{"id":69131,"date":"2018-03-12T17:05:10","date_gmt":"2018-03-12T15:05:10","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69131"},"modified":"2018-03-12T17:05:10","modified_gmt":"2018-03-12T15:05:10","slug":"x-r-21-17-beiladung-im-revisionsverfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-21-17-beiladung-im-revisionsverfahren\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;21\/17 &#8211; Beiladung im Revisionsverfahren"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 11.1.2018, X R 21\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:B.110118.XR21.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Beiladung im Revisionsverfahren<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Im Revisionsverfahren ist nur die notwendige Beiladung zul&auml;ssig.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Die Beiladung eines Dritten ist notwendig, wenn die Entscheidung notwendigerweise und unmittelbar Rechte Dritter gestaltet, best&auml;tigt, ver&auml;ndert oder zum Erl&ouml;schen bringt.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: Die Zurechnung von Ums&auml;tzen oder Eink&uuml;nften ist kein Fall der notwendigen Beiladung.<\/p>\n<\/p>\n<p>4. NV: Dasselbe gilt f&uuml;r Schlussfolgerungen aus dieser Zurechnung.<\/p>\n<\/p>\n<p>5. NV: In einer Entscheidung &uuml;ber die Beiladung ist eine Kostenentscheidung nicht zu treffen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beiladung der X GbR sowie des A.X. und der B.X. in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter der X GbR wird abgelehnt.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind zusammen veranlagte Eheleute. Sie erzielten u.a. im Rahmen der X GbR Eink&uuml;nfte aus Land- und Forstwirtschaft. Der Kl&auml;ger war Eigent&uuml;mer verschiedener Grundst&uuml;cke, die steuerlich in seinem Sonderbetriebsverm&ouml;gen bei der GbR erfasst waren und landwirtschaftlich genutzt wurden. Im Zuge der Erschlie&szlig;ung zu Bauland ver&auml;u&szlig;erte der Kl&auml;ger die Grundst&uuml;cke an die Kl&auml;gerin, die sie ihrerseits mit Gewinn an Dritte ver&auml;u&szlig;erte. Die Kl&auml;ger sind der Auffassung, die Kl&auml;gerin und nicht der Kl&auml;ger habe insoweit einen gewerblichen Grundst&uuml;ckshandel betrieben. In der GbR bildete der Kl&auml;ger eine R&uuml;cklage nach &sect;&nbsp;6b des Einkommensteuergesetzes (EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) wie auch das Finanzgericht haben die Eink&uuml;nfte aus gewerblichem Grundst&uuml;ckshandel dem Kl&auml;ger und nicht der Kl&auml;gerin zugerechnet. Das FA erkannte auch die R&uuml;cklage in der GbR nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA hat unter Berufung auf &sect;&nbsp;123 i.V.m. &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO), &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;4, 5 der Abgabenordnung (AO) die Beiladung der Gesellschafter A.X. und B.X. f&uuml;r die GbR angeregt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Senat versteht die Anregung des FA als Antrag und bezieht diesen nicht nur auf die beiden Gesellschafter der GbR, sondern auch auf die GbR selbst, da das FA die begehrte Beiladung gerade auf die Gesellschaftereigenschaft gest&uuml;tzt hat und auch die GbR von der gesonderten Gewinnfeststellung bei der GbR betroffen w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Antrag ist jedoch unbegr&uuml;ndet. Abgesehen davon, dass die Beiladungen der Eheleute X schon deshalb unzul&auml;ssig sein d&uuml;rften, weil sie als Kl&auml;ger Hauptbeteiligte des Rechtsstreits nach &sect;&nbsp;57 Nr.&nbsp;1 FGO sind und als solche nicht beigeladen werden k&ouml;nnen (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 7.