{"id":69123,"date":"2018-03-12T17:04:41","date_gmt":"2018-03-12T15:04:41","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69123"},"modified":"2018-03-12T17:04:41","modified_gmt":"2018-03-12T15:04:41","slug":"vii-r-30-15-zum-rechtsschutz-im-fall-eines-beitreibungsersuchens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-30-15-zum-rechtsschutz-im-fall-eines-beitreibungsersuchens\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;30\/15 &#8211; Zum Rechtsschutz im Fall eines Beitreibungsersuchens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 28.11.2017, VII R 30\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2017:U.281117.VIIR30.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zum Rechtsschutz im Fall eines Beitreibungsersuchens<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Einwendungen gegen die Forderungen des um Beitreibung ersuchenden Staats, gegen den urspr&uuml;nglichen Vollstreckungstitel oder gegen den einheitlichen Vollstreckungstitel sind bei der zust&auml;ndigen Instanz des ersuchenden Staats geltend zu machen (&sect; 13 Abs. 2 Satz 1 EUBeitrG).<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Wird das Beitreibungsverfahren ruhend gestellt, um den Ausgang der Verfahren im ersuchenden Staat abzuwarten, ist eine zwischenzeitliche Pr&uuml;fung, ob Beitreibungshilfe aus Rechtsgr&uuml;nden ausscheidet, nicht erforderlich. Erst wenn die Fortsetzung der Beitreibung unmittelbar droht, ist im ersuchten Staat zu pr&uuml;fen, ob die weiteren Voraussetzungen f&uuml;r eine Beitreibung vorliegen.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: Diese Aufteilung entspricht effektivem Rechtsschutz; sie dient der Vermeidung von Doppel- und Mehrfachpr&uuml;fungen und widerstreitender Entscheidungen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 30. September 2015&nbsp;&nbsp;14 K 2097\/13 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) wendet sich gegen Zwangsvollstreckungsma&szlig;nahmen des Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) aufgrund eines Vollstreckungsersuchens der Hellenischen Republik (Griechenland).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger war Leiter der Abteilung Finanzen einer AG und einziger vertretungsberechtigter Vertreter und Vorsitzender des Verwaltungsrats einer Tochter der AG, einer S.A. nach griechischem Recht mit Sitz in Griechenland. Nach einer Betriebspr&uuml;fung der griechischen Finanzbeh&ouml;rden und Sch&auml;tzung der Besteuerungsgrundlagen wurden f&uuml;r die S.A. f&uuml;r die Jahre 1993 bis 2000 Steuern in H&ouml;he von rund &#8230;&nbsp;EUR festgesetzt. Die S.A. legte Rechtsmittel ein und meldete im September 2003 Insolvenz an. Mit zwei Schreiben vom 15.&nbsp;November 2012 teilte das FA dem Kl&auml;ger mit, es sei nach der Richtlinie 2010\/24\/EU des Rates vom 16.&nbsp;M&auml;rz 2010 &uuml;ber die Amtshilfe bei der Beitreibung von Forderungen in Bezug auf bestimmte Steuern, Abgaben und sonstige Ma&szlig;nahmen (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union Nr.&nbsp;L&nbsp;84\/1) um Einziehung gebeten worden, und forderte ihn unter Hinweis auf die beigef&uuml;gten einheitlichen Vollstreckungstitel auf, insgesamt rund &#8230;&nbsp;EUR zu zahlen, andernfalls werde vollstreckt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger legte in Griechenland gegen seine Inanspruchnahme Widerspruch ein und beim FA Einspr&uuml;che gegen die Zahlungsaufforderungen, die das FA als unzul&auml;ssig verwarf, da sie nicht gegen einen Verwaltungsakt gerichtet seien. Gleichzeitig erkl&auml;rte es, dass es der Aufforderung Griechenlands auf Fortsetzung der Beitreibung nicht nachkommen werde, sondern das Verfahren gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;2 des Gesetzes &uuml;ber die Durchf&uuml;hrung der Amtshilfe bei der Beitreibung von Forderungen in Bezug auf bestimmte