{"id":69726,"date":"2018-07-19T12:06:28","date_gmt":"2018-07-19T10:06:28","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69726"},"modified":"2018-07-19T12:06:28","modified_gmt":"2018-07-19T10:06:28","slug":"ix-b-122-17-grundsaetzliche-bedeutung-fortbildung-des-rechts-divergenz-verfahrensmangel-bei-fehlender-vertretungsbefugnis-des-finanzamtsvertreters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-b-122-17-grundsaetzliche-bedeutung-fortbildung-des-rechts-divergenz-verfahrensmangel-bei-fehlender-vertretungsbefugnis-des-finanzamtsvertreters\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;B&nbsp;122\/17 &#8211; Grunds&auml;tzliche Bedeutung, Fortbildung des Rechts, Divergenz, Verfahrensmangel bei fehlender Vertretungsbefugnis des Finanzamtsvertreters"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.5.2018, IX B 122\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:B.290518.IXB122.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Grunds&auml;tzliche Bedeutung, Fortbildung des Rechts, Divergenz, Verfahrensmangel bei fehlender Vertretungsbefugnis des Finanzamtsvertreters<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Die Frage, ob und in welchem Umfang ein Verm&auml;chtnis zu einem entgeltlichen oder unentgeltlichen Erwerb f&uuml;hrt, ist gekl&auml;rt.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Der Mangel der nicht vorschriftsm&auml;&szlig;igen Vertretung kann nur vom nichtvertretenen Beteiligten ger&uuml;gt werden.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen, Au&szlig;ensenate Augsburg, vom 10. Oktober 2017 6 K 1073\/17 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde hat keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Voraussetzungen f&uuml;r eine Zulassung der Revision gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) sind nicht gegeben. Die Revision ist weder wegen der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO, dazu unter 1.) noch zur Fortbildung des Rechts (&sect;&nbsp;115&nbsp;Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Alternative FGO, dazu unter 2.) oder wegen einer Divergenz zur Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (&#8211;BFH&#8211;, &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Alternative FGO, dazu unter 3.) oder wegen eines Verfahrensmangels (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO, dazu unter 4.) zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der von der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) angef&uuml;hrte Zulassungsgrund der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache (&sect;&nbsp;115&nbsp;Abs.&nbsp;2&nbsp;Nr.&nbsp;1&nbsp;FGO) ist nicht gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Eine Rechtssache hat grunds&auml;tzliche Bedeutung, wenn die f&uuml;r die Beurteilung des Streitfalls ma&szlig;gebliche Rechtsfrage das Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber&uuml;hrt. Die Rechtsfrage muss kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und in dem angestrebten Revisionsverfahren kl&auml;rungsf&auml;hig sein (Gr&auml;ber\/Ratschow, Finanzgerichtsordnung, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;115 Rz&nbsp;23, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Daran fehlt es hier. Die Frage, ob und in welchem Umfang ein (Sach-)Verm&auml;chtnis (&sect;&sect;&nbsp;2147&nbsp;ff. des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211;) zu einem entgeltlichen oder unentgeltlichen Erwerb f&uuml;hrt, ist gekl&auml;rt. Die Frage ist auch weder in der Rechtsprechung (vgl. BFH-Urteil vom 29.&nbsp;Juni&nbsp;2011 IX&nbsp;R&nbsp;63\/10, BFHE 234, 182, BStBl II 2011, 873) noch im Schrifttum umstritten (vgl. u.a. Kube in Kirchhof, EStG, 17.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;23 Rz&nbsp;11, 13; Schmidt\/Weber-Grellet, EStG, 37.