{"id":69420,"date":"2018-04-25T16:58:27","date_gmt":"2018-04-25T14:58:27","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69420"},"modified":"2018-04-25T16:58:27","modified_gmt":"2018-04-25T14:58:27","slug":"vi-r-25-16-steuerpauschalierung-fuer-betrieblich-veranlasste-zuwendungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-25-16-steuerpauschalierung-fuer-betrieblich-veranlasste-zuwendungen\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;25\/16 &#8211; Steuerpauschalierung f&uuml;r betrieblich veranlasste Zuwendungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.2.2018, VI R 25\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.210218.VIR25.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Steuerpauschalierung f&uuml;r betrieblich veranlasste Zuwendungen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die Pauschalierung der Einkommensteuer nach &sect; 37b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG erfasst nur Zuwendungen, die bei den Zuwendungsempf&auml;ngern zu einkommensteuerpflichtigen Eink&uuml;nften f&uuml;hren.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Weiter setzt &sect; 37b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG die betriebliche Veranlassung der Zuwendungen voraus und fordert dar&uuml;ber hinaus, dass diese Zuwendungen zus&auml;tzlich zur ohnehin vereinbarten Leistung oder Gegenleistung des Steuerpflichtigen erbracht werden.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. F&uuml;r das Zus&auml;tzlichkeitserfordernis in &sect; 37b EStG reicht es deshalb nicht aus, dass die Zuwendung des Steuerpflichtigen zu einer Leistung eines Dritten an den Zuwendungsempf&auml;nger hinzutritt.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;gerin werden das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 13. April 2016&nbsp;&nbsp;7 K 872\/13 und die Einspruchsentscheidung des Beklagten vom 28. M&auml;rz 2013 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Dezember 2007 wird insoweit ge&auml;ndert, als die pauschale Lohnsteuer um 43.939,91 EUR niedriger festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r April 2008 wird insoweit ge&auml;ndert, als die pauschale Lohnsteuer um 5.618,51 EUR niedriger festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Juni 2008 wird insoweit ge&auml;ndert, als die pauschale Lohnsteuer um 3.888,75 EUR niedriger festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Dezember 2008 wird insoweit ge&auml;ndert, als die pauschale Lohnsteuer um 14.389,18 EUR niedriger festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r M&auml;rz 2009 wird insoweit ge&auml;ndert, als die pauschale Lohnsteuer um 3.026,57 EUR niedriger festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Mai 2009 wird insoweit ge&auml;ndert, als die pauschale Lohnsteuer um 931,82 EUR niedriger festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Juli 2009 wird insoweit ge&auml;ndert, als die pauschale Lohnsteuer um 11.301,97 EUR niedriger festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r November 2009 wird insoweit ge&auml;ndert, als die pauschale Lohnsteuer um 1.950,62 EUR niedriger festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Dezember 2009 wird insoweit ge&auml;ndert, als die pauschale Lohnsteuer um 3.986,21 EUR niedriger festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Januar 2010 wird insoweit ge&auml;ndert, als die pauschale Lohnsteuer um 1.539,35 EUR niedriger festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r M&auml;rz 2010 wird insoweit ge&auml;ndert, als die pauschale Lohnsteuer um 2.712,33 EUR niedriger festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob die Voraussetzungen einer Pauschalierung der Einkommensteuer bei Sachzuwendungen nach &sect;&nbsp;37b des Einkommensteuergesetzes (EStG) vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) vertreibt Fotokameras, Objektive und Blitzger&auml;te. In den Jahren 2006 bis 2010 f&uuml;hrte sie in mehreren Aktionszeitr&auml;umen ein Verkaufsf&ouml;rderungsprogramm &quot;Bonussystem f&uuml;r Verkaufsprofis&quot; durch. Teilnahmeberechtigt waren beratende &#8211;nicht bei der Kl&auml;gerin besch&auml;ftigte&#8211; Fachverk&auml;ufer im station&auml;ren Handel und damit selbst&auml;ndige Betriebsinhaber sowie deren Arbeitnehmer. Jeder Fachverk&auml;ufer konnte durch den Verkauf bestimmter Produkte der Kl&auml;gerin an Endverbraucher sogenannte Bonuspunkte sammeln. Hierzu musste er den unteren Teil der Garantiekarte des verkauften Produkts abtrennen und an die A-GmbH schicken. Nach einer Registrierung als &quot;Clubmitglied&quot; konnte er die gesammelten Punkte dort &quot;einl&ouml;sen&quot; und aus einem Pr&auml;mienkatalog verschiedene Sachpr&auml;mien und Gutscheine kostenfrei bestellen. Hiervon machten &uuml;berwiegend angestellte Fachverk&auml;ufer Gebrauch. Die Sachpr&auml;mien und Gutscheine stellte die A-GmbH der Kl&auml;gerin in Rechnung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In den Lohnsteuer-Anmeldungen f&uuml;r die streitigen Lohnzahlungszeitr&auml;ume (Dezember 2007, April 2008, Juni 2008, Dezember 2008, M&auml;rz 2009, Mai 2009, Juli 2009, November 2009, Dezember 2009, Januar 2010 und M&auml;rz 2010) unterwarf die Kl&auml;gerin die ihr von der A-GmbH in Rechnung gestellten Pr&auml;mien einer pauschalen Lohnbesteuerung mit 30&nbsp;%.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an eine Lohnsteuer-Au&szlig;enpr&uuml;fung erging ein Nachforderungsbescheid &uuml;ber Lohnsteuer zuz&uuml;glich Annexsteuern hinsichtlich hier nicht in Streit stehender Sachverhalte. In diesem Bescheid wurde gleichzeitig der Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung f&uuml;r die streitigen Lohnsteuer-Anmeldungen aufgehoben. Ein auch gegen die Aufhebung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung gerichteter Einspruch war erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die daraufhin erhobene Klage, mit der sich die Kl&auml;gerin erstmals gegen die Besteuerung der der H&ouml;he nach unstreitigen Zuwendungen aus dem &quot;Bonusprogramm&quot; nach &sect;&nbsp;37b EStG wandte, wies das Finanzgericht (FG) mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2016, 1705 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie beantragt,<br \/>das Urteil des Hessischen FG vom 13.&nbsp;April 2016&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;872\/13 und die Einspruchsentscheidung des Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) vom 28.&nbsp;M&auml;rz 2013 aufzuheben sowie<br \/>die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Dezember 2007 insoweit zu &auml;ndern, als die pauschale Lohnsteuer um 43.939,91&nbsp;EUR niedriger festgesetzt wird,<br \/>die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r April 2008 insoweit zu &auml;ndern, als die pauschale Lohnsteuer um 5.618,51&nbsp;EUR niedriger festgesetzt wird,<br \/>die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Juni 2008 insoweit zu &auml;ndern, als die pauschale Lohnsteuer um 3.888,75&nbsp;EUR niedriger festgesetzt wird,<br \/>die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Dezember 2008 insoweit zu &auml;ndern, als die pauschale Lohnsteuer um 14.389,18&nbsp;EUR niedriger festgesetzt wird,<br \/>die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r M&auml;rz 2009 insoweit zu &auml;ndern, als die pauschale Lohnsteuer um 3.026,57&nbsp;EUR niedriger festgesetzt wird,<br \/>die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Mai 2009 insoweit zu &auml;ndern, als die pauschale Lohnsteuer um 931,82&nbsp;EUR niedriger festgesetzt wird,<br \/>die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Juli 2009 insoweit zu &auml;ndern, als die pauschale Lohnsteuer um 11.301,97&nbsp;EUR niedriger festgesetzt wird,<br \/>die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r November 2009 insoweit zu &auml;ndern, als die pauschale Lohnsteuer um 1.950,62&nbsp;EUR niedriger festgesetzt wird,<br \/>die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Dezember 2009 insoweit zu &auml;ndern, als die pauschale Lohnsteuer um 3.986,21&nbsp;EUR niedriger festgesetzt wird,<br \/>die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r Januar 2010 insoweit zu &auml;ndern, als die pauschale Lohnsteuer um 1.539,35&nbsp;EUR niedriger festgesetzt wird,<br \/>die Lohnsteuer-Anmeldung f&uuml;r M&auml;rz 2010 insoweit zu &auml;ndern, als die pauschale Lohnsteuer um 2.712,33&nbsp;EUR niedriger festgesetzt wird,<br \/>hilfsweise die streitigen Bruttobetr&auml;ge aus dem Bonussystem in den angefochtenen Lohnsteuer-Anmeldungen pauschal nach &sect;&nbsp;37a EStG zu versteuern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;gerin ist zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Stattgabe der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG ist zu Recht von der Zul&auml;ssigkeit der Klage ausgegangen. Insbesondere steht ihr nicht entgegen, dass sich die Kl&auml;gerin erstmals im Klageverfahren gegen die Anwendung des &sect;&nbsp;37b EStG gewandt hat. Denn der Klageweg ist er&ouml;ffnet, wenn &#8211;wie vorliegend&#8211; ein Einspruchsverfahren gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;347 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) erfolglos durchgef&uuml;hrt worden ist (Steinhauff in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;44 FGO Rz&nbsp;195). Im &Uuml;brigen steht die Aufhebung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung einer Steuerfestsetzung ohne Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung gleich. Damit ist gegen die Vorbehaltsaufhebung der Einspruch gegeben, mit dem sowohl die Aufhebung des Vorbehalts als auch die Steuerfestsetzung als solche angegriffen werden kann (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 30.&nbsp;Juni 1997 V&nbsp;B&nbsp;131\/96, BFH\/NV 1998, 817, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Zul&auml;ssigkeit der Klage steht ebenfalls nicht entgegen, dass die Kl&auml;gerin vorliegend gegen die selbst angemeldete Lohnsteuer vorgeht. Denn der Arbeitgeber kann nach allgemeiner Meinung gegen seine Lohnsteuer-Anmeldungen, die Steuerfestsetzungen unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung gleichstehen (&sect;&nbsp;168 AO), Einspruch einlegen und Klage erheben (BFH-Urteil vom 12.&nbsp;Juni 1997 I&nbsp;R&nbsp;72\/96, BFHE 183, 30, BStBl II 1997, 660; Senatsurteil vom 7.&nbsp;Juli 2004 VI&nbsp;R&nbsp;171\/00, BFHE 206, 562, BStBl II 2004, 1087; Schmidt\/K&uuml;ger, EStG, 36.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;41a Rz&nbsp;6, m.w.N.; Hummel, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;41a Rz&nbsp;A&nbsp;38; Eisgruber in Kirchhof, EStG, 16.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;41a Rz&nbsp;5; Bl&uuml;mich\/Heuermann, &sect;&nbsp;41a EStG Rz&nbsp;23; Reuss in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;41a EStG Rz&nbsp;11; K&uuml;ttner\/Seidel, Personalbuch 2017, Stichwort Lohnsteueranmeldung, Rz&nbsp;14).