Steuern, Abgaben und sonstige Ma&szlig;nahmen zwischen den Mitgliedstaaten der Europ&auml;ischen Union (EUBeitrG) i.V.m. &sect;&nbsp;258 der Abgabenordnung (AO) vorerst ruhend stellen werde, bis in Griechenland &uuml;ber einen (noch zu stellenden) Antrag auf Aussetzung der Vollziehung entschieden worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hierauf erhob der Kl&auml;ger Klage und beantragte, die Zahlungsaufforderungen in Gestalt der Einspruchsentscheidung aufzuheben, hilfsweise festzustellen, dass die beiden Zahlungsaufforderungen, die ihnen als Anlage beigef&uuml;gten einheitlichen Vollstreckungstitel sowie die Einspruchsentscheidung rechtswidrig und Vollstreckungsma&szlig;nahmen hieraus unzul&auml;ssig seien, sowie das FA zu verpflichten, Zwangsvollstreckungsma&szlig;nahmen aus dem Beitreibungsersuchen zu unterlassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Au&szlig;erdem stellte er in Griechenland einen Antrag auf Aussetzung des Vollstreckungsverfahrens, der 2013 abgelehnt wurde, sowie einen Antrag auf Zinsverzicht. &Uuml;ber diesen und den Widerspruch war im Zeitpunkt der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem Finanzgericht (FG) noch nicht entschieden worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA erkl&auml;rte im erstinstanzlichen Verfahren noch einmal ausdr&uuml;cklich, (jedenfalls) so lange nicht beizutreiben, bis eine Mitteilung aus Griechenland eingegangen sei, dass alle Klageverfahren einschlie&szlig;lich der pers&ouml;nlichen Verfahren des Kl&auml;gers abgeschlossen seien und die Forderungen (teilweise) Bestand h&auml;tten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG verwarf hierauf die Klage mit in den Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2016, 494 ver&ouml;ffentlichtem Urteil.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich der Kl&auml;ger mit der Revision. Er tr&auml;gt vor, das FG habe zu Unrecht die Zul&auml;ssigkeit der Klage verneint und auf jede weitere Sachaufkl&auml;rung und Beweiserhebung verzichtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des Revisionsverfahrens hat die griechische Steuerverwaltung die Beitreibungsersuchen aktualisiert und die Mehrwertsteuerforderungen einschlie&szlig;lich Zinsen und die K&ouml;rperschaftsteuerforderungen einschlie&szlig;lich Zinsen herabgesetzt. Der Kl&auml;ger hat mitgeteilt, durch den Widerruf des Konkurses der S.A. sei die Grundlage f&uuml;r die Haftung wohl weggefallen, jedoch hafte er f&uuml;r die Zahlung der Umsatzsteuerforderungen, weshalb die griechische Beh&ouml;rde den dem Beitreibungsersuchen zugrunde liegenden Sachverhalt auswechseln und ihn (den Kl&auml;ger) immerhin noch in H&ouml;he von ca. &#8230;&nbsp;EUR (Umsatzsteuer 1999, 2000) in Anspruch nehmen wolle, evtl. auch f&uuml;r S&auml;umniszuschl&auml;ge o.&Auml;. in H&ouml;he von ca. &#8230;&nbsp;EUR. Es sei unklar, ob die Reduzierung der Haftungsforderungen von Dauer sei, zumal die einheitlichen Vollstreckungstitel unver&auml;ndert geblieben und die Zahlungsaufforderungen nicht aufgehoben worden seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Vorentscheidung entspricht Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1.&nbsp;Die gegen die Zahlungsaufforderung gerichtete Anfechtungsklage ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;40 Abs.&nbsp;1 FGO unzul&auml;ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei einer Zahlungsaufforderung, die eine zur Vollstreckung ersuchte Beh&ouml;rde an einen Vollstreckungsschuldner richtet, handelt es sich regelm&auml;&szlig;ig nicht um einen mit einem Rechtsbehelf angreifbaren Verwaltungsakt, sondern um eine blo&szlig;e Vollstreckungsank&uuml;ndigung, also um eine aus Gr&uuml;nden der Zweckm&auml;&szlig;igkeit nach au&szlig;en gerichtete Bekanntmachung einer verwaltungsinternen Ma&szlig;nahme, die den Sinn hat, dem Schuldner die Kontoverbindung mitzuteilen, auf die er mit befreiender Wirkung leisten kann, ihn noch einmal auf den Ernst der Lage hinzuweisen und ihm die Gelegenheit zu geben, zur Abwendung der Vollstreckung freiwillig die R&uuml;ckst&auml;nde zu begleichen, gegebenenfalls auch Rechts- oder Vollstreckungsschutz zu beantragen (Senatsbeschl&uuml;sse vom 30.