{"id":69687,"date":"2018-07-13T12:36:40","date_gmt":"2018-07-13T10:36:40","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69687"},"modified":"2018-07-13T12:36:40","modified_gmt":"2018-07-13T10:36:40","slug":"xi-b-5-18-ablehnung-eines-antrags-auf-aussetzung-des-verfahrens-muss-begruendet-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-5-18-ablehnung-eines-antrags-auf-aussetzung-des-verfahrens-muss-begruendet-werden\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;B&nbsp;5\/18 &#8211; Ablehnung eines Antrags auf Aussetzung des Verfahrens muss begr&uuml;ndet werden"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 8.5.2018, XI B 5\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:B.080518.XIB5.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Ablehnung eines Antrags auf Aussetzung des Verfahrens muss begr&uuml;ndet werden<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Ein Urteil eines FG ist nicht mit Gr&uuml;nden versehen, wenn das FG von der Begr&uuml;ndungserleichterung des &sect; 105 Abs. 5 FGO Gebrauch macht, ohne auf einen im Laufe des Klageverfahrens sinngem&auml;&szlig; gestellten Antrag einzugehen, das Verfahren wegen eines Billigkeitsverfahrens auszusetzen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 28. November 2017&nbsp;&nbsp;8 K 941\/16 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht K&ouml;ln zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist eine GmbH, an der in den Streitjahren (2010 und 2011) nicht die A-GbR selbst beteiligt war, sondern die beiden Gesellschafter der A-GbR zu je 50&nbsp;% beteiligt waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin f&uuml;hrte Restaurationsums&auml;tze aus und ver&auml;u&szlig;erte au&szlig;erdem im Jahr 2010 ihr Anlageverm&ouml;gen an die A-GbR, das diese an die Kl&auml;gerin zur&uuml;ckverpachtete.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ging nach Durchf&uuml;hrung einer Au&szlig;enpr&uuml;fung in den Umsatzsteuerbescheiden f&uuml;r die Streitjahre vom 31.&nbsp;Oktober 2014 davon aus, dass zwischen der A-GbR und der Kl&auml;gerin in den Streitjahren keine Organschaft bestanden habe, weil die Kl&auml;gerin nicht in die A-GbR finanziell eingegliedert gewesen sei. Die mittelbare Beteiligung &uuml;ber die Gesellschafter der A-GbR sei nicht ausreichend (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 22.&nbsp;April 2010 V&nbsp;R&nbsp;9\/09, BFHE 229, 433, BStBl II 2011, 597; zur Abgrenzung s. BFH-Beschluss vom 24.&nbsp;Juli 2017 XI&nbsp;B&nbsp;25\/17, BFH\/NV 2017, 1591). Die zur zeitlichen Anwendung u.a. dieses Urteils durch die Finanzverwaltung ergangene &Uuml;bergangsregelung (Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen &#8211;BMF&#8211; vom 5.&nbsp;Juli 2011, BStBl I 2011, 703) sei aus mehreren Gr&uuml;nden nicht anzuwenden. Der Verkauf des Anlageverm&ouml;gens sei deshalb umsatzsteuerbar und -pflichtig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Au&szlig;erdem sei die Kassenf&uuml;hrung der Kl&auml;gerin aus mehreren Gr&uuml;nden nicht ordnungsgem&auml;&szlig; gewesen, so dass eine Hinzusch&auml;tzung von 10&nbsp;% der Barums&auml;tze vorzunehmen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Einspruch der Kl&auml;gerin hatte insoweit Erfolg, als das FA in der Einspruchsentscheidung vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2016 die H&ouml;he der Hinzusch&auml;tzung auf 5&nbsp;% der Barums&auml;tze reduzierte. Im &Uuml;brigen wies das FA den Einspruch als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck und begr&uuml;ndete u.a. unter 3. die Hinzusch&auml;tzungen in H&ouml;he von 5&nbsp;% und unter 4. das Nichtvorliegen einer Organschaft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin verfolgte ihr Begehren mit der Klage weiter und begr&uuml;ndete die Klage mit Schreiben vom 18.