{"id":68969,"date":"2018-02-14T11:11:00","date_gmt":"2018-02-14T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=68969"},"modified":"2018-02-14T11:11:00","modified_gmt":"2018-02-14T09:11:00","slug":"ix-r-51-15-aufloesung-einer-kapitalgesellschaft-nachtraegliche-anschaffungskosten-feststellung-der-krise-bei-der-betriebsgesellschaft-im-fall-einer-betriebsaufspaltung-rechtslage-vor-momig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-51-15-aufloesung-einer-kapitalgesellschaft-nachtraegliche-anschaffungskosten-feststellung-der-krise-bei-der-betriebsgesellschaft-im-fall-einer-betriebsaufspaltung-rechtslage-vor-momig\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;51\/15 &#8211; Aufl&ouml;sung einer Kapitalgesellschaft &#8211; nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten &#8211; Feststellung der Krise bei der Betriebsgesellschaft im Fall einer Betriebsaufspaltung &#8211; Rechtslage vor MoMiG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.10.2017, IX R 51\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.111017.IXR51.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Aufl&ouml;sung einer Kapitalgesellschaft &#8211; nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten &#8211; Feststellung der Krise bei der Betriebsgesellschaft im Fall einer Betriebsaufspaltung &#8211; Rechtslage vor MoMiG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Ergibt sich die buchm&auml;&szlig;ige &Uuml;berschuldung der Betriebskapitalgesellschaft vor allem aus der Aufspaltung des Betriebs in zwei rechtlich selbst&auml;ndige Unternehmen, so ist es nicht zu beanstanden, wenn eine Krise des Betriebsunternehmens verneint wird, solange das Besitzunternehmen noch kreditw&uuml;rdig ist und seinen Kredit vereinbarungsgem&auml;&szlig; und nach Bedarf dem Betriebsunternehmen zur Verf&uuml;gung stellt.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;ger gegen das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 26. M&auml;rz 2015&nbsp;&nbsp;10 K 1107\/13 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist die H&ouml;he des Verlusts aus der Aufl&ouml;sung einer GmbH. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) werden als Eheleute im Streitjahr zusammenveranlagt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Dezember 1988 gr&uuml;ndete der Kl&auml;ger als Alleingesellschafter die A-GmbH (im Folgenden: GmbH). Das Stammkapital betrug 50.000&nbsp;DM. Die GmbH betrieb die Herstellung und den Handel mit X. Das Anlageverm&ouml;gen pachtete sie von dem Kl&auml;ger als Einzelunternehmer in Firma &#8230; (im Folgenden: Einzelunternehmen). Das Einzelunternehmen gew&auml;hrte der GmbH zudem Darlehen. In der Bilanz der GmbH zum 31.&nbsp;Dezember 1998 sind unter der Bezeichnung &quot;Verrechnung Fa.&nbsp;&#8230;&quot; kurzfristige Verbindlichkeiten von 471.057,10&nbsp;DM ausgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Vertrag vom 9.&nbsp;November 1998 ver&auml;u&szlig;erte der Kl&auml;ger als Einzelunternehmer das (vormals an die GmbH verpachtete) Anlageverm&ouml;gen zum Preis von 700.000&nbsp;DM an einen Dritten und erzielte daraus einen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn von 306.180&nbsp;DM. Die Forderung gegen die GmbH &uuml;berf&uuml;hrte er in sein Privatverm&ouml;gen. Die GmbH ver&auml;u&szlig;erte mit Vertrag vom selben Tag ihr gesamtes Umlaufverm&ouml;gen (zum 31.&nbsp;Dezember 1998) an denselben Erwerber und stellte den Betrieb (Herstellung und Handel mit X) mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 1998 ein. 1999 &auml;nderte sie die Firma und den Gegenstand des Unternehmens. Der Kl&auml;ger gew&auml;hrte der GmbH auch im Folgenden weitere Kredite in laufender Rechnung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 30.