{"id":69628,"date":"2018-07-06T15:18:17","date_gmt":"2018-07-06T13:18:17","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69628"},"modified":"2018-07-06T15:18:17","modified_gmt":"2018-07-06T13:18:17","slug":"x-r-9-18-anforderungen-an-einen-auf-krankheit-bzw-handlungsunfaehigkeit-gestuetzten-wiedereinsetzungsantrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-9-18-anforderungen-an-einen-auf-krankheit-bzw-handlungsunfaehigkeit-gestuetzten-wiedereinsetzungsantrag\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;9\/18 &#8211; Anforderungen an einen auf Krankheit bzw. Handlungsunf&auml;higkeit gest&uuml;tzten Wiedereinsetzungsantrag"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.4.2018, X R 9\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:B.090418.XR9.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Anforderungen an einen auf Krankheit bzw. Handlungsunf&auml;higkeit gest&uuml;tzten Wiedereinsetzungsantrag<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Eine Erkrankung ist nur dann ein Wiedereinsetzungsgrund, wenn sie pl&ouml;tzlich aufgetreten ist, mit ihr nicht gerechnet werden musste und sie so schwerwiegend war, dass weder die Wahrung der laufenden Fristen noch die Bestellung eines Dritten, der sich um die Fristwahrung k&uuml;mmern konnte, m&ouml;glich war.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Wer gesch&auml;ftsm&auml;&szlig;ig fremde Rechtsangelegenheiten besorgt, muss &uuml;berdies grunds&auml;tzlich daf&uuml;r Vorkehrungen treffen, dass auch bei einer nicht vorhergesehenen Erkrankung Fristen in den Verfahren gewahrt werden, deren Betreuung er im Rahmen des betreffenden Gesch&auml;ftsbetriebes &uuml;bernommen hat. Dies gilt auch f&uuml;r einen Einzelanwalt.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: Die organisatorischen Pflichten zur Vorsorge f&uuml;r den Fall einer Erkrankung verdichten sich, wenn ein berufsm&auml;&szlig;iger Vertreter wegen einer bereits bestehenden chronischen Erkrankung mit pl&ouml;tzlich auftretenden weiteren Krankheitssch&uuml;ben rechnen muss.<\/p>\n<\/p>\n<p>4. NV: F&uuml;r den Vortrag, die Revisionseinlegung durch einen Rechtsanwalt und Steuerberater sei wegen Handlungsunf&auml;higkeit unwirksam, reicht eine pauschale Behauptung auch dann nicht aus, wenn sie in einer &auml;rztlichen Bescheinigung enthalten ist, sofern sie zu anderen Teilen der Bescheinigung in Widerspruch steht und die schriftlichen Erkl&auml;rungen, die der Prozessbevollm&auml;chtigte im Laufe des Verfahrens eingereicht hat, in keiner Weise einen Anhaltspunkt f&uuml;r bestehende Handlungsunf&auml;higkeit erkennen lassen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die am 31. Dezember 2017 eingelegte Revision der Kl&auml;ger gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen vom 12. Mai 2016&nbsp;&nbsp;13 K 3559\/13 wird als unzul&auml;ssig verworfen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Verfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) legten gegen das ihnen am 2.&nbsp;Juni 2016 zugestellte Urteil des Finanzgerichts (FG) M&uuml;nchen vom 12.&nbsp;Mai 2016&nbsp;&nbsp;13&nbsp;K&nbsp;3559\/13 durch ihren fr&uuml;heren Prozessbevollm&auml;chtigten (P), einen Rechtsanwalt und Steuerberater, am 10.&nbsp;Juni 2016 Revision ein. Eine gesonderte Revisionsbegr&uuml;ndung reichten sie nicht ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Beschluss vom 7.&nbsp;November 2017 verwarf der Senat die Revision als unzul&auml;ssig, weil es an der erforderlichen Revisionsbegr&uuml;ndung fehle. Dieser Beschluss ist am 5.