftspost erreichen konnte. Dies gilt in besonderem Ma&szlig;e, als den Kl&auml;ger als im Gesch&auml;ftsleben stehenden Steuerpflichtigen eine gesteigerte Verpflichtung trifft, daf&uuml;r Sorge zu tragen, dass ihm fristausl&ouml;sende Postsendungen unter Ausschluss unberechtigter Dritter rechtzeitig zugehen k&ouml;nnen. Zudem h&auml;tte er ausf&uuml;hren m&uuml;ssen, aus welchen Gr&uuml;nden er selbst die tschechische Anschrift im Rahmen seines Schriftwechsels verwendet hat, wenn er doch die Wohnung aufgegeben habe und dort nicht mehr erreichbar sein wollte. Ferner h&auml;tte er darlegen k&ouml;nnen, ob und wie er die Aufgabe des Wohnsitzes gegen&uuml;ber den tschechischen Beh&ouml;rden angezeigt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die insoweit geltend gemachten Verfahrensr&uuml;gen greifen nicht durch. Die vom Kl&auml;ger ger&uuml;gte Verletzung rechtlichen Geh&ouml;rs (Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 GG, &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO) liegt nicht vor. Eine unzul&auml;ssige &Uuml;berraschungsentscheidung hat das FG nicht getroffen. Es hat sich in seiner Entscheidung mit den schriftlichen und m&uuml;ndlichen Einlassungen des Kl&auml;gers auseinandergesetzt und seine Entscheidung entsprechend der Rechtsprechung des BFH nach seiner freien, aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens gewonnenen &Uuml;berzeugung getroffen (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 19.&nbsp;Dezember 2007 IX&nbsp;R&nbsp;30\/07, BFH\/NV 2008, 1300). Ferner hat es keinen bis dahin uner&ouml;rterten rechtlichen oder tats&auml;chlichen Gesichtspunkt zur Grundlage seiner Entscheidung gemacht. Das FG war unter dem Gesichtspunkt der Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs weder gehalten, das Ergebnis seiner Gesamtw&uuml;rdigung mit den Beteiligten vorab zu er&ouml;rtern, noch war es verpflichtet, der tats&auml;chlichen und rechtlichen Auffassung des Kl&auml;gers zu folgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat auch nicht seine Pflicht zur Sachaufkl&auml;rung (&sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 FGO) verletzt. Dass der Kl&auml;ger m&ouml;glicherweise &#8211;wie von ihm vorgetragen&#8211; den r&auml;umlichen Mittelpunkt seiner Lebensverh&auml;ltnisse in den Streitjahren in Russland hatte, steht einer wirksamen Bekanntgabe unter seiner tschechischen Anschrift nicht entgegen. Das FG war deshalb nicht zu weiteren Ermittlungen &uuml;ber den r&auml;umlichen Lebensmittelpunkt des Kl&auml;gers im Zeitpunkt der Bekanntgabe der Bescheide verpflichtet. Auf der insoweit ma&szlig;geblichen Grundlage des materiell-rechtlichen Standpunkts des FG ist auch nicht ersichtlich, dass sich ihm &#8211;ohne entsprechenden Beweisantrag des fachkundig vertretenen Kl&auml;gers&#8211; eine weitere Sachaufkl&auml;rung h&auml;tte aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen. Die Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge dient nicht dazu, Beweisantr&auml;ge, Fragen oder Darlegungen zu ersetzen, welche eine fachkundig vertretene Partei selbst in zumutbarer Weise h&auml;tte stellen bzw. erbringen k&ouml;nnen, jedoch zu stellen unterlassen hat (BFH-Beschl&uuml;sse vom 27.&nbsp;April 2015 X&nbsp;B&nbsp;47\/15, BFH\/NV 2015, 1356, und vom 19.&nbsp;September 2016 X&nbsp;B&nbsp;159\/15, BFH\/NV 2017, 54). Soweit der Kl&auml;ger eine weitergehende Ermittlung des FG zur &Uuml;bermittlung von Schriftst&uuml;cken an ihn im Allgemeinen und zum (angeblichen) versp&auml;teten tats&auml;chlichen Zugang der Bescheide im Besonderen verlangt, betrifft dies Vorg&auml;nge, die sich in seiner Sph&auml;re abgespielt haben. Folglich war der Kl&auml;ger gehalten, von sich aus substantiiert vorzutragen und dies mit entsprechenden Nachweisen zu belegen (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2017, 54).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Nach alledem ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass dem Kl&auml;ger die mit Ablauf des 21.&nbsp;Mai 2013 zur Post aufgegebenen Bescheide &#8211;wie vom FG angenommen&#8211; sp&auml;testens mit Ablauf des 21.&nbsp;Juni 2013 tats&auml;chlich zugegangen sind. Mit Ablauf des 21.&nbsp;Juni 2013 begann die einmonatige Einspruchsfrist und h&auml;tte regul&auml;r mit Ablauf des 21.