{"id":68972,"date":"2018-02-14T11:12:08","date_gmt":"2018-02-14T09:12:08","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=68972"},"modified":"2018-02-14T11:12:08","modified_gmt":"2018-02-14T09:12:08","slug":"vi-r-31-16-doppelte-haushaltsfuehrung-hauptwohnung-am-beschaeftigungsort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-31-16-doppelte-haushaltsfuehrung-hauptwohnung-am-beschaeftigungsort\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;31\/16 &#8211; Doppelte Haushaltsf&uuml;hrung &#8211; Hauptwohnung am Besch&auml;ftigungsort"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.11.2017, VI R 31\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.161117.VIR31.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Doppelte Haushaltsf&uuml;hrung &#8211; Hauptwohnung am Besch&auml;ftigungsort<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Eine doppelte Haushaltsf&uuml;hrung liegt nicht vor, wenn die Hauptwohnung, d.h. der &quot;eigene Hausstand&quot; i.S. des &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 2 EStG, ebenfalls am Besch&auml;ftigungsort belegen ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die Hauptwohnung ist i.S. von &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 2 EStG am Besch&auml;ftigungsort belegen, wenn der Steuerpflichtige von dieser seine Arbeitsst&auml;tte in zumutbarer Weise t&auml;glich erreichen kann. Die Entscheidung dar&uuml;ber obliegt in erster Linie der tatrichterlichen W&uuml;rdigung durch das FG.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;ger gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 16. Juni 2016&nbsp;&nbsp;1 K 3229\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob die Voraussetzungen einer doppelten Haushaltsf&uuml;hrung vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind seit Oktober 2010 verheiratet und wurden f&uuml;r das Streitjahr (2013) zur Einkommensteuer zusammen veranlagt. Der Kl&auml;ger war nichtselbst&auml;ndig in A t&auml;tig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und die beiden Kinder der Kl&auml;gerin wohnten im Streitjahr in B. Ab M&auml;rz 2013 bewohnte der Kl&auml;ger zudem eine Wohnung in A. Von dieser suchte er unter der Woche seine in der N&auml;he gelegene Arbeitsst&auml;tte auf. In der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr machte der Kl&auml;ger Fahrten zwischen Wohnung und regelm&auml;&szlig;iger Arbeitsst&auml;tte sowie &#8211;vergeblich&#8211; Mehraufwendungen f&uuml;r eine doppelte Haushaltsf&uuml;hrung in H&ouml;he von insgesamt 15.750&nbsp;EUR geltend. Den Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid 2013 vom 24.&nbsp;April 2014 wies der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) mit Einspruchsentscheidung vom 9.&nbsp;September 2014 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die daraufhin erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2016, 1423 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden ab. Eine steuerlich anzuerkennende doppelte Haushaltsf&uuml;hrung liege nicht vor. Der Kl&auml;ger k&ouml;nne von seiner Hauptwohnung seine Arbeitsst&auml;tte in zumutbarer Weise t&auml;glich aufsuchen. Der Ort des eigenen Hausstands und der Besch&auml;ftigungsort i.S. von &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (EStG) fielen damit nicht auseinander. Erst- und berufliche Zweitwohnung seien vielmehr am Besch&auml;ftigungsort belegen. In einem solchen Fall komme eine doppelte Haushaltsf&uuml;hrung nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie beantragen,<br \/>das Urteil des FG Baden-W&uuml;rttemberg vom 16.