&nbsp;Dezember 2017 mit einfachem Brief abgesandt worden und dem P nach dem Vorbringen der Kl&auml;ger am 7.&nbsp;Dezember 2017 zugegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 31.&nbsp;Dezember 2017 legten die Kl&auml;ger erneut Revision gegen das finanzgerichtliche Urteil ein und beantragten hinsichtlich der vers&auml;umten Frist f&uuml;r die Einlegung der Revision Wiedereinsetzung in den vorigen Stand. Sie tragen vor, P sei im Jahr 2016 krankheitsbedingt gesch&auml;fts- und postulationsunf&auml;hig gewesen. Die von ihm eingelegte Revision sei daher unwirksam. Sie selbst h&auml;tten von der Erkrankung am 18.&nbsp;Dezember 2017 im Rahmen der Haftungsinanspruchnahme des P erstmals erfahren; am 20.&nbsp;Dezember 2017 habe sie dann die &auml;rztliche Best&auml;tigung mit n&auml;heren Angaben zur Schwere der Erkrankung erreicht. Erst dieses Ereignis stelle den Beginn der Wiedereinsetzungsfrist dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Glaubhaftmachung reichten sie eine Best&auml;tigung des behandelnden Arztes (A) vom 19.&nbsp;Dezember 2017 ein, die den folgenden Wortlaut hat: &quot;&lt;P&gt; wurde bei der Grunderkrankung &#8230; von Februar 2014 bis September 2014 intensiv chemotherapiert. Nach aufgetretenem R&uuml;ckfall wurde im Juni 2016 eine weitere Chemotherapie eingeleitet und bis Oktober 2017 fortgef&uuml;hrt. Hiermit best&auml;tigen wir, dass &lt;P&gt; aufgrund dieser Erkrankung und den erhaltenen Chemotherapien inklusiver immunmodulatorischer und sedierender Medikamente nur sehr eingeschr&auml;nkt handlungsf&auml;hig und insbesondere seit Fr&uuml;hjahr 2016 nicht in der Lage war, berufliche Aufgaben als Verfahrensbevollm&auml;chtigter zu erf&uuml;llen, ohne dies selbst erkennen zu k&ouml;nnen.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">&nbsp;<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Mit Hinweisschreiben vom 3.&nbsp;Januar 2018 regte die Vorsitzende des beschlie&szlig;enden Senats an, die Angaben zu dem Wiedereinsetzungsgrund in den folgenden Punkten zu erg&auml;nzen:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">&#8211;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Konkretisierung der Zeitangabe &quot;seit Fr&uuml;hjahr 2016&quot; hinsichtlich der einzelnen Diagnose- und Therapieschritte, jedenfalls vom Beginn der erneuten Therapie bis zum Ablauf der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">&#8211;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Substantiierung der Angabe, P sei &quot;nur sehr eingeschr&auml;nkt handlungsf&auml;hig&quot; gewesen, durch Nennung konkreter Tatsachen;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">&#8211;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Substantiierung der Behauptung, P habe seine &quot;nur sehr eingeschr&auml;nkte Handlungsf&auml;higkeit&quot; nicht selbst erkennen k&ouml;nnen;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">&#8211;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Angabe zu den organisatorischen Vorkehrungen, die P &#8211;gerade im Hinblick auf die ihm seit 2014 bekannte schwerwiegende Grunderkrankung&#8211; getroffen habe, um auch f&uuml;r den Fall einer akuten Verschlechterung seines Gesundheitszustands die Einhaltung von Fristen sicherzustellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 18.