{"id":69418,"date":"2018-04-25T16:58:07","date_gmt":"2018-04-25T14:58:07","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69418"},"modified":"2018-04-25T16:58:07","modified_gmt":"2018-04-25T14:58:07","slug":"iii-r-16-17-kindergeldanspruch-waehrend-der-untersuchungshaft-eines-kindes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-16-17-kindergeldanspruch-waehrend-der-untersuchungshaft-eines-kindes\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;16\/17 &#8211; Kindergeldanspruch w&auml;hrend der Untersuchungshaft eines Kindes"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 18.1.2018, III R 16\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.180118.IIIR16.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeldanspruch w&auml;hrend der Untersuchungshaft eines Kindes<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Ein Kindergeldanspruch nach &sect;&sect; 62 Abs. 1 Satz 1, 63 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i.V.m. &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG f&uuml;r die Dauer der Untersuchungshaft setzt u.a. eine nur vor&uuml;bergehende Unterbrechung der Ausbildung voraus.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Eine solche lediglich vor&uuml;bergehende Unterbrechung der Berufsausbildung liegt nicht vor, wenn das Kind zwar zu einem Zeitpunkt, in dem es Ausbildungsma&szlig;nahmen durchf&uuml;hrt, in Untersuchungshaft genommen wird, jedoch weder w&auml;hrend der Untersuchungshaft noch im Anschluss an deren Ende eine Ausbildung beginnt oder fortsetzt.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Th&uuml;ringer Finanzgerichts vom 6. April 2017&nbsp;&nbsp;1 K 276\/15 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Th&uuml;ringer Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) ist der Vater eines im Oktober 1991 geborenen Sohnes (S). S schloss im M&auml;rz 2010 einen Vertrag &uuml;ber die Ausbildung zum &#8230; ab. Die Ausbildung begann im August 2010 und sollte bis Februar 2014 dauern.<br \/>In einem gegen S eingeleiteten Strafverfahren wurde diesem vorgeworfen, sich neben weiteren Angeklagten zu einem Raub mit schwerer K&ouml;rperverletzung verabredet zu haben. S wurde deshalb von Oktober 2012 bis November 2013 in Untersuchungshaft genommen. Die Untersuchungshaft fand in einer Justizvollzugsanstalt statt, die f&uuml;r eine Strafhaft von m&auml;nnlichen Personen ab 21&nbsp;Jahren ausgerichtet ist und in der &#8211;unabh&auml;ngig von der Inhaftierung als Untersuchungsgefangener&#8211; keine M&ouml;glichkeit bestand, eine Ausbildung durchzuf&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom &#8230; November 2012 k&uuml;ndigte der Ausbildungsbetrieb das Ausbildungsverh&auml;ltnis unter Hinweis darauf, dass S seit &#8230; Oktober 2012 unentschuldigt im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule gefehlt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der im Dezember 2014 &uuml;ber die Anklage gef&uuml;hrten Hauptverhandlung wurde S freigesprochen. Der Freispruch des S wurde im Jahr 2016 durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs best&auml;tigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 3.&nbsp;September 2014 hob die Beklagte und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse) die gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger f&uuml;r S erfolgte Kindergeldfestsetzung ab November 2012 auf und forderte das f&uuml;r den Zeitraum November 2012 bis Januar 2014 bereits ausbezahlte Kindergeld in H&ouml;he von 2.760&nbsp;EUR vom Kl&auml;ger zur&uuml;ck. Den dagegen gerichteten Einspruch wies die Familienkasse mit Einspruchsentscheidung vom 10.