&nbsp;August 2010 VII&nbsp;B&nbsp;48\/10, BFH\/NV 2010, 2235; vom 8.&nbsp;Februar 2008 VII&nbsp;B&nbsp;156\/07, BFH\/NV 2008, 967; vom 21.&nbsp;August 2000 VII&nbsp;B&nbsp;46\/00, BFH\/NV 2001, 149; vom 13.&nbsp;Februar 1997 VII&nbsp;S&nbsp;35\/96, BFH\/NV 1997, 462; vom 14.&nbsp;Juni 1988 VII&nbsp;B&nbsp;15\/88, BFH\/NV 1989, 75). Besondere Umst&auml;nde, welche die Annahme rechtfertigen k&ouml;nnten, im Streitfall sei nach dem objektiven Empf&auml;ngerhorizont mit den Schreiben des FA eine eigenst&auml;ndige, neben das Vollstreckungsersuchen tretende oder dar&uuml;ber hinausgehende Regelung getroffen oder ein Bescheid bekannt gegeben oder zumindest der Rechtsschein eines solchen gesetzt worden, wurden vom FG nicht festgestellt. Dies gilt unabh&auml;ngig davon, ob dem Kl&auml;ger ein Steuerbescheid oder ein Leistungsgebot Griechenlands zugegangen ist oder nicht. Auch eine Umdeutung kommt nicht in Betracht, weil das FA nicht zum Erlass eines Bescheids an Stelle der griechischen Beh&ouml;rde befugt war (&sect;&nbsp;128 Abs.&nbsp;1 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2.&nbsp;Soweit der Kl&auml;ger eine vorbeugende Unterlassungsklage erhoben bzw. beantragt hat, gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;41 Abs.&nbsp;1 und 2 FGO vorbeugend festzustellen, dass Vollstreckungsma&szlig;nahmen aufgrund der den Zahlungsaufforderungen vom 15.&nbsp;November 2012 beigef&uuml;gten einheitlichen Vollstreckungstitel unzul&auml;ssig seien, ist die Klage unzul&auml;ssig, weil nach den Feststellungen des FG angesichts der Selbstverpflichtung des FA das besondere Rechtsschutzinteresse f&uuml;r eine vorbeugende Unterlassungsklage und das berechtigte Interesse an einer vorbeugenden baldigen Feststellung nicht vorliegen. Insoweit sind letztlich dieselben Umst&auml;nde ma&szlig;gebend:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a)&nbsp;Ein Interesse an solcherart vorbeugendem Rechtsschutz kommt in Betracht, wenn substantiiert und in sich schl&uuml;ssig Umst&auml;nde vorgetragen werden, wonach ein weiteres Abwarten unzumutbar ist, weil ein bestimmtes, k&uuml;nftig zu erwartendes Handeln einer Beh&ouml;rde zu einer nicht oder nur schwerlich wiedergutzumachenden Rechtsverletzung f&uuml;hren w&uuml;rde, die &uuml;ber die reine Geldleistung hinausgehende einschneidende Beeintr&auml;chtigungen mit sich br&auml;chte. Dies ist der Fall, wenn dem Vollstreckungsschuldner erhebliche Nachteile drohen, die seine pers&ouml;nliche oder wirtschaftliche Existenz gef&auml;hrden und die nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen wieder gutzumachen sind (vgl. Senatsurteile vom 24.&nbsp;Februar 2015 VII&nbsp;R&nbsp;1\/14, BFH\/NV 2015, 801; vom 11.&nbsp;Dezember 2012 VII&nbsp;R&nbsp;69\/11, BFH\/NV 2013, 739; vom 3.&nbsp;November 2010 VII&nbsp;R&nbsp;21\/10, BFHE 231, 500, BStBl II 2011, 401; vom 23.&nbsp;November 1993 VII&nbsp;R&nbsp;56\/93, BFHE 173, 201, BStBl II 1994, 356; Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 8.&nbsp;April 2008 VIII&nbsp;R&nbsp;61\/06, BFHE 220, 313, BStBl II 2009, 579; vom 27.&nbsp;Oktober 1993 I&nbsp;R&nbsp;25\/92, BFHE 172, 488, BStBl II 1994, 210). Unzul&auml;ssig ist eine Klage insbesondere dann, wenn sie auf eine rechtsgutachterliche Stellungnahme zu der Frage hinausliefe, unter welchen Voraussetzungen das FA ein Vollstreckungsersuchen ablehnen m&uuml;sste, oder wenn lediglich die hypothetische M&ouml;glichkeit einer sp&auml;teren Rechtsverletzung oder eines sp&auml;teren Schadens geltend gemacht wird (vgl. von&nbsp;Beckerath in Gosch, FGO &sect;&nbsp;41 Rz&nbsp;65; Dumke in Schwarz\/ Pahlke, AO\/FGO, &sect;&nbsp;41 FGO Rz&nbsp;9; Gr&auml;ber\/Levedag, Finanzgerichtsordnung, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;41 Rz&nbsp;12&nbsp;ff.; Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;41 FGO Rz&nbsp;4a).