&nbsp;September 2016, 21.&nbsp;November 2016 und 9.&nbsp;Januar 2017. Am 21.&nbsp;November 2016 stellte die Kl&auml;gerin au&szlig;erdem einen Antrag auf abweichende Steuerfestsetzung (durch Anerkennung der Organschaft) aus Billigkeitsgr&uuml;nden nach &sect;&nbsp;163 der Abgabenordnung und wies das Finanzgericht (FG) darauf hin, sie werde ggf. beantragen, das Verfahren bis zu einer Entscheidung &uuml;ber den Billigkeitsantrag gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;74 der Finanzgerichtsordnung (FGO) &quot;ruhen&quot; zu lassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA teilte dem FG dazu am 21.&nbsp;Februar 2017 mit, der Antrag sei abgelehnt und Einspruch eingelegt worden. Die Kl&auml;gerin teilte am 20.&nbsp;September 2017 mit, das Billigkeitsverfahren werde fortgesetzt. Gleichzeitig beantragte die Kl&auml;gerin, das Klageverfahren &quot;ruhen&quot; zu lassen. In der m&uuml;ndlichen Verhandlung hat die Vertreterin des FA gegen&uuml;ber dem FG erkl&auml;rt, das dazu laufende Einspruchsverfahren sei noch nicht abgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter dem 26.&nbsp;September 2017 wurden die Beteiligten zu einer m&uuml;ndlichen Verhandlung am Dienstag, den 28.&nbsp;November 2017 geladen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Telefax vom Montag, den 27.&nbsp;November 2017, 16:45&nbsp;Uhr, lie&szlig; der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin dem FG mitteilen, dass er &quot;erkrankt&quot; sei und daher den Termin am 28.&nbsp;November 2017 nicht wahrnehmen k&ouml;nne. Mit Telefax vom selben Tag, 18:33&nbsp;Uhr, lie&szlig; er beantragen, einen neuen Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung zu bestimmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG f&uuml;hrte die m&uuml;ndliche Verhandlung durch, wies die Klage ab und lie&szlig; die Revision nicht zu. Es entschied, der Termin sei nicht zu verlegen, da die Kl&auml;gerin die Erkrankung des Prozessbevollm&auml;chtigten nicht &uuml;berpr&uuml;fbar dargelegt habe. Zur Begr&uuml;ndung, dass die Klage unbegr&uuml;ndet sei, verwies das FG auf die Einspruchsentscheidung des FA unter 3., 4.a und 4.b.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision macht die Kl&auml;gerin Verfahrensfehler i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO geltend. Zum einen habe das FG zu Unrecht den Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht verlegt. Zum anderen habe das FG mit seiner Anwendung des &sect;&nbsp;105 Abs.&nbsp;5 FGO den Vortrag der Kl&auml;gerin in den Schrifts&auml;tzen vom 18.&nbsp;September 2016 und 21.&nbsp;November 2016 au&szlig;er Acht gelassen und sich nicht damit auseinandergesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung. Das FG hat im Rahmen der Entscheidungsgr&uuml;nde zwar gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;105 Abs.&nbsp;5 FGO auf die Entscheidungsgr&uuml;nde der Einspruchsentscheidung verwiesen, dabei aber das neue Vorbringen der Kl&auml;gerin nicht ber&uuml;cksichtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Dem FG ist zwar nicht, wie die Kl&auml;gerin meint, bereits dadurch ein Verfahrensfehler unterlaufen, dass es die m&uuml;ndliche Verhandlung vom 28.