{"id":68978,"date":"2018-02-14T11:07:38","date_gmt":"2018-02-14T09:07:38","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=68978"},"modified":"2018-02-14T11:09:23","modified_gmt":"2018-02-14T09:09:23","slug":"x-b-106-17-unwirksamkeit-einer-klageruecknahme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-106-17-unwirksamkeit-einer-klageruecknahme\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;106\/17 &#8211; Unwirksamkeit einer Klager&uuml;cknahme"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 12.12.2017, X B 106\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:B.121217.XB106.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Unwirksamkeit einer Klager&uuml;cknahme<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Eine Klager&uuml;cknahme kann u.a. dann unwirksam sein, wenn sie auf einer unbewussten Irref&uuml;hrung beruht.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Ob eine unbewusste Irref&uuml;hrung vorliegt, ist eine Tatsachenfrage.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: Erkl&auml;rungen sind im Lichte der jeweiligen Verfahrenslage zu interpretieren.<\/p>\n<\/p>\n<p>4. NV: Ein Rechtsirrtum &uuml;ber die prozessualen Folgen einer Erkl&auml;rung ist kein Versehen nach Art eines Verschreibens.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 19. Mai 2017&nbsp;&nbsp;2 K 154\/15 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) f&uuml;hrte das Klageverfahren 2&nbsp;K&nbsp;77\/15 wegen Einkommensteuer, Gewerbesteuermessbetrag und Umsatzsteuer 2009 bis 2011 vor dem Finanzgericht (FG). Im Rahmen eines Antrags auf Aussetzung der Vollziehung (AdV) gab der Prozessbevollm&auml;chtigte am 21.&nbsp;Mai 2015 pers&ouml;nlich Unterlagen beim Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ab. Am 1.&nbsp;Juni 2015 nahm der Kl&auml;ger die Klage 2&nbsp;K&nbsp;77\/15 zur&uuml;ck. Nach Darstellung des Kl&auml;gers habe der Sachbearbeiter im FA die Pr&uuml;fung der Unterlagen zugesichert und AdV gew&auml;hrt. Darauf habe er in gutem Glauben die Klage zur&uuml;ckgenommen, da er den Zweck der Klage durch Zusage der Pr&uuml;fung als erf&uuml;llt angesehen habe. Das FA &auml;nderte die Bescheide nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragte, das Klageverfahren wieder aufzunehmen. Au&szlig;erdem stellte er einen Antrag auf abweichende Steuerfestsetzung nach &sect;&nbsp;163 der Abgabenordnung (AO). Diesen Antrag lehnte das FA ab. Die dagegen erhobene Klage 2&nbsp;K&nbsp;178\/15 blieb erfolglos. Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision hat der Senat mit Beschluss vom 8.&nbsp;Februar 2017 X&nbsp;B&nbsp;80\/16 (BFH\/NV 2017, 760) als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In dem hier streitgegenst&auml;ndlichen Wiederaufnahmeverfahren 2&nbsp;K&nbsp;154\/15 vernahm das FG in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 19.&nbsp;Mai 2017 den Prozessbevollm&auml;chtigten, dessen fr&uuml;heren Mitarbeiter sowie den Sachbearbeiter des FA als Zeugen zu den Inhalten und Umst&auml;nden des Gespr&auml;chs vom 26.&nbsp;Mai 2015 und wies die Klage ab. Die Klager&uuml;cknahme sei wirksam, die insoweit auf &sect;&nbsp;72 Abs.&nbsp;2 Satz 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) gest&uuml;tzte Klage unbegr&uuml;ndet. Es habe kein schl&uuml;ssiges Verhalten des FA gegeben, das als Zusicherung einer &Auml;nderung der Bescheide zu verstehen gewesen w&auml;re. Der Wiederaufnahmeantrag nach &sect;&nbsp;134 FGO i.V.m. &sect;&sect;&nbsp;578&nbsp;ff. der Zivilprozessordnung (ZPO) sei unzul&auml;ssig, da der Kl&auml;ger keinen Wiederaufnahmegrund dargelegt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision macht der Kl&auml;ger die Zulassungsgr&uuml;nde des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1, 2 FGO geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es bed&uuml;rfe zun&auml;chst einer grundlegenden Entscheidung, ob bei rechtzeitig gef&uuml;hrtem Rechtsbehelf dessen zu fr&uuml;he R&uuml;cknahme in bestem Treu und Glauben die Fortsetzung einer Klage wegen unbewusster Irref&uuml;hrung begr&uuml;nde. W&auml;hrend sich der Senatsbeschluss in BFH\/NV 2017, 760 mit dem Erlass besch&auml;ftige, sollten f&uuml;r die Fortsetzung des Klageverfahrens geringere H&uuml;rden aufgestellt werden. Diese erm&ouml;gliche nur die sachliche Kl&auml;rung und bedeute noch keinen endg&uuml;ltigen Verzicht auf den Steueranspruch, wie es beim Erlass der Fall w&auml;re. Zu dieser Abw&auml;gung bestehe noch kein Urteil.