&nbsp;Juni 2016&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;3229\/14 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2013 vom 24.&nbsp;April 2014 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 9.&nbsp;September 2014 dahin zu &auml;ndern, dass das zu versteuernde Einkommen der Kl&auml;ger um 15.750&nbsp;EUR gemindert wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;ger ist unbegr&uuml;ndet und deshalb zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht darauf erkannt, dass die Voraussetzungen einer doppelten Haushaltsf&uuml;hrung im Streitjahr nicht vorlagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 EStG sind notwendige Mehraufwendungen, die einem Arbeitnehmer wegen einer aus beruflichem Anlass begr&uuml;ndeten doppelten Haushaltsf&uuml;hrung entstehen, Werbungskosten, und zwar unabh&auml;ngig davon, aus welchen Gr&uuml;nden die doppelte Haushaltsf&uuml;hrung beibehalten wird. Eine doppelte Haushaltsf&uuml;hrung liegt nur vor, wenn der Arbeitnehmer au&szlig;erhalb des Ortes, in dem er einen eigenen Hausstand unterh&auml;lt, besch&auml;ftigt ist und auch am Besch&auml;ftigungsort wohnt (&sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Ort des eigenen Hausstands und der Besch&auml;ftigungsort m&uuml;ssen demnach auseinanderfallen (Senatsurteile vom 21.&nbsp;Januar 1972 VI&nbsp;R&nbsp;95\/71, BFHE 104, 193, BStBl II 1972, 262; vom 8.&nbsp;Oktober 2014 VI&nbsp;R&nbsp;16\/14, BFHE 247, 406, BStBl II 2015, 511, und vom 7.&nbsp;Mai 2015 VI&nbsp;R&nbsp;71\/14, BFH\/NV 2015, 1240; Schmidt\/ Loschelder, EStG, 36.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;229; Oertel in Kirchhof, EStG, 16.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;99, 108; Bergkemper in Herrmann\/Heuer\/ Raupach &#8211;HHR&#8211;, &sect;&nbsp;9 EStG Rz&nbsp;496; Geserich, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/ Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;G&nbsp;60; Bl&uuml;mich\/Th&uuml;rmer, EStG, &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;325; Cla&szlig;en A. in Lademann, EStG, &sect;&nbsp;9 EStG Rz&nbsp;92; Zimmer in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;1020). Denn nur dann ist der Arbeitnehmer au&szlig;erhalb des Ortes, in dem er einen eigenen Hausstand unterh&auml;lt, i.S. des &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 EStG besch&auml;ftigt. Eine doppelte Haushaltsf&uuml;hrung ist deshalb nicht gegeben, wenn der Steuerpflichtige in einer Wohnung am Besch&auml;ftigungsort aus beruflichen Gr&uuml;nden einen Zweithaushalt f&uuml;hrt und auch der vorhandene &quot;eigene Hausstand&quot; am Besch&auml;ftigungsort belegen ist. Denn dann fallen der Ort des eigenen Hausstands und der Besch&auml;ftigungsort nicht auseinander.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Besch&auml;ftigungsort i.S. des &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 EStG ist der Ort der langfristig und dauerhaft angelegten Arbeitsst&auml;tte (z.B. Senatsurteile vom 11.&nbsp;Mai 2005 VI&nbsp;R&nbsp;7\/02, BFHE 209, 502, BStBl II 2005, 782, und VI&nbsp;R&nbsp;34\/04, BFHE 209, 527, BStBl II 2005, 793, sowie vom 19.&nbsp;September 2012 VI&nbsp;R&nbsp;78\/10, BFHE 239, 80, BStBl II 2013, 284).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Es entspricht der langj&auml;hrigen Rechtsprechung des erkennenden Senats, den Begriff des Besch&auml;ftigungsorts weit auszulegen und darunter insbesondere nicht nur die n&auml;mliche politische Gemeinde, in der die Arbeitsst&auml;tte (jetzt: erste T&auml;tigkeitsst&auml;tte) liegt, zu verstehen. So hatte der Senat bereits mit Urteil vom 9.&nbsp;November 1971 VI&nbsp;R&nbsp;96\/70 (BFHE 103, 506, BStBl II 1972, 134; s.a. Senatsurteil vom 16.