&nbsp;November 2017 nicht verlegt hat; denn auch bei Verlegungsantr&auml;gen, die am Nachmittag des Vortags der m&uuml;ndlichen Verhandlung gestellt werden, muss der Antragsteller die erheblichen Gr&uuml;nde i.S. des &sect;&nbsp;227 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Zivilprozessordnung (ZPO) so genau angeben, dass sich das Gericht aufgrund der Schilderung ein Urteil &uuml;ber deren Erheblichkeit bilden kann (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 5.&nbsp;September 2012 II&nbsp;B&nbsp;61\/12, BFH\/NV 2012, 1995, Rz&nbsp;4; vom 26.&nbsp;November 2013 I&nbsp;B&nbsp;2\/13, BFH\/NV 2014, 542, Rz&nbsp;1 und 3; vom 8.&nbsp;September 2015 XI&nbsp;B&nbsp;33\/15, BFH\/NV 2015, 1690, Rz&nbsp;12; Beschluss des Bundessozialgerichts vom 7.&nbsp;November 2017 B&nbsp;13&nbsp;R&nbsp;153\/17 B, juris, Rz&nbsp;9&nbsp;f.). Dies ist in den Telefaxen vom 27.&nbsp;November 2017, 16:45&nbsp;Uhr und 18:33 Uhr, die der Vorsitzenden erst am 28.&nbsp;November 2017 um 8:15&nbsp;Uhr vorlagen, nicht geschehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Allerdings ist das Urteil des FG trotz der Begr&uuml;ndungserleichterung des &sect;&nbsp;105 Abs.&nbsp;5 FGO, von der das FG Gebrauch gemacht hat, teilweise nicht mit Gr&uuml;nden versehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;105 Abs.&nbsp;5 FGO kann das Gericht von einer weiteren Darstellung der Entscheidungsgr&uuml;nde absehen, soweit es der Begr&uuml;ndung des Verwaltungsakts oder der Entscheidung &uuml;ber den au&szlig;ergerichtlichen Rechtsbehelf folgt und dies in seiner Entscheidung feststellt. Dies soll einerseits nicht den Rechtsschutz des B&uuml;rgers einschr&auml;nken, andererseits aber die Gerichte durch die M&ouml;glichkeit der Bezugnahme auf bereits vorliegende und zutreffend begr&uuml;ndete Verwaltungsentscheidungen von unn&ouml;tiger Formulierungs- und Schreibarbeit entlasten (vgl. BTDrucks 12\/1061, S.&nbsp;19&nbsp;f.). Deshalb kann das FG, wenn das FA bereits zu allen im Klageverfahren vorgebrachten entscheidungserheblichen Einwendungen Stellung genommen hat, zur Begr&uuml;ndung seiner Entscheidung auf die Einspruchsentscheidung des FA ohne weitere eigene Darstellung der Entscheidungsgr&uuml;nde Bezug nehmen (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 21.&nbsp;Oktober 2015 X&nbsp;B&nbsp;116\/15, BFH\/NV 2016, 216, Rz&nbsp;5, m.w.N.; vom 21.&nbsp;Juli 2017 X&nbsp;B&nbsp;167\/16, BFH\/NV 2017, 1447, Rz&nbsp;11).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Befugnis des FG, von der Begr&uuml;ndungserleichterung des &sect;&nbsp;105 Abs.&nbsp;5 FGO Gebrauch zu machen, ist jedoch durch den Begr&uuml;ndungszwang begrenzt (vgl. BFH-Beschluss vom 18.&nbsp;Oktober 2006 II&nbsp;B&nbsp;91\/05, BFH\/NV 2007, 256, unter II.1.b, Rz&nbsp;8). Deshalb muss das FG auch bei Anwendung des &sect;&nbsp;105 Abs.&nbsp;5 FGO u.a. auf wesentliches neues Vorbringen im Klageverfahren in seiner Entscheidung eingehen (vgl. u.a. BFH-Beschl&uuml;sse vom 12.&nbsp;September 1995 VII&nbsp;B&nbsp;64\/95, juris, Rz&nbsp;9; vom 10.&nbsp;November 2006 XI&nbsp;B&nbsp;147\/05, BFH\/NV 2007, 267, unter 3.a, Rz&nbsp;6; vom 5.&nbsp;Mai 2014 III&nbsp;B&nbsp;125\/13, BFH\/NV 2014, 1219, Rz&nbsp;11). Das Begr&uuml;ndungserfordernis des &sect;&nbsp;105 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;5 FGO dient vor allem der Unterrichtung der Beteiligten dar&uuml;ber, auf welchen Feststellungen und &Uuml;berlegungen die Entscheidung beruht (vgl. BFH-Beschluss vom 17.