&nbsp;Januar 2018 haben die Kl&auml;ger die Revisionsbegr&uuml;ndung eingereicht und auch insoweit die Gew&auml;hrung von Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt. Sie sind der Auffassung, bei dem gegebenen Krankheitsverlauf sei es P nicht anzulasten, dass er die Notwendigkeit einer weiteren Revisionsbegr&uuml;ndung nicht erkannt habe. Da er die eigene Handlungsunf&auml;higkeit nicht habe erkennen k&ouml;nnen, k&ouml;nne man ihm auch nicht anlasten, nicht f&uuml;r eine Vertretung gesorgt zu haben. F&uuml;r P seien keine Mitarbeiter t&auml;tig; dessen Ehefrau (E) &uuml;bernehme nur Boteng&auml;nge. Am 27.&nbsp;Mai 2014 habe P der E, ersatzweise seinen drei Kindern, eine notariell beurkundete Generalvollmacht zur Vertretung in allen pers&ouml;nlichen und verm&ouml;gensrechtlichen Angelegenheiten sowie eine Vorsorgevollmacht erteilt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">&nbsp;<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Die Kl&auml;ger legten eine weitere Best&auml;tigung des A vom 5.&nbsp;Januar 2018 vor. Darin sind die einzelnen Therapiema&szlig;nahmen wie folgt beschrieben:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&#8211;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&#8230;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Schlusssatz der &auml;rztlichen Bescheinigung war nunmehr &#8211;in Abweichung vom Wortlaut der Bescheinigung vom 19.&nbsp;Dezember 2017&#8211; wie folgt formuliert: &quot;Hiermit best&auml;tigen wir, dass &lt;P&gt; aufgrund dieser Erkrankung und den erhaltenen Chemotherapien inklusiver immunmodulatorischer und sedierender Medikamente nur sehr eingeschr&auml;nkt handlungsf&auml;hig und insbesondere seit Fr&uuml;hjahr 2016 nicht in der Lage war, rechtliche Fragestellungen verantwortlich beurteilen zu k&ouml;nnen. Medikamentation und Krankheitsbild hatten zu diesem Zeitpunkt bereits zu passagerer Verwirrtheit zu Zeit und Ort gef&uuml;hrt.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ferner legten die Kl&auml;ger eine eidesstattliche Versicherung der E vor, in der es hei&szlig;t, sie wisse aus Gespr&auml;chen mit P, dass er der Auffassung gewesen sei, es bed&uuml;rfe keiner besonderen Revisionsbegr&uuml;ndung, da die tragenden Gr&uuml;nde bereits in der Revisionsschrift niedergelegt worden seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;,<br \/>unter Gew&auml;hrung von Wiedereinsetzung in den vorigen Stand in die vers&auml;umte Revisionseinlegungs- und Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist das angefochtene Urteil sowie die Einspruchsentscheidung vom 31.&nbsp;Oktober 2013 aufzuheben und die Einkommensteuerbescheide 2002 bis 2011 dahingehend zu &auml;ndern, dass &#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) tritt der Revision entgegen. Er ist der Auffassung, die vorgelegte &auml;rztliche Best&auml;tigung sei f&uuml;r die Gew&auml;hrung von Wiedereinsetzung nicht ausreichend. Aus dem Auftreten des P w&auml;hrend der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG am 12.&nbsp;Mai 2016 h&auml;tten sich keine Erkenntnisse ergeben, die auf eine sehr eingeschr&auml;nkte Handlungsf&auml;higkeit des P hingedeutet h&auml;tten. Bei einer Erkrankung, zu deren Symptomatik es geh&ouml;re, dass der Patient die bei ihm bestehenden Einschr&auml;nkungen nicht selbst erkennen k&ouml;nne, sei zu erwarten, dass er w&auml;hrend der Behandlung hierauf hingewiesen werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unzul&auml;ssig und gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) durch Beschluss zu verwerfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die am 31.&nbsp;Dezember 2017 eingelegte Revision gegen das den Kl&auml;gern am 2.