&nbsp;Dezember 1981 VI&nbsp;R&nbsp;227\/80, BFHE 135, 57, BStBl II 1982, 302) darauf erkannt, dass ein Arbeitnehmer auch dann am Besch&auml;ftigungsort i.S. des &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;5 EStG wohnt, wenn er in der Umgebung der politischen Gemeinde wohnt, in der sich seine Arbeitsst&auml;tte befindet, und von dort aus zur Arbeitsst&auml;tte f&auml;hrt. An dieser dem Tatbestand der doppelten Haushaltsf&uuml;hrung und dem Veranlassungsprinzip geschuldeten Rechtsprechung hat der Senat grunds&auml;tzlich festgehalten (aus neuerer Zeit z.B. Senatsurteile vom 19.&nbsp;April 2012 VI&nbsp;R&nbsp;59\/11, BFHE 237, 449, BStBl II 2012, 833, und vom 26.&nbsp;Juni 2014 VI&nbsp;R&nbsp;59\/13, BFH\/NV 2015, 10). Er hat entschieden, dass eine Wohnung dem Wohnen am Besch&auml;ftigungsort dient, wenn sie dem Arbeitnehmer ungeachtet von Gemeinde- oder Landesgrenzen erm&ouml;glicht, seine Arbeitsst&auml;tte t&auml;glich aufzusuchen, und hat dies bei Wegezeiten von etwa einer Stunde bejaht (Senatsurteile in BFHE 237, 449, BStBl II 2012, 833, und in BFH\/NV 2015, 10).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Dementsprechend haben auch die Finanzgerichte, die Finanzverwaltung sowie die Kommentarliteratur eine Wohnung am Besch&auml;ftigungsort bejaht, wenn der Arbeitnehmer von dort &uuml;blicherweise t&auml;glich zu seiner Arbeitsst&auml;tte fahren kann (z.B. FG des Saarlandes, Urteil vom 25.&nbsp;Juni 1993&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;189\/92, EFG 1994, 201; FG M&uuml;nster, Urteil vom 19.&nbsp;Oktober 1999&nbsp;&nbsp;13&nbsp;K&nbsp;2468\/94&nbsp;E, juris; FG Hamburg, Urteil vom 26.&nbsp;Februar 2014&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;234\/12, EFG 2014, 1185; FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 16.&nbsp;Dezember 2015&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;7366\/13, EFG 2016, 1005, Revision anh&auml;ngig unter VI&nbsp;R&nbsp;2\/16; Amtliches Lohnsteuer-Handbuch 2013, H&nbsp;9.11 (1-4) &quot;Zweitwohnung am Besch&auml;ftigungsort&quot;; Schmidt\/ Loschelder, a.a.O., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;229; Wagner, in: Heuermann\/Wagner, LohnSt, F, Rz&nbsp;313; Hartz\/Mee&szlig;en\/Wolf, ABC-F&uuml;hrer Lohnsteuer, &quot;Doppelte Haushaltsf&uuml;hrung&quot; Rz&nbsp;47, 48; Oertel in Kirchhof, a.a.O., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;109; Bl&uuml;mich\/Th&uuml;rmer, &sect;&nbsp;9 EStG Rz&nbsp;360; Zimmer in Littmann\/Bitz\/Pust, a.a.O., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;1040; Lochte in Frotscher, EStG, Freiburg 2011, &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;186; Geserich, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2012, 1737, 1740; kritisch aber D&uuml;rr, Deutsche Steuerzeitung 2017, 323).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Entscheidung dar&uuml;ber, ob die fragliche Wohnung so zur Arbeitsst&auml;tte gelegen ist, dass der Arbeitnehmer in zumutbarer Weise t&auml;glich von dort seine Arbeitsst&auml;tte aufsuchen kann, obliegt in erster Linie der tatrichterlichen W&uuml;rdigung durch das FG. Denn die Antwort darauf kann nur aufgrund der Ber&uuml;cksichtigung und W&uuml;rdigung aller wesentlichen Umst&auml;nde des Einzelfalls gegeben werden und ist insbesondere von den individuellen Verkehrsverbindungen und Wegezeiten zwischen der Wohnung und der Arbeitsst&auml;tte abh&auml;ngig; dabei ist naturgem&auml;&szlig; die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte ein wesentliches, allerdings kein allein entscheidungserhebliches Merkmal (Senatsurteile in BFHE 237, 449, BStBl II 2012, 833, und in BFH\/NV 2015, 10).