&nbsp;September 2009 IV&nbsp;B&nbsp;82\/08, BFH\/NV 2010, 50, Rz&nbsp;6).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Wenn das FG in unzul&auml;ssiger Weise von der Begr&uuml;ndungserleichterung des &sect;&nbsp;105 Abs.&nbsp;5 FGO Gebrauch macht, ist sein Urteil nicht mit Gr&uuml;nden versehen (vgl. BFH-Urteile vom 29.&nbsp;Juli 1992 II&nbsp;R&nbsp;14\/92, BFHE 169, 1, BStBl II 1992, 1043, unter II., Rz&nbsp;6&nbsp;ff.; vom 23.&nbsp;April 1998 IV&nbsp;R&nbsp;30\/97, BFHE 186, 120, BStBl II 1998, 626, unter 1.a, Rz&nbsp;13&nbsp;ff.; BFH-Beschluss vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2009 X&nbsp;B&nbsp;59\/08, Zeitschrift f&uuml;r Steuern und Recht 2009, R389); denn vom Vorliegen eines Verfahrensmangels i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO ist auszugehen, wenn den Beteiligten &#8211;zumindest in Bezug auf einen der wesentlichen Streitpunkte&#8211; die M&ouml;glichkeit entzogen ist, die getroffene Entscheidung auf ihre Rechtm&auml;&szlig;igkeit hin zu &uuml;berpr&uuml;fen (vgl. BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;Dezember 2013 XI&nbsp;B&nbsp;33\/13, BFH\/NV 2014, 714, Rz&nbsp;17).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine solche Situation liegt im Streitfall vor; denn das FG hat von &sect;&nbsp;105 Abs.&nbsp;5 FGO Gebrauch gemacht, ohne auf den &#8211;erst im Laufe des Klageverfahrens gestellten&#8211; Antrag der Kl&auml;gerin, das Klageverfahren wegen Umsatzsteuer aufgrund des beim FA gestellten Antrags auf abweichende Steuerfestsetzung (durch Anerkennung einer Organschaft) &quot;ruhen&quot; zu lassen (wegen des Verweises auf &sect;&nbsp;74 FGO gemeint: auszusetzen), einzugehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Kl&auml;gerin hat mit Schriftsatz vom 21.&nbsp;November 2016, auf den das FG &#8211;anders als auf den Schriftsatz vom 18.&nbsp;September 2016&#8211; im Urteil nicht Bezug genommen hat, mitgeteilt, dass sie einen Antrag auf abweichende Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgr&uuml;nden gestellt hat, und angek&uuml;ndigt, dass sie ggf. einen Antrag auf &quot;Ruhen&quot; (gemeint, wie durch den Verweis auf &sect;&nbsp;74 FGO f&uuml;r das FG erkennbar war: Aussetzung) des Verfahrens stellen wird. Dies hat sie mit Schreiben vom 20.&nbsp;September 2017 dann auch getan.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Darauf ist das FG im Urteil nicht eingegangen. Insbesondere hat das FG, obwohl ihm insoweit ein eigenes Ermessen zusteht (vgl. dazu BFH-Beschluss vom 17.&nbsp;Dezember 2003 XI&nbsp;R&nbsp;63\/00, BFH\/NV 2004, 940, unter II.3., Rz&nbsp;37; BFH-Urteile vom 11.&nbsp;Mai 2010 IX&nbsp;R&nbsp;26\/09, BFH\/NV 2010, 2067, Rz&nbsp;27&nbsp;ff.; vom 14.&nbsp;April 2011 IV&nbsp;R&nbsp;15\/09, BFHE 233, 206, BStBl II 2011, 706, Rz&nbsp;31; vom 10.&nbsp;September 2015 V&nbsp;R&nbsp;17\/14, BFH\/NV 2016, 80, Rz&nbsp;55), nicht begr&uuml;ndet, warum es das Verfahren, wie von der Kl&auml;gerin im Ergebnis beantragt, nicht nach &sect;&nbsp;74 FGO aussetzt. Der Antrag auf abweichende Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgr&uuml;nden wurde von der Kl&auml;gerin im Streitfall nicht kurz vor der m&uuml;ndlichen Verhandlung im November 2017 gestellt, sondern bereits im November 2016. Das Billigkeitsverfahren befindet sich schon im Einspruchsverfahren und das FA hatte dem FG bereits mit Schreiben vom 5.