&nbsp;Juni 2016 zugestellte Urteil hat die einmonatige Revisionseinlegungsfrist des &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;1 Satz 1 FGO nicht gewahrt. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand kann nicht gew&auml;hrt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO ist auf Antrag &#8211;nach &sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 FGO auch ohne Antrag&#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren, wenn jemand ohne Verschulden verhindert war, eine gesetzliche Frist einzuhalten. Ein Verschulden des Prozessbevollm&auml;chtigten steht dem Verschulden des Beteiligten gleich (&sect;&nbsp;85 Abs.&nbsp;2 der Zivilprozessordnung i.V.m. &sect;&nbsp;155 FGO). Die Tatsachen zur Begr&uuml;ndung des Antrags sind glaubhaft zu machen (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar kann der Eintritt einer Erkrankung als Entschuldigungsgrund anzuerkennen sein. Dies setzt nach st&auml;ndiger h&ouml;chstrichterlicher Rechtsprechung allerdings voraus, dass die Krankheit pl&ouml;tzlich aufgetreten ist, mit ihr nicht gerechnet werden musste und sie so schwerwiegend war, dass weder die Wahrung der laufenden Fristen noch die Bestellung eines Dritten, der sich um die Fristwahrung k&uuml;mmern konnte, m&ouml;glich war. Wer gesch&auml;ftsm&auml;&szlig;ig fremde Rechtsangelegenheiten besorgt, muss &#8211;zur Vermeidung eines Organisationsverschuldens&#8211; &uuml;berdies grunds&auml;tzlich daf&uuml;r Vorkehrungen treffen, dass auch bei einer nicht vorhergesehenen Erkrankung Fristen in den Verfahren gewahrt werden, deren Betreuung er im Rahmen des betreffenden Gesch&auml;ftsbetriebes &uuml;bernommen hat (zum Ganzen Entscheidungen des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29.&nbsp;Juli 2003 VII&nbsp;R&nbsp;39,&nbsp;43\/02, BFHE 202, 411, BStBl II 2003, 828, unter 1., m.w.N., und vom 10.&nbsp;Mai 2013 II&nbsp;R&nbsp;5\/13, BFH\/NV 2013, 1428, Rz&nbsp;9; vgl. j&uuml;ngst auch Beschluss des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 20.&nbsp;Dezember 2017 XII&nbsp;ZB&nbsp;213\/17, Betriebs-Berater 2018, 258).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es geh&ouml;rt zu den Organisationspflichten eines Rechtsanwalts bzw. Steuerberaters, die nach den jeweiligen Umst&auml;nden gebotene Vorsorge f&uuml;r den Fall zu treffen, dass er unvorhergesehen an der Wahrnehmung seiner Aufgaben &#8211;vor allem an der Wahrung gesetzlicher Fristen&#8211; gehindert ist (BFH-Beschluss vom 7.&nbsp;Februar 2002 III&nbsp;R&nbsp;12\/01, BFH\/NV 2002, 794, unter II.3.a). Insbesondere muss ein Prozessbevollm&auml;chtigter, der wegen einer chronischen Erkrankung in seiner Arbeitsf&auml;higkeit eingeschr&auml;nkt ist, sein B&uuml;ro so organisieren, dass Fristen auch f&uuml;r den Fall eines pl&ouml;tzlich auftretenden Krankheitsschubes ordnungsgem&auml;&szlig; gewahrt werden k&ouml;nnen, z.B. durch Bereithaltung eines Vertreters (BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;Oktober 1995 VIII&nbsp;B&nbsp;106\/95, BFH\/NV 1996, 332). Dies gilt auch f&uuml;r einen Prozessbevollm&auml;chtigten, der aufgrund seines hohen Alters und seines bereits angegriffenen Gesundheitszustands mit krankheitsbedingten Ausf&auml;llen rechnen muss (vgl. BFH-Beschluss vom 9.&nbsp;August 1989 IX&nbsp;R&nbsp;163\/85, BFH\/NV 1990, 303: 76-j&auml;hriger Prozessbevollm&auml;chtigter, der an einer chronischen Erkrankung litt und bereits drei schwere Darmoperationen hinter sich hatte). Diese Anforderungen sind auch an einen Einzelanwalt zu stellen (BGH-Beschluss vom 26.&nbsp;November 1998 IX&nbsp;ZB&nbsp;84\/98, Anwaltsblatt 1999, 227).