{"id":69521,"date":"2018-06-14T18:10:28","date_gmt":"2018-06-14T16:10:28","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69521"},"modified":"2018-06-14T18:10:28","modified_gmt":"2018-06-14T16:10:28","slug":"vii-b-89-17-steuerliche-entlastung-von-staatlichen-eigenbetrieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-89-17-steuerliche-entlastung-von-staatlichen-eigenbetrieben\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;89\/17 &#8211; Steuerliche Entlastung von staatlichen Eigenbetrieben"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.2.2018, VII B 89\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:B.280218.VIIB89.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Steuerliche Entlastung von staatlichen Eigenbetrieben<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Die Entlastungstatbest&auml;nde gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 9b, 10 StromStG sowie gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 54, 55 EnergieStG k&ouml;nnen nicht analog auf staatliche Eigenbetriebe angewandt werden. Diese geh&ouml;ren nicht wie die kommunalen Eigenbetriebe zu den Unternehmen des Produzierenden Gewerbes i.S. des &sect; 2 Nr. 4 StromStG i.V.m. &sect; 2 Nr. 3 StromStG.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen vom 27. April 2017 14 K 2578\/15 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) ist ein auf der Grundlage von Art.&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 der Bayerischen Haushaltsordnung (BayHO) eingerichteter Staatsbetrieb des Freistaats Bayern, der ein verarbeitendes Gewerbe betreibt. F&uuml;r das Jahr 2012 erhielt er Steuerverg&uuml;tungen nach &sect;&sect;&nbsp;9b, 10 des Stromsteuergesetzes (StromStG) und nach &sect;&sect;&nbsp;54, 55 des Energiesteuergesetzes (EnergieStG), die der Beklagte und Beschwerdegegner (das Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) sp&auml;ter auf 0&nbsp;EUR herabsetzte, weil der Kl&auml;ger nicht die kleinste wirtschaftliche Einheit und kein kommunaler Eigenbetrieb sei. Entsprechende Antr&auml;ge f&uuml;r das Jahr 2013 lehnte das HZA ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) urteilte, der Kl&auml;ger sei kein Unternehmen i.S. des &sect;&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 StromStG, weil er nicht rechtlich selbst&auml;ndig sei. Vielmehr seien Staatsbetriebe rechtlich unselbst&auml;ndige, organisatorisch abgesonderte Teile der Staatsverwaltung. Zudem sei der Kl&auml;ger kein kommunaler Eigenbetrieb. Die Vorschrift des &sect;&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 StromStG k&ouml;nne auch nicht analog auf Staatsbetriebe angewandt werden. Der deutsche Gesetzgeber und die deutschen Gerichte seien aus rechtlichen Gr&uuml;nden daran gehindert, Staatsbetriebe in den Begriff des Unternehmens einzubeziehen. Dar&uuml;ber hinaus w&auml;re dies eine bislang nicht genehmigte Beihilfe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Seine Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision begr&uuml;ndet der Kl&auml;ger mit der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Es sei zu kl&auml;ren, ob &sect;&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 StromStG i.V.m. &sect;&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 StromStG analog auf staatliche Eigenbetriebe bzw. Staatsbetriebe anzuwenden sei. Die Gesetzesbegr&uuml;ndung kn&uuml;pfe an die organisatorische und wirtschaftliche Selbst&auml;ndigkeit der kommunalen Eigenbetriebe gegen&uuml;ber der Gebietsk&ouml;rperschaft. Diese Voraussetzungen erf&uuml;llten auch staatliche Eigenbetriebe. Die Energiesteuerrichtlinie und die Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union st&uuml;nden einer Analogie nicht entgegen. W&auml;re sein Betrieb formell privatisiert, best&uuml;nden keine Zweifel an einem Verg&uuml;tungsanspruch. Es sei ferner zu kl&auml;ren, ob in der Gleichbehandlung der Staatsbetriebe gegen&uuml;ber gewerblichen Unternehmen bei der Stromsteuer &uuml;berhaupt eine Beihilfe zu sehen sei oder nur eine unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten erw&uuml;nschte Gleichstellung der Staatsbetriebe. Jedenfalls umfasse die beihilferechtliche Genehmigung der Europ&auml;ischen Kommission auch die Beg&uuml;nstigung der Staatsbetriebe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist nicht begr&uuml;ndet, weil den vom Kl&auml;ger aufgeworfenen Rechtsfragen keine grunds&auml;tzliche Bedeutung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO zukommt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Frage nach einer analogen Anwendung der Entlastungstatbest&auml;nde gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 StromStG i.V.m. &sect;&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 StromStG sowie gem&auml;&szlig; &sect;&sect;&nbsp;54, 55 EnergieStG auf staatliche Eigenbetriebe ist offensichtlich so zu beantworten, wie das FG es getan hat (vgl. st&auml;ndige Rechtsprechung, Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs vom 18.