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem bed&uuml;rfe es einer grundlegenden Entscheidung, ob eine nicht umgesetzte &Auml;nderungszusage die Fortsetzung der Klage nach &sect;&nbsp;72 AO (gemeint offenbar &sect;&nbsp;72 FGO) rechtfertige. Tats&auml;chlich habe es eine solche &Auml;nderungszusage auch gegeben. Der Sachbearbeiter habe zwar nicht die vollst&auml;ndige &Auml;nderung der Bescheide zugesagt, wohl aber die &Auml;nderung bei entsprechender materiell-rechtlicher Rechtslage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision sei weiter zur Fortbildung des Rechts dahingehend zuzulassen, dass nicht nur bei schl&uuml;ssigem Verhalten mit Zusicherung eines bestimmten Ergebnisses durch die Finanzverwaltung eine Fortsetzung der Klage begr&uuml;ndet sei, sondern auch bei unbewusster Irref&uuml;hrung durch Zusage der &Uuml;berpr&uuml;fung und &Auml;nderung bei positivem Urteil. Rechtsprechung, die auf diese Differenzierung eingehe, liege nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Schlie&szlig;lich &#8211;dies hilfsweise, da es nach Auffassung des Kl&auml;gers kein direktes positives Urteil zur vorliegenden Konstellation gebe&#8211; sei die Revision zur Sicherung einheitlicher Rechtsprechung zuzulassen. Der Bundesfinanzhof (BFH) habe in seinem Urteil vom 6.&nbsp;Juli 2005 IX&nbsp;R&nbsp;15\/04 (gemeint ersichtlich XI&nbsp;R&nbsp;15\/04, BFHE&nbsp;210, 4, BStBl II&nbsp;2005, 644) die unbewusste Irref&uuml;hrung als ausreichend f&uuml;r die Unwirksamkeit einer Klager&uuml;cknahme angesehen. In der Zusage einer &Auml;nderung nach Pr&uuml;fung, die dann verweigert wurde, sei wenigstens eine solche unbewusste Irref&uuml;hrung zu sehen. Zwar habe das FA nicht zur R&uuml;cknahme der Klage geraten. Aber eine unbewusste Irref&uuml;hrung habe darin gelegen, dass der Kl&auml;gervertreter eindeutig einen formlosen &Auml;nderungsantrag gestellt habe, durch Einspruch, Klage und m&uuml;ndlichen Vortrag im Gespr&auml;ch, und das FA eine &Auml;nderung nach vorheriger Pr&uuml;fung im Telefongespr&auml;ch zugesagt habe. Genau so habe es der Sachbearbeiter des FA in der Zeugenvernehmung auch bekundet. Aus der Begr&uuml;ndung der Klager&uuml;cknahme ergebe sich eindeutig, dass das Klageverfahren dem BFH-Urteil vom 27.&nbsp;Februar 2003 V&nbsp;R&nbsp;87\/01 (BFHE&nbsp;201, 416, BStBl II&nbsp;2003, 505) entsprechend in das schlichte &Auml;nderungsverfahren habe umgewandelt werden sollen. Der BFH habe zudem in seinem Beschluss vom 12.&nbsp;Juni 2015 III&nbsp;B&nbsp;81\/14 (BFH\/NV 2015, 1268) die M&ouml;glichkeit eines offenkundigen Versehens auf rechtskundige Prozessvertreter ausgeweitet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA tritt der Beschwerde entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Die Beschwerde ist, soweit sie &uuml;berhaupt den Darlegungsanforderungen des &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz 3 FGO gen&uuml;gt, zumindest unbegr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Es liegt kein Fall grunds&auml;tzlicher Bedeutung i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Frage, ob unbewusste Irref&uuml;hrung zur Unwirksamkeit einer zu fr&uuml;h zur&uuml;ckgenommenen Klage f&uuml;hren kann, ist weder kl&auml;rungsbed&uuml;rftig noch im Streitfall kl&auml;rungsf&auml;hig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Zum einen ist sie nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, da sie in der Rechtsprechung des BFH bereits gekl&auml;rt ist. Der BFH hat in seinem von dem Kl&auml;ger selbst angef&uuml;hrten Urteil in BFHE&nbsp;210, 4, BStBl II&nbsp;2005, 644 (dort unter II.2.) bereits ausgef&uuml;hrt, dass insbesondere in den F&auml;llen, in denen ein rechtsunkundiger Steuerpflichtiger in unzul&auml;ssiger Weise &#8211;etwa durch Drohung, Druck, T&auml;uschung oder auch unbewusste Irref&uuml;hrung&#8211; zur Abgabe einer solchen Erkl&auml;rung veranlasst worden ist, die Klager&uuml;cknahme unwirksam sein k&ouml;nne. &quot;Insbesondere&quot; bringt zum Ausdruck, dass eine Klager&uuml;cknahme auch eines rechtskundigen oder, wie im Streitfall, rechtskundig beratenen Steuerpflichtigen unter Umst&auml;nden unwirksam sein kann. Nur sind naturgem&auml;&szlig; in letzterem Falle die tats&auml;chlichen Anforderungen, die an die Feststellung unzul&auml;ssiger Beeinflussung zu stellen sind, entsprechend h&ouml;her.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Zum anderen ist die Rechtsfrage auch nicht kl&auml;rungsf&auml;hig. Das FG ist zu dem Ergebnis gekommen, es habe weder Drohung, Druck noch T&auml;uschung und auch keine unbewusste Irref&uuml;hrung vorgelegen (S.&nbsp;5 des Urteils, 3.&nbsp;Absatz). Dabei handelt es sich um eine Frage der tats&auml;chlichen W&uuml;rdigung, die dem FG obliegt. Hiergegen gerichtete Zulassungsgr&uuml;nde hat der Kl&auml;ger nicht vorgebracht. Wenn aber die Feststellung des FG, es fehle an einer unbewussten Irref&uuml;hrung, nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO den Senat bindet, kann eine Rechtsfrage, deren Kl&auml;rung eine unbewusste Irref&uuml;hrung voraussetzt, im Streitfall nicht gekl&auml;rt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Rechtsfrage, die an eine nicht umgesetzte &Auml;nderungszusage ankn&uuml;pft, k&ouml;nnte ebenfalls im Revisionsverfahren nicht gekl&auml;rt werden, da nicht festgestellt worden ist, dass es eine entsprechende &Auml;nderungszusage gegeben habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit der Kl&auml;ger nunmehr erneut vortr&auml;gt, der Sachbearbeiter des FA habe f&uuml;r den Fall entsprechender materiell-rechtlicher Rechtslage eine &Auml;nderung der Bescheide zugesagt, steht dies im Widerspruch zu der den erkennenden Senat bindenden Feststellung des FG, eine derartige Zusicherung habe es nicht gegeben (S.&nbsp;4 des Urteils, 3.&nbsp;Absatz). Das FG hat zwar ausdr&uuml;cklich nur formuliert, der Sachbearbeiter habe keine positive Bescheidung zugesagt. Der Kl&auml;ger macht nunmehr geltend, er habe auch nicht behauptet, der Sachbearbeiter habe eine positive Bescheidung zugesagt, wohl aber, der Sachbearbeiter habe eine positive Bescheidung bei entsprechender materiell-rechtlicher Rechtslage zugesagt. Die den Zusatz &quot;bei entsprechender materiell-rechtlicher Rechtslage&quot; nicht ausdr&uuml;cklich enthaltenden Feststellungen des FG sind aber in der Weise zu verstehen, dass der Sachbearbeiter auch dies nicht zugesagt habe. Es versteht sich auch ohne derartige ausdr&uuml;ckliche Differenzierung von selbst, dass jedwede Zusage nur f&uuml;r den Fall gegolten h&auml;tte, dass die &Auml;nderung der Bescheide der materiell-rechtlichen Rechtslage entspricht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Aus denselben Gr&uuml;nden kann die Revision nicht nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;1 FGO zur Fortbildung des Rechts zugelassen werden. Auch insoweit setzt die Zulassungsr&uuml;ge des Kl&auml;gers voraus, dass tats&auml;chlich eine unbewusste Irref&uuml;hrung vorgelegen h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Revision kann schlie&szlig;lich nicht nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Halbsatz 2 FGO wegen Divergenz zugelassen werden. Der Senat geht nicht n&auml;her auf die aus &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz 3 FGO folgenden Darlegungsanforderungen an eine Divergenzr&uuml;ge ein, da die beanstandeten und angedeuteten Abweichungen jedenfalls nicht vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Eine Divergenz zu dem BFH-Urteil in BFHE&nbsp;210, 4, BStBl II&nbsp;2005, 644 liegt nicht vor. Das FG ist wie diese Entscheidung von dem abstrakten Rechtssatz ausgegangen, dass eine unbewusste Irref&uuml;hrung ausreichend f&uuml;r die Unwirksamkeit einer Klager&uuml;cknahme sein k&ouml;nnte, hat diese lediglich auf der tats&auml;chlichen Ebene verneint.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Es wird nicht deutlich, ob der Kl&auml;ger au&szlig;erdem eine Divergenz zu dem BFH-Urteil in BFHE&nbsp;201, 416, BStBl II&nbsp;2003, 505 r&uuml;gen will und worin diese bestehen sollte. Der BFH hat dort zun&auml;chst er&ouml;rtert, nach welchen Ma&szlig;st&auml;ben zu beurteilen ist, ob eine Eingabe innerhalb der Einspruchsfrist als Einspruch nach &sect;&nbsp;347 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO oder als Antrag auf schlichte &Auml;nderung nach &sect;&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2a AO zu verstehen ist. Er hat dies sodann zu anderweitiger BFH-Rechtsprechung abgegrenzt, nach der die kommentarlose Einreichung einer Steuererkl&auml;rung bei dem FA nach Ergehen der Einspruchsentscheidung und innerhalb der Klagefrist nicht als Erhebung einer schriftlichen Klage beurteilt werden k&ouml;nne. Der Kl&auml;ger macht jedoch geltend, er habe einen schlichten &Auml;nderungsantrag nach &sect;&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2a AO w&auml;hrend eines laufenden Klageverfahrens gestellt. Mit dieser Konstellation und der Frage, welches Schicksal das offene Klageverfahren nehmen k&ouml;nnte, befasst sich das genannte BFH-Urteil jedoch nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Lediglich erg&auml;nzend weist der Senat darauf hin, dass die Frage, ob der Kl&auml;ger tats&auml;chlich am 26.&nbsp;Mai 2015 einen &Auml;nderungsantrag nach &sect;&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;2a AO gestellt hat, f&uuml;r die Frage, ob die Klage wirksam zur&uuml;ckgenommen wurde, in der Sache unerheblich ist. Ob ein &Auml;nderungsantrag gestellt wurde, k&ouml;nnte allenfalls in einem gesonderten Verfahren betreffend diese schlichte &Auml;nderung zu pr&uuml;fen sein. H&ouml;chst vorsorglich weist der Senat allerdings, wie bereits das FA, auf die Fristgebundenheit des Antrags nach &sect;&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Halbsatz&nbsp;1 AO hin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Eine Divergenz zu dem BFH-Beschluss in BFH\/NV 2015, 1268 liegt schlie&szlig;lich auch nicht vor. Der BFH hat in jener Entscheidung den Widerruf einer Beschwerde auch bei einem rechtskundigen Prozessvertreter f&uuml;r m&ouml;glich gehalten (im konkreten Fall allerdings verneint), wenn entweder ein Wiederaufnahmegrund oder ein offenkundiges Versehen vorlag. Eine Abweichung von dieser Entscheidung w&auml;re lediglich dann anzunehmen, wenn im Streitfalle das FG festgestellt h&auml;tte, dass dem Prozessvertreter ein offenkundiges Versehen unterlaufen w&auml;re. Daran fehlt es. F&uuml;r ein derartiges Versehen wie etwa ein Verschreiben (im Falle des BFH-Beschlusses in BFH\/NV 2015, 1268 stand die Verwechselung eines Aktenzeichens zur Diskussion) gibt es hier keine Anhaltspunkte. Der Kl&auml;gervertreter hat die R&uuml;cknahme im Gegenteil bewusst erkl&auml;rt. Soweit er einem Rechtsirrtum &uuml;ber die Folgen dieser Erkl&auml;rung unterlag, ist dies kein Versehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Entscheidung &uuml;ber die Wiedereinsetzung hat der Kl&auml;ger nicht ger&uuml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Von einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz 2 Halbsatz 2 FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 12.12.2017, X B 106\/17ECLI:DE:BFH:2017:B.121217.XB106.17.0 Unwirksamkeit einer Klager&uuml;cknahme Leits&auml;tze 1. NV: Eine Klager&uuml;cknahme kann u.a. dann unwirksam sein, wenn sie auf einer unbewussten Irref&uuml;hrung beruht. 2. NV: Ob eine unbewusste Irref&uuml;hrung vorliegt, ist eine Tatsachenfrage. 3. NV: Erkl&auml;rungen sind im Lichte der jeweiligen Verfahrenslage zu interpretieren. 4. NV: Ein Rechtsirrtum &uuml;ber die prozessualen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-106-17-unwirksamkeit-einer-klageruecknahme\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;B&nbsp;106\/17 &#8211; Unwirksamkeit einer Klager&uuml;cknahme<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-68978","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68978","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68978"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68978\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68978"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68978"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68978"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}