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unverschuldet handelt ein berufsm&auml;&szlig;iger Prozessbevollm&auml;chtigter in solchen F&auml;llen nur dann, wenn er pl&ouml;tzlich in einer Weise erkrankt, die es ihm &#8211;auch wenn er sich allgemein um einen Vertreter gek&uuml;mmert hat&#8211; unm&ouml;glich gemacht hat, diesen Vertreter rechtzeitig ausreichend zu informieren (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2002, 794, unter II.3.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Grunds&auml;tzen kann im Streitfall keine Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Revisionseinlegungsfrist gew&auml;hrt werden. Eine krankheitsbedingte Verhinderung des P ist f&uuml;r den hier ma&szlig;gebenden Zeitraum nicht in ausreichender Weise glaubhaft gemacht worden (dazu unten&nbsp;a). Erst recht gilt dies f&uuml;r die Behauptung, P sei im ma&szlig;gebenden Zeitraum zur Vornahme wirksamer Prozesshandlungen von vornherein nicht in der Lage gewesen (unten b). Dar&uuml;ber hinaus sind auch die Darlegungen zu den von P getroffenen organisatorischen Vorkehrungen f&uuml;r den Krankheitsfall nicht ausreichend (unten c).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Kl&auml;ger haben eine krankheitsbedingte Verhinderung des P f&uuml;r die Zeit vom 2.&nbsp;Juni 2016 bis zum 4.&nbsp;Juli 2016 nicht hinreichend glaubhaft gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Sie haben zun&auml;chst die &auml;rztliche Bescheinigung vom 19.&nbsp;Dezember 2017 eingereicht, in der es &#8211;ohne weitere Ausf&uuml;hrungen&#8211; hei&szlig;t, P sei aufgrund der Erkrankung und der Chemotherapien &quot;nur sehr eingeschr&auml;nkt handlungsf&auml;hig und insbesondere seit Fr&uuml;hjahr 2016 nicht in der Lage, berufliche Aufgaben als Verfahrensbevollm&auml;chtigter zu erf&uuml;llen, ohne dies selbst erkennen zu k&ouml;nnen&quot;. Dies hat die Senatsvorsitzende zum Anlass genommen, darauf hinzuweisen, dass die Behauptungen, einerseits sei P nur sehr eingeschr&auml;nkt handlungsf&auml;hig gewesen und andererseits habe er dies nicht selbst erkennen k&ouml;nnen, durch Nennung konkreter Tatsachen substantiiert werden m&uuml;ssten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus der daraufhin eingereichten ausf&uuml;hrlichen Auflistung des A vom 5.&nbsp;Januar 2018 &uuml;ber die durchgef&uuml;hrten diagnostischen und therapeutischen Ma&szlig;nahmen geht zwar hervor, dass P sich von Februar bis September 2014, von Mai bis Juli 2015 und von Juni 2017 bis mindestens Januar 2018 Chemotherapien unterziehen musste. F&uuml;r die Monate Juni und Juli 2016 sind in dieser &auml;rztlichen Bescheinigung hingegen keine therapeutischen Ma&szlig;nahmen verzeichnet. Lediglich im Mai 2016 &#8211;kurz vor der Zustellung des finanzgerichtlichen Urteils&#8211; sind einige diagnostische Ma&szlig;nahmen durchgef&uuml;hrt worden (&#8230;), deren Befunde aber weitgehend unauff&auml;llig waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Damit fehlt es f&uuml;r den hier ma&szlig;gebenden Zeitraum (beginnend mit der Zustellung des finanzgerichtlichen Urteils am 2.&nbsp;Juni 2016 bis zum Ablauf der Revisionseinlegungsfrist am 4.&nbsp;Juli 2016) an einem substantiierten Tatsachenvortrag zu den seinerzeit gegebenen Beeintr&auml;chtigungen des P durch seine Grunderkrankung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vor diesem Hintergrund kann der Senat die zu Beginn der Best&auml;tigung vom 5.