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn eine Mindestentfernung zwischen Haupt- und beruflicher Zweitwohnung bestimmt das Einkommensteuergesetz nicht (Geserich, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, a.a.O., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;G&nbsp;60). Sie k&ouml;nnen sich deshalb in Ausnahmef&auml;llen sogar in derselben politischen Gemeinde befinden (Schmidt\/Loschelder, a.a.O., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;229; HHR\/Bergkemper, &sect;&nbsp;9 EStG Rz&nbsp;496; Bl&uuml;mich\/ Th&uuml;rmer, &sect;&nbsp;9 EStG Rz&nbsp;361; K&uuml;ttner\/Thomas, Personalbuch 2017, Stichwort: Doppelte Haushaltsf&uuml;hrung, Rz&nbsp;11; Zimmer in Littmann\/Bitz\/Pust, a.a.O., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;1040; Fuhrmann in Korn, &sect;&nbsp;9 EStG Rz&nbsp;111.2; s.a. die Vereinfachungsregelung im Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 24.&nbsp;Oktober 2014, BStBl I 2014, 1412, Rz&nbsp;101; wenn ausnahmsweise ein t&auml;gliches Fahren nicht zumutbar erscheint, Geserich, DStR 2012, 1737, 1738).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist die Vorentscheidung nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach den nicht angegriffenen und den Senat bindenden tats&auml;chlichen Feststellungen des FG (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) unterhielt der Kl&auml;ger im Streitjahr zusammen mit der Kl&auml;gerin und deren beiden Kindern einen eigenen Hausstand in B. Das FG hat weiter festgestellt, dass sich die regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte des Kl&auml;gers im Streitjahr unter der Anschrift C in A befand und der Kl&auml;ger diese an 42&nbsp;Tagen mit dem PKW von B und an 178&nbsp;Tagen von seiner Wohnung in A mit &ouml;ffentlichen Verkehrsmitteln aufsuchte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Vorinstanz hat dar&uuml;ber hinaus festgestellt (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO), dass der einfache Arbeitsweg des Kl&auml;gers von B zu seiner regelm&auml;&szlig;igen Arbeitsst&auml;tte in A 36&nbsp;km betrug. Es hat die Fahrzeit f&uuml;r diese Wegstrecke mit dem PKW einschlie&szlig;lich eines Zeitzuschlags aufgrund von Staulagen zu den Hauptverkehrszeiten &quot;im Bereich von einer Stunde&quot; gesch&auml;tzt (&sect;&nbsp;162 der Abgabenordnung i.V.m. &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO). Die Fahrzeit mit &ouml;ffentlichen Verkehrsmitteln hat das FG mit durchschnittlich 1:05 bis 1:11 Stunden festgestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Bei dieser Sachlage ist die tats&auml;chliche W&uuml;rdigung des FG, der Kl&auml;ger habe seine regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte in A von seiner Wohnung in B aus in zumutbarer Weise t&auml;glich aufsuchen k&ouml;nnen, zumindest m&ouml;glich und damit revisionsrechtlich nicht zu beanstanden. Das FG hat in diesem Zusammenhang ausgef&uuml;hrt, unter den Bedingungen einer Gro&szlig;stadt und deren Einzugsbereich seien solche Fahrzeiten zwischen Wohnung und regelm&auml;&szlig;iger Arbeitsst&auml;tte &uuml;blich und ohne weiteres zumutbar. Zutreffend hat es in diesem Zusammenhang neben der reinen Entfernung zwischen Wohnung und regelm&auml;&szlig;iger Arbeitsst&auml;tte sowie der ben&ouml;tigten Fahrzeiten von etwa einer Stunde auch auf das gut ausgebaute Stra&szlig;ennetz und den gut erreichbaren &ouml;ffentlichen Personennahverkehr im Gro&szlig;raum A abgestellt. Das FG hat daher zu Recht entschieden, dass (auch) die Wohnung des Kl&auml;gers in B am Besch&auml;ftigungsort belegen war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Aufwendungen des