&nbsp;M&auml;rz 2006 VII&nbsp;R&nbsp;11\/05, BFHE 212, 11, BStBl II 2006, 573, unter II.6.), fehlt es aber auch an weiteren Voraussetzungen f&uuml;r die Beiladung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;123 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO sind Beiladungen im Revisionsverfahren unzul&auml;ssig. Das gilt nach &sect;&nbsp;123 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO nicht f&uuml;r Beiladungen nach &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 FGO. Nach dieser Vorschrift wiederum sind Dritte notwendig beizuladen, wenn sie an dem streitigen Rechtsverh&auml;ltnis derart beteiligt sind, dass die Entscheidung auch ihnen gegen&uuml;ber nur einheitlich ergehen kann. Notwendig ist danach die Beiladung eines Dritten, wenn die Entscheidung notwendigerweise und unmittelbar Rechte Dritter gestaltet, best&auml;tigt, ver&auml;ndert oder zum Erl&ouml;schen bringt, insbesondere also in F&auml;llen, in denen das, was einen Prozessbeteiligten beg&uuml;nstigt oder benachteiligt, notwendigerweise umgekehrt den Dritten benachteiligen oder beg&uuml;nstigen muss (vgl. BFH-Urteil vom 19.&nbsp;April 1988 VII&nbsp;R&nbsp;56\/87, BFHE 153, 472, BStBl II 1988, 789, unter II.1.). Ein sachlogischer oder rechnerischer Zusammenhang gen&uuml;gt nicht (vgl. BFH-Beschluss vom 4.&nbsp;Juli 2001 VI&nbsp;B&nbsp;301\/98, BFHE 195, 50, BStBl II 2001, 729, unter II.4.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben liegt kein Fall einer notwendigen Beiladung vor. Im Ausgangspunkt streiten die Beteiligten um die Zurechnung von Ums&auml;tzen oder Eink&uuml;nften. Schon im Verh&auml;ltnis zwischen den in Betracht kommenden Zurechnungssubjekten handelt es sich um einen Fall des &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 AO und nicht der notwendigen Beiladung (vgl. BFH-Urteil vom 13.&nbsp;M&auml;rz 1997 III&nbsp;R&nbsp;300\/94, BFH\/NV 1997, 659, unter 2. der Entscheidungsgr&uuml;nde; Leipold in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;60 FGO Rz 125; Brandis in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;60 FGO Rz&nbsp;59; Gr&auml;ber\/Levedag, Finanzgerichtsordnung, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;60 Rz&nbsp;135). Der Entscheidung &uuml;ber die Zurechnung fehlt es an der Gestaltungswirkung f&uuml;r die steuerlichen Verh&auml;ltnisse des anderen Zurechnungssubjekts. Sie verlangt schon materiell-rechtlich nicht zwingend nach einer spiegelverkehrten Behandlung bei einem ggf. beizuladenden Dritten, da die Zurechnung auch scheitern kann, ohne dass eine Zurechnung zu dem Dritten stattfinden muss. Aber auch verfahrensrechtlich greift eine Entscheidung &uuml;ber die Zurechnung bei einem Beteiligten selbst dann nicht unmittelbar in die Rechtssph&auml;re des alternativen Zurechnungssubjekts ein, wenn Spiegelbildlichkeit im vorgenannten Sinne vorhanden ist (vgl. Leipold in HHSp, a.a.O.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dann kann erst recht die Entscheidung &uuml;ber die Zurechnung keine Gestaltungswirkung f&uuml;r die auf dieser Zurechnung aufbauenden weiteren Schlussfolgerungen entfalten, im Streitfall f&uuml;r die Entscheidung &uuml;ber die R&uuml;cklage nach &sect;&nbsp;6b EStG im Rahmen der Gewinnermittlung bei der GbR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ein erstmals im Revisionsverfahren gestellter Antrag auf Beiladung eines Dritten nach &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;5 AO ist unzul&auml;ssig (BFH-Urteil vom 14.&nbsp;November 2007 XI&nbsp;R&nbsp;32\/06, BFH\/NV 2008, 385).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Eine Kostenentscheidung ist nach &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1 FGO nicht zu treffen, da das Verfahren nicht beendet wird. Die Entscheidung &uuml;ber die Beiladung (anders unter bestimmten Voraussetzungen im Beschwerdeverfahren betreffend eine Beiladung; vgl. dazu etwa BFH-Beschluss vom 4.&nbsp;August 1988 VIII&nbsp;B&nbsp;82\/87, BFH\/NV 1989, 249, sowie Senatsbeschluss vom 22.&nbsp;September 2016 X&nbsp;B&nbsp;42\/16, BFH\/NV 2017, 146, unter II.3.) ergeht im sog. unselbst&auml;ndigen Nebenverfahren oder unselbst&auml;ndigen Zwischenverfahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 11.1.2018, X R 21\/17ECLI:DE:BFH:2018:B.110118.XR21.17.0 Beiladung im Revisionsverfahren Leits&auml;tze 1. 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