&nbsp;Januar 2018 enthaltene Formulierung, bei P seien im Juni 2016 weitere Chemotherapien eingeleitet und bis Oktober 2017 fortgef&uuml;hrt worden, seiner Entscheidung nicht zugrunde legen. Diese Zeitangaben stehen in klarem Widerspruch zu dem Inhalt der nachfolgenden ausf&uuml;hrlichen Auflistung der einzelnen &auml;rztlicherseits getroffenen Ma&szlig;nahmen: Danach wurde die weitere Chemotherapie nicht etwa im Juni 2016, sondern erst im Juni 2017 &#8211;weit au&szlig;erhalb des hier entscheidungserheblichen Zeitraums&#8211; eingeleitet. Sie wurde auch nicht etwa im Oktober 2017 beendet, sondern dauerte bei Ausstellung der Best&auml;tigung im Januar 2018 unver&auml;ndert an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Erst recht haben die Kl&auml;ger trotz eines entsprechenden Hinweises der Senatsvorsitzenden nicht glaubhaft gemacht, P sei im ma&szlig;gebenden Zeitraum nicht in der Lage gewesen, Verfahrenshandlungen &#8211;hier: die Einlegung der Revision&#8211; wirksam vornehmen zu k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Dies folgt zum einen aus der ausf&uuml;hrlichen Auflistung der &auml;rztlichen Ma&szlig;nahmen, in der f&uuml;r die Monate Juni und Juli 2016 &#8211;wie bereits ausgef&uuml;hrt&#8211; weder Eintr&auml;ge noch Medikationen verzeichnet sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Vor allem aber lassen die bei Gericht eingegangenen Schreiben des P in keiner Weise erkennen, dass dieser handlungsunf&auml;hig gewesen sein k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) P hat am 10.&nbsp;Juni 2016 formgerecht Revision eingelegt. Zwar erf&uuml;llte dieser Schriftsatz nicht zugleich die Anforderungen an eine Revisionsbegr&uuml;ndung. Er enth&auml;lt aber s&auml;mtliche Elemente, die f&uuml;r eine Revisionsschrift zu fordern sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Nachdem P die Kostenrechnung &uuml;ber die vorl&auml;ufige Verfahrensgeb&uuml;hr erhalten hatte, hat er am 20.&nbsp;Juli 2016 schriftlich beantragt, die Verfahrensgeb&uuml;hr zu stunden. Auch dieser Schriftsatz ist ordnungsgem&auml;&szlig; aufgebaut und l&auml;sst in keiner Weise erkennen, dass P wegen einer schwerwiegenden k&ouml;rperlichen oder geistigen Beeintr&auml;chtigung handlungsunf&auml;hig gewesen sein k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Mit Schreiben vom 20.&nbsp;August 2016 hat P den Stundungsantrag wieder zur&uuml;ckgenommen. Die hierf&uuml;r von ihm gegebene Begr&uuml;ndung, die Kl&auml;ger h&auml;tten einen Finanzmittelzufluss zu erwarten, war schl&uuml;ssig; jedenfalls wies sie nicht auf einen Zustand der Handlungsunf&auml;higkeit hin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(4) Am 1.&nbsp;Oktober 2016 hat P auf die entsprechende Anfrage der Senatsgesch&auml;ftsstelle schriftlich erkl&auml;rt, nicht auf die Durchf&uuml;hrung einer m&uuml;ndlichen Verhandlung zu verzichten. Auch dieses Schreiben stellte eine sachgerechte und zielgerichtete Handlung dar; ein Anhaltspunkt f&uuml;r das Bestehen von Handlungsunf&auml;higkeit kann darin nicht gesehen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(5) Ebenso hat das FA im vorliegenden Verfahren unwidersprochen vorgetragen, P habe w&auml;hrend der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG am 12.