Kl&auml;gers f&uuml;r die Zweitwohnung in A k&ouml;nnen auch nicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG als Werbungskosten abgezogen werden. Die Aufwendungen f&uuml;r eine (Zweit-)Wohnung sind als Kosten der Lebensf&uuml;hrung grunds&auml;tzlich nicht beruflich veranlasst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus dem Umstand, dass der Kl&auml;ger die Zweitwohnung in A nach den Feststellungen des FG aus beruflichen Gr&uuml;nden gemietet hat, um seine Arbeitsstelle besser und schneller erreichen zu k&ouml;nnen, ergibt sich f&uuml;r den Streitfall nichts anderes. Denn die vom Kl&auml;ger f&uuml;r die Zweitwohnung geltend gemachten Unterkunftskosten dienten jedenfalls auch dem der steuerlich unbeachtlichen Privatsph&auml;re zuzurechnenden Wohnen. Aufwendungen hierf&uuml;r sind auch nach Aufgabe des Aufteilungs- und Abzugsverbots (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 21.&nbsp;September 2009 GrS&nbsp;1\/06, BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672) &#8211;jenseits der vorrangigen Regelung in &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;5 EStG&#8211; grunds&auml;tzlich als nicht abziehbare und nicht aufteilbare Aufwendungen f&uuml;r die Lebensf&uuml;hrung anzusehen (Zimmer in Littmann\/Bitz\/Pust, a.a.O., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;1002).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies gilt hinsichtlich von Unterkunftskosten nach der Rechtsprechung des BFH &#8211;wenn der Regelungsgegenstand des &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;5 EStG betroffen ist&#8211; insbesondere dann, wenn die Voraussetzungen f&uuml;r eine steuerlich anzuerkennende doppelte Haushaltsf&uuml;hrung &#8211;wie vorliegend&#8211; nicht erf&uuml;llt sind (BFH-Urteile vom 13.&nbsp;M&auml;rz 1996 VI&nbsp;R&nbsp;58\/95, BFHE 180, 136, BStBl II 1996, 315; vom 22.&nbsp;April 1998 XI&nbsp;R&nbsp;59\/97, BFH\/NV 1998, 1216, und vom 28.&nbsp;August 2014 V&nbsp;R&nbsp;22\/14, BFH\/NV 2015, 17; jeweils m.w.N.; a.A. HHR\/Bergkemper, &sect;&nbsp;9 EStG Rz&nbsp;490, m.w.N.). Denn &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;5 EStG ist lex specialis zu &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG (Geserich, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/ Mellinghoff, a.a.O., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;G&nbsp;7; Bl&uuml;mich\/Th&uuml;rmer, &sect;&nbsp;9 EStG Rz&nbsp;326; jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.11.2017, VI R 31\/16ECLI:DE:BFH:2017:U.161117.VIR31.16.0 Doppelte Haushaltsf&uuml;hrung &#8211; Hauptwohnung am Besch&auml;ftigungsort Leits&auml;tze 1. Eine doppelte Haushaltsf&uuml;hrung liegt nicht vor, wenn die Hauptwohnung, d.h. der &quot;eigene Hausstand&quot; i.S. des &sect; 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 2 EStG, ebenfalls am Besch&auml;ftigungsort belegen ist. 2. Die Hauptwohnung ist i.S. von &sect; 9 Abs. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-31-16-doppelte-haushaltsfuehrung-hauptwohnung-am-beschaeftigungsort\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;31\/16 &#8211; Doppelte Haushaltsf&uuml;hrung &#8211; Hauptwohnung am Besch&auml;ftigungsort<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-68972","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68972","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68972"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68972\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68972"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68972"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68972"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}