{"id":69477,"date":"2018-05-17T11:12:09","date_gmt":"2018-05-17T09:12:09","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69477"},"modified":"2018-05-17T11:12:09","modified_gmt":"2018-05-17T09:12:09","slug":"v-r-35-17-kein-verzicht-auf-steuerfreiheit-bei-vermietung-an-pauschallandwirt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-35-17-kein-verzicht-auf-steuerfreiheit-bei-vermietung-an-pauschallandwirt\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;35\/17 &#8211; Kein Verzicht auf Steuerfreiheit bei Vermietung an Pauschallandwirt"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 1.3.2018, V R 35\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.010318.VR35.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein Verzicht auf Steuerfreiheit bei Vermietung an Pauschallandwirt<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Verpachtet ein Unternehmer ein Grundst&uuml;ck an einen Landwirt, der seine Ums&auml;tze gem&auml;&szlig; &sect; 24 Abs. 1 UStG nach Durchschnittss&auml;tzen versteuert, kann der Verp&auml;chter nicht auf die Steuerfreiheit seiner Ums&auml;tze nach &sect; 9 Abs. 2 Satz 1 UStG verzichten (entgegen Abschn. 9.2 Abs. 2 UStAE).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 29. Juni 2017&nbsp;&nbsp;11 K 88\/16 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Nieders&auml;chsische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) errichtete im Streitjahr 2005 einen Rinderboxenlaufstall mit Melkkarussell sowie einen K&auml;lberaufzuchtstall, die er ab November 2005 an eine GbR verpachtete. Gesellschafter der GbR waren der Kl&auml;ger und seine Ehefrau. Die GbR unterhielt einen landwirtschaftlichen Betrieb und versteuerte ihre Ums&auml;tze nach &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 des Umsatzsteuergesetzes (UStG). Der Kl&auml;ger ging davon aus, dass seine Leistungen an die GbR steuerfrei seien und erkl&auml;rte einen Verzicht auf die Steuerfreiheit. Dementsprechend machte er aus der Errichtung der verpachteten Gegenst&auml;nde einen Vorsteuerabzug in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung war der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) der Auffassung, dass der Kl&auml;ger zwar zum Vorsteuerabzug berechtigt sei, aber mit der GbR ein un&uuml;bliches Entgelt vereinbart habe, so dass die sog. Mindestbemessungsgrundlage anzuwenden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage zum Finanzgericht (FG) gegen den ge&auml;nderten Umsatzsteuerjahresbescheid hatten keinen Erfolg. Nach dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2018, 74 ver&ouml;ffentlichten Urteil des FG sind die Leistungen des Kl&auml;gers steuerfrei. Unter Beachtung der unionsrechtlichen Vorgaben aus Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;C der Sechsten Richtlinie 77\/388\/EWG des Rates vom 17.&nbsp;Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern &#8211; Gemeinsames Mehrwertsteuersystem: einheitliche steuerpflichtige Bemessungsgrundlage (Richtlinie 77\/388\/EWG) sei bei Anwendung von &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 UStG von einer Verwendung ohne Recht auf Vorsteuerabzug auszugehen, so dass der Kl&auml;ger auf die Steuerfreiheit nicht habe verzichten k&ouml;nnen. Auf die H&ouml;he des Pachtentgelts komme es nicht an. Eine Verb&ouml;serung des Steuerbescheides komme im finanzgerichtlichen Verfahren nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich der Kl&auml;ger mit seiner Revision. Die M&ouml;glichkeit zum Verzicht bestehe, da auch der Pauschallandwirt zum Vorsteuerabzug berechtigt sei. Trotz Pauschalierung bleibe der Vorsteuerabzug dem Grunde nach bestehen. Der Pauschallandwirt erbringe keine steuerfreien Ums&auml;tze. Auf einen vollen Vorsteuerabzug komme es nicht an. Eine Korrektur des Entgelts sei nicht vorzunehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage sei aus anderen Gr&uuml;nden als denen des FG-Urteils unbegr&uuml;ndet. Entscheidend sei die Anwendung der Mindestbemessungsgrundlage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des Kl&auml;gers ist aus anderen als den geltend gemachten Gr&uuml;nden begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Sache an das FG zur&uuml;ckzuverweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Zwar