&nbsp;Mai 2016 &#8211;bei der er pers&ouml;nlich anwesend war&#8211; nicht handlungsunf&auml;hig gewirkt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die Kl&auml;ger selbst haben vorgebracht, P habe E erkl&auml;rt, es bed&uuml;rfe keiner besonderen Revisionsbegr&uuml;ndung, weil er die tragenden Gr&uuml;nde bereits in der Revisionseinlegungsschrift niedergelegt habe. Eine derart klare und zielgerichtete &Auml;u&szlig;erung deutet nicht etwa auf eine Handlungsunf&auml;higkeit hin, sondern vielmehr darauf, dass P die Mindestanforderungen an eine ordnungsm&auml;&szlig;ige Revisionsbegr&uuml;ndung rechtlich fehlerhaft beurteilte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Weitere Tatsachen zur Substantiierung ihrer Behauptung, P sei handlungsunf&auml;hig gewesen, haben die Kl&auml;ger trotz eines ausdr&uuml;cklichen Hinweises der Senatsvorsitzenden nicht vorgetragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Kl&auml;ger haben zudem nicht hinreichend dargelegt, dass P die von der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung f&uuml;r erforderlich gehaltenen organisatorischen Vorkehrungen f&uuml;r den Fall einer krankheitsbedingten Verhinderung getroffen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Zu diesem Problemkreis haben die Kl&auml;ger erstmals auf einen entsprechenden Hinweis der Senatsvorsitzenden vorgetragen. Sie haben erkl&auml;rt, P, der in seiner Kanzlei keine Mitarbeiter besch&auml;ftige, habe der E und seinen Kindern bereits im Jahr 2014 eine notariell beurkundete Generalvollmacht zur Vertretung in allen pers&ouml;nlichen und verm&ouml;gensrechtlichen Angelegenheiten sowie eine Vorsorgevollmacht erteilt. Dem P sei nicht anzulasten, dass er nicht f&uuml;r die Vertretung durch einen anderen Kollegen gesorgt habe, da er &#8211;so die Angabe in der ersten &auml;rztlichen Bescheinigung vom 19.&nbsp;Dezember 2017&#8211; die eigene Handlungsunf&auml;higkeit nicht habe erkennen k&ouml;nnen. In der dar&uuml;ber hinaus vorgelegten weiteren Best&auml;tigung des A vom 5.&nbsp;Januar 2018 war die Behauptung, P habe seine eingeschr&auml;nkte Handlungsf&auml;higkeit nicht selbst erkennen k&ouml;nnen, allerdings nicht mehr enthalten. Die Behauptung, P sei seit Fr&uuml;hjahr 2016 nur sehr eingeschr&auml;nkt handlungsf&auml;hig gewesen, wurde auch in dieser Best&auml;tigung unver&auml;ndert wiederholt. Zur Erl&auml;uterung wurde erg&auml;nzt, &quot;Medikamentation und Krankheitsbild&quot; h&auml;tten zu diesem Zeitpunkt bereits zu passagerer (vor&uuml;bergehender) Verwirrtheit zu Zeit und Ort gef&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Dieses Vorbringen l&auml;sst die von P getroffenen organisatorischen Vorkehrungen nicht als in einer Weise ausreichend erscheinen, um zu der Annahme gelangen zu k&ouml;nnen, P sei &quot;ohne Verschulden&quot; (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO) an der Beauftragung eines anderen Prozessbevollm&auml;chtigten gehindert gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Zu derartigen Vorkehrungen hatte P in besonderem Ma&szlig;e Anlass. Er war im hier ma&szlig;gebenden Zeitraum (Juni\/Juli 2016) 75&nbsp;Jahre alt, so dass schon altersbedingt ein &#8211;im Vergleich zum Bev&ouml;lkerungsdurchschnitt&#8211; erh&ouml;htes Krankheitsrisiko bestand. Vor allem aber war ihm bereits seit dem Jahr 2012 bekannt, dass er an einer schwerwiegenden Erkrankung litt, die jederzeit in ein Stadium eintreten konnte, in dem eine sofortige, K&ouml;rper und Psyche stark belastende Therapie erforderlich war. Derartige chemotherapeutische Ma&szlig;nahmen waren bei P von Februar bis September 2014 bereits durchgef&uuml;hrt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den vorstehend unter 1. dargestellten Rechtsprechungsgrunds&auml;tzen gelten die organisatorischen Anforderungen f&uuml;r F&auml;lle krankheitsbedingter Verhinderung auch f&uuml;r