&nbsp;November 2000 erkl&auml;rte der Kl&auml;ger gegen&uuml;ber der GmbH den Rangr&uuml;cktritt mit seinen Forderungen in H&ouml;he von 483.930,54&nbsp;DM (= 247.429,76 EUR) und erneuerte diese Erkl&auml;rung entsprechend noch einmal nach dem 31.&nbsp;Dezember 2008.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 18.&nbsp;November 2009 beschloss der Kl&auml;ger die Aufl&ouml;sung der GmbH. Sie wurde am 12.&nbsp;Januar 2011 im Handelsregister gel&ouml;scht. In ihrer Liquidationser&ouml;ffnungsbilanz wies die GmbH auf der Aktivseite lediglich Verm&ouml;gen im Wert von unter 2.000&nbsp;EUR aus. Dem standen Verbindlichkeiten von 422.345,83&nbsp;EUR gegen&uuml;ber, davon gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger 395.876,23&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2009 machten die Kl&auml;ger einen Verlust aus der Aufl&ouml;sung der GmbH von 400.500,79&nbsp;EUR geltend (Stammkapital 25.564,59&nbsp;EUR .\/. Darlehen 426.065,38&nbsp;EUR), den der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;), zun&auml;chst mangels Nachweises unber&uuml;cksichtigt lie&szlig; (Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2009 vom 7.&nbsp;September 2011 unter Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung). Im Einspruchsverfahren &auml;nderte das FA den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2009 und ber&uuml;cksichtigte nun die nach dem 30.&nbsp;November 2000 vom Kl&auml;ger hingegebenen Darlehen als nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten der Beteiligung. Den dar&uuml;ber hinaus geltend gemachten Darlehensausfall ber&uuml;cksichtigte das FA nicht und wies den Einspruch zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat die Klage abgewiesen und zur Begr&uuml;ndung u.a. ausgef&uuml;hrt, der Aufl&ouml;sungsverlust sei 2009 entstanden. Zu diesem Zeitpunkt habe der Kl&auml;ger nicht mehr mit R&uuml;ckzahlungen von der GmbH rechnen k&ouml;nnen. Ein Finanzplandarlehen sei nicht gew&auml;hrt worden. Das Darlehen sei von beiden Seiten k&uuml;ndbar gewesen. Deswegen liege auch kein krisenbestimmtes Darlehen vor. Vor dem 1.&nbsp;Januar 2000 habe sich die GmbH auch nicht in der Krise befunden. Davon sei der Senat aufgrund der Gesamtw&uuml;rdigung der Umst&auml;nde &uuml;berzeugt. Der vor&uuml;bergehende Verlust von mehr als der H&auml;lfte des Stammkapitals sei nach h&ouml;chstrichterlicher Rechtsprechung nur ein Indiz f&uuml;r die Krise. Im Streitfall spr&auml;chen andere gewichtige Indizien gegen die Krise, wobei in F&auml;llen der Betriebsaufspaltung f&uuml;r die Frage der Krise eine Gesamtbeurteilung von Besitz- und Betriebsunternehmen vorzunehmen sei (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 14.&nbsp;Oktober 2009 X&nbsp;R&nbsp;45\/06, BFHE 227, 50, BStBl II 2010, 274). So habe die GmbH bis zur Aufgabe des Betriebs (Herstellung und Handel mit X) Ende 1998 jedes Jahr hohe Erl&ouml;se und in allen Jahren mit Ausnahme des Jahrs 1995 ein positives Gesamtergebnis erzielt. Daraus ergebe sich eine positive Fortf&uuml;hrungsprognose. Ansonsten h&auml;tte ein Dritter das Gesch&auml;ft nicht f&uuml;r 700.000&nbsp;DM erworben. Bei den vor dem 1.