hat das FG zutreffend entschieden, dass die Voraussetzungen f&uuml;r einen Verzicht nach &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 UStG nicht vorliegen, wenn die Vermietung oder Verpachtung an einen Pauschallandwirt erfolgt, dessen Ums&auml;tze &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 UStG unterliegen. Das FG hat aber keine hinreichenden Feststellungen zum Umfang der Steuerfreiheit nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 UStG getroffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat zutreffend den Verzicht nach &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 UStG verneint.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Verzicht setzt nach &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 und 2 UStG eine Leistung an einen Unternehmer voraus, der diese Leistung f&uuml;r zum Vorsteuerabzug berechtigende Ums&auml;tze verwendet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Unternehmer ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 UStG berechtigt, auf die Steuerfreiheit der dort bezeichneten Leistungen zu verzichten, wenn er den Umsatz an einen anderen Unternehmer f&uuml;r dessen Unternehmen ausf&uuml;hrt. Der Zweck der Regelung besteht darin, den mit dem Vorteil der Steuerfreiheit nach &sect;&nbsp;4 UStG verbundenen Nachteil des Vorsteuerausschlusses nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG f&uuml;r bestimmte Leistungen zu vermeiden (Nieuwenhuis in Offerhaus\/S&ouml;hn\/Lange, &sect;&nbsp;9 UStG Rz&nbsp;3).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nach &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UStG ist allerdings der Verzicht auf die Steuerbefreiung bei der Vermietung oder Verpachtung von Grundst&uuml;cken i.S. von &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Satz&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a UStG nur zul&auml;ssig, soweit der Leistungsempf&auml;nger das Grundst&uuml;ck ausschlie&szlig;lich f&uuml;r Ums&auml;tze verwendet oder zu verwenden beabsichtigt, die den Vorsteuerabzug nicht ausschlie&szlig;en.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach der amtlichen Gesetzesbegr&uuml;ndung zum Missbrauchsbek&auml;mpfungs- und Steuerbereinigungsgesetz vom 21.&nbsp;Dezember 1993 (BTDrucks 12\/5630, S.&nbsp;87) dient &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UStG der Bek&auml;mpfung sog. Vorschaltmodelle: &quot;Zwischenzeitlich sind weitere Gestaltungsformen zur Erlangung des Vorsteuerabzugs bekannt geworden, bei denen auf der Endstufe wegen Ausf&uuml;hrung steuerfreier Ums&auml;tze der Vorsteuerabzug ausgeschlossen ist. Es handelt sich insbesondere um sog. Vorschaltmodelle zur Grundst&uuml;cksvermietung an Banken und Sparkassen, &Auml;rzte sowie Tr&auml;ger von privaten Schulen, Bildungseinrichtungen, Krankenh&auml;usern, Altenheimen und Kinderg&auml;rten. In diesen F&auml;llen werden Unternehmen gegr&uuml;ndet, die ein Geb&auml;ude errichten und an die bezeichneten Einrichtungen vermieten. Zur Erlangung des Vorsteuerabzugs wird auf die Steuerbefreiung der Vermietung verzichtet. Zur Vermeidung von erheblichen Steuerausf&auml;llen und zur Gleichstellung aller Unternehmer, die wegen der Erzielung steuerfreier Ums&auml;tze vom Vorsteuerabzug ausgeschlossen sind, wird der Verzicht auf die Steuerbefreiung insbesondere bei der Bestellung und &Uuml;bertragung von Erbbaurechten und bei der Vermietung und Verpachtung von Grundst&uuml;cken grunds&auml;tzlich auf die F&auml;lle beschr&auml;nkt, in denen der Leistungsempf&auml;nger das Grundst&uuml;ck oder Grundst&uuml;cksteile ausschlie&szlig;lich f&uuml;r Ums&auml;tze verwendet oder zu verwenden beabsichtigt, die zum Vorsteuerabzug berechtigen.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Unionsrechtlich beruhten diese Regelungen im Streitjahr auf Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;C Buchst.&nbsp;a der Richtlinie 77\/388\/EWG. Danach konnten die Mitgliedstaaten ihren Steuerpflichtigen das Recht einr&auml;umen, f&uuml;r eine Besteuerung bei der Vermietung und Verpachtung von Grundst&uuml;cken zu optieren. Sie konnten zudem den Umfang des Optionsrechts einschr&auml;nken und die Modalit&auml;ten seiner Aus&uuml;bung bestimmen. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) entspricht insbesondere &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 UStG den unionsrechtlichen Anforderungen (BFH-Urteil vom 24.&nbsp;April 2014 V&nbsp;R&nbsp;27\/13, BFHE 245, 404, BStBl II 2014, 732, Rz&nbsp;13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Verpachtet ein Unternehmer ein Grundst&uuml;ck an einen Landwirt, der seine Ums&auml;tze gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 UStG nach Durchschnittss&auml;tzen versteuert, kann der Verp&auml;chter nicht auf die Steuerfreiheit seiner Ums&auml;tze nach &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UStG verzichten (zutreffend Nieuwenhuis, a.a.O., &sect;&nbsp;9 UStG Rz&nbsp;78; Sch&uuml;ler-T&auml;sch in S&ouml;lch\/Ringleb, Umsatzsteuer, &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;47, und Mehrwertsteuerrecht 2013, 540, 543; Stadie in Stadie, UStG, 3.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;28 und &sect;&nbsp;24 Rz&nbsp;41; a.M. Abschn.&nbsp;9.2 Abs.&nbsp;2 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses &#8211;UStAE&#8211;, sowie Lange in Offerhaus\/S&ouml;hn\/Lange, &sect;&nbsp;24 UStG Rz&nbsp;456, und Widmann in Schwarz\/Widmann\/Radeisen, UStG, &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;171).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Ob &quot;der Leistungsempf&auml;nger das Grundst&uuml;ck ausschlie&szlig;lich f&uuml;r Ums&auml;tze verwendet oder zu verwenden beabsichtigt, die den Vorsteuerabzug nicht ausschlie&szlig;en&quot;, richtet sich danach, ob er bei einem Verzicht aus der bezogenen Leistung zum Vorsteuerabzug nach &sect;&nbsp;15 UStG berechtigt ist. Dies ergibt sich aus dem systematischen Zusammenhang mit &sect;&nbsp;15 UStG, wie er auch bei &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 UStG besteht (s. oben II.1.a&nbsp;aa). &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UStG ist daher wie &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 UStG leistungsbezogen auszulegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Pauschallandwirte, die ihre Ums&auml;tze nach &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG versteuern, verwenden das von ihnen gemietete oder gepachtete Grundst&uuml;ck i.S. von &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UStG f&uuml;r Ums&auml;tze, die den Vorsteuerabzug ausschlie&szlig;en. Dies ergibt sich aus dem Verbot des &quot;weiteren&quot; Vorsteuerabzugs nach &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 UStG. Hierdurch schlie&szlig;t das Gesetz einen leistungsbezogenen Vorsteuerabzug aus, wie ihn &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UStG voraussetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Best&auml;tigt wird dies durch das vom historischen Gesetzgeber mit &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UStG verfolgte Regelungsziel, Vorschaltmodellen entgegenzuwirken (s. oben II.1.a&nbsp;bb). Ausgangspunkt f&uuml;r diese Vorschaltmodelle ist die &#8211;beim unternehmerisch t&auml;tigen Mieter oder P&auml;chter&#8211; fehlende Berechtigung zum Vorsteuerabzug. Diese ergibt sich gleicherma&szlig;en aus &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG wie auch aus &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 UStG. Dabei verdeutlicht der Streitfall den vom Gesetzgeber missbilligten Vorschaltcharakter in der gleichen Weise wie bei Banken, Sparkassen oder &Auml;rzten. Denn auch hier wird &uuml;ber sog. Vorschaltmodelle &#8211;letztlich wie im Streitfall&#8211; versucht, die Folgen des Vorsteuerausschlusses nach &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 UStG zu umgehen. Dass die amtliche Gesetzesbegr&uuml;ndung nur Mieter mit steuerfreien Ums&auml;tzen ausdr&uuml;cklich nennt, ist im Hinblick auf das Regelungsziel und die nicht abschlie&szlig;ende Aufz&auml;hlung missbilligter Vorschaltmodelle, wie sie sich aus der Verwendung des Adverbs &quot;insbesondere&quot; ergibt, nicht ma&szlig;geblich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hierf&uuml;r spricht auch der zwischen &sect;&nbsp;9 UStG und &sect;&nbsp;15 UStG bestehende Regelungszusammenhang (s. oben II.1.a&nbsp;aa und II.1.b&nbsp;aa), der dazu f&uuml;hrt, die Frage der Vorsteuerabzugsberechtigung f&uuml;r beide Normbereiche einheitlich zu beurteilen. Daher ist bei Auslegung von &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UStG auch zu beachten, dass ein Pauschallandwirt mit Ums&auml;tzen nach &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 UStG aufgrund des Abzugsverbots nach &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 UStG nicht zum (weiteren) Vorsteuerabzug aus den von ihm bezogenen Leistungen berechtigt ist (BFH-Urteil vom 16.