Einzelanw&auml;lte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Fest steht nach dem Hinweis der Senatsvorsitzenden und der entsprechenden Stellungnahme der Kl&auml;ger, dass P im Bereich seiner Kanzlei keine organisatorischen Vorkehrungen f&uuml;r den Krankheitsfall getroffen hatte. Die Kl&auml;ger halten dies indes f&uuml;r entschuldbar, weil P im konkreten Fall ohnehin nicht habe erkennen k&ouml;nnen, dass er handlungsunf&auml;hig sei. Dem vermag der Senat nicht zu folgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>40<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r seine pers&ouml;nlichen und verm&ouml;gensrechtlichen Angelegenheiten hatte P der E, ersatzweise seinen Kindern, bereits im Jahr 2014 &#8211;noch w&auml;hrend der laufenden ersten Chemotherapie&#8211; eine umfassende Generalvollmacht erteilt. Dies spricht geradezu zwingend daf&uuml;r, dass P &#8211;auch unter dem Einfluss der w&auml;hrend der Chemotherapie eingesetzten Medikamente&#8211; in der Lage war, zu erkennen, dass in seinen privaten Rechtsangelegenheiten eine Vorsorge f&uuml;r die Zeit eines sich m&ouml;glicherweise weiter verschlechternden Gesundheitszustands erforderlich war. F&uuml;r den Bereich seiner Kanzlei hatte P demgegen&uuml;ber eine solche Vorsorge unterlassen. Zu den Gr&uuml;nden hierf&uuml;r haben die Kl&auml;ger sich nicht ge&auml;u&szlig;ert. Es ist aber unschl&uuml;ssig, einerseits zu behaupten, P habe nicht die Einsichtsf&auml;higkeit gehabt, um vorsorglich einen Vertreter f&uuml;r die von ihm betreuten laufenden gerichtlichen Verfahren zu beauftragen, andererseits aber vorzutragen, P habe noch w&auml;hrend der ersten Chemotherapie f&uuml;r seine privaten Rechtsangelegenheiten umfassend vorgesorgt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>41<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus hat A seine in der ersten Best&auml;tigung vom 19.&nbsp;Dezember 2017 noch &#8211;wenn auch in sehr pauschaler Form&#8211; enthaltene Behauptung, P habe seine eingeschr&auml;nkte Handlungsf&auml;higkeit nicht selbst erkennen k&ouml;nnen, in der zweiten Best&auml;tigung vom 5.&nbsp;Januar 2018 gerade nicht wiederholt. Die nunmehrige Formulierung, es habe seit Februar 2016 eine vor&uuml;bergehende Verwirrtheit bestanden, wird nicht n&auml;her erl&auml;utert. Vor allem aber steht diese Formulierung in Widerspruch zu der detaillierten Auflistung der in der Zeit von November 2012 bis Januar 2018 getroffenen therapeutischen Ma&szlig;nahmen. Darin erw&auml;hnt A f&uuml;r die Zeit zwischen Juli 2015 und Juni 2017 &#8211;also insbesondere f&uuml;r den hier ma&szlig;gebenden Zeitraum im Juni und Juli 2016&#8211; weder Chemotherapien noch andere Medikamentengaben. Auch wird in der Bescheinigung nicht erl&auml;utert, wann die &#8211;ausdr&uuml;cklich als vor&uuml;bergehend bezeichnete&#8211; Verwirrtheit konkret aufgetreten sein soll.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>42<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Konkrete Tatsachen, die die Behauptung der fehlenden Erkenntnis der eigenen Handlungsunf&auml;higkeit substantiieren k&ouml;nnten, haben die Kl&auml;ger trotz des entsprechenden Hinweises der Senatsvorsitzenden nicht vorgetragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>43<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.4.2018, X R 9\/18ECLI:DE:BFH:2018:B.090418.XR9.18.0 Anforderungen an einen auf Krankheit bzw. Handlungsunf&auml;higkeit gest&uuml;tzten Wiedereinsetzungsantrag Leits&auml;tze 1. 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