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b)&nbsp;Nach den Feststellungen des FG, gegen die zul&auml;ssige und begr&uuml;ndete Revisionsgr&uuml;nde nicht vorgebracht und die somit f&uuml;r den Senat bindend sind (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO; vgl. etwa BFH-Urteil vom 15.&nbsp;Januar 2013 VIII&nbsp;R&nbsp;22\/10, BFHE 240, 195, BStBl II 2013, 526), drohten dem Kl&auml;ger im Zeitpunkt der m&uuml;ndlichen Verhandlung keine Rechtsnachteile oder Rechtsverletzungen, die sp&auml;ter nicht oder nur schwerlich wieder gutzumachen w&auml;ren. Das FG hat ausdr&uuml;cklich festgestellt, der Kl&auml;ger habe nicht dargelegt, dass trotz des Ruhens des Beitreibungsverfahrens noch eine Unsicherheit bestehe. Dies ist nicht zu beanstanden. Mangels Beitreibung wird es bis zum Abschluss der Verfahren in Griechenland nicht zu einem Schaden oder einer Rechtsverletzung durch das FA kommen. Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass sich das FA nicht an seine Zusage halten k&ouml;nnte oder dass es versuchen k&ouml;nnte, den Kl&auml;ger ohne jede Vorwarnung mit Ma&szlig;nahmen zu &uuml;berraschen, die mit nicht wieder gutzumachenden Nachteilen f&uuml;r ihn, f&uuml;r seine berufliche T&auml;tigkeit, seine Familie oder gesch&uuml;tzte Rechtsg&uuml;ter verbunden sind, gibt es nicht. Das FA hat vielmehr in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem Senat noch einmal wiederholt, dass es bis zum Abschluss der Verfahren in Griechenland keine Ma&szlig;nahmen zur Beitreibung der griechischen Forderungen ergreifen und den Kl&auml;ger vor der Einleitung von Ma&szlig;nahmen unterrichten werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob es nach Abschluss der Verfahren in Griechenland zu einer Rechtsverletzung oder einem nicht wieder gutzumachenden Schaden kommen wird, ist v&ouml;llig offen. Das FA wird nach Abschluss der Verfahren in Griechenland pr&uuml;fen m&uuml;ssen, ob eine Beitreibung auf der Grundlage der Bescheide in der Gestalt, die sie nach Abschluss der Verfahren in Griechenland erhalten haben, erfolgen kann oder ob die Beitreibung i.S. des &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;1&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Alternative EUBeitrG unbillig w&auml;re, ob ein Versto&szlig; gegen den Ordre public in Betracht kommt oder ob die zu vollstreckenden Forderungen i.S. des &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;2 EUBeitrG betagt sind. Dies h&auml;ngt insbesondere davon ab, welche Rechtsgrundlagen sich letztlich als tragend erweisen, welchen Inhalt die Bescheide nach Abschluss der Rechtsschutzverfahren haben, wie die Verfahren abgelaufen sind etc. Dies war im Zeitpunkt der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG (und dem Senat) nicht absehbar. Umst&auml;nde, die eine Vollstreckung unabh&auml;ngig von Ablauf und Ausgang der Verfahren in Griechenland ausschl&ouml;ssen, wurden nicht geltend gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Art.&nbsp;19 Abs.&nbsp;4 des Grundgesetzes (GG) bzw. dem Gebot, effektiven Rechtsschutz zu gew&auml;hren, widersprechende Rechtsschutzl&uuml;cke entsteht nicht, da der Kl&auml;ger Einwendungen gegen die Forderung, den urspr&uuml;nglichen Vollstreckungstitel oder den einheitlichen Vollstreckungstitel bei der zust&auml;ndigen Instanz des ersuchenden Staats &#8211;hier in Griechenland&#8211; geltend machen kann (&sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EUBeitrG) und, wenn das Beitreibungsverfahren &uuml;berhaupt fortgesetzt werden sollte, dann alle Umst&auml;nde vorbringen kann, die im ersuchten Staat zu pr&uuml;fen sind. Einer (wiederholten) &Uuml;berpr&uuml;fung w&auml;hrend der Zeit, in der keine Beitreibung droht, bedarf es nicht. Diese Zuordnung entspricht effektivem Rechtsschutz. Sie dient der Vermeidung von Doppel- und Mehrfachpr&uuml;fungen und widerstreitender Entscheidungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3.