&nbsp;Juli 2013 geendet (&sect;&nbsp;365 Abs.&nbsp;1 AO i.V.m. &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;1, Abs.&nbsp;3 AO i.V.m. &sect;&nbsp;187 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;188 Abs.&nbsp;2 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211;). Da dieser Tag ein Sonntag war, verschob sich das Fristende nach &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO auf den 22.&nbsp;Juli 2013. Der am 13.&nbsp;August 2013 beim FA eingegangene Einspruch war damit versp&auml;tet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Dem FG ist auch darin zu folgen, dass dem Kl&auml;ger aufgrund schuldhafter Vers&auml;umung der Einspruchsfrist Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach &sect;&nbsp;110 Abs.&nbsp;1 AO nicht zu gew&auml;hren war. Eine Fristvers&auml;umung ist nur dann als entschuldigt anzusehen, wenn sie durch die &auml;u&szlig;erste, den Umst&auml;nden des Falles angemessene und vern&uuml;nftigerweise zu erwartende Sorgfalt nicht verhindert werden konnte (z.B. BFH-Urteil in BFHE 190, 292, BStBl II 2000, 175). Auch in Anbetracht der vorgebrachten Schwierigkeiten bei der Nachsendung von Schriftst&uuml;cken nach Russland hat der Kl&auml;ger nicht die f&uuml;r ihn angemessenen und erforderlichen Vorkehrungen f&uuml;r einen ordnungsgem&auml;&szlig;en und fristgerechten Zugang von Postsendungen getroffen. Der Kl&auml;ger kann insoweit nicht geltend machen, es sei ihm nicht m&ouml;glich gewesen, Vorsorge zu treffen, weil er an seinem Wohnort niemanden habe beauftragen k&ouml;nnen, f&uuml;r ihn die in seiner Abwesenheit ausgef&uuml;hrten Zusendungen in Empfang zu nehmen und ihn zu unterrichten. Auf die Inanspruchnahme solcher Hilfeleistungen w&auml;re der Kl&auml;ger im &Uuml;brigen auch nicht angewiesen. So h&auml;tte er beispielsweise &#8211;wie vom FG zutreffend ausgef&uuml;hrt&#8211; einen inl&auml;ndischen Zustellbevollm&auml;chtigten oder einen Zustellbevollm&auml;chtigten in der Tschechischen Republik oder in Russland benennen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Das FG hat aber zu Unrecht angenommen, dass ihm eine inhaltliche Pr&uuml;fung der angefochtenen Sch&auml;tzungsbescheide auch hinsichtlich der vom Kl&auml;ger ger&uuml;gten Nichtigkeit der Bescheide verwehrt sei. Obschon der fachkundig vertretene Kl&auml;ger im Rahmen des finanzgerichtlichen Verfahrens keinen ausdr&uuml;cklichen Antrag auf Feststellung der Nichtigkeit gestellt hat, ist auf der Grundlage seiner Klagebegr&uuml;ndung und des dort klar zum Ausdruck gekommenen Rechtsschutzziels im Wege der rechtsschutzgew&auml;hrenden Auslegung seiner Antr&auml;ge davon auszugehen, dass er auch eine (zul&auml;ssige) Nichtigkeitsfeststellungsklage nach &sect;&nbsp;41 Abs.&nbsp;1 Alternative&nbsp;1 FGO erheben wollte (vgl. auch BFH-Beschluss vom 10.&nbsp;September 2015 X&nbsp;B&nbsp;134\/14, BFH\/NV 2016, 54, unter II.3.a&nbsp;cc). So hat der Kl&auml;ger in der Begr&uuml;ndung seiner Klage ausdr&uuml;cklich die Nichtigkeit der Sch&auml;tzungsbescheide ger&uuml;gt und die Gr&uuml;nde hierf&uuml;r im Einzelnen dargelegt. Dar&uuml;ber hinaus hat das FG nicht erkannt, dass zur Beseitigung des Rechtsscheins auch ein nichtiger Bescheid nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH mit der Anfechtungsklage angegriffen und vom Gericht ausdr&uuml;cklich aufgehoben werden kann (vgl. BFH-Urteile vom 7.&nbsp;August 1985 I&nbsp;R&nbsp;309\/82, BFHE 145, 7, BStBl II 1986, 42; vom 27.&nbsp;Februar 1997 IV&nbsp;R&nbsp;38\/96, BFH\/NV 1997, 388; vom 19.&nbsp;August 1999&nbsp;IV&nbsp;R&nbsp;34\/98, BFH\/NV 2001, 409). W&auml;ren die Sch&auml;tzungsbescheide als nichtig anzusehen, k&auml;me es entgegen der Auffassung des FG auf die fristgerechte Einlegung des Einspruchs nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da das FG von anderen Rechtsgrunds&auml;tzen ausgegangen ist, ist sein Urteil aufzuheben. Die Sache ist nicht spruchreif. Mangels ausreichender Feststellungen kann der Senat die Nichtigkeitspr&uuml;fung nicht selbst vornehmen. F&uuml;r das weitere Verfahren weist der Senat darauf hin, dass eine Sch&auml;tzung zwar nicht bereits deshalb als nichtig erscheint, weil sie von den tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnissen abweicht. Die Sch&auml;tzung hat aber nach &sect;&nbsp;125 Abs.