&nbsp;April 2015 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der hiergegen gerichteten Klage f&uuml;r den Zeitraum November 2012 bis November 2013 statt. Im &Uuml;brigen wies es die Klage als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der dagegen gerichteten Revision r&uuml;gt die Familienkasse die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben, soweit das FG den Aufhebungs- und R&uuml;ckforderungsbescheid vom 3.&nbsp;September 2014 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 10.&nbsp;April 2015 f&uuml;r den Zeitraum November 2012 bis November 2013 aufgehoben hat, und die Klage auch insoweit abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils, soweit darin der Klage f&uuml;r den Zeitraum November 2012 bis November 2013 stattgegeben wurde, und zur Zur&uuml;ckverweisung der nicht spruchreifen Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat auf der Grundlage der von ihm getroffenen Feststellungen zu Unrecht entschieden, dass dem Kl&auml;ger f&uuml;r den Zeitraum, in dem sich S in Untersuchungshaft befand, weiterhin Kindergeld f&uuml;r S zustand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Dem Kl&auml;ger stand kein Kindergeldanspruch wegen einer Berufsausbildung des S zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1, 63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a des Einkommensteuergesetzes (EStG) wird ein Kind, das das 18. Lebensjahr, aber noch nicht das 25. Lebensjahr vollendet hat, kindergeldrechtlich ber&uuml;cksichtigt, wenn es f&uuml;r einen Beruf ausgebildet wird. F&uuml;r die Frage, ob das Kind f&uuml;r einen Beruf &quot;ausgebildet wird&quot;, kommt es nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) nicht auf das formale Weiterbestehen eines Ausbildungsverh&auml;ltnisses an, sondern darauf, dass auf die Ausbildung gerichtete Ma&szlig;nahmen tats&auml;chlich durchgef&uuml;hrt werden (Senatsurteile vom 20.&nbsp;Juli 2006 III&nbsp;R&nbsp;69\/04, BFH\/NV 2006, 2067, Rz&nbsp;13, m.w.N.; vom 24.&nbsp;September 2009 III&nbsp;R&nbsp;79\/06, BFH\/NV 2010, 614, Rz&nbsp;14, und vom 5.&nbsp;Juli 2012 III&nbsp;R&nbsp;80\/09, BFHE 238, 76, BStBl II 2012, 816, Rz&nbsp;14; BFH-Urteil vom 23.&nbsp;Januar 2013 XI&nbsp;R&nbsp;50\/10, BFHE 240, 300, BStBl II 2013, 916, Rz&nbsp;13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall ist daher entgegen der Ansicht des Kl&auml;gers nicht darauf abzustellen, ob das Ausbildungsverh&auml;ltnis w&auml;hrend der Inhaftierung des S vom Ausbildungsbetrieb wirksam gek&uuml;ndigt wurde. Denn auch im Falle des Fortbestehens des Ausbildungsverh&auml;ltnisses trat durch die Untersuchungshaft eine Unterbrechung der Ausbildung ein. S f&uuml;hrte w&auml;hrend der Untersuchungshaft jedenfalls weder im Rahmen seines bei dem Ausbildungsbetrieb begonnenen Ausbildungsverh&auml;ltnisses weitere auf die Ausbildung gerichtete Ma&szlig;nahmen (innerbetriebliche Ausbildung, Berufsschulbesuche) durch noch fand in der Haftanstalt eine andere Berufsausbildung statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Bei einer Unterbrechung der Ausbildung durch eine Untersuchungshaft des Kindes hat der Senat im Urteil in BFH\/NV 2006, 2067 einen Kindergeldanspruch nach &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG ausnahmsweise trotz Fehlens von Ausbildungsma&szlig;nahmen anerkannt. Entgegen der Auffassung des FG gen&uuml;gt es aber insoweit nicht, dass das Kind sp&auml;ter freigesprochen wird und deshalb die Unterbrechung seiner Ausbildung nicht zu vertreten hat. Voraussetzung ist vielmehr auch, dass es sich um eine nur vor&uuml;bergehende Unterbrechung der Ausbildung handelt (Senatsurteil in BFH\/NV 2006, 2067, Rz&nbsp;15).