&nbsp;Die Klage ist gleichfalls unzul&auml;ssig, soweit der Kl&auml;ger die Feststellung der Rechtswidrigkeit der Zahlungsaufforderungen begehrt, da das FG keine Umst&auml;nde festgestellt hat, die ein berechtigtes Interesse an einer <em>baldigen<\/em> Feststellung begr&uuml;nden (&sect;&nbsp;41 Abs.&nbsp;1 FGO); insoweit gelten die Ausf&uuml;hrungen unter&nbsp;2. entsprechend, wonach der Abschluss der Verfahren in Griechenland abzuwarten ist. Soweit der Zweck der Aufforderungen darin bestand, eine Kontoverbindung mitzuteilen und dem Kl&auml;ger Gelegenheit zu geben, zur Abwendung der Vollstreckung Rechts- und Vollstreckungsschutz zu beantragen, haben die Zahlungsaufforderungen ihren Zweck erf&uuml;llt. Der Kl&auml;ger hat in Griechenland um Rechtsschutz ersucht; die Verfahren waren im Zeitpunkt der letzten m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG (und dem Senat) noch nicht abgeschlossen. Au&szlig;erdem hat er beim FA erreicht, dass dieses von einer Beitreibung abgesehen und zugesagt hat, den Ausgang s&auml;mtlicher Verfahren in Griechenland abzuwarten. Insoweit behauptet jedoch auch der Kl&auml;ger keine Beeintr&auml;chtigung seiner Rechte durch die Zahlungsaufforderungen. Soweit der Kl&auml;ger geltend macht, das FG habe verkannt, dass wegen der Zahlungsaufforderungen die Tatbestandsvoraussetzungen des &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 des Steuerberatungsgesetzes (StBerG) erf&uuml;llt sind, ihm also die Zulassung als Steuerberater entzogen werden k&ouml;nnte mit f&uuml;r ihn und seine Familie existenzvernichtenden Folgen, gen&uuml;gt dies nicht f&uuml;r eine erfolgreiche Revisionsr&uuml;ge. Im &Uuml;brigen bestehen auch keinerlei Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass die ruhend gestellten Aufforderungen zu einer m&ouml;glichen Entziehung der Zulassung oder zu einer sonstigen Belastung des Kl&auml;gers f&uuml;hren k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4.&nbsp;Fragen der Auslegung des Unionsrechts, welche die Einholung einer Vorabentscheidung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union erforderlich machen, stellen sich im Streitfall nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5.&nbsp;Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 28.11.2017, VII R 30\/15ECLI:DE:BFH:2017:U.281117.VIIR30.15.0 Zum Rechtsschutz im Fall eines Beitreibungsersuchens Leits&auml;tze 1. NV: Einwendungen gegen die Forderungen des um Beitreibung ersuchenden Staats, gegen den urspr&uuml;nglichen Vollstreckungstitel oder gegen den einheitlichen Vollstreckungstitel sind bei der zust&auml;ndigen Instanz des ersuchenden Staats geltend zu machen (&sect; 13 Abs. 2 Satz 1 EUBeitrG). 2. NV: Wird &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-30-15-zum-rechtsschutz-im-fall-eines-beitreibungsersuchens\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;30\/15 &#8211; Zum Rechtsschutz im Fall eines Beitreibungsersuchens<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-69123","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69123","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69123"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69123\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69123"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69123"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69123"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}