&nbsp;Januar 2000 gew&auml;hrten Darlehen handele es sich deshalb um Darlehen, die beim Eintritt der Krise mit dem gemeinen Wert zu bewerten seien, den das FA zutreffend mit 0&nbsp;EUR angenommen habe. Die nachtr&auml;glich geltend gemachten weiteren Aufwendungen seien nicht nachgewiesen. Es sei auch nicht ersichtlich, weshalb der Kl&auml;ger sie &uuml;bernommen habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision erheben die Kl&auml;ger die Sachr&uuml;ge (Verletzung von &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;4 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben, den Verlust aus Gewerbebetrieb um 167.979&nbsp;EUR h&ouml;her anzusetzen und den angefochtenen Einkommensteuerbescheid in Gestalt der dazu ergangenen Einspruchsentscheidung entsprechend zu &auml;ndern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Senat geht davon aus, dass im Revisionsverfahren nur noch streitig ist, ob die vor dem 30.&nbsp;November 2000 gew&auml;hrten Darlehen eigenkapitalersetzend waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. a) Zu den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb geh&ouml;rt auch der Gewinn oder Verlust aus der Aufl&ouml;sung einer Kapitalgesellschaft, wenn der Gesellschafter innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre am Kapital der Gesellschaft zu mindestens 1&nbsp;% beteiligt war (&sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EStG). Der Gewinn oder Verlust ist stichtagsbezogen auf den Zeitpunkt zu ermitteln, in dem er entstanden ist. Ein Verlust aus der Aufl&ouml;sung einer Kapitalgesellschaft ist entstanden, wenn der gemeine Wert des dem Steuerpflichtigen zugeteilten oder zur&uuml;ckgezahlten Verm&ouml;gens einerseits (&sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG) und die Liquidations- und Anschaffungskosten des Gesellschafters andererseits (&sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG) feststehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Zwischen den Beteiligten ist nicht streitig, dass dem Kl&auml;ger aus der Aufl&ouml;sung der GmbH ein nach &sect;&nbsp;17 EStG steuerbarer Verlust entstanden ist, der im Jahr 2009 ber&uuml;cksichtigt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Aufl&ouml;sungsgewinn i.S. des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1, 2 und 4 EStG ist der Betrag, um den der gemeine Wert des dem Steuerpflichtigen zugeteilten oder zur&uuml;ckgezahlten Verm&ouml;gens der Kapitalgesellschaft die im Zusammenhang mit der Aufl&ouml;sung der Gesellschaft vom Steuerpflichtigen pers&ouml;nlich getragenen Kosten sowie seine Anschaffungskosten &uuml;bersteigt. Aufl&ouml;sungsverlust ist der Betrag, um den die vom Gesellschafter getragenen Anschaffungs- und Aufl&ouml;sungskosten den gemeinen Wert des dem Gesellschafter zugeteilten oder zur&uuml;ckgezahlten Verm&ouml;gens &uuml;bersteigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zwar ist mit der Aufhebung des Eigenkapitalersatzrechts durch das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bek&auml;mpfung von Missbr&auml;uchen (MoMiG) vom 23.&nbsp;Oktober 2008 (BGBl I 2008, 2026) die gesetzliche Grundlage f&uuml;r die bisherige Rechtsprechung zur Ber&uuml;cksichtigung von Aufwendungen des Gesellschafters aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen entfallen. Der Senat hat insofern neue Grunds&auml;tze formuliert (vgl. Senatsurteil vom 11.&nbsp;Juli 2017 IX&nbsp;R&nbsp;36\/15, Deutsches Steuerrecht 2017, 2098). Aus Gr&uuml;nden des Vertrauensschutzes wendet der Senat jedoch die bislang geltenden Grunds&auml;tze weiter an, wenn der Gesellschafter (nach seinem Vortrag) eine eigenkapitalersetzende Finanzierungshilfe bis zum 27.