&nbsp;Dezember 2016 mitgeteilt, dass mit einer zeitnahen Entscheidung gerechnet werden kann. Die (konkludente) Entscheidung des FG, den Antrag der Kl&auml;gerin, das Verfahren auszusetzen, abzulehnen, kann daher nicht auf ihre Rechtm&auml;&szlig;igkeit hin &uuml;berpr&uuml;ft werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Das Billigkeitsverfahren ist auch entscheidungserheblich: Sollte das FA auf Grundlage des BMF-Schreibens in BStBl I 2011, 703 eine abweichende Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgr&uuml;nden durch Anerkennung einer Organschaft nicht mehr ablehnen, nachdem die Kl&auml;gerin diese jedenfalls nunmehr in vollem Umfang beantragt, k&ouml;nnte dies Auswirkungen auf beide Streitjahre haben; denn die Kl&auml;gerin hat vor dem FG geltend gemacht, die Organschaft habe bereits vor dem 1.&nbsp;Januar 2010 mit der Verpachtung einer Gastst&auml;tte an sie, die Kl&auml;gerin, begonnen. Tats&auml;chliche Feststellungen des FG dazu fehlen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die noch zu treffende Entscheidung des FA &uuml;ber die Billigkeitsma&szlig;nahme aufgrund der genannten &Uuml;bergangsregelung ist nur eingeschr&auml;nkt gerichtlich &uuml;berpr&uuml;fbar (vgl. BFH-Urteil vom 2.&nbsp;Dezember 2015 V&nbsp;R&nbsp;12\/14, BFH\/NV 2016, 437, Rz&nbsp;32).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Aufgrund dieses Verfahrensfehlers erscheint es sachgerecht, gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen, da beim derzeitigen Verfahrensstand von einer Revisionsentscheidung keine weitere rechtliche Kl&auml;rung zu erwarten ist (vgl. dazu BFH-Beschluss vom 30.&nbsp;September 2013 XI&nbsp;B&nbsp;69\/13, BFH\/NV 2014, 166, Rz&nbsp;17, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Der Beschluss ergeht nach &sect;&nbsp;116&nbsp;Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO ohne weitere Begr&uuml;ndung. Diese Vorschrift gilt auch f&uuml;r Beschl&uuml;sse i.S. des &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO (vgl. BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;Mai 2015 XI&nbsp;B&nbsp;29\/15, BFH\/NV 2015, 1257, Rz&nbsp;23).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 8.5.2018, XI B 5\/18ECLI:DE:BFH:2018:B.080518.XIB5.18.0 Ablehnung eines Antrags auf Aussetzung des Verfahrens muss begr&uuml;ndet werden Leits&auml;tze NV: Ein Urteil eines FG ist nicht mit Gr&uuml;nden versehen, wenn das FG von der Begr&uuml;ndungserleichterung des &sect; 105 Abs. 5 FGO Gebrauch macht, ohne auf einen im Laufe des Klageverfahrens sinngem&auml;&szlig; gestellten Antrag einzugehen, das Verfahren &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-5-18-ablehnung-eines-antrags-auf-aussetzung-des-verfahrens-muss-begruendet-werden\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">XI&nbsp;B&nbsp;5\/18 &#8211; Ablehnung eines Antrags auf Aussetzung des Verfahrens muss begr&uuml;ndet werden<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-69687","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69687","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69687"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69687\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69687"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69687"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69687"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}