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;23 Rz&nbsp;42). Die Frage spielt auch in der angegriffenen Ausgangsentscheidung keine Rolle, da das Finanzgericht (FG) nach seinen tats&auml;chlichen Feststellungen der Anschaffung einen entgeltlichen Erwerb aufgrund eines Kaufvertrags zu Grunde gelegt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Aus diesem Grund scheidet auch eine Zulassung der Revision zur Fortbildung des Rechts (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Alternative FGO) aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der von der Kl&auml;gerin vorgebrachte Zulassungsgrund der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Alternative FGO) liegt nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Zulassung der Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung setzt voraus, dass das FG in einer Rechtsfrage von der Entscheidung eines anderen Gerichts abgewichen ist, dass dabei &uuml;ber dieselbe Rechtsfrage entschieden wurde und diese f&uuml;r beide Entscheidungen rechtserheblich war, dass die Entscheidungen zu gleichen oder vergleichbaren Sachverhalten ergangen sind, dass die abweichend beantwortete Rechtsfrage im Revisionsverfahren gekl&auml;rt werden kann und dass eine Entscheidung des BFH zur Wahrung der Rechtseinheit erforderlich ist (vgl. u.a. BFH-Beschluss vom 8.&nbsp;Mai 2013 III&nbsp;B&nbsp;140\/12, BFH\/NV 2013, 1248).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Daran gemessen liegt die von den der Kl&auml;gerin vorgetragene Abweichung von der Entscheidung des BFH in BFHE 234, 182, BStBl II 2011, 873 nicht vor. Denn das FG ist auf der Grundlage seiner tats&auml;chlichen Feststellungen von einem Geldverm&auml;chtnis ausgegangen, dessen Mittel zum Erwerb des streitbefangenen Grundst&uuml;cks aufgrund eines Kaufvertrags genutzt wurden. Der Entscheidung in BFHE 234, 182, BStBl II 2011, 873 lag hingegen ein Vorausverm&auml;chtnis (&sect;&nbsp;2150 BGB) und damit ein anderer tats&auml;chlicher und rechtlicher Sachverhalt zu Grunde. Zudem hat das FG auch nicht f&uuml;r den Fall eines Erwerbs durch (Sach-)Verm&auml;chtnis einen entgeltlichen Vorgang bejaht, sondern ist in tats&auml;chlicher Hinsicht von einem &#8211;von dem empfangenen Geldverm&auml;chtnis unabh&auml;ngigen&#8211; entgeltlichen Erwerb des Grundst&uuml;cks von der Erbin ausgegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die von der Kl&auml;gerin ger&uuml;gten Verfahrensm&auml;ngel liegen ebenfalls nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Soweit die Kl&auml;gerin auf die fehlende Vertretungsbefugnis des Vertreters des Beklagten und Beschwerdegegners (Finanzamt &#8211;FA&#8211;, &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Alternative FGO) hinweist, kann sie sich auf diesen Umstand mangels Beschwer nicht berufen. Zwar liegt ein absoluter Revisionsgrund (&sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;4 FGO) vor, wenn ein Beteiligter im finanzgerichtlichen Verfahren nicht ordnungsgem&auml;&szlig; vertreten war. Da die Vorschrift des &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;4 FGO den Schutz des nicht ordnungsgem&auml;&szlig; Vertretenen bezweckt, kann grunds&auml;tzlich nur dieser &#8211;hier das FA&#8211; diesen Verfahrensmangel geltend machen (vgl. Gr&auml;ber\/Ratschow, a.a.O., &sect;&nbsp;119 Rz&nbsp;30, m.w.N., sowie BFH-Beschluss vom 27.&nbsp;Oktober&nbsp;1992 VII&nbsp;R&nbsp;71\/92, BFH\/NV 1993, 314, unter 1., m.w.N.). Zudem spielt eine m&ouml;glicherweise fehlende Vertretungsbefugnis auch deswegen keine Rolle, weil eine Zur&uuml;ckweisung der Vertreterin des FA (&sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;3 FGO) seitens des FG nicht erfolgt ist. Die vorgenommenen Prozesshandlungen sind damit wirksam (vgl. Gr&auml;ber\/ Stapperfend, a.a.O., &sect;&nbsp;62 Rz&nbsp;42, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Soweit die Kl&auml;gerin die Verletzung von Art.&nbsp;3&nbsp;Abs.&nbsp;1 und Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;1&nbsp;des Grundgesetzes sowie von Art.&nbsp;1 und Art.&nbsp;14 der Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten r&uuml;gt, wendet sie sich gegen die materiell-rechtliche Richtigkeit der Entscheidung des FG. Materiell-rechtliche Fragen sind einer Nachpr&uuml;fung durch den BFH im Rahmen einer Verfahrensr&uuml;ge jedoch entzogen (vgl. BFH-Beschluss vom 12.&nbsp;Juni 2013 IX&nbsp;B&nbsp;11\/13, BFH\/NV 2013, 1441).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Von einer weiter gehenden Begr&uuml;ndung wird gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO abgesehen. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.5.2018, IX B 122\/17ECLI:DE:BFH:2018:B.290518.IXB122.17.0 Grunds&auml;tzliche Bedeutung, Fortbildung des Rechts, Divergenz, Verfahrensmangel bei fehlender Vertretungsbefugnis des Finanzamtsvertreters Leits&auml;tze 1. NV: Die Frage, ob und in welchem Umfang ein Verm&auml;chtnis zu einem entgeltlichen oder unentgeltlichen Erwerb f&uuml;hrt, ist gekl&auml;rt. 2. 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