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) An letzterer Voraussetzung fehlt es im Streitfall, da S nach den Feststellungen des FG auch nach der im November 2013 beendeten Untersuchungshaft seine Ausbildung in dem Betrieb nicht fortgesetzt und keine auf eine Ausbildung gerichteten Ma&szlig;nahmen mehr durchgef&uuml;hrt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die vom FG getroffenen tats&auml;chlichen Feststellungen reichen nicht aus, um einen Kindergeldanspruch des Kl&auml;gers unter dem Gesichtspunkt zu bejahen, dass S eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatzes nicht beginnen oder fortsetzen konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1, 63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;c EStG wird ein Kind, das das 18.&nbsp;Lebensjahr, aber noch nicht das 25.&nbsp;Lebensjahr vollendet hat, kindergeldrechtlich ber&uuml;cksichtigt, wenn es eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatzes nicht beginnen oder fortsetzen kann. Dabei ist zwar grunds&auml;tzlich jeder Ausbildungswunsch des Kindes zu ber&uuml;cksichtigen; seine Verwirklichung darf jedoch nicht an den pers&ouml;nlichen Verh&auml;ltnissen des Kindes scheitern (BFH-Urteil vom 15.&nbsp;Juli 2003 VIII&nbsp;R&nbsp;71\/99, BFH\/NV 2004, 473, Rz&nbsp;13, m.w.N.). Zudem muss das Kind die Ausbildungsstelle im Falle des Erfolgs seiner Bem&uuml;hungen auch antreten k&ouml;nnen (BFH-Urteil vom 15.&nbsp;Juli 2003 VIII&nbsp;R&nbsp;79\/99, BFHE&nbsp;203, 94, BStBl II 2003, 843, Rz&nbsp;13; Senatsurteil vom 27.&nbsp;September 2012 III&nbsp;R&nbsp;70\/11, BFHE 239, 116, BStBl II 2013, 544, Rz&nbsp;26).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung erfordert dieser Ber&uuml;cksichtigungstatbestand, dass sich das Kind ernsthaft um einen Ausbildungsplatz bem&uuml;ht (Senatsurteile vom 19.&nbsp;Juni 2008 III&nbsp;R&nbsp;66\/05, BFHE 222, 343, BStBl II 2009, 1005, Rz&nbsp;12, und vom 22.&nbsp;September 2011 III&nbsp;R&nbsp;30\/08, BFHE 235, 327, BStBl II 2012, 411, Rz&nbsp;9; BFH-Urteile vom 26.&nbsp;August 2014 XI&nbsp;R&nbsp;14\/12, BFH\/NV 2015, 322, Rz&nbsp;21, und vom 18.&nbsp;Juni 2015 VI&nbsp;R&nbsp;10\/14, BFHE 250, 145, BStBl II 2015, 940, Rz&nbsp;24). Dabei ist das Bem&uuml;hen um einen Ausbildungsplatz glaubhaft zu machen. Pauschale Angaben, das Kind sei im fraglichen Zeitraum ausbildungsbereit gewesen, es habe sich st&auml;ndig um einen Ausbildungsplatz bem&uuml;ht oder sei stets bei der Agentur f&uuml;r Arbeit als ausbildungssuchend gemeldet gewesen, reichen nicht aus. Um einer missbr&auml;uchlichen Inanspruchnahme des Kindergeldes entgegenzuwirken, muss sich die Ausbildungsbereitschaft des Kindes durch belegbare Bem&uuml;hungen um einen Ausbildungsplatz objektiviert haben (Senatsurteile in BFHE 222, 343, BStBl II 2009, 1005, Rz&nbsp;13&nbsp;f., und in BFHE 235, 327, BStBl II 2012, 411, Rz&nbsp;10 f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nachdem das FG im Streitfall einen Kindergeldanspruch bereits nach &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG bejaht hatte, traf es &#8211;aus seiner Sicht zu Recht&#8211; keine Feststellungen zu der weiteren Frage, ob S sich w&auml;hrend seiner Haft ernsthaft und in belegbarer Weise um eine Ausbildungsstelle bem&uuml;ht hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Streitsache wird zur Nachholung entsprechender Feststellungen an das FG zur&uuml;ckverwiesen. Der Senat weist ferner darauf hin, dass das Bestehen einer typischen Unterhaltssituation nach mittlerweile st&auml;ndiger Rechtsprechung nicht mehr als ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal der einzelnen Ber&uuml;cksichtigungstatbest&auml;nde gefordert wird (z.B. Senatsurteile vom 17.&nbsp;Juni 2010 III&nbsp;R&nbsp;34\/09, BFHE 230, 61, BStBl II 2010, 982, Rz&nbsp;13, und vom 8.&nbsp;September 2016 III&nbsp;R&nbsp;27\/15, BFHE 255, 202, BStBl II 2017, 278, Rz&nbsp;28).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 18.1.2018, III R 16\/17ECLI:DE:BFH:2018:U.180118.IIIR16.17.0 Kindergeldanspruch w&auml;hrend der Untersuchungshaft eines Kindes Leits&auml;tze 1. 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