&nbsp;September 2017 geleistet hat oder wenn eine Finanzierungshilfe des Gesellschafters (nach seinem Vortrag) bis zu diesem Tag eigenkapitalersetzend geworden ist. Diese Voraussetzungen liegen im Streitfall vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Zu den nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten geh&ouml;ren nach den unter Geltung des Eigenkapitalersatzrechts entwickelten Grunds&auml;tzen u.a. auch Aufwendungen des Gesellschafters, die durch das Gesellschaftsverh&auml;ltnis veranlasst und weder Werbungskosten bei den Eink&uuml;nften aus Kapitalverm&ouml;gen noch Ver&auml;u&szlig;erungs- oder Aufl&ouml;sungskosten sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Zu in diesem Sinne funktionellem Eigenkapital werden Finanzierungshilfen oder Finanzierungsma&szlig;nahmen, wenn der Gesellschafter der Gesellschaft in der Krise der Gesellschaft ein Darlehen gew&auml;hrt und dieses eigenkapitalersetzenden Charakter hat. Davon ist auszugehen, wenn die Gesellschaft im Zeitpunkt der Gew&auml;hrung des Darlehens entweder insolvenzreif ist oder, sofern Insolvenzreife noch nicht eingetreten ist, wenn die R&uuml;ckzahlung des Darlehens angesichts der finanziellen Situation der Gesellschaft in einem Ma&szlig;e gef&auml;hrdet erscheint, dass ein ordentlicher Kaufmann das Risiko der Kreditgew&auml;hrung nicht mehr eingegangen w&auml;re, d.h., wenn die Gesellschaft unter den bestehenden Verh&auml;ltnissen von einem Dritten einen Kredit zu markt&uuml;blichen Bedingungen nicht mehr erhalten h&auml;tte. F&auml;llt der Gesellschafter bei Aufl&ouml;sung der Gesellschaft mit einem in der Krise gew&auml;hrten Darlehen aus, f&uuml;hrt das zu nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten auf die Beteiligung in H&ouml;he des Nennwerts des Darlehens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Ob und zu welchem Zeitpunkt die Krise eingetreten ist, h&auml;ngt von den Umst&auml;nden des Einzelfalls ab und ist im Wesentlichen Tatfrage. Die revisionsrechtliche Nachpr&uuml;fung beschr&auml;nkt sich darauf, ob das FG im Rahmen der Gesamtw&uuml;rdigung von zutreffenden Kriterien ausgegangen ist, alle ma&szlig;geblichen Beweisanzeichen in seine Beurteilung einbezogen und dabei nicht gegen Denkgesetze oder Erfahrungss&auml;tze versto&szlig;en hat. Fehlt es an einer tragf&auml;higen Tatsachengrundlage f&uuml;r die Folgerungen in der tatrichterlichen Entscheidung oder fehlt die nachvollziehbare Ableitung dieser Folgerungen aus den festgestellten Tatsachen und Umst&auml;nden, so liegt darin ein Fehler der Rechtsanwendung, der ohne besondere R&uuml;ge vom Revisionsgericht beanstandet werden kann (ausf&uuml;hrlich z.B. BFH-Urteile vom 2.&nbsp;Dezember 2004 III&nbsp;R&nbsp;49\/03, BFHE 208, 531, BStBl II 2005, 483; vom 20.&nbsp;Juni 2012 X&nbsp;R&nbsp;20\/11, BFH\/NV 2012, 1778).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die W&uuml;rdigung des FG, wonach sich die GmbH bis zur Aufgabe des Betriebs (Herstellung und Handel mit X) und vor der Rangr&uuml;cktrittserkl&auml;rung des Gesellschafters nicht in der Krise befunden habe, h&auml;lt rechtlicher Nachpr&uuml;fung stand. Sie ber&uuml;cksichtigt s&auml;mtliche im Streitfall festgestellten Umst&auml;nde und ist im Ergebnis zumindest m&ouml;glich. Daran ist der BFH gebunden (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zwar ist nach der Rechtsprechung der Verlust von mehr als der H&auml;lfte des Stammkapitals insbesondere dann, wenn das Anlageverm&ouml;gen nicht &uuml;ber erhebliche stille Reserven verf&uuml;gt, ein Indiz daf&uuml;r, dass die Gesellschaft nicht mehr kreditw&uuml;rdig ist (vgl. BFH-Urteil vom 13.