&nbsp;November 2016 V&nbsp;R&nbsp;1\/15, BFHE 255, 354, Rz&nbsp;20, 23 zur Vorsteueraufteilung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;4 UStG). Dementsprechend f&uuml;hrt ein Wechsel von der allgemeinen Besteuerung zur Besteuerung nach Durchschnittss&auml;tzen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 UStG auch zu einer Vorsteuerberichtigung, wie dies &sect;&nbsp;15a Abs.&nbsp;7 UStG ausdr&uuml;cklich anordnet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Ohne Bedeutung ist, dass &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 UStG &quot;Vorsteuerbetr&auml;ge&quot; festsetzt, die der H&ouml;he nach in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und 3 UStG der geschuldeten Steuer entspricht. Denn hierbei handelt es sich nicht um einen Vorsteuerabzug i.S. von &sect;&nbsp;15 UStG aus konkret bezogenen Leistungen, sondern um eine pauschalierte Form der Steuerberechnung (vgl. hierzu kritisch Klenk in S&ouml;lch\/Ringleb, a.a.O., &sect;&nbsp;24 Rz&nbsp;46: &quot;Scheinbesteuerung&quot;, und Tehler in Rei&szlig;\/Kraeusel\/Langer, UStG, &sect;&nbsp;24 Rz&nbsp;24: &quot;mittelbare Subventionszahlung des Staates&quot;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Sache ist gleichwohl nicht spruchreif. Das FG hat nicht gepr&uuml;ft, ob und inwieweit die Leistungen nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 UStG steuerfrei sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 UStG befreit die Vermietung und die Verpachtung von Grundst&uuml;cken. Nicht befreit sind nach Satz&nbsp;2 der Vorschrift neben der Vermietung von Pl&auml;tzen f&uuml;r das Abstellen von Fahrzeugen auch die Vermietung und die Verpachtung von Maschinen und sonstigen Vorrichtungen aller Art, die zu einer Betriebsanlage geh&ouml;ren (Betriebsvorrichtungen), auch wenn sie wesentliche Bestandteile eines Grundst&uuml;cks sind. Dies beruht unionsrechtlich auf Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;B Buchst.&nbsp;b der Richtlinie 77\/388\/EWG. Danach ist steuerfrei die Vermietung und Verpachtung von Grundst&uuml;cken mit Ausnahme der Vermietung von Pl&auml;tzen f&uuml;r das Abstellen von Fahrzeugen und der Vermietung von auf Dauer eingebauten Vorrichtungen und Maschinen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Frage einer m&ouml;glichen Steuerpflicht im Hinblick auf das Vorliegen von Betriebsvorrichtungen hat das FG keine Feststellungen getroffen. Diese sind im zweiten Rechtsgang nachzuholen. Dabei werden ggf. auch Feststellungen zum Umfang der Betriebsvorrichtungen zu treffen sein, z.B. ob das Stallgeb&auml;ude von den Betriebsvorrichtungen umfasst wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 1.3.2018, V R 35\/17ECLI:DE:BFH:2018:U.010318.VR35.17.0 Kein Verzicht auf Steuerfreiheit bei Vermietung an Pauschallandwirt Leits&auml;tze Verpachtet ein Unternehmer ein Grundst&uuml;ck an einen Landwirt, der seine Ums&auml;tze gem&auml;&szlig; &sect; 24 Abs. 1 UStG nach Durchschnittss&auml;tzen versteuert, kann der Verp&auml;chter nicht auf die Steuerfreiheit seiner Ums&auml;tze nach &sect; 9 Abs. 2 Satz 1 UStG verzichten (entgegen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-35-17-kein-verzicht-auf-steuerfreiheit-bei-vermietung-an-pauschallandwirt\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;35\/17 &#8211; Kein Verzicht auf Steuerfreiheit bei Vermietung an Pauschallandwirt<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-69477","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69477","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69477"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69477\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69477"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69477"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}