&nbsp;1 AO die Nichtigkeit des auf ihr beruhenden Verwaltungsakts zur Folge, wenn sich das FA nicht an den wahrscheinlichen Besteuerungsgrundlagen orientiert, sondern bewusst und willk&uuml;rlich zum Nachteil des Steuerpflichtigen sch&auml;tzt (BFH-Urteil vom 15.&nbsp;Juli 2014 X&nbsp;R&nbsp;42\/12, BFH\/NV 2015, 145). Willk&uuml;rlich und damit nichtig ist ein Sch&auml;tzungsbescheid nicht nur bei subjektiver Willk&uuml;r des handelnden Bediensteten, sondern auch dann, wenn das Sch&auml;tzungsergebnis trotz vorhandener M&ouml;glichkeiten, den Sachverhalt aufzukl&auml;ren und Sch&auml;tzungsgrundlagen zu ermitteln, krass von den tats&auml;chlichen Gegebenheiten abweicht und in keiner Weise erkennbar ist, dass &uuml;berhaupt und ggf. welche Sch&auml;tzungserw&auml;gungen angestellt wurden (BFH-Urteil in BFH\/NV 2015, 145).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Ebenfalls zu Unrecht hat das FG die Klage als unzul&auml;ssig erachtet, soweit sie sich gegen die Festsetzung der Versp&auml;tungszuschl&auml;ge zur Einkommensteuer 2010 und 2011 richtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG ist unzutreffend davon ausgegangen, dass der im Einspruchsverfahren nicht fachkundig vertretene Kl&auml;ger allein gegen die Einkommensteuer- und Feststellungsbescheide Einspruch einlegen, nicht aber auch die festgesetzten Versp&auml;tungszuschl&auml;ge zur Einkommensteuer 2010 und 2011 anfechten wollte. Die Reichweite der Einspruchseinlegung ist durch Auslegung zu ermitteln. Diese bestimmt sich nach &sect;&nbsp;133 BGB, der auch f&uuml;r Verfahrenshandlungen gilt (vgl. Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 23.&nbsp;Oktober 1989 GrS&nbsp;2\/87, BFHE 159, 4, BStBl II 1990, 327; BFH-Urteile vom 5.&nbsp;Februar 1992&nbsp;I&nbsp;R&nbsp;76\/91, BFHE 168, 1, BStBl II 1992, 995; vom 23.&nbsp;April 2003 IX&nbsp;R&nbsp;28\/00, BFH\/NV&nbsp;2003, 1140). Bei der Auslegung des Einspruchsschreibens vom 13.&nbsp;August 2013 ist daher der wirkliche Wille zu erforschen und nicht am buchst&auml;blichen Sinn des Ausdrucks zu haften. Aus der Interessenlage und dem Sinngehalt dieses Einspruchsschreibens wird hinreichend deutlich, dass der Kl&auml;ger sich auch gegen die Belastung durch den Versp&auml;tungszuschlag wehren wollte. Anhaltspunkte f&uuml;r eine Beschr&auml;nkung seines Rechtsschutzbegehrens sind im Streitfall nicht gegeben. Die W&uuml;rdigung des FG verletzt daher &sect;&nbsp;133 BGB und bindet den Senat nicht nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>7. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.7.2017, IX R 41\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.110717.IXR41.15.0 Bekanntgabe eines Verwaltungsakts im Ausland &#8211; &Uuml;bermittlung mittels einfachen Briefs &#8211; Zugangsvermutung &#8211; Gegenstand des Klageverfahrens &#8211; Nichtigkeit von Sch&auml;tzungsbescheiden &#8211; Auslegung von Verfahrenshandlungen Leits&auml;tze 1. NV: Bestreitet der Steuerpflichtige den Zugang des Bescheids innerhalb des gesetzlich vermuteten Zeitraums, muss er substantiiert Tatsachen vortragen, die schl&uuml;ssig auf einen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-41-15-bekanntgabe-eines-verwaltungsakts-im-ausland-uebermittlung-mittels-einfachen-briefs-zugangsvermutung-gegenstand-des-klageverfahrens-nichtigkeit-von-schaetzungsbescheiden-auslegung-von-verfa\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;41\/15 &#8211; Bekanntgabe eines Verwaltungsakts im Ausland &#8211; &Uuml;bermittlung mittels einfachen Briefs &#8211; Zugangsvermutung &#8211; Gegenstand des Klageverfahrens &#8211; Nichtigkeit von Sch&auml;tzungsbescheiden &#8211; Auslegung von Verfahrenshandlungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-68903","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68903","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68903"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68903\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68903"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68903"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68903"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}