&nbsp;Dezember 1998 VI&nbsp;B&nbsp;215\/98, BFHE 187, 559, BStBl II 1999, 231, und vom 21.&nbsp;Februar 2014 X&nbsp;B&nbsp;142\/13, BFH\/NV 2014, 899). Eine analoge Anwendung auf Staatsbetriebe kommt nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem klaren Wortlaut dieser Vorschriften ist eine Entlastung von der Stromsteuer bzw. Energiesteuer &#8211;neben anderen hier nicht betroffenen Unternehmen&#8211; nur f&uuml;r kommunale Eigenbetriebe, die auf Grundlage der Eigenbetriebsgesetze oder Eigenbetriebsverordnungen der L&auml;nder gef&uuml;hrt werden, vorgesehen. Staatliche Eigenbetriebe bzw. Staatsbetriebe werden nicht genannt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unabh&auml;ngig davon, ob in der Beschr&auml;nkung der Steuerentlastung auf bestimmte Unternehmensformen &uuml;berhaupt eine Regelungsl&uuml;cke gesehen werden kann, ist diese jedenfalls nicht planwidrig. Art.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;c des Entwurfs eines Gesetzes zur Fortf&uuml;hrung der &ouml;kologischen Steuerreform, mit dem &sect;&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 StromStG neu gefasst werden sollte, sowie die dazugeh&ouml;rige Begr&uuml;ndung bezogen sich ausdr&uuml;cklich nur auf kommunale Eigenbetriebe, die auf der Grundlage der Eigenbetriebsgesetze oder Eigenbetriebsverordnungen der L&auml;nder gef&uuml;hrt werden (BTDrucks 14\/1524, S.&nbsp;6 und 10). Die geplante Steuerbeg&uuml;nstigung sollte demnach nur f&uuml;r kommunale Eigenbetriebe gelten, was durch die zus&auml;tzliche Nennung der Rechtsgrundlagen unterstrichen wird. Die Bayerische Haushaltsordnung bzw. Staatsbetriebe i.S. des Art.&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BayHO wurden dagegen nicht in Bezug genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Allein aus dem Hinweis auf die organisatorische und wirtschaftliche Selbst&auml;ndigkeit der kommunalen Eigenbetriebe gegen&uuml;ber der Gebietsk&ouml;rperschaft l&auml;sst sich nicht schlie&szlig;en, dass der Gesetzgeber weitere oder alle organisatorisch und wirtschaftlich verselbst&auml;ndigten Unternehmen auch anderer &ouml;ffentlich-rechtlicher Tr&auml;ger beg&uuml;nstigen wollte. Vielmehr wird der Begriff &quot;der Gebietsk&ouml;rperschaft&quot; ausschlie&szlig;lich im Zusammenhang mit kommunalen Eigenbetrieben verwendet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch den &uuml;brigen Gesetzesmaterialien ist nicht zu entnehmen, dass Staatsbetriebe nach der urspr&uuml;nglichen Intention des Gesetzgebers h&auml;tten beg&uuml;nstigt werden sollen oder Gegenstand des Gesetzgebungsverfahrens waren (vgl. Stellungnahme des Bundesrates und Gegen&auml;u&szlig;erung der Bundesregierung, BTDrucks 14\/1668). Schlie&szlig;lich spricht auch gegen eine planwidrige Regelungsl&uuml;cke, dass die Beg&uuml;nstigung der kommunalen Eigenbetriebe nach &sect;&sect;&nbsp;9b, 10 StromStG und &sect;&sect;&nbsp;54, 55 EnergieStG mit Wirkung vom 1.&nbsp;Januar 2000 eingef&uuml;hrt wurde und bis zu den Streitjahren 2012 und 2013 nicht um eine Beg&uuml;nstigung von Staatsbetrieben erweitert wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Da eine planwidrige Regelungsl&uuml;cke nicht erkennbar ist, kommt es auf die Notwendigkeit einer beihilferechtlichen Genehmigung der Kommission bzw. die Reichweite bereits erteilter Genehmigungen nicht mehr an. Von einer weiteren Begr&uuml;ndung wird daher gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO abgesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.2.2018, VII B 89\/17ECLI:DE:BFH:2018:B.280218.VIIB89.17.0 Steuerliche Entlastung von staatlichen Eigenbetrieben Leits&auml;tze NV: Die Entlastungstatbest&auml;nde gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 9b, 10 StromStG sowie gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 54, 55 EnergieStG k&ouml;nnen nicht analog auf staatliche Eigenbetriebe angewandt werden. 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