&nbsp;Juli 1999 VIII&nbsp;R&nbsp;31\/98, BFHE 189, 390, BStBl II 1999, 724). Damit ist die Annahme der Krise jedoch nicht zwingend vorgegeben. Insbesondere ist diese Rechtsprechung nicht zu F&auml;llen einer Betriebsaufspaltung ergangen, die typischerweise dadurch gekennzeichnet sind, dass das Betriebsunternehmen infolge der Aufspaltung nicht &uuml;ber das notwendige Anlageverm&ouml;gen verf&uuml;gt und deshalb von vornherein mangels Sicherheiten nur eingeschr&auml;nkt kreditw&uuml;rdig w&auml;re. Im &Uuml;brigen kann jedes Indiz im Einzelfall durch andere Umst&auml;nde entkr&auml;ftet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Insofern hat das FG zu Recht ber&uuml;cksichtigt, dass der Verlust des Stammkapitals nur vor&uuml;bergehend war. Au&szlig;erdem hat das FG die gleichbleibend hohen Umsatzerl&ouml;se der GmbH und die stets (bis auf eine Ausnahme) positiven Jahresergebnisse dahin gew&uuml;rdigt, dass jedenfalls eine positive Fortf&uuml;hrungsprognose bestand. Dabei hat es auch die tats&auml;chliche Entwicklung ber&uuml;cksichtigt, und dass der Kl&auml;ger das Unternehmen, bestehend aus Besitz- und Betriebsunternehmen, im Jahr 1998 mit Gewinn ver&auml;u&szlig;ern konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die darin zum Ausdruck kommende und vom FG auch ausdr&uuml;cklich bejahte Einheitsbetrachtung von Besitz- und Betriebsunternehmen begegnet, entgegen der Ansicht der Kl&auml;ger, ebenfalls keinen durchgreifenden rechtlichen Bedenken. Ergibt sich die buchm&auml;&szlig;ige &Uuml;berschuldung der Betriebskapitalgesellschaft vor allem aus der Aufspaltung des Betriebs in zwei rechtlich selbst&auml;ndige Unternehmen, so ist es nicht zu beanstanden, wenn eine Krise des Betriebsunternehmens verneint wird, solange das Besitzunternehmen noch kreditw&uuml;rdig ist und seinen Kredit vereinbarungsgem&auml;&szlig; und nach Bedarf dem Betriebsunternehmen zur Verf&uuml;gung stellt. So liegt nach den tats&auml;chlichen Feststellungen des FG der Streitfall. Ohne das zum Betrieb (Herstellung und Handel mit X) erforderliche Anlageverm&ouml;gen, das dem Besitzunternehmen zugeordnet war, verf&uuml;gte die GmbH von Anfang an &uuml;ber keine eigenen Sicherheiten und war nach dem Verlust von mehr als der H&auml;lfte des Stammkapitals &#8211;f&uuml;r sich betrachtet&#8211; kaum noch kreditw&uuml;rdig. Hingegen konnte das Einzelunternehmen den zum Betrieb der GmbH erforderlichen Kreditbedarf bis zum Schluss gew&auml;hrleisten und hat dies auch getan. Bei dieser Sachlage ist es nicht zu beanstanden, wenn das FG eine Krise der GmbH trotz buchm&auml;&szlig;iger &Uuml;berschuldung verneint hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.10.2017, IX R 51\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.111017.IXR51.15.0 Aufl&ouml;sung einer Kapitalgesellschaft &#8211; nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten &#8211; Feststellung der Krise bei der Betriebsgesellschaft im Fall einer Betriebsaufspaltung &#8211; Rechtslage vor MoMiG Leits&auml;tze NV: Ergibt sich die buchm&auml;&szlig;ige &Uuml;berschuldung der Betriebskapitalgesellschaft vor allem aus der Aufspaltung des Betriebs in zwei rechtlich selbst&auml;ndige Unternehmen, so ist es nicht zu beanstanden, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-51-15-aufloesung-einer-kapitalgesellschaft-nachtraegliche-anschaffungskosten-feststellung-der-krise-bei-der-betriebsgesellschaft-im-fall-einer-betriebsaufspaltung-rechtslage-vor-momig\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;51\/15 &#8211; Aufl&ouml;sung einer Kapitalgesellschaft &#8211; nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten &#8211; Feststellung der Krise bei der Betriebsgesellschaft im Fall einer Betriebsaufspaltung &#8211; Rechtslage vor MoMiG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-68969","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68969","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68969"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68969\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}