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach &sect;&nbsp;37b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG k&ouml;nnen Steuerpflichtige die Einkommensteuer einheitlich f&uuml;r alle innerhalb eines Wirtschaftsjahres gew&auml;hrten betrieblich veranlassten Zuwendungen, die zus&auml;tzlich zur ohnehin vereinbarten Leistung oder Gegenleistung erbracht werden und nicht in Geld bestehen, mit einem Pauschsteuersatz von 30&nbsp;% erheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Pauschalierung der Einkommensteuer nach &sect;&nbsp;37b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG erfasst nicht alle Zuwendungen schlechthin. &sect;&nbsp;37b EStG beschr&auml;nkt sich vielmehr auf Zuwendungen, die bei den Zuwendungsempf&auml;ngern zu einkommensteuerpflichtigen Eink&uuml;nften f&uuml;hren. Denn &sect;&nbsp;37b EStG begr&uuml;ndet keine weitere eigenst&auml;ndige Einkunftsart und keinen sonstigen origin&auml;ren (Einkommen-)Steuertatbestand, sondern stellt lediglich eine besondere pauschalierende Erhebungsform der Einkommensteuer zur Wahl. Das folgt aus dem Wortlaut des &sect;&nbsp;37b EStG sowie aus rechtssystematischen Gr&uuml;nden und aus der Einordnung des &sect;&nbsp;37b EStG in das Gesamtgef&uuml;ge des Einkommensteuergesetzes. Gegenteiliges ergeben schlie&szlig;lich weder Entstehungsgeschichte noch Gesetzesmaterialien zu &sect;&nbsp;37b EStG (Senatsurteile vom 16.&nbsp;Oktober 2013 VI&nbsp;R&nbsp;57\/11, BFHE 243, 237, BStBl II 2015, 457; VI&nbsp;R&nbsp;78\/12, BFHE 243, 242, BStBl II 2015, 495, und vom 12.&nbsp;Dezember 2013 VI&nbsp;R&nbsp;47\/12, BFHE 244, 29, BStBl II 2015, 490, sowie BFH-Urteil vom 30.&nbsp;M&auml;rz 2017 IV&nbsp;R&nbsp;13\/14, BFHE 257, 315, BStBl II 2017, 892).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Weiter setzt &sect;&nbsp;37b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG ausdr&uuml;cklich die betriebliche Veranlassung der Zuwendungen voraus und fordert dar&uuml;ber hinaus, dass diese Zuwendungen zus&auml;tzlich zur ohnehin vereinbarten Leistung oder Gegenleistung des Steuerpflichtigen erbracht werden. Diese Voraussetzungen schr&auml;nken den Anwendungsbereich der Pauschalierungsnorm weiter ein. Der Tatbestand erfasst insoweit nicht s&auml;mtliche unabh&auml;ngig von einem bestehenden Leistungsaustausch erbrachten Zuwendungen, sondern nur solche, die erg&auml;nzend zu einem synallagmatischen Leistungsaustausch zwischen Steuerpflichtigem und Zuwendungsempf&auml;nger hinzutreten, in dem die Zuwendungen zwar nicht geschuldet, aber durch den Leistungsaustausch veranlasst sind (Senatsurteil in BFHE 244, 29, BStBl II 2015, 490). Dass die Zuwendung des Steuerpflichtigen zu einer Leistung eines Dritten an den Zuwendungsempf&auml;nger (beispielweise eines Kunden des Steuerpflichtigen) hinzutritt, reicht deshalb nicht aus. Erforderlich ist vielmehr, dass zwischen dem Zuwendenden (Steuerpflichtigen) und dem Leistungsempf&auml;nger eine Leistung oder Gegenleistung (Grundgesch&auml;ft) vereinbart ist und die Zuwendung zus&auml;tzlich, d.h. freiwillig, zur geschuldeten Leistung oder Gegenleistung hinzukommt (Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main vom 23.&nbsp;Januar 2018 S&nbsp;2297b&nbsp;A-1-St&nbsp;222, juris).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das Urteil der Vorinstanz entspricht diesen Grunds&auml;tzen nicht. Das FG hat zu Unrecht darauf erkannt, dass die Kl&auml;gerin die streitbefangenen Pr&auml;mien zus&auml;tzlich zur ohnehin vereinbarten Leistung oder Gegenleistung erbracht hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die von der Kl&auml;gerin an die selbst&auml;ndigen wie angestellten Fachverk&auml;ufer ausgereichten Pr&auml;mien sind durch die von der Kl&auml;gerin aufgelegten Verkaufsf&ouml;rderprogramme und damit durch den Betrieb der Kl&auml;gerin veranlasst. Insoweit handelt es sich mithin um &quot;betrieblich veranlasste Zuwendungen&quot;, was zwischen den Beteiligten zu Recht nicht in Streit steht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Auch hat das FG zu Recht angenommen, dass die vereinnahmten Pr&auml;mien sowohl bei den selbst&auml;ndigen Fachverk&auml;ufern (Betriebsinhabern) als auch bei den angestellten Verk&auml;ufern zu steuerpflichtigen Eink&uuml;nften f&uuml;hren. Dabei kann der Senat offenlassen, welcher Einkunftsart diese Einnahmen zuzuordnen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Entgegen der Auffassung des FG rechtfertigt allein der Umstand, dass die unstreitig betrieblichen Zuwendungen zu steuerpflichtigen Eink&uuml;nften f&uuml;hren, die Anwendbarkeit des &sect;&nbsp;37b Abs.&nbsp;1 EStG nicht. Vielmehr m&uuml;ssen diese Zuwendungen &#8211;wie zuvor dargelegt&#8211; zus&auml;tzlich zur ohnehin vereinbarten Leistung oder Gegenleistung des Steuerpflichtigen erbracht werden (Senatsurteil in BFHE 244, 29, BStBl II 2015, 490). Daran fehlt es im Streitfall. Denn sowohl der selbst&auml;ndige als auch der nichtselbst&auml;ndige Fachverk&auml;ufer erhielt die Pr&auml;mie von der Kl&auml;gerin nicht zus&auml;tzlich zu einer ohnehin vereinbarten Leistung oder Gegenleistung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Pr&auml;mie war vielmehr das ausgelobte Entgelt f&uuml;r die Ver&auml;u&szlig;erung bestimmter Produkte der Kl&auml;gerin. Erbrachte der Teilnehmer die Leistung &#8211;vorliegend den Verkaufserfolg&#8211; erwarb er den Pr&auml;mienanspruch gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin. Die Kl&auml;gerin hat die Pr&auml;mien nicht zus&auml;tzlich zu einer ohnehin vereinbarten Leistung gew&auml;hrt. Sie sind nicht zu einem Grundgesch&auml;ft zwischen ihr und den angestellten Fachverk&auml;ufern hinzugetreten, sondern stellen die allein geschuldete Leistung f&uuml;r den erbrachten Verkaufserfolg dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch gegen&uuml;ber den selbst&auml;ndigen Betriebsinhabern wurden die Pr&auml;mien nicht &quot;zus&auml;tzlich zur ohnehin geschuldeten Leistung oder Gegenleistung&quot; erbracht. Die Kl&auml;gerin belieferte diese zwar mit ihren Waren. Die Pr&auml;mien sind jedoch nicht als Dreingabe f&uuml;r die Abnahme der Waren, sondern unabh&auml;ngig von deren Bezug &#8211;wie bei den angestellten Verk&auml;ufern&#8211; f&uuml;r einen bestimmten personenbezogenen Verkaufserfolg gew&auml;hrt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Sache ist spruchreif. &Uuml;ber die H&ouml;he der zugewandten Pr&auml;mien und der pauschalen Einkommensteuer besteht zwischen den Beteiligten kein Streit, so dass der Klage in dem von der Kl&auml;gerin beantragten Umfang stattzugeben ist. &Uuml;ber die von der Kl&auml;gerin hilfsweise gestellten Antr&auml;ge war damit nicht zu entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.2.2018, VI R 25\/16ECLI:DE:BFH:2018:U.210218.VIR25.16.0 Steuerpauschalierung f&uuml;r betrieblich veranlasste Zuwendungen Leits&auml;tze 1. Die Pauschalierung der Einkommensteuer nach &sect; 37b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG erfasst nur Zuwendungen, die bei den Zuwendungsempf&auml;ngern zu einkommensteuerpflichtigen Eink&uuml;nften f&uuml;hren. 2. Weiter setzt &sect; 37b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG die betriebliche Veranlassung der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-25-16-steuerpauschalierung-fuer-betrieblich-veranlasste-zuwendungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;25\/16 &#8211; Steuerpauschalierung f&uuml;r betrieblich veranlasste Zuwendungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-69420","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69420","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69420"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69420\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}