{"id":68995,"date":"2018-02-14T11:10:48","date_gmt":"2018-02-14T09:10:48","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=68995"},"modified":"2018-02-14T11:10:48","modified_gmt":"2018-02-14T09:10:48","slug":"iii-r-6-17-festsetzungsverjaehrung-bei-leichtfertiger-steuerverkuerzung-nach-fehlerhafter-oeffentlicher-zustellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-6-17-festsetzungsverjaehrung-bei-leichtfertiger-steuerverkuerzung-nach-fehlerhafter-oeffentlicher-zustellung\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;6\/17 &#8211; Festsetzungsverj&auml;hrung bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung nach fehlerhafter &ouml;ffentlicher Zustellung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.9.2017, III R 6\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.130917.IIIR6.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Festsetzungsverj&auml;hrung bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung nach fehlerhafter &ouml;ffentlicher Zustellung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Ein Bescheid, dessen &ouml;ffentliche Zustellung wegen des fehlenden Hinweises gem&auml;&szlig; &sect; 10 Abs. 2 Satz 3 VwZG unwirksam ist, geht dem Adressaten zu, wenn er seinem Prozessbevollm&auml;chtigten durch Akteneinsicht tats&auml;chlich zur Kenntnis gelangt. Insoweit ist es unerheblich, ob sich das Original oder die Kopie des Bescheides in der Akte befand.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: In F&auml;llen leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung wird der Ablauf der Festsetzungsfrist bis zum Eintritt der f&uuml;nfj&auml;hrigen Verfolgungsverj&auml;hrung gehemmt, die erst mit dem Erfolg der Handlung oder der Unterlassung beginnt &#8211;hier der letztmals zu Unrecht erlangten Kindergeldzahlung&#8211;, vor ihrem Ablauf durch die Bekanntgabe der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens unterbrochen wird und nach dieser Unterbrechung von neuem beginnt.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 4. November 2016&nbsp;&nbsp;8 K 1854\/14 <noindex>Kg,AO<\/noindex> aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) erhielt zun&auml;chst laufend Kindergeld f&uuml;r seine drei Kinder, die im M&auml;rz 1990, im April 1991 und im September 1992 geboren wurden. Nachdem der Beklagten und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse) vom Einwohnermeldeamt mitgeteilt worden war, dass der Kl&auml;ger am 31.&nbsp;August 2008 nach Italien verzogen sei, hob sie die Kindergeldfestsetzung mit &ouml;ffentlich zugestelltem Bescheid vom 5.&nbsp;Mai 2009 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ab September 2008 auf und forderte das f&uuml;r September 2008 bis M&auml;rz 2009 gezahlte Kindergeld zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das von der Bu&szlig;geld- und Strafsachenstelle der Familienkasse eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde wegen des Auslandsaufenthaltes des Kl&auml;gers im Juni 2010 vorl&auml;ufig eingestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Januar 2014 teilte die Stadt H. der Familienkasse mit, dass der Kl&auml;ger in eine dortige Wohnung eingezogen sei. Die Bu&szlig;geld- und Strafsachenstelle der Familienkasse gab dem Kl&auml;ger mit Schreiben vom 17.&nbsp;Februar 2014 die Einleitung eines steuerstrafrechtlichen Ermittlungsverfahrens gegen ihn bekannt. Dabei verwies sie auf den dem Bescheid vom 5.&nbsp;Mai 2009 zugrunde liegenden Sachverhalt. Die Bu&szlig;geld- und Strafsachenstelle der Familienkasse stellte das Ermittlungsverfahren jedoch im Mai 2014 ein, weil die zu erwartende Strafe neben einer Geldstrafe, zu der der Kl&auml;ger aus anderen Gr&uuml;nden verurteilt worden war, nicht betr&auml;chtlich ins Gewicht falle.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den nach Akteneinsicht des Prozessbevollm&auml;chtigten am 24.&nbsp;April 2014 eingelegten Einspruch gegen den Aufhebungs- und R&uuml;ckforderungsbescheid vom 5.&nbsp;Mai 2009 verwarf die Familienkasse wegen Verfristung als unzul&auml;ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dagegen gerichtete Klage hatte hinsichtlich des Zeitraumes September bis Dezember 2008 Erfolg. Das Finanzgericht (FG) entschied, die Festsetzungsfrist sei durch die &ouml;ffentliche Zustellung des Aufhebungs- und R&uuml;ckforderungsbescheides vom 5.&nbsp;Mai 2009 nicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) gewahrt worden, da sie wegen des fehlenden Hinweises gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 des Verwaltungszustellungsgesetzes (VwZG) unwirksam gewesen sei und die sp&auml;tere Heilung des Zustellungsmangels durch den Zugang des Bescheides nach den Grunds&auml;tzen des Senatsurteils vom 30.&nbsp;August 2012 III&nbsp;R&nbsp;46\/10 (BFH\/NV 2013, 3) keine Fristwahrung bewirke. Die Festsetzungsfrist f&uuml;r die Aufhebung der Kindergeldfestsetzung f&uuml;r September bis Dezember 2008 habe mit Ablauf des Jahres 2008 begonnen und gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO sp&auml;testens mit Ablauf des Jahres 2013 geendet. Sie verl&auml;ngere sich nicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO auf zehn Jahre, da die Voraussetzungen einer vors&auml;tzlichen Steuerhinterziehung nicht festgestellt werden k&ouml;nnten. Die Ermittlungen der Bu&szlig;geld- und Strafsachenstelle h&auml;tten den Ablauf der Festsetzungsfrist nicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO gehemmt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen, d.h. hinsichtlich der Aufhebung der Kindergeldfestsetzung f&uuml;r den Zeitraum ab Januar 2009, sei die Klage hingegen unbegr&uuml;ndet. Da der Kl&auml;ger in deutscher und italienischer Sprache &uuml;ber die Bedeutung des Wegzugs f&uuml;r den Kindergeldanspruch belehrt worden sei, verl&auml;ngere sich die Festsetzungsfrist wegen leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO auf f&uuml;nf Jahre. Der Mangel der Zustellung des Aufhebungs- und R&uuml;ckforderungsbescheides sei gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;8 VwZG durch den tats&auml;chlichen Zugang im Jahr 2014 geheilt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse r&uuml;gt die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt,<br \/>das FG-Urteil aufzuheben, soweit es den Aufhebungs- und R&uuml;ckforderungsbescheid vom 5.&nbsp;Mai 2009 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 23.&nbsp;Mai 2014 f&uuml;r den Zeitraum von September 2008 bis Dezember 2008 aufgehoben hat, und die Klage auch insoweit abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hat sich nicht ge&auml;u&szlig;ert und keinen Antrag gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des FG-Urteils, soweit es der Klage f&uuml;r den Zeitraum September 2008 bis Dezember 2008 stattgegeben hat und zur Abweisung der Klage auch insoweit (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Aufhebung der Kindergeldfestsetzung f&uuml;r diesen Zeitraum erfolgte materiell zu Recht und auch innerhalb der Festsetzungsfrist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Da der Kl&auml;ger seinen inl&auml;ndischen Wohnsitz (&sect;&nbsp;8 AO) im August 2008 aufgegeben hat und sich danach auch nicht mehr gew&ouml;hnlich im Inland aufhielt (&sect;&nbsp;9 AO), konnte er seit September 2008 kein Kindergeld mehr beanspruchen (&sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG); er bezog das bis M&auml;rz 2009 weiter gezahlte Kindergeld mithin zu Unrecht. Die Familienkasse war auch nach &sect;&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 EStG berechtigt, die Festsetzung r&uuml;ckwirkend auf den Zeitpunkt des Wegfalls der Anspruchsvoraussetzungen aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Aufhebungsbescheid vom 5.&nbsp;Mai 2009 ist dem Kl&auml;ger vor dem von ihm am 24.&nbsp;April 2014 eingelegten Einspruch zugegangen. Der vom FG festgestellte Zustellungsmangel war heilungsf&auml;hig (vgl. Kugelm&uuml;ller-Pugh in Beermann\/Gosch, VwZG &sect;&nbsp;8 Rz&nbsp;14, m.w.N.) und wurde geheilt, indem der Bescheid dem Prozessbevollm&auml;chtigten des Kl&auml;gers infolge seiner Akteneinsicht tats&auml;chlich zur Kenntnis gelangte (&sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 AO a.F., &sect;&nbsp;8 VwZG). Insoweit ist es unerheblich, ob sich das Original oder die Kopie des Bescheides in der Akte befand (vgl. Kugelm&uuml;ller-Pugh in Beermann\/Gosch, VwZG &sect;&nbsp;8 Rz&nbsp;21&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Festsetzungsfrist war zu diesem Zeitpunkt &#8211;im April 2014&#8211; auch hinsichtlich des Kindergeldes f&uuml;r September 2008 bis Dezember 2008 noch nicht abgelaufen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Kl&auml;ger lie&szlig; die Familienkasse pflichtwidrig &uuml;ber steuerlich erhebliche Tatsachen in Unkenntnis (&sect;&nbsp;370 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 i.V.m. &sect;&nbsp;378 Abs.&nbsp;1 AO), indem er der Familienkasse entgegen &sect;&nbsp;68 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG seinen Wegzug nicht mitteilte. Die unterbliebene Mitteilung war urs&auml;chlich daf&uuml;r, dass die Festsetzung nicht aufgehoben und das Kindergeld f&uuml;r September 2008 bis M&auml;rz 2009 weiter ausgezahlt wurde. Mit dem nach &sect;&nbsp;31 Satz&nbsp;3 EStG als Steuerverg&uuml;tung gew&auml;hrten Kindergeld erlangte er f&uuml;r sich einen nicht gerechtfertigten Steuervorteil (&sect;&nbsp;370 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 i.V.m. &sect;&nbsp;378 Abs.&nbsp;1 AO). Der Kl&auml;ger handelte nach den Feststellungen des FG auch leichtfertig, so dass der Tatbestand der leichtfertigen Steuerverk&uuml;rzung nach &sect;&nbsp;378 AO erf&uuml;llt ist. Die Festsetzungsfrist verl&auml;ngerte sich daher auf f&uuml;nf Jahre (&sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Ablauf der Festsetzungsfrist wird in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO nach &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;7 AO bis zum Eintritt der Verfolgungsverj&auml;hrung gehemmt, die erst mit dem Erfolg der Handlung i.S. von &sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 des Gesetzes &uuml;ber Ordnungswidrigkeiten (OWiG) &#8211;oder wie hier der Unterlassung (&sect;&nbsp;8 OWiG)&#8211; beginnt, d.h. der letztmals zu Unrecht &#8211;durch Steuerhinterziehung oder wie hier durch leichtfertige Steuerverk&uuml;rzung&#8211; erlangten Kindergeldzahlung (Urteile des Bundesfinanzhofs vom 17.&nbsp;Dezember 2015 V&nbsp;R&nbsp;13\/15, BFH\/NV 2016, 534; vom 18.&nbsp;Dezember 2014 III&nbsp;R&nbsp;13\/14, BFH\/NV 2015, 948; vom 26.&nbsp;Juni 2014 III&nbsp;R&nbsp;21\/13, BFHE 247, 102, BStBl II 2015, 886). Es stellt mithin nicht jede monatliche Auszahlung eine beendete Ordnungswidrigkeit dar, was zur Folge h&auml;tte, dass mit der Auszahlung f&uuml;r den entsprechenden Monat auch die Verfolgungsverj&auml;hrung beg&auml;nne (Senatsurteil in BFHE 247, 102, BStBl II 2015, 886, Rz&nbsp;15&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die f&uuml;nfj&auml;hrige Festsetzungsfrist endete mithin nicht vor Ablauf der f&uuml;nfj&auml;hrigen Verfolgungsverj&auml;hrung (&sect;&nbsp;384 AO), die mit der Auszahlung des Kindergeldes f&uuml;r M&auml;rz 2009 begann und vor ihrem Ablauf durch die Bekanntgabe der Einleitung des Ermittlungsverfahrens am 17.&nbsp;Februar 2014 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 OWiG unterbrochen wurde. Die Verfolgungsverj&auml;hrung begann nach dieser Unterbrechung von neuem (&sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 OWiG) und war mithin noch nicht abgelaufen, als dem Kl&auml;ger der Aufhebungsbescheid vom 5.&nbsp;Mai 2009 infolge der Akteneinsicht vor der Einspruchseinlegung am 24.&nbsp;April 2014 zuging.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.9.2017, III R 6\/17ECLI:DE:BFH:2017:U.130917.IIIR6.17.0 Festsetzungsverj&auml;hrung bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung nach fehlerhafter &ouml;ffentlicher Zustellung Leits&auml;tze 1. NV: Ein Bescheid, dessen &ouml;ffentliche Zustellung wegen des fehlenden Hinweises gem&auml;&szlig; &sect; 10 Abs. 2 Satz 3 VwZG unwirksam ist, geht dem Adressaten zu, wenn er seinem Prozessbevollm&auml;chtigten